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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

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Yerhandlungen 

der kaiserlich-königlichen 

zoologisch - botanischen Gesellschaft 

in Wien. 

Herausgegeben von der Gesellschaft. 
Redigiert von Anton Handürsch, 

k. u. k. Kustos am naturbistorisclion Hofmuseum. 

Jalirganj* 1911. 
LXI. Band. 

Mit einem Porträt, 6 Tafeln und 80 Abbildungen im Texte. 



Ausgegeben wurde: 

Heft 1/2. S. (1)— (64), 1-64 am 24. März 1911. 
„ 3/4. S. (65)— (96), 65-160 „ 15. Mai 1911. 
„ 5/6. S. (97)— (144), 161—240 „ 28. August 1911 
„ 7/8. S. (145)— (160), 241-352 „ 28. Nov. 1911. 
„ 9/10. S. (161)— (181), 353—475 „ 28. Febr. 1912. 



Wien, 1911. 

Für das In- und Ausland besorgt durch Alfred HÖldsr, 

, k. u. k. Hof- und Universitäts-Buchhändler, 
Buchhändler der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 



Adresse der Redaktion: Wien, III/o, Meclielgasse 2. 



Druct von Adolf Holzhansen, 
K. und k. Hof- und üniversiau-Buch-irucker 



58^ 

AC£S LIBRARY 



Protektor : 

Seine k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog 

Rainer. 



Leitung der Gesellschaft 

Präsident (gewählt bis Ende 1913): 
P. T. Herr Prof. Dr. Richard Wettstein Ritter v. Westersheim. 

Yizepräsidenten (gewählt bis Ende 1913): 

P. T. Herr Prof. Dr. Karl Grobben. 
„ „ Dr. Franz Ostermeyer. 

Greneralsekretär (gewählt bis Ende 1913): 
P. T. Herr Konservator Josef Brunnthaler. 

Kedakteur (gewählt bis Ende 1913): 
P. T. Herr Kustos Anton Handlirsch. 

Rechnungsführer (gewählt bis Ende 1913): 

P. T. Herr Oberrechnungsrat i. P. Julius Hungerbyehler Edler 
V. Seestätten. 

Attssclnißräte (gewählt bis Ende 1910): 

P. T. Herren: Heinrich Braun, Ingenieur, Stadtrat; Dr. Karl 
Brunner V. Wattenwyl, k.k. Hofrat; Dr. Alfred Burgerstein, k. k. 
Universitäts-Professor; Theodor Fuchs, k. k. Hofrat; Dr. August 
Ginzb erger, k. k. Universitäts -Adjunkt; kais. Rat Dr. Eugen v. 
Haläcsy; Dr. Heinrich Freiherr v. Handel-Mazzetti, Assistent; 
' Dr. August Edler v. Hayek, städt. Bezirksarzt; Franz Heik er tin- 
ger; Dr. Karl Holdhaus, k. u. k. Assistent; Dr. Josef Hockauf, 

Z. B. Ges. 61. Bd. a 

732827 



Leitung der Gesellschaft. 



k. k. Universitäts-Professor; Dr. Karl Ritter v. Keissler, k. u. k. 
Kustos -Adjunkt; Dr. Ludwig Linsbauer, k. k. Professor; Prof. Dr. 
Ludwig- Lorenz v. Liburnau, k. u. k. Kustos; Prof. Dr. Emil Edler v. 
Marenzeller, k. u. k. Kustos; Dr. Hans Molisch, k. k. Univer- 
sitäts-Professor; Michael Ferd. Müllner; Ferd. Pfeiffer Ritter v. 
Well heim, Inspektor; Dr. Paul Pfurt schell er, k. k. Professor; 
Dr. Theodor Pintner, k. k. Universitäts-Professor; Ernest Preiß- 
mann, k. k. Regierungsrat; Dr. Karl Rechinger, k. u. k. Assistent; 
Dr. Karl Schima, k. k. Hofrat; Rudolf Schrödinger; Friedrich 
Siebenrock, k. u. k. Kustos; Dr. Franz Spaeth, Magistratsrat; 
Dr. Rudolf Sturany, k. u. k. Kustos; Dr. Fritz Vierhapper, Privat- 
dozent; Dr. Franz Werner, k. k. Uni versitäts- Professor; Dr. Karl 
Wilhelm, Hochschul-Professor ; ferner die Obmänner der Sektionen. 

ßedaktions - Comite. 

P. T. Herren: Dr. Alfred Burg er st ein, Josef Brunnthaler, 
Anton Handlirsch, Dr. L. v. Lorenz, Dr. Theodor Pintner, Dr. 
Karl Rechinger, Dr. Fr. Vierhapper, Dr. Alex. Zahlbruckner 
und die Schriftführer der Sektionen. 

Bibliotheks - Coinite. 

P. T. Herren: Josef Brunnthaler, Dr. Alex. Zahlbruckner. 

Sektion für Botanik. 

Obmann: Herr Kustos Dr. Alex. Zahlbruckner. — Obmann- 
Stellvertreter: Herr Rudolf Schrödinger. — Schriftführer: Herr 
Dr. August Edler v. Hayek. 

Sektion für Koleopterologie. 

Obmann: Herr Direktor L. Gangibauer. — Obmann-Stell- 
vertreter: Herr Dr. K. Hold haus. — Schriftführer: Herr F. Hei- 
kertinger. 

Sektion für Kryptoganienkiinde. 

Obmann: Herr Kustos Dr. AI. Zahlbruckner. — Obmann- 
Stellvertreter: Herr Prof Dr. Viktor Schiffner. — Schriftführer: 
Herr Josef Brunnthaler. 



Leitung der Gesollachatt. Q^) 

Sektion für L(>i)idoi)tcr<)lo^;ie. 

Obmann: Herr Prof. Dr. II. Ucbcl. — Obmann-Stell vertreten 
Herr Zentralinspektor Jobann Prinz. — ScbriftfUbrer: Herr Dr. 
Egon Galvagni. 

Sektion für Paläozoologie. 

Obmann: Herr Prof. Dr. 0. Abel. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr Kustos Dr. L. v. Lorenz. — Scbriftfiihrer: Herr Dr. Alois 
Rogenhofer. 

Sektion für Zoologie. 

Obmann: Herr Prof. Dr. K. Grobben. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr Kustos Dr. L. v. Lorenz. — Scbriftfiihrer: Herr Dr. V. 
Pietschmann. 



Gresellschaftslokale : 

Wien, ni/3, Mechelgasse 2. — Täglich (mit Ausnahme der Sonn- 
ig und Feiertage) von 3 — 7 Uhr nachmittags geöffnet, Freitag bis 8 Uhr. 

KanzHstin: Frau Grete Ferlesch (XVH., Veronikagasse 29). 



Alle Zuschriften und Zusendungen sind zu richten an die: 
„K. k. zoologisch-botanische Gesellschaft", ohne spezielle Adres- 
sierung an einen Funktionär der Gesellschaft. 



a* 



(4) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Bericht der Sektion für Koleopterologie. 



Versammlung am 20. Oktober 1910. 
Vorsitzender: Herr Reg.-Rat Direktor L. Gangibauer. 

I. Der Vorsitzende berichtet eingehend über die Arbeit von 
Andreas Semenov-Tian-Shansky : „Die taxonomischen Gren- 
zen der Art und ihrer Unterabteilungen" (Berlin, 1910, R. 
Friedländer & Sohn). 

II. Herr Franz Heikertinger legt . die Beschreibungen von 
vier neuen Aphthona-Fovmeu aus dem paläarktischen 
Asien vor: 

Aphthona interstitialis Weise. 

Weise beschrieb (Archiv f. Naturg., 1887, S. 202) eine Aph- 
thona interstitialis von Chabarofka am Amur (Koltze). 

Nach der Beschreibung ist diese Art in Farbe und Zeichnung 
unserer Aphthona lutescens Gyllh. ähnlich, aber gewölbter, viel 
schlanker gebaut, der Halsschild länger, die Flügeldecken doppelt 
punktiert und die Hinterschenkel einfarbig. 

Weiters wird in Weises Beschreibung von dem Tiere u. a. 
gesagt: 

„Sehr lang eiförmig, gewölbt; frische Stücke gelbbraun, aus- 
gehärtete hell bräunlichgelb mit weißlichen Flügeldecken, glän- 
zend; die Fühler nach der Spitze hin schwärzlich; die aufge- 
bogene Kante des Halsschildseitenrandes schwarz; Schildchen 
braun. Flügeldecken an der Basis heraustretend, dahinter fast 
parallel, mit deutlicher Schulterbeule; der schwarze Nahtsaum 
ist bei frischen Exemplaren vorne und hinten abgekürzt, bei aus- 
gehärteten nur vor der Spitze." 

Ich hatte seinerzeit Gelegenheit, die Typen in der Kollektion 
Weise zu sehen; die Art fällt besonders dadurch auf, daß der 
Halsschild nach hinten deutlich verschmälert ist, was dem Tiere 
einen für eine Aphthona fremdartig anmutenden Habitus verleiht. 



Versaininluiifi- der 8(ikti(>n für K()l(M)pt(M"()l()t,'i<\ 



(5) 



Nun liegen mir in der Kollektion F. liauser zwei ti betau iHelic 
Stücke einer Aphfhona vor, die ic^li nach eingehender Prlil'ung nur 
auf diese Art beziehen kann. Dieselben weichen aber von der 
oben charakterisierten Normalfonn derart ab, dal5 icli sie als neue 
Form der Art aufstellen zu müssen glaube. 

Aphthona interstitialis nov. var. tibetana Heik. 

In der Färbung fast völlig nut einer Aphthona pallida var. 
nigrtceps Redt, mit sehr breiter, schwarzer Nahtbinde (ab. decorata 
Kutsch.) übereinstimmend, auch hinsichthch der Körperform eher 
an diese als an die flachere Aphthona lutescens Gyllh. erinnernd; 
allerdings viel größer als nigrkeps, mit ansehnlicherem Vorderkörper, 
anderer Halsschildform etc. 

Lang eiförmig, stark gewölbt, rötlichgelb oder rötlich braun- 
gelb; der Halsschild eine Spur dunkler;^) die Flügeldecken mehr 
strohgelb, der Mund und die Fühler (ungefähr vom fünften Gliede 
an nach außen) schwarz, der Kopf oberhalb der Stirnhöcker dunkel 
rotbraun bis pechschwarz, die Hinterschenkel ungefähr von der 
Farbe des Halsschildes, die Unterseite des Körpers (ausgenommen 
die Vorderbrust) rötlich pechbraun bis schwärzlich. Die Flügeldecken 
zeigen ein sehr breites, gemeinsames, schwarzes oder dunkel pech- 
braunes Nahtband, dessen Ränder verwaschen in das Strohgelb der 
Decken tibergehen; dieses Nahtband, das beinahe ein Drittel der 
Flügeldeckenbreite einnimmt, erweitert sich beim Schildchen, färbt 
die innere Hälfte der Deckenbasis und den hinteren Saum des 
Halsschildes dunkel, läuft dann ein Stück parallelseitig nach hinten, 
erweitert sich im letzten Fünftel der Decken abermals ein wenig, 
um dann ein Stück vor der Spitze zu erlöschen; die Spitzen der 
Decken bleiben gelb. An dem schmal aufgebogenen Seitenrande des 
Halsschildes ist ein feiner, schwärzlicher Saum kaum bemerkbar. 

Kopf und Halsschild sind im Verhältnis zu den Decken auf- 
fallend ansehnlich, groß und breit; der Halsschild ziemlich lang 



^) Der Halsschild zeigt bei den mir vorliegenden zwei Exemplaren in 
der Mitte nahe dem Vorderrande und nahe dem Hinterrande je einen unbe- 
stimmt dunkler durchschimmernden Querfleck, der jedoch nicht auf eine dunkle 
Pigmentierung der Cuticula, sondern im Gegenteile auf diaphane Stellen der 
letzteren, die Färbungen des Körperinnern unbestimmt dunkel durchschimmern 
lassen, zurückzuführen sein dürfte. 



(6) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(ungefähr P/s mal so breit als lang), seine größte Breite liegt vor 
der Mitte, wodurch das Tier einen ungewohnten Habitus erhält und 
beim ersten Anblick an einen Longitarsus erinnert. Die Decken 
besitzen eine sehr wenig deutliche Schulterbeule (das Tier ist sicher- 
lich nicht flugfähig) und erscheinen hinter der Beule nicht parallel- 
seitig, sondern sanft länglich eiförmig gerundet. Die Punktierung 
der Decken (vorne unregelmäßige Punktreihen, die sich hinten ver- 
wirren, dazwischen äußerst feine Pünktchen) stimmt ebenso wie die 
Punktierung des Halsschildes völlig mit den von Weise gemachten 
Angaben überein. 

Tibet, Kuku-Nor, 3200 m, F. Hauser, 1898; zwei Exemplare. 

Aphthona Hausen Heik. nov. spec. 

Eine auffällige Art, die durch ihre Größe, ihre flache, ziem- 
lich gestreckte Körperform, die Glätte der schwarzblauen Oberseite, 
die hellen, schlanken Extremitäten etc. entfernt an einen Lupems 
erinnert. 

Hinsichtlich der Form der Stirnhöcker, der Schulterbeule, der 
Beinfärbung etc. wird das Tier in die Verwandtschaft der Äphth. 
pygmaea Kutsch., testaceicornis Weise, armeniaca Weise etc. zu 
stellen sein. Von der mir unbekannten Äphth. Becken Jacobs.^) aus 
Saratoff unterscheidet es sich nach der Beschreibung durch die 
blaue Färbung der Oberseite, die helleren Fühler und Beine, die 
nirgends gereihte Punktierung der Flügeldecken etc. Indes halte 
ich es für möglich, daß sich bei Bekanntwerden weiteren Materiales 
verbindende Formen zwischen den beiden Arten finden könnten. 
Auf jeden Fall wird Äphth. Beckeri in die nächste Nähe der Hau- 
sen zu stellen sein. 

Letztere ist länglich, flach gebaut, oberseits seh warzblau glän- 
zend (unreif pechbraun mit bläulichviolettem Schimmer),^) Unter- 
seite schwarz, oft schwach metalHsch, glänzend; Fühler und Beine 
hell rötlichgelb, an ersteren nur die Spitzen der vier oder fünf 
letzten Glieder, an letzteren nur die Hinterschenkel schwärzlich 

1) Hör. Soc. Ent. Ross., 1896, XXX, p. 108. 

2) Ich halte dieses ßläulichviolett unreifer Tiere (das bei vielen blauen 
Halticinen wiederkehrt) für das Resultat einer Mischung der rötlichbraunen 
(unreifen) Grundfärbung mit dem blauen Überflug, wodurch ein violetter Ton 
entsteht, der an den reifen Tieren nicht mehr sichtbar ist. 



Vcr.sanimlim;^' »l«'»' »Sektion l'iir K<)l«'(»llt(^^()lo<>i(^ 



oder angedunkclt; das Klauenglied etwas dunkler als die übrigen 
Tarsenglieder. 

Kopf glatt, gewölbt, Stirnkiel ziemlich scharf, Stirnhöckerchen 
nett, wie bei pygmaea von tiefen , starken Kinnen untereinander 
und von der Stirne getrennt. Fühler lang und schlank, Glied 1 
stark, Glied 2 schwach verdickt, die übrigen Glieder dünn; Glied 2 
kaum halb so lang als Glied 1, Glied 3 etwas kleiner als Glied 1, 
Glied 4 und die folgenden ungefähr so lang wie Glied 1, aber 
dünner und erst gegen das Fühlerende hin wenig stärker werdend, 
das vorletzte Glied noch ungefähr 2^/2 mal so lang als breit. 

Halsschild etwas breiter als der Kopf, ungefähr P/2 mal so 
breit als lang, nahe der Basis am breitesten, gegen den Hinter- 
rand ganz wenig eingezogen, nach vorne deutlich gerundet ver- 
engt; die vordere Borstenpore nahe den Vorderecken eingesetzt und 
nur wenig vortretend. Oberfläche des Halsschildes nur wenig ge- 
wölbt, glänzend glatt oder mit zerstreuten, flachen, unbestimmten 
Pünktchen versehen. 

Schildchen groß, glatt, fast halbkreisförmig. Flügeldecken be- 
trächtlich breiter als der Halsschild, mehr als doppelt (272- bis fast 
3 mal) so lang als dieser, an den Schultern ziemlich vorspringend, 
länglich, mit nur wenig gerundeten Seiten, erst weit rückwärts 
ziemlich rasch verengt. Sie sind wenig gewölbt, besonders auf dem 
Rücken ziemlich flachgedrückt. Ihre Oberfläche ist glänzend, auf 
glattem Grunde stehen unregelmäßig gedrängt verschieden große, 
aber durchw^egs flache Pünktchen. Die glatte Schulterbeule springt 
ziemlich stark vor und ist innen und hinten schwach abgesetzt. Der 
nicht verrundete Nahtwinkel ist ungefähr ein rechter. 

Beine aufi'ällig schlank und zart, besonders die Schienen und 
Tarsen ; hellfarbig, nur die Hinterschenkel und eventuell die Klauen- 
glieder dunkel. Schienen leicht gebogen, oberseits in der Endhälfte 
mit einer ebenen, zum Anlegen der Tarsenglieder geeigneten Fläche, 
die von scharfen Kanten flankiert ist. Drittes (lappiges) Tarsenglied 
sehr klein, Klauenglied und Klauen sehr lang. 

Prosternalfortsatz relativ breit, hinten am Saume mit deut- 
licher Leiste. Länge zirka 3-3 mm. 

Die mir vorliegenden Stücke, der Kollektion Hauser ent- 
stammend, scheinen durchwegs q. 



(8) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Buchara, Repetek, ein Exemplar; Transkaspia, Dortkuju, Mai 
1900, drei Exemplare. 

Aphthona gracilis nov. var. üavofemorata Heik. 

Falderman hat (Nouv. M6m. Mose., V, p. 344) eine Apli- 
thona aus dem Kaukasus beschrieben, die dunkelviolette Flügel- 
decken und einen glänzend grünschwarzen — unter einer gewissen 
Beleuchtung sogar etwas bronzeschimmernden — Vorderkörper besitzt. 

Die Erwähnung dieses dunklen Schwarzgrüns auf Kopf und 
Halsschild in der Beschreibung des Falderman sehen Tieres hat 
Weise (Erichs., Naturges. Ins. Deutsch!., VI, S. 894, Note) veran- 
laßt, eine gleichfalls aus dem Kaukasus stammende Aphthona, wel- 
che, abgesehen von einigen unmaßgeblichen Differenzen, gut auf 
gracilis Faid, stimmt^ auf Kopf und Halsschild aber rein schwarz 
gefärbt ist, nicht auf diese Art zu beziehen, sondern unter dem 
Namen picipes neu zu beschreiben. An die Beschreibung fügt 
Weise den ausdrücklichen Vermerk: „Da meine Stücke auf Kopf 
und Halsschild nicht eine Spur grünen Schimmers besitzen, vermag 
ich sie nicht auf die mir unbekannte Aphthona gracilis Faid, aus 
dem Kaukasus zu beziehen." 

Der Cat. Col. Eur. etc. v. Heyden, Reitter et Weise, ed. II, 
1906, stellt die gracilis Faid. — offenbar als ungedeutet — isoliert 
ans Ende der Gattung. 

Nach Vergleichung ausreichenden Materiales bin ich geneigt, 
die Färbungsangabe betreffs des Vorderkörpers der Art in der 
Faldermanschen Beschreibung für die Folge einer bedeutungs- 
losen optischen Täuschung des Autors zu halten und trage keine Be- 
denken, seine gracilis mit dem Weiseschen Tiere zu konfundieren. 

Ebenso wie beispielsweise der schwarze Druck auf rotem 
Papiere dem Auge nicht rein schwarz erscheint, sondern einen ganz 
auffälligen grünen Schimmer zeigt, oder, physikalisch gesprochen, den 
Eindruck der Komplementärfarbe des roten Grundes (das ist grün) 
auslöst, ebenso ist ohneweiters denkbar, daß das dunkle Blauviolett 
der Flügeldecken auf den unmittelbar daneben liegenden, spiegel- 
schwarzen Halsschild für manches Auge einen unbestimmten Schim- 
mer der Komplementärfarbe — hier grünlichgelb — wirft, der auf 
dem schwarzen Grunde als leichter Messingschimmer zum Ausdrucke 
kommt. Absolutes, glänzendes Schwarz zeigt übrigens, besonders 



Versammliiuf? der Sektion fiir Koleopteroloj^ie. 



(9) 



wenn das Auge an das geUiutige IJlaiiseliwarz der meisten Aphthona- 
arten g-ewöluit ist, leicht einen fremdartig fahlen^ das Auge irre- 
führenden Farbenton. 

In letzter Linie ist es wohl auch ohne Zwang denkbar, daß 
einzelne Stücke des besprochenen Käfers auf dem schwarzen Vorder- 
körper einen leichten grünlichen oder metallischen Schimmer zeigen. 
Jedenfalls genügt ein solcher — die sonstige Übereinstimmung 
vorausgesetzt^) — nicht als Trennungsmerkmal. 

Die normale gracilis Faid, (picipes Weise) aus dem Kaukasus 
besitzt pechschwarze Beine mit helleren Gelenken und Tarsen ; sel- 
tener sind die Beine düster gelbrot mit mehr oder minder ge- 
schwärzten Schenkeln. 

Von dieser Form ist hinsichtlich der Extremitätenfärbung kon- 
stant verschieden eine andere, von der ich eine größere Serie aus 
Buchara (Kollektion Staudinger) sah. Bei dieser zeigen Fühler 
und Beine eine völlig hellgelbe Färbung; nur die Spitze der Fühler 
und bei manchen Stücken die Hinterschenkel sind schwärzlich. Die 
Tiere zeigen übereinstimmend auch etwas feiner punktierte Decken 
als die gracilis des Kaukasus und einen völlig spiegelglatten Hals- 
schild, der kaum Spuren von Pünktchen trägt. 

Da Weise in seinem Werke (Erichs.^ Naturg. Ins. Deutsch!., 
VI, S. 892) die Beinfarbe bei den Aphthonen als Tabellenmerkmal 
verwendet — wozu sie sich übrigens zwecks Gewinnung eines Über- 
blickes auch sehr gut eignet — halte ich eine besondere Benen- 
nung dieser neuen Form — die sich vielleicht bei Vorliegen wei- 
teren Materiales als Lokalvarietät herausstellen wird — für angezeigt 
(gracilis var. nov. flavofemorata m.). 

Von der gleichfalls aus dem Kaukasus bekannten, in der 
Färbung der gracilis äußerst ähnlichen ÄpMJi. armeniaca Weise 



^) Einige Differenzen in der Beschreibung Fal denn ans mit den mit 
vorliegenden Tieren — z. B. die angeblich obsoleten Stirnhöcker der gracilis 
— scheinen mir mit Rücksicht darauf, daß die Beschreibung im Jahre 1837 
und von einem Forscher angefertigt wurde, der keine nähere Kenrtnis von 
Halticinen besaß, dem also unsere heutige Vergleichsbasis fehlte (er beschrieb 
beispielsweise Podagrica Menetriesi als Triplax), nur unwesentlich. Jedenfalls 
ist es ganz unwahrscheinlich, daß Falderman nicht die im Kaukasus häufige 
Art, sondern eine seither nicht wieder aufgefundene vor sich gehabt haben sollte. 



(10) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(Deutsche Ent. Zeitschr., 1890, S. 260) ist die neue gracilis-Form bei 
Vorliegen von Vergleichsmaterial schon habituell gut zu unterschei- 
den; nach der Beschreibung allein dürfte eine Trennung allerdings 
etwas schwierig sein. 

Äplith. gracilis var. flavofemorata ist kleiner als armeniaca, 
breiter gebaut, mit kürzeren, gewölbteren Decken^ die nicht leb- 
haft blau, sondern beinahe schwarz (mit düster violettem Schim- 
mer) sind. 

Die Penes der drei erwähnten Aphüiona -Yorm^xi stimmen 
untereinander ziemlich überein. Sie sind sämtlich im mittleren Teile 
(ungefähr ein Drittel der Gesamtlänge) eingeschnürt und zeigen ein 
lang-löffelförmiges Enddrittel mit einer länglichen Grube auf der 
Unterseite. Mangels genügenden Materiales verschiedener Provenienz 
vermag ich jedoch Individuelles von Spezifischem nicht zu trennen 
und unterlasse deshalb eine eingehend vergleichende Beschreibung 
der Penes. 

Aphthona Czwalinae Weise nov. var. asiatica Heik. 

Äphthona Czwalinae Weise ist beschrieben nach Stücken von 
Oliva bei Danzig (Gz walin a) und von Samara, Südostrußland 
(Faust); die Typen der var. coerulescens Weise (Deutsch. Ent. 
Zeitschr., 1889, S. 420) stammen gleichfalls aus Südostrußland, näm- 
lich von Saratow (Semenow). 

J. Ger hart (Deutsch. Ent. Zeitschr., 1908) meldet das Tier aus 
Schlesien (Guhrau, leg. Varendorff); K. v. Hormuzaki (Verh. zool.- 
bot. Ges., 1901, S. 361) aus Radautz in der Bukowina. Mir hegt — 
außer Stücken aus Oliva und Südrußland — ein Exemplar von 
Frößnitz in Mähren (V. Zoufal) vor. Ich selbst fing die Art, und 
zwar ein einzelnes Tier von blauer Färbung, an einem Wasser- 
graben bei Mayersdorf an der Hohen Wand (Niederösterreich); 
letzteres ist bis jetzt wohl der westlichste bekannte Fundort 
der Art. 

L. V. Heyden zitiert sie (Deutsch. Ent. Zeitschr., 1890, S. 356) 
aus Turkestan (Alai, durch Staudinger). 

Mir liegen Stücke einer Äphthona aus Innerasien vor, die 
durch ihre beträchtliche Größe und ihre lebhaft metallgrüne Fär- 
bung auffallen, die ich aber ungeachtet des stark differierenden 
Habitusbildes artUch nicht von Aphth. Czwalinae trennen kann. 



Versammluiifj: der Sektion für K(>le()pteroIof(ie. 



(11) 



Diese Stücke sind durclischnittlich beträchtlich gnißcr als die 
europäischen (3 2 — 3 6 nim)^) und lebhafter nietall^rUu gefärbt; die 
fünf ersten Fühlerglieder sind rötlichgclb, die übrigen schwarz; 
die Stirnhöcker sind flacher, der Halsschild ist entweder fast ganz 
glatt und glänzend, meist aber ziendich fein, unregelmäßig und un- 
gleich, flach und uneben punktiert. Die Schulterbeule ragt in der 
Regel stark vor. 

Die Stücke stammen von: Issyk kul (Staudinger), ein Exem- 
plar in meiner Sammlung; Thian-Schan, Musart, Kollektion Haus er, 
etliche Stücke; Thian-Schan, Tekestal, Kollektion Hauser, ein 
Stück. 

Die Form bezeichne ich als var. asiatica m. 

Äphth. Gzivalinae scheint in Europa selten und nur dem Osten 
eigen; da die asiatische Form überdies weit ansehnlicher ist, dürfte 
man nicht fehlgehen, wenn man eine Einwanderung der Art aus 
Asien annimmt. 

ni. Der Vorsitzende legt das folgende eingelaufene Manu- 
skript vor: 

Ein neuer Trechus aus Steiermark (Treclms noriciis nov. 

spec.). 

Beschrieben von stud. phil, Josef Meixner in Graz. 

Dieser in die nächste Verwandtschaft des Trechus regularis 
Putz, gehörende Trechus ist infolge der auffallend verschiedenen 
Penisform spezifisch von jenem zu trennen. Aber auch äußerlich 
läßt er sich durch schmäleren Kopf, weniger vorspringende, etwas 
kleiner erscheinende Augen und meist anderen Verlauf der Stirn- 
furchen gut von Tr. regularis unterscheiden. 

Der Käfer ist bräunlichgelb, Kopf und Flügeldecken mit Aus- 
nahme der Naht sind öfters etwas angedunkelt, Fühler, Taster und 
Beine heller als der Halsschild. 



^) Weise gibt die Größe seiner Gzivalinae mit 3—3*8 mm an. Diese 
Maße sind etwas zu hoch gegriffen. Stücke meiner Sammlung vom Fundort 
der Typen (Oliva bei Danzig, Czwalina) messen 2 5 bis knapp 3 mm; das 
größte in meinem Besitze befindliche Exemplar der europäischen Form 
(Mayersdorf) mißt 3 mm. 



(12) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Der Kopf (Fig. 1 und 2) ist durch obenerwähnte Augen- 
unterschiede ähnlicher dem des Tr. Dejeani Putz, als dem des Tr. 
regularis. (Tr. Bejeani dürfte aber, abgesehen von den äußeren 
DitFerenzen, wegen seines an Tr. palpalis Dej. erinnernden kurz- 
gespitzten Penis wohl nicht sehr nahe mit Tr. regularis und noricus 
verwandt sein.) Der Kopf der neuen Art ist jedoch deutlich schmäler 
als bei beiden obengenannten Arten, seine Augen sind viel schwächer 
(als bei Tr. regularis), beinahe in einer Flucht mit den Schläfen 



gularis ließen mich vermuten, daß sie Übergänge an dem Kopula- 
tionsapparate zeigen könnten, falls es sich nur um Rassen handelte. 
Doch auch die kleinsten Stücke weisen den ganz typischen Penis 
des Tr. regularis auf. 

Die Stirnfurchen sind bei dem neuen Trechus gewöhnlich viel 
weniger gerundet als bei Tr. regularis; sie springen in der Mitte 
des Kopfes oft winkelig gegeneinander vor, so daß die Stirne 
schmäler erscheint als bei diesem. Der hintere Supraorbitalpunkt 
ist klein und steht mit dem sehr großen vorderen in einer zur 
Längsachse des Tieres parallelen Linie, knapp an der nach außen 
gebogenen Stirnfurche. Der vordere Supraorbitalpunkt liegt vor 
(d. h. oral von) dem Hinterrande der Augen, zwischen der Stirn- 




gewölbt. Diese sind 
etwa halb so lang als 
der Durchmesser der 
Augen^ während die 
Schläfen des Tr. re- 
gularis etwas kürzer 
als der halbe Augen- 
durchmesser sind. 



Durch diese Un- 



Fig. 1. Kopf des Trechus noricus n. sp. 

(52 mal vergr.) 



terschiede kann man 
auch kleine Stücke 
des Tr. regularis, die 
großen Exemplaren 
des neuen Trechus oft 
stark ähneln, immer 
sicher unterscheiden. 
Solche kleine Tr. re- 



Versanimlunff der Sektion für Kolcoptorologie. 



(1!$) 



furche und dem Innenrande jener, diesem gewöhnlich mehr ge- 
nähert. Der ganze Kopf erscheint ziemlich glänzend und ist sehr 
fein netzförmig chagriniert (schwach quer ausgezogene Sechsecke). 

Die Fühler weisen keinerlei besondere Merkmale auf; das 
zweite Glied ist kürzer als das dritte und ungefähr so lang als das 
vierte. 

Der Halsschild ähnelt sehr dem des Tr. regularis, ist herz- 
förmig, vorne mäßig stark (aber schwächer als z. B. bei Tr. De- 




Fig. 2. Kopf des Trechus regularis Putz. 
(52 mal vergr.) 



jeani) gerundet, nach hinten ausgeschweift verengt, mit großen, 
spitzwinkelig nach außen vorspringenden Hinterecken. Er ist an der 
Basis nicht breiter als am Vorderrande, um etwa ein Drittel breiter als 
lang, gewöhnlich aber schmäler (zierlicher) als bei Tr. regularis, 
äußerst fein genetzt (stark quer ausgezogene Sechsecke). 

Die Flügeldecken sind länglich oval, an den Schultern etwas 
schwächer gerundet als bei Tr. regularis, ihre Basalränder in kon- 
vexer Kurve nach innen gekrümmt, die Streifen der Flügeldecken 
nach außen zu erloschen, der fünfte meist noch ziemHch deutlich, 
auf der vorderen Hälfte im dritten Zwischenräume mit je zwei ein- 



(14) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



gestochenen borstentragenden Punkten. Die Flügeldecken sind 
äußerst fein qu erriefig chagriniert. 

Der Penis zeigt so auffallende Merkmale, daß diese allein die 
Art genügend charakterisieren würden. Er ist bei Tr. noricus viel 
schlanker als bei Tr. regularis (Fig. 3 a und 4a), seine Seiten sind 
(bei seitlicher Ansicht) parallel, seine Spitze (Fig. 3b und 4b) ist 
besonders von der Seite betrachtet, gänzlich anders gebaut und ge- 




Fig. 3a. Kopulationsapparat Fig. 4a. Kopulationsapparat 

von Trechus noricus n. sp. ^f. vonTrechus regularis FutZ(^. 

(65 mal vergr.) (65 mal vergr.) 



formt im Vergleiche mit der Penisspitze seines Nächstverwandten. 
Während die Chitinverstärkung der Spitze bei diesem kurz, keil- 
förmig zugespitzt ist, hat sie bei der neuen Art die dreifache Länge 
und mehr und eine breit abgerundete Spitze. Besser aber als eine 
komplizierte Beschreibung werden die Figuren die Verhältnisse ver- 
anschaulichen. Auch möge erwähnt sein, daß bei Tr. regularis ge- 
wöhnlich je vier dicke und lange Borsten an den Spitzen der Para- 
meren sitzen, während bei Tr. noricus sich solcher meist nur drei 
finden. Durch das Hinzukommen von einer rudimentären Borste 
wird der Unterschied verwischt. 



Vorsanunliing der Sektion l'ür Koleopterolo^Me. 



(15) 



Um ein plastisches Vorstellen der Zeiclinungen zu cnnögliclicii, 
sei gesagt, (laß die cliitinösc Penisröhre sich distal lönclförinig ölVrict 
und vor der verstärkten Chitinspitze eine Kinne mit zwei dllnuen 
Seitenwänden darstellt, wo das mit Häkchen hewehrte Ende des 
Ductus ejaculatorius austritt. Auch die Form dieser Seitenwände, 




Chitinspitze des noricus. Fig. 4 b. Chitinspitze des regularis. 
(280 mal vergr.) (280 mal vergr.) 

ie sich als feine Kiele auf die Spitze fortsetzen, ist bei den ver- 
glichenen Arten eine verschiedene. 

Die neue Art ist durchschnittlich kleiner als Tr. regularis, 
3-5—4 mm lang*. 

Ich habe Tr. noricus im Sommer 1909 auf den Kuppen des 
Stubalpenspeik-Amering-Zuges, besonders am Gipfel des letzteren, 
oberhalb 1900 m unter Steinen gesammelt. Sie dürfte auch am 
Größing vorkommen, der das Nordende dieses Zuges bildet. Sie 
scheint den Tr. regularis des Koralpenzuges, der durch den 1300 m 
hohen Paksattel von dem obengenannten Zuge getrennt ist, auf 



(16) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



diesem zu vertreten, zudem in diesem Jahre von Herrn Ingenieur 
H. F. Neumann mit der beschriebenen Art vergesellschaftet der 
zweite alpine Trechus der Koralpe, der bisher ausschließlich von 
dieser Lokalität bekannte Tr. Rudolfi Gangib. gefangen wurde, wel- 
cher aber nur geringe Unterschiede zu der typischen Form der 
Koralpe zeigt. Diese sind allerdings bei sämtlichen gefangenen 
Stücken konstant. Der Vorderrand des Halsschildes, der beim typi- 
schen Tr. Rudolfi sehr flach ausgeschnitten oder fast gerade ist, 
ähnelt bei den Exemplaren vom Amering sehr dem des Tr. ocJireatus 
Dej., der einen deutlich ausgeschnittenen Vorderrand besitzt (Tre- 
chus ochreatus fehlt dem Koralpen-Größing-Zuge!). Die Seiten des 
Halsschildes sind bei den Stücken vom Amering vor der Mitte etwas 
stärker gerundet als beim typischen Tr. Rudolfi, so daß die Vorder- 
winkel schwach gerundet vorgezogen erscheinen. Auf eine Benen- 
nung dieser beachtenswerten Rudolf -Form möchte ich aber der doch 
geringen Unterschiede wegen verzichten. 



Versammlung am 17. November 1910. 
Vorsitzender: Herr Dr. K. Holdhaus. 

1. Herr Dr. Karl Hold haus hielt einen Vortrag über die 
geographische Verbreitung der Koleopteren in den Kar- 
pathen. Eine ausführliche Darstellung des Gegenstandes wird in 
Kürze in den „Abhandlungen" der zoologisch.-botanischen Gesell- 
schaft, Bd. VI, Heft 1 erscheinen. 

n. Herr F. Heike r tinger legt die Beschreibungen einiger 
neuer Psylliodes-F ormen der paläarktischen Fauna vor. 

JPsylliodes aeneola nov. spec. Heik. 

Eine hübsche kleine, flügellose Art, die weder mit der cu- 
cullata- noch mit der gihhosa- oder -Verwandtschaft in nähere 

Beziehung zu bringen ist. Durch ihre nicht spindel- oder eiförmige, 
sondern fast walzige, seitlich etwas komprimierte Gestalt und den 
nach vorne nur wenig verschmälerten Halsschild erhält sie einen 
besonderen, einigermaßen an eine Chaetocnema erinnernden Habitus. 



Versanimluufj^ (Um- Sektion für Koh^ojjtcM'olof^io. 



(17) 



Länglich wal/ig-, seitlicli mir schwach gerundet, an den Körper- 
enden nicht zug'cspit/t verjüngt, sondern ziemlich nisch und stunipl' 
zugerundet. Oberseits lebhaft glänzend erzbraun, in der Färbung 
sehr an Longitarsns fuscoaeneus Redtb. erinnernd; die Basalglieder 
der Fühler, etwa bis zum dritten oder vierten, düster rostrot, die 
übrigen schwärzlich; die Hinterschenkel erzfarbig glänzend, die 
vier vorderen- Schenkel dunkel pechbraun; die Tibien und Tarsen 
rostrot, die Schienen der vorderen Beinpaare, besonders gegen Mitte 
und Ende zu, deutlich gebräunt. Die Extremitätenfärbung ist sohin 
für eine Fsylliodes aus der Gruppe der Flügellosen eine sehr dunkle. 

Der Kopf ist verhältnismäßig groß und breit, mit sehr kurzem 
Untergesichte. Die Oberlippe stellt einen sehr schmalen Querstreifen 
dar, kaum breiter als der bandförmige Clipeus. Der Vorderkopf 
ist ohne Spur eines Kieles, völlig flach gewölbt und in gleicher 
Wölbung nach oben in Stirn und Scheitel fortgesetzt. Stirnhöcker- 
chen sind nicht erkennbar; die unteren Stirnlinieu sind zwischen 
den Augen als /\-f'6Ym\ge Linie kaum erkennbar ausgeprägt; ein 
StirngrUbchen fehlt. Die Augenrinnen, die die Senkung um die 
Fühlerbasis mit dem oberen (hinteren) Augenrande verbinden, sind 
zwischen Ftihlerbasis und Auge (also in ihrem unteren Teile) nicht 
scharf rinnenförmig, sondern mehr oder minder seicht grubig aus- 
geprägt und werden erst weiter oben, wo sie parallel mit dem 
Augenrande nach oben laufen, etwas deutlicher linienförmig. Die 
Stirn ist glänzend, fein und etwas gerunzelt chagriniert und mit 
mäßig feinen, flachen Punkten zerstreut besetzt; der Scheitel glän- 
zend, nicht merklich chagriniert und ohne Punkte. 

Halsschild ziemlich lang^ über die Mitte ungefähr eineinhalb- 
mal so breit als la^g, von hinten nach vorne ziemlich wenig und 
kaum gerundet verengt, die vordere Borstenpore ungefähr im ersten 
Drittel eingefügt, als kleines Eckchen vortretend. Halsschildhinter- 
ecken fehlend, da der Halsschild hinten in einer einzigen Kurve 
verrundet ist. Der an der Basis sehr fein gerandete Halsschild 
zeigt auch nicht die Spur eines basalen Längsfältchens oder -Ein- 
druckes. Seine Oberfläche fällt seitlich, besonders in den vorderen 
Teilen, sehr stark ab, ist glänzend, äußerst fein chagriniert und 
mit feinen eingestochenen Pünktchen ziemlich gleichmäßig und 
mäßig dicht besetzt. 

Z. B. Ges. 61. Bd. b 



(18) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Die Flügeldecken treten an der Basis nur wenig über die 
Halsschildbasis heraus und besitzen eine seitlich etwas zusammen- 
gedrückte Eiform. Eine Schulterbeule ist nicht vorhanden; das 
Tier scheint flügellos zu sein. Die Decken zeigen nahe dem Ende 
eine deutliche Ausrandung, infolge deren die Nahtecke etwas nach 
hinten gezogen erscheint. Die Deckenoberfläche ist sehr glänzend, 
die nicht großen Punkte stehen in ziemlich regelmäßigen Streifen, 
die aber wenig nett heraustreten und durch die deutliche, wenn 
auch viel feinere Punktierung der etwas unebenen Zwischenräume, 
besonders nahe der Naht, etwas gestört sind. Die Punktierung ist in 
der hinteren Deckenhälfte sehr stark abgeschwächt. — Länge 1*8 mm. 

Aull e- Ata, Turkestan (Staudinger). 

Das Exemplar, nach dem obige Beschreibung angefertigt ist, 
erhielt ich von Herrn kais. Rat E. Ke Itter aus seiner Sammlung 
als Psylliodes aeneola Reitt. i. 1. 

JPsylliodes cyanoptera iiov. ab. nigrifrons Heik. 

J. Weise (Erichson, Nat. Ins. Deutschi., Bd. VI, S. 807) sagt 
bei Ps. cyanoptera III.: „Die Art wurde seit der ersten Beschreibung 
durch II liger bis zur letzten von Allard mit der südeuropäischen 
Form von chrysocephala vermengt, denn eine Varietät, bei welcher 
,der Hinterkopf dunkel metallisch überlaufen ist' (Iiiiger), kommt 
davon nicht vor, es läßt sich vielmehr der Mangel jeden metalli- 
schen Schimmers auf Kopf und Halsschild als ein gutes Unter- 
scheidungsmerkmal von chrysocephala betrachten." 

Tatsächlich sind auch mir Exemplare mit metallisch verdun- 
keltem Kopf nicht zu Gesicht gekommen; dagegen liegt mir ein 
Stück der ab. tricolor Wse. vor, bei dem nicht nur der Halsschild, 
sondern auch die Oberstirn und der Scheitel rein schwarz sind. 

Die Färbung dieses Stückes ist folgende: Auf dem Kopfe 
sind Oberlippe, Oberkiefer, das Tasterendglied, ein schmaler, un- 
mittelbar an den Kopfschild stoßender Saum des Vorderkopfes, dann 
die /\- förmigen Furchen, die den ganz verflachten Nasenkiel oben 
abschließen, weiters die ganze Stirn mit Ausnahme zweier kleiner 
Flächen der Vorderstirn, die genau den Platz der Stirnhöcker (welche 
bei dieser Art nicht mehr deutlich ausgeprägt sind) einnehmen, und 
endlich der ganze Scheitel schwarz, ohne jeden Metallschimmer. 



Versainiiilun^ der Sektion für Koleopterologie. 



(19) 



Rot bleibt daher nur der Stirnkiel samt seinem Abfalle gegen den 
Kopfscbild sowie der Raum der beiden Stirnhöcker. Rot ist ferner 
noch das Basalgelenk der Fühler und die Basis des ersten Fühler- 
gliedes (das Ende dieses Gliedes ist bereits schwarz). Der Hals- 
schild ist schwarz ohne Metallschimmer, in der Mitte des Hinter- 
und Vorderrandes mit kleinen, unbestimmt rötlichen Fleckchen. Die 
Flügeldecken sind blau mit violettem Schimmer, die Schenkel 
schwarz. Schienen und Tarsen rötlich pechfarben. 

Psyll. cyanoptera ist um Wien ziemlich selten und ich fing 
sie bis jetzt nur an einer Stelle — nahe der Aspangbahnstation 
Guntramsdorf-Kaiserau im Wiener Becken — in Menge. Es ist dies 
ein wüster Platz an einem Feldsträßchen, teilweise mit Kompost- 
haufen bedeckt, der ein üppiges Gewirr von Sisymhrium sophia L. 
trägt. Dort trat das Tier in Massen auf, Anfang Juni noch unreif, 
Mitte und Ende Juni in größter Zahl, auch im Juli noch auf den 
leeren, trocken starrenden Schotenbüscheln des Sisymhrium, aber 
seltener. In der Mehrzahl war die rothalsige Normalform, unge- 
fähr der vierte Teil gehörte der ab. tricolor Wse. an (schwarzer 
Halsschild, beziehungsweise Übergänge von rot in schwarz; roter 
Kopf). Von der oben beschriebenen schwarzköpfigen Aberration 
liegt mir nur ein Unikum vor. Ein anderes Exemplar der ab. tri- 
color besitzt einen leicht geschwärzten Scheitel. 

Die Art befraß, in Gefangenschaft gehalten, die Blätter des 
Sisymhrium verhältnismäßig wenig und ließ Bltitenknospen und junge 
Früchte ganz unberührt. Die abgelegten Eier waren längHch walzig, 
regelmäßig mit feinen erhabenen Körnchen bedeckt, hell orange- 
farben und zeigten in Aussehen und Färbung eine merkwürdige, 
entfernte Ähnlichkeit mit den Samen des Sisymhrium. 

Auf Sisymhrium columnae Jacqu., das am selben Standorte 
wuchs, konnte ich die Psylliodes nicht nachweisen. 

JPsylliodes hispana nov. spec. Heik. 

Der Psyll. aerea Foudr. nahestehend; von ihr durch ver- 
loschene Stirnhöcker, die weder scharfe Umrandungslinien noch ein 
deutliches Trennungsgrtibchen zeigen, durch glänzendere, weniger 
deutlich granuHerte Oberseite, stärkere Punktierung des Kopfes, 
größere Punkte der Deckenstreifen etc. verschieden. 

b* 



(20) 



Versammlung- der Sektion für Koleopterologie. 



Eiförmig, einer kleinen, breiten Psyll. napi Fabr. (speziell 
hinsichtlich der Deckenpunktierung) ähnlich, aber oberseits dunkel 
bronzefarben glänzend; an den Fühlern nur die zwei ersten Glieder 
rötlichgelb, das dritte bereits stark verdunkelt, die übrigen rasch in 
schwarz tibergehend; Beine düster rostrot, Hinterschenkel schwarz 
erzfarben, die übrigen Schenkel schwärzlich, die Hinterschienen 
auf dem Rücken, die vorderen in der Mitte mehr oder minder ge- 
schwärzt, auch die Tarsen zuweilen stark verdunkelt. 

Kopf über Stirn und Nasenkiel herunter gleichmäßig gewölbt^ 
glänzend, der Nasenkiel sehr flach, die Höckerchen auf dem glatten 
Vorderkopfe kaum kenntlich, mit einer verloschenen, zuweilen ganz 
fehlenden Grübchenspur in der Mitte und äußerst feinen, nur unter 
bestimmtem Lichteinfalle sichtbar werdenden Linienspuren, die die 
Lage der einstigen Höcker andeuten. Diese Höcker scheinen etwas 
breiter als die von Ps. aerea^ welch letztere Art mit ihren schmalen, 
querstehenden, deutlichen Höckern stark an die Arten der hyosciami- 
und kieo?« -Verwandtschaft erinnert. Die Enden der Stirnhöcker- 
spuren bei hispana alterieren wohl etwas die Augenrinnen (Tabellen- 
merkmal bei J.Weise, Erichson, Nat. Ins. Deutschi., Bd. VI, S. 789), 
doch ist diese Bildung minder ausgeprägt als bei anderen Arten. 

Stirn glänzend, ohne merkliche Chagrinierung, mit feinen 
eingestochenen, aber deutlichen Pünktchen, die auf dem Scheitel 
verlöschen. 

Halsschild am Hinterrande nicht ganz doppelt so breit als 
lang, nach vorne stark verschmälert, die stark eckig vortretende 
vordere Borstenpore im vorderen Drittel des Seitenrandes eingesetzt. 
Die Halsschildoberfläche im vorderen Teile seitlich stark abfallend, 
glänzend, kaum kenntlich oder schwach chagriniert, darüber mit 
ziemlich feinen und oberflächlichen Pünktchen. Halsschildlängs- 
strichel als wenig ausgeprägter Punkt angedeutet; innerhalb des- 
selben, unmittelbar am Hintersaume, ein vertiefter Streifen undeut- 
licher Punkte, der sich noch vor der Mitte des Hinterrandes verliert. 

Die Flügeldecken beträchtlich breiter als der Halsschild, seit- 
lich mäßig gerundet, mit dem Halsschilde zusammen ein Oval bil- 
dend; die Schulterbeule ziemlich klein und flach, wenig vortretend, 
oft nur längs wulstig ausgebildet; das Tier besitzt ausgebildete Haut- 
flügel. Die Deckenspitzen sind fast rechteckig, scharf oder kaum 



Vers:nninlmi}4' der Sektion liir KoU'optcroIo^ifii;. 



(21) 



veiTuiulct. Die rmiktstreifcn bestellen aus zicmlicli grolien, aber 
Hachen Punkten, welche an die von Ps. napi Fabr. erinnern, also 
großer als bei Fs. aerea oder instabiUs sind und zuweilen ziemlich 
auseinander stellen. Die Streifenzwischenräume erscheinen daher 
weniger eben und nett als bei letztgenannten Arten. Die Streifen- 
punkte verlöschen gegen das Deckenende. Der Deckengrund ist 
sehr glänzend, eine Chagrinierung ist nicht bemerkbar; bisweilen 
ist er fast völlig glatt, bisweilen mit mehr oder minder feinen 
Pünktchen deutlich bestanden. — Länge 2*2 — 2 6 mm. 

Nur wenige Stücke aus Nordwestspanien (Cancas, Ast.; Ca- 
boalles), von Herrn G. Paganetti gesammelt. 

Von Ps. aerea durch die eingangs erwähnten Merkmale^ von 
Ps. instahilis Foudr. (die mir von Palencia und Ponferrada im 
gleichen Teile Spaniens vorliegt) durch breitere Gestalt, mehr kupfe- 
rigen Ton der Oberseite, noch dunklere Extremitätenfärbung sowie 
durch die gröberen und weitläufigeren Deckenpunktstreifen, die ein 
ganz anderes, an Ps. napi Fabr. erinnerndes Bild geben, zu unter- 
scheiden. Ps. cupreata Duft, kommt wegen anderer Stirnbildung, 
regelmäßig stark punktierter, flacher Zwischenräume der Decken- 
streifen usw. nicht in Betracht. 

I*sylliodes aerea noY. var. austriaca Heik. 

Psylliodes aerea wurde von Foudras aus den Umgebungen 
von Lyon, wo sie von ihm im Frühlinge gefangen wurde, be- 
schrieben. 

Sie ist unter den verwandten Arten (bei denen die Spitze 
der mehr oder minder deutlichen Stirnhöcker in die Augenrinne 
läuft und diese teilweise unterbricht) gekennzeichnet durch die ver- 
hältnismäßig gut begrenzten und durch ein deutliches Grübchen ge- 
trennten Stirnhöcker (eine Bildung, die an die Stirnhöckerform der 
hyosciami- und ?wfeök -Verwandtschaft erinnert), weiters durch ihre 
kurze, rundlich gewölbte Gestalt, feine Punktierung, dunkle Extre- 
mitätenfärbung etc. 

F. Kutschera führt die Art in seiner Arbeit über die euro- 
päischen Halticinen mit der Erwähnung auf, daß sie „in einzelnen 
Stücken auch in Osterreich von den Herren Miller, Scheffler 
und mir (Kutschera) gesammelt" worden sei. Foudras sagt von 



(22) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



seiner Art „9 cT alati" und auch Kutschera schreibt, wahrschein- 
lich der Angabe Foudras' folgend, „alata'^. 

Ich habe die Art auf einem trocken-warmen Kalkberge nächst 
Mödling bei Wien mehrmals zu Anfang und Mitte Mai gefangen. 
An einer einzigen Stelle, unter Schwarzföhren und Buschwerk, auf 
blühendem Ihlaspi montanum L. Sie war selten und mit dem 
Verblühen der Pflanze, Anfang Juni, verschwand sie völHg. Die 
in Gefangenschaft gehaltenen Stücke haben die Blätter der Pflanze, 
besonders die jungen^ stark befressen. Anfang Mai schon erfolgte 
Eierablage. Die ungefähr 6 mm langen Eier sind walzig eiförmig, 
blaß dottergelb, ziemlich glänzend und zeigen die regelmäßige, 
äußerst feine Granulierung der meisten Halticineneier. Sie wurden 
mit der breiten Seite flach an die Unterlage geklebt. Die fernere 
Entwickelung konnte ich nicht beobachten, da die eingetopften 
Pflanzen eingingen. 

Der Fundort ist ohne Zweifel derselbe oder gehört zumindest 
der gleichen Formation an, wie jener, wo die obgenannten Wiener 
Sammler das Tier fanden, und es liegt mir ohne Frage die gleiche 
Form vor. Diese stimmt nun völlig auf die Beschreibung der 
aerea Foudr. und auch bei einem Vergleiche mit einem stidfran- 
zösisehen Stücke (Tisson, Aix-Provence) konnte ich spezifische Diffe- 
renzen nicht finden. Doch erscheinen mir die österreichischen 
Stücke im Verhältnis zum französischen etwas kleiner und regel- 
mäßiger gerundet, eine Beobachtung, die aber mangelnden Ver- 
gleichsmaterials halber nur wenig Wert besitzt. Ein einziger sicher 
beurteilbarer Unterschied ist jedoch vorhanden : Die Hautflügel 
meiner Stücke sind durchwegs verkümmert, erreichen kaum ein 
Drittel der Deckenlänge. Im Zusammenhange damit ist die Schulter- 
beule, die bei dem französischen Stücke deutHch, wenn auch schwach, 
vorhanden ist, bei der Form Österreichs völlig geschwunden. 

Ob dieser Form der Charakter einer mehr oder minder aus- 
geprägten Lokalrasse zukommt, wird erst nach reicherem Materiale 
festzustellen sein. 

JPsylliodes dilutella noT. spec. Heik. 

Eine charakteristische Art von oberseits gelber Färbung, Kopf 
und Halsschild mit schwachem, grünem Metallschimmer; den Arten 



Versammlunji- Sektion liir Koleoijtcroloffio, 



(23) 



mit ziemlich Lange«, nur scliwach gebogenen I linterschienen zuzu- 
zählen. 

Von Psyll. marcida III. schon durch viel geringere Größe und 
ganz anderen Habitus, von der ziemlich gleich großen Psyll. palli- 
dipennls Kosh, aber durch die weit schmälere, fast walzige Gestalt 
mit nach vorne nur wenig verengtem Halsschilde verschieden. Sehr 
nahe verwandt mit Psyll. Saulcyl All. aus Syrien und Palästina, 
von der sie sich augenfällig durch die viel größere Glätte der Ober 
Seite (durchwegs schwächere Punktierung) unterscheidet. Da auch 
sonstige Details des Habitusbildes etc. differieren, glaube ich nicht, 
daß sich Psyll. dilutella auch bei Bekanntwerden reicheren Mate- 
riales nur als eine östliche Lokalform der Psyll. Saulcyi heraus- 
stellen dürfte. 

Länglich, von fast viereckig- walzigem Umrisse, habituell daher 
an eine Chaetocnema erinnernd. Rotgelb oder gelbrot, die Flügel- 
decken mehr strohgelb; Kopf, Halsschild und Rücken der Hinter- 
schenkel mit schwach metallgrünem Schimmer; Oberlippe, Mittel- 
und Hinterbrust sowie Abdomen rötlich pechbraun bis schwarz; 
die Fühler gegen das Ende zu nicht merklich angedunkelt. 

Kopf mäßig groß, von vorne gesehen rundlich, mit kurzem 
Untergesicht; Nasenrücken ohne Kiel, breit flach verwölbt; in der 
Mitte, etwas oberhalb der Fühlerwurzeln, trägt die Stirne ein mehr 
oder minder ausgeprägtes Grübchen! das die beiden Stirnhöcker- 
chen trennt, die als schmale, längliche^ undeutlich begrenzte, glatte 
Erhöhungen wagrecht seitwärts gegen die Augenmitte laufen. Die 
Stirnlinien, die vom oberen Augenrande nach den Fühlerwurzeln 
ziehen, sind unvollständig und unterbrochen. 

Oberhalb der Höckerchen Stirn und Scheitel gleichmäßig ge- 
wölbt, äußerst fein chagriniert, glänzend; die Stirn mit mehr oder 
minder deutlichen, stets aber schwachen und wenig gedrängt ste- 
henden Punkten, die gegen den Scheitel zu völlig verschwinden, 
besetzt. 

Der Halsschild nur wenig breiter als der Kopf, ungefähr ein- 
undeindrittel- bis eineinhalbmal so breit als lang, nach vorne nur 
sehr wenig verengt, mit sehr schwach gerundeten Seiten; die vordere 
Borstenpore ungefähr im vorderen Drittel oder Viertel des Seiten- 
randes als feines, scharfes Eckchen vorspringend, mit langer Borste 



(24) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



verseben. Die Halsschildvorderecken von der Borstenpore an ver- 
dickt und gegen die Augen zu abgeschrägt; die Halsscbildbinter- 
ecken stumpfwinkelig. Halsscbild seitlicb ziemlicb stark abfallend, 
ohne deutlicbe Grundchagrinierung; glänzend, mit mäßig großen 
bis ziemlich feinen, stets aber flachen und zuweileu etwas runze- 
ligen Punkten nicht dicht besetzt. 

Flügeldecken etwas breiter als der Halsschild, an den Schultern 
nur sanft erweitert, dahinter nicht eiförmig gerundet, sondern seit- 
lich etwas zusammengedrückt, subparallel, bis nahe gegen das Ende 
nur unbedeutend verengt, dann erst ziemlich plötzlich gerundet zu- 
sammenlaufend. Ihre Oberfläche ist eben; auf sehr fein chagri- 
niertem Grunde stehen in schwach vertieften, feinen Streifen eng 
aneinander feine, nett eingestochene Punkte, die gegen das Decken- 
ende zu nicht verlöschen. Die sehr ebenen Zwischenräume dieser 
Streifen zeigen keine deutliche Punktierung oder höchstens Spuren 
einer solchen. Eine Schulterbeule tritt nicht vor; sie ist durch eine 
niedrige, flache Wölbung ersetzt. Das Tier ist im Einklänge mit 
dieser Bildung nur rudimentär geflügelt. 

Hinterschienen am Unterrande nur wenig gebogen, am Ende 
schmal löffeiförmig ausgehöhlt; der sehr lange Metatarsus, im hinteren 
Drittel der Schiene inseriert, reicht zurückgeschlagen bis zur Schie- 
nenbasis, besitzt daher ungefähr zwei Drittel der Schienenlänge. 

Die verwandte Psyll. Saulcyi All., die mir in etlichen Stücken 
aus Palästina (Jericho, U. Sahlberg; Jordan, J. Sahlberg) vor- 
liegt, zeigt ähnliche Körperumrisse, ist aber durchschnittlich heller 
gefärbt, mit außen dunkler pechfarbigen Hinterschenkeln; die Stirn 
ist grob, der Halsschild grob und sehr gedrängt (fingerhutartig) 
punktiert; die Zwischenräume der Deckenstreifen sind fein, aber 
deutlich punktuliert. 

Die mir vorliegenden Stücke der Psyll. cUluteUa, die durch- 
wegs noch nicht voll ausgefärbt scheinen, sind 2 — 2*5 mm lang. 

Patria: Wüste Mujun-kum, Akmolinsk, Zentralasien. 

Von A. Kricheldorff unter dem Namen Psyll. dilutella ver- 
sandt; meines (und auch seines) Wissens aber nirgends beschrieben. 



Versammluiijf der Sektion für Koloopterologie. 



(25) 



Versammlung am 15. Dezember 1910. 
Vorsitzender: Herr Reg.- Rat Direktor L. Gangibauer. 

I. Wahl der Funktionäre. 

Wiedergewählt wurden einstimmig: 
Obmann: Herr Reg.- Rat Direktor L. Gangibauer. 
Obmann-Stellvertreter: Herr Dr. K. Hold haus. 
Schriftführer: Herr F. Hei k er tinger. 

IT. Herr Dr. F. Netolitzky hält einen Vortrag über den 
Bau des Kopulationsapparates und die Systematik der 
Ädephaga. Eine ausführliche Arbeit über den abgehandelten 
Gegenstand erscheint demnächst in diesen „Verhandlungen". 



Versammlung am 19. Januar 1911. 
Vorsitzender: Schriftführer Herr F. Heikertinger. 

Der Vorsitzende hält einen Vortrag über Lebensweise, Stand- 
pflanzen und Schädlichkeit der einheimischen Erdflöhe 
(Halticini) unter Vorlage von einschlägiger Literatur, Belegtieren 
und Fraßproben. Die diesbezüglichen Untersuchungen des Vor- 
tragenden werden den Gegenstand einer besonderen Publikation 
bilden. 



Bericht der Sektion für Lepidopterologie. 



Versammlung am 4. November 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Bebel. 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit der Mitteilung, daß 
das Sektionsmitglied Herr Fritz Haus er am 26. August 1. J. in 
Plomberg am Mondsee innerhalb kurzer Zeit einer tückischen 
Krankheit erlegen ist. Mit ihm verliert die Sektion eines ihrer 
jüngsten, aber vielversprechendsten Mitglieder. 



(26) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Fritz Hauser wurde am 28. Dezember 1868 in Wien als 
Sohn des Baumeisters Ferdinand Haus er geboren, absolvierte das 
Gymnasium bei den Piaristen und ging hierauf für einige Jahre 
nach München, wo er Chemie studierte. Im Jahre 1894 kehrte 

er nach Wien zurück und 
absolvierte in den folgen- 
den Jahren das Konser- 
vatorium. Im Jahre 1899 
nahm ihn Hofrat S. Exner 
als Leiter in das neuge- 
gründete Phonogrammar- 
chiv der kais. Akademie 
der Wissenschaften. Spä- 
ter wurde er unter Bei- 
behaltung dieser Stellung 
auch Assistent am phy- 
siologischen Universitäts- 
institut. 

Wie schon aus seinem 
Bildungsgange hervor- 
geht, besaß Haus er eine 
außergewöhnliche Vielsei- 
tigkeit, die ihn befähigte, 
sich auf chemischem, na- 
turwissenschaftlichem, na- 
mentlich auch botanischem 
Gebiete sowie als Musiker 
Fritz Häuser, f 26. August 1910. als Fachmann zu betäti- 

gen. Nebenbei besaß er 
auch hohe Fertigkeiten in der mikroskopischen und photographischen 
Technik. 

Im Winter waren es erst zwei Jahre, daß Haus er begann 
sich eingehender für Lepidopteren zu interessieren. Er besuchte 
regelmäßig das Hofmuseum und warf sich mit wahrem Feuereifer 
auf dieses entomologische Spezialgebiet, in welchem er sich dank 
seiner vielseitigen wissenschaftlichen Vorbildung binnen erstaunlich 
kurzer Zeit zurecht fand. Ohne sich in eine oberflächliche Unter- 




Versammlung der Sektion für T^epidopterologfe. 



Scheidung der zahllosen Formen zu verlieren, trat er hald einzelnen, 
ihm hekannt gewordenen, hesondcrs schwierigen Arti)rohlemen auf 
streng wissenschaftlicher Untersuchungsbasis näher. Besonders für 
die morphologischen Unterschiede des männlichen Genitalapparates 
innerhalb schwieriger Artgruppen, wie es jene von Fieris rapae- 
manni, Colias myrmidone-halcanica, Miana strigilis-latrunciäa u. a. 
sind, gewann er ein lebhaftes Interesse und fertigte eine große 
Zahl diesbezüglicher Präparate in tadelloser Ausführung an. Ob- 
wohl alle Vorarbeiten für eine Serie sehr interessanter Publikationen 
auf diesem Gebiete erledigt waren, kam er leider nicht mehr dazu, 
die Resultate seiner mehrfach abgeschlossenen Untersuchungen 
schriftlich niederzulegen.^) 

Wie hoch der wissenschaftliche Wert solcher morphologischer 
Untersuchungen über die übliche Unterscheidung der Formen bloß 
nach Färbung und Zeichnung steht^ braucht hier nicht neuerlich 
betont zu werden. Schon von diesem Standpunkte aus bedeutet 
Hausers Tod einen großen wissenschaftlichen Verlust für unsere 
Sektion. 

Trotz seiner Vorliebe und Veranlagung für morphologische 
Untersuchungen, konnte sich Haus er aber auch für rein syste- 
matische Fragen lebhaft interessieren, wofür der von ihm kürzlich 
erstattete Bericht über die Lepidopterenausbeute seines Freundes, 
des fferrn Dr. Rudolf Pöch aus Neu-Guinea, einen schönen Be- 
weis bildet. (Vgl. später sub 1.) 

Haus er war seit dem Jahre 1901 auf das Glücklichste ver- 
ehelicht. Seine Frau betrauert mit drei Kindern im zarten Alter 
sein so früh und plötzlich erfolgtes Hinscheiden. 

Auch in unserem Kreise, in welchem sich Haus er durch sein 
offenes, überaus gefälliges und streng wissenschaftliches Wesen die 
Sympathie und Hochachtung Aller binnen Kurzem gewonnen hat, 
wollen wir ihm ein treues Andenken bewahren." 

Die Anwesenden erheben sich als Zeichen ihrer Teilnahme 
von den Sitzen. 



^) Durch eine sehr dankenswerte Verfügung der Witwe Frau Anna 
Hauser gelangten sämtliche Präparate samt dazugehörigem Belegmaterial als 
Vermächtnis an das k. k. Naturhistorisclie Hofmuseum. 



(28) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



1. Im Nachtrage zu dem von Herrn Fritz Hauser erstatteten 
Bericht 1) über die von Dr. Rudolf Pöch an der Nordküste von 
Neu-Guinea in den Jahren 1904 und 1908 erbeuteten Lepidopteren 
gibt der Vorsitzende noch nachstehende Daten bekannt, welche 
sich auf ein Mnterial beziehen, das Herr Dr. Pöch erst später in 
einem anfänglich übersehenen Sammelkasten vorfand. 

Papüioiiidae. 

Papilio fmcus indicatus Butl. 2 9 (M. C), wahrscheinlich aus 
Britisch-Neu-Guinea stammend. 

NymphaHdae. 

Neptis venilia L. 2 cT. — Neptis consimilis Butl. 1 d^. (M. C.) 
— Hypolimnas deois deois Hew. Ein frisches (M. C.) von ge- 
ringer Größe zeigt auf den Vorderflügeln eine deutHche, aus fünf 
weißen, grau bestäubten Flecken bestehende Subapikalbinde. Die 
Hinterflügel stimmen in dem rein weißen, dreieckigen Mittelfeld 
gut mit dem Bilde bei Hewitson (Pr. Z. S., 1858, PI. 54, Fig. 4) 
überein. Die von den 'Aru-Inseln beschriebene Stammform scheint 
bisher nicht von Neu-Guinea angeführt zu sein. 

Satyridae. 

Melaniüs amabilis B. 1 9. (M. C.) 

MorpMdae. 

Tenaris artemis Voll. 1 cT. 

Gfeoinetridae. 

Dysphania fenestrata splendida Bastelb. (Stett. ent. Zeit., 1905, 
S. 216). Zwei 9 (M. C.) dieser aus Queensland beschriebenen 
Form. 

Der Vorsitzende spricht Herrn Dr. Pöch für die freundliche 
Überlassung aller für das Hofmuseum erwünschten Stücke auch 
aus diesem nachträghch dazugekommenen Material den wärmsten 
Dank aus. 



1) In diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1910, S. (34)— (40). 



Vcrsaimuluiij;- der Sektion für LepidoptiM-olo^^ie. 



(29) 



II. DerVorsitzeiulc 
demonstriert ferner ein 
ab erra t i v e s w e i b 1 i el i es 
Sttick von Lemonla 
dmni L., welcbes ibni 
von Herrn Hanser erst 
im Sommer heurigen 
Jahres für das Hofmu- 
seum übergeben wurde. 
Das im September 1908 
in Plomberg* am Mond- 
see durch Herrn Hau- 
ser erbeutete Stück 
zeigt das Wurzelfeld der 
Hinterflügel rein gelb, 
so daß die gelbe Fär- 
bung von der Wurzel 
aus bis an die schwarze 
Saumbinde reicht. Auch 
auf den Vorderflügeln 
ist die gelbe Basalfär- 
bung ausgedehnter, als bei normalen Stücken. Diese interessante 
Aberration sei nach dem Verstorbenen „hauseri^' benannt. 




Fig. 1. Lemonia dumi L. 9- (N.-O.) 
Fig 2. Lemonia dumi Sih. hauseri Rbl. 9- (Plomberg. 



III. Herr Dr. K. Schawerda hält einen Vortrag über: 

JErebia glacialis Esp. und ihre Formen in den Hochalpen 

Österreichs. 



Als erster beschrieb Esp er diese Art in seinem Werke „Die 
Schmetterlinge in Abbildungen nach der Natur; Erlangen, I. (1777) — 
V. (1794); Suppl. (bis 1805)" und bildet sie (116, Fig. 2) unter 
dem Namen Glacialis ab. Das Bild zeigt uns einen augenlosen 
Falter und ist oberseits von brauner Grundfarbe mit hellbrauner 
Binde, die über Vorder- und Hinterflügel zieht. Unterseits sind die 
Vorderflügel fast bis zur Wurzel hellbraun. Der basale Teil ist 
dunkler braun. Esp er beschreibt seine Glacialis folgenderweise: 
„Die Grundfarbe der Außenseite ist nebst den Borten dunkel röt- 



(30) Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 

lichbraun, die Vorderfltigel haben eine breite, unrein rotgelbe, auf 
der Unterseite mehr in die Fläche verlorene Binde. Auf der Ober- 
seite der Hinterflügel ist sie noch um vieles breiter; hinten hat die 
Unterseite eine ganz schwarzbraune Grundfarbe und nur eine 
schmale, durch die schwarzen Sehnen geteilte, lichtgraue Binde. 
Es kommt dieser Falter mit einer anderen Gattung, die ich unter 
dem Namen Tisiphone in den nächsten Tafeln vorzustellen habe, 
nahe überein, der aber außer anderen Veränderungen diese Binde 
mangelt. Fundort: „Gletscher von Chamonix". 

Alle Lokalrassen dieser Art und ihre Aberrationen führen 
daher den Namen: Erebia glacialis Esp. Zufälligerweise hat Espe r 
nicht die gewöhnlichste Form dieser Art zuerst abgebildet und be- 
schrieben. Espers Name Glacialis kann nicht zugleich für die 
Art und die zufällig zuerst abgebildete Aberration bleiben. Wir 
müssen ihm daher der Art lassen. 

In Österreichs Hochalpen fliegen mehrere Lokalrassen der 
Glacialis und in diesen wieder verschiedene, einigen gemeinsame 
Aberrationen. Um Lokalrassen festzustellen, muß man eine große 
Zahl Falter vor sich haben. Das Auge schärft sich und was einem 
andern als gleichartig erscheint, kann ein im Laufe der Zeit ge- 
übtes Auge mit Leichtigkeit trennen. Ich halte die Feststellung 
von Lokalrassen für viel wissenschaftlicher als die Benennung von 
Aberrationen. Wir finden so die Bindeglieder von sehr verschieden 
aussehenden Faltern (z. B. von der Colias myrmidone über die hal- 
canica zur caucasica^ von der Larentia hogumilaria über die eury- 
taenia zur corydalaria von der Parasemia plantaginis über die 
interrupta zur caucasica und floccosa usw.). Diese können sich im 
Laufe der Zeit selbst wieder zu guten Arten ausbilden. 

Mir liegen gegen 300 Glacialis vor. 

Bei meinem Materiale fallen unter den Faltern aus Österreichs 
Hochalpen sofort mehrere Rassen ins Auge. 

Es ist dies in erster Linie die Rasse aus der Brenta, Erebia 
glacialis nicholli Obth., und die Rasse aus dem Ortlergebiete, die 
ich Erebia glacialis stelviana nenne. Ihnen schließen sich weniger 
augenfällig die Rassen aus den Nord tiroler Kalkalpen, Hübners 
Erebia glacialis alecto, die Rasse aus den Dolomiten, Erebia gla- 



Versainiiilunfi- der Sektion l'iir Fiepidoptcrolotfie. 



(31) 



Cialis dolomitana in., und die ans dem Tri^lavg-ebiete, Erebia gla- 
cialis triglavcnsis ni. an. 

Zur HrentagTuppe ziehe ich vorderhand auch die Stücke aus 
dem Pitztale und ötztale, die Herr Prof. Stange aus Friedland in 
Mecklenburg;- gcsaninielt hat (Braunschweig-erhütte, Gurglglctscher), 
obwohl ich linde, daß diese Kasse lange nicht so stark geäugt ist 
als die Brentatiere. Ein cT vom Gurglgletscher hat nur auf den 
HinterHiigeln kleine Augen. Bei der Nicholli kommt derlei nie 
vor. Die Pitztaler und Ötztaler führen von der auf der Brenta 
noch unbeeinflußt gebliebenen und nicht variierenden Nicholli zur 
Lermooser Älecto Hb. in den Nordtiroler Kalkalpen. Die Nicholli 
aus der Brenta (abgebildet von Herrn Prof. Dr. Rebel in diesen 
„Verhandlungen", 1899, Taf. IV, Fig. 1, 2) sollte eigentlich als 
Stammrasse betrachtet werden. Aber was kann man gegen das 
oft störende Gesetz der Priorität machen? Es schützt uns doch vor 
Eigenmächtigkeiten und Wirrwarr. Die Brentarasse steht einzig 
da. Sie aberriert fast gar nicht. Oben und unten schwarze Männ- 
chen (der Melas Hbs. zum Verwechseln ähnlich und vor Calberla 
von Elwes auch dafür gehalten), führt sie groß weißgekernte Augen 
auf Vorder- und Hinterflügeln, oben und unten. Auf den Vorder- 
flügeln stehen deren je 2 (bei einem Männchen sogar je 4)^ auf 
den Hinterflügeln je 3. 

Herr Calberla (Dresden) hat in seinem umfangreichen schönen 
Aufsatze im Band IX der „Iris" auf Grund der Genitaluntersuchung, 
Fülllerverschiedenheit und der gänzlich verschiedenen Weibchen 
die Zugehörigkeit der Nicholli (er nennt sie Älecto) zur Glacialis 
sichergestellt. Diese Arbeit ist sehr lehrreich. Ich kann aber der 
Zusammenziehung der Nicholli Obth. zur Älecto Hb. nicht zu- 
stimmen. Schon Rebel hat in seinen erwähnten zweiten Beitrag 
zur Lepidopterenfauna Südtirols nur zögernd Calberla zugestimmt. 
Er sagt: „Da im weiblichen Geschlechte auch nicht volle Iden- 
tität mit Älecto Hb. 515 — 516 vorliegt, glaubte ich anfangs, es 
sei ratsamer, den Namen Nicholli, welcher ausdrücklich der Brenta- 
form von Oberthtir erteilt wurde, dieser Glacialis-F orm zu be- 
lassen. Inzwischen ist es Herrn Stange gelungen, diese so inter- 
essante Form auch anderwärts zu finden, wie zwei mit Brenta- 
stücken ganz tibereinstimmende Älecto-Männchen beweisen, welche 



(32) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



im Pitztal auf dem Wege zur Braunschweigerhütte und Taschach- 
hütte am 25. Juli 1897 in ca. 2200 m erbeutet wurden. Da über 
das Aussehen der weiblichen Stücke der Pitztaler Form noch nichts 
bekannt ist und dieselben möglicherweise vollständig dem Hübner- 
schen Älecto-Bilde (515, 516) entsprechen können, bleibt die Nomen- 
klaturfrage besser derzeit unentschieden." 

Nun hat in der Tat Stange das Weibchen später im Ötztal 
gefunden und an Herrn Prof. Rebel geschickt, der sich darüber 
Nachstehendes notiert hat: „Ein vollständig mit dem reichst ge- 
zeichneten 5 aus der Brenta übereinstimmendes 9 vom Ramol- 
joch (8000 m) hatte ich von Prof. Stange zur Ansicht." 

Das würde höchstens beweisen, daß die Pitz-, bzw. Ötztaler 
der Brenta-Rasse nahe oder oft gleich kommt. Hat aber nichts mit 
der Identität der Nicholli Obth. und Äledo Hb. zu tun. 

Das Original zu Rebeis 9, Fig. 2, hat das Rotbraun auf den 
Vorderflügeln nicht so stark ausgedehnt als das Bild. Das Rot- 
braun ist gewöhnUch viel schwächer, bei einem Exemplar, das 
schwarzbraun erscheint, fehlt es ganz. 

Die Weibchen der Nicholli haben auf den Vorderflügeln drei 
bis vier große, weißgekernte Augen, die gewöhnlich von etwas 
Rotbraun umgeben sind. Die Hinterflügel derselben führen wie 
die Männchen drei Augen. Die Unterseite ist auf den Vorder- 
flügeln rotbraun von der Wurzel bis zur helleren Augenbinde und 
am Außenrande, auf den Hinterflügeln etwas dunkler mit sehr 
schmaler hellgrauer Binde um die Augen. Bei den oben dunkleren 
Weibchen sind die helleren Binden auch auf der Unterseite kaum 
mehr zu erkennen. 

Nur in diesem Farbentone der Weibchen und in der Zahl der 
Vorderflügelaugen (zwei bis vier) der Männchen aberriert diese 
Rasse. Sonst gar nicht. 

Wie ganz anders ist es bei den Glacialis aus anderen Lokalitäten ! 

Und nun zu Hühners Älecto, die sich von der Nicholli Obth. 
noch einen weiteren Schritt entfernt als die Ötz- und Pitztaler 
Stücke. Im Jahre 1805 hat Hübner in den Figuren 515 und 
516, 528 und 529 das Weibchen und das Männchen seiner Erehia 
alecto abgebildet. 

Die Tiere stammen aus Lermoos in Nordtirol. 



Versnimnlim^' (ior Soktloii (ür Lopidoptorolo^^ii^. 



QVi) 



Er sagt zu Fig. 515 und 51ü (9) folgendes: „Die Flügel oben 
fast schwarz, rotbraun bandiert und ordentlieli geäugt, unten aus- 
wärts braungrau gemengt, die oberen im inneren Kaume rostfärbig, 
wie oben geäugt, ihre Fransen durcbaus gleiclifärbig braun. Heim die 
Alpen Tirols und der Schweiz. Ein junger feuriger Naturliebhaber 
namens Sartori, der im Jahre 1802 dem Herrn Pfeiffer zu Liebe 
einen Alpenbesuch unternahm, brachte in der Gegend bei Lermoos 
(Nordtirol) außer noch anderen Schmetterlingsgattungen auch diese 
in stufenw^eiser Änderung bis zur einfarbig schwarzen Abweichung." 

Calberla meint in seiner Arbeit („Iris"), nachdem er bewies, 
daß die Brentafalter nicht zur 3Ielas, sondern zur Glacialis ge- 
hören, daß einige von ihm selbst in Lermoos erbeutete „Äledo'^ 
schon einen Übergang zu den Brentatieren bilden, daß letztere 
also auch Älecto sind, weil Fig. 515 und 516 (Hübners Älecto-(^) 
seinem Lermooser Weibchen nahe kommt. Die Brenta-Easse müsse 
zu Hübners Älecto gezogen werden. Es kommt also Fig. 515 und 
516 dem Lermooser Weibchen höchstens „nahe", wenn es über- 
haupt unter letzteren so geäugte Weibchen gibt. Calberla sagt 
auf S. 387 selbst: „Wenn sich bei solchen Stücken auch auf den 
Vorderflügeln beiderseits Augen in Zelle 2 und 3 zeigen, die Binde 
der Oberseite auf denselben deutlich ist und die beiden Augen 
unter der Spitze groß, oval und deutlich gekernt sind, ferner die- 
jenigen der Hinterflügel auch oben weiße Pupillen besitzen, so 
bilden sie den Übergang zu unsern 7 9 aus der Brentagruppe." 
Also nur „Übergang". 

Bei den Glacialis aus der Brenta gibt es aber keinen Über- 
gang. Das ist eine ganz isolierte, distinkte Rasse, die in beiden 
Geschlechtern auf den Vorder- und Hinterflügeln stark geäugt und 
mächtig weiß pupilliert ist, oben und unten ganz schwarze Männ- 
chen hat und Weibchen besitzt, die entweder eine Spur Braun um die 
Augen haben oder gar keines und die oben und unten auf beiden 
Flügeln stark geäugt sind. Bei ihnen gibt es keine einfärbigen 
augenlosen Stücke und keine mit Binden ohne Augen. Also ge- 
hört die Brentarasse nicht zu der Lermooser Älecto, die ja im 
besten Falle nur Annäherungen an die NicJiolli Obth. hat. Es 
müssen daher die Glacialis von der Brenta den Namen Nicholli 
führen, den Oberthür eigens diesen Brentafaltern gab. 

Z. B. Ges. 61. Bd. C 



(34) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Zweitens fiel mir sofort auf, daß Fig. 515 und 516 bei Hüb n er 
einen ganz anderen FlUgelschnitt hat als das auch Älecto benannte 
Männchen (Fig. 528 und 529). 

Zu einen schwarzen Männchen, das nur im Apex der Vorder- 
flügel und nur so schwach weißgekernte Augen hat, gehört kein 
so stark und besonders auf den Hinter flügeln so stark geäugtes 
Weibchen. Schon anderen (Freyer, Herrich-Schäfer, Kirby, 
Rebel) fiel der Unterschied zwischen Fig. 515 und Fig. 528 
auf und wurde Fig. 515 (516) zu Uvias God. oder Scipio B. ge- 
zogen. 

Auch Calberla meint, daß dieses Weibchen (515) nicht aus 
Lermoos, sondern aus einem von Sammlern nicht mehr begangenen 
Teil Südtirols stamme, da die Brenta damals noch nicht besucht 
war. Es hat ihm also das $ auch nicht zum Lermooser cT ge- 
stimmt. Wie hätte aber Hühner dann von der stufen weisen Ände- 
rung der Lermooser Erebien sprechen können, wenn das 9 nicht 
aus Lermoos war? Außer dem Flügelschnitt, der nicht zu Glacialis 
paßt, weist Fig. 515 und 516 auch eine Ober- und Unterseite auf, 
die nicht zu 9 der G^kciafcRassen passen. Die Außenbinde der 
Unterseite der Hinterflügel ist in Bild 516 viel breiter als bei den 
Brenta-Weibchen, mehr grau und viel schwächer geäugt. Man sieht 
nur einen schwachen weißen Kern, während die Brenta-Weibchen 
stark geäugt sind. Die Lösung ist sehr einfach. Fig. 515 (deren 
Unterseite 516) ist überhaupt kein Weibchen. Man sieht dies sicher 
in Fig. 516. So sehen die Erebien -Weibchen dieser Gruppe unten 
nie aus. Die Vorderflügelunterseite ist zu rotbraun, die Hinterflügel- 
unterseite ist in ihrem dunklen Kolorit ebenfalls nicht weiblich. 
Es ist ein Männchen der damals noch nicht bekannten Art Nerine, 
die Frey er erst 1831 beschrieb. Das Tier war wahrscheinlich 
frisch gekrochen und hatte einen vollen Leib. Sartori hatte es 
etwas tiefer gesammelt. Nerine kommt ja erwiesenermaßen in 
Lermoos vor. Es ist aber auch keine typische Nerine. Man wird, da 
das Original zu diesem Bilde nicht vorliegt, die Nerine nicht Älecio 
umtaufen können, wie es sein müßte, wenn die Sache sichergestellt 
wäre. Den Namen Älecto aber müssen wir für die sichere Fig. 528 
lassen. Die Beschreibung der Älecto ist bei Calberla nachzulesen 
(„Iris"). Hat schon die Rasse aus dem Ötz- und Pitztale kleinere 



VcrsMinnilimf^ der Sektion fiii' TiOpidopterolojjfio. 



(35) 



Ozellen als NicholU ans der Brcnta, so verscliwinden dieselben in 
den Nordtiroler Kalkalpcn (Lernioos) oft noch mehr. Dort sind 
auch die ganz schwarzen Flufo Esper (121. I.) darunter. 

Die Glacialis aus den Nordtiroler Kalkalpen müssen also den 
Namen Erehia glacialis alecto Hühner führen. 

Anläßlich einer Hochtour auf den Sass Rigais und einer anderen 
auf die große Tschierspitze in den Dolomiten (Geisler- und Puez- 
gruppe) am 30. Juli und 2. August erbeutete ich in einer Höhe von 
2200 bis 2400 m 1 1 cT und 4 9 der Rasse, die ich Dolomitana 
nenne. Herr Hofrat Dr. Schima erbeutete auch einige Exemplare. 
Stange fing sie am Chiampatsch See in der Puezgruppe und in 
der Sellagruppe. Die Männchen sind oben und unten völlig schwarz 
und haben auf den Vorderflügeln je zwei gut weißgekernte Apikai- 
augen, welche schon schwach werden und auch ganz fehlen können. 
Die Hinterflügel sind völlig augenlos. Dadurch unterscheidet sich 
diese Rasse sofort von der stärker und auch auf den Hinterflügeln 
geäugten (nie schwach oder ungeäugten) NicholU aus der Brenta, 
aber auch von den viel mehr geäugten Faltern S langes aus dem 
Pitz- und Ötztale. Ebenso von der Lermooser Alecto^ die auf den 
Hinterflügeln meistens in Zelle 2 bis 4 blinde oder weißgekernte, 
sehr kleine Augen hatten. Auch die Weibchen meiner Dolomitana 
sind auf den Hinterflügeln weder oben noch unten geäugt. 

Eines der Weibchen ist auf der Oberseite fast ebenso schwarz- 
braun als die Männchen, während die anderen etwas lichter sind 
und um die Augen einen braunen Bindenrest besitzen. 

Calberla erwähnt (was auch in Hübners Bild 529 zu sehen 
ist), daß die Unterseite der männlichen Vorderflügel der Alecto eine 
rostbraune Färbung aufweist. Dies ist bei meinen oben und unten 
gleichmäßig schwarzbraunen von Sass Rigais und der Tschier- 
spitze nie der Fall. Auch Exemplare mit Binden auf der Ober- 
oder Unterseite fing ich nicht. Einige Männchen sind oben und 
unten ganz schwarz {Pluto Esp.). Die meisten haben aber auf 
der Unterseite die Apikaiaugen erhalten. Die 9 sind auf den 
Vorderflügeln ober- und unterseits stark geäugt, haben mit Aus- 
nahme eines auch unten dunkleren 9 eine rotbraune Färbung der 
Vorderflügel und braune ungeäugte Hinterflügel, die eine lichtere 
Randbinde haben. Von der NicJiolli unterscheidet sich die Dolo- 

c* 



(36) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



mitana also außer durch das Fehlen der Augen auf den Hinter- 
flügeln durch das Auftreten schwächer geäugter Formen und der 
ganz augenlosen Pluto. Von der Alecto aus Lermoos unterscheidet 
sich die Dolomitana durch das Fehlen des rostbraunen Wisches auf 
der Unterseite der Vorderfliigel, durch das Fehlen der Augen auf 
den Hinterflügeln, die die meisten Alecto (wenn auch oft schwach) 
aufweisen, und durch das Fehlen der augenlosen und dabei ge- 
bänderten Aberration, die ich Eutaenia nenne. Espers zuerst ab- 
gebildete Glacialis ist eine Eutaenia. 

Der Dolomitenrasse am nächsten steht die Rasse vom Triglav, 
die Herrn Leo Schwingenschuß (Wien) schon vor Jahren als 
Lokalvarietät auffiel. Sie kommen der Dolomiten-Rasse am nächsten, 
haben aber alle auf der Vorderflügelunterseite einen rostbraunen 
Bindenrest (wie Hübners Alecto-d", 529), was meine Dolomitana 
nicht haben. Sie sind ebenso schwarzbraun wie letztere. Die ich 
sah, sind meistens etwas kleiner als die anderen Rassen. Auch die 
Dolomitana ist eine kleinere Rasse. 

Von der Lermooser Alecio unterscheidet sich diese Rasse, die 
ich Erehia glacialis triglavensis nenne, dadurch, daß sie nur auf 
den VorderflUgeln oben und unten geäugt ist, sonst nicht. Auch 
die ganz ungeäugte Aberration Pluto Esp. kommt vor. Häufiger 
sind aber die oben ganz schwarzen, jedoch auf der Unterseite der 
Vorderflügel noch geäugten Übergänge. 

Nach der Nicholli die prägnanteste Rasse ist last not least 
die vom Ortlergebiete (bei Seitz als Alecto gut abgebildet), die 
mit Hübners Alecto nicht viel gemein hat. Diese Tiere, die ich 
selbst am Stilfserjoch erbeutete und durch Herrn Leo Schwingen- 
schuß von dort und vom Piz Umbrail erhielt, sind in der Regel 
größer als die anderen österreichischen Rassen. Sie besitzen auf 
der Oberseite in beiden Geschlechtern eine breite, leuchtend braun- 
rote Binde, die über Vorder- und Hinterflügel zieht, und auf den 
Vorder- und Hinterflügeln, oder nur auf den Vorderflügeln (aber 
auch oft nur auf den HinterflUgeln) Augen, die auch im Apex fast 
nie so stark weißgekernt sind wie bei Nicholli. Auf der Unterseite 
sind die Vorderflügel bei den Männchen rotbraun, geäugt, die Hinter- 
flügel schwarzbraun, wenig geäugt und ohne Binden. 



Versniiiinlim<; der Sektion für rjcpidopterolojjie. 



(37) 



Bei den Weibchen sind die VordeHlllgel unten etwas heller 
braun, die Ilinterflti^el ebenfalls und außen breit hell gebändert, 
oft mit Spuren von Augen. Einige sind stärker geäugt. 

Diese Kasse aus dem Ortlergebiete miige Stelviana heißen. 

In den einzelnen Lokalrassen, aber nicht in jeder, aberrieren 
die Falter in folgender Weise: Sie sind geäugt, haben augenlose 
Binden (Aberratio eutaenia m.) oder sind ganz einfärbig schwarz- 
braun bis schwarz (Aberratio pliito Esper). 

Die Art fliegt im Juli und August in der Höhe zwischen 
1900 und 3000 m über Kalkgeröllhalden. Sie fliegt ziemlich nieder 
und erscheint, sobald die Sonne heraustritt, setzt sich oft mit aus- 
gebreiteten Flügeln, die dann blau schillern, auf Steine und ver- 
schwindet unter dieselben, sobald die Sonne verdeckt wird. Die 
Raupe beschrieb zuerst Herr Prof. Rebel in der obgenannten 
Arbeit über die Fauna Südtirols. 

Zusammenfassung. 

Erebia glacialis glacialis Esp. Savoyen. Das bei Esper 
abgebildete Tier gehört der Aberratio eutaenia an. Die anderen 
formen dieser Rasse sind mir unbekannt. Es ist möglich, daß 
eine der österreichischen Lokalrassen ihr gleicht und damit fällt. 
Zwei kleine Falter, die Espers Bild gleichen, sah ich vom Gorner- 
grat (Sammlung Kindervater). Ob die von Chamonix zuerst be- 
schriebene Glacialis daselbst geäugt vorkommt und wie weit sich 
diese Rasse erstreckt, mögen andere feststellen. Die vom Albula-, 
Susten- und Julierpaß mir vorliegenden Falter kommen an Größe 
der Stelviana nahe, sind aber nicht so leuchtend wie diese und 
wie die meisten Schweizer Tiere seltener geäugt. 

Erebia glacialis nicholli Obth. Brenta. cT oben und unten 
schwarz. Oben und unten in beiden Geschlechtern große, weiß 
gekernte, breit schwarz umrandete Augen. Keine Eutaenia und 
keine Fluto. 

Eine ähnliche noch näher zu erforschende Rasse von Herrn 
Prof. Stange im Pitz- und Ötztale gefunden (Gurglgletscher, Ramol). 

Erebia glacialis alecto Hb. Nordtiroler Kalkalpen, d" 
schwarzbraun, Vorderflügel beiderseits viel schwächer geäugt als 
bei Nicholli^ unterseits mit rotbraunem Bindenrest. Hinterflügel oft 



(38) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



mehr oder minder geäugt. Vorderflügel des 9 immer, Hinterflügel 
manchmal, aber schwach geäugt. Eutaenia. FUito. 

Erebia glacialis dolomitana m. Dolomiten, oben und 
unten schwarz mit (wie bei Alecto) schwächer als bei Nicholli ge- 
äugten, weiß gekernten Apex, HinterflUgel in beiden Geschlechtern 
fast immer augenlos. Pluto seltener darunter. Zahlreicher die wenig- 
stens auf der Unterseite der Vorderflügel geäugten Exemplare. 

Erebia glacialis triglavensis m. Triglav. cf oberseits wie 
Dolomitana. Auf der Unterseite der Vorderflügel mit einem rot- 
braunen Bindenrest. 9 wie bei Dolomitana. Etwas kleiner. Pluto 
darunter. Wieder die auf der Unterseite der Vorderflügel geäugten 
Exemplare häufiger als die ganz ungeäugten Pluto. 

Erebia glacialis stelviana m. Ortlergebiet. Größer als alle 
andern österreichischen Kassen. Von etwas hellerer Grundfarbe mit 
breiten leuchtend rostbraunen Binden. Auf den Vorderflügeln ge- 
wöhnlich zwei (seltener stark) weiß gekernte Augen. Hinterflügel 
oft geäugt. 

Eutaenia und Pluto nicht selten. 

Aus den meisten Beschreibungen von Faltern dieser Art (Gla- 
cialis Esp., Pluto Esp., TisipJione Esp., DuponcJieli Obth.) aüs Sa- 
voyen, Frankreich und aus der Schweiz geht hervor, daß die augen- 
losen Glacialis dort die Regel sind. Auch in den Abbruzen soll 
nur Pluto vorkommen. Ebenso besitze ich diese vom französischen 
Teil der Pyrenäen (durch Staudinger und Bang-Haas) aus 
Luchon. TisipJione Esp. fällt mit Pluto Esp. zusammen. 

Letztere wurde von Col de Chalenton, Berg Buet in Faucigny 
beschrieben. Daß Oberthürs Duponcheli eine Lokalrasse in Frank- 
reich bildet, glaube ich sicher. 

Im Wiener Hofmuseum sah ich ein $, das unten an der 
Wurzel der Vorderflügel schwarzbraun ist und außen eine braune 
Binde hat. Apex und Außenrand sind grau. Die Hinterflügel 
sind unten an der Basis dunkelgrau. Die breite Außenrandbinde 
ist hellgrau ohne Augen. Oben ist das 9 schwarzbraun mit ge- 
ringem braunen Bindenrest. 

Das <S ist oben und unten Pluto. 

In der Brenta hat sich die reich geäugte Urrasse ungemischt 
erhalten. In den angrenzenden Gebirgszügen Österreichs fliegen 



Veraammluii«; dor Sektion für Lcpidopterologio. 



im 



die g*eäugten Falter mit aiigciilosen und gebänderten Aberrationen. 
In Frankreicb, Italien und in den Pyrenäen sind die augenlosen 
Formen die Kegel, in der Schweiz überwiegend. 

Manns Angabe, daß Erehia Glacialis auf dem Schneeberg 
gefunden wurde, bezweifle ich. 

Zum Schlüsse danke ich Herrn Prof. Dr. Kebel für die 
Überlassung von Material aus dem Hofmuseum, ferner den Herren 
Calberla in Dresden und Prof. Dr. Stange für Einsendung ihres 
Materiales und ebenso den Herren Dr. Galvagni, Baurat Kautz, 
Kindervater, v. Meißl, Neustetter^ Preißecker, Hofrat Dr. 
Schima, Schwingenschuß und Spitz. 

Ich muß noch erwähnen, daß ich nach reiflicher Überlegung 
und Besprechung mit Herrn Prof. Dr. Rebel den im Vorjahre in 
diesen „Verhandlungen" von mir gebrauchten Ausdruck „forma" 
aufgegeben und den alten Ausdruck „aberratio" beibehalten habe. 
Mit dem Ausdruck „Lokalrasse" ist der Ausdruck Varietät oder 
Subspezies identisch. 

Nach Fertigstellung dieser Mitteilung erhielt ich von Herrn 
Arno Wagner in Waidbruck in dankenswerter Weise zwei cf vom 
Soj-Joch in Martelltal, die der Nicholli Ob. schon sehr nahe kommen. 
Ein Falter gleicht mit Ausnahme der rotbraunen Vorderflügel unter- 
seits ganz den Brentatieren, der andere hat auch oberseits bräun- 
liche Aufhellung und ein wenig kleinere Augen der Hinterflügel. 
Ein drittes cT ebendaher gleicht wieder mehr einer Bolomüana. 
Alle drei sind von der Stelviana aus dem angrenzenden Ortler- 
gebiete schon durch die Größe verschieden. Ein gewiß interessan- 
ter Umstand. Noch interessanter ist der anderweitige Unterschied 
zwischen diesen Tieren und der angrenzenden Stelviana und die 
Ähnlichkeit mit den Pitz- und Ötztaler und sogar den Brentafaltern. 
Ferner sah ich von Herrn Ingenieur Kitschelt in Wien einige 
Glacialis von neuen Fundorten. Eine Pluto, die auf der Unter- 
seite eine stark ausgeprägte hellere, rotbraune Binde trägt (vom 
Schiern), ein blaß glänzendes 9 der ab. eutaenia (oben und unten 
mit augenloser Binde) (vom Steinernen Meer), ein cT der ab. Pluto, das 
auf der Vorderflügelunterseite eine rotbraune Binde hat, ebendaher, 
zwei typische Dolomitana cT vom Jochenpaß (Dolomiten) und ein $ von 
der Hofpürglhütte (Radstätter Tauern), das die Vorderflügel oben und 



(40) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



unten sehr stark weiß geäugt hat, die Hinterflügel nicht. Ein Bolo- 
mitoa-Männchen ebendaher beweist, daß sich die Natur keine Gesetze 
aufzwingen läßt, daß es überall Ausnahmen und Übergänge gibt. 

Bei Herrn Prof. Kitt (Wien) sah ich ein c? der ab. pliito 
und ein geäugtes $ von der Simonyhütte am Karlseisfeld (Dach- 
stein), das der Lokalrasse Äledo angehört. Lermoos, Steinernes 
Meer, Hofpürglhütte und Dachstein liegen, von Westen nach Osten 
wandernd, fast in einer Linie. 

Bei den augenlosen Aberrationen (Pluto und Euiaenia) wird 
sich vom Falter allein das Vaterland nicht immer feststellen lassen, 
bei den geäugten Faltern aus Österreichs Gauen getraue ich mir 
dies viel sicherer als bei vielen J.^oZ?o-Rassen. 

Meine kleine Arbeit soll nur ein Ansporn sein^ sich der 
schwer zu erbeutenden und dem Auge nicht gefälHgen und daher 
vernachlässigten Art mehr anzunehmen. Es würde mich freuen, 
wenn ein anderer auf Grund noch größeren Materiales dieselbe er- 
gänzen würde. Besonders bedarf es eines ergänzenden Materiales 
aus dem Vaterland der ersten Glacialis^ von Chamonix und von 
den angrenzenden Gebirgen der Schweiz. 

IV. Herr Robert Spitz gibt unter Materialvorlage die Be- 
schreibung der bisher unbekannten Raupe und Puppe Yon Siona 
decussata Bkh. 

Im Mai des heurigen Jahres ist es mir gelungen, in der Nähe 
von Ebreichsdorf die Raupe der nicht selten aus Ungarn als Falter 
bezogenen Geometride Siona decussata Bkh. auf einer Euphorbia 
aufzufinden und daraus den Falter zu ziehen. Die Zucht ergab in 
überwiegender Anzahl die aberr. fortificata Tr. 

Der Körper der Raupe ist grasgrün, nach vorne verjüngt, 
querfaltig, mit starken Seitenkanten und kleinen mit feinen Haaren 
besetzten, bräunlichen, lichtgelb geringten Wärzchen. Die doppelte 
Rückenlinie und die Nebenrückenlinie sind gelb oder gelblichweiß. 
Seitenstreif gelb, unten von einer bräunlichgrauen, ungleichmäßig 
breiten Linie scharf begrenzt. Die Grundfarbe zwischen den Rücken- 
linien und zwischen der Nebenrückenlinie und den Seitenstreifen 
erscheint dunkler grün. Bauch etwas heller grün mit drei schmalen, 
meist Hchtgelben Streifen; alle Linien des Rückens und des Bauches 



ViMsnnunliin<r iler Sektion lür Lcpidoptiirologie. 



(41) 



sind ung^leiclimäliig: gezähnt. Kopf und Stirndreieck gclblicligrlin, 
ins Bräunliclie si)ielend. Kopf rund, etwas schmäler als das erste 
Segment, Stirne schwach abgeplattet. Augen und Mund schwarz- 
braun. Nackenschild und Afterklappe von der Körperfarbe. Brust- 
ftiße briiunlichgelb. Bauclifüße und Nachschieber außenseitig von 
der Körperfarbe, innen etwas lichter. 

Im präparierten Zustande ist die Gestalt der Kaupe etwas 
verändert, weil sich die Querfalten beim Aufblasen ausgleichen 
und der Leib in den Segmenten eingeschnürt aussieht; auch die 
Farbe verblaßt, wie bei allen grünen Raupen, mehr oder weniger. 
Erwachsen erreicht die Raupe eine Länge von 3 — 3 5 cm. 

Die Puppe ist schwach glänzend braun, an den Flügel- 
scheiden etwas heller, mit vorspringendem Brustfortsatz. Kremaster 
mit zwei Spitzen. — Entwicklung nach drei Wochen. 

Die Raupe von Siona decussata gleicht auch jener der eben- 
falls auf EiipJiorhia lebenden CJwndrosoma fiduciaria. Letztere wird 
jedoch entsprechend größer, besitzt auch einen größeren, grün blei- 
benden Kopf und entbehrt auf der Bauchseite der weißen Längs- 
linien der dectissata-UsLUi^G. 

V. Derselbe demonstriert ein am Wiener Schneeberg am 18. Juli 
1. J. ganz frisch entwickelt gefundenes weibliches Stück von Ägro- 
tls nictymera B. Die Art ist bisher nicht aus dem Schneeberg- 
gebiet, beziehungsw^eise aus dem Kronlande Niederösterreich be- 
kannt gewesen. 

VL Herr Rittmeister 0. Gatnar teilt mit, daß er am 18. Juli 
1. J. Lycaena eitmedon Esp. bei Stockerau (N.-Ö.), darunter auch 
ab. albocincta Schultz, ferner lliecla ilicis ab. cerri Hb. cT in Purkers- 
dorf bei Wien am 29. Juni erbeutet habe. 

Hiezu bemerkt Herr H. Neustetter, daß er Lyc. eumedon auch 
in Rohrwald am 12. Juli 1. J. gefangen habe und Herr F. Preiß- 
ecker, daß dieselbe Art bereits von Raps (N.-Ö.) nachgewiesen 
sei und daß Ihecla ilicis ab. cerri auch in Mödling vorkomme, was 
Herr Neustetter und Dr. Kolisko bestätigen. 

VIT. Herr Fr. v. Meißl berichtet über seine heurigen Sammel- 
ergebnisse in Pola. 



(42) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Versammlung am 9. Dezember 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Bebel. 

I. Der Vorsitzende gibt bekannt, daß für 1911 eine Neuwahl 
der Funktionäre der Sektion zu erfolgen habe. Es wurden hierauf 
die bisherigen Funktionäre einstimmig wiedergewählt. 

II. Derselbe bringt unter Bezugnahme auf die Mitteilungen 
in der Sektionsversammlung vom 10. Mai 1910 zur Kenntnis, daß 
nach einem Schreiben des Niederösterreichischen Landesmuseums 
vom 10. November d. J. und einer weiteren mündlichen Rücksprache 
mit dem leitenden Musealausschuß zwar der seitens der Sektion 
in Anregung gebrachte ratenweise Ankauf einer Lepidopterensamm- 
lung im Prinzipe genehmigt, derzeit aber wegen Abganges der er- 
forderlichen Mittel nicht zur Realisierung gelangen könne. 

III. Derselbe legt nachstehende neuere Literaturerscheinungen 
mit referierenden Bemerkungen vor: 

Dampf Alfons, Zur Kenntnis gehäusetragender Lepidopteren- 
larven. (Zool. Jahrb., Suppl. 12, Heft 3.) 

Griebl JuL, Die Lepidopterenfauna der bayerischen Rhein- 
pfalz, IL Teil. (Progr. Gym. Neustadt a. H.) 

Hafner J., Verzeichnis der bisher in Krain beobachteten 
Großschmetterlinge, III. u. IV. Teil. (Carniola, 1910.) 

Piepers M. C. and Snellen P. C. T., The Rhopalocera of 
Java. Hesperidae. Mit 6 kol. Tafeln. Haag, 1910. 

Rebel H., Lepidopteren von den Samoainseln. (Denkschr. d. 
kais. Akad. d. Wissensch., 85. Bd., 1910.) 

Slevogt B., Die Großfalter Kurlands, Livlands, Estlands und 
Ostpreußens. (Arbeit. Naturf. Ver. Riga, (N. F.), Heft 12, 
1910.) 

„Sphinx", Entom. Vereinigung Wien, Jahrbuch, 1910. 



In diesen „Verhandlungen", 1910, S. (222). 



Ver.sainniliinjjf dor Sektion lür Lepidopterologie. 



(43) 



Herr Dr. E. Galvagni briii^^t weiters zur Vorlage: 

Wood Jones, Coral and Atolls, London, 11)10 (Lepidoptera in 

Appendix, p. 341) — 355). 
Semenov, Die taxonomischen Grenzen der Art. Berlin, 1910. 

IV. Prof. Rebel berichtet ferner unter Materialvorlage über 
eine Lepidopterenausbeute aus Ostgrönland. 

Herr Prof. Dr. v. Lorenz hat im Hochsommer der Jahre 1909 
und 1910 Reisen an die selten besuchte Ostküste von Grönland 
unternommen. Während er im Vorjahre nm* einmal Gelegenheit 
hatte am Dusin Fjord zu sammeln, wo Ärgynnis polaris erbeutet 
wurde, konnte im heurigen Jahre an zwei Punkten gesammelt werden, 
und zwar am 16. Juli im Tyroler Fjord (westlich Kap Herrschell) 
und am 4. August auf Clavering Island, Kap Mary. An letzterer 
Lokalität wurde auch eine neue Tortricide in zwei Stücken erbeutet. 

Vorstehend eine Liste der 7 gesammelten Arten :^) 

Colias heda Lef. Tyroler Fjord. 16. Juli mehrfach, in frischen 
Stücken, darunter auch ein sehr dunkles 9. 

Ärgynnis chariclea arctica Zeit Ebenda mehrfach. 

Ärgynnis polaris B. Ebenda ein 9 und im Dusin Fjord 1909 
ein kleines cf. 

Hadena difflua groenlandica H.-S. Ein ganz frisches wurde 
im Grase in Kap Mary (Clavering Island) am 4. August erbeutet. 
Dasselbe stimmt bis auf die etwas geringere Größe sehr gut mit der 
Abbildung der Form groenlandica bei Herrich-Sch äffer (Fig. 151) 
überein. 

Anarta richardsoni Gurt. Tyroler Fjord, 16. Juli, ein cf. 

Anarta setterstedti holthoffi Auriv. Ebenda ein Pärchen. 

Cnephasia hoyosi nov. spec. (d"). Zwei in Kap Mary (Cla- 
vering Island) am 4. August im Grase erbeutete cf gehören einer 
neuen, ziemlich großen Art an, welche vorherrschend düster grau ge- 
färbt ist, mit zerrissener braunschwarzer Zeichnung der Vorderflügel. 

Die schwach bewimperten schwärzlichen Fühler sind kurz 
und reichen nur bis ein Drittel des Vorderrandes. Die Palpen von 



^) Vgl. aucli die Mitteilungen über eine Lepidopterenausbeute aus West- 
grönland [in diesen „Verhandlungen", 1907, S. (28)— (30)]. 



(44) 



Versammlung der Sektion für Lepiclopterologie. 



ca. 1^2 Augendurchmesserlänge zeigen ein schwärzliches, aus der 
dreieckigen schmutziggrauen Beschuppung des Mittelgliedes hervor- 
ragendes Endglied. Der schlanke Körper dicht beschuppt, vorherr- 
schend eisengrau gefärbt, die Beine schwärzlich, die Hinterschienen 
hellgrau. 

Die langen Vorderflügel nach außen schwach erweitert, mit 
deutlicher Spitze, zeigen auf eisengrauer Grundfarbe eine stark zer- 
rissene, düster rotbraun und schwarz vermischte Zeichnung, in der 
nur die hell durchbrochene Mittelbinde, ein Doppelquerstreifen vor 
dem Saum und fünf Kostalfleckchen gegen die Spitze deuthcher 



Fig. 1. Cnepliasia hoyosi Rbl. ^. weißlichen, an ihrer Basis dunkel 



mit silbergrau erscheinender heller Querzeichnung der Oberseite. 
VorderflUgellänge 12 — 13 mm, Expansion 24 — 26 mm. 

Ich erlaube mir die interessante Tortricide nach Herrn Ernst 
Grafen Hoyos-Sprinzenstein, in dessen Begleitung Prof. v. 
Lorenz die heurige Grönlandsreise gemacht hat, zu benennen. 

V. Derselbe legt eine neue Parnassius aj^oHo-Rasse aus 
dem Cilicischen Taurus vor: 

Parnassius apollo auerspergi nov. subspec. (cf). 

Sehr weiß und sehr groß (46 — 48 mm Vorderflügellänge). Der 
schwarze Kostalfleck am Schlüsse der Mittelzelle der Vorderflügel 
setzt sich unter dem Vorderrand basalwärts in einen kurzen Haken- 
fleck fort. Die Antemarginalbinde der Vorderfltigel ist kurz und 
reicht nur bis Ader Mg herab, auch der glasige Saum der Vorder- 
flügel ist schmal und kurz und endet bereits in Zelle 3. Die 
Augenflecke der Hinterflügel sind sehr groß und breit weiß gekernt. 
Die beiden schwarzen Flecke des Innenwinkels sehr deutlich. In 




hervortreten. Die Zeichnungsanlage 
variiert schon bei den beiden vor- 
liegenden Stücken. Die grauen Fran- 
sen mit heller Teilungslinie in ihrer 
Mitte sind auf den Aderenden breit 
schwärzlich durchschnitten. Die Hin- 
terflügel eintönig düster grau mit 



(In doppelter Größe.) 



beschuppten Fransen. Die Unter- 
seite grau, die Vorderflügel daselbst 



Vorsaininluny dor Sektion für Lopidoplcrolot^io. 



(45) 



den Saiimzelleii der Hinterflllgel unterseits schwarzstaubige Flecke, 
welche voneinander getrennt bleiben. 

Am nächsten verwandt dem Farn, apollo levantinus Uothsch., 
nach der Abbildung bei Verity, PI. 58, Fig. 4 d", durch noch be- 
deutendere Größe, noch reiner weiße Färbung, basale Verlängerung 
des Kostalfleckes der Vorderfliigel und kürzeren glasigen Saum 
der Vorderfliigel zu unterscheiden. 

Fünf, untereinander vollkommen übereinstimmende, ganz 
frische Stücke (cf) wurden von Herrn Adolf Prinzen Auersperg 




Fig. 2. Parnassius apollo auerspergi Rbl. 



anfangs Juli heurigen Jahres in Djivizli Han im Aladagh (Cili- 
cischer Taurus) auf der Straße nach Gülek Bazar in zirka 700 m 
Höhe erbeutet und dem Hofmuseum gewidmet. Von dieser inter- 
essanten Lokalform, welche nach ihrem Entdecker benannt sei, 
scheint ein im Hofmuseura befindliches einzelnes 9, welches west- 
lich von Malatia am oberen Euphrat von Siehe erbeutet wurde, 
verschieden zu sein. Letzteres Stück zeigt eine vollständige Ante- 
marginalstaubbinde aller Flügel und einen fast bis zum Innenwinkel 
herabreichenden glasigen Saum der Vorderflügel. Der mittlere 



(46) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Kostalfleck der Vorderflügel ist nur schwach basalwärts verlängert, 
die Augenflecke der Hinterflügel sind enorm groß. Wahrscheinlich 
ist dieses Stück bereits der Form levantinus ßothsch. (Verity, 
PI. 58, Fig. 5 9) zuzurechnen. 

VI. Herr Leo Schwingenschuß bespricht unter Material- 
vorlage: „Eine neue Geometridenform aus Steiermark." 

Fidonia limbaria styriaca nov. subspec. (cT 9). 

Mein Amtskollege Herr Wilhelm Philipp erbeutete heuer 
anfangs Juli am Polster bei Prebichl in Steiermark in zirka 
1400 — 1600 m Höhe mehrere Fid. limbaria, die sich von den 
übrigen Xim^ana- Formen merklich unterscheiden und mir zur 
Beschreibung überlassen wurden. 

Die Tiere stellen eine ausgesprochene Lokalform dar und 
sollen über ausdrücklichen Wunsch ihres Entdeckers den Namen 
„styriaca" tragen. 

Wie schon aus der Lage des Fundortes geschlossen werden 
kann, kommt „styriaca" der von Zell er aufgestellten var. raUensis 
am nächsten, weshalb ich mich in meinen Ausführungen haupt- 
sächlich auf die Unterscheidungsmerkmale gegen ^^raUensis" be- 
schränken will. 

Im Habitus ist styriaca etwas schmalflügeliger und kleiner 
als rahlensis. Was nun speziell das cT betrifft, so liegen wesent- 
Hche Unterschiede vor. Denn, während bei rahlensis trotz der 
großen Variabilität derselben die Sprenkelung im Diskus meistens 
fehlt oder doch mindestens stark reduziert ist und die hell ocker- 
gelbe Grundfarbe immer vorherrscht, zeigt styriaca die Sprenkelung 
gleichmäßig über die ganze Flügelfläche verteilt und so dicht, daß 
die gelbe Grundfarbe fast verschwindet. 

Zudem hat, wie Zell er in seiner Beschreibung anführt, das 
typische von rahlensis auf den Vorderflügeln eine vollständige 
Randbinde und auf den Hinterflügeln eine schmale, aus Stricheln 
zusammengesetzte Einfassung, hingegen styriaca auf den Vorder- 
flügeln die Strichelung gegen den Rand zu wohl auch noch stärker 
verdichtet als im Diskus, aber zu keiner ausgesprochenen Binde 
vereinigt, auf den Hinterflügeln aber überhaupt keine Verdichtung 
der Sprenkelung gegen den Rand. 



Versamniliui}? der Sektion für Lcpidopferoloj^ie. 



(47) 



Unterseits sind sie beim von styriaca etwas lichter ^^elh 
als bei rahloisis und g*egen Vordcrrand und Spitze zu überhaupt 
weißlich; charakteristisch unterscheidet sich jedoch die llinterflligel- 
unterseite, welche bei rahlcnsis gelblich bleibt und regelmäßig nur 
einen weißen, zwar nicht stark hervortretenden, aber immerhin 
deutlich sichtbaren Längsstrahl besitzt, während styriaca weißliche 
Unterseite hat, so daß der weiße Längsstrahl (beziehungsweise die 
Längsstrahlen) sich fast gar nicht mehr abhebt. 

Außerdem zeigen bei rahlensis die Fransen unterseits in der 
Verlängerung der Rippenenden regelmäßig schwarze Wische, er- 
scheinen demnach mehr oder weniger gescheckt, wogegen styriaca 
einfarbige Fransen besitzt. 

Die Weibchen stehen zwar nach den mir vorliegenden zwei 
etwas geflogenen Exemplaren der rahlensis sehr nahe, aber auch 
bei diesen ist oberseits die Sprenkelung gleichmäßiger über die 
ganze Flügelfläche verteilt, die Unterseite der Vorderflügel lichter 
gelb ; gegen Vorderrand und Spitze weißlich und die charakteristische 
weißliche Farbe der Hinterflügelunterseite vorhanden. 

Erwähnen möchte ich noch, daß die zumVergleiche mitgenommene 
Serie (30 Stück) der rahlensis Z. eine Auswahl aus weit mehr als 100 
Stück und das Ergebnis mehrerer Sammeljahre, also gewiß ein reiches 
Material zur Beurteilung einer Form darstellen, aber gleichwohl zu 
mindesten kein & sich darunter befindet, welches mit einem von sty- 
riaca zu verwechseln wäre. Immerhin mögen bei einer großen Serie 
von styriaca der rahlensis sehr nahestehende Stücke vorkommen. 

Weiters hätte ich noch zu bemerken, daß die im „Berge-Rebel", 
S. 413, angeführte Diagnose für rahlensis, nämlich „Oberseite gleich- 
mäßig schwarz gesprenkelt", wohl bei einem Vergleiche mit den 
bisher bekannten Formen zutreffend war, nunmehr aber rücksicht- 
lich der neuen Form styriaca, deren Oberseite gleichmäßiger, be- 
ziehungsweise stärker gesprenkelt ist, abzuändern wäre. 

Schließlich obliegt es mir noch, Herrn Prof. Rebel für seine 
Bemühungen und Herrn Philipp für die freundliche Überlassung 
des Materiales meinen Dank auszusprechen. 



Vn. Herr Dr. Seh im a bespricht die Variabilität von Erna- 
turga atomaria L. und weist einerseits eine Serie von normalen 



(48) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie, 



und aberrierenden Stücken der Stammform in beiden Geschlechtern, 
anderseits eine reichhaltige, 80 cf und 60 $ umfassende Serie von aus 
der Umgebung- von Triest stammenden Stücken der var. orientaria 
Stgr. vor. Eine sehr interessante Ergänzung erfährt dieses vorgelegte 
Vergleichsmaterial durch einige von Herrn Prof. Dr. Rebel vorge- 
wiesene, aus Schottland stammende ganz schwarze Paare der ab. 
unicoloraria Stgr. — Unter Rekapitulation der in den verbreiteten 
Handbüchern, so bei Hoffmann-Spuler und Berge-Rebel, ferner 
von Esper und Treitschke gegebenen Beschreibungen dieser Art 
und ihrer Aberrationen führt Dr. Schima insbesondere aus: 

Die mannigfachen Verschiedenheiten und Widersprüche zwi- 
schen den von verschiedenen Autoren gegebenen Beschreibungen 
dieser Art beweisen, wie schwer es angesichts ihrer außerordent- 
lichen Variabilität ist, einen Typus derselben fest zu umgrenzen. 
Schon Treitschke (Die SchmetterHnge von Europa, VI/I, Leipzig, 
1827, S. 288) fügt seiner Beschreibung bei: „Kein Stück ist dem 
andern ganz gleich; bald mangeln die Querlinien oder sind nur 
teilweise vorhanden, bald ist die Binde am Hinterrande durchsich- 
tig (?) und schmal oder auch dicht und breit. Man findet Varietäten, 
die in die Grundfarbe des § und andere weibliche, die in jene des d' 
übergehen. Ich besitze ein c/" und ein 9, die allein nach den 
Flügeln betrachtet notwendig verwechselt werden müßten." (Als 
Beleg für die Richtigkeit letzterer Bemerkung wurde vom Vortra- 
genden unter andern ein aus Mödhng, Juli 1904, stammendes 9 
vorgezeigt, welches Farbe und Zeichnung eines normalen auf- 
weist.) Trotz dieser großen Variabilität oder vielleicht gerade wegen 
derselben sind bisher nur verhältnismäßig wenige Formen dieser 
Art mit eigenen Namen belegt worden; denn es würde in der Tat 
schwer halten, präzise Merkmale für eine Abgrenzung der Zeich- 
nungsaberrationen festzusetzen, zumal die Art nicht etwa bloß nach 
den verschiedenen Lokalitäten ihres weitverbreiteten Vorkommens, 
sondern auch an einem und demselben Orte so sehr und mit so 
vielfachen Übergängen aberriert, daß jeder derartige Versuch sich 
bei Vergleichung eines nur einigermaßen reichhaltigen Materials 
bald als vergeblich herausstellen müßte. 

Eine Anzahl von besonders interessanten Aberrationen (6 
und 3 $) bildet Barrett, The Lepidoptera of the British Islands, 



Veraaniniluufj der Sektion für T.epidopterolofjfie. 



(49) 



London, IDOl, Taf. 28-5, FiV 1 — 1 i ab, darunter als Fi^^ Iii ein 
ganz zeielinung^sloses, cinfärbii;- oekergclbcs c^, eine Form, die Ih^rr 
Prof. Dr. Hebel in der neuen Aullage von Berge mit dem Namen 
ab. ochrearia belegt bat. 

Abgesehen von dieser einfarbig ockergelben Form und der ein- 
farbigen dunklen bis ganz schwarzen ab. tmicoloraria Stgr., welche 
wie die von Herrn Prof Rebel vorgewiesenen schottischen Stücke 
beweisen, in beiden Geschlechtern vorkommt, bei welchen beiden 
Formen also eine Fitigelzeichnung nicht in Betracht kommt, gibt 
es zahllose ineinander übergehende Zeichnungsverschiedenheiten. 
Innerhalb derselben läßt sich jedoch von der in Mitteleuropa vor- 
herrschenden normalen „Stammform" die südliche var. orientaria 
Stgr. immerhin ziemlich scharf auseinanderhalten. Orientaria ist 
meist beträchtlich größer und zeichnet sich durch das lebhaftere, 
mehr ausgebreitete Gelb besonders im Wurzelfelde aller Flügel aus. 
Allerdings habe ich in Mödling, Bruck a. L. und in Raibl auch 
schon Stücke gefangen, die einen Übergang zu orientaria darstellen, 
aber doch meist nur vereinzelt. 

Ich habe var. orientaria in den Jahren 1903, 1904, 1907, 
1908, 1909 und 1910 im Juli und 1906 Ende April und anfangs 
Mai in Grignano bei Triest in Anzahl gefangen; die Tiere fliegen 
dort an den Abhängen des Karstplateaus, über welche die Süd- 
bahnstrecke von Nabresina nach Triest hinunterzieht, stellenweise 
sehr häufig. Merkwürdig war, daß ich von der Sommergeneration, 
obwohl ich mich in den angeführten Jahren stets mehrere Wochen 
im Juli an Ort und Stelle aufhielt, in den Jahren 1903, 1904, 1907 
und 1908 kein einziges 9 zu Gesichte bekam; auch im Jahre 1906 
konnte ich von der Frühjahrsgeneration nur 2 9 erbeuten und eben- 
soviele Herr F. B,. v. Meißl, der mich damals in Grignano besuchte. 
Im Juli 1909 und 1910 dagegen waren auch die Weibchen an den- 
selben Stellen und um dieselbe Zeit, wo ich sie in den früheren 
Jahren vergeblich gesucht hatte, ziemlich häufig, wenngleich auch 
nicht annähernd so zahlreich wie die Männchen. — Herr Baurat 
Kautz aber, welcher sich Ende Juli und anfangs August 1910 
durch mehrere Wochen in Portorose aufhielt, fand dort gleichfalls 
zahlreiche Männchen, aber trotz eifrigen Suchens nur 2 oder 3 
Weibchen. 



Z. B. Ges. 61. Bd. 



d 



(50) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



Orientaria variiert vielleicht noch mehr als die „Stammform" 
in der Wiener Gegend. Die Männchen sind im allgemeinen dm*ch 
die verminderte braune Färbung im Wurzel- uud Mittelfelde und 
durch deren Verdrängung nach dem Saumfelde charakterisiert. Die 
größere Ausbreitung und lebhaftere Färbung des gelben Grundes 
verleiht ihnen einen viel helleren Eindruck als ihn normale Stücke 
nördlich der Alpen aufweisen; es kommen jedoch in beiden Gene- 
rationen auch Stücke mit ziemlich starken dunklen Binden im 
Mittelfelde und anderseits auch solche vor, bei denen die braune 
Saumbinde stark reduziert und durch eine leichte Bestäubung mit 
braunen Schuppen ersetzt ist, zwischen denen der gelbe Grund 
vorherrscht. Die Männchen der Frühjahrsgeneration zeigen im all- 
gemeinen ein etwas helleres Gelb und schärfere Zeichnung als die 
der Sommergeneration, bei welch letzterer das Gelb manchmal 
einen rötlichen Stich aufweist. Ein meiner Serie vom Juli 1909 
hat eine breite, nicht durch die gelbe Grundfarbe unterbrochene 
braune Saumbinde, während Mittel- und Wurzelfeld aller Flügel ab- 
gesehen von einer schmalen Mittelbinde auf den Vorderflügeln ganz 
gelb und nur schwach braun bestäubt sind. Die Weibchen variieren 
in ähnlicher Weise, doch ist die braune Saumbinde regelmäßig 
nicht einheitlich, sondern fast stets mehr oder weniger durch ein- 
gesprengte Stellen der Grundfarbe unterbrochen. Die Grundfarbe 
ist namentlich in der Sommergeneration gleichfalls gelb, manchmal 
ebenso lebhaft wie beim männhchen Geschlechte, auch im Wurzel- 
und Mittelfelde selten durch braune Zeichnung stark verdrängt; 
meist sind im Mittelfelde nur die braunen Querbinden mehr oder 
weniger scharf ausgeprägt, manchmal auch diese nur schwach an- 
gedeutet. Die Weibchen der Frühjahrsgeneration haben eine viel 
lichtere, weißliche oder beingelbe Grundfarbe, namenthch auf den 
Vorderflügeln, während auf den Hinterflügeln Wurzel- und Mittel- 
feld mitunter tiefer gelb gefärbt sind als auf den Vorderflügeln. 

Jedenfalls ist ein richtiger und einigermaßen vollständiger 
Überblick über die große Variabilität auch innerhalb der var. orien- 
taria nur einer größeren Serie von Exemplaren zu entnehmen. 

VIII. Herr Prof. Dr. Moritz Kitt demonstriert sehr inter- 
essante Belegstücke aus seiner heurigen, im Otztal gemachten Aus- 



Vorsaimnlim^' (Irr Sektion l'iir L('|)i(l()i»(('rol();4i(;. 



(51) 



beute, (laniiitcr Anarta funebris IIb. bei Ötz um Jiotcn Wandel 
in zirka 1800 m Höhe Mitte August auf einer sumpfigen Wiese 
erbeutet. 

IX. Herr J. Nitsche macht unter Vorlage der Belegstücke 
nachstehende Mitteilungen : 

Eiicliloe cardaniines ab. quadripundata Fuchs, Rohrwald, 
10. Juni 1909; charakterisiert durch das Auftreten eines schwarzen 
Mittelpunktes auf den Hinterflügeln. 

Am 9. September 1910 fing ich Colias myrmidone ab. flave- 
scens Garb. (2. Generation) im Rohrwalde, mit ockergelber, statt 
orangerötlicher Grundfarbe. 

Eine auffallende Erscheinung bilden zwei Tiere der Vanessa 
urticae L., von welchen ich das eine Stück am 8. Juli 1910 auf der 
Mitteralpe bei Aflenz, das andere am 25. August 1910 auf der 
Schlagalpe erbeutete. Die stegartige Verbindung des großen Mittel- 
fleckes der Vorderflügel mit dem mittleren Kostalfleck erinnert an 
die V. urticae var. connexa Butl., die aus dem nördlichen Japan 
beschrieben wurde und durch Kälteexperimente auch aus mittel- 
europäischen Puppen erzogen werden kann. Ich möchte darauf 
verweisen, daß im heurigen Sommer am 12. Juli 1910 im Hoch- 
schwabgebiete sehr viele Teile des felsigen Terrains und der Weide- 
flächen mit Schnee bedeckt waren, am 25. August 1910 der Neu- 
schnee in so dichten Massen lag, daß infolge dieser selten niedrigen 
Temperatur Verhältnisse leicht solche Kälteformen wie var. connexa 
Butl. entstehen konnten. 

Am 25. August 1910 erbeutete ich auf dem Wege zur Fölz- 
alpe Pyrameis atalanta ab. fracta Tutt, gekennzeichnet dadurch, 
daß die rote Mittelbinde der VorderflUgel deutlich durchbrochen ist. 
Ein zweites gezogenes Tier derselben Abart, dessen Raupe aus 
dem Bürgergraben stammte, schlüpfte am 26. August 1910. 

Am 18. Juni 1910 erbeutete ich im Rohrwalde eine Satyrus 
semele ab. addenda Tutt mit kleinen Augenflecken in Zelle Ib der 
Vorderflügel. 

Unter den erbeuteten Lycaeniden erwähne ich eine am 
29. Mai 1910 gefangene Lycaena argiades var. coretas ab. depuncta 
Hirschke aus dem Rohrwalde, eine auf der Bürgeralpe erbeutete 

d* 



(52) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Lycaena astrar che ab. vedrae Harrison vom 29. Juli 1910, endlich 
die unterseits augenlose Lycaena semiargus ab. caeca Fuchs vom 
2. August 1910 auf dem Wege von Au nach Seewiesen. 

Interessant ist eine Plusia gamma L., welche ich am 29. Juni 
1910 im Kohrwalde fing. Dieses Stück ist auf den Vorderflügeln 
bleicher gefärbt als normale Exemplare. Am meisten aber fallen 
die Hinterflügel auf, die bis auf den breit schwärzUchen Saum 
vollständig glashell erscheinen. Dieses Stück kann als ab. alepica 
bezeichnet werden. 

X. Herr Fritz Preißecker bemerkt unter Vorweisung der von 
ihm erbeuteten Belegstücke: 

Ein 9 der ab. triops Fuchs von Pararge maera L., gefangen 
am 4. Juli 1908 bei Karlstift im niederösterreichischen Waldviertel, 
zeigt, daß diese durch ein doppelt weißgekerntes Apikaiauge und 
einen dritten Augenfleck in Zelle 3 der Vorderflügel ausgezeichnete 
Aberration nicht nur unter var. adrasta Hb., sondern auch unter 
der Stammform vorkommt. 

Nonagria nexa Hb., gefangen in einem männlichen Exem- 
plare bei Rekawinkel am 25. August 1910 in der Abenddämmerung, 
stellt einen für die Monarchie neuen Fund dar. Die Art war bisher 
nur aus Norddeutschland und Sachsen bekannt. 

Petilampa arcuosa Hw. Diese Art, welche ich in einem weib- 
lichen Exemplare aus Heidenreichstein in der Sektionssitzung vom 
2. Oktober 1903 als neu für Niederösterreich vorwies, habe ich im 
Jahre 1908 auch bei Karlstift und Mitte JuU 1910 in einigen männ- 
lichen Stücken bei Rekawinkel durch Lichtfang erbeutet. Besonders 
häufig war das Tier auf einer Waldblöße bei Liebenau in Ober- 
österreich, nicht weit von Karlstift und nahe der niederösterreichi- 
schen Grenze. 

Für eine ober- und unterseits gleichmäßig rauchig verdüsterte 
Form von Endrosa roscida Esp., gefangen in zwei männlichen 
Stücken am 17. August 1902 auf der Pottendorfer Heide, schlage 
ich den Namen fumosa vor. Die Zeichnung ist normal. 

Äristotelia proliaslmella Rbl. kommt nicht nur in der Wochein 
(Krain), bei Malborghet und Uggowitz in Kärnten, sondern auch. 



Versnninilun<r der Sektion für Loi)i(l()|)trrol()<;i(;. 



(53) 



und zwar sehr hiiiiHg bei Wippach vor, wo sie von Mitte Juni bis 
Mitte August fliegt. 

Schließlich demonstriert der Genannte das von ihm am 14. Juni 
1908 auf dem Gaisberg bei Stein in der Wachau gefangene 9 der 
var. (ab.) sardoa Wagner (Stuttgarter Entom. Zeitschr., 1909, S. 17) 
von Lycaena icarns Kott., welches in der Beschreibung dieser sar- 
dinischen Varietät auch zitiert erscheint. 

XI. Herr Dr. Karl Schawerda demonstriert nachstehende 
Stücke: 

a) Ein zwittriges cf von Pieris napi L. Links ab. impunctata 
Röber, rechts auf den Vorderflügeln die braungelbe Farbe des 9 
von der Wurzel bis zum Außenrande und von der Mitte der Mittel- 
zelle bis zum Innenrand samt den schwarzen Flecken eingesprengt. 
Der rechte schneeweiße Hinterflügel weist einen schmalen braun- 
gelben Streifen auf, der in der Nähe des inneren Randes von der 
Wurzel nach außen zieht. Unterseite eine normale ab. subtalba 
Schima. 

12. Juni 1910, Lechnergraben bei Lunz in Niederösterreich. 
Dr. Schawerda legit. 

h) Hadena illyria Frr. Dr. Schawerda fand Mitte Mai 1910 
in der Mitte des Weges von Gutenstein (Niederösterreich) auf den 
Mariahilferberg in der Ecke eines steinernen Kreuzes in Mannshöhe 
ein Gespinnst aus dem sich in Wien schon nach einigen Tagen 
ein 9 dieser Art entwickelte. In diesem Gespinnst lag noch eine 
andere Puppe, die eingetrocknet war. Die Hadena-1^8iU])e war in 
das Gespinnst, allem Augenscheine nach eingedrungen. Es ist ferner 
die Höhe ober dem Erdboden autfallend, in der sich die Raupe 
verpuppte. 

c) Am selben Tage (15. Mai) erbeutete Dr. Schawerda ein 
passables und ein ganz frisches 9 von Larentia austriacaria H.-S. 
in einer Höhle des Mariahilferberges (800 m). Ein Beweis, daß 
das Tier dort heimisch ist. Aus derselben Höhe stammt ein weiteres 
Exemplar dieser Art aus dem Lechnergraben bei Lunz (Ende Mai). 

d) Ein auf den Vorderflügeln albinotisches, sonst normales 
frisches 9 von Argynnis aglaja L., erbeutet in St. Ulrich in Gröden 
(Südtirol) im Juli 1910. Dr. Schawerda legit. 



(54) 



Versammlung* der Sektion für Lepidopterologie. 



e) Ferner von demselben ein ganz frisches $ von Parnassius 
apollo ab. novarae Obth., erbeutet am 4. Juli 1910 in St. Peter in 
Groden. Auf den Vorderflügeln ist der Glassaum mit der antemar- 
ginalen glasigen Binde zu einem auffallenden breiten Glassaume 
vereinigt. Von den vier schwarzen Vorderrandflecken ist nun der 
basale in der Mitte der Mittelzelle fast normal erhalten. Der nächste 
am Ende der Mittelzelle ist rudimentär, die zwei äußeren überein- 
ander stehenden sind ganz verschwunden, ebenso der schwarze 
Fleck am Innenrande. 

Die Hinterflügel haben einen normalen Außenrand, aber 
schwarze Ozellen, die in der Mitte normal groß sind. Das links- 
seitige mittlere schwarze Auge ist etwas größer als das rechtsseitige 
und hat in der Mitte der schwarzen Masse einige wenige rote 
Schuppen, die das rechtsseitige nicht hat. Das linke Vorderrand- 
auge ist ganz schwarz und klein. Das rechte fehlt ganz und ist 
durch einen glasigen Fleck angedeutet. Die Unterseite entspricht 
der Oberseite vöUig, nur tragen die Ozellen der Hinterflügel mehr 
Rot. Legetasche vorhanden. 

Xn. Herr Fritz Hoffmann (Krieglach) sendet nachstehende 
Mitteilungen ein: 

1. Über das Vorkommen von Ägrotis Jiyperhorea Zeit, auf der 
Raxalpe. 

Am 5. August heurigen Jahres fand ich in einer Rasenmulde 
unterhalb des Gipfels der Heukuppe (2009 m) ein frisches weib- 
liches und einige Schritte weiter ein zweites beschädigtes Stück 
dieser Art. Wie ich mich durch Vergleich mit Exemplaren aus 
verschiedenen Fluggebieten überzeugte, gehört das unversehrte 9 
von der Raxalpe der Stammform an. Beide Stücke von dort sind 
klein (Vorderflügellänge 16 mm) und unterscheiden sich nicht von 
Exemplaren vom Stilfserjoch. Die Dornen an den Vorderschienen 
sind rostrot und sehr gut sichtbar, da sie aus der Behaarung weit 
hervorragen, wogegen mir Herr Höf n er schrieb, daß die Dornen 
nur sehr kurz und unter der Behaarung versteckt wären, was 
vielleicht einen Unterschied der Stammform gegenüber der var. 
carnica Hering bildet, welch' letztere Höfner zweifellos für seine 
Angabe vorlag. 



Vorsnnnnliiii;^' <l«'i' Sektion für T.cpidoplcrolojfic. 



(55) 



Die in der Literatur bisher angefUliricn FundHtcllen liegen 
zwischen 1500 ni (Koralpc, M eixner, Entoni. Jahrb., 1006, S. 118) 
und 21)97 m (Scluitzhaus am Zirbitzkogl, Pieszczck, XX. Jahrb. 
AVien. Entom. Ver., S. 98). 

Obwohl die Heukuppe ringsum zu Steiermark gehört, dürfte 
die Art doch zweifellos auch auf den niederösterreichischen Teilen 
des Gebietes anzutreffen sein. 

Schließlich sei noch bemerkt, daß nach Warren (in Seitz, 
Pal. Großschm., Noct., S. 36) die Raupe auf Ar'bt(tus(l) leben soll und 
daß die Abbildung der Art daselbst (Taf. 7 k) gänzlich verfehlt ist. 

2. Die ersten Stände von Hepialiis carna Esp. 

Das Ei ist klein (0 8 : 0*5 mm), länglich rund, glatt, anfangs 
weißlichgelb, dann grau, zuletzt pechschwarz. Befruchtete Eier er- 
halten bald einen matten Reif, wogegen unbefruchtete Eier glänzend 
schwarz werden oder auch hell bleiben und einfallen. Die Eiruhe 
dauert zh'ka 14 Tage (Höfner). 

Die erwachsene Raupe ist 24— 40mm lang und 5 5 mm dick, 
schlank, gleichmäßig zylindrisch. Der große rundliche Kopf glänzend 
rostbraun, lederartig gerunzelt, mit deutlichem Stirndreieck und 
einzelnen kurzen Borsten^ die Mundteile schwarzbraun, das Nacken- 
schild bräunUch, lichter als der Kopf, die weiteren Thorakalschilder 
wie die Afterklappe gelbbraun, der Körper durchscheinend gelbhch- 
weiß bis schmutziggelb^ mit durchscheinendem dunklen Rücken- 
gefäß und auf der Bauchseite dunkel erscheinendem Darminhalt. 
Die Punktwarzen sind lichtbraun und tragen kurze braune Borsten. 
Die kurz beborsteten Brustfüße sind gelblichbraun, die Bauchfüße 
gelblich weiß mit braunen Hakenkränzen. 

Am 12. Juni heurigen Jahres fanden ich und Herr Karl Mitter- 
berger (Steyr) an den grasigen Lehnen des Vordernberger Reichen- 
steins in zirka 1700 m Seehöhe mehrfach die äußerst lebhafte 
Raupe, welche in tief in den Boden reichenden, leicht ausge- 
sponnenen Röhren unter Steinen lebt und sich beim Abheben des 
Steines meist weit in dieselben zurückzieht. Die Verpuppung erfolgte 
zwischen den Wurzeln eines Rasenstückes in einer ganz leichten 
Gespinsthülle. Eine der gefundenen Raupen war von zwei weißen 
Fadenwürmern besetzt, welche sich am 22. Juni aus der zusammen- 



(56) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



geschrumpften toten Raupe herausbohrten und eine Länge von 
57, beziehungsweise 65 mm besaßen. 

Die sehr bewegliche Puppe ist zylindrisch, vorne und hinten 
gleich dick, lederbraun, am Hinterleib dunkler und mit Ausnahme 
der Flügelscheiden tiberall mit feinen Härchen besetzt. Am Bauch 
stehen an Stelle der Raupenbeine drei Paar Erhebungen, am vor- 
letzten Segment eine Reihe starker Haken (bei der männlichen 
Puppe 14, bei der weiblichen zirka 28), auf der Rückenseite des 
Hinterleibes finden sich zehn Hakenquerreihen. Der Hinterleib 
endigt bei der männlichen Puppe in einen kleinen Wulst, der in 
der Mitte einen Einschnitt und zwei nebeneinander liegende dunkle 
Punkte zeigt, bei der weiblichen Puppe befindet sich außer diesem 
Wulst (ohne Punkte) ein weiterer solcher nach vorne. Diese Wülste 
sind von stacheligen, behaarten Erhebungen umgeben. Der runzelige 
Kopf endigt in eine stumpfe Spitze. 

Die Puppenruhe beträgt zirka ein Monat, da sich die Raupen 
am 18. Juni verpuppten und am 20. Juli den Falter ergaben. Aus 
einer vor zwei Jahren neben der Voistalerhtitte (Hochschwab) unter 
einem Stein gefundenen Puppe, welche sich geradeso wie die 
Raupe schnell in die Röhre zurückzog, schlüpfte der Falter (cT) 
bereits am 5. Juli. Die bisher beobachtete Flugzeit der Art schwankt 
zwischen 21. Juni und 15. August. Schließlich sei bemerkt, daß 
bereits Freyer (N. B., II [1836], S. 144) eine bisher nicht erfolgte 
Beschreibung der ersten Stände von Hepialus carna in Aussicht 
stellte. 

Was die VariabiHtät des Falters^) anbelangt, so ist sie eine 
recht bedeutende. Stücke vom Wiener Schneeberg und der Raxalpe 
sind zumeist kontrastreicher gezeichnet, solche von den Steiner- 
alpen (Grintouc) haben größere weiße Flecke der Vorderflügel, 
solche aus dem Gesäuse (Hartlesgraben) haben nur sehr wenige 
weiße Flecke. Falter aus den Karawanken weisen eine sehr 
matte Färbung auf, da bei ihnen die hellen Flecke der Vorder- 
flügel nicht weiß, sondern lichtbraun bis gelblich gefärbt erscheinen. 



^) Herrn Dr. E. Galvagni verdanke ich die Einsicht in ein reicheres 
Material. 



ncliclit iiitor die ;ill{;einciiio. Vcr.sainnilim«;, 



(57) 



Lichtbilderabend am 26. Oktober 1910. 

Unsere Mitglieder: Herr Ing. A. Hafferl, Herr Hans Fleiscli- 
niann, Fräulein A. Mayer, Herr Ferd. Pfeiffer v. Wellheira, 
Herr Dr. Prelinger, Herr Dr. A. Rogen hof er sowie Herr Otto 
V. Wettstein stellten zur Abhaltung eines Lichtbilderabendes zirka 
2Ö0 Aufnahmen zoologischen und botanischen Inhaltes, darunter 
über 20 Autochromaufnahmen zur Verfügung. Die Veranstaltung 
fand lebhaften Beifall und soll wiederholt werden. Unsere Mit- 
gHeder werden gebeten, im Falle sie im Besitze von geeigneten 
Diapositiven sind, ihre Bereitwilligkeit dem Generalsekretär be- 
kannt zu geben. 



Allgemeine Versammlung' 

am 2. November 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 



Der Generalsekretär teilt mit, daß folgende Damen und Herren 
der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder: 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Baumgartner Adalbert Camillo, 

Wien, XVIII., Schulgasse 4 . . . J. Brunnthaler, Dr. 0. Forsch. 

„ F r u h w i r t, Prof. Karl, Waldhof bei Am- 

stetten, Niederösterr Prof. v. Wettstein, J. Brunnthaler. 

„ Hajek Jean, Wien, I., Krugerstraße 6 Dr. K. Holdhaus, F. Heikertinger. 

„ Krumbach, Dr. Thilo, Rovigno, Zool. 

Station J. Brunnthaler, Dr. A. Ginzberger. 

„ Magocsy-Dietz, Prof. Sandor, Buda- 
pest, VIII, Illesucza 25 den Ausschuß. 

„ Modry, Dr. Artur, Realschulsupplent, 

Wien, VIII., Florianigasse 4 . . . den Ausschuß. 

„ Rezsö, Dr. Läczy, Temesvar . . . Dr. Zahlbruckner, J. A. Bäumler. 

„ Schnarf, Prof. Dr. Karl, Iglau . . . den Ausschuß. 

„ T h r s ch, Dr. Emil, Wien, IX., Währin- 
gerstraße 33 Prf.H. Joseph, Dr. A. Rogenhof er. 

„ WichraannH., Rosenhof, Post Landl, 

Oberösterr A. Winkler, F. Heikertinger. 



(58) 



Bericht über die außerordentliche General -Versammlung. 



Unterstützende Mitglieder : 
P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Kratzmann Ernst, stud. phil., Wien, 

VII., Kaiserstraße 5 J. Brunnthaler, Dr. B. Watzl. 

„ Ruft, Dr. Eugen, Sektionsrat, Wien, 

XIII., Dommayergasse 11 ... den Ausschuß. 
Frl. Ullrich Hedwig, Wien, XIII., Beck- 
manngasse 14 ... den Ausschuß. 

Hierauf hält Herr Prof. Dr. H. MoHscli einen Vortrag: „Über 
Eisenbakterien." (Mit Demonstrationen.) 



Außerordentliche General-Versammlung 

am 7. Dezember 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Der Vorsitzende konstatiert die Beschlußfähigkeit der Ver- 
sammlung- und weist darauf hin, daß die Gesellschaft heuer das 
60. Jahr ihres Bestandes vollendet. 

Der Ausschuß hat beschlossen, der General-Versammlung die 
Wahl der Herren Prof. Dr. Emil Edler v. Marenzeller und Dr. 
Franz Oster mey er in Anbetracht ihrer großen Verdienste um die 
Gesellschaft zu Ehrenmitgliedern vorzuschlagen. 

Ferner schlägt der Ausschuß zu Ehrenmitgliedern wegen 
ihrer Verdienste um die Wissenschaft vor: Prof. Dr. L. Dollo in 
Brüssel, Prof. E. Hackel in Attersee, Prof. Dr. H. Ludwig in 
Bonn, Prof. Dr. 0. M. Reutter in Helsingfors und Prof. Dr. T. 
Tullberg in Upsala. 

Die Wahl wird per acclamationem vorgenommen. 

Bei der Wahl der Funktionäre pro 1911 — 1913 werden fol- 
gende Herren gewählt: 

Präsident: Herr Prof. Dr. v. II. Wettstein. 

Vize-Präsidenten: Herr Prof. Dr. K. Grobben und Herr Dr. 
F. Ostermeyer. 

Generalsekretär: Herr Kons. J. Brunnthaler. 



Bericht ühcr die auOcrordciilIiclic CiiMiornl \^M'.s;minilim;(. 



(59) 



Redakteur: llcrr Kustos A. Handlirscli. 

Rechnungsfülirer: Herr Ober-Reclnumgsrat i. P. J. Edler v. 
Hungerbyebler. 

Aussehußrätc: Die Herren Stadtrat H. Braun, Hofrat Dr. K. 
Brunnerv. Wattenwyl, Prof. Dr. A.Burgerstein, Hofrat 
Tli. Fuchs, Dr. A. Ginzb erger, kais. Rat Dr. E. v. Ha- 
lacsy, Dr. H. Freib. v. Handel-Mazzetti, Dr. A. Edler 
V. Hayek, Franz Heikertinger, Dr. K. Holdbaus, 
Dr. J. Hockauf, Dr. K. R. v. Keissler, Prof. Dr. L. 
Linsbauer, Prof. Dr. L. Lorenz v. Liburnau, Prof. Dr. 
E. Edler v. Marenzeller, Prof. Dr. H. MoHscb, M. Ferd. 
Miillner, Ferd. Pfeiffer v. Wellbeim, Prof. Dr. P. 
Pfurtscheller, Prof. Dr. Tb. Pintner, Reg.-Rat E. 
Preißmann, Dr. K. Recbinger, Hofrat Dr. K. Scbima, 
Rud. Scbrödinger, Kustos F. Siebenrock, Mag.-Rat 
Dr. F. Spaetb, Kustos Dr. R. Sturany, Dr. F. Vier- 
bapper, Prof. Dr. F. Werner und Prof. Dr. K. Wilbelm. 

Als Skrutatoren fungierten:- Herr R. Ebner und Dr. A. Zahl- 
bruckner. 

Der Generalsekretär teilt mit, daß folgende Damen und Herren 
als Mitglieder beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder: 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Ehrlich Josef, stud. forest., Wien, 

XIII/7, Firmiangasse 53 . . . . J. Brunnthaler, Prof. Zach. 
„ Hickel, Dr. Rudolf, Leitmeritz, k. k. 

Staatsgymnasium den Ausschuß. 

„ Raab Franz, stud. phil., Wien, XVU., 

Taubergasse 35 Prof. Werner, Dr. A.Rogenhofer. 

„ Weiß J. A., Wien, III., Ötzeltgasse 1 Prof. J. Fiebiger, J. Brunnthaler. 
Frau Weiß Grete, Wien, III., Ötzeltgasse 1 „ „ 

Der Generarsekretär legt ferner die letzterschienenen Hefte 
der „Abbandlungen" vor: 

Bd. V, Heft 4: Entwurf eines neuen Systemes der Koniferen. 
Von F. Vierbapper. Mit 2 Abbildungen. 

Preis für Mitglieder: K 2.30. 



(60) 



Bericht über die außerordentliche General -Versammlung. 



Bd. V, Heft 5: Veronica Prostrata L., Teucriiim L. und Au- 
striaca L. nebst einem Anhang über deren nächste 
Verwandte. Von Dr. Bruno Watzl. 

Preis für Mitglieder: K 6.75. 

Der Vorsitzende bringt folgenden Antrag des Herrn Prof. Dr. 
R. V. Wettstein zur Abstimmung: 

Der Gefertigte hat in Befolgung einer von der k. k. zoologisch- 
botanischen Gesellschaft wiederholt gegebenen Anregung dem Herrn 
Bürgermeister Dr. Neumayer gleich nach seinem Amtsantritte ein 
Memorandum überreicht, in welchem auf die Notwendigkeit der 
Regelung des Marktverkehres im Interesse des Schutzes der hei- 
mischen Flora hingewiesen wurde. 

Herr Bürgermeister Neumayer hat sofort die Wichtigkeit der 
Angelegenheit erkannt und ist auf das Energischeste im Interesse 
derselben eingetreten. Das Ergebnis war ein Gemeinderatsbeschluß, 
von dessen Inhalt der Gefertigte durch beiliegende Zuschrift ver- 
ständigt wurde. 

Ich stelle hiemit den Antrag, die Generalversammlung der 
k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft beschließt, Herrn Bürger- 
meister Dr. Neumayer den wärmsten Dank für sein Eintreten im 
Interesse der heimischen Flora auszusprechen und beauftragt das 
Präsidium der Gesellschaft, deren Dank in geeigneter Form zum 
Ausdrucke zu bringen. Wettstein. 

Der Antrag wird einstimmig angenommen. 

Hierauf halten Vorträge: 

Herr Priv.-Doz. Dr. 0. Porsch: JEpJiedra campylopoda, 
eine entomophile Gymnosperme. (Mit Demonstration.) 

Herr Kustos A. Handlirsch: Rekonstruktionen fossiler 
Insekten. (Mit zahlreichen Lichtbildern.) 

Herr C. Reichert, Optische Werke, Wien, hatte eine reiche 
Kollektion optischer Instrumente exponiert und machte hiezu fol- 
gende Mitteilungen: 

Wenn man die Fortschritte des Mikroskopes in seiner Entwicklun 
verfolgt und die Betrachtung auf die dem Auge sichtbaren Lichtstrahlen be- 
schränkt, so muß man wohl sagen, daß mit den epochemachenden Arbeiten 
von Abbe, betretfend die dioptrische Leistungsfähigkeit des Mikroskopes 



Bericht ühor dio .uinorordcntliclK; (JcMieral -V'ci-.snnmilimu' 



und die Stoi^^-onin^ dos Auflösungsvermö^^cn der Objektive, eine Stufe er- 
reicht wurde, die mit d(>n heute zu Gebote stellenden Mittehi niciit übertroireu 
werden kann. 

Im Gegenteil, die Leistungsfühigkeit der Mikr{)skoi)objektive mußte in 
bezug- auf ihre chromatische Korrektion gegenüber früher aus Kücksicht auf 
ihre Haltbarkeit sogar etwas herabgemindert werden, weil die gegenwärtig 
zur Verfügung stehenden Gläser, was Dispersion und Brechung anbetrifft, 
nicht so günstig sind als die vor etwa 10—15 Jahren erzeugten. Die Fort- 
schritte der Optik stehen in innigem Zusammenhange mit den Fortschritten 
der Glastechnik. 

Die Glaswerke von Schott u. Genossen in Jena hatten früher Phos- 
phatgläser geliefert, mit denen es möglich war, chromatisch viel vollendetere 
Objektive herzustellen als dies heute der Fall ist. Leider hat es sich gezeigt, 
daß Objektive, die aus diesen Gläsern hergestellt waren, in unseren Gegenden 
schon in zirka 5 — 6 Jahren, in wärmeren Erdteilen dagegen schon in 1 — 2 
Jahren infolge Zersetzung der Gläser undurchsichtig und unbrauchbar wurden. 
Man muß sich deshalb mit Gläsern von weniger günstigen Eigenschaften be- 
hellen. Solange es nicht gelingt, diese Schwierigkeiten in einwandfreier Weise 
zu beheben, dürften auf diesem Gebiete wesentliche Fortschritte nicht zu 
erwarten sein. 

Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, haben verschiedene Firmen, 
darunter auch die meine, es versucht, auf anderem Wege die Leistungs- 
fähigkeit des Mikroskopes zu erhöhen. 

Siedentopf und Zsigmondy schlugen in der Anwendung künstlicher 
Beleuchtung einen neuen Weg ein, auf dem es gelang, in kolloidalen 
Lösungen selbst bei schwachen Vergrößerungen (200—300 fach) Teilchen 
sichtbar zu machen, von denen bei gewöhnlicher Beleuchtung selbst bei den 
stärksten Vergrößerungen keine Spur zu entdecken war. Diese Arbeiten ver- 
anlaßten mich, auf andere Art eine Dunkelfeldbeleuchtung zu konstruieren, 
die ich unter dem Namen „Spiegelkondensor" in die praktische Optik einge- 
führt und auf der Naturforscherversammlung im Jahre 1906 in Stuttgart zum 
erstenmale demonstriert habe. 

Selbstverständlich war ich, so wie die anderen Werkstätten, inzwischen 
bemüht, diese Einrichtung zu vervollkommnen. Die neueren Spiegelkonden- 
soren von mir sind in bezug auf Strahlenvereinigung verbessert, und um die 
Beleuchtung den verschiedenen Lichtquellen entsprechend abstufen zu können, 
habe ich die Plattenkondensoren mit einer Anzahl leicht auswechselbarer 
Diaphragmen versehen. Außerdem wurden sie mit einer Einrichtung ausge- 
rüstet, durch die nach Ausschaltung der Dunkelfeldbeleuchtung und Ein- 
! Schaltung einer Plankonvexlinse mit einem und demselben Apparat bequem 
I eine vollkommene Dunkelfeldbeleuchtung und ebenso eine vollkommene Kon- 
I densorbeleuchtung erzielt werden kann. Es kann also hintereinander das 
! Objekt mit Dunkel feldbeleuchtung und im durchfallenden Licht beobachtet 
t werden. 

! 



Bericht über die außerordentliche General -Versammlung. 
Fig. 1 zeigt den Strahlengang des ersten Spiegelkondensors. 




Fig. 1. 



Fig. 2 zeigt den Strahlengang dieses Spiegelkondensors in Verbindung 
mit einer Plankonvexlinse, wodurch eine vollständige Kondensorheleuchtung 
in der Apertur bis 1-35 erzielt werden kann. 




Fig. 3 zeigt eine Revolverblende, welche unter dem Spiegelkondensor 
eingeschaltet wird und mit deren Hilfe die soeben erwähnten Veränderungen 
beim Spiegelkondensor durchgeführt werden können. 

Nachdem es nun viele Mikroskope gibt, die weder Ab besehe noch 
andere Beleuchtungseinrichtungen besitzen und manchen Besitzern von solchen 
Mikroskopen eine Dunkelfeldbeleuchtungseinrichtung erwünscht ist, so habe 
ich in letzter Zeit meine Bemühungen darauf gerichtet, eine Einrichtung zu 
finden, mit deren Hilfe es möglich ist, die vervollkommnete Dunkelfeldbeleuch- 



Bericht übor die außerordentliche General VerHunnnlimf^. 



(63) 



tiin^- an jedem beliebigen Mikroskop anzubringen, ohne daß das Instrument 
zur Anpassung in die Fabrik eingesandt zu werden braucht. 

Ich habe zwei verschiedene Konstruktionen für diesen Zweck hergestellt. 

Fig. 4 zeigt eine derartige Einrichtung, mit der man den Ajiparat von 
außen an den Tisch festklcnnnt. 




Fig. 4. 



Fig. 5 zeigt eine andere, bei der am Spiegelkondensor ein Paar ver- 
stellbare Arme mit Stiften angebracht sind, die einfach in die bei allen Mikro- 
skopen vorhandenen Klemmenlöcher einzustecken sind. Mittels der angebrachten 
Arme nnd der an denselben befindlichen Klemmschrauben kann man den 
Spiegelkondensor auf dem Objekttisch des Mikroskopes mit Hilfe des auf der 
Oberfläche der Spiegellinse eingeritzten zentrischen Ringes und eines schwachen 
Mikroskopobjektives leicht zentrieren und befestigen. 

Während nun der Spiegelkondensor hauptsächlich für stärkere Ver- 
größerungen bestimmt ist, habe ich auch eine Dunkelfeldbeleuchtung für 
schwächere Vergrößerungen in Verbindung mit dem Greenoughschen bino- 
kularen Mikroskop hergestellt. 

Diese Einrichtung gibt eine sehr hübsche Beleuchtung für schwächere 
Vergrößerungen, zur Sichtbarmachung von Infusorien u. dgl. Sie besteht im 
Wesentlichen darin, daß man unterhalb des Objekttisches einen Ab besehen 
Kondensor anbringt, in den man eine Sternblende einlegt. 

Weiters mache ich auf eine neue Beleuchtung für schwache Vergröße- 
rungen aufmerksam. Da es schwer ist, mit einer Lampe das Gesichtsfeld 
eines binokularen Mikroskopes gut zu beleuchten, sind an der Lampe zwei 
Spiegel angebracht, wodurch eine sehr schöne Beleuchtung erzielt wird. 

Zur Dunkelfeldbeleuchtung sind stärkere, intensivere Beleuchtungs- 
quellen notwendig, am besten ist Sonnenlicht. Da dieses aber in unseren 
Gegenden selten zu haben ist, so sind wir vorwiegend auf künstliche Be- 
leuchtungsquellen angewiesen. 

Für schwächere. Vergrößerungen und mäßige Ansprüche genügt Gas-, 
Auer- oder Graetzinlicht. Für höhere Ansprüche ist eine Nernstlampe oder 
noch besser eine kleine Bogenlampe empfehlenswert. 



(64) 



Bericht über die außerordentliche General -Versaramlung. 



Die gewöhnlich im Handel vorkommenden elektrischen Bogenlampen 
sind für diesen Zweck meistens zu teuer und auch wenig geeignet. Aus 
diesem Grunde habe ich die Fabrikation dieser Bogenlampen, obwohl sie mir 
eigentlich fernliegt, aufgenommen. 




Fig. 5. 

Die in Fig. G abgebildete kleine rechtwinkelige Bogenlampe hat wegen 
ihrer einfachen Konstruktion und wegen ihres billigen Preises bereits viele 
Freunde gefunden. Sie kann, mit einem Widerstand versehen, an jede Zimmer- 
leitung, sowohl mit Gleichstrom als auch mit Wechselstrom ohneweiters an- 
geschlossen werden. Sie hat jedoch den Nachteil, daß sie nur als Handbogen- 
lampe hergestellt werden kann und es nicht möglich ist, sie mit automatischer 
Regulierung zu versehen. 

Alle in dieser Richtung gemachten Versuche schlugen längere Zeit hin- 
durch fehl, bis es endlich einer der größten Elektrizitätsfirmen gelungen ist, 
auf meine Veranlassung eine solche Lampe für Gleichstrom in solider Aus- 
führung herzustellen. Diese funktioniert ausgezeichnet, hat jedoch den einen 
Nachteil, daß sie bis jetzt nur für Gleichstrom hergestellt werden kann und 
auch wesentlich kostspieliger wie die frühere Handbogenlampe ist. Der Preis 
der Handbogenlampe beträgt K 50.—, der der automatischen Bogenlampe 
K 175.-. 



Bericlit über die auncM-onlontliclio General -Versainniliiiif;. 



Während das Mikroskop bis vor etwa 10 .laliren vorwie^^cMid nur mit 
durchiallendom Licht vorwendet wurde, hat es sich in den letzten Jahrzehnten 
ein g"anzes neues (Jebiet erobert, niinilicli das niikroskoi)i8che Studium un- 
durclisicliti^^er Objekte, z. 1>. der Metalle und ähnlicher Mat(>rialien. liei der 
heutigen hohen Inanspruchnahme der Metalle im Eisenl)ahn-, Automobil- und 
Lufrschiti'bau in bezug auf ihre Haltbarkeit und Festigkeit ist gutes, homo- 
genes Material von größter Bedeutung. Alle Metalle müssen, wenn sie den 
höchsten Anforderungen entsprechen sollen, bei der Fabrikation sorgfältig 
überwacht werden. Es bedarf daher bei der Herstellung und Bearbeitung 




Fig. 6. 



derselben einer fortwährenden Kontrolle. Abgesehen von anderen Behelfen ist 
das Mikroskop ein ausgezeichnetes Hilfsmittel zur Untersuchung der Struktur 
eines Metalles sowie seiner inneren Zusammensetzung bei Veränderungen 
nach hohem Druck oder Zug. Die nachstehend abgebildeten Mikroskope 
finden hauptsächlich bei Metalluntersuchungen Verwendung. Die Beobachtungs- 
weise bei dem in Fig. 7 abgebildeten älteren Mikroskop geschieht in der Weise, 
daß, wie angegeben ist, das Licht durch einen an Stelle des gewöhnlichen 
Okulares in das Mikroskop eingesteckten Beleuchtungsapparat dem Objekte 
von oben zugeführt wird, während bei dem neueren Modell das Objekt von 
unten beleuchtet wird. 

Wie in Fig. 7 ersichtlich, wird das von einer künstlichen Lichtquelle 
ausgehende Licht durch qne Linse auf ein unter 45 ° geneigtes planparalleles 

Z. B. Ges. 61. Bd. e 



(66) Bericht über die außerordentliche General -Versammlung. 

Glas geworfen und von hier in das Objektiv geleitet, das gleichzeitig als 
Kondensor zur Beleuchtung des Objektes dient. 




Fig. 7. 

Dieses Licht wird von dem Objekt gespiegelt oder diffus zurückgeworfen 
und gelangt dann zu dem Punkt B, wo es vom Okular aufgenommen und in 
das Auge des Beobachters geleitet wird. 

Diese Einrichtung hat sich für viele Zwecke sehr gut bewährt. 

Es hat sich gezeigt, daß man hellere, lichtstärkere und auch schärfere 
mikroskopische Bilder erzielen kann, als dies bei der früheren Einrichtung 



Bericht nhor dio nunerordiMitliclic («cneral V(M'H;iniinliin<^. 



(67) 



mit llilfo der plunparallolon Phitto mog-lich war, wenn man an Stolle dieser 
ein Prisma vorwendet nnd es so anbring-t, daß es sich unmittelbar über dem 
Objektiv befindet und die eine Hälfte des Objektives zur Heleuchtung, die 
andere dagegen zur Abbildung des Objektes verwendet wird. Allerdings 
müssen für diesen Zweck, namentlich für stärkere Vergrößerungen, spezielle 
Objektive von besonderer Konstruktion angefertigt werden. 

Da bei dieser Methode eine schiefe Beleuchtung und Abbildung des 
Objektes stattfindet, so sind für diesen Zweek die Apochromatobjektive in- 
folge ihrer vollendeteren Farbenkorrektion viel empfehlenswerter als die ge- 
wöhnlichen Achromate. 

In Fig. 8 ist ein derartiger Beleuchtiingsapparat zur Beleuchtung un- 
durchsichtiger Objekte mittels eines Prismas von oben abgebildet, das nach 
Angaben von Florence her- 
gestellt wurde. Dieser Apparat 
ist an jedem gewöhnlichen 
Mikroskop leicht anzubringen 
und wandelt dieses in ein Me- 
tallmikroskop um oder in ein 
Mikroskop zur Beobachtung 
für undurchsichtige Objekte. 
Hierbei ist es jedoch notwen- 
dig, das zu untersuchende Ob- 
jekt in eine planparallele Form 
zu bringen, also mindestens 
zwei Flächen desselben anzu- 
schleifen oder zu bearbeiten. 
Bei dem neuern Metallmikro- 
skop, das nach der Idee von 
Le Chatelier ausgeführt ist, 

ist dieser Nachteil vermieden; hier ist die Beleuchtungsart umgekehrt, das 
Licht wird dem Mikroskopobjekt von unten, statt von oben zugeführt. Dadurch 
genügt die Zurichtung einer einzigen, nämlich der zu untersuchenden Fläche, 
die man direkt auf den Objekttisch legt und die immer genau senkrecht zur 
Objektivachse sich einstellt. 

Fig. 9 zeigt eine derartige Einrichtung. 

Diese hat nun weiters den Vorteil, daß durch Drehung des Prismas, 




Fig. 8. 



Richtung gegeben werden kann. 

Fig. 10 zeigt eine Vorrichtung, mit der man in der Lage ist, einmal 
das mikroskopische Bild subjektiv zu beobachten und es dann einfach durch 
Drehung des unteren Prismas um 90" in die photographische Kamera abzu- 
lenken, um es photographisch zu fixieren. Dieses Mikroskop läßt sich auch 
sehr gut mit entsprechender Lichtquelle als Projektionsmikroskop verwenden, 
wie Fig. 12 es zeigt. (Ps ist der Projektionsschirm.) 

e* 



(68) 



Bericht über die außerordentliche General -Versammlung. 




Fig. 9. 



Wenn man früher von der subjektiven Beobachtung zur photographisclien 
Aufnahme übergehen wollte, war man jedesmal gezwungen, den Beobachtungs- 
platz zu ändern, um auf der Mattscheibe zu untersuchen, ob das Bild scharf 
eingestellt war. Ich habe nun noch eine Vervollkommnung in der Weise 
angebracht, daß man von der Okularbeobachtung zur Betrachtung des Bildes 
auf der Mattscheibe übergehen kann, ohne von seinem Platze aufstehen zu 
müssen. Dies wurde durch Anwendung eines Planspiegels, den man in den 
Strahlengang des Objektives einschaltet, erreicht. 

Fig. 11 zeigt den Strahlengang und die Einrichtung der Spiegelreflex- 
kamera für mikrophotographische Zwecke. 








Fig. 10. Fig. 11. 

Wenn man das Prisma um 90" dreht und damit für die Aufnahme 
eingestellt hat, wirft der in den Strahlengang eingeschaltete Spiegel das Bild 
auf die Mattscheibe bei M. Ist dasselbe scharf eingestellt, so ,wird der 
Spiegel an die Mattscheibenwand geklappt und das Bild erscheint nun mit 
derselben Schärfe auf der photographischen Platte. Den genauen Strahlen- 
gang bei dieser Einrichtung stellt Fig. 12 dar. 



Bericht über die nufiorordentliclio r«eneral V^'rK.'nnndim;^. 



(69) 



Die Anwendung der SpiegelreHexkjunera habe ich mit Erfolg aucli bei 
verschiedenen anderen niikroj)hotograplnschen Apparaten versucht. 

Nachdem es bei den gewöhnliciien aufreclitstelienden mikrophotogra- 
pliischen Apparaten, die ungefähr in Tischliöhc aufgestellt werden, ziendich 
umständlich ist, das mikroskopische l>ild auf 
der Mattscheibe von oben zu beobachten, so 
ist mit Hilfe der Spiegelreflexkamera dieser 
Vorgang wesentlich vereinfacht (und ich habe 
eine derarfige bequeme Einrichtung für einen 
aufrechtstehenden und auch eine solche für einen 
horizontalen mikrophotographischen Apparat 
hergestellt). 

Zum Schluß möchte ich noch auf einen 
neuen Apparat hinweisen, der ausschließlich 
mikrophotographischen Zwecken dient. Dieser 
Apparat, ein Mikroskop in Verbindung mit einer 
mikrophotographischen Kamera, ist folgender- 
maßen eingerichtet. Unmittelbar über dem Re- 
volver des Mikroskopes ist eine Öffnung ange- 
bracht, in die man ein rechtwinkeliges Prisma 
einschalten kann. Wenn man nun mit dem Mi- 
kroskope beobachtet und irgend ein Objekt, das 
man aufnehmen will, 
gefunden hat, so ist 
es nur notwendig das 
Prisma einzuschalten, 
ohne sonst an dem Mi- 
kroskope etwas zu än- 
dern; das mikroskopische Bild wird in den zur Aufnahme bereitstehenden 
photographischen Apparat abgelenkt. Dieser Apparat ist vorläufig nur für 
die Objektive von etwa 30 mm bis 1'12" eingerichtet, läßt sich jedoch auch 
durch kleine Änderungen für schwächere Objelttive mit und ohne Okulare 
auch für Zeichenzwecke leicht verwenden oder vervollständigen. Er dürfte 
manchem Mikroskopiker durch seine bequeme, handliche Form gute Dienste 
leisten. 




(70) 



Versammlung der Sektion für Paläozoologie. 



Bericht der Sektion für Paläozoologie. 

Versammlung am 18. Januar 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Der Vorsitzende legt folgende Abhandlung vor : 
Eine rezente Kerunia-Bildmi^. 

Von E. Fraas, Stuttgart. 
(Mit 5 Textfiguren.) 

In der oberen Mokattamstufe Ägyptens, speziell in den stark 
abgeblasenen marinen Schichten östlich vom Birket Kerun (Fayum), 
findet sich in unglaublichen Mengen ein Fossil von eigenartiger 
Gestalt, das von Mayer-Eymar ^) allerdings in vollständiger Ver- 
kennung der Natur des Fossiles als Kerunia cornuta bezeichnet 
w^urde. Es handelt sich hiebei um seltsame Gebilde, die zwar 
keineswegs vollständig gleichartig aufgebaut sind, aber doch einen 
bestimmten Habitus zeigen, der sich bei mehr als Neunzehntel der- 
selben deutlich zu erkennen gibt. Wir beobachten einen mehr oder 
minder symmetrisch gebauten Kalkkörper mit verdicktem Mittel- 
sttick, auf dessen oberer medianer Kante zahlreiche Zapfen und 
Hörn er radial angeordnet hinausragen, ebenso wie fast regelmäßig 
zwei lange seitliche Hörner von dem Mittelstiicke abstehen. Außer- 
dem läßt sich bei den meisten Exemplaren eine weite Öffnung be- 
obachten, welche die Windung eines spiral nach innen verlaufenden 
Kanales darstellt. Unsere Fig. 1 gibt ein derartiges Gebilde nach 
einem Exemplar meiner Sammlung wieder, denn ich möchte gerne 
die allzusehr schematisierte und rekonstruierte Figur von Mayer- 
Eymar vermeiden, da dieselbe leicht zu irrigen Auffassungen ver- 
leitet. Jedenfalls aber dürfen wir den obengenannten Aufbau als 
ein Charakteristikum für das Fossil bezeichnen, und zwar in dem- 
selben Sinne wie wir auch bei gewissen Spongien und Korallen 

^) Vierteljahreshefte der Naturforsch. Gesellsch. in Zürich, XLVl, 1901. 



V(M-sjunmlun{? der Sektion für Paliiozoologie. 



(71) 



oder Bryozoeii einen bestimmten Habitus als für das Fossil charak- 
teristisch festlegen kinmcn. Es liegen mir sehr viele Exemplare 
zur Untersuchung vor, die ich selbst im Fayum gcsarnmelt habe, 
und ungezählte Mengen sind mir dort durch die Hand gegangen, 
aber bei allen kehrt doch mehr oder minder dasselbe Bild, wenn 
auch in mehr oder minder verstümmelter Gestalt wieder. Freilich 
linden wir in Beziehung auf die Größe und Ausbildung der Zapfen 
und Hörner allerlei Abweichungen; bald sind dieselben lang und 
dünn, bald kurz und gedrungen, bald verlaufen sie in einfache 
Spitzen, bald gabeln und verästeln sie sich. Aber das Wesentliche 



Fig. 1. Kerunia cornnta Mayer-Eym., ob. Eozän. Dimeh, Fayum. 

Vorn aufgebrochen, um den Kanal zu zeigen. 
(Natürliche Größe.) 

dabei bleibt immer gewahrt, nämlich ein gewisser Gewichtsausgleich 
zwischen der rechten und linken Hälfte, wie dies ja auch bei dem 
von mir abgebildeten Exemplare bemerkbar ist, bei welchem das 
rechte Horn verhältnismäßig schlank und lang, das linke dagegen 
kurz und dick ist. Ebenso schwankt die Gesamtgröße des fossiles, 
denn ich habe Exemplare gesammelt, deren Spannweite an den 
mittleren Hörnern über 12 cm beträgt, während andere nur eine 
solche von kaum 4 cm erreichen. 

Mayer-Eymar führte seine Kerunia cornuta als Fragmokon 
eines Cephalopoden, ähnlich der Belosepia oder Spirulirostra in die 
Paläontologie ein, glaubte sie später als Argonauta-2i\m\\Q\\Q Form 
deuten zu müssen und hielt seltsamer Weise an der Deutung dieser 




(72) 



Versammlung der Sektion fiir Koleopterologie. 



Gebilde als Ceplialopodenschale noch bis zu seinem Tode fest, auch 
nachdem die Natur seiner Kerunia in einwandfreier Weise durch 
mikroskopische Untersuchungen als Hydrozoe aus der Gruppe der 
Hydractinien durch M. Oppenheim erkannt und zweifellos fest- 
gestellt war. Nur M. Nopcsa^) suchte gleichsam eine Vermittlung 
beider Ansichten, indem er eine Symbiose von Hydrozoen und einem 
unbekannten Cephalopoden annahm, eine Anschauung, die sich 
jedoch ebenso unhaltbar wie die von Mayer-Eymar erwies. Im 
Anschluß an M. Oppenheim bestimmte M. Vinassa de Regny^) 
die Hydrozoe als Cyclactinia und auch M. G. Dollfuß^) stinmit 
damit überein^ während in eingehender Bearbeitung H. Douville^) 
die Selbständigkeit von Kenmia als eine der Cyclactinia überaus 
nahestehende Hydractinie nachzuweisen suchte. Schon Oppen- 
heim hatte darauf hingewiesen, daß die Hydractinie als eine mehr 
oder minder beliebige Umkrustung von kleinen Schneckchen bei 
Kerunia auftritt. Dasselbe fand auch Douvill6 und er konnte 
weiterhin nachweisen, daß von dem kleinen Schneckengehäuse^ 
das gewissermaßen den Kern der Kerunia darstellt, sehr häufig 
ein Gang nach außen führt, welcher nicht von der Schnecke selbst 
gebildet wird, sondern seiner Ansicht nach wahrscheinlich von einem 
Pagurus herrührt. 1907 ergriff nochmals Oppenheim^) das Wort, 
um seine alte Ansicht der Gesetzlosigkeit der Form der Kerunien 
auszusprechen und darzutun, daß diese lediglich als Hyclractinia 
cornuta den übrigen Hydractinien anzureihen seien. Auch in das 
symbiotische Verhältnis zwischen der Hydractinia cornuta und einem 
Paguriden setzt er seine Zweifel. 

Wenn ich nun nochmals die durch die früheren Untersuchun- 
gen mehr oder minder geklärten Fragen aufrolle^ so geschieht es 
nicht, um etwa einen andern Standpunkt gegenüber der Auffassung 
von Oppenheim und Douvill6 einzunehmen, sondern lediglich 



^) Zentralblatt für Mineralogie, Geologie, Paläontologie, 1902, S. 44. 

2) Bull. Soc. Geol. France, V, 1905, p. 139 und Ann. and Mag. Nat. Hist., 
Vol. XVI, 1905, p. 95. 

3) Zentralblatt für Mineralogie, Geologie, Paläontologie, 1902, S. 139. 
Bull. Soc. G6ol. Fr., VI, 1906, p. 121. 

^) Bull. Soc. Geol. Fr., VI, 1906, p. 129. 

^) Zentralblatt für Mineralogie, Geologie, Paläontologie, 1907, S. 751. 



Versammlung der Sektion für Paliiozoolof^ic. 



lim einen neuen Beleg-, und zwar mit rezentem Materiale beizu- 
bringen. Veranlassung- liiezu gab mir ein reizendes Stliek, das ieli 
gelegentlicb eines Hesucbes im Kömer- 
museum in llildeslieim vorfand und das 
geradezu als ein Modell einer zierliclien 
Kerimia cormtta bezeicbnet werden darf. 
Dasselbe trägt die Bestimmung „I/ydra- 
cünia calcarea Carter, Fidji-Inseln" (Fig. 
2 — 4), und wurde von dem leider zu 
friili verstorbenen Prof. Dr. Andreae 
beigebraeht. Wie die Abbildung zeigt, 
erkennen wir in der äußeren Form die- 
selben Verbältnisse eines spiral gerollten, 
mit radial gestellten Zapfen oder Stacheln ^ig. 2. 

versehenen Mittelstückes, von dem aus 

zwei seitliche, nach oben gebogene Hörner abzweigen, ganz wie 
wir es uns als Habitusbild der Kerunia cornuta aus der oberen 
Mokattamstufe vorstellen. Ebenso wie bei dieser beobachten wir 




Fig. 3. Fig. 4. 

Fig. 2—4. Hydractinia calcarea Carler, rezent, Fidji-Inseln. 

(Natürliche Größe.) 



eine große rundliche Öffnung, welche in das Innere führt. Herr 
Prof. Hauthal war so freundlich, mir dieses hübsche Stück zur 
Untersuchung anzuvertrauen und mir sogar zu gestatten, es behufs 
der Untersuchung der inneren Höhlung aufzusagen. 




(74) 



Versammlung: der Sektion für Paläozoologie. 




Was zunächst die Bestimmung des Stückes als Hydractmia 
calcarea anbelangt, so habe ich keine Veranlassung, dieselbe zu be- 
zweifeln, denn die Oberflächenstruktur, ebenso wie der innere Auf- 
bau läßt sich mit der Diagnose von Carter, Nicolson und Stein- 
mann in Einklang bringen, wenn auch an dem Trockenpräparate 
manche Feinheiten verloren gegangen sind. Jedenfalls ist soviel 
mit Sicherheit anzunehmen, daß wir es mit 
einer echten Hydractinie im Sinne obiger 
Forscher zu tun haben. 

Wie schon erwähnt, zeigt unser Stück 
in der äußeren Form eine überraschende Über- 
einstimmung mit Kemnia cornuta^ und es 
erschien daher von Interesse, die Lebens- 
bedingungen dieser inkrustierenden Hydrozoe 
kennen zu lernen. Es war daher zunächst 
wünschenswert, Kenntnis von der Natur des 
inneren Hohlraumes zu bekommen, und um 
das Stück nicht opfern zu müssen, machte 
ich zunächst einen Versuch mit Eöntgenauf- 
und die Höhlung des Pagurus zu nahmen, indem ich zuvor die Hohlräume mit 
(NatüriichrGröße.) Quccksilber füllte. Wohl ließ die Aufnahme 
die Umrisse eines großen, spiral gedrehten 
Anfangskanales erkennen, der in unregelmäßig gekrümmte seitliche 
Kanäle auslief, aber das Gesamtbild war doch so unklar und schwer 
zu deuten, daß ich mich zum Aufsägen des Stückes auf beiden 
Seiten entschloß. Es zeigte sich nun, daß im inneren Teile ein 
labyrinthartiges Gewirre von Röhrengängen einer Serpula vorlag, 
von welcher sich ein weiter, spiral angelegter, rasch an Breite zu- 
nehmender Kanal nach auswärts erstreckte (Fig. 5). Die Serpula 
lag zum größten Teil am Ansatz des rechten Hornes, wenn wir 
das Objekt entsprechend der Kemnia mit der Mündung nach 
unten und vorn orientieren. Während in den Querschnitten die 
Kalkröhren der Serpula noch deutlich zu erkennen waren, bestand 
der Außenkanal nur aus der Umwallung der Hydractinie. 

Diese Deutung des Gesamtbildes unterliegt wohl kaum einem 
Zweifel. Als Ausgangspunkt haben wir die Serpula anzunehmen, 
denn an sie schließt sich der Ausgangskanal an, der wohl sicher 



Fig. 5, Hydractinia calca- 
rea Carter. 

Aufgesägt, um die innere Serpula 



V(M'snininlun}4' der Sektion tiir rnliiozoolof^ie. 



(75) 



von einem FafffOKs besetzt gewesen wivr, dessen Häutungsfetzen 
noch als letzte Clberrcste in dem Kanal aufgefunden wurden. Es 
darf aber wohl ebenso sicher angenommen werden, daß die Um- 
wallung- des Kanales von der Hydractinie gebildet wurde, welche 
ursprünglich das Ser)nda-Ge\mme überwucherte und dann beim 
Weiterwachsen einen Gang für den Krebs freiließ. Daß Derartiges 
überaus häufig vorkommt, wurde mir an zahlreichen Exemplaren 
von Ihjdracünia ecJiinata vor Augen geführt, welche ich am Strande 
von Ostende zu sammeln Gelegenheit hatte. Diese Hydractinien 
überwallen die Gehäuse der dort sehr häufigen Natica castanea Lk. 
und diese wiederum erwies sich fast regelmäliig von Eupagiirus 
Bernhardi bewohnt. Die Umwallung der Hydractinie machte aber 
nicht am Rande der Schneckenschale Halt, sondern wuchs in dem- 
selben Sinne einer Schneckenwindung weiter, ließ aber dabei einen 
abgerundet dreieckigen Kanal für den Fagunis frei, so daß an 
einer direkten Berührung der Innenwand der Hydrozoenkolonie mit 
dem Körper des Krebses gar nicht gezweifelt werden kann. Es 
erscheint mir deshalb auch bei unserer Ilydractinia calcarea genau 
derselbe Fall vorzuliegen und wir dürfen wohl annehmen, daß der 
nach außen führende Kanal dem Pagurus zum Wohnraum diente 
und für diesen von der Rydractinia gewissermaßen freigehalten 
wurde. Die allmähliche Erweiterung nach außen entspricht dem 
Größenwachstum des Krebses. 

Die Tatsache, daß bei Ilydractinia calcarea in Symbiose mit 
Pagurus genau dasselbe Habitusbild wie bei Kerunia cornuta wieder- 
kehrt, ist ganz sicher kein zufälliges, so wenig als wir die zu an- 
fang geschilderte Form der Kerunia als ein Zufallsgebilde angesehen 
haben. Ich kann auch die Beobachtung von Douvill6 nur be- 
stätigen, daß einerseits bei weitaus den meisten von mir selbst ge- 
sammelten Kerunien das charakteristische Habitusbild vorliegt und 
daß andererseits bei allen diesen charakteristischen Kolonien ein 
Kanal mit großer Außenmündung vorliegt. Dieser Kanal geht spiral 
genau wie bei der rezenten Hydractinia nach innen und führt 
schließHch zu einem kleinen Schneckengehäuse , das ich ebenso 
wie Oppenheim und Douvill6 in mehreren Exemplaren bloßlegen 
konnte. Wenn wir diesen Kanal als die Behausung eines Pagurus 
bei den lebenden Hydractinien erkannt haben, so liegt kein Grund 



(76) 



Versammlung- der Sektion für Paläozoologie. 



vor, dies nicht auch auf die fossilen zu tibertragen, zumal Scheren- 
ballen von den weichhäutigen Krebsen, wie Calianassa Mohatta- 
mensis Nötling*, die sehr wohl auch als Bewohner von Schnecken- 
gehäusen angenommen werden können, gerade in diesen Schichten 
überaus häufig sind, ebenso wie auch von Lörenthey^) ein echter 
Paguride als Pagtmis Mezi beschrieben wurde. Daß eine derartige 
Symbiose bei Kerunia vorliegen kann, wird ja auch von Oppen- 
heim zugegeben; ich möchte darauf aber doch ein viel größeres 
Gewicht legen, da gerade in dieser Symbiose die Erklärung für 
die Ausgestaltung der Kolonie liegt. 

Schwierig und hypothetisch bleibt es natürlich, ohne Studien 
am lebenden Tiere die Lebensbedingungen anzugeben, welche zu 
der Ausbildung der eigenartigen Form führt. Daß die Hydractinien 
sehr häufig Fortsätze und Stacheln bilden, ist bekannt, aber diese 
treten meist vollständig regellos auf. Wenn wir nun bei den Kerunien 
eine bestimmte Orientierung vorfinden, so ist wohl dabei in erster 
Linie an die Gleichgewichtsverteilung zu denken, welche für den 
beweglichen Paguriden insofern von Nutzen war, als sie ihn nicht 
ungleichmäßig belastete. Auf dasselbe Prinzip läßt sich wohl auch 
am besten die Ausbildung der großen seitlichen Hörner und die 
Anordnung der Zapfen entlang der Medianlinie zurückführen, denn 
auch hier ist einer Gleichgewichtsverteilung möglichst Rechnung 
getragen. 

Es erscheint mir daher auch nicht unbillig, wenn wir den 
Namen Kerunia für die eozänen Hydractinienkolonien beibehalten, 
wobei wir uns bewußt sind, daß es sich um eine der lebenden 
Hydractinia oder der Cyclaciinia sehr nahestehende Art handelt, 
deren symbiotisches Verhältnis zu Calianassa oder Paguriden einen 
ganz bestimmten Habitus der Kolonie hervorgerufen hat. 

Hierauf erteilt der Vorsitzende Herrn Privatdoz. Dr. Hugo 
Obermaier das Wort zu seinem Vortrage: Tierbilder der Eiszeit- 
menschen. 

Zum Schlüsse berichtet der Vortragende über angebliche Art 
fakte des südamerikanischen Menschen an einem Unterkiefer vo 



^) Mathemat. u. naturwiss. Berichte aus Ungarn, XXV. Bd., 1907, S. 11 



Versamniliin}^ der >iokti()ii für Pnliiozoologie. 



(77) 



TroteroiheriHm aus dem Miozän der Santa Cruz Hcds in Patagonien 
und legt einen von Nagetieren benagten rezenten Knochen aus 
einem Walde bei Aspang vor, um zu dokumentieren, daß auch die 
von F. Ameghino für eine Arbeit des Tertiärmensclien gehaltenen 
Einschnitte auf dem Proterotherium-K\cfGr gleichfalls von miozänen 
Nagetieren herrühren. 



Bericht der Sektion für Lepidopterolog^ie. 

Versammlung am 7. Januar 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

Der Vorsitzende gibt die Trauernachricht von dem am 6. Januar 
erfolgten Hinscheiden des Sektionsmitgliedes Herrn Franz Ritter 
V. Meißl. Ein Nachruf bleibt der nächsten Versammlung vorbe- 
halten. 

Derselbe macht ferner Mitteilung von der bei Herrn John, 
H., Obere Donaustraße 51, zum Verkaufe stehenden Sammlung euro- 
päischer Lepidopteren des im Jahre 1906 in der Hinterbrühl ver- 
storbenen Herrn Karl Rank, der seinerzeit viel mit Josef Mann 
in Verkehr stand. Die Sammlung ist gut erhalten und ist zum 
größten Teil in einem Doppelschrank mit 46 Laden untergebracht. 
Auch einige wertvolle Druckschriften stehen dort zum Verkaufe. 

1. Derselbe berichtet unter Materialvorlage über interessante 
Lepidopterenfunde aus Unterägypten. Eine Bearbeitung des Mate- 
riales wird in diesen Vereinsschriften erscheinen. 

IL Herr Realschulprofessor Friedrich Anger^ der alljährhch 
Sommeraufenthalt in Gröbmiug im Ennstale hat und von dort aus 
Sammelausflüge bis in die Dachsteingruppe ausführt, hat dem Hof- 
nmseum ein Pärchen von Erebia glacialis ab. pluto Esp. freundhchst 
überlassen, von dem das am 30. Juli 1906 am Sinabel (2343 m, 
Dachsteingruppe), das 9 am 6. August desselben Jahres im soge- 
nannten Landfriedtale, einem Kare am Nordfuße der Scheichen- 



(78) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



spitze (ca. 2400 m und ca. 8 km westlich vom Fundorte des cT) er- 
beutet wurden. Das 9 zeigt auf den Hinterflligeln oberseits nur 
schwache Spuren einer rostroten Binde, in der zwei ganz verloschene 
Apikaiaugenpunkte stehen. Nach den Ausführungen Dr. Scha- 
w er das [vgl. Sektionsbericht vom 4. November 1910, Jahrg. 1911, 
S. (25)] wäre die Glacialis-RsLSse des Dachsteins der Form Alecto Hb. 
zuzuzählen. — Bemerkt sei noch, daß die Fundorte beider Exem- 
plare noch in Steiermark, aber kaum 1 km von der oberösterrei- 
chischen Grenze entfernt liegen. 

III. Herr Dr. Egon Galvagni und Herr Dr. K. Schima de- 
monstrieren und bemerken, daß Pyrameis atalanta ab. fracta Tutt 
häufig in der Umgebung Wiens (beispielsweise in Lang-Enzersdorf) 
anzutreffen sei. 

Herr Fritz Wagner macht darauf aufmerksam, daß die weib- 
lichen Stücke von Fyr. atalanta regelmäßig einen weißen Punkt in 
der roten Binde der Vorderfliigel führen. 

IV. Herr Otto Bubacek demonstriert selbst gesammeltes Mate- 
rial aus Sizihen und der Schweiz (Zermatt). 

V. Herr Prof. Dr. M. Kitt legt nachstehende selbst gesammelte, 
zumeist aberrative Tagfalter zur Ansicht vor: 

Colias liyale L. ab. helice'ides Selys. Otz, 6. /IX. 1909. 

C. edusa F. cT aberrativ. Mittelfleck der Vorderflügel nur ange- 
deutet. Jaufenpaß bei Sterzing, 4./IX. 1908. 

Melitaea athalia Rott. ab. fennica Reuter. Ötz, 29./ VII. 1909. 

M. athalia Rott. Mehrere Aberrationen von Obertraun und Otz. 

M. dictynna ab. fasciata Lambill. cf Obertraun, 15./VI. 1906, 
9 St. Anton am Arlberg, 18./VIII. 1910. 

Ärgynnis euphrosyne L. Zwergform. Ötz, 16. /VIII. 1910. 

Ä. pales Schiff, ab. deflavata Wagner. Otztal, Fundusfeiler, 2600 m, 
24./VII. 1909. 

A. pales, Zwergform. Sterzing, Roßkopf, 2000 m, 13./VIIL 1908. 
A. dia L. II. Generation! Ötz, 6./IX. 1909. 
Erehia aethiops ab. ohsoleta Tutt. Ötz, Ende August 1910. 
E. aethiops Esp. reich geäugt. Obertraun, 17. /VII. 1906. 



Versaniinlmif? dor Sektion für Lepidopterologio. 



(79) 



Fararge arger ia L. var. camoena Frühst. Ötz, 21. /VIII. 1909. 
EplnepMc jurtina L., bleiche Form. Ötz, 10. ii. 21./ VII. 1910. 
Chrysoplianns virgaureae L. partieller Albino. Sterzin^^, Giefen- 

klamm, 3./V11I. 1908. 
Ch. liippothoe S. ab. confluens Gerb. Schwabendörfel bei lleka- 

winkel, 12./VL 1908. 
Lycaena icarus Rott. ab. elongata Courv. Grinzing-, Wildgrube, 

25./IX. 1910. 
L. arion L. ab. Ötz, lO./VII. 1910. 

L. arion L. ab. ohsctira Frey. Ötztal, Fundusfeiler, ca. 1600 m, 
24./VII. 1909. 

Versammlung am 3. Februar 1911. 

Vorsitzender: Herr Zentralinspektor J. Prinz (in Vertretung von Prof. 

Rebel). 

Der Vorsitzende hält dem am 6. Januar 1. J. verstorbenen 
Sektionsmitgliede Herrn Franz Ritter v. Meißl, unter Benützung 
nachstehender, von dessen Schwager Herrn Dr. Josef Jurek ein- 
gesendeten Nachrichten, einen warm empfundenen Nachruf: 

„Franz Ritter v. Meißl wurde am 13. August 1864 als der 
älteste Sohn einer angesehenen deutschen Familie in der königl. 
ungarischen Freistadt Rösing (Kom. Preßburg) in Ungarn geboren. 

Er besuchte die damals noch deutsche Volksschule in seiner 
Vaterstadt, dann das Gymnasium in Preßburg. Nach Absolvierung 
der Sexta kam er nach Wien, um hier dem Studium der Pharmazie 
zu obliegen. 

Nach Beendigung seiner Studien trat er als Assistent in die 
väterliche Apotheke, die er bei seiner Verheiratung im Jahre 1896 
selbst übernahm. 

Nebst anderen Gründen verleidete ihm die zunehmende Magya- 
risierung den Aufenthalt in seiner Vaterstadt. Er verkaufte die Apo- 
theke, die schon in der dritten Generation im Besitze der Familie 
war, und zog nach Wien. Nachdem er mehrere Jahre als Provisor 
in hiesigen Apotheken tätig gewesen war, fand er endlich eine 
ihm zusagende Stellung als Teilhaber der altrenommierten Firma 



(80) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Lenoir & Forster. Bald hatte er sich dort eingearbeitet und gab 
sich mit Eifer und Erfolg seinem neuen Berufe hin. Leider ließ 
seine Gesundheit bald zu wünschen übrig; ein langwieriges Magen- 
leiden brachte den früher überaus kräftigen Mann körperlich her- 
unter, so daß seine geschwächte Konstitution der Lungenentzün- 
dung, die ihn im Anschlüsse an eine Influenza erst zu Ende des 
Jahres ergriff, so rasch erlag. 

Er hinterläßt eine Witwe und drei Kinder. 

Das Interesse für Naturwissenschaften hat er wohl von seinem 
Vater ererbt. 

Der Entomologie widmete er sich, angeregt durch die kind- 
liche Sammeltätigkeit seines älteren Sohnes Georg — dem er auch 
eine schöne Aberration von Larentia ferrugata zubenannte ^) — 
schon in Bösing im Jahre 1903. 

Sammelreisen machte er zweimal nach Bosnien und Dalmatien, 
Istrien, ins Ortler- und Adamellogebiet und in die juHschen Alpen, 
natürlich explorierte er auch fleißig die nähere und weitere Um- 
gebung Wiens. 

Seine Sammlung, die aus 1386 Arten europäischer Groß- 
schmetterlinge in mehr als 4400 Exemplaren besteht, hatte er noch 
im Laufe des letzten Jahres geordnet und in einem Schrank von 
72 Kasten aufgestellt. Kurz vor Weihnachten wurde er damit fertig 
und sagte noch scherzend: , Jetzt kann ich ruhig sterben'. 

Zum Glück wußte er nicht, wie nahe er diesem letzten 
Ziele war." 

Die Anwesenden, unter denen der Verstorbene eine Anzahl 
näherer Freunde zählte, erheben sich zum Zeichen ihrer aufrich- 
tigen Teilnahme von den Sitzen. 

I. Herr Dr. Karl Schawerda legt als fünften Nachtragt) 
zur Lepidopterenfauna Bosniens und der Herzegowina fol- 
gende im Jahre 1910 von Herrn Josef Janecko bei Bisina, einer 
Gendarmeriekaserne zwischen Mostar und Nevesinje (888 m), ge- 

XIX. Jahresber. des Wien. Ent. Ver., S. 47, Taf. 1, Fig. 2. 
2) Vgl. diese „Verhandlungen", Jahrg. 1906, S. 650—652; Jahrg. 1908, 
S. (250—256); XIX. Jahresber. des Wien. Ent. Ver., Jahrg. 1908, S. 85—126 
und diese „Verhandlungen", Jahrg. 1910, S. (19)— 34). 



Versaiuinlinij? der Sektion für Lepidopteroloy^ie. 



(81) 



sammelte bemerkenswerte Makro- und Mikr()lcj)idopteren vor. Die 
mit einem Sternchen versehenen Arten sind neu für die Fauna der 
genannten Länder. (Bosnia) bedeutet, daß die Art wohl aus Bos- 
nien, aber nicht aus der Herzegowina bekannt ist. 

Es sind 21 neue Arten, 19 Varietäten oder Aberrationen von 
Makrolepidopteren und 40 neue Arten von Mikrolepidopteren. Ich 
habe einige Neubenennungen für nötig gefunden. Herrn Prof. 
Rebel danke ich für Kontrolle und Bestimmung bestens. Dieser 
Nachtrag ist wieder eine recht beachtenswerte Ergänzung des 
zweiten Teiles der Studien über die Lepidopterenfauna der Balkan- 
länder von Dr. H. Rebel.^) 

Hesperiidae. 

Carcliarodus lavatherae Esp. Bisina. 
Carcharodus alceae Esp. Bisina. 
Hesperia orhifer Hb. Bisina. 
Hesperia serraüilae llbr. Bisina. 
Hesperia alveus Hb. Bisina. 

Hesperia malvae L. und ab. tarras Brgstr. Bisina. 

Notodoiitidae. 

* Brymonia vittata Stdgr. (802) cf . Bisina, Ende Mai. (Krain, Klein- 

asien.) Eine sehr seltene Art. 

* Drymonia chaonia Hb. (807) Bisina. 
Notodonta anceps Goeze (trepida Esp.) (825). 

Vorderflügel und Vorderrand der Hinterflügel grau mit 
scharfer schwarzer Bindenzeichnung. Ohne rostgelbe Bei- 
mischung. Nierenmakel weiß umrandet. Der Vorderrand von 
der Wurzel bis zur Mitte mit weißem Wisch. Hinterflügel 
reiner weiß. Den Flügeln und dem Körper fehlt der braun- 
gelbe Ton der Stammform. 

* acerba var. nov. (acerbus = scharf). Bisina, 28./IV. 

Lymantridae. 

Ocneria detrita Esp. (938) Bisina. cf, groß, schwarzgrau nicht 
bräunlich. 



1) Ann. d. Natiirhist. Hofnms., Bd. XIX, 1904. 

Z. B. Ges. 61. Bd. 



f 



(82) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie, 



Tliauinetopoeidae. 

* TJiaumetopoea processionea L. (874) in der dunkleren ab. luctifica 

Stdgr. Ein Pärchen aus 1910 massenhaft in Bisina vor- 
kommenden Raupen. 

* Malacosoma alpicola Stdgr. (959). Ein Falter el. von Bisina, wo 

die Raupen sehr gemein sein sollen. 

Lasioeampidae. 

Epicnaptera ilicifolia L. (994) Bisina. 
Epicnapftera tremuUfoUa Hb. (995). Drei Exemplare der * var. am- 
higua Stdgr. Bisina, Juli, August. 

Noctuidae. 

Äcronida megacephala F. 29. Bisina. (Bosnia.) Raupen im Juli 
an Pappeln. 

* Äcronicta euphorhiae F. (1098) var. euphrasiae Brahm. In Anzahl. 

Mai und August. (Dalmatien.) 
Ägrotis elegans Ev. (1218) 1 cf, 1 9. Bisina. (Gall., Graec., Ross., 
Pont.) 

Ägrotis multangula Hb. (1221). Aus Bisina vier Exemplare. 4./V. 
Die Falter sind alle lichter als die Exemplare aus Nieder- 
österreich. 

Ägrotis lucernea L. Zwei sichere Falter der ungezeichneten helleren 
Varietät dalmata Stdgr. 

Ägrotis fimhriola Esp. Fünf Exemplare der ausgezeichneten var. 
leonhardi Rbl. aus Bisina (August). Diese Form wurde im 
Seitz auffallenderweise nicht angeführt. 

Ägrotis piita Hb. (1345). In zwei aberrierenden Exemplaren, die 
ich ^amartia. ab. nov. nenne. 

Die Vorderflügel sind auffallend hellbraun mit weißlicher 
Randwellenlinie. Die braune Färbung ist nur in der Nieren- 
makel und im Vorderrandwisch der Basis und nur gering 
vorhanden, cf. Bisina, 2. /VII. 

Ägrotis tritici Hb. Zwei Falter aus Bisina. 

Ägrotis nigricans L. Bisina, 4./VIII. (Bosnia.) 

Mamestra trifolii Rott. Bisina. (Bosnia.) 



VerManimlun«j: der Sektion für Lepidopteroloj^ie. 



(83) 



Mamestra reticulata Vill. Hisina. 

Apamca dmncr'dii Dup. (U^20). 

Unter einer größeren Anzahl Falter v on Bisina luul Lukavac 
VIII., IX., sind zwei fast einfarbige bleich ockergelbe frische 
Stücke, deren Zeichnung- nur schwer zu erkennen ist. Diese 
Abart, deren Mittelfeld die gleiche ockergelbe Farbe hat wie 
der andere Teil der Flügel und in der eine Zeichnung- kaum 
mehr zu erkennen ist, nenne ich '^aequalis ab. nov. Hinter- 
flüg-el und Unterseite der Stammform gleichend, nur etwas 
weißlicher. Ohne geeckte graue Außenrandlinie unterseits, 
wie sie bei desyllesi Gn. aus Nordfrankreich und England 
angegeben ist, der sie auch im Farbenton nicht gleicht. 

* DiantJioecia magnolii B. (1544) ^. Bisina. (Dalmatien.) Das 

Tier ist sehr dunkel. 
Mamestra leuhophaea V. Sehr dunkle Stücke aus Bisina. 

* Mamestra cappa Hb. (1515). Fünf Exemplare aus Bisina. 
Bryopliila ravula Hb. (1588). Die Stammart aus Bisina. 

Bryophila raptriciila v. deceptricula Hb. Podvelez, IS./VII. Bisina. 
Bryopliila algae F. Bisina. 

Hadena monoglypha Hufn. (1690) in der *ab. intacta Pet. Bisina. 
Ammoconia caecimamla F. Bisina. 

Episema glaucina Esp. (1737) mit ihren Abarten "^tersina Stdgr. 
und * unicolor Dup. Bisina. 

*Folia suda H. G. (1789). 

Eine sehr interessante Polia^ von der ein zweites Männ- 
chen im Wiener Hofmuseum aus Kalinovik steckt, i) erhielt 
ich aus Bisina. Die Falter passen am besten zu suda^ mit 
der sie die Zeichnung (die nur nicht ganz so scharf ist), be- 
sonders die starke basale Einbuchtung der lang gezackten, 
das Mittelfeld außen begrenzenden Querlinie, die rein weißen 
Hinterflügel mit schwarzer dünner Randlinie gemeinsam haben. 
Die Vorderflügel sind aber weißUchgrau (nicht gelblich) und 
weisen zwischen den beiden rein weißen Makeln (die Ring- 
makel ist kreisrund) eine dunkelgraue Querbinde auf. Der 



^) Das etwas geflogene Stück ist von mir in der Lepidopterenfauna 
Bosniens, S. 219, unter Polia cht erwähnt. (Rbl.) 



(84) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



Vorderrand zeigt einige scliwärzliche Punktflecken. Das äußere 
Drittel ist gleichmäßig hellgrau ohne auffallende Zeichnung. 
Die Fransen der Vorderflügel sind weiß und hellgrau ge- 
scheckt, die der Hinterflilgel rein weiß. Stirne, Thorax und 
Abdomen silberweißgrau. Unterseite glänzend silberweißgrau, 
ganz ungezeichnet. 38 mm Flügelspitzenabstand. Es fehlt dem 
Falter jede Spur eines gelben Tones. Ich nenne diese aus- 
gezeichnete Form (species diversa?) nach Herrn Hofrat Dr. 
Karl Schima, der mit mir in diesen Gegenden sammelte 
und dort die Lygris prunaia var. annexa entdeckte, Schimae. 
Es handelt sich möglicherweise um eine neue Art. 
Polia mfocincta H.-G. Bisina. 

* BracMonycha nubeculosa Esp. (1808). Vorderflügel dunkel schwarz- 

braun. Als ab. j:)er/kmosw Warren im Seitz beschrieben. Bisina. 

* Leucania impiira Hb. (1933). Ein 9 aus Bisina. 
Leucania pallens ab. ectypa Hb. Bisina. (Bosnia.) 
Chloanta hyperici F. In Anzahl aus Bisina, VII., VIII. 

* Caradrina selini var. noctivaga Bell (2005). Zwei Falter aus Bisina. 
Caradrina supersies Tr. (2015). Vier Exemplare. 3 cf, 1 9 aus 

Bisina. 

Caradrina gilva Donz. Bisina. 
*Orthosia pistacina F. (2127). Bisina, August. 
Orthosia helvola L. (2125). Bisina. (Bosnia.) 
Orrhodia vaccinii L. Bisina, Mai. Überwintert. 
"^Orrhodia veronicae ab. obscura Spuler (2158). Bisina. 
Orrhodia rubiginea F. Stammform, ab. tigerina Esp. und completa 
Stdgr. Bisina. 

Orrhodia torrida Ld. (2168). Die Stammform. Bisina. Zwei Falter 
mit gleichförmig dunkelbraunen Vorderflügeln ohne Aufhellung 
des Vorder- und Außenrandes (wie schon Dr. Bebel erwähnt) 
aus Bisina. — *Ab. nova amaura (= die dunkle). 

Orrhodia ligula Esp. Bisina. 

* Calocampa exoleta (2181) Sih. ohscur ata Spul. Bisina. 
Calophasia casta Bkh. Bisina. 

*Cucullia scrophulariae Cap. (2222) Bisina. 
Cucullia tanaceti Schiff. Bisina, August. 
Heliothis dipsacea L. Bisina. 



Versaininlim^»" der S(iktiou für Lepidopterolo^io. 



(85) 



Ueliothis peltigcr^Q\\\\\. (2325). Die Vordcrflllgel dunkler und stärker 
i^ezeichnet. Die llinterfliif^cl mit breitem schwarzen Außen- 
rand. Bisina, August. (Auch aus Gravosa.) 

*Charidea delphinii L. (2352). Zwei Exemplare aus Bisina, 24. /VI. 

Fyrrhia timhra Hufn. Ein großes, stark rötlich gefärbtes Stück aus 
Bisina. 

Cal2)e capucina Esp. Ein Riesenweibchen aus Bisina. Flügelspitzen- 
abstand 5 5 cm. Oben und unten viel kräftiger gezeichnet. 

Tdlpocliares purpurina Hb. Zwei kleine Exemplare mit weißen 
Hinterflügelu , der Sommergeneration secunda Stdgr. ange- 
hörend. Bisina. 

Catocala conversa Esp. ab. agamos Hb. Bisina. 

Catocala nymphagoga Esp. Bisina. 

Zanclognatha tarsicrinalis Knoch. Bisina. 

Hypena antiqualis Hb. Bisina. 

Hypena obsitalis Hb. und ihre ab. ohscura Hormuz. Bisina. 

Geometridae. 

Nemoria pulmentaria Gn. (2907). cf, Podvelez, Mai; 9 (Riese, 2 5 cm 
FlUgelspitzenabstand)^ Bisina. 

Äcidalia hisetata Hufn. Bisina. 

Äcidalia metohieensis Rbl. Bisina. 

Äcidalia violata var. decorata Bkh. Bisina, 5./Vni. 

Äcidalia tessellaria B. (3051a.) 

Zwei große Exemplare aus Bisina (Juli), mit stark 
schwarzer Färbung. Die Tiere haben eine viel schärfere 
weiße Zeichnung, die aber in große Flecke aufgelöst er- 
scheint, wodurch das Schwarz vorwiegt. Ich halte Tessellaria 
nicht für eine Abart der Immorata^ sondern für eine eigene 
Art. Ein drittes Exemplar, ein Männchen mit 3 cm Flügel- 
spitzenabstand, ist fast ganz tiefschwarz. Nur von der weißen 
Randbinde sind noch weiße Flecke übrig, die sehr klein sind. 
Die Fransen sind schwarz und nur sehr wenig mit weiß unter- 
brochen. Abdomen und Thorax, Stirne und Fühler schwarz. 
Unterseite ebenfalls viel schwärzer. Die Vorderflügel sind mit 
Ausnahme der weißen Randfleckenreste ganz schwarz. Bisina, 

8./vni. 



(86) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



Ich nenne diese schöne Aberration der Tessellaria nach 
meinem kürzhch verstorbenen lieben Freunde und Reise- 
gefährten, Herrn Franz Ritter v. Meißl, der mit den Herren 
E. Fitz, Hofrat Dr. Schima und mir in Bosnien und der 
Herzegowina sammelte, * jmeiiJii ab. nov. Tota nigra, exceptis 
nonmdlis parvis maculis aTbis marginalibus. 

Codonia porata F. Bisina, ö./VHL Große Exemplare. 

Codonia ruficiliaria H.-S. Bisina. 3 cm Flügelspitzenabstand. 

Codonia pupillaria Hb. (3112) *ab. hadiaria Stdgr. Bisina. — 
Die ab. nolaria Hb. Bisina, August. 2*8 cm Flügelspitzen- 
abstand. 

Tripliosa sahaudiata Dup. Bisina. 

Larentia miata L. (3314). Ein 9 vom Podvelez, 8. /VII. 
Larentia salicata Hb. Bisina. 
Larentia fluviata Hb. Bisina, Juni. In Anzahl. 
Larentia dihitata Schiff. Drei grauweiße Weibchen mit Silberglanz. 
Bisina. 

Larentia cyanata Hb. Bisina. Grau statt blau gezeichnet. 
Larentia achromaria Lah. Aus Bisina. In Anzahl. 
Tephroclystia ohlongata Thnbg. Bisina, Podvelez. In Anzahl. 
TepJiroclystia linariata F. Bisina. 

* TepJiroclystia spissilineata Metzner (3620). Bisina, 7. /VI. (Her- 

kulesbad^ Balc. mer., Rum., Taur.) 

* TepJiroclystia pumilata var. tempestivata Z. (3658). Bisina, 10. /VII. 
'^FJiibalapteryx calligrapJiata H.-S. (3681). Ein großes schönes Stück 

mit fast 3 cm Flügelspitzenabstand von Kamena. (Kroat., Istr., 

Ural, Arm.) 
NycJiiodes lividaria Hb. Bisina. 
Fidonia roraria F. 9. Bisina. 
GnopJios onustaria H.-S. Bisina. 
GnopJios ohscuraria Hb. Bisina. Die var. argillacea Stdgr. (großes 9) 

ebendaher. 

Nolidae. 

* Nola cicatricalis Tr. (4104). In Anzahl von Kamena, April u. Mai. 

Einige sehr lichte Exemplare mit weißer Grundfarbe 
der Vorderflügel und lichteren Hinterflügeln. 



Vcir.sannnliiii}^' dvv ScUlion liir I icpidoplcrolonic. 



Ist die Art in der Basis, im Mittelfeld und im Handleid 
rein weiß, möge sie den Namen leiikosticta ab. nova fliliren. 
"^Nola togatulalls Hb. (4098). Bisina. 

Arctiidac. 

rhragmatohia placida Friv. Bisina. 

* rhragmatohia fidiginosa var. fervida Stdgr. (4168.) Tyi)iselies 

Exemplar. 

Ärdinia caesarea Goeze. Zwei Falter. Bisina, Mai und Juli. 
Ärctia villica L. (4203). Zwei Weibeben der stark gelben (statt 

weißliehen) *var. angelica B. Bisina. 
Lithosia tinita var. palleola Hb. Bisina. 
Lithosia hitarella L. Bisina. 

Zygaenidae. 

* Ino htidensis Spr. (4412). Bisina. (Hung-., Buc, It., As.) 

Psycbidae. 

Psyche viciella SchifiP. Bisina. 

Oreopsyche pliimifera 0. (4478). Drei Falter der * var. niediterra- 
nea Ld. aus Bisina. 

Sesiidae. 

* Sesia conopiformis Esp. (4554). Drei Falter aus Bisina. 

Pyralidae. 

* Cramhus pinellus L. (83). Nevesinje, Juli. 
Ancylolomia tentaculella Hb. (165). Bisina, 5./X. 

Homoeosoma sinuella F. (232). Bisina, 26./VI. 
Hypochalcia ahenella Hb. (491). Vorder- und Hinterflilgel gleich- 
mäßig schwarzgrau, ohne Zeichnung. Bisina, 29. /V. 
Etiella sinlmiella Tr. (510). Bisina. 

* Phycita coronatella Gn. (710). Bisina, August. Zwei Falter. 
Acrolasis sodalella Z. (740). Bisina, 5./VII1.; Podvelez, 7./V. 

*Myelois tetricella S.V. (782). Bisina, 18./V. 
Scoparia pyrenealis Dup. (951). Zubersin bei Nevesinje, 5. /VIII. 
Ein helles Stück und ein Exemplar mit schwarzem Mittelfeld. 



(88) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Dup. bildet in PI. 60, Fig. 2 a zuerst ein Stück mit ein- 
farbig schwarzbraunem Mittelfeld ab, so daß eigentlich diese 
Form als Type aufgefaßt werden muß. 

Der Name für die aufgehellte Form bleibt frei. 
Scoparia petrophila Stdf. (964). Bisina, 30./VIL Vier Falter. 

* JDiasemia ramhurialis Dup. (1069). Zwei Falter aus Bisina, 5. /VIII. 

* Gynaeda dentalis var. gigantea W. 

* Metasia opMalis Tr. Eine dunkle Aberration (1128). 
*Pyrausta diffusalis Gn. (1222). Bisina, 12./VII. 

Orneodidae. 

*Orneodes hexadactyla L. (1437). Bisinä. 

Tortricidae. 

*ÄcaUa variegana Schiff. (1455). Herzegowina. 
*Äcalla literana L. (1458). Herzegowina; ab. squamana F. Ra- 
mena, 24./IV. 
"^Acalla contaminana Hb. (1480). Herzegowina. 
*Cacoecia unifasciana Dup. (1528). Bisina, 27. /VI. 
Conchylis posterana Z. Bisina, 5. /VIII. 

* Conchylis purana Gn. (1700). Bisina. 
Euxanthis lathoniana Hb. (1749). Herzegowina. 

^ JEuxanthis hamana L. (1800) ab. nov. periphragmella (peri- 
phragma = Gitter). 

Die Vorderflügel sind gelb, aber braun gegittert. Der 
Vorderrand weist im ersten Drittel einen braunen Fleck auf, 
ebenso im zweiten Drittel einen, der einen Ast zum typischen 
Winkel in der Mitte der Vorderflügel sendet, und einen am 
Apex. Eine braune Randhnie. Von der Spitze des Winkels 
führt eine braune Linie zum ersten Drittel des Innenrandes. 
Bisina, Juni. 

OletJireutes profundana F. (1886). Bisina, 19./VI. 

Steganoptycha pauperana Dup. (1971). Bisina. 
Badra furfurana Hw. (2020). Bisina, 20./VII. 
^ Famene argyrana Hb. (2226). Bisina. 

* Pamene juliana (2337). Bisina. 
Lipoptycha saturnana Gn. Bisina, 26. /V. 



V(*rs:iinnilim<4' der Sektion lür riCpidoplcroloi^'ic. 



YponoiiKMitHlae. 

Yponomeuta viginti2mnctatns Retz. Drei Falter aus HiBiiia, ö./VlII. 
und X. 

Plutellidac. 

Ccrostoma lucella F. (2472). Zwei Falter. 

Gfelechiidae. 

^Teleia sequax Hw. Dr. Galvagni erbeutete die Art auf dem 

Trebeviö, 12./VIII. 1908. 
Teleia fugitlveUa Z. (2746). Bisina, 7./V. 
Teleia triparella Z. (2757). Bisina, April, Mai. 
"^Anacampsis patruella Mn. (2825). Zwei Falter. Bisina, 18. /VI. 

* Reciirvaria nanella Hübn. (2878). Bisina, Mai. 
Holcopogon Jielveolellus Stdg-r. (2978). Bisina. 
Blastohasis pliycidella Z. (3054). Bisina, 5./VIII. 

* Chimahaclie phryganella Ab. (3132). Zwei Falter. Bisina. 

* Depressaria suhpallorella Stdgr. (3168). Bisina, 18. /VITT. 
Bepressaria pallorella Z.. Podvelez^ 7./V. 

Depressaria doronicella Wck. Bisina. 

Bepressaria alstroemeriana Cl.. In Anzahl von Bisina^ 21. /V. 

* Bepressaria chaerophylli Z. (3286). Bisina. 

Älahonia hradella L. Zwei Weibchen von Bisina, lO./VI. 

* Borhhausenia unitella Hb. (3341). Bisina. (Nagel, Jablanica, 

11. /VII.) 

* Borlchausenia angustella Hb. (3372). Zwei Weibchen von Bisina, 

Mai. 

* BorJchausenia lamhdella Don. (3391). Bisina, 21. /VI. 

Elacliistidae. 

Scythris cuspidella Schiff. Bisina, 15. /VI. 

* Ochromolopsis ictella Hb. (3568). Bisina, 21./V. 

* Heinemannia laspeyrella Hb. (3572). Bisina. Aus Niederöster- 

reich, Böhmen, Finnland bekannt. 
Pancalia letiwenJioekella L. Podvelez, 7./V. 

*Ornix anguliferalla Z. (4104). Bisina. Aus Dalmatien bekannt. 



(90) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Tineidae. 

Euplocamus anthracinalis Sc. (4511) ab. nova nigritella Schaw. 
Bisina, Mai. 

Eine Type und zwei Übergänge dazu. Alle weißen 
Flecke sind viel kleiner. Der basale Fleck des Vorder- und 
Innenrandes erscheint als Punkt. Der weiße Fleck in der 
Mitte der Vorderflügel fehlt ganz. Der Falter erscheint so 
viel schwärzer. Herr Prof. Rebel erwähnt, daß die Art auch 
zum Albinismus neige. 

* Tinea nigraalhella Z. (4550). Bisina. 

* Tinea capella Hb. (4596). Bisina, ^7./V. und 9./VI. 
Nemophora swammerdamella L. Podvelez, 7./V. Ein großes Exemplar. 
Nemotois raddaellus Hb. Bisina. (Bosnia.) 

"^Nemotois auricellus Rag. (4701). ci", Bisina. Bisher nur aus 
Tirol, der Schweiz, Frankreich und Sizilien bekannt. | 
Nemotois fasciellus F. (4704). Ein sehr dunkles Weibchen von 
Bisina, 21. /VI. 

*Ädela cuprella Thnbg. (4712). Bisina. 

Ädella croesella Sc. Bisina, 27. /V. 



II. Herr Dr. Karl Schawerda gibt ferner nachstehende Be- 
schreibung bekannt: 

Bas Ei von Erehia nerine var. moriila Spr. 

Bei meinem heurigen Morula-Fd^n^ in Südtirol erbeutete ich ; 
ein Weibchen, das am After ein Ei angeklebt hatte. Da das Ei 

von Erehia nerine noch unbeschrieben ist, 
möge hier seine Beschreibung folgen. Fast 
hühnereiförmig. Das breitere Ende der 
Anheftungsstelle abgeflacht. Länge 1 mm, 
Breite 0*9 mm. Das Ei verjüngt sich gegen 
das andere Ende, die Mikropyle zu und 
weist sechzehn gleichmäßig verlaufende 
Längsrippen auf. Das Ei war anfangs hell 
bräunlichgrau mit Perlglanz und änderte 
die Farbe vor dem Schlüpfen des Räup- 
chens in Blauschwarz. Das Räupchen nahm 




VerNainiulim«,^ der Sektion lür Lcpidoptcniloi^fiiv 



(91) 



kein Futter im und ^-in^- ein. Nebenstehende Abbildung- entspricht 
der mikroskopischen Vergrößerung- dieses Eies. 

III. Herr Fritz P reiß eck er gibt nachstehende Beschreibung 
einer neuen heimischen Mikrolepidopterenart aus der Familie der 
Elachistidae : 

Sci/thris flavidella nov. spec. 

In der Fliigelform und der Farbe des Abdomens (Unterseite) 
fuscoaenea Hw. nahe, in der Färbung- der Vorderflügel seliniella Z. 
und aerariella H.-S. am äbnlichsten, aber mit noch schwächerem 
Glänze. Von ersterer Art in der Fitigelfarbe, von seliniella durch 
die abweichende Färbung der Hinterleibsunterseite, die Bildung des 
männlichen Afterbusches und wie von aerariella durch die anders 
geformten Hinterflügel leicht zu unterscheiden. 

Kopf, Thorax und Fühler von der Farbe der Vorderflügel^ hell 
gelblich-erzgrtin, fast glanzlos, Gesicht und Fühler etwas dunkler, 
letztere im männlichen Geschlechte etwas dünner und kürzer als 
bei fuscoaenea. Palpen von der Farbe des Gesichtes, außen an 
der Wurzel und innen heller, wie bei fuscoaenea geformt. Die 
Beine sind hell erzgrün, die Hinterschienen samt Haaren von der 
Farbe des Bauches, hell gelblichweiß, beim Weibchen weniger licht 
gefärbt. 

Der männliche Hinterleib ist schlank, braungrau (etwas heller 
als bei fuscoaenea), am Bauche breit hell geiblichweiß; der After- 
busch besteht aus geraden^ gegen ihr Ende etwas einwärts ge- 
bogenen, gleich langen, eng aneinanderschließenden Haaren und 
ist dreiteilig; der obere Teil ist hell bräunlichgrau, die beiden unteren 
Teile sind hell gelbHchweiß gefärbt. Beim Weibchen ist der Hinter- 
leib ziemhch dick, mit zugespitztem After, dunkel braungrau, am 
Bauche gelbHchweiß, aber in viel geringerer Ausdehnung als beim 
Männchen und nicht so hell. 

Die Vorderfltigel beim Männchen gestreckt, gegen die Spitze 
ziemlich gleichmäßig verengt, beim Weibchen kürzer und im letzten 
Drittel rascher zugespitzt, oh venbraun, aber so dicht mit hellgelb- 
, hch erzgrünen, beim Weibchen etwas dunkleren, sehr matt glänzen- 
den Haarschuppen bedeckt, daß bei ganz frischen Stücken von der 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



dunkeln Grundfarbe nichts zu sehen ist. Diese Haarschuppen be- 
decken auch die Wurzeln der braungrauen, gelblich schimmernden 
Fransen. Die Hinterflügel ^/g bis ^/g, ihr Hinterrand ziemlich gleich- 
mäßig gebogen, die Spitze scharf; ihre Färbung ist wie die der 
langen Fransen (beinahe 2) dunkel braungrau, letztere schimmern 
gelblich und führen an ihrer Wurzel eine scharfe und schmale lichte 
Linie. Auch die Hinterflügel sind beim Weibchen in der Regel 
dunkler als beim Männchen. Unterseite sämtlicher Flügel bis auf 
die schmal lichten Fransenwurzeln einfärbig dunkel braungrau. 

Vorderflügellänge beim Männchen 6 — 7 5 mm, beim Weibchen 
5 — 5*5 mm; Expansion 13 — 16 mm, beziehungsweise 10*5 — 12mm. 

Die Art dürfte am besten bei fuscoaenea einzureihen sein. 

Das Tier wurde von mir zuerst in einem weibHchen Exem- 
plare, welches sich nebst anderen von mir gesammelten Stücken 
in der k. k. Hofmuseal-Sammlung befindet, am 25. Juli 1896 auf 
dem Atzberg (Michaelerb erg) bei Spitz an der Donau (Wachau) er- 
beutet; in späteren Jahren fing ich die Art in Anzahl nicht nur 
hier, sondern auch bei Dürnstein und Stein an der Donau sowie 
an den östUchen Hängen des Waldviertelplateaus bei Retz, überall 
an heißen, trockenen, spärlich bewachsenen Ortlichkeiten. Flugzeit 
von Mitte Juni bis Anfang September. 

IV. Herr Prof. Dr. M. Kitt demonstriert selbstgesammelte 
Lepidopteren , darunter : 

Erebia glacialis-alecto Hb 9, cT ab. ^-)Z^*^o Esp. vom Karlseis- 
feld (Dachstein), 31. August 1907, Pararge maera L., drei stark 
geäugte Stücke aus dem ötztal, Chrysophamis alciphon var. gordius 
Sulz, aus Otz, Lycaena meleager Esp. cT ab. versicolor Rühl, 9 ab. ste- 
venii Tr. aus Ötz, Hesperia alveus var. alticola Rbl. aus Ötz, Anaitis 
paludata var. imhutata Hb., Ötztal, Fundusfeiler, 20. August 1909. 



Versammlung am 3. März 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Bebel. 

I. Der Vorsitzende legt nachstehende Druckwerke mit einem 
kurzen Referate vor; 



Versaiuiulun^' der Sektion für Lepidopterologie. 



(93) 



Eltringham IL, Atrican Mimetic Hutterflies. (Oxford, 1910, 
4", mit 10 kolor. Tafeln.) 

Iloffmann Karl C, Humboldts Nacliriclitcn über die in Mexiko 
einheimischen seidenspinnenden Kaupen. (Mexiko, 1910.) 

March i G., Ropaloceri del Trentino. (Soc. degli Alpin, Triden- 
tini, Trento, 1910.) 

Schulz Paul, Die Nackengabel der Papilionidenraupen. (Disser- 
tation, Berlin, 1910.) 

Sitowski L.^ Experimentelle Untersuchungen über vitale Fär- 
bungen der Mikrolepidopterenraupen. (Krakau, 1910.) 



TL Derselbe legt ferner nachstehende Mitteilungen des Herrn 
Karl Dietze über Ocnogyna leprieuri Obthr. und deren Zucht unter 
gleichzeitiger Demonstra- 
tion des von dem Ge- 
nannten dem Hofmuseum 
freundlichst gewidmeten 
wertvollen Materiales vor: 

„Die Mitte bis Ende 
Mai in Philippeville in Al- 
gier auf Äcanthus, Labi- 
aten und Bubus gefunde- 
nen Raupen gaben Pup- 
pen, welche, kalt gestellt, 
ausnahmslos tiberwinter- 
ten und in der Wärme Ende 
Februar, März die Falter 
Heferten. Die Männchen 
etwas früher und anschei- 
nend zahlreicher als die 
Weibchen. Beide versteck- 
ten sich in dunklen Win- 
keln, wo sie auch Nachts ruhig sitzen blieben. Die Weibchen 
verließen den einmal angekrochenen Platz überhaupt nicht. Die 
Männchen wurden bei Sonnenbestrahlung sehr wild und unruhig, 
sie schnurrten, im Zimmer frei gelassen, in gerader Flugbahn 
gegen die Fenster. Nur bei Sonnenbestrahlung war die Copula 




Ocnogyna leprieuri Obthr. 
Links ab. morisca Obthr., rechts normales cf , links Über- 
gang, ferner 9. Puppe und Raupe. 



(94) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



ZU erzielen. Gleich nachher begann die Eiablage. Das Weibchen 
züngelte nun mit der Legeröhre das ganze damit erreichbare Ge- 
biet um sich herum ab, setzte Ei an Ei zu einem einzigen flachen 
Gelege, dessen Halbmesser die Länge des Tieres war. Das Weib- 
chen war befähigt, sich mit den korallenroten, schwarz geringelten 
Beinen an einer glatten, überhängenden Glaswand festzuhalten, das 
Männchen nicht. Es läßt das auf verschiedene Bildung der Hand- 
flächen bei den Tarsenkrallen schHeßen, was noch zu untersuchen 
wäre. Ich habe an den stark verkümmerten Flügeln der Weib- 
chen zu deren Lebzeiten keinerlei Zeichnung wahrnehmen können. 

Das Ei, wenn frisch gelegt, ist fast kugelig, auf kleiner Kreis- 
fläche aufsitzend, milchweiß mit schwacher Netzskulptur. Ein Gelege 
hatte 120, ein anderes, vom größeren Weibchen, 215 Eier. Sie 
lagen etwa 10 Tage. Ablage in der Gefangenschaft: 23. — 24. Februar 
1910. Räupchen erschienen am 4. März. (Im Freien etwas später.) 

Die Raupe: Erst transparent grau; auf Ring 4 und 10 rot- 
braune, knotige Verdickungen jederseits neben dem breiten, helleren 
Rückenstreif. Behaarung locker und ziemUch kurz. 

Erste Häutung: 11. März. Danach Verdunkelung der Fär- 
bung, Schwärzung der Knötchen und Warzen, Ring 11 jetzt rost- 
bräunlich. 

Nach der zweiten Häutung schmale weiße Rückenlinie in 
grauem Längsfeld stehend, sehr deutlich. Ringe 5, 6, 7, 8, 9 haben 
in den Seiten braune Haarbüschel. 

Dritte Häutung am 17. März. 

Am 21. März, nach der vierten Häutung, haben Ringe 5, 6, 
7, 8 auf dem Rücken braune Haarbildung. 

Am 25. März ist nach der fünften Häutung vom Rücken- 
streif nur eine feine Linie erkennbar. Vier mittlere Segmente haben 
auf dem Rücken und seitlich rostbraune Haare. 

Am 27. März hatte das erste Exemplar die letzte, wahrschein- 
lich sechste Häutung überstanden. (Es kann eine Häutung mehr 
oder weniger gewesen sein, die Tiere sind im Wachstum nicht 
gleichmäßig vorgeschritten. Sie haben durchschnittlich etwa zwei 
Tage gefressen und dann wieder jeweils zwei Tage zur Vorberei- 
tung der Häutung geruht, welch letztere in ihrem Leben eine große i 
Rolle spielt.) Nach der letzten Häutung sieht das Tier sehr ver- 



Versannnlunji der Sektion liir Lepidopterolof^ie. 



(95) 



ändert aus. Die verliiiltiiisiiiiißig- viel längeren Ilaare ^^eben ihm 
ein gedrungeneres Aussehen. Vorder- und Hinterkipper fast sehwarz- 
grau behaart; mittlere Segmente: 5, 6, 7, 8 lebhaft fuchsig rot- 
braun behaart. Ähnlichkeit mit der Plantaginis-li3iüi)Q. Geblasene 
Raupen werden entstellt. Die hierdurch weiter gestellten Haare, 
die zum Teile ausfallen, verschlucken weniger Licht, wodurch das 
Tier dann mehr grau als schwärzlich aussieht. Dagegen erkennt 
man besser die hellen Streifungen in der Gegend der Stigmen. 

Die jungen Raupen leben gesellschaftlich. Erwachsen rollt 
sich die Raupe bei Erschütterungen ein und läuft, wieder zusich- 
gekommen, mit ungeahnter Schnelligkeit. Die Geschlechtsunter- 
schiede scheinen an der Raupe schon kenntlich zu sein. Noch 
mehr sind sie es an der Puppe. 

Die Puppe liegt zwischen Erdabfällen in ziemlich dicht an- 
liegendem, ovalem Gespinnst, in das die Raupenhaare braun ein- 
gefilzt sind. Die Lebensdauer der Falter war beim cT = 7, beim 
^ = 10 Tage, ohne Nahrungsaufnahme. 

Von einem aus der Märzzucht abstammenden Weibchen er- 
hielt ich Eier, beziehungsweise Raupen, die schon in vier Wochen 
heranwuchsen und schon im April spinnreif waren. Sie ergaben 
eine sehr unvollständige Sommergeneration (im August bis Anfang 
September), die im Freien nicht vorkommen dürfte." 

Die männlichen Falter aberrieren außerordentlich in der Fär- 
bung, namentlich in der Behaarung des ganzen Körpers, der von 
rostgelb bis schwarz abändern kann. Die Vorderflügel lassen längs 
des Vorderrandes auch bei dem dunkelsten noch eine roströtliche 
Färbung erkennen. Diese stark verdunkelte Form des cT führt den 
Namen morisca Obthr. (Et. Lepid. comp., Fase. IV, 1910, p. 676, 
PI. 50, Fig. 427), wogegen die normale Form von Oberthür in 
Fig. 428 abgebildet wird. Seine Fig. 429 stellt das $ und Fig. 430 
die nahestehende, aber viel größere Ocnogyna pudens Luc. dar. (Rbl.) 

Herr Leo Schwingenschuß spricht über: 

Einige Erebien aus dem Kaprunertale. 

Das Kaprunertal in Salzburg, in welchem so bekannte Hotels 
wie das „Kesselfallhaus" und Hotel „Mooserboden" gelegen sind. 



(96) 



Versammlung' der Sektion für Lepidopterologie. 



wird alljährlich von einem solchen Menschenstrom tiberflutet, daß 
naturgemäß an Tagfaltern dortselbst nichts mehr zu entdecken ist. 

Immerhin ist das, was ich den Herren bieten kann, zwar 
nicht neu, aber doch so interessant^ daß es einer Demonstration 
würdig ist, zumal es so recht den Wert von Serien veranschaulicht. 

Mein Demonstrationsmaterial beschränkt sich auf vier Erebien- 
arten, die ich im Jahre 1909 in Begleitung des Herrn Neustetter 
erbeutete. Da dieselben einander ziemlich nahe stehen, so mußte 
ich zur Vervollständigung des Bildes auch einige Exemplare aus 
den angrenzenden Gebieten^ und zwar von der dem gleichen Faunen- 
gebiete angehörigen „Trauneralpe" und dem Glocknergebiete mit- 
einbeziehen. 

Überdies nahm ich noch Vergleichsmateriale aus anderen Ge- 
bieten mit. 

Aus den Serien herausgenommen, befinden sich vier Erebien, 
die sich verhältnismäßig sehr wenig voneinander unterscheiden. 
Erst auf Grund eines reichen Materiales kann man zu einem sicheren 
Urteil über sie gelangen. 

Diese vier Erebien sind: E. melampus Füßl, eriphyle Frr., 
manto var. pyrrhula Frey und pharte ab. phartina Stgr. Erstere 
Art stammt aus dem Glocknergebiet. 

Die Unter>c]iicde zwischen den einzelnen Arten sind in Berge- 
Rebel hervorgehoben. Ich möchte hier ausführlicher auf dieselben 
zur Sprache kommen. 

£rjp/2y7e-Männchen, Unterschied gegen var. pyrrhuia-Männchen. 

E. eriphyle. Kleiner, nicht so gedrungen und rundflügelig 
wie pyrrhula. 

Oberseite. 

Vorderflügel (eriphyle): Die rostroten Flecke in den Zellen 
2 — 5 ziemlich gleich groß, beziehungsweise die aus den- 
selben gebildete Binde ziemlich gleichmäßig breit. 

Vorderflügel (pyrrhula): Die Flecke in Zelle 2, insbesondere 
aber in Zelle 3 klein, in der Regel ganz fehlend, hingegen 
in Zelle 4 und 5 sehr stark in die Länge gezogen. 



Ver8auimlim<; der Sektion lür Lepidopterolof^i«. 



(97) 



Hinterflli^^el (eriphyle): Meistens vier rundliehc, stets unge- 
kernte Flecke, oft nur Fleck in Zelle 4 vorhanden oder 
doch angedeutet und mehr wurzelvvärts gelagert. 

llinterfliigel (pyrrhula): Gewöhnlich nur in Zelle 4 einen läng- 
lichen, häutig gekernten und mehr saumwärts gelagerten 
Fleck. 
Unterseite. 

Vorderfliigel (eriphyle): Mitte hell rotbräunlich, zusammen- 
hängende gelbliche Saumbinde. 

Vorderflügel (pyrrhula)'. Mitte nicht hell, keine Saumbinde, 
sondern nur Flecke, vrelche in Zelle 3 immer kleiner 
sind und dort gerne verschwinden. Die Farbe der Flecke 
rostrot. 

Hinterflügel (eriphyle): Farbe dunkelbraun (Stich ins Schwarz- 
graue). Form der Flecke mehr rundlich, diese meistens 
in Zelle 2 und 3, immer in Zelle 4 und 5, selten in Zelle 6, 
Fleck in Zelle 4 wurzelwärts gelagert. Fleck in Zelle 5 
stets stärker als in Zelle 6, dort überhaupt selten; die 
Flecke verlieren sich demnach immer mehr von Zelle 4 
gegen Zelle 5, 6 und 7 (Vorderrand). Fleck in Zelle 4 
niemals gekernt. 

Hinterflügel (pyrrhula): Farbe rotbraun (Stich ins Kupfer- 
farbige). Form der Flecke mehr eckige diese in Zelle 2 
und 3 gerne verschwindend. Tendenz in Zelle 4 und 6 
Flecke zu bilden, Fleck in Zelle 4 saumwärts gelagert, 
Fleck in Zelle 5 stets kleiner als in Zelle 6, in Zelle 5 
überhaupt gerne verschwindend. Flecke können vollstän- 
dig verschwinden, sind aber meistens in Zelle 4 und 6 
angedeutet. Fleck in Zelle 4 häufig gekernt. 

Unterschiede von eriphyle gegen melampus. 
E. eriphyle. Meist größer. 
Oberseite. 

Vorderflügel (eriphyle): Binde der Vorderflügel gerade, dem 
Saum nicht parallel, Apikaipunkte gewöhnlich in Zelle 2, 
4 und 5, nie in Zelle 3. 

Z. ü. Ges. 61. Bd. ff 



(98) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Vorderflügel (melampus): Binde bogenförmig' dem Saum parallel, 
Apikaipunkte gewöhnlich in Zelle 2 — 5, in Zelle 3 stärker 
als in Zelle 2. 

Hinterflügel (eriphyle): Auf den Hinterflügeln der Fleck 
in Zelle 4 länglich geformt und mehr gegen die Flügel- 
wurzel gerückt, der Fleck, beziehungsweise die Flecke 
niemals schwarz gekernt. 

Hinterflügel (melampus): Alle Flecke ziemlich gleich groß und 
in gleichen Abständen von der Flügelwurzel. Die Flecke 
in der Regel schwarz gekernt. 
Unterseite. 

Vorderflügel (eriphyle): Mitte hell rotbräunlich, die (mehr zu- 
sammenhängende) Saumbinde gelblich (stark aufgehellt). 

Vorderflügel (melampus): Mitte nicht hell, sondern von gleicher 
Farbe wie die Flügelwurzel, Saumbinde rotbraun. 

Hinterflügel (eripltyle): Dunkelbraun, Fleck in Zelle 4 länger 
und mehr wurzelwärts gelagert, Flecke nie gekernt. 

Hinterflügel (melampus): Lichter braun, Flecke ziemlich gleich 
groß, in gleichen Abständen von der Flügelwurzel und zu- 
meist gekernt. 

E. pharte var. phartina. 

* Sehr stark gestreckte Flügel, Hinterflügel mit gerundetem Saum. 
Oberseite. 

Vorderflügel: Binde, beziehungsweise Flecke fast ausnahms- 
los punktfrei, Binde wie eri^Jhyle (dem Saum nicht parallel). 

Hinterflügel: Kleine runde, niemals gekernte Flecke, Flecke 
gleich groß und in der Anlage wie bei melampus (gleicher 
Abstand von der Flügelwurzel). 
Unterseite. 

Vorderfltigel: Mitte nicht röthch, sondern von gleicher Farbe 
wie die Hinterflügel, graubraun (Stich ins Graue). 

Hinterflügel: Flecke in gleichen Abständen von der Wurzel 
und stets in den Zellen 2 — 5 gleich groß; wenn sie ver- 
schwinden, dann in allen Zellen gleichmäßig. 



Roferate. 



Referate. 

|{eehiiij?er, Dr. Karl. Botanische niid zoologische Ergebnisse einer 
wissensclial tl ichen Forschungsreise nach den Sanioa-lnseln, 
dem Nengu inea- A rchipel und den Saloinons-Insel n. III. Teil. ^) 
Bearbeitung der Siphonoganien und Lepidopteren von den Sainoa -Inseln, 
der Fungi und Hepatieae vom Neuguinea -Archipel und der Arachniden 
sämtlicher l)ereister Inseln nebst Nachträgen zu den Hepatieae und Micro- 
mycetes der Samoa-lnseln. 258 S. Mit 18 Tafeln und 34 Textfiguren. (Aus 
den Denkschriften d. math.-nut. Kl. d. kais. Akad. d. Wissensch, in Wien, 
Bd. LXXXV, 1910.) 

Dieser Teil der wertvollen Publikation beginnt mit der Bearbeitung 
der Pilze von den Salomons-Inseln (nebst Nachträgen zur Pilzflora der anderen 
bereisten Gebiete). In diese Bearbeitung haben sich G. Bresadola (Trieiit) 
und K. V. Keissler (Wien) derart geteilt, daß ersterer die Hymenomyceten^ 
letzterer alle übrigen Pilzgruppen übernahm. Neu beschrieben sind Fomes 
Bechingeri Bres. und Ganoderma incrustatum Fr. var. hüohum Bres. Die 
Diagnosen der neuen Ascomyceten und Fungi iraperfecti wurden von Keissler 
schon früher an anderer Stelle publiziert.^) 

F. Stephan i bearbeitete die Lebermoose und beschreibt 11 neue Arten 
aus den Gattungen jRadula, Plagiochila, Mastigohryum, Äcrolejeunea, ÄrcJiile- 
jeunea, Cololejeimea, Leptolejeunea, Brachiolejeunea und Frullania. 

Den größten Raum nimmt in dem vorliegenden stattlichen Bande die 
Bearbeitung der Blütenpflajizen von den Samoa-lnseln ein, welche Rechinger 
selbst zum Verfasser hat. Sie ist mit 16 Tafeln und 28 Textfiguren ausge- 
stattet. Sie beginnt mit einer sehr lesenswerten Einleitung, welche sich mit 
den pflanzengeographischen Verhältnissen der genannten Inselgruppe be- 
schäftigt. Rechinger unterscheidet folgende Formationen: I. Strandvege- 
tation: 1. Strandwald, 2. Sandstrand (Flachküste),. 3. Mangroveformation, 
4. Formation der Flußmündungen. II. Vegetation der Ebenen und der 
unteren Bergregion: 1. „Sekundärer" Wald, 2. Vegetation der Flußufer, 
ferner der zeitweise ausgetrockneten Flußbette, 3. Kulturpflanzen, 4. Die Un- 
kräuter in Pflanzungen und auf Kulturboden, 5. Flora der Wegränder, Straßen, 
Hecken und der Umgebung der Wohnstätten, 6. Zierpflanzen der Eingebornen, 
7. Zierpflanzen in den Gärten der Europäer. III. Wald der oberen Berg- 
region (Regen- oder Farnwald mit besonderer Entwicklung der Epiphyten). 
IV. Vegetation des Bergkammwaldes. V. Vegetation des „Mu" 
(Vegetation der rezenten Lavahalden). VI. Die Vegetation der Insel 
A p 1 i m a. 



^) Über den I. Teil vgl. diese „Verhandlungen", Bd. LVIII, S. (186), 
über den II. Teil, Bd. LX, S. (222). 

2) Annales mycologici, VII (1909), p. 290—293. 

g* 



(100) 



ßeferate. 



An der Bearbeitung der einzelnen Familien von Blütenpflanzen haben 
sich beteiligt: U. Martelli (Pandanaceae), H. Fleisch mann (Orchidaceae, 
gemeinsam mit Rechinger), C. de Candolle (Piperaceae), L. Radlkofer 
(Sapindaceae), J. Witasek (Solanaceae exkl. Nicotiana), K. Preissecker 
(Nicotiana), A. Cogniaiix (Cucurbitaceae), Neu beschrieben sind; Freycinetia 
Hoinhronii Martelli, Pandanus tectorius var. Upoluensis Martelli und var. savaii- 
ensis Martelli^ Drymophloeiis minutus Rech, (als subspec. von D. Beineckei 
Warb.)*, Hdbenaria tradescantifolia Rchb. viir. pinguior H. Fleischm. et Rech., 
Didymoplexis minor J. Sm. subspec. Samoensis H. Fleischm. et Rech., Zeuxine 
sphaerocheila H. Fleischm. et Rech,, CorallioTcyphos (nov.gen.!) candidissimum 
H. Fleischm. et Rech., Physurus Lilyanus H. Fleischm, et Rech., Liparis 
Savaiiensis H. Pleischm. et Rech., Calanthe lutescens H. Fleischm. et Rech., 
Eria consmilis H. Fleischm. et Rech., Bolbophyllum atroviolaceum H. Fleischm. 
et Rech.', 15 neue Piperaceenformen aus den Gattungen Piper und Peperomia 
von dem Autor C, DC; Ficus hygrophila Rech.; Cypholophus macrocephahis 
Wedd. var. Samoensis Rech., Elatostema Lilyanum Rech,; Spiraeanihemum 
Samoense A. Gray var. Lamitooi Rech.; Pueraria Harmsii Rech.; Evodia 
hortensis Forst, var. simplicifolia Rech., Äcronychia albiflora Rech.; Arytera 
samoensis Radlk.; Hihiscus tiliaceus h. var. pendulißora Rech.: Eugenia oreo- 
phila Rech.; Gynopogon oUviformis K. Schum, subspec, Apolimae Rech,, Taber- 
naemontana orientalis R. Br. var. dilatata Rech.; Premna Taitensis Schauer 
var. aprica Rech., Faradaya Savaiiensis Rech.; Cyrtandra Godeffroyi Reinecke 
subspec. Utumapae Rech., C. angustivenosa Rech., C. Vaupelii Lauterb. sub- 
spec. subvelutina Rech.; Plectronia epiphytica Rech., P. orbicularis Rech., 
PsycJwtria insularum A. Gray var, aprica Rech., P. Samoana K. Schum. var. 
microphylla Rech., P. stenocarpa K. Schum. subspec. montivaga Rech. Hiezu 
kommen noch zahlreiche neue Arten, welche schon früher in Feddes „Reper- 
torium" publiziert wurden. Aus den kritischen Bemerkungen und näheren 
Schilderungen seien jene über Solanaceen und Gesneriaceen besonders hervor- 
gehoben. 

Von zoologischen Bearbeitungen enthält der vorliegende Band jene 
der „Araneae et Arachnoidea arthrogastra" von V. Kulczynski (Krakau) 
sowie die der samoanischen Lepidopteren von H. Rebel (Wien). Kulczynski 
gibt sehr ausführliche lateinische Beschreibungen einiger wenig bekannter 
und der ganz neuen Arten; die letzteren sind Fecenia montana, CyrtopJwra 
lineata, Gasteracantha notata, Polystes nigriventer, Cosmophasis squamata, 
Bathippus Pechingeri, Palpelius (?) discedens, Cytaea subsiliens und lepida, 
Gagrella mediocris. Von Lepidopteren sammelte Rechinger auf den Samoa- 
Inseln 70 Arten, welche Rebel Anlaß boten, die erste zusammenfassende 
Bearbeitung der samoanischen Lepidopterenfauna zu liefern, mit welcher der 
vorliegende Band abschließt. Neue Arten fanden sich unter den Lepido- 
pteren nicht. 

Von den 18 prächtigen Tafeln bringen 2 Analysen von Orchidaceen- 
blüten, 14 photographische (von H. Fleischmann mit großer Sorgfalt her- 



Referate. 



(101) 



f^'estelltü) Reproduktionen von Herl)arexeni[)ljiren verschiedener Ant]ioi)l)yten, 
eine Analysen von Arachniden und die letzte ijliotograpliische Ilabitusbilder 
von Lepidopteren. F ritsch (Graz). 

Schreiber, II aus. Die M o o r e Vo r n r 1 b c r g s u n d des V ii r s t e n t u in a L i e c h- 
t e n s t e i n i n n a t u r w i s s e n s c h a f 1 1 i c Ii e r und t e c lin i s c h e r B e z i e h u n g. 
Staab, 1910, Verlag des deutj<chösterr. Moorvereins. 177 S., 1 Karte, 20Tafeln, 
88 Textabbildungen. 

Verfasser hat im Verein mit L. Blech in ger, R. Eber wein, W. v. 
Eschwege, F. Matouschek, P. Schreiber in den Jahren 1902—1906 die 
Moore Vorarlbergs (deren Verteilung — hauptsächlich im Westen des Landes 
— die beigegebene Karte illustriert) genau untersucht, und zwar, was be- 
sonders wertvoll ist, nach allen Richtungen, nicht nur botanisch, sondern auch 
geologisch und kulturtechnisch. — Im „naturwissenschaftlichen Teil" werden 
Definitionen von Moor und Torf gegeben, die auf geologischer Grundlage 
ruhen; die Einteilung der Moore erfolgt nach der Zusammensetzung des Torfes. 
Obwohl also hier vorzugsweise nach der BeschajBfenheit des Untergrundes ge- 
urteilt wird, obwohl es „keine Pflanzen gibt, welche ausschließlich auf Moor 
wachsen", werden doch „Leitpflanzen" der Moore überhaupt und der einzelnen 
Arten derselben unterschieden und namentlich aufgeführt. Die Verbreitung 
der Moose (F. Matouschek) und der Gefäßpflanzen (H.Schreiber) auf den 
Mooren des Gebietes wird genau angegeben; eine ziemliche Zahl von Moor- 
pflanzen ist sehr gut abgebildet. Eine Anzahrvon Vegetationsbildern beschließt 
das Werk, das zeigt, wie sehr die genaue Untersuchung eines beschränkten 
Gebietes vielleicht etwas generalisierte pflanzengeographische Lehren zu korri- 
gieren imstande ist. A. Ginzberger. 



Bericht der Sektion für Botanik. 

Versammlung am 18. März 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. SchifTner. 

Herr Prof. Dr. Karl Fritsch (Graz) hielt einen Vortrag: „Die 
systematische Anordnung der Monokotylen." 

Der Vortragende besprach eingehend das System der Mono- 
kotylen, das er in der neuen Auflage in Wiesners „Elemente der 
wissenschaftlichen Botanik" entworfen hatte und welches, obwohl 
unabhängig von diesem aufgestellt, in vielen Punkten mit dem von 
Wettstein in seinem „Handbuch der systematischen Botanik" auf- 
gestellten Systeme tibereinstimmt. Die wichtigste Neuerung diesem 



(102) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Systeme gegenüber liegt in der Lostrennung der Cyperaceae von 
den Glumifloren und der Vereinigung dieser Familie mit den Jun- 
caceae zu der Gruppe der Cyperales. 

Herr Prof. Dr. L. Hecke führt eine Reihe von Autochrom- 
bildern aus dem Gebiete der Phytopathologie vor. 

Zur Demonstration gelangten lebende Pflanzen aus dem bota- 
nischen Garten der Universität. 



Versammlung am 15. April 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. Schiffner. 

Herr Dr. S. Thenen hielt einen Vortrag: „Über den Gefäß- 
bündelverlauf im Perianth der Primulaceen-Blüte." 

Hierauf sprach Herr C. K. Schneider unter Vorführung pracht- 
voller Autochromaufnahmen aus verschiedenen Gartenanlagen über 
die Bestrebungen der Dendrologischen Gesellschaft in Österreich- 
Ungarn. 

Sprechabend am 22. April 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. Schiffner. 

Fräulein Stephanie Herzfeld sprach über den auf Folyticlium 
Lonchitis neu entdeckten Pilz Taphrina Wettsteiniana. 

Herr A. Teyber sprach über einige südliche Carduus-Formen 
Österreichs. 

Herr Dr. K. Rechinger legte eine Kollektion von ihm auf 
Samoa gesammelter Pflanzen vor. 

Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner demonstrierte eine Anzahl 
unedierter Abbildungen aus dem Nachlasse Schotts. 



Versammlung am 18. Mai 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. Schiffner. 

Herr Hofrat Prof. Dr. J. v. Wiesner hielt einen Vortrag: „Über 
eine Methode zur Bestimmung der Richtung und Inten- 



VtM'Humiuliin;^ (Um* Sektion tiir liotanik 



tat des stärksten (liffusoii Lichtes eines bestimmten 
ichtareales." 

Herr Privatdozent Dr. A. v. Hayek hielt einen Vortrai^: „Ül)er 
die postglazialen K limasch wankungen in den Ostalpen." 
(^Vergl. „Die Vcränderung-en des Klimas seit dem Maximum der 
letzten Eiszeit, Stockholm, 1910.) 

Sprechabend am 27. Mai 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. SchifFner. 

Herr Dr. J. Stadlmann sprach über die Verbreitung von 

Pedictdaris. 

Herr Prof. Dr. V. Schiffner sprach unter Vorweisung- der- 
artiger Sammlungen über „Taschenherbare^-. 

Hierauf legten die Herren Dr. A. Ginzberger und Dr. A. v. 
Hayek die neuere botanische Literatur vor. 

Versammlung am 17. Juni 1910. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Prof. Dr. V. Schiffner hielt einen Vortrag: „Über tro- 
pisches Obst." 

Versammlung am 21. Oktober 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. Schiffner. 

Herr Prof. F. Zach hielt einen Vortrag: „Über einige Fälle 
von Phagocytose im Pflanzenreiche." 

Ferner gelangten blühende Gewächse aus dem botanischen 
Garten der Universität zur Demonstration. 

Sprechabend am 28. Oktober 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. Schiffner. 

Herr Dr, A. Ginzberger referierte über die neueren Erschei- 
nungen in der botanischen Literatur. 



(104) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Hierauf hielt Herr A. Teyber einen Vortrag: 

Neues aus der Flora Niederösterreichs. 

Neu für das Kronland sind: 

1. Typha Shuttleworthii Koch et Sond. 

Fräulein E. Anders in Wien sammelte vor einigen Jahren bei 
Tullnerbach nächst Wien eine Typha -Art, die sie Herrn Dr. Ginz- 
b erger tibergab, welcher sofort vermutete, daß es sich um Tijplia 
ShuUleworihii Koch et Sond. handle. Eine diesbeztigliche Unter- 
suchung der Exemplare meinerseits bestätigte diese Annahme. 

Bekanntlich läßt sich T. Shuttletvorthii mit voller Bestimmtheit 
nur im Fruchtzustande erkennen, in welchem sich diese Art durch 
die die Narben überragenden Fruchthaare auszeichnet. Die Haare 
verleihen dem Kolben eine graue, manchmal beinahe silberweiße 
Farbe, welche an manchen Stellen durch die braunen Narben wie 
punktiert erscheint. Als weitere Merkmale, die, jedoch wohl sehr 
selten, annähernd auch bei T. latifolia L. auftreten, wären noch 
der niedrigere Wuchs, die schmäleren Blätter sowie der im Ver- 
hältnisse zum weiblichen viel kürzere männhche Blütenstand zu 
erwähnen. 

Die Umstände, daß diese Art im blühenden Zustande nicht 
auffällig von T. latifolia verschieden ist und an dem genannten 
Standorte meist vor der Fruchtreife gemäht wird, machen es er- 
klärhch, daß sie bisher an dem Standorte übersehen wurde. Wahr- 
scheinlich findet sich diese in Österreich bisher nur aus Steiermark 
und Vorarlberg bekannte Art noch an anderen LokaUtäten unseres 
Kronlandes, wie ein nach Kronfeld im Herbare Juratzka erliegen- 
des und bei Moosbrunn gesammeltes Exemplar einer im Blüten- 
zustande befindlichen Typha- Art vermuten läßt, welches in allen 
Merkmalen bis auf das nicht zu ermittelnde der langen Fruchthaare 
mit T. Shuttleworthii übereinstimmt. 

2. Koeleria Äschersoniana Domin, Monographie der 
Gattung Koeleria^ S. 66 und 67. 

An den beiden bisher einzigen Standorten von Koeleria glauca 
(Schk.) DC. in Niederösterreich, auf den Sandfeldern bei Gänsern- 
dorf und Baumgarten im Marchfelde, an welchen auch K. gracilis 
Pers. häufig auftritt, fand ich heuer auch die Hybride zwischen 



V(M\s;iiimilun«;' tler Sektion für liotnnik 



(105) 



den beiden Arten, K. Äschersoniana Dom. Herr Prof. Dom in in 
Prag hatte die Liebenswürdigkeit, sämtliche von mir gesammelte 
Formen des Bastardes zu untersuchen und konnte meine Vernmtung, 
daß es sich um Hybriden liandle, bestätigen. 

Domiu unterscheidet drei voneinander v^ohl auseinander zu 
haltende Formen der Verbindung K. glauca und gracilis}) Fs sind 
dies: a) K. Äschersoniana (Deutschland, Frankreich, Kußland), 
b^ K. Jmngarica (Ungarn) und c) K. soongarica (Westasien). Die von 
mir gesammelten Exemplare gehören sämtlich der Form Äschersoniana 
an. Es wäre jedoch noch zu erwägen, ob diese Mittelformen hy- 
brider Natur sind oder nicht. Dom in äußert sich betreffs dieser 
Frage auf S. 67 seiner Monographie wie folgt: „Daß es sich bei 
diesen Formen um keine Mittelformen nicht hybriden Ursprungs 
handelt, braucht wohl nicht näher erörtert zu werden. Die große 
Variabilität ihrer wichtigsten Merkmale, und dies oft bei einem 
und demselben Individuum, ließe sich schon an und für sich nicht 
anders erklären." Außerdem möchte ich noch die Standortsverhält- 
nisse der von mir gesammelten Hybriden ins Treffen führen: X. gra- 
cilis kommt überall in dem Gebiete der Sandfluren von Gänsern- 
dorf und Baumgarten vor, während K. glauca nur an einzelnen 
Punkten in dem Areale von K. gracilis auftritt. Nun erscheint 
K. Äschersoniana immer nur an solchen Stellen, wo beide Arten 
vergesellschaftet vorkommen, während an gar nicht weit davon 
entfernten Stellen, die nur von K. gracilis bewohnt werden und 
sich in ihrer Beschaffenheit durch nichts von jenen Stellen unter- 
scheiden, an denen beide Arten vorkommen, K. Äschersoniana 
niemals zu beobachten ist. Es wäre wohl noch die Möglichkeit in 
Erwägung zu ziehen, daß diese Mittelformen sich von K. glauca 
abgegliedert haben; dieser Annahme widerspricht jedoch die Tat- 
sache, daß manche dieser Mittelformen sich nur sehr wenig von 
K. gracilis unterscheiden, ja derselben habituell beinahe vollkommen 
gleichen. 

An den von mir gesammelten Formen der Hybride finden sich 
die Merkmale der Stammeltern in der verschiedensten Weise kom- 
biniert. Nach Dom in sind die Hauptmerkmale von K. glauca fol- 



^) Monographie der Gattung Koeleria, S. 66, 67. 



(106) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



gende: 1. Die verdickten Rhizome, 2. die zweireihige Stellung und 
Zerfaserung der untersten Blattscheiden, 3. die behaarten Halme, 
4. die stumpfen Spelzen und 5., was die niederösterreichischen 
Exemplare anbelangt, die niemals behaarten Blätter. K. gracilis 
hingegen besitzt keine verdickten Rhizome, zueinander parallel an- 
geordnete, niemals in Fasern aufgelöste Blattscheiden, kahle Halme, 
zugespitzte Spelzen und behaarte Blätter. Interessant sind Formen 
mit dem Habitus der einen Stammart und deutlichen Anklängen 
bezüglich der oben erwähnten Merkmale an die andere, wie z. B. 
eine Form, die habituell vollkommen K. glauca gleicht, sich von 
ihr jedoch durch weniger stumpfe Deckspelzen und durch behaarte 
Blätter unterscheidet. Exemplare, bei deren Bildung beide Stamm- 
eltern in gleichem Maße beteiligt sind, bei denen also die vor- 
erwähnten Hauptmerkmale beider Arten einander in gleichem Maße 
beeinflussen, treten meiner Beobachtung nach sehr selten auf. 

Was den Pollen der Hybride anbelangt, so gelang es mir in 
den meisten Fällen, eine geminderte Fertilität desselben (bis 40 '^/o) 
nachzuweisen. Wo dies nicht der Fall war, handelt es sich wahr- 
scheinlich um sekundäre Bastarde, was schon Dom in gelegentlich 
der Untersuchung des ihm zur Verfügung stehenden Materiales der 
Hybride vermutet. 

3. Petasites alpestris Brügger in Jahrb. d. naturforsch. 
Gesellschaft Graubündten, XXIX (1884—1885), S. 100]. [= P. hy- 
hridus (L.) G. M. Sch. X P. niveus (Vill.) Baumg.]. 

Diese Hybride findet sich sehr häufig in verschiedenen Formen 
unter den massenhaft auftretenden Stammeltern im Steinbachtale 
bei Göstling a. d. Ybbs. Ich sammelte von derselben wohl nur 
Blätter, doch zeigen dieselben den hybriden Charakter der Pflanze 
so vorzüglich, daß zur Bestimmung die blühende Pflanze gar nicht 
notwendig erscheint. Die Blätter zeigen deutlich die für P. niveiis 
charakteristische dreieckige Gestalt sowie, wenn auch in viel 
schwächerem Maße als P. niveus, die weißfilzige Behaarung der 
Blattunterseite. Den Einfluß von P. hyhridus erkennt man an der 
weniger dichtfilzigen Blattunterseite, vornehmlich aber an der Be- 
schaffenheit der Blattoberseite. Diese zeigt nämlich besonders gegen 



^) Monographie der Gattung Koeleria, S. 41. 



Vcr.saiiimlim^- dc-r Sektion für HotMiiik. 



(107) 



(Ion Kand der Bliitter zu dieselbo horstliclie Bcliaaniii^- (die Reste 
der Ju^eiidbeliaariiug), welclie die Blätter von F. hyhridus auf- 
weisen und niemals bei den Blättern von I\ niveiis angetrotlen 
werden, welelie eine vollständig- kable Oberfläcbe aufweisen. 

Bei Vergleiebung der von mir gesammelten Hybride mit den 
im Herbare des k. k. botanischen Institutes der Universität Wien 
aufbewahrten und von Dr. A. v. Hayek als P. DeschmannU Kern, 
bezeichneten Exemplare konnte ich die Identität dieser und der von 
mir gesammelten Pflanze konstatieren. Naheliegend war nun, die 
von Hayek ausgegebenen und die von mir gesammelten Pflanzen 
mit den Originalexemplaren von P. DeschmannU Kern, zu vergleichen. 
Eine diesbezügliche Untersuchung der von Deschmann an Kerner 
gesendeten und im Herbare Kerner erliegenden Originalexemplare 
von P. Beschmannii ergab mit voller Bestimmtheit, daß P. Besch- 
mannii keine Hybride zwischen P. hyhridus und niveus darstellt, da 
sie kein einziges Merkmal der erstgenannten Art aufweist. Die 
Untersuchung des gesamten Materiales von P. Beschmannii^ welches 
mir zugänglich war, ergab ferner die Tatsache, daß diese Art von 
P. niveus in keiner Weise verschieden ist. Für P. Beschmannii 
waren bisher folgende Merkmale angegeben: Die nierenförmigen, 
unterseits nur schwach filzigen Blätter sowie die nur sehr schwach 
rötliche Färbung der Blüten, Hüllschuppen und Stengelschuppen. 
Was die nierenförmige Gestalt der Blätter anbelangt, so verhält es 
sich bezüglich derselben folgendermaßen: Die zuerst erscheinenden 
Blätter von P. niveus sind nierenförmig, die folgenden nähern sich 
in bezug auf die Form immer mehr der bekannten dreieckigen 
Form der Blätter dieser Art. Die von Deschmann an Kerner 
gesendeten blühenden Exemplare weisen erst die nierenförmigen 
Blätter auf und mögen den Irrtum, daß P. Berschmannii nieren- 
förmige Blätter besitze, veranlaßt haben. Pflanzen dieser Art mit 
entwickelten Blättern, welche Deschmann an Kerner schickte 
und welche dieser kultivierte, weisen die typischen Blätter von 
P. niveus auf. Auch die schwache Behaarung der Blattunterseite 
ist eine Erscheinung, welche manchmal die Blätter von P. niveus 
zeigen. Was die Färbung der Blüten, Hüllschuppen und Stengel- 
schuppen anbelangt, so zeigen die Originalexemplare von P. Besch- 
mannii genau dieselbe rötliche Färbung wie P, niveus. 



(108) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



4. Petasites Lorezianus Brtigger in Jahrb. d. naturforsch. 
Gesellschaft Graublindten, XXIX (1884—1885), S. 102 [= P. albus 
(L.) Gärtn. X niveus (Vill.) Baumg.]. 

Auch diese Hybride, welche ich ebenfalls im Steinbachtale 
bei Göstling auffand, konnte ich nur in Blättern sammeln; sie ist 
jedoch sowie P. alpestris in diesem Stadium sofort kenntlich und 
von ihren Stammeltern leicht zu unterscheiden. An P. albus er- 
innern die sehr ungleiche pfriemliche Bezahnung der Blätter sowie 
die gegen den Rand der Blattoberfläche auftretende zerstreut borst- 
liche Behaarung als Rest der Behaarung im Jugendzustande und 
die dünnfilzige Bekleidung der Blattunterseite. Die Behaarung der 
Blattoberseite kann jedoch auch fehlen, da P. albus öfter ohne die 
erwähnte restliche Behaarung der Blattoberseite auftritt. An P. niveus 
gemahnen die mehr dreieckige Form der Blätter, der dichtere Filz 
der Blattunterseite sowie das Merkmal, daß die untersten Blatt- 
nerven meist in der Blattbuchtung am Rande der Bucht verlaufen, 
also nicht in der Blattsubstanz liegen. 

Herr Dr. A. v. Hayek bemerkt hiezu, daß ihm wohl bekannt 
sei, daß der ursprüngliche Petasites Beschmanni Kern, mit der 
Hybride P. hybridus X niveus nicht identisch sei. Die erste gültige 
Publikation des Namens P. Beschmanni erfolgte jedoch erst in 
Fritsch, Exkursionsflora für Österreich, 1. Aufl., S. 578, (1897) 
und dieser P. Beschmanni wurde in der 2. Auflage desselben Werkes 
(S. 627, 1909) für identisch mit dem Bastard hybridus X niveus 
erklärt. Aus diesem Grunde habe er (Schedae ad flor. stir. exsicc, 
21 u. 22. Lief. [1910], p. 21) diesen Namen für die Hybride bei- 
behalten, zumal der Name P. alpestris Brugg, nirgends rechtsgültig 
publiziert sei. 

Versammlung am 18. November 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. SchifFner. 

Herr Dr. K. Floericke (Stuttgart) hielt einen Vortrag: „Über 
Naturschutzparke in Österreich und Deutschland." 



Vorsainuiluiij; der Sc^ktiou für Botanik. 



(109) 



Sprecliabend am 25. November 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. Schiffner. 

Herr Privat-Dozent Dr. F. Vierhapper referierte über einige 
neuere Arbeiten, betretend die Pflanze ngeogra})hie der Alpen. 

Herr Dr. A. Ginzberger besprach die neuere botanische 
Literatur. 

Versammlung am 16. Dezember 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. Schiffner. 

Zu Beginn der Sitzung fand die Wahl der Funktionäre für 
das Jahr 1911 statt. Nachdem Herr Prof. Dr. V. Schiffner eine 
Wiederwahl dankend abgelehnt hatte, wurde über Antrag des 
Generalsekretärs Herrn J. Brunn thaler beschlossen, daß der Vor- 
sitzende in Hinkunft für die nächste Wahlperiode nicht wieder 
wählbar sei. Sodann wurden für das Jahr 1911 gewählt: Zum 
Obmann Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner, zum Obmannstellver- 
treter Herr Rud. Schrödinger und zum Schriftführer Herr Dr. A. v. 
Hayek. 

Hierauf hielt Herr Hofrat Prof. Dr. F. Ritt. v. Höhnel einen 
längeren Vortrag: „Über den gegenwärtigen Zustand eines 
großen Teiles der speziellen Mykologie." 

Zum Schlüsse demonstrierte Herr J. Brunnthaler eine Kollek- 
tion von Kalkalgen aus der Adria. 



Versammlung am 20. Januar 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Fräulein Stefanie Herzfeld hielt einen Vortrag: „Über die 
weibliche Blüte von Gryptomeria jaxjonica Don." 

Herr Dr. V. Vouk hielt einen Vortrag: „Über Protoplasma- 
strömung bei Plasmodien." 

Herr Prof. Dr. K. Wilhelm sprach über die Keimung von 
Naias marina. 



(110) 



Versammhiiig der Sektion für Botanik. 



Sprechabend am 27. Januar 1911. 
Vorsitzender: Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Privat-Dozent Dr. A. v. Hayek legte eine Kollektion 
interessanter von Prof. Urumoff in Bulgarien gesammelten Pflanzen 
vor. Darunter befand sich auch eine neue Art der Gattung Tulipa^ 
die der Vortragende als Tulipa Urumoffii nov. spec. bezeichnete. 

Bulbus ovatus tmiicis fuscis apice elongatis glahris intus ad 
hasim tantum setoso-villosis. Gaulis ad 25 cm altus flexuosus, glaber, 
in medio 3 — 4foliatus. Folia glabra glauca sensim acuminata, 
late lanceolata, inferior a 15 — 20 mm, superiora 5 — 10 mm lata. 
Flos folia superans erectus, late campanulatus phyllis ovato-lanceo- 
latis, hreviter cuspidatis intense luteis concolorihus vel extus parum 
livescentibus. Filamenta glaberrima, antheris aequilonga. 

llabitat ad Belovo in Bulgaria. 

A Tulipa Grisebachiana Pantocs., cui similis, differt foliis 
latioribus sensim acuminatis^ fdamentisque glaberrimis. 

Hierauf sprach Herr H. Neumayer über die Entdeckung 
von Asplenium Seelosii bei Römerbad in Steiermark. 

Herr Dr. A. Ginzberger besprach die neuere botanische 
Literatur. 

Herr Privatdozent Dr. E. Ja neben legte die neueste Lieferung 
der „Flora italica exsiccata" vor. 



Bericht der Sektion für Zoolog'ie. 

Versammlung am 2. Dezember 1910. 
Vorsitzender: Prof. Dr. K. Grobben. 

Der erste Punkt der Tagesordnung umfaßt die Neuwahl der 
Funktionäre. Es werden die bisherigen Mandatare per acclama- 
tionem wiedergewählt. Herr Dr. Pietschmann tibernimmt wieder 
die während der Dauer seiner Abwesenheit von Herrn Dr. Hold- 
haus geführte Schriftführerstelle. 



Vcrsnininlim}^' der Sektion für Z()(>l()y:io. 



(Hl) 



Hierauf hält llorr Dr. Th. Odlincr den angekündigten Vortrag: 
„Ober das natiirliclie System der dii;enen 'rreniatoden." 
(Mit Demonstrationen.) 

Versammlung am 13. Januar 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Fräulein Für er hält das angekündigte Referat: Neue Beob- 
aclitung-en über den Bau von Sagitta. 

Sodann spricht Herr Dr. Odhner über Samjiiinicola. 

Schließlich demonstriert Herr Prof. Dr. Werner eine 13 cm 
lange neotenische Larve von Pelohates fuscus und fügt einige Be- 
merkung-en über die Neotenie bei Amphibien überhaupt bei. 

Versammlung am 10. Februar 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Zunächst hält Herr Dr. L. Fulmek den angekündigten Vor- 
trag: „Zur engeren und weiteren Systematik der Mallo- 
phagen." 

Weiters spricht Herr Prof. Dr. Werner über den Bau der 
Lunge einiger Reptilien. 

Versammlung am 10. März 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Herr Dr. R. Ebner hält einen Vortrag: „Über die Gliede- 
rung der skandinavischen Fauna mit besonderer Berück- 
sichtigung der Orthopteren." 



I Versammlung am 12. Mai 1911. 

Vorsitzender: Herr Kustos Dr. L. Lorenz v. Liburnau. 

! Infolge plötzlicher Erkrankung des einen Vortragenden mußte 
! die Sitzung entfallen und die angekündigten Vorträge v^urden auf 
die nächste Versammlung verlegt. 



(112) 



Versammlung- der Sektion für Zoologi( 



Herr Dr. Otto Pesta hatte eine vorläufige Mitteilung ein- 
gesendet: j^Acartia pietschmanni nov. spec. aus dem Golf 
von Persien." 

Die Form steht einerseits der A. clausii-longiremis-Griipiie, 
andererseits der hifilosa-tonsa-Gmpi^e nahe. cT und 9 haben fol- 
gende gemeinsame Charaktere: Rost ralfä den gut entwickelt; 
Oberrand des 1. und 4. Gliedes der Vorderantennen mit je 
einem kleinen Dorn; letztes Thoraxsegment seitlich ab- 
gerundet, aber jederseits mit zwei mittelgroßen Spitzen 
versehen, von denen eine mehr dorsal-, die andere ventral- 
wärts sitzt; Größe 1 — 1-3 mm. 9: Der fünfte Fuß erinnert an 
den von Ä. clausi, vornehmlich in der Form der Endklaue, ist aber 
von diesem schon durch die bedeutende Streckung des Mittelgliedes 
verschieden. Die Länge der Fiederborste beträgt das Dreifache der 
Klauenlänge. Das Genitalsegment ist etwas mehr als doppelt so lang 
wie die beiden folgenden Abdominalsegmente zusammen; letztere 
und die Furca sind untereinander nahezu gleich lang. Dorsaler 
Hinterrand des Genitalsegmentes mit zwei größeren Dornen und 
seitlich je 1 (bis 2) schmalen Spitzen; Hinterrand des nächsten Ab- 
dominalsegmentes mit einer Reihe winziger Spitzen; Analsegment 
unbewehrt, aber mit seitlichen Haarreihen. Furcalborsten nicht 
geschwollen und untereinander gleich dick, cf: Aus der Gestalt 
des fünften P'ußpaares ist zu schließen, daß es sich um unreife Exem- 
plare handelt; über ihre Zugehörigkeit zu A. pietsclimanni läßt jedoch 
das Vorhandensein der oben als „gemeinsam" erwähnten Merkmale 
keinen Zweifel. 



Allg^emeine Versammlung' 

am 4. Januar 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. V. Wettstein. 



Der Generalsekretär teilt mit, daß folgende Damen und Herren 
der Gesellschaft beigetreten sind: 



Bericht über die all<;eineine VerHannnlimt;. 



(113) 



Ordentliche Mitglieder : 
P. T. Vorgeschlagen durch: 

Frl. Deiner, Dr. Elise, Wien, IX., Lüblich- 

gjvsse 4 Prof. F.Werner, Prof. T. Pintncr. 

Herr lioff'niann Fritz, Krieglach, Steier- 
mark Prof. Dr. llebel, Dr. E. Galvagni. 

„ K r a 1 j e V i c S. Jovan, Wien, XIX., Hut- 

Aveidengasse 14 Prf. Lorenz v. Liburnau, O.Reiser. 

„ Ninni, Dr. E. Conte, Venedig, alla 

Maddalena 2139 Fr. Siebenrock, A. Handlirsch. 

„ Werndl, Dr. Theodor, Wien, III., 

Jacquingasse 37 Dr. L. Fulmek, E. Michl. 

„ Wittka Richard, k. k. Professor, 

Kremsier, Milicplatz 39 den Ausschuß. 

Unterstützendes Mitglied : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Frl. Hermann Dorothea, Wien, III., Ucha- 

tiusgasse 2 J. Brunnthaler, Dr. 0. Porsch. 

Es spricht Herr Priv.-Doz. Dr. H. Zikes über die Reinzucht 
der Hefe im Laboratorium und im Großbetriebe. 

Hierauf spricht Herr Konservator J. Brunnthaler über die 
ViktoriafäHe des Sambesi und ihre Umgebung. 

Herr Georg Otto demonstriert neue Apparate der Firma Karl 
Zeiß, Wien- Jena. 

Herr Dr. 0. König stellte plastische Rekonstruktionen fossiler 
Wirbeltiere aus. 



Allgemeine Versammlung* 

am 1. Februar 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 



j Der Generalsekretär teilt mit, daß folgende Damen und Herren 
' der Gesellschaft beigetreten sind: 

Z. B. Ges. 61. Bd. h 



(114) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



Ordentliche Mitglieder : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Brosch, Dr. Otto, Wien, II., Trunner- 

straße 1 Dr. B. Wahl, Dr. K. Miestinger. 

„ Hand er Franz, Lehrer, Linz, Schu- 
bertstraße 20 Prof. H. Rebel, Baurat Kautz. 

„ Morton Friedrich, stud. phil., Wien, 

VIII., Florianigasse 7/b . . . . J. Brunnthaler, Dr. E. Janchen. 
Frl. Schleifer Louise, Wien, I., Wiesinger- 
straße 6 Prof. F. Werner, Prof. T. Pintner. 

Unterstützendes Mitglied : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Wettstein Otto R. v. Westersheim, 

stud. phil., Wien, III., Rennweg 14 Prof. v. Wettstein, J. Brunnthaler. 

Hierauf spricht Herr Priv.-Doz. Dr. R. Pöch: 
Über die Kalahari. 

Der Name „Kalahari" ist auf den Landkarten in der Regel 
über den südlichen Teil des Wüstengebietes Zentralsüdafrikas ge- 
druckt. Im Lande selbst ist dieses Wort auch für die nördlich 
davon gelegenen Gebiete bis über den Wendekreis des Steinbockes 
hinaus gebraucht. Siegfried Passarge dehnt den Begriff noch 
weiter aus und versteht unter Kalahari die ganze sandbedeckte 
zentrale Senke im Hochplateau Südafrikas, also ein Gebiet, das im 
Norden erst von der Sambesi-Kongo -Wasserscheide begrenzt wird. 
Aus der heutigen Besprechung muß die „nördliche Kalahari" im 
Sinne S. Passarges ausscheiden, weil ich diese Gegenden nicht 
bereist habe, und sie sich auch in bezug auf Bewässerung und 
Vegetation etwas anders verhalten als die übrige Kalahari. Wir 
wollen uns auf die mittlere und die südliche Kalahari beschränken, 
also auf die Länder zwischen dem Ngamisee und dem Oranjefluß, 
das ist ein Gebiet, welches allein schon Österreich-Ungarn an 
Größe übertrifft. 

Dieses ganze Gebiet ist ein Hochplateau von 900 bis 1000 Meter 
Meereshöhe, fast vollständig eingeebnet, ohne wesenthche Boden- 
erhebungen, von einer tiefen Sanddecke bedeckt und vollständig 
abflußlos. Zwischen Sambesi und Oranje gibt es heute keinen 



Bericht nhvv die allf^cMiuiiiio V(M-s:iminlim<j. 



Flußlaut' niolir, der seine Gewässer dem Meere zuführt; denn auch 
der Okawan^o entsendet nur in sehr regenreichen Jahren einen 
Üherschuß seiner Gewässer durch einen Arm, den Sselinda, zum 
Kwando, der ein Nehenfluß des Samhesi ist; in der Kegel verlieren 
sich aber die Wässer des Okawango im Sande, als Tauche, Bot- 
letle usw. Auch die Gewässer, die das Molopotal nach starken 
Regen ein Stück hinabfließen, erreichen den Oranjefiuß nicht mehr. 
Das in Rede stehende Kalaharigebiet ist also tatsächlich ein voll- 
ständig abflußloses Gebiet: kein Regenguß, der sich über dem 
Sande dieser Länder entladet, erreicht fließend das Meer. 

Der Sand der Kalahari ist ein feiner Quarzsand, der durch 
Beimengung von Brauneisenstein rötlichgelb gefärbt ist. Das Grund- 
gestein, welches er bedeckt, tritt z. B. im Gesteinsfelde des Chanse- 
feldes zutage; dort ist es Grauwacke, von der man heute noch 
nicht weiß, welcher Schicht des südafrikanischen Sockels sie an- 
gehört; in Mochudi, am Ostrande der südlichen Kalahari, liegen 
oberflächlich Ekkaschichten, bei Kuis im Molopotale ist das Rivier 
in Dwykaschichten eingeschnitten, der Beweis ist also erbracht, 
daß sich die Karooschichten weit nach Norden unter den Kalahari- 
sand erstrecken. 

Außer dem schon erwähnten wasserlosen Flußtal des Molopo 
gibt es noch andere solche „Riviere", wie der Terminus technicus 
lautet^ der dem Kapholländischen entnommen ist und eigentlich 
nichts anderes als „Fluß" bedeutet. Sie sind Analoga der Wadis 
Arabiens und Nordafrikas und rühren offenbar aus einer nieder- 
schlags- und wasserreicheren Periode her. Die größten Riviere in 
der Kalahari sind weiter das Kurumanrivier und der Nosob, beides 
Nebentäler des Molopo, ferner das Rietfonteiner Rivier und der 
1 Epukiro. 

I Sehr arm ist die Kalahari an Quellen und an stehenden Ge- 

wässern. Daß eine Quelle einen Teich füllt, ist eine Erscheinung, 
; der ich nur am Westrande des Plateaus begegnete, bei den Quellen 
j von /Oas, Olifantskloof, Rietfontein-Nord und Rietfontein-Süd. Im 
i Chansefeld begegnen wir Kalkpfannen, Kalkgestein ragt aus dem 
! Kalaharisande heraus, dort, wo auch die Grauwackeriffe zutage 
1 treten, und in muldenförmigen Aushöhlungen des Kalkes sammelt 
; sich das Regenwasser an und bleibt oft Monate lang stehen. Der 

h* 



(116) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



Ursprung dieses Kalkgesteins ist offenbar durch Auflösung aus dem 
Grundgesteine durch Wasser zu erklären; Kalkschollen und -Platten 
finden sich auch an anderen Stellen der Kalahari und sind oft eine 
sehr junge Bildung. In der südlichen Kalahari sammelt sich das 
Regenwasser gelegentHch über undurchlässigen Lehmschichten, von 
welchen der Wind den Sand weggeweht hat und an deren Rand 
sich meist Salzausblühungen finden: „Salzpfannen", Bildungen, 
welche den Playas Mittelamerikas vergleichbar sind. 

Die Kalahari ist heute ein sehr trockenes Land, die Nieder- 
schlagsmenge des ganzen zentralen Teiles ist sicher unter 250 mm 
im Jahre; diese Gebiete haben nur Sommerregen, die jährlichen 
Schwankungen sind sehr groß, die Regen sind strichweise verteilt 
und manche Gebiete bleiben oft jahrelang regenlos. Fast alle Feuch- 
tigkeit kommt von Osten, vom Indischen Ozean, die Winde vom 
Atlantischen Ozean werden durch die kalte Beuguelaströmung 
längs der Küste buchstäblich ausgetrocknet. Ostwinde sind es also, 
welche meist Regen in die Kalahari bringen, geringere Mengen 
kommen durch nördliche, aus dem Kongogebiete wehende Winde 
ins Land. Natürlich wird stets ein Teil der durch den Regen nieder- 
gegangenen Feuchtigkeit nachträglich durch Verdunstung wieder 
emporgehoben und veranlaßt so neue Niederschläge. ^ 

Ein großer Teil des Regenwassers wird in der Sanddecke 
durch Kapillarität festgehalten, und zwar durch viele Monate, oft 
noch bis ins nächste Jahr und ermöglicht so einer Vegetation das 
Dasein, die allerdings in hohem Grade an die Ausnutzung und Auf- 
bewahrung der kleinsten Menge von Feuchtigkeit angepaßt ist. 
Die Kalahari ist also keine vegetationslose Wüste, wie die Sahara, 
sondern sie ist eine wasserarme, sandbedeckte Steppe. Die Trocken- 
heit der Luft ist eine sehr hochgradige, die Abkühlung in der 
Nacht reicht nur einige wenige Tage im ganzen Jahre dazu aus, 
daß der vorhandene minimale Wassergehalt der Luft sich als Tau 
niederschlägt. 

Der Boden der Kalahari wird durch Niederschläge nicht aus- 
gelaugt, die Nährsalze werden durch Wasser nicht weggeschafft, 
die Fruchtbarkeit des Bodens ist daher relativ genügend. Nahr- 
hafte Steppengräser, Buschwerk mit Beeren, Knollen- und Zwiebel- 
gewächse, z. B. Iridaceen, melonenartige Gewächse, Citrullus-Arten 



Bericht über die allgemeine Versaininlimj;. 



(117) 



machen das Land bewohnbar für eine reiche Fauna von Antilopen- 
arten und Einhufern und auch für den Menschen. 

Die Kalahai'i ist ein Gebiet mit ganz charakteristisclier Flora, 
die vor allem wesentlich verschieden ist von der Vegetation der 
anderen südafrikanischen Wüstengebiete, also sowohl der Namib 
als auch der Karoo. Diese Verschiedenheit ist teils durch die geo- 
graphische Lage, teils durch die geologischen und meteorologischen 
Verhältnisse bedingt. Die Namib, die Wüste an der Westküste 
Südafrikas, den ganzen Küstenstrich des heutigen Deutsch-Stidwest- 
afrika einnehmend, hat uns im Zusammenhange mit ihrer abge- 
schiedenen geographischen Lage uralte Pflanzenformen erhalten, 
wie die WeUvitschia mirahilis Hook. Obzwar die Niederschlags- 
mengen ganz minimale sind, ist die Luftfeuchtigkeit durch die Nähe 
des Meeres doch relativ größer als in der Kalahari: die Namib ist 
ebenso wie der Nordrand der Sahara nahe der Küste des Mittel- 
ländischen Meeres eine „feuchte Wüste". Die Karoo gehört ihrer 
geographischen Lage nach in das Gebiet der Kapflora und bietet 
auch durch ihren harten Gesteinsboden ganz anderen Pflanzen typen 
die Bedingungen zur Existenz als die Kalahari mit ihrer Sand- 
decke und den lange in tieferen Sandschichten zurückgehaltenen 
Niederschlagsmengen. Die Kalahari ist das Gebiet von hochgradig 
an ein Trockenklima angepaßten Steppengräsern, dagegen fehlen 
in der Kalahari Pflanzen mit dickfleischigen Blättern^ wie die Me- 
semhrianthemum- Arten der Karoo. 

Dem Fremden autfallend ist die Armut und Unansehnlichkeit 
des Pflanzenwuchses der Kalahari, die in überraschendem Gegen- 
satze steht zu seinem relativ großen Nährwert: dieser kommt zum 
Ausdrucke in der besonders zahl- und artenreichen Fauna von 
Wiederkäuern, die davon lebt. Aber auch für den Menschen spielen 
die eßbaren Produkte dieser Flora direkt eine wichtige Rolle für 
die Ernährung neben dem Wilde. Darin kontrastiert dieses Steppen- 
gebiet eigentümlich zu manchem tropischen Urwaldgebiete, die nicht 
immer im Verhältnisse zu ihrer reichen und mannigfaltigen Flora 
■ Nahrung für eine große Fauna liefern können. 
I Leider ist die imposante Säugetierfauna, die früher in der 
! Kalahari lebte, heute stark zusammengeschmolzen durch Ausrottung 
und Seuche. Verhängnisvoll war die Einführung der Feuerwaffen 



(118) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



unter die Eingeborenen, der Handel mit Antilopenhörnern und die 
schrankenlose Aasjägerei der Nimrode; was übrig blieb, wurde 
Ende des abgelaufenen Jahrhundertes durch das Übergreifen der 
Rinderpest auf die Antilopenherden vernichtet. Man versucht jetzt, 
in allerletzter Stunde, durch Jagdgesetze und Verbote wieder einen 
Wildstand aufzuzüchten; in dem Teile der südliche Kalahari, der 
zum Gordoniadistrikt der Kapkolonie gehört, ist seit einigen Jahren 
eine Wildreserve angelegt. 

Im folgenden teile ich einen Auszug aus meinen Notizen über 
die Verbreitung des Wildes in den von mir bereisten Gebieten mit: 

I. Auf der Reise quer durch die mittlere Kalahari, von Gobabis 
über /Oas und Rietfontein (Deutsch-Südwestafrika) durch das 
Britisch-Betschuanaland (Chansefeld, Ngamiland, Botletfluß und 
Kama's Reich) zur Kap-Sambesi-Eisenbahn, im Jahre 1908. 

1. Um Gobabis und /Oas sah ich vereinzelte Hartebeester ^) und 

Strauße und recht häufig den Duiker und Steenbok. Öst- 
lich von /Oas gibt es auch Kudus. 

2. Bei Olifantskloof halten sich stets massenhaft Perlhühner auf, 

in der Trockenzeit kommen zahlreiche Wüstenwachteln zum 
Wasser. Wüstenwachteln sah ich in der Trockenzeit fast 
bei allen anderen offenen Wasserstellen der Kalahari: /Oas, 
Rietfontein, Kubi usw. 

3. Springböcke gibt es nur auf buschlosen Stellen, so zwischen 

Olifantskloof und Rietfontein. 

4. Das Buschland westlich von Rietfontein ist noch sehr wild- 

reich. Da gibt es auch noch Elandantilopen ; in den Rivieren 
sieht man Herden vom Gemsbock; dann gibt es auch 
Kudus und Hartebeester. Duiker und Steenbok sind sehr 
häufig, Springbock fehlt. 

5. Im Chansefeld ist heute fast gar kein Großwild mehr; ich 

hörte nur von vereinzelten Hartebeestern ; Duiker und Steen- 
bok sind noch sehr häufig. 



^) Zum Schlüsse sind die zoologischen Namen zu den hier gebrauchten 
deutschen und afrikanischen Bezeichnungen angegeben. 



Bericht über die ;ill}^oiii(Mne Vdrsiimiiiliiii};. 



(119) 



Im ganzen Gebiete lebt sehr viel Kaubzeuf,^: Leopard, 
Serval, Luchs, Graukatze, Felis nigripes (öealanionogoana), 
Gold schakal, Silber Schakal, A-Schakal, Hyäne, wilder 
Hund; Löw^e hat sich schon seit einigen Jahren keiner 
mehr gezeigt; von anderen Säugetieren sind das Stachel- 
schwein und das Erdferkel sehr häufig; dann Hasen und 
Springhasen. 

G. Auf den Flächen zwischen dem Chansefeld und dem Ngami- 
land gibt es Giraffen und Springböcke. Hier trifft man 
auch schon Löwen; es gibt auch eine Hyänenart mehr, 
den Aardwolf. 

7. Das ganze Gebiet nördlich von Tsau, das Ovangobecken mit 

seinen großen Sümpfen, ist noch außerordentlich wildreich. 
Es gibt Elandantilopen, Gemsböcke, Hartebeester^ Wilde- 
beester, Kudus^ Säbel-, Roan- und Pallaantilopen und Zebras. 
In den Sümpfen sind Flußpferde sehr häufig, außerdem lebt 
hier der Buschbock, der Kietbock und verschiedene „Wasser- 
böcke", das Letschwii und das Settatunga. Die Flüsse sind 
voll von Krokodilen und von Fischen. 

8. Weiter nördlich, besonders in den Mambabi-Flats gibt es noch 

den Büffel, das schwarze Rhinozeros und den Elephanten. 
Das Warzenschwein ist häufig, seltener das Flußschwein. 

In diesem ganzen Gebiete ist der Löwe sehr häufig 
neben dem schon oben genannten Raubzeug. 

9. Im Botletleflusse leben Flußpferde und massenhaft Krokodile, 

an den Ufern sieht man noch bisweilen Trupps von 
Wildebeestern und Gemsböcken. Es soll in dem umgeben- 
den Teile der Kalahari auch noch Giraffen, Elandan tilopen, 
Kudus und Zebras geben. Duiker und Steenbok sind 
natürlich hier wie überall sehr gewöhnlich. 

10. Bei Rra Kopo's Dorf, d. i. der Stelle, wo der Botletle in 

Sümpfen endet, sieht man auf den buschlosen Flächen 
stets Springbockherden. 

11. Zwischen Botletle und Serowe, also in Kama's Reich, sah 

ich nur gelegentlich Giraffen, Wildebeest- und Gems- 
bockspuren. 



(120) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



II. Auf den Reisen durch Süd-Rhodesien, Transvaal und die Kap- 

kolonie in der ersten Hälfte 1909. 

12. Süd-Rhodesien ist noch sehr wildreich; von den großen 

Antilopenarten ist besonders die Roan- und die Säbel- 
Antilope häufig. Der Elephant, das Flußpferd und das 
Rhinozeros sind schon ausgerottet. 

13. Im nördlichsten Winkel von Transvaal gibt es jetzt eine 

Wildreserve. Dort sind noch Zebras (Equus BurcJielli 
var. Transvaali), Wildebeester und andere große Anti- 
lopenarten. Ob auch noch Giraffen in diesem Gebiet 
leben, bin ich nicht sicher. 

14. Im Oranje-Freistaat gibt es auch noch auf einer Farm eine 

Herde Wildebeester („brindled gnu''). 

15. Im Zululande lebt noch eine kleine Herde von Bhinoceros 

simus; ein dort erlegtes Exemplar steht im Transvaal- 
museum in Pretoria. Westlich von Vryburg, um Kim- 
berley und in Griqualand-West gibt es noch Hartebeest- 
herden; die Springböcke sind dort noch immerhin so 
häufig^ daß sie in der Saison regelmäßig auf dem Wochen- 
markte in Kimberley zum Verkaufe kommen. 

III. Auf den Reisen in der südlichen Kalahari, zwischen dem 

Oranjefluß und Molopotal und das Nosobtal hinauf, von Juli 
bis September 1909. 

16. Das Dünensandfeld zwischen dem Oranjefluß und Molopotal 

ist jetzt fast in seiner ganzen Ausdehnung eine Wild- 
reserve, in welcher alle Wildarten und auch das Raub- 
zeug geschont sind. In diesem Gebiete begegnet man am 
häufigsten Gemsbock- und Straußenherden; Hartebeester 
fehlen hier, schließen sich aber im Osten an. Spring- 
böcke sind häufig in dem Molopo- und Nosobtale; dann 
sah ich Spuren vom blauen Wildebeest. Steenbok und 
Duiker sind sehr häufig; weiter nördlich im Oberlaufe 
des Nosobtales soll es noch Giraffen und Burchells-Zebras 
geben. Von Hühnervögeln sieht man Trappenarteu (Eupo- 
ditis), Korhanne (Otis) und Wüstenwachteln sehr häufig, 
im Hygaptale gibt es eine kleine Perlhuhnart. 



Bericht üIxm- dio all^^eniciiio VerHiuinnliiii;,'. (^^U 

Im ^nteii Reg:enjalirc erscliciiit ancli der Lihve in 
diesem Gebiete, Leopard und Ilyänenarten sind liäufi^, 
besonders der Wilde Hund und alle Sehakalarten. 



17. An der Siidkiiste der Kapkolonic werden im Knysnawalde 
noch Elepbanten und Kapbiiflfel gehegt. 



Die zoologischen Namen zu den deutsehen und afrikanischen 

Bezeichnungen. 



Aardwolf (Erdwolf) 


Proteles cristatus (Sparrmann). 


A-Schakal 


Otocyon megalotis (Desmar). 


Biischbock 


Tragelaphus scriptus. 


Buschschwein 


Potamochoerus choeropotamus (F. iM.). 


Duiker 


Cephalophtis- Arten. 


Eland 


Taurotragus oryx (Fall.). 


Elefant 


Elephas africanus. (Blumenb.). 


Erdferkel 


Orycteropus afer (Fall.), 


Erdwolf 


siehe Aardwolf. 


Flußpferd 


Hippopotamus amphibius L. 


Gemsbok 


Oryx gazella L. 


Gepard 


Cynaelurus guttatus (Herrn.). 


Ginsterkatze 


Genetta- Arten. 


Giraffe 


Giraffa, wahrscheinlich G. Wardi. 


Goldschakal 


Canis mesomelas (Schrbr.J. 


Grauwkat (Graiikatze) 


Felis caffra (Desm.). 


Hartebeest 


Buhalis-Arten. 


Hase 


Lepus-Arten. 


Hyäne 


Hyaena {hrunea Thbg., crocuta Erxl.). 


Kapbüifel 


Bos caffer (Sparrm.). 


Kudu 


Strepsiceros capensis (A. Smith). 


Korhann 


Otis afroides (Smith). 


Leopard 


Felis pardus L. 


Letschwii 


Cohns leche (Gray). 


Löwe 


Felis Leo L. 


Luchs 


siehe Eooikat. 


Pallah 


Äepyceros melampus (Lichtenst.) 


Perlhühner 


Numida coronata (Gray) usw. 


Rhinozeros, gewöhnl. 


Rhinoceros hicornis L. 


Rhinozeros, weisses 


Rhinoceros simus (Burchell). 


Rietbock 


Vervicapra arundinum. 



(122) Bericht über die allgemeine Versammlung. 


Koanantilope 


Hippotragus equinus. 


Rooikat (Rotkatze) 


Felis caracal (Güldenst.). 


Säbelantilope 


Hippotragus niger. 


Sealaraonogoana 


Felis nigripes (Burchell). 


Seekuh 


siehe Flußpferd. 


Settatunga 


Tragelaphus Selousi (Rothsch.). 


Silberschakal 


Viilpes chama (A. Smith), 


Springbock 


Äntidorcas eucliore (Zimmerm.). 


Springhase 


Pedetes caffer (Pallas). 


Steenbok 


Baphiceros campestris (Thunberg). 


Stachelschwein 


Hystrix africae-australis (Peters). 


Strauß 


Struthio australis L. 


Trappen 


Eupodotis- Arten. 


Warzenschwein 


PhacocJwerus aethiopicus (Cuv.). 


Wasserbock 


Cohns ellipsiprynus (Smith) u. a. 


Wildbeest 


Connochaetes taurinus (Burchell) oder C. gnu (Zimmer- 




mann), 


Wildebeest, blaues 


Connochaetes taurinus („Brindled gnu" der Engl.). 


Wilder Hund 


Lycaon pictus (Temm.). 


Wüstenwachtel 


Pteroclurus namaqua (Gm.). 


Zebra 


wahrscheinlich wohl immer: Equus Burchelli (Gray). 



Allgemeine Versammlung* 

am 1. März 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 



Der Generalsekretär teilt mit, daß folgende Dame und Herren 
der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Deubel Friedrich, Fabrikant, Brassö- 

Kronstadt, Burggasse 83 .... Dr. K, Holdhaus, J. Brunnthaler. 
„ Guglielmi, Dr. Anton, Hofrat, Wien, 

III., Siegelgasse 6 J. Brunnthaler, Dr. Zuhlbruckner. 

„ Laus Heinrich, k. k. Prof., Olmütz, 

Comeniusgasse 4 den Ausschuß. 

„ Pazourek Andreas, städt. Lehrer, 

Wien, XII., Fabrikgasse 12 ... F, Heikertinger, Alois Kelemen. 



Bericht nbv.r die ;ill^'(!inciiu^ V(m-h;iiiiimIiiu;4. (^l^d) 

P. T. Vorf(e8clilag(!n durch: 

Herr Richter, Dr. Oswald, Wien, XVIII., 

Ilofstattiii'assc 15 Dr. A. v. liayck, .1. ßrmmthalcr. 

„ Sokolaf, Dr. Franz, J. U. Hof- und 
Gerichts.advokat, Wien, III./2, Dißler- 

gasse 6 Dr. K. Hoidhaus, J. Brunnthalcr. 

„ Varga, Dr. Alexander, Gymnasial- 
professor, NagybÄnya Dr. Zahlbruckner, J. Brunnthalcr. 

Frl. Baumeister Hilda, Wien, I., Nikolai- 
gasse 1 J. Brunnthaler, Dr. E. Janchen. 

Herr Schußnig Bruno, stud., Wien, VIII., 

Blindengasse 51 J. Brunnthaler, Dr. Schiller. 

Herr Prof. Dr. F. Werner hält einen Vortrag: „Reisebilder 
aus dem algerischen Atlas." 

Herr Konservator J. Brunnthaler spricht über einige Fälle 
von Wechselbeziehungen zwischen Tieren und Pflanzen aus Afrika. 

Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein demonstrierte zwei interessante 
Pflanzenbastarde. 



Ordentliche (jeneral-Versammlung 

am 5. April 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 



Der Präsident eröffnet die Versammlung, konstatiert die Be- 
schlußfähigkeit und hält nachstehende Ansprache: 

Verehrte Versammlung! 

Einem alten Brauche gemäß fällt Ihrem Präsidium alljährlich 
in der ordentlichen General -Versammlung die Aufgabe zu, über 
Entwicklung und Leistungen der Gesellschaft im abgelaufenen 
Kalenderjahre zu berichten. Die Aufgabe ist seit einer Reihe von 
Jahren eine angenehme und leichte, weist doch unsere Gesellschaft 
eine Stetigkeit der Entwicklung auf, die uns die Überzeugung 
schafft, daß einerseits die Organisation derselben eine durchaus 
gesunde ist und anderseits die Gesellschaft in der Gestaltung ihrer 



(124) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Tätigkeit den Forderungen der Zeit zu ensprechen weiß. Ich habe 
oft schon Gelegenheit gehabt, das Wirken ähnlicher naturwissen- 
schaftlicher Vereine ini In- und Auslande kennen zu lernen^ stets 
habe ich bei einem Vergleiche derselben mit unserer Gesellschaft 
Stolz und Freude über dieselbe empfunden. 

Wenn ich ganz absehe von den positiven Leistungen der 
Gesellschaft nach den verschiedensten Richtungen, über die noch 
die einzelnen Herren Funktionäre berichten werden, so sind es ins- 
besondere zwei Eigentümlichkeiten unserer Gesellschaft, die ich für 
besonders schätzenswert halte. Die eine ist die Zusammensetzung 
ihres Mitgliederstandes. Biologen der verschiedensten Lebensberufe, 
Alt und Jung finden sich hier zusammen zu einträchtiger Zusammen- 
arbeit, zu gegenseitiger Anregung und Belehrung. Der zweite Vor- 
zug unserer Gesellschaft liegt in dem Vermeiden zu weit gehender 
Einseitigkeit. Ist auch jeder von uns, insoferne er wissenschaftlich 
selbst tätig ist, heute gezwungen, sein Arbeitsgebiet einzuengen, so 
ist es doch außerordentlich wertvoll, durch den zwangslosen Ver- 
kehr in einem Kreise von Menschen mit ähnlichen Interessen An- 
regungen aus anderen Gebieten der Naturwissenschaften zu erlangen, 
dadurch immer wieder daran erinnert zu werden, daß die Welt 
der Organismen etwas Einheitliches darstellt, das auch nach ein- 
heitlichen Gesichtspunkten beurteilt und erforscht sein will. Gerade 
im Hinblick auf diese Verallgemeinung des Gesichtskreises halte 
ich unsere paläontologische Sektion, die unter der bisherigen Leitung 
Prof. Abels sich großer Beliebtheit in unseren Kreisen erfreut, für 
eine überaus wertvolle Ergänzung unserer Gesellschaft. 

Den schon hervorgehobenen erfreulichen Zustand unserer 
Gesellschaft verdanken wir außer dem Zusammenwirken unserer 
Mitglieder den Funktionären, die als Leiter der Sektionen, als 
Sekretäre, Kasse- und Bibliotheksverwalter ihre Zeit und Mühe in 
den Dienst der Gesellschaft stellen, weshalb ich auch den herz- 
lichsten Dank an sie an die Spitze meines Detailberichtes stellen will. 

Daß auch die Kreise der Mitglieder mit der Führung der Ge- 
sellschaft zufrieden sind, beweist der Umstand, daß seit einer Reihe 
von Jahren die Mitgliederzahl auf ihrer Höhe sich hält. Im ab- 
gelaufenen Jahre steht einem Abfalle von 32 Mitgliedern ein Zuwachs 
von 33 Mitgliedern gegenüber. 



Bericht über iVw ordcintliclio (J(;nor;il -VcrHaniiiiluii^^. 



(125) 



Leider hat auch das verflossene Jahr uns wieder den Verhist 
einer Anzahl von Mi^liedern infolge ihres Ablebens ^2;el)raeiit. 

Von Ehrenmitgliedern starben: Direktor Alexander Agassi/ 
in Cambridge, llofrat Franz Bartsch in Wien und der vielen Bio- 
logen unvergeßliche Direktor des Buitenzorger Botanischen Gartens 
Melchior Treub. Aus der Reihe der wirklichen Mitglieder ver- 
schieden: Dr. A. F. Entleutner in Heran, Reg-.-Rat A. Haberl in 
Wien, Dr. Fritz Hauser in Wien, Konsul G. v. Hütterott inTriest, 
Prof. Dr. Lindner in Hermannstadt, Lehrerin Johanna Witasek 
in Wien und Percy W^right in Dublin. Wenn auch wir allen Dahin- 
geschiedenen in gleicher Trauer gedenken, so darf ich doch auf 
zwei der Genannten aus dem Grunde besonders hinweisen, weil 
sie infolge stärkeren persönlichen Verkehres uns besonders nahe 
standen, es sind dies Hofrat Franz Bartsch und Fräulein Witasek. 
Viele unserer jüngeren Mitglieder werden Hofrat Bartsch nicht 
mehr gekannt haben, wohl aber werden die älteren unter uns ihm 
ein treues Gedenken bewahren, ihm, der durch eine lange Reihe 
von Jahren fast täglich in unseren Gesellschaftsräumen weilte und 
sich der Instandhaltung unserer Bibliothek widmete. Fräulein 
Witasek besaß mit ihrem bescheidenen liebenswürdigen Wesen 
viele Freunde unter uns, die sie auch wegen ihrer gediegenen 
wissenschaftlichen Arbeiten schätzten und von ihrem tragischen 
Ende schmerzlichst betroffen waren. 

Hofrat Bartsch hatte noch kurz vor seinem Tode vermittelt, 
daß das wertvolle und große Herbarium des bekannten Brünner 
Naturforschers Hofrats Makowsky nach dessen Tode unserer 
Gesellschaft geschenkt wurde; ich benütze diesen Anlaß, um 
der Familie Makowsky hiefür unseren verbindlichsten Dank 
zu sagen. 

Von außergewöhnlichen Veranstaltungen des abgelaufenen 
Jahres möchte ich einen Abend erwähnen, an dem uns der von 
seiner Afrikareise zurückgekehrte Generalsekretär Herr Brunn- 
thal er Vegetationsbilder demonstrierte, und den Lichtbilderabend 
am 26. Oktober, der sich als eine recht gelungene neue Veranstaltung 
erwies, die in Zukunft wiederholt werden soll. Die sonstige Be- 
richterstattung über die Vortragstätigkeit sei unserem Generalsekretär 
vorbehalten. 



(126) Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 

Das mit großem Erfolge arbeitende Lehrmittelkomitee hat 
einen Verlust erlitten, indem Herr Dr. Ginzb erger, welcher seit 
Gründung des Komitees ihm angehörte und eine außerordentliche 
verdienstliche Tätigkeit entfaltete, sich infolge Arbeitstiberbtirdung 
genötigt sah, aus dem Komitee auszutreten. In Herrn Prof. Dr. 
Stadlmann haben wir einen berufenen Mitarbeiter für das Komitee 
gewonnen und möchte ich hier beiden Herren herzHchst für ihr dieser 
guten Sache zugewendetes Interesse danken. Bei der Durchführung 
der Adjustierungsarbeiten dieses Komitees hat sich Frl. L. Stenz el 
sehr verdient gemacht. 

Das pflanzengeographische Komitee hat seine die Schaf- 
fung einer pflanzengeographischen Karte vorbereitende Tätigkeit 
mit Erfolg fortgesetzt; im abgelaufenen Jahre beteiligten sich an 
den Aufnahmen im Terrain die Herren: Dr. Vierhapper, Prof. 
Dr. Nevole, J. Baumgartner, Prof. Dr. Scharfetter und Prof. Dr. 
Podpera. Dem k. k. Ackerbau-Ministerium sind wir für die Fort- 
setzung der Subventionen dieses wertvollen Unternehmens sehr zu 
Dank verpflichtet. 

Einiger Ereignisse möchte ich noch im Anschlüsse gedenken, 
die mit Bestrebungen unserer Gesellschaft in Zusammenhang stehen. 
Unsere wiederholten Bemühungen, den Naturschutz auch bei uns 
zu beleben, haben einige weitere Erfolge zu verzeichnen. 

Mit Beschluß des Gemeinderates vom 16. September 1910 
wurde im Wiener Gemeindegebiet das Verkaufen bewurzelter Stöcke 
folgender Pflanzen verboten: Pulsatiila vulgaris und pratensis, 
Anemone silvestris, Adonis vernalis, Hellehorus niger, Cyclamen 
europaeum, Primula farinosa, Gentianen, Daphne cneorum, Nar- 
cissus poeticus, Iris, alle Orchideen, Lilium martagon, Scolopendrium 
officinarum. 

Unsere Gesellschaft hat nicht verabsäumt, durch eine Ab- 
ordnung dem Bürgermeister Dr. Neumayer, dessen Initiative 
diese Verordnung zu verdanken ist, den Dank der Gesellschaft zu 
übermitteln. 

Wollen wir hoffen, daß die Maßregel etwas dazu beiträgt, den 
rasch fortschreitenden Devastierungen der Pflanzenwelt der Wiener 
Umgebung zu steuern. Soll jedoch durch dieses Machtverbot ein 
berechtigtes Bedürfnis unserer Schulen nicht unbefriedigt bleiben. 



Bericht über die ordcntlicJu; ( »((iicinr Vci'H.-iiiiniliiii^'. 



(127) 



SO sind mit' der anderen Seite Maßregeln niiti«;-, welche eine 
regelmäßige Beteilung- der Schulen mit Denionstrationspfianzen 
ermöglichen. Wir haben daher die ßegrlindiing des „Vereines zur 
Schallung eines Zentral-Schulgartens in Wien", die hier in unseren 
Räumen erfolgte, mit lebhafter Freude begrüßt. 

Wie der verehrten Versammlung bekannt ist, hat unsere Ge- 
sellschaft seit ihrem Bestehen es als ihre Aufgabe angesehen, das 
Zustandekommen eines n.-ö. Landesmuseums zu fördern. Aus diesem 
Grunde haben wir uns auch an den Arbeiten des Museal- Ausschusses 
eifrig beteiligt, der vor einigen Jahren über Anregung der „Gesell- 
schaft für Landeskunde" gebildet wurde. Die Arbeiten dieses Aus- 
schusses haben insoferne im letzten Jahre zu einem greifbaren 
Resultate geführt, als die Anfänge eines n.-ö. Landesmuseums in 
einer Reihe von Räumen eines Hauses in der Wallnerstraße, die 
der n.-ö. Landesausschuß zur Verfügung stellte, vereinigt wurden. 
Es ist ein kleiner, vielversprechender Anfang und ich möchte 
diesen Anlaß dazu benützen, um an unsere Biologen die Bitte zu 
richten, bei ihrer Sammeltätigkeit und bei Abgabe von Sammlungs- 
objekten dieses werdenden Museums zu gedenken. 

Mit dem ergebenen Danke an alle Behörden, die uns wie 
bisher in Würdigung der idealen und nützlichen Zwecke unserer 
Gesellschaft in der verschiedensten Weise förderten und unter- 
stützten, schließe ich diesen Bericht. 



Es folgen hierauf die Jahresberichte der übrigen Funktionäre: 
Bericht des Greneralsekretärs Herrn J. Brünnthal er. 

Das abgelaufene Vereinsjahr bat eine sehr rege Tätigkeit auf- 
zuweisen. Die Zahl der Versammlungen war sehr befriedigend. 
Es wurden 49 Sitzungen abgehalten mit über 90 Vorträgen und 
Demonstrationen. Die wichtigeren Veranstaltungen und Vorkomm- 
nisse sind bereits im Berichte unseres Herrn Präsidenten enthalten. 

Das Lehrmittel-Komitee hat im Jahre 1910, Dank der vom 
hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht bevrilhgten Sub- 
vention, neuerlich eine Anzahl von Lehrmitteln in je 20 Exemplaren 
herstellen können und bringt folgende Objekte zur Verteilung an 
die vom hohen Ministerium bezeichneten Schulen: 



(128) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



20 Serien botanischer Objekte in Formalin von folgen- 
den 7 tropischen Nutzpflanzen : Katfee, Tee, Zucker- 
rohr, Kakao, Baumwolle, Banane und Cinchona . 140 Obj. 

20 Serien zoologischer Objekte in Formalin von: Fluß- 
krebs, Squilla, Patella und Solen ^0 

20 Serien von SchmetterHngsbiologien, und zwar: Seiden- 
spinner und Schwammspinner 40 „ 

Zusammen . . 260 Obj. 

Die Beschaffung des Materiales der tropischen Nutzpflanzen 
war eine schwierige und kostspielige. 

Weitere Serien sind in Vorbereitung. 

Herr Dr. F. Ostermeyer hat sich wie seit vielen Jahren der 
großen Mühe unterzogen, unser Herbar in Ordnung zu halten und 
auch bereits begonnen, das uns geschenkte Herbar Makowsky 
zu spannen und einzureihen. Wir sind ihm für diese Mühewaltung 
zu wärmstem Danke verpflichtet. 

Im abgelaufenen Jahre wurde auch durch unsere Kanzlei eine 
vollständige Neuinventarisierung der Bestände unserer „Verhand- 
lungen" vorgenommen und seien unsere Mitglieder auf die noch vor- 
handenen älteren Jahrgänge unserer Zeitschrift aufmerksam gemacht. 



Bericht des Redakteurs Herrn Kustos A. Handlirsch. 

Ökonomische Gründe veranlaßten die Redaktion, den 60. Band 
unserer „Verhandlungen" in bezug auf Umfang einigermaßen ein- 
zuschränken. Er enthält um 10 Bogen weniger als der 59., ist durch 
3 Tafeln und 30 Textfiguren illustriert und bringt auf 231 Seiten 
die Berichte über 36 Veranstaltungen des Vereines nebst 6 Referaten 
und auf weiteren 512 Seiten 22 selbständige Arbeiten. Von den 
Originalmitteilungen entfallen 58 auf die verschiedenen Zweige der 
Zoologie, 6 auf die Botanik; in ersteren werden 169, in letzteren 
51 neue Formen beschrieben, was uns beweist, daß die systematisch- 
deskriptive Richtung nach wie vor von unserer Gresellschaft eifrig 
gepflegt und durch das Aufblühen anderer Forschungsrichtungen 
in keiner Weise beinträchtigt wird. 



Bericht über die ordentliche (»ciieral -VcrsMiimilim«,'. fl29j 

Von AbliaiKlliiiigcn koiiiiteii im abgelaufenen Vereinsjalire fol- 
.!;en{le ausgegeben werden: 

Uand V, lieft 4. Vierhapper, Entwurf eines neuen Systemcs der 
Koniferen. 56 Seiten, 2 Fig. 

Band V, Heft 5. Watzl, Veronica prostrata, Teuer itoa und austriaca. 
94 Seiten, 14 Tafeln. 

Hand VI, Heft 1. Holdhaus und Deubel, Zoogeographie der Kar- 
pathen. 202 Seiten, 1 Karte. 

Allen Mitarbeitern möchte ich hier den besten Dank fdr ihre 
Mühe zum Ausdruck bringen. 



Bericht des Reclinungsführers Herrn JiiHus v. Huiiger- 



byehler. 

Einnalimen pro 1910: 

Jahresbeiträge mit Einschluß der Mehrzahlungen . . K 8.034. 50 

Subventionen „ 3.090. — 

Subvention des h. k. k. Ackerbau-Ministeriums für die 

pflanzengeographische Aufnahme Österreichs . „ 1.000. — 
Vergütung des h. n.-ö. Landesausschusses für die 

Naturalwohnung im Landhause 5.000. — 

Verkauf von Druckschriften und Druckkostenersätze „ 911.89 

Interessen von Wertpapieren und Sparkassa-Einlagen „ 785.04 

Für Annoncen „ 112.80 

Unvorhergesehene Einnahmen 30. — 

Summa . . K 19.044.29 

Ausgaben pro 1910: 

Honorar des Herrn Generalsekretärs K 1.200. — 

Besoldung der Frau Kanzlistin und des Dieners. . „ 1.758.90 

Remunerationen und Neujahrgelder „ 118. — 

Gebührenäquivalent „ 39 . 15 

Versicherungsprämie für Bibliothek, Herbar und Ein- 
richtung (gegen Feuersgefahr und Einbruch) . „ 152 . 29 

Transport . . K 3.268.34 

Z. B. Ges. 61. Bd. - i 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Transport . . K 3.268.04 
Beheizung, Beleuchtung und Instandhaltung der Ge- 
sellschaftslokalitäten „ 830.62 

Der Wiener Bezirks-Krankenkasse, Versicherungsbei- 
trag (für Kanzlistin und Diener) „ 74.78 

Kanzleierfordernisse „ 1.093.33 

Porto und Stempelauslagen . . „ 1.293.14 

Herausgabe von Druckschriften: 

„Verhandlungen", Bd. 60 (10 Hefte), 
Druck, Illustrationen und bro- 
schieren K 6.073.62 

„Abhandlungen"^ Bd. V: 

1. Heft: Über die /Spiror&is- Arten 
der nördlichen Adria. Von 

Irene Sterzinger .... „ 18.75 

2. Heft: Die Moosflora der Juli- 
schen Alpen. Von Jul. Glo- 

wacki „ 44.48 

3. Heft: Die Eekonstruktion des 
JDiplodocus. Von O.Abel. . „ 59.36 

4. Heft: Entwurf eines neuen Sy- 
stemes der Koniferen. Von 

F. Vierhapper „ 62.97 

5. Heft: Veronica prostrata L., 
Teucrium L. und austriaca L. 
Nebst einem Anhange über 
deren nächste Verwandte. Von 

B.Watzl „ 177.63 „ 6.436.81 

Bücher- und Zeitschriftenankauf „ 1.297.88 

Buchbinderarbeit für die BibHothek „ 797 . 20 

Honorar für Referate „ 43 . 25 

Auslagen für pflanzengeographische Aufnahmen . . „ 655. — 
Sonstige verschiedene unvorhergesehene Auslagen . „ . 298 . 25 
Zum Ankaufe von 4<^/Qiger steuerfreier Österreichi- 
scher Kronenrente im Nominalbetrage von 3000 K „ 2.843.10 

Summa . . K 18.931.70 



Bericht über die ordentliche General -Versiumiil im pr. 



(131) 



Ferner besitzt die Gescllscliaft an Wertpapieren: 

K 12.000. — noni. Einheitliche konvertierte steuerfreie 4 ^/o ige 
Kronenrente (Mai-Noveraberrentc), 

K 5.000. — noni. Einheitliche konvertierte steuerfreie 4<^/oige 
Kronenrente (Januar- Julirente), 

K 3.000 . — nom. österreichische steuerfreie ige Kronenrente 
(mit März-September-Kupon), 

K 400. — nom. Osterreichische steuerfreie 372^/oig'G Investi- 
tionsrente (mit Februar-August-Kupon)^ 

1 Stück Rudolfs-Los, Serie 3898, Nr. 48, per 10 fl. ö. W., 

1 „ Clary-Los, Nr. 784, per 40 fl. K.-M., 

2 „ Aktien des „Botanischen Zentralblattes", Nr. 6 und 7, 
ddo. Leiden, 1. Januar 1902, ä 250 fl. 

A^rzeichnis 
der im Jahre 1910 der Gesellschaft gewährten 
Subventionen: 

Von Sr. k. u. k. Apost. Majestät Kaiser Franz Josef L K 400. — 
Von Ihren k. u. k. Hoheiten den durchl. Herren Erz- 
herzogen : 

Rainer „100.— 

Eugen ^^100.— 

Franz Salvator „ 50. — 

Friedrich „ 100.— 

Karl Franz Joseph „ 100. — 

Von Sr. Durchlaucht dem regierenden Fürsten Johann 

von Liechtenstein „ 100. — 

Von Sr. Majestät dem Könige von Bayern . . . . „ 80. — 

Von Ihrer kgl. Hoheit Prinzessin Therese von Bayern „ 20. — 

Von Sr. kgl. Hoheit dem Herzoge von Cumberland „ 40. — 

Vom hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht „ 600 . — 

Vom löbl. Gemeinderate der Stadt Wien „ 1500. — 

Subventionen für spezielle Zwecke: 

Vom hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht 

für Beteilung von Schulen mit Lehrmitteln . . „ 2000. — 



Ii 



(132) 



Bericht über die ordentliche General- Versammlung. 



Vom hohen k. k. Ackerbauministerium für die pflanzen- 

g-eographische Aufnahme Österreichs ....Kl 000 . — 

Verzeichnis 

der für das Jahr 1910 geleisteten höheren Jahresbeiträge 
von 14 K aufwärts. 

Vom hohen k. k. Ackerbauministerium 

Von den P. T. Herren: 
Dräsche Freih. v. Wartimberg, Dr. Richard . . . 
Wettstein Ritter v. Westersheim, Prof. Dr. Richard . 

Bartsch Franz, k. k. Hofrat 

Steindachner, Dr. Franz, k. k. Hofrat 

Schwarzenberg, Fürst Adolf Josef, Durchlaucht . . 
Gaidukow, Dr. K, Jolles, Dr. Adolf, Leonhart Otto, 

Nedwed Karl, je 

Boßler L., Ingenieur 

Netuschill Franz, Rossi Ludwig, je 

Imhof, Dr. Em 

Bericht des Bibliothek-Komitees. 

Die Geschäfte der Bibliothek besorgten die Herren General 
Sekretär J. Brunnthal er und Kustos Dr. A, Zahlbruckner. 
Der Zuwachs der Bibliothek im Jahre 1910 betrug: 

Ä. Zeit- und Gesellschaftsschriften: 

als Geschenke ... 4 Nummern in 6 Teilen, 
durch Tausch ... 270 „ „ 322 
„ Kauf .... 15 „ ?7 32 
Zusammen . . 289 „ „ 360 „ 

B. Einzelwerke und Sonderabdrücke: 

als Geschenke ... 87 Nummern in 91 Teilen, 
durch Tausch ... 82 „ „ 101 „ 

. Kauf . . . . 7_ „ „ _30_ „ 

Zusammen . . 176 „ „ 222 „ 



K 50.— 

„ 100.— 

„ 50.- 

„ 40.- 

„ 40.— 

„ 30.- 

„ 20.- 

„ 16.- 

r 15.— 

„ 14.- 



HiMiclii iilicr (Wo oidcntliclM! ( {cnriMl -Versnmnilim'f. 



(133) 



Ks wurden dalicr der Bibliothek 582 Nuinnierr» eiiiverleihi. 

(icselicnke widmeten der Bibliotliek die Herren: Dr. (}. y\nti|)a- 
liiikarest, Dr. J. Hernatsky- Budapest, Generalsekretär ,]. Hrunn- 
tlialer-Wien, P. Correa-Rio de Janeiro, Dr. P. Frösclil-Wien, 
Dr. A. Ginzberger-Wien, Prof. Dr. K. Grobben-Wien, Dr. A. v. 
Ilayek-Wien, Dr. W. liimmelbauer-Wien, P. K. Hofeneder-Inns- 
bruek, Ch. Janet-Paris, Dr. K. v. Keissler-Wien, 8t. Kopec, 
II. J. Löw-Szegedin, Dr. A. Luksch-Troppau, L. Mierzejewski- 
Krakau, K. Mitterberger-Steyr, Dr. 0. Nickerl-Prag, Z. P. Pantu- 
Bukarest, Dr. K. Preißecker-Wien, Dr. K. Pusclinig-Klagenfurt, 
Dr. K. Recliinger-Wien, 0. M. Reuter-Helsingfors, Prof. Dr. A. 
Richter-Kolozsvar, Dr. H. Ross-Münclien, Prof. J. Roubal-Prag, 
H. E. Rtibsamen-Berlin, Dr. P. Sabateni, Prof. Dr. V. Schiffner- 
Wien, K. C. Schneider-Wien, R. Schrödinger-Wien, Prof. Dr. G. 
Schweinfurth-Berlin, Fr. Sokolar-Wien, Dr. C. Spegazzini-La 
Plata, F. Thonner-Wien, Prof. Dr. Fr. Werner-Wien, Prof. Dr. R. 
V. Wettstein -Wien, Prof. Dr. K. Wilhelm-Wien, Kustos Dr. A. 
Zahlbruckner-Wien. 

Rezensionsexemplare liefen ein von den Verlagsbuchhandlun- 
gen: F. Deuticke-Wien und Leipzig, P. J. Goeschen-Leipzig, 
Quelle & Meyer-Leipzig, Huder-Freiburg i. Br., Kühlkopf-Kor- 
neuburg, Teubner-Leipzig und Berlin. 

Das Bibliotheks-Komitee spricht allen Spendern den verbind- 
lichsten Dank aus. 

Verausgabt wurden für die Bibliothek: 

für Ankäufe und Pränumerationen . . . K 1297.88 

„ Buchbinderarbeiten „ 797.20 

Zusammen . . K 2095. — 

Neue Tausch Verbindungen wurden eingeleitet mit der 
Revue scientifique du Bourbonnais in Moulins, 
Forstliche Versuchsanstalt in Schweden (Stockholm), 
Deutsche Entomologische National-Bibliothek in Meissen, 
Entomologische Blätter in Berlin, 
Entomologische Vereinigung „Sphinx" in Wien, 
Pomona, Journal of Entomology in Clarmont, 
Stete University of Oklohama. 



(134) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Gekauft wird: Progressus Rei Botanicae. 

Die Neusignierung der Zeit- und Gesellschaftsschriften-Biblio- 
thek wurde zu Ende geführt und mit den neuen Signaturen ver- 
sehene Zettel dem allgemein zugänglichen Zettelkataloge einverleibt. 



Die Versammlung nimmt sämtliche Berichte genehmigend zur 
Kenntnis. 

Der Generalsekretär teilt mit, daß folgende Dame und Herren 
der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder : 
P. T. Vorgeschlagen durch: 
Fräul. Houtermans Elsa, Wien, I., Börse- 
platz 6 Dr. V. Vouk, J. Brunnthaler. 

Herr Kammel J. E., Firmenvertreter, Wien, 

I., Salvatorgasse 6 A. Schatzmayr, A. Handlirsch. 

„ Nopcsa, Dr. Franz, Baron, Uj-Arad, 

Temesmegye bei Arad, Ungarn . . Prof. Dr. 0. Abel, J. Brunnthaler. 
„ Piskarsch, Dr. Othmar, städt. Arzt, 

Wien, XVI./l, Thaliastraße 146 . . den Ausschuß. 

Hierauf hält Herr Priv.-Doz. Dr. Paul Kammer er (Biologische 
Versuchsanstalt in Wien) einen Vortrag: 

Zucht- und Transplantatioiisversuclie über Vererbung kör- 
perlich erworbener Eigenschaften bei Tieren und Pflanzen. 

Beweise für Vererbung erworbener Eigenschaften sind gegen- 
wärtig in rascher Vermehrung begriffen; namentlich das Jahr 1910 
war diesbezüglich wiederum so fruchtbar, daß deren vollständige 
Besprechung im Rahmen eines einzigen Vortrages, auch unter 
gänzlichem Verzicht auf irgend welche theoretische Auslegungen, 
nicht mehr zu erreichen ist. Daß sich diese Beweise^ selbst wenn 
sie in einem oder dem anderen Punkte zu wünschen übrig lassen, 
so zusehends häufen, ist doppelt bemerkenswert in einer Zeit, da 
mehrere moderne Gegenbewegungen sich des größten Ansehens 
erfreuen. Was der Weismannismus von der Lehre, daß erworbene 
Eigenschaften sich vererben, also etwa von Geoffroy St. Hilaires 
Theorie der direkten Anpassung, von Lamarcks und Rouxs 



Bericht ül)er die» ordentlielio GoiuM'al -Versaininliinf^. 



(135) 



Theorie der funktionellen Anpassung;, beziehungsweise funktionellen 
Selbstg-estaltuni;- des Zweckmäßigen noch übrig ließ, damit schien 
der MendeHsmus im Verein mit der Mutationstheorie endgültig aufzu- 
räumen. Dennoch behauptet auch der sogenannte „Neo-Lamarckis- 
mus" seinen Platz: er und der „Neo-Mendelismus" treiben neben- 
und gegeneinander kräftig empor. Unnötigerweise befehden sie 
sich; und ich werde zum Schlüsse andeuten, wie sie sich versöhnen 
könnten. Inzwischen aber sind möglichst viele konkrete Fälle der 
Vererbung erworbener Eigenschaften vorzuführen (Skioptikon und 
Präparate) : 

I. Vererbung erworbener Eigenschaften bei ungeschlecht- 
licher Fortpflanzung: als Beispiele werden gewählt die Über- 
tragung eines durch Nahrungsmangel oder Zentrifugieren entstan- 
denen Hornes und die durch unzulängliche Ernährung entstandene 
Tendenz zu unvollständigen Teilungen beim Infusor Paramaecmm 
(Jennings, Mc. Clendon); die nicht erbliche Verschmelzung der 
Knospe mit dem Stammstück bei Äeolosoma HemjjricJdi bei Hunger, 
als Beispiel, daß vegetative Fortpflanzung mit wahlloser Übertragung- 
sämtlicher Eigenschaften, angeborener und neu entstandener, nicht 
gleichbedeutend ist (Stolc); die Erwerbung und Übertragung ge- 
ringerer Wachstumsfähigkeit bei Lumhriculus, wenn Segmente aus 
einer schwach regenerationsfähigen Körperregion als Ausgangspunkt 
für ein neues Individuum benützt wurden (Morgulis). 

IL Vererbung erworbener Eigenschaften bei eingeschlecht- 
licher Fortpflanzung, Parthenogenese: beispielsweise die von 
der Kritik ungerechterweise verdammten, alten Versuche über Ein- 
fluß verschiedenen Salzgehaltes auf die Gestalt von Ärtemia salina 
(Schmankewitsch); Züchtung einer hochhelmigen Rasse von DapJi- 
nia longisjrina bei guter Fütterung im Warmhausjbassin und Aus- 
gehen von einer reinen Linie (Wolter eck); Züchtung von lang- 
und kurzstachehgen Formen der Daphnia durch chemische Einflüsse 
(Langhans); Züchtung von Daphnien mit depigmentierten Augen 
durch Haltung im Dunklen (Kapterew), was jedoch nur eine all- 
gemeine Degenerationserscheinung zu sein scheint (Papanicolau); 
hoch- und kurzhelmige Rassen von Hyalodaphnia gingen bei Tem- 
peraturwechsel des Wassers ohne ErbUchkeit stets sofort ineinander 
über (Wolfg. Ostwald). 



(136) 



Bericht über die ordeiitliclie General -Versammlung. 



III. Vererbung' erworbener Eigenschaften bei zweigeschlecht- 
licher Fortpflanzung durch Selbstbefruchtung: Erblichkeit 
künstlicher Phyllodie bei Veronica chamaedrys^ künstlicher Blüten- 
anomalien bei Sempervivum acuminatum (Klebs); verschiedener 
Rassen von Zea mays pennsylvanica, wenn die Mutterpflanzen durch 
Verdrehung und Verstümmelung des Haupthalmes verändert waren 
(Blaringhem). 

IV. Vererbung erworbener Eigenschaften bei zweigeschlecht- 
licher Fortpflanzung durch Kreuzbefruchtung: eigentlich 
keine Vererbung, aber gleichsam das künstliche Schema einer solchen 
bei Übertragung von Fremdkörpern (Farbstoffen), mit denen die 
Eltern gefüttert worden waren, auf den Keim : Fütterung der Raupen 
von Tineola hiselliella mit Sudanrot III (Sitowski), dasselbe bei 
Meerschweinchen (Gage), Hühnern (Riddle). Ein Analogiefall in 
der Natur: Transport von Zoochlorellen aus dem Entoderm von 
Hydra viridis ins Ei, von Nußbaum als Vererbung erworbener 
Eigenschaften in Anspruch genommen, da die Vergesellschaftung 
mit Algen unmöglich als Keimesvariation angesehen werden könne. 

Weitere zoologische Beispiele: Verdüsterung der Flügelfärbung 
durch Frost bei Vanessa urticae (Stan df uß), bei Arctia caja (Fischer), 
durch Hitze bei Äbraxas grossulariata (Schröder); Veränderung der 
Flügelfärbung durch verschiedene Nahrung bei Lymantria dispar 
(Pictet); Variationen in bezug auf Nahrung, Bewegungen und Wahl 
der Pflanze für die Eiablage bei Phratora vitellinae (Schröder); 
Variation des Nestbaues, und zwar Einrollen der Blattränder statt 
der Blattspitze bei Gracilaria stigmatella (Schröder); erbliche Herab- 
setzung der positiven Phototaxis bei DrosopJiila ampelopliora durch 
Haltung im Finsteren (Payne); erbliche Fortpflanzungs- und Ent- 
wicklungsveränderungen bei Alytes ohstetricans; erbhche Fortpflan- 
zungs- und Farbveränderungen bei Salamandra maculosa und atra; 
erbliche Anpassung an die Bodenfarbe bei Molge cristata, Eana 
agilis, Biifo vulgaris, Lacerta serpa, Limax agrestis (Kamm er er). 

* 

Alle diese Tatsachen beweisen wohl, daß erworbene Eigen- 
schaften bei den Nachkommen auch in Abwesenheit der induzie- 
renden Faktoren wieder auftreten können, daß sie sich somit ver- 



Hcriclit ühvr die orckMitliclic (Icncral - V(M•H:mllll!llll;,^ 



(137) 



erben, aber sie trafen nichts Entscheidendes bei zu der Fra^e, ob 
dies durch soniatiselie Induktion (verniittebide IJeizleitun^- des 
Sornas) oder Parallelinduktion (gleielizeitige, direkte HeeinfhiOun«,^ 
des Keiniplasnias) geschieht. Bei Leptinotarsa ist eine Trennung;- 
der sensiblen Perioden für Körper und Keim möglich (Tower); 
somit scheinen die Keimzellen auf direktem physikalischen AVege 
durch äußere Einflüsse erreichbar zu sein. Andere Versuche aber 
sprechen auch für die Möglichkeit der indirekten, physiologischen 
Keizühertragung vom veränderten Körperteil zu den vorerst nicht 
mitveränderten Keimzellen: gesetzmäßige Veränderungen der Ovo- 
genese, Reduktions- und Furchungsteilungen bei Cijclops, wenn die 
Weibchen mit Eiersäcken einer Äther- oder Chloroformnarkose, 
jähem Temperaturwechsel oder mechanischen Insulten unterworfen 
werden (Schiller); ferner 

V. Die Versuche mit Gonadentransplantation: reinrassige 
schwarze Hennen mit Ovarien von weißen, befruchtet mit weißem 
Hahn, liefern außer weißen auch schwarz gescheckte Küchlein 
(Guthrie), ebenso Vertauschung der Eierstöcke bei weißem und 
schwarzem Kaninchen (Magnus). Hingegen kein Einfluß der Tra- 
gamme bei analogen Operationen an weißem und schwarzem Meer- 
schwein (Castle), weißer und grauer Hausmaus (Poll), Angora- 
und belgischem Riesenkaninchen (Heape), Ei-Implantation bei 
Giona intestinalis, wobei die Eier weder ihre Immunität gegen 
Samen des Individuums, aus welchem sie entnommen waren, noch 
die Befruchtungsfähigkeit gegen Samen des Individuums, in welches 
sie übertragen worden waren, einbüßen (T. H. Morgan). 

Die Ovarientransplantationen des Vortragenden an gefleckten 
und gestreiften Salamandern sind vielleicht geeignet, diese Wider- 
sprüche wie überhaupt die Gegensätze zwischen „Lamarckismus" 
und „Mendel-Weismannismus" — beide Schlagworte im weitesten 
Sinne — auszugleichen. Beeinflussung des Ovariuras seitens des 
Sornas der Tragamme fand nämlich immer nur dann statt, wenn 
die Tragamme nicht einer alten Naturrasse angehörte, sondern 
wenn an ihrem Körper Eigenschaften sich in quantitativer Zu- oder 
Abnahme oder in qualitativer Veränderung befanden, also kein 
dynamisches Gleichgewicht herrschte. Auf die ßastardierungsgesetze 
angewendet, würde dies folgendes zu bedeuten haben: 



(138) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Jede Bastardierung ist nämlich eigentlich eine auf natürlichem, 
nicht operativem Wege vor sich gehende Transplantation von Keim- 
stofFen. Und die Mend eischen Regeln zeigen, daß in einem Körper 
mit ganz anderen Eigenschaften jene bei der Begattung hinüber- 
gelangten Keimstoffe ihre eigenen Eigenschaften mit größter Zähig- 
keit festhalten, so daß sie immer wieder in einem gewissen Prozent- 
satze der Nachkommen unverfälscht zutage treten; es handelt sich 
aber immer nur um wohl befestigte, alte, ruhende Eigenschaften, 
die keinen Farbe oder Form verändernden Reiz mehr auf ihre 
engere und weitere Umgebung und daher auch auf den Keim aus- 
üben. Wo erworbene Eigenschaften in der Kreuzung mit unver- 
ändert gebliebenen nach der Mend eischen Regel gehen (brutpfle- 
gende mit nicht brutpflegenden Älytes ohstetricans, typische Formen 
von Leptinotarsa-Arten mit ihren jeweiligen Hitze- und Trocken- 
heitsaberrationen), handelt es sich ebenfalls nicht um Eigenschaften, 
die im strengen Sinne des Wortes neu sind, sondern nur um Wieder- 
erweckung von alten, verloren gewesenen Eigenschaften, um ein 
Wiedereinlenken in die seither verlassene Entwicklungsbahn der 
Vorväter. Daher konnten jene Rückschlags- oder atavistischen 
Merkmale bereits einen hinreichenden Grad der Festigung erlangt 
haben, wie er erforderlich ist, um in der Mischung mit anderen 
Merkmalen nicht unterzugehen. Sind Eigenschaften aber tatsächlich 
frisch erworben und allenfalls in Reinzucht dennoch schon vererb- 
lich, so ist ihre Aufspaltung im Sinne der Mendel sehen Regel bei 
der Bastardzucht nichtsdestoweniger unmöglich. Hievon überzeugten 
mich kürzlich durchgeführte Kontrollversuche mit Tieren, die sich 
der betreffenden Anpassung erst sehr kurze Zeit hatten erfreuen 
dürfen; hier ist keines von beiden allelomorphen Merkmalen domi- 
nant^ sondern die Nachkommen stehen diesbezüglich ungefähr in 
der Mitte zwischen ihren Eltern und die erworbene Eigenschaft 
flaut langsam ab, wird immer schwächer, um endlich ganz zu ver- 
schwinden. 

Hat aber die erworbene Eigenschaft, sei es durch Paarung 
gleichsinnig veränderter Individuen, sei es — was in der Natur 
wohl häufiger vorkommen dürfte — durch ununterbrochene Wirkung 
des verantwortlichen Faktors auf mehrere Generationen, Gelegen- 
heit gehabt, die entsprechende Konstitutionsänderung im Chemismus 



Bericht über die ordtMitliclK; Gonorai - Vci-.h.-iiiiiiiIiiii;^'. 



(139) 



des Keiniplasnias /u vollziehen; ist die erworbene Ei^^enseliiif't im 
Keim definitiv einverleibt, Ikstandteil seiner i^enotypiscben (^rund- 
la^e i^eworden, so kann sie nieht mehr untergeben, sclbstverstilnd- 
lieb abgesehen von der jetzt etwa einsetzenden Wirksandvcit eines 
konträren äußeren Faktors. Und wenn nunmehr der morplio^^ene 
Reiz in dem Maße abnimmt, als die neue Eigenschaft zur alten 
wird, als sie länger ins Eigentum ihres Erwerbers und Trägers 
übergegangen ist und dieser sich gleichsam daran gewöhnt, dann 
sehen wir denjenigen Zustand erreicht, den alle Mendel-Versuche 
zutage fördern: die vom Weismannismus und Mendelismus geforderte 
reinliche Scheidung zwischen Erbeinheiten und körperlichen Eigen- 
schaften, also zwischen germinalem und somatischem Plasma. Erst 
nach Akquisition, Translation und Implikation kommt für jede 
körperliche Eigenschaft die Periode der Ruhe, auf welche Worte 
von Erwin Baur Anwendung finden: „Die äußeren sichtbaren Eigen- 
schaften einer Pflanze oder eines Tieres und die durch Bastardie- 
rungsanalyse erkennbar gewordenen Erbeinheiten sind durchaus 
verschiedene Dinge." 



Allg'emeine Versammlung' 

am 3. Mai 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 

Der Generalsekretär legt das erschienene Heft 2 des VI. Bandes 
der „Abhandlungen" vor: 

Julius Baumgartner, Studien über die Verbreitung der Gehölze 
im nordöstlichen Adriagebiete. Preis für Mitglieder K 1.20. 

Herr Prof. Dr. H. Iltis hält einen Vortrag : „Aus dem Leben 
Gregor Mendels." 

Herr Prof. Dr. F. Werner spricht über einige merkwürdige 
Stellungen und Bewegungsarten bei Reptilien. 



(140) 



Referate. 



Referate. 

Wisseiischaftliolic Ergebnisse der Schwedisclieu Expedition nach dem 
Kilimaudjaro, dem Meru und den umgebenden Massaisteppen Deutsch- 
Ostafrikas 1905—1906 unter Leitung von Prof. Dr. Yngve Sj Ostedt. 
Herausgegeben mit Unterstützung der königl. schwedischen Akademie der 
Wissenschaften, Stoel^holm 1910. 3 Bände. 2328 Seiten, 87 Tafeln. (Palm- 
quists Aktiebolag, Stockholm.) 

Der Autor, der schon durch seine in den Jahren 1890—1892 ausgeführte 
zoologische Reise nach Kamerun als erfolgreicher Afril^aforscher bekannt ist, 
war mit einer großen Expedition 1905 und 1906 in Ostafrika im Gebiete des 
Kilimandjaro und des Meru sowie in den Massaisteppen gewesen und hat 
von dort ein unendlich reiches zoologisches Material heimgebracht, das in 
dem nun vollendet vorliegenden umfangreichen Werke veröffentlicht und 
bearbeitet wird. 

Den systematischen Arbeiten schickt Prof. Sj Ostedt ein Vorwort voraus, 
in dem er den Verlauf' der Expedition sowie die klimatischen, örtlichen, 
ethnographischen, floristischen und faunistischen Verhältnisse anziehend schil- 
dert-, mit Spannung und Vergnügen wird auch der Laie diesen Teil des Werkes 
lesen und Achtung gewannen vor der großen wissenschaftlichen Leistung und 
der aufopfernden Ausdauer und Energie des Verfassers. 

Das zoologische Ergebnis der Reise war eine reiche Ausbeute aus allen 
Klassen des Tierreichs, die von zahlreichen Spezialisten wissenschaftlich in 
den folgenden Teilen des Werkes bearbeitet wird. Prof. Sj Ostedt hat von 
seinem etwa zwOlfmonatlichen Aufenthalte in Ostafril^a nicht weniger als 
60.000 Tiere in über 4300 Arten mitgebracht; hievon werden im Werke 1448 
neu beschrieben. Zeugt dies von dem Fleiße und Eifer des Sammlers, der 
sich zu diesem Zwecke durch Monate auf der einsamen, in 1300 m SeehOhe 
gelegenen Bergstation von Kibonoto aufgehalten und als erster Europäer die 
Schneefelder des Kilimandjaro betreten hat, so überrascht fast noch mehr die 
gewaltige Energie und Anspannung der geistigen Kräfte, die es Prof. SjO- 
stedt ermöglichten, nach der geradezu unglaublich kurzen Zeit von kaum 
4^2 Jahren ein abgeschlossenes Werk über die Reise und ihre wissenschaft- 
lichen Ergebnisse zu veröffentlichen; wenn sich auch Prof. Sj Ostedt hiebei 
eines Stabes bewährter Fachmänner zur Bearbeitung ihrer Spezialgruppen 
bedient hat, die größte Arbeitslast entfiel doch wieder auf ihn selbst, der 
die Vögel, die Oestriden und zahlreiche kleine schwierige Gruppen bearbeitete 
und überdies die Leitung und Organisation des Ganzen zu besorgen hatte. 
Die rasche Vollendung des Werkes ist umsomehr anzuerkennen, als vor 
Sj Ostedt der Kilimandjaro und Meru in ihrer Fauna kaum bekannt waren 
und daher in vielen Gruppen erst die Grundlagen für die systematische Be- 
arbeitung festzustellen waren. Vielleicht lag allerdings gerade hierin der 
beste Anreiz für die Autoren zum intensiven Studium der Ausbeute Sj Ostedts. 



Referate. 



(1-11) 



Ks würde zu weit führen, liior die Nanion der einzelnen Bearbeiter zu 
nennen oder ein Verzeichnis der neuen Gattun«'en und Arten zu flehen. Wir 
müssen uns beg-niigen, auf den holien wissenschaftiiehen Wert der unifan^;- 
reiehen Publikation im allgemeinen hinzuweisen und der schönen Ausstattuiii;- 
des Werkes, speziell der vollendeten Ausführung der beigegebenen 'r:ifelii 
und Abbildungen zu gedenken. 

SehlielJlich können wir es uns nicht versagen — vielleicht gerade, weil 
wir in Österreich, dem Kelche der vielen Sprachen, die in neuester Zeit auch 
häuüg zu wissenschaftlichen Publikationen benützt werden, dies nicht gewohnt 
sind — zu erwähnen, daß die Arbeiten nur in deutscher, französischer oder 
englischer Sprache geschrieben sind und daß der verehrte Autor selbst, 
sowohl in der Einleitung wie in seinen systematischen Arbeiten, der deutschen 
Sprache den Vorzug gab. 

Wir verdanken Herrn Prof. Sjöstedt nicht nur die erste wissenschaft- 
liche zoologische Erforschung des liöchsten Bergriesen Afrikas, sondern er 
hat in seinem monumentalen Standardwerke uns auch eine ungeahnte Be- 
reicherung unserer Kenntnisse in systematischer und biologischer Hinsicht 
vermittelt. F. Spaeth. 



Bericht der Sektion für Lepidopterolog'ie. 

Versammlung am 7. April 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebe!. 

I. Der Vorsitzende macht Mitteilung- von dem am 10. Januar 
d. J. in London erfolgten Tode des bekannten englischen Lepido- 
pterologen James William Tutt. 

Ferner von der Übernahme der Schriftleitung der „Entomo- 
logischen" Rundschau" durch Dr. Karl Grünberg in Berlin. 

II. Derselbe berichtet über nachstehende Druckwerke: 
Dietze K., Biologie der Eupithecien. (82 Taf., Berlin^ Fried- 
länder & Sohn. Mk. 100.) 

Hampson G. F., Catalogue of the Lepidoptera, Phalenae. 

Vol. X. (Noctuiden, Fortsetzung.) 
Oberthür Charles, Etudes Lepidopterologie comparee. Fase. IV. 

(Ein ausführliches Referat wird erstattet werden.) 
Dasselbe. Fase. IV — . (Afrikanische Saturniiden.) 



(142) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Pagenstecher, Dr. Arn., Die Lepidopteren der Arn- und Key- 
Inseln. (Frankfurt, 1911.) 

III. Herr Fritz Wagner demonstrierte unter anderen Hypo- 
lycaena livia Klug aus der Umgebung Beiruts und bemerkt, daß der 
Falter bisher für Syrien nicht angegeben war.^) Weiters ein Exem- 
plar von Hemaris fuciformis L. von Brüx (Böhmen), bei welchem 
die Behaarung des Körpers grau (statt grün) erscheint. 

IV. Herr Dr. K. Schawerda weist unter anderen eine Aber- 
ration von Ächerontia atropos L. vor, bei welcher Thorax und 
Vorderflügel sehr stark blau bestäubt sind. Das Stück stammt aus 
Niederösterreich. 

Ferner Ährostola asclepiadis Schiff Sih.jagotvi Bart., im Lechner- 
graben bei Lunz erbeutet. Herr Prof. Kitt bemerkt, daß er diese 
dunkle Form auch in Ötz gezogen habe. 

V. Herr Dr. Eg. Galvagni gibt bekannt, daß er Erebia pliarte 
Hb. am 23. Juli v. J. auf der Schneealpe (Karlalm) auf niederöster- 
reichischem Gebiete erbeutet habe, woher die Art bisher nicht an- 
gegeben erscheint. Auch Erebia manto Esp. flog dort in Über- 
gängen zu ab. ocellate Wagn. und Choreutis myllerana F. 

VI. Herr Prof. M. Kitt demonstriert Phigalia pedaria ab. ex- 
tinctaria Stndf. von Grinzing bei Wien. 

Vn. Herr Prof. Kebel gibt unter Vorweisung von Beleg- 
stücken einen Beitrag zur Lepidoptereiifaiiiia von Syrien be- 
kannt. 

Dem k. k. Naturhistorischen Hofmuseum sind in letzter Zeit 
von nachstehenden Personen Materialsendungen aus Syrien zu- 
gekommen, unter denen sich eine Anzahl unbeschriebener oder wenig- 
stens faunistisch sehr interessanter Arten befanden. 

Herr Prof. Dr. Theod. Götschmann in Breslau schickte 
den größten Teil der hier erwähnten Arten, die zumeist den so- 



^) Kürzlicli erbeutete ihn Herr Herzog auch am Libanon (XXI. Jahresber. 
des Wien. Ent. Ver., S. 89). 



Versannnliin^ der Sekfioii für TjO|>i(lopf(M"()l()^n(;. 



genannten Mikrolepidopteren angehören. Dieselben wurden von 
Herrn Herrn. Watzdorf, einem JJreshiuer Samnüer, welelier zwei- 
mal Palästina besuchte und dort auch einen deutschen IJandwerks- 
burschen engagiert hatte, der für ihn hei einer Fischerh litte am 
Unterlaufe des Jordan Lichtfang betrieb, in den Jahren 11)01 und 
1902 erbeutet. Herr Prof. Götschmann iiberliell in liehensvvUrdig- 
ster Weise die Typen der meisten hier beschriebenen Arten dem 

l Hofmuseum, wofür ihm auch an dieser Stelle wärmstens gedankt sei. 
Auch Herr Prof. G. Stange in Friedland, dem das Ilofmuseum 
schon so zahlreiche wertvolle Mikrolepidopterenarten verdankt^ wid- 

" mete demselben einige Arten aus der Umgebung Beiruts, wo sie 
Herr B rasch gefangen hatte. 

Von Herrn Julius Herzog, der Uber seinen „Schmetterlings- 
fang in Ägypten und Syrien" kürzlich selbst berichtete/) konnte 
das Hofmuseum ebenfalls einige interessante Arten erwerben. 

Noctuidae. 

1. Agrotis haifae (Stgr.) herzogi nov. subspec. (g). (Fig. 1.) 

Von dieser nach zwei weiblichen Stücken von Haifa, die 
durch die Baron Kalchbergsche Sammlung an das Hofmuseum 
gelangten, aufgestellten Art 2) wurden zwei weitere weibliche Stücke 
von Herrn Herzog, und zwar eines Ende März 1910 im Libanon- 
gebiet,^) das andere am 2. April bei Beirut erbeutet. Diese Stücke 
weichenvon den Typen namentlich durch die ganz verloschene weiße 
(gezackte) Wellenlinie der Vorderflügel ab, der jedoch bei ihnen 
basalwärts, in den Zellen 2 — 5, schwarze Pfeilstriche anliegen, die 
bei den Typen kaum angedeutet sind. Das Stück von Beirut ist 



1) XXI. Jahresber. des Wien. Ent. Ver., 1910, S. 85—91. — Die Liste 
enthält zwei autfällige Bestimmungsfehler, die hiemit berichtigt seien: 1. wurde 
Vieris rapae L. (und nicht P. napi) bei Beirut erbeutet, wie ein vorliegen- 
des, schwach gezeichnetes Pärchen und ein , welches der ab. leucotera Stef. 
angehört, beweisen; 2. muß es (S. 90) heißen vier Stück Agrotis ypsilon Koth 
(= suffusa Hb.) und nicht Agrotis strigula var. suffiisa Tutt (von den Shetland- 
inselnü). 

2) Dieselbe blieb Hampson bei seiner Revisionsarbeit unbekannt (vgl. 
Cat. Lep. Phal., Vol. IV, p. 664). 

^) Herzog, I.e., S.90, gibt als Fundort Chebak am Libanon, 2. Mai (?) an. 



(144) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Fig. 1. 

Afjrotis haifae herzogi Rbl. 9- 




1. . 



Überdies viel kleiner, mit fast ein- 
tönigen bräunlicbenVorderfliigelu. 
Das andere, den Typen in dem 
Färbungskontrast der Vorderflügel 
näher kommende Stück wurde 
hier (in Fig. 1) zur Abbildung ge- 
bracht. Die Hinterflügel sind bei 
beiden Stücken, wie bei den 
Typen, bis auf den graubestäub- 
ten Vorderrand rein weiß. 



Möglicherweise handelt es 



sich bei den Beiruter Stücken, die an das Hofmuseum gelangten, 
nicht um eine Lokalform, sondern nur um Aberrationen, die jedoch 
nach ihrem Entdecker den Namen führen mögen. 



2. Lithostege bißssana nov. spec. (cf). 

Ein einzelnes^ gut erhaltenes aus dem Jordantal (Wutz- 
dorf 1903) erhielt ich von Herrn Dr. Götschmann (Breslau) zur 
Bestimmung. Dasselbe gehört einer neuen Art bei Lithostege fissn- 
cata Erb. an. 

Die Fühler bräunlich, kurz bewimpert. Die Hornklaue der 
ebenfalls verdickten Vorderschienen kurz, aber deutlich. Sonst die 
allgemeine Färbung, auch des Körpers, aschgrau. Die Vorderflügel 
sehr gestreckt und schmal, aschgrau und weiß gemischt, dunkler 
bestäubt mit schwärzlicher Längszeichnung, die aus einer einfach 
bleibenden, die Vorderflügelspitze teilenden Längsstrieme, w^elche 
sich dann nur in Punkten auf den Adern gegen den Innenrand 
verfolgen läßt, und aus einer parallelen Strieme besteht, die etwas 
vor der Spitze am Vorderrand einfach beginnt, sich bei Eintritt in 
die Mittelzelle gabelt, aber an der Kubitalader endet. Gleichsam 
als Fortsetzung derselben liegt am Innenrand eine halboval ge- 
schlossene schwärzliche Linie. Die Fransen weiß, mit sehr feiner 
schwarzer Basallinie (Saumlinie) und einer grauen Teilungslinie 
vor dem Ende. 

Die Hinterflügel weißgrau, fein dunkel bestäubt. Die etwas 
glänzende Unterseite der Vorderflügel grau, nach außen weiß- 



Gfeoiuetridae. 



VerHannnlim«; der Soktion für Lopidopterologie. 



(145) 



lieh, jene der Ilinterlltigcl weiß. Vorderllligellän^e 13 5, Expansion 
I 27 mm. 

Von der tiinesiselien lAihostcgc fissurata Mab.^) durch die nicbr 
^raiie Färhunj;- der Vorderliiigel und die doppelte Striemenzeiclmuiig- 
derselben sogleich zu unterscheiden. 

3. Prionia berytana nov. spec. (cf). 

Von der Gattung- Prionia Wh}) waren bisher nur Arten aus 
dem indonialayischen Faunengebiete und Japan bekannt. Herr 
' Herzog fing nun im April v. J. bei Beirut ein unzweifelhaft dieser 
Gattung angehöriges Stück, welches an das Hofmuseum gelangte. 
Dasselbe gehört nach den ungestielten Adern und der Vorder- 
flügel in die erste Gruppe der Gattung in die Nähe von squalidaria 
Hb., deren Flügelschnitt die vorliegende Art auch genau besitzt. 

Die rutenförmig gekämmten Fühler sind bräunlich. Die all- 
gemeine Färbung, auch des Körpers, ist ein rötliches Veilgrau. 
Die Vorderflügel zeigen eine scharfe Spitze und einen in der Mitte 
stumpfeckig vorspringenden Saum, der gegen den Innenwinkel sehr 
schräg abgeschnitten ist. Hire rötlich veilgraue Grundfarbe wird 
durch dunkle, in Querreihen stehende ßeschuppung getrübt. Am 
Vorderrand, vor ^2 ^^^^ Vs? ^^^S^ je ein viereckiges oliven- 
braunes Fleckchen, von denen deutlichere Querreihen schwärzlicher 
Schuppen herabziehen. Die Fransen sind auffallend olivenbraun. 

Die Hinterflügel ebenfalls mit eckig gestutztem Saum, sind 
etwas reiner rötlichgrau, am Innenrand mit dem Beginne schwärz- 
licher Querstreifen. Die Unterseite aller Flügel eintönig rötlich. 

Das einzige Stück hat beim Fang durch zu starkes Drücken 
etwas gelitten, läßt aber die Artcharaktere gut erkennen. 

Pyralidae. 

4. Ancylolomia syriaca nov. spec. (cf, 5). — Ancylolomia 
pectinatella Kalcbbrg. (nee Z.), „Iris", X, S. 186. 

^) Der Name dieser Art und ihres Autors sind auf der vorhergehenden 
Seite verdruckt. Desgleichen muß es auf Seite (141), 7. Zeile von unten heißen: 
I. (statt X.) Bd. 

2) Vgl. Hampsou, Ind. Moths., HI, p. 174. 

Z. B. Ges. 61. Bd. k 



(146) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Zwischen Ancylolomia pectinatella Z. und Äncylolomia pal- 
pella Schiff, zu stellen, so daß die Angabe der unterscheidenden 
Merkmale für diese neue, bisher verkannte Art genügt. In bezug 
auf Größe mit palpella übereinstimmend, jedoch die Palpen und 
die Kammzähne der männlichen Fühler etwas länger, die Vorder- 
flügel entschieden breiter, von hellerer ockergelber Grundfarbe, die 
weiße Zeichnung daher blässer erscheinend. Sehr verschieden ist 
das 5 von syriaca, welches blaß ockergelbe, fast zeichnungslose 
Vorderflügel mit kaum wahrnehmbarem hellerem (weißlichem) Vor- 
derrand und solchen Kadialästen zeigt, welche einzelne schwärzlich- 
braune Schuppen aufweisen, die sich in der Mittelzelle und Falte 
der Längsstrieme verdichten können. Hinterflügel in beiden Ge- 
schlechtern blaßgrau, gegen die Wurzel weißlich. 

Von pectinatella unterscheidet sich syriaca sofort durch die 
sehr bedeutendere Größe, den vorhandenen silbernen Keilfleck nach 
Schluß der Mittelzelle der Vorderflügel und den Dichroismus des 9, 
welches auch bei pectinatella (wie bei palpella) dem gleich- 
gefärbt erscheint. 

Mehrere Pärchen aus Syrien (Jerusalem und Haifa) im Natur- 
historischen Hofmuseum und in der Sammlung Götschmann. 

5. Salebria semiüavella nov. spec. (cT, 9). 

Eine höchst auffallende Art, die in der Färbung der Vorder- 
flügel an die viel kleinere Flodia interpunctella Hb. erinnert. 

Die Fühler bräunlichgelb, beim cT das große Wurzelglied 
und der breite Schuppenbusch vorne schwärzlich, letzterer an seinem 
Außenrand stark gewimpert. Die Geißel (ca. ^/^ des Vorderrandes) 
beim cT nur sehr schwach gewimpert. Die schwärzlichen Palpen 
beim cT sehr breit mit stumpfem Endglied, dem Kopfe dicht an- 
liegend und den Scheitel etwas überragend, beim 9 viel schmäch- 
tiger, mit deuthchem abgesetzten spitzen Endglied. Die Neben- 
palpen beim pinselartig. Der Kopf breit, die Augen sehr groß. 
Der grob, aber glatt beschuppte Körper rötUchgelb. Die ersten 
beiden Thorakalsegmente mit schwärzlichem Schuppenbusch in der 
Mittellinie des Rückens. Die Beine rötlichgelb, die Tarsen schwärz- 
lichbraun, weißlich geringt. 

Die Vorderflügel sehr gestreckt und schmal, von der Wurzel 
bis zur Hälfte ihrer Länge goldgelb, dahinter gerade abgeschnitten 



Versaininliintj; der J^cktion für liüitidoptciolot^ic. 



(147) 



purpurbrilunlicli, vor dem Saum lichter, letzterer mit feinen schwarzen 
Punkten. Innerhalb des gelben Basalteiles findet sich eine seiner 
ilulJeren Hei;renzung' parallel laufende hellglänzende, etwas erhabene 
Schuppenlinie. Die sehr breiten grauen Fransen mit zwei undeut- 
lichen Teilungslinieu. 

Die Hinterfliigel gelblichweiß, irisierend, halbdurchscheinend, 
an den KUndern sehr schmal bräunlich bestäubt, mit solcher Saum- 
linie. Die breiten Fransen mit bräunlicher Teilungslinie nahe ihrer 
Basis. Beim cf liegt auf dem Innenrand unterseits eine Reihe ein- 
zelner tiefschwarzer Schuppen. Die VorderflUgel unterseits im Vor- 
derrandteil rötlichgelb, im Innenrandteil blässer. Vorderflügellänge 10, 
Expansion 21 mm. 

Ein sehr gut erhaltenes Pärchen aus dem Jordangebiet (Palä- 
stina) von Wutzdorf ca. 1901 durch Lichtfang erbeutet. Das cT 
im k. k. Naturhistorischen Hofmuseum, das $ in der Sammlung 
Dr. Götschmanns in Breslau. 

Die Art hat auch einige Ähnlichkeit mit der aus Südafrika 
beschriebenen Pristarthria caustella Hmps. (Rag. Mon. Phyc, II, 
p. 548, PL 57, Fig. 13). Bei letzterer (breitflügeligen) Art werden 
die Hinterflügel jedoch „d'une teinte d'ocre sombre" bezeichnet. 

6. Nephopteryx rubicundella nov. spec. (cf). 

Palpen, Scheitel und Fühler gelblich, letztere mit dichtem 
schwarzbraunen Schuppenbüschel im Basalausschnitt. Die Geißel un- 
deutlich dunkel geringt. Der Halskragen, die Vorder- und Mittel- 
schienen sind rötlichgelb, die Hinterbeine weißgrau, alle Tarsen 
schwärzlich geringt. Der tlinterleib grau mit hellen Segmenträndern. 

Die Vorderflügel mäßig breit mit schwach gebogenem Vorder- 
rand, besitzen eine weißlichgraue Grundfarbe, die aber stark durch 
eine rötliche Färbung verdrängt wird. Bei ^/g der Flügellänge liegt 
eine weißgraue Querbinde, welche nach außen von einer doppelten 
schwarzen Schuppenlinie begrenzt wird, die aber nicht bis an den 
Vorderrand reicht. In dem etwas lichteren Mittelfeld liegt ein schwärz- 
licher Doppelpunkt am Querast. Darnach tritt die rötliche Färbung 
querstreifenartig auf. Die Fransen rötlich bestäubt mit undeutlichen 
Teilungslinien. 

Die Hinterflügel hellgrau, unter dem Vorderrand und vor dem 
Saum schmal bräunlich mit weißlichen Fransen, die eine dunkle 

k* 



(148) 



Versammlung der Sektion imf Lepidopterologie. 



Basallinie führen. Unterseite der Vorderflügel bräunlichgrau, jene 
der Hinterflügel weißlich. Vorderflügellänge 9-5, Expansion 19 mm. 

Ein sehr gut erhaltenes mit der Bezeichnung „Jordan 1901" 
(Wutzdorf) wurde der Sammlung des Hofmuseums von Prof. Götsch- 
mann freundlichst überlassen. 

Die Art gleicht einigermaßen der Nephopteryx ferrealis Hmps. 
(Ann. and Mag. [7], I, 1898, p. 161; Nov. Zool., XH, p. 30, PL 4, 
Fig. 40, q) aus Pretoria und dem Sudan, unterscheidet sich aber 
sofort durch den Mangel der dunklen Querbinde vor der Mitte und 
den bei ferrealis fehlenden schwarzen doppelten Mittelpunkt. 

7. Scoparia herytella nov. spec. (cT, 

Ein Pärchen aus der Umgebung Beiruts, von Prof. Stange 
erhalten, läßt sich am besten mit Scoparia frequentella Stt. ver- 
gleichen, muß aber bis auf weiteres als eine eigene Art angesehen 
werden. 

Das zeigt ein grau verdunkeltes Wurzel- und Saumfeld 
und ein w^eißgraues, nur schwach bestäubtes Mittelfeld der Vorder- 
flügel, in welchem die beiden weißen Querstreifen vollständig ver- 
schwinden. Das Merkurzeichen deutlich, der Saum der Vorder- 
flügel mit getrennten schwarzen Punkten, die weißlichen Fransen 
in ihrer Basalhälfte sehr deutlich schwarz gescheckt. Die Hinter- 
flügel weißgrau. Das $ zeigt die Vorderflügel viel gleichmäßiger 
grau bestäubt, das Wurzel- und Saumfeld bleiben aber beträchtlich 
heller als beim c/*. Die Hinterflügel sind dunkler grau. Die Fühler 
des cf sind dicker als bei der auch kleiner bleibenden Scoparia 
frequentella. Vorderflügel 9, Expansion 19 mm. 

Mit Scoparia polyopJiaealis Hmps.^) und obsoleta Stgr. hat 
die vorliegende Art keine nähere Verwandtschaft. 

8. Bocchoris onychinalis Gn. Delt et Pyr., p. 205, PI. 6, 
Fig. 9. — Hampson, Ind. Moths, IV, p. 283, Fig. 170. 

Von dieser in Indien, auch bei Aden und in Westafrika 
verbreiteten Art erbeutete Herr Herzog im April 1910 ein sehr 

1) Aus dem kilikischen Taurus (Holtz, 1897) erhielt ich von Dr. Götsch- 
mann ein Pärchen einer sehr großen Scoimria-Avi zur Ansicht, welche mit 
Sco2Jaria jyolyojjhaealis Hmps. [Ann. and Mag-., (7), XIX, p. 21] zusammenfallen 
dürfte. Die Vorderflügel sind sehr stark grau gewölkt, die Hinterflügel auf- 
fallend dunkel braungrau. Expansion des cT 28, jene des $ nur 21 mm. 



\ VorHnniiMlun;^' (1(M" Sc^klioii liir Fi('iii(lo|>t(M'(»l()<^i(!. 



kleines cT in der Umgebung- von Beirut, welclics an das Ilofmuscum 
^elan^te. Die Vorder(l(i«;'clliin^::e bcträ«,^ nur 8 5 (Kxpansion lH)nim, 
ist also bedeutend i;erin<;'er als in der sonst übereinstimmenden Ab- 
bildung* bei Hampson. Besser stimmt in den Größenverbältnissen 
das Bild bei Guenc'ie. Jedenfalls eine interessante Bereieberung 
der syriseben Lepido})terenfauna um ein tropiscbes Faunenelement. 

9. Evergestis luridalis nov. spec. (cT, 9). — Evergestis 
rcuatalis Kbl. (nee Obtbr.), Verb. Naturw. Ver. Karlsrube, XXI (1909), 
S. 66, Nr. 62. 

Ein Pärcben aus dem Jordangebiet (Wutzdorf) läßt erkennen, 
daß das von mir aus dem Sinaigebiet (leg. Kneueker) als Ever- 
gestis renatalis angefiibrte (stark geflogene) männliche Stück zu 
derselben Art zu ziehen ist. Alle drei Stücke gehören einer neuen 
Art an, die ich als luridalis hiemit beschreibe. 

Was vorerst die generische Stellung der Art betrifft, so weisen 
die allgemeinen Merkmale auf Evergestis, die schräg abfallende 
Stirne ruht jedoch auf einer schwarzen hornigen Platte, so daß in 
Zukunft wahrscheinlich eine andere Gattung anzunehmen ist. 

Allgemeinfärbung weißgrau mit feiner schwärzlicher Be- 
stäubung. Die männlichen Fühler reichen nicht bis ^/^ des Vorder- 
randes und sind sehr kurz bewimpert. Rüssel und Labialpalpen 
gut entwickelt. Die Beine wie der ganze Körper von der allge- 
meinen Färbung, die Tarsen schwarzbraun mit weißen Gliederenden. 

Die Vorderfiügel sehr schmal und gestreckt, weiß^, jedoch 
längs der Ränder und der schwärzlichen Adern bräunlich getrübt, 
so daß die weiße Grundfarbe nur sehr beschränkt längsstreifig 
auftritt. Am Vorderrande liegen bräunliche und weißliche Fleckchen. 
Vor dem Saum tritt zwischen den Adern eine Querreihe schwärz- 
licher Fleckchen auf, denen basalwärts eine Reihe größerer weißer 
Fleckchen anliegen. Der Saum mit schwarzen Strichen. Die 
Fransen weiß, an der Wurzel bräunlich, auch im Außenteil bräun- 
lich bestäubt. 

Hinterflügel weißgrau, gegen den Afterwinkel dunkler grau, 
Saumstriche schwarz. 

Unterseite der Vorderflügel zeichnungslos bräunlichgrau, jene 
der Hinterflügel weiß, sparsam, aber grob bräunlich bestäubt, bei 
dem vom Jordantal mit großem bräunlichen Mittelmond. 



(150) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Vorderflügellänge 12 — 12-5, Expansion 24 — 25 mm. 
Die Typen befinden sich im Hofmuseum und in der Sammlung 
Dr. Götschmanns. 

Tortricidae. 

10. Tortrix palaestinensis nov. spec. cT. 

Ein einzelnes sehr gut erhaltenes cT, welches im unteren 
Jordantal (Wutzdorf) erbeutet wurde^ steht der Tortrix canariensis 
Rbl.^) nahe, ist aber beträchtlich größer, der Vorderrand der Vorder- 
flügel gerader, der Saum steiler, die Wimperpinseln der männlichen 
Fühler länger. 

Kopf und Palpen lehmgelb, letztere etwas hängend, von zwei 
Augendurchmesserlänge, mit spitzem, dicht beschupptem Endglied, 
an ihrer Außenseite dunkel bestäubt. Die Fühlergeißel bräunlich, 
bis zur Spitze mit sehr langen Wimpcrpinseln besetzt. Der schlanke 
Hinterleib hellgrau mit gelblichem Analbusch. Die Beine hell gelb- 
grau, Vorder- und Mitteltarsen schwärzlich gefleckt. 

Die Vorderflügel zeigen eine staubgraue Grundfarbe und eine 
wenig auflallende Zeichnung. Der Vorderrand ist in charakteristi- 
scher Weise mit gelben Fleckchen und schwarzen Häkchen gezeichnet. 
Die Anzahl letzterer ist größer, ihre Gestalt viel strichartiger und 
länger als bei Tortrix canariensis. Die sonstige Zeichnung der 
Vorderflügel wird durch bleigraue, verwaschene Binden gebildet, 
die schwarz und fein rostbraun gesäumt sind. Das dunkle Basal- 
feld springt auf der oberen Mittelader spitz nach außen vor. Die 
Mittelbinde beginnt am Vorderraud mit einem scharf begrenzten 
viereckigen Fleckchen. Hire nur nach innen scharfe Begrenzung 
zeigt auf der oberen Mittelader einen seichten Einsprung. Am 
Schluß der Mittelzelle liegt ein schwärzhcher Strich. Vor dem Saum 
zieht vom Vorderrand bis in den Innenwinkel eine schwärzliche 
rostbraun begrenzte Querlinie. In der Flügelspitze liegt ein gelb- 
liches Fleckchen. Die breiten gelbgrauen Fransen zeigen bei ^/g 
ihrer Länge eine schwärzliche Teilungshnie. 

Die Hinterflügel mit stumpfer gerundeter Spitze sind gelblich- 
weiß, grau bestäubt, mit breiter grauer Schuppenlinie nahe der 
Basis der langen Fransen. Die Unterseite der Vorderfltigel bräun- 



1) Vgl. Ann. d. Naturhistor. Hofmuseums, XXIV, S. 346, Nr. 205. 



Vcrsjinnnltmfjr der Sektion liir I.('pi(l()pter()l<)«,'ie, 



(IT)!) 



licli grau mit breiten bieicligelbliclieii Riindern, der Vorderrand von 
der l^asis bis vor die Si)itze mit 10, in fast gleiclien Abstilnden von- 
einander liegenden Vorderrandstrieben. Die llinterdiigel sebmiitzig 
gelbliehweiß, schvvacb grau gefleekt. Vorderfliigellänge 9, Ex- 
pansion 19 mm. 

Das einzebie cT wurde von Herrn Dr. Götsclimann dem 
Hofmuseum freundlicbst gewidmet. 

Grelcchiidac. 

11. Gelechia distinctella Z. (Rbl., Kat., Nr. 2559). 

Von dieser weit verbreiteten Art sandte Herr Prof. Stange 
ein frisches von Beirat (leg. B rasch) ein, welches ich anfänglich 
für eine neue Art zu halten geneigt war. Ein genauer Vergleich 
ergab jedoch, daß nur Färbungsunterschiede, allerdings sehr auf- 
fallender Art, vorliegen. Die Vorderflügel sind bis zu den hinteren 
Gegenfleckchen rötlichbraun mit sehr deutlicher schwarzer Punkt- 
zeichnung-, von den Gegenfleckchen ist das obere zu einer großen 
gelblichen, schwarz begrenzten Makel vergrößert, der folgende Saura- 
teil stark schwärzlich verdunkelt. Auch die Hinterflügel sind dunkler 
schwärzlichbraun. Der Hinterleib braungrau mit weißlichen Seg- 
meuträndern. 

12. Oxypteryx (nov. gen.) jordanella nov. spec. (9). (Fig. 2.) 

Zwei gut erhaltene Gelechiiden -Weibchen aus dem Jordan- 
gebiet (Wutzdorf, 1901) lassen sich in keine mir bekannte Gele- 
chiidengattung zwanglos unterbringen und machen daher die Auf- 
stellung einer neuen Gattung notwendig, die bis auf weiteres bei 
Stomoxjteryx Hein, ihren Platz finden mag, obwohl sie mit Gelechia 
Hb. (s. 1.) noch nähere Verwandtschaft zeigt. 

Die Fühler reichen bis ^j^ der Vorderrandlänge, ihr Basal- 
glied lang, mäßig verdickt. Die Palpen so lang wie Kopf und Thorax, 
ihr Mittelglied dick, aber anliegend beschuppt, unterseits ohne Längs- 
furche, das Endglied über ^2 Mittelgliedes, sehr lang, dünn 
und spitz, nur schwach aufgebogen. Die Hinterschienen mit zwei 
normalen Spornpaaren und mäßig langer Behaarung. Der Hinter- 
leib sehr lang, gegen das Ende stark verjüngt, mit lang hervor- 
stehender Legeröhre. Die Flügel sehr gestreckt, auch die Vorder- 
flügel mit sehr scharfer Spitze, beziehungsweise sehr schrägem Saum, 



(152) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



desgleichen die Hinterflligel, deren Saum nicht ausgenagt und deren 
Innenwinkel gleichmäßig gerundet erscheint. Auf den Vorderfliigeln 
sind sämtliche Adern vorhanden, Ader und R5 gestielt, auf den 
Hinterflügeln sind Ader R und gestielt. 

Durch das ungefurchte Palpenmittelglied, die sehr schmale 
Flügelform und die lang hervorstehende Legeröhre von der Gattung 
Gelecliia Hb. verschieden, durch die Form der Palpen und Hinter- 
flügel sofort von Stomopteryx zu unterscheiden. 

Allgemeinfärbung bräunlich staubgrau. Die Fühler hellbräun- 
lich, fein dunkel geringt. " Die Palpen auf der oberen Schneide 
weißlich, ihr Mittelglied außen bis auf die hell bleibende Spitze 

schwärzlich bestäubt, das End- 
2. glied nur mit einzelnen dunklen 

Schuppen. 

Der Hinterleib hellbräunlich, 
nach hinten dunkler mit hellen 
Segmenträndern. Die Beine braun- 
staubig, die Vorderschienen außen 
schwärzlich, die Hinterschienen in 
ihrer Mitte und am Ende weiß- 
Fig. 2. lieh, ihre Behaarung an der oberen 

Oxypteryx jordanella Rbl. 9. Schneide schwärzlich gemischt. 

Die sehr spitzen, gleichbrei- 
ten Vorderflügel sind bräunlich staubgrau mit tiefschwarzer Längs- 
strichzeichnuug, und zwar je einen kurzen Strich an der Basis des 
Vorder- und Innenrandes, einen langen, sehr kräftigen Längsstrich 
in der Falte, ein kürzeres, feines Längsstrichelchen darüber, unter- 
halb des Vorderrandes, und eine unterbrochene Strichzeichnung 
vom Schluß der Mittelzelle gegen die Flügelspitze, die jedoch 
von ihr nicht erreicht wird. Die hellbräunlichen Fransen mit 
schwärzlichen Längswischen und einer hellen TeilungsHnie vor 
hrem Ende. 

Die Hinterflügel gleichmäßig braungrau mit an der Basis und 
an ihrem Ende gelblichen Fransen. 

Die Unterseite der Vorderflügel und der Vorderrandteil der 
Hinterflügel dunkelbräunlich, die Hinterfltigel sonst grau, alle Fransen 
wie oben gefärbt. Vorderflügellänge 11 — 12, Expansion 23 — 24 mm. 




Vors.miinimi};- der Si^ktioii für IjCipidopIcrolojiic, (^^'^j 

Je ein 9 im Natiirhistorischen llofimiscum und in der Sanim- 
luii^- Dr. G ötscli mainis in I^reslau. 

13. Alloclita haifensis nov. spec. (r5^). 

Ein einzelnes, sehr gut erhaltenes d" von llaiTa (Sammlung 
Kalchberg) steht dem Bilde von Alloclita recisella bei Plerrich- 
Schäffer (N.-Schm. 106) so nahe, daß an der generischcn Zu- 
sammengehörigkeit beider Arten kein Zweifel bbwalten kann. Auch 
die Angabe über die Gattungsmerkmale bei Staudinger, die durch 
Lord Walsingham^) eine recht notwendig gewesene Ergänzung 
erfuhren, stimmen überein, soweit nicht im Nachfolgenden kleine 
Abweichungen bemerkt werden. Das Basalglied der Fühler zeigt 
(wie Stgr. angibt) einen sehr deutlichen Schuppenkamm. Die 
Fühlergeißel selbst ist dick, bis des Vorderrandes reichend, hell- 
gelblich, ungeringt. Gleiche Färbung zeigen die stark aufgebogenen 
Palpen, deren spitzes, dünnes Endglied nur die Spuren eines 
schwärzlichen Ringes unterhalb der Spitze zeigt. Rüssel kann ich 
keinen wahrnehmen. 

Das trotz wiederholter Aufhellung nicht ganz deutlich ge- 
wordene Geäder scheint den von Lord Walsingham angegebenen 
Verlauf zu besitzen, namentlich die lanzettlichen Hinterflügel die 
volle Zahl ungestielter Randadern. 

Der rauh beschuppte Kopf, Thorax und die Vorderflügel 
haben eine gelblich weiße Grundfarbe. Der Hinterleib bräunlich, 
die Beine gelblich mit schwärzlichen Gliederenden. 

Das in der Falte spitz vortretende Wurzelfeld der Vorder- 
fltigel ist schwärzlichbraun, desgleichen eine breite, unregelmäßig 
zackig begrenzte Mittelbinde und der Apikaiteil der Vorderfliigel. 
Am Querast liegt ein gelbliches rundes Fleckchen, dahinter zwei 
solche Gegenfleckchen. Der Saum unbezeichnet. Die gelblichen 
Fransen an der Flügelspitze und längs des Saumes mit braunen 
und schwärzlichen Schuppen durchsetzt. Die Hinterflügel dunkel 
braungrau mit ungezeichneten solchen, nur an der Basis schmal 
gelblichen Fransen. Die Unterseite aller Flügel einfärbig bräunlich- 
grau. Vorderflügellänge 7, Expansion 15 mm. 



Month. Mag., 1905, p. 126-127. 



(164) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



Von Älloclita recisella durch die nngeringten Palpen und Fühler, 
durch den Mangel des schwarzen Mittelstriches und der Saumpunkte 
der Vorderflügel gewiß artlich verschieden. 

Bemerkt sei noch, daß ich ein gleiches männliches Stück von 
Herrn Prof. Götschmann aus dem Jordangebiet (W Utzdorf) zur 
Ansicht hatte. 

Tineidae. 

14. Catapsilothrix goetschmanni iiov. spec. (9). (Fig. 3.) 

Von der durch mich nach einer Art aus Tripolis aufgestellten 
Tineidengattung Catapsilothrix^) liegt eine wahrhaft gigantische 
neue Art in einem tadellos erhaltenen weiblichen Exemplar vor, 
welches im unteren Jordantal (Wutzdorf, 1902) erbeutet wurde 
und der Sammlung des Herrn Prof. Dr. Götschmann in Dresden 
angehört, dem zu Ehren ich diese höchst auffallende Art benenne. 

Die generischen Merkmale, namentlich die sehr langen Labial- 
palpen, die (hier nur etwas kürzeren und anliegenderen) Kammzähne 
der weiblichen Fühler und das Geäder stimmen vollständig mit 
der typischen Art überein. Die Hinterschienen zeigen außer dem 
Spornpaar am Ende auch ein solches bei ihrer halben Länge.^) 

Kopf samt Palpen und Fühler weiß. Das PalpenmittelgHed 
ist sehr dick beschuppt, das Endglied stumpf, ca. ^/^ des Mittel- 
gliedes lang, nur schwach geneigt. Der Thorax stark mit breiten 
braunen Schuppen gemengt, rückwärts mit zwei langen weißen, 
aneinander stossenden Haarbüscheln. Der Hinterleib sehr lang, 
spitz endigend mit kurzem Afterbusch, weiß beschuppt. Auch die 
Beine weiß, die Hinterschienen auf der oberen Schneide dicht be- 
haart, die Tarsen aller Beine ungeringt, schwach bräunlich an- 
gelaufen. 



1) Zool. Jahrb. (Abt. f. Syst.), Bd. 27, 1908, S. 287—289, Fig. A. — Zweifel- 
los führen Warren und N. Ch. Rothschild eine sehr nahe verwandte Art unter 
dem Gattungsnamen Älavona Wik. (List. 28, 1863, S. 514) an (Nov. Zool., XII, 
p. 32). Da jedoch die Gattungsdiagnose bei Walker keine Sicherheit über 
die Synonymie gibt, muß bis auf Weiteres die Gattung Catapsilothrix bestehen 
bleiben. Die typischen Arten von Alavona stammen aus Hindostan. 

2) Der von mir erwähnte Außendorn der Hinterschiene bei der Gattungs- 
type dürfte durch eine Drehung des Hinterbeines und gleichzeitigen Verlust 
des zweiten Sporns an der einzig erhaltenen Schiene zu erklären sein. 



Vcrsainmlunj^ «Icr Sektion für liCpidopteroloi^it;. 



(155) 



Die VordcrÜli^el selir lani;- und breit, nacli außon nur scliwacli 
orwoitcrt, sehr gTob besclmppt, mit weißer (Grundfarbe und brauner 
Zeichnung-. Letztere besteht aus einem kleinen, ge^en Innen- und 
Vorderrand scln-äg abg-eschnittenen Wurzelfehl, einem großen, fast 
viereckigen InnenrandHeck, der mit einem ähnlichen, mehr außen 
liegenden Vorderrand fleck zusammenhängt, welcher eine Fortsetzung 
gegen den Innenwinkel 

findet. Im Saumfeld liegen 3. IMK 



lichgrauen Schuppen be- 
deckt längs des Innen- ^ ^'«^^'i^^'^^^^"'^-^ goetschmanni 9- 
randes liegt ein langer 

weißer Haarschopf. Die Fransen weißlich mit einzelnen bräun- 
lichen Schuppen. 

Die Unterseite aller Flügel weißlich, die Vorderflügel mit der 
weniger deutlichen Zeichnung der Oberseite, die Hinterflügel grau 
gegittert. Vorderflügellänge 20, Expansion 40 mm. 

Von der typischen Art {Idaptocsi Rbl.), unterscheidet sich 
Gat. goetschmanni sogleich durch die mehr als doppelte Größe, 
kürzere Kammzähne der weiblichen Fühler und andere Gestalt der 
braunen Zeichnung- der Vorderflügel. Viel näher kommt ihr jeden- 
falls die als Älavona semüactea Warr. et N. Ch. Rothsch. (Nov. Zool., 
Xn, p. 32, Tab. 4, Fig. 12 cT) aus dem Sudan beschriebene Art, die 
aber eine gleichmäßiger gestaltete, viel breitere Mittelbinde der 
Vorderflügel, einen viel kleineren weißen Apikaiteil der Vorder- 
flügel und gleichmäßig schwarzgraue Hinterfliigel besitzt. 

15. Eriocottis nodicornella nov. spec. (cT). 

Der Eriocottis fuscanella Z. zunächst, größer, breitflügeliger, 
am wesentlichsten durch die knotig verdickten Enden der Fühler- 



gleichbreit, mit stumpf 
gerundeter Spitze sind 
weißlieh, dicht mit schwärz- 



noch einzelne braune 
Schuppen. Die breiten 
Fransen sind vorherr- 
schend bräunlich mit 
weißer Teilungslinie. 





(156) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologi» 



g-lieder (cT) abweichend, die auch mit freiem Auge einen auffallen- 
den Unterschied abgeben. 

Die Allgemeinfärbung ist dunkelbräunUch, die Vorderflügel 
zeigen am Innenrand vor dem Innenwinkel eine gelbliche Auf- 
hellung. Die Hinterfliigel sehr dunkel braungrau, desgleichen der 
Körper. Die Palpenbildung nicht wesentlich verschieden. Vorder- 
flügellänge fast 9 mm, Expansion 19 mm. 

Ein gut erhaltenes von Beirut, durch Prof. Stange erhalten, 
im Hofmuseum. 

VIII. Der Vorsitzende gibt eine Mitteilung des Herrn Karl 
Mitterberger in Steyr über einen verkehrt in der Puppen- 
hülle liegenden Falter einer Bepressaria bekannt. 

Die vollständig normal gebildete Puppe wurde von Herrn 
Petz am Eisenerzer Reichenstein am 9. Oktober 1910 gefunden 
und Herrn Mitterberger übergeben, der schon nach drei Tagen 
eine Verfärbung derselben beobachtete. Auch machte die Puppe 
zeitweilig ohne äußeren Anlaß lebhafte Bewegungen, was auf ein 
baldiges Schlüpfen des Falters schließen ließ. Um den Falter das 
Auskriechen zu erleichtern, wurde das Zuchtgläschen umgelegt, so 
daß sich die Kremasterhäkchen an dem Gazestoff des durch- 
brochenen Kockes verankern konnten. 

Am Spätnachmittage des 13. Oktober sprengte nun (wie Herr 
Mitterberger sah) der Schmetterling die Puppenhülle. Nachdem die 
Dorsalkopfplatte entfernt war, erschien aber nicht, wie bei nor- 
maler Entwicklung, der Kopf der Imago, sondern deren Abdomen; 
der Falter befand sich somit verkehrt in der Puppenhülle. 

Aus der Gestalt des Abdomens war es bereits möglich, die 
Art als dem Genus Bepressaria Hw. zugehörig zu bezeichnen. Im 
Aveiteren Verlaufe der Entwicklung wurden auch noch an den Seiten 
des Brustrückenstückes Scheidenteile abgesprengt, wodurch es dem 
Tiere möglich wurde, die drei Beinpaare und die Vorder- und Hinter- 
flügel aus der Chitindecke hervorzubringen. Die vollständig be- 
schuppten Flügel kamen in bezug auf Größe nicht vollkommen 
zur Entfaltung, lassen aber selbst in ihrem rudimentären Zustande 
durch Farbe und Zeichnung den Depressariencharakter deuthch 
erkennen; für Bepressaria heydenii Z. würde sowohl die Höhen- 



Versamnilun;,' der Sektion für [.(^pidoptiM'oIogie. 

läge des Fundortes der Tuppe als auch die (wenngleich infolge der 
vorjährigen ungünstigen Witterung etwas verspätete) Zeit der Ent- 
wicklung des Falters sprechen. 

Trotz der lebhaftesten Bemühungen war es der Iniago nicht 
möglich, den Kopf und die Fühler aus der Puppenhüllc hervor- 
zuziehen, so daß der Falter die acht Abdominalsegmente der Puppen- 
hülle mit dem Kremaster als sonderbaren Kopfschmuck trägt. Herr 
Mitter berger hat das Tier in dieser Stellung präpariert und dem 
Hofmuseum freundlichst gewidmet. Herr Mitterberger fügt bei, 
daß bereits H. Stichel in der Internat. Entom. Zeitschr. (Jahrg. II, 
1908, S. 285) über eine Mitteilung des Stralsunder Advokaten 
David Julius Schneider aus dem Jahre 1787 über einen verkehrt 
in der Puppe liegenden P'alter berichtete. Anschließend teilte damals 
Herr Stichel mit, daß er 1908 einen Kokon von Endromis versl- 
colora erhielt^ in welchem der verkehrt in der Puppenhülle steckende 
Falter „nach etwas weiterem Abschälen der Puppenhülle mittels 
spitzer Pinzetten ans Tageslicht gefördert wurde, wobei der Falter 
nicht aus dem After, wohl aber aus dem Munde reichliche Flüssig- 
keit absonderte". Herr Stichel erklärte die abnormale Lage des 
Falters damals (1908) damit, daß „der auskriechende Schmetter- 
ling, an der Fortbewegung behindert, in seine eigene, eben ver- 
lassene Hülle zurückgekehrt wäre, in der er sich dann festgeklemmt 
hätte." Gegen diese seine seinerzeitige Erklärung führt Herr 
Stichel 1909 aber selbst „die Art der Puppenöffnung und die 
Flüssigkeitsabsonderung bei der Befreiung des Falters" an. 

Zweifellos hat auch in dem vorliegenden Fall der Depressaria 
erst eine Umkehrung der vollständig entwickelten Imago in der 
Puppenhülle stattgefunden, welche vielleicht durch die Umlegung 
des Zuchtgläschens verursacht wurde. Bei der geringen Ausdeh- 
nungsfähigkeit der Puppencuticula bleibt immerhin ein solcher Vor- 
gang sehr bemerkenswert. Bei den Versuchen der Imago die Puppen- 
hülle zu verlassen, wurde letztere an den vorgebildeten Nähten 
ihres Vorderteiles gesprengt, was das Heraustreten des Abdomens 
der Imago erklärt. 

Ein ganz anderer, öfters bei Saturnia-AYien beobachteter Fall 
ist die verkehrte Lage der Puppen im Kokon (vgl. Schaefer, 
Internat. Entom. Zeitschr., III, S. 36). 



(158) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologii 



IX. Herr Fritz Hoffmann sendet nachstehende biographische 
Mitteilungen über den am 26. November 1909 in Wien verstorbenen 
k. k. Major Moritz v, Hutten-Klingenstein, geboren am 24. Juli 
1837 auf Schloß Walcken in Oberösterreich. 

Derselbe w^idmete sich schon in jungen Jahren dem Militär- 
dienste, diente als Offizier in verschiedenen Husarenregimentern, 
wurde dann dem Generalstab zugeteilt und war auch als Lehrer 
in der Wiener-Neustädter Akademie tätig. Später kam er als 
Adjutant des damaligen Generaladjutanten des Kaisers, Baron 
Mondl, nach Wien. 

Vor einer brillanten Karriere stehend, mußte er diese wegen 
Familienverhältnissen aufgeben und übernahm die Leitung eines 
großen Besitzes in Ungarn (Groß-Bossan, Kom. Neutra). Dortselbst 
fing V. Hutten-Klingenstein an, Lepidopteren zu sammeln (1876). 
Infolge Verkaufes des Gutes siedelte sich die Familie in Ehren- 
hausen in Steiermark an, wo er sehr fleißig Lepidopteren sammelte 
und auch den Nachtfang mit großem Eifer betrieb. Er war später 
durch vier Jahre dem Prinzen von Orleans und zuletzt durch 
14 Jahre dem Obersthofmeisteramt Sr. Majestät des Kaisers zugeteilt. 
Trotz dieser dienstlichen Verwendungen fand v. Hutten -Kl in gen- 
stein doch noch Muße und Freude am Sammeln von Lepidopteren. 
Seine Sammlung kam nach seinem Tode durch Kauf in die Hände 
eines Wiener Sammlers. — Er publizierte: 

1. „Aufzählung der im Jahre 1881 an Saft gefangenen Nacht- 
schmetterhnge" (in Nagy-Bossan). Stettiner Entom. Zeitschr. 1882, 
S. 202—209. 

2. „Beitrag zur Lepidopterenfauna von Ebrenhausen in Steier- 
mark." Verhandlungen der k. k. zool.-bot. Gesellschaft in Wien, 
XLV. Band, 1895, S. 425-427. 



VtM"s:uninluii;; dvv Stiktioii Itir Kolcoplcrolo^^ic;. 



(159) 



Bericht der Sektion für KoIeopterolog*ie. 

Versammlung am 16. Februar 1911. 
Vorsitzender: Herr Keg-.-Kat Direktor L. Gangibauer. 

I. Der Vorsitzende legt neue Literatur vor. 

II. Herr Franz Heiker tinger bringt die Beschreibungen von 
vier neuen Phyllotreta-Fovmen aus der paläarktisclien 
Region: 

Phyllotreta Reitteri Hktg. nov. spcc. 

PhjlL laterimargo Reitt. i. litt. 

Einer Fhyll. ochripes Gurt, täuschend ähnlich; durch Extre- 
mitäteufärbung, Fühlerbau des und Penisbildung- leicht von dieser 
zu unterscheiden. 

Körperform und Größe der Fhyll. ochripes ; Körper schwarz, 
Kopf und Halsschild schwarz mit stark grünlichblauem Schimmer 
(bei ochripes stets rein schwarz); Flügeldecken wie bei ochripes 
gezeichnet: das schwarze Nahtband im mittleren Teile ziemlich 
parallelseitig, im vorderen Fünftel bogig bis fast auf die halbe 
Breite verengt, im hinteren Fünftel noch näher bis zur Naht ver- 
schmälert, um die Spitze der Flügeldecken herumgehend, am Seiten- 
rande bis zur halben Länge ziemlich gleichbreit nach vorne laufend, in 
halber Länge in Form eines mäßig großen, ziemlich halbkreisförmigen 
Fleckes nach innen erweitert, vor diesem Fleck rasch verengt, 
hinter der Schulter durch das bis an den Seitenrand der Flügel- 
decken heraustretende Gelb auf den äußersten aufgebogenen Rand- 
saum beschränkt und davor nur noch in einem kleinen Fleckchen 
an der Schulterbasis vorhanden; die sehr breite gelbe Längsbinde 
der Flügeldecke ist sohin vorne und hinten der Naht zugebogen, 
seitlich an der Schulter bis an den Randsaum erweitert, in der 
Mitte plötzlich fast halbkreisförmig ausgerandet. — Fühlerglied 
1 — 4 rötUchgelb (das 1. und 4. kaum merklich angedunkelt), die 
folgenden schwarz. Schenkel pechschwarz mit etwas helleren Ge- 



(160) 



Versammlung- der Sektion für Koleopterologie. 



lenken, Schienen und Tarsen rotgelb, letztere zuweilen seh wach 
ang-edunkelt. 

Kopf wie bei ochripes^ Stirn eine Spur ebener und feiner 
punktiert; Halsschild ebenso wie bei ochripes] desgleichen Form 
und Punktierung der Flügeldecken. 

Fühler beim c? ohne auffällige Auszeichnung (Gegensatz zu 
ochripes)] GHed 3 eine Spur länger als 2, 4 und 5 untereinander 
ziemlich gleichlang, jedes länger als 3, Glied 6 ungefähr so lang 
wie 3 oder eine Spur länger; Glied 4 des zeigt eine kaum 
merkliche Verdickung, d". Erstes Tarsenglied erweitert; letztes 
freiliegendes Abdominalsternit wie bei ochripes mit einer Grube am 
Ende; Penis von oben (oder unten) gesehen ziemlich parallelseitig, 
gegen die Spitze zu etwas auseinanderlaufend, dann plötzlich mit 
schmal verrundeten Eckchen gerade abgestutzt (von den 3 Spitz- 
chen des ochripes-Yems ist keine Spur vorhanden). Länge 2 4 bis 
2*0 mm. 

Turkestan (Buchara^ Staudinger); zwei Exemplare in meiner 
Sammlung, eines davon von Herrn kais. Rat E. Reitter als lateri- 
margo s. i. 1. erhalten. 

Ich nehme die Gelegenheit wahr, Herrn kais. Rat Reitter für 
seine stete^ freundschafthch liebenswürdige Förderung meinen herz- 
lichsten Dank zum Ausdrucke zu bringen. 

I'hyUotreta exifjua Hktg. iiov. spec. (Fig. 1—3.) 

Nächstverwandt mit Phyll. vittula Redtb. und vielleicht nur 
eine Form derselben; der Mangel an Vergleichsmaterial aus den in 
Betracht kommenden Gegenden macht es mir unmöglich, das Tier 
mit Sicherheit zu klassifizieren. Für jeden Fall aber bleibt es eine 
bemerkenswerte Form. 

Größe, Körperform und Färbung wie bei vittula] durch hellere 
Extremitätenfärbung und andere Penisform von letzterer zu unter- 
scheiden. 

Klein, länghch, flach gewölbt; Kopf und Halsschild dunkel 
grünlich kupferig glänzend; an den Fühlern Glied 1 — 5 hell rot- 
gelb, 6 angedunkelt, die folgenden schwarz; an den Beinen die 
Schenkel schwärzlich, die Gelenke etwas heller. Schienen und Tarsen 
hell rotgelb, die letzten Tarsenglieder etwas angedunkelt. 



Vors.inunluu},' der Sektion (ür Koloopterologie. 



(1C.1) 




j 
] 



Kopf klein, Stirnkiel scliaW, Stirnseitenrinnen dciitlicli, Stirn- 
höekerelicn ^iuva undeiitlieli. Stirn zwiselien den Au<^cn und etwas 
höher hinauf verhältnismäßig- ziendieh kräftig-, aber 
nicht gerade gedrängt punktiert; Scheitel spärlicli 
oder kaum punktiert. Fiihlerbau wie bei viilula. 

Halsschild breiter als der Ko])f; etwas mehr 
alsl72ii^^l so breit als lang-, seitlich wenig ge- 
rundet, vorne kaum merklich schmäler als hinten; 
Stellung der vorderen Borstenpore wie bei vittula] 
Hinterecken fast rechtwinkelig. Oberfläche mäßig- 
gewölbt, ziemlich stark, gedrängt und ein wenig Fig. i. Phyll. 
runzelig (ungefähr wie bei vittula) punktiert; Zwi- exiguaBktg.d. 
schenräume glänzend, kaum wahrnehmbar chagriniert. 

Flügeldecken breiter als der Halsschild, Schultern schwach 
heraustretend, mit kleiner, niedriger, aber doch deutHch vorhandener 
Beule. Decken länglich, wenig gewölbt, seitlich subparallel, im 
ganzen von gleicher Bildung wie bei vittula und ungefähr in der- 
selben Stärke wie bei dieser punktiert, die Punkte kaum irgendwo 
kenntliche Reihen bildend. Flügeldeckenzeichnung wie bei vittula: 
Die gelbe Längsbinde mäßig schmal, ungefähr halb so breit wie 
das ganze Nahtband; der Innenrand vorne nicht 
oder nur ganz unmerklich der Naht zugebogen, 
bis zum hinteren Drittel ziemlich parallelseitig, 
dann der Naht zugebogen; der Außenrand der 
gelben Längsbinde umgeht die schwarze Schulter- 
beule, kommt dahinter dem Seitenrande näher 
und ist in seinen mittleren Teilen sehr flach 
bogig einwärts gekrümmt. Die gelbe Binde Fig-. 2. Penis von 
zeigt bei dem mir vorliegenden Stücke schärfere, Phyll. exigua Rktg. 
weniger verwaschene Ränder als sie vittula in (Von unten und von der 
der Regel besitzt. Nahtecke der Flügeldecken ^ig. 3. Penis von 
schmal verrundet. Tier vollständig geflügelt. Phyll. vittula Jiedth. 

d". An den Fühlern keine Besonderheit; (ex Turkestan). 
das erste Tarsenglied der Vorder- und Mittel- (Von unten^und von der 
beine schwach erweitert (vgl. Fig. 1); das letzte 
freiliegende Abdominalsternit in der Endhälfte zu einem schwachen, 
länglichen, gegen das Ende zu etwas verbreiterten und vertieften 

Z. B. Ges. 61. Bd. 1 




Fig. 3. 



(162) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Grübchen verflacht. Penis ziemlich lang-, seitlich parallel, unterseits 
nur mit einer seichten Rinne, am Ende einfach gleichmäßig* ver- 
rundet (ohne ein vorstehendes Spitzenzähnchen, wie es vittula be- 
sitzt; vgl. die Textfiguren 2 und 3); von der Seite gesehen ist 
der Penis sehr dünn und nur nach einer Richtung hin schwach 
gekrümmt. 

Patria: Sibirien (Reitter-Leder); ein einziges cf in der 
KolL Reitter. 

JPhyUotreta iberica Hktg. nov. spec. 

Eine ziemlich große und flache, oberseits schwarze, leicht 
bräunlich metallisch überflogene Art mit vier hellen Grundgliedern 
der Fühler und beim cT stark verdicktem fünften Fühlerglied. Von 
der hierin ähnlichen Fhyll. crassicornis All. leicht zu unterscheiden 
durch viel beträchtlichere Größe, flachere Körperform, am Ende 
breit verrundet gestutzte Flügeldecken, die das große, breite Py- 
gidium meist unbedeckt lassen, etc. 

Größer als die gewöhnlichen schwarzen Arten, durch die stark 
flachgedrückten, einzeln abgestumpft abgerundeten Flügeldecken 
und das sichtbare Pygidium an sehr große Stücke der Fhyll. nigripes 
Fab., mehr aber noch — abgesehen von dem anders gebauten 
Vorderkörper — an PJiyll. nodicornis Marsh, erinnernd. 

Länglich, stark abgeflacht; schwarz, die Oberseite mit schwa- 
chem, bräunlichem Metallschimmer; die vier ersten Fühlerglieder ein- 
farbig hell gelbrot^ alle folgenden schwarz; Schenkel pechschwarz, 
die Gelenke eine Spur heller; Schienen und Tarsen meist rötlich 
gelbbraun, zuweilen großenteils gebräunt oder sogar geschwärzt. 

Kopf relativ sehr klein; Stirnkiel scharf; Stirnhöcker als glatte 
Flächen angedeutet, die von der Stirn sehr schlecht, voneinander 
durch ein Strichelchen etwas deutlicher getrennt sind; Stirn glän- 
zend, fein und mäßig gedrängt (der Scheitel etwas feiner und ver- 
streuter) punktiert; Seitenrinnen (von der Fühlerwurzel zum oberen 
Augenrande laufend) scharf ausgeprägt. 

Halsschild viel breiter als der Kopf, ungefähr 1*75 mal so 
breit als lang, nach vorne sanft gerundet, ziemlich stark verengt, 
mäßig (seitHch vorne stärker) gewölbt; Vorderecken schmal ver- 
rundet; die vordere Borstenpore seitlich kaum merklich und nicht 



Vorsaiiiinhm;^" »^»'ktioii für Ivolcoptcroloj^ic;. 

eckii;* voitrotciul ; llinterccken stumpfwinkelig" vcrrundct. Halssoliild- 
oherliäche auf etwas fctti^Iänzendem Grunde fein und gedrängt 
j)unktiert, dazwischen kaum kenntlich chagriniert. 

Flügeldecken im Verhältnis zum Vorderkörper lang und breit, 
niedergedrückt, breiter als der llalsschild und fast viermal so lang 
als dieser; in den Schultern wenig heraustretend, seitlich sehr wenig 
gerundet, ziendich subparallel, am Ende plötzlich breit abgestutzt 
zugerundet; Nahtwinkel verrundet. Sie erinnern in der Form wie 
in der Feinheit und Gedrängtheit der Punktierung, die nirgends 
Reihenspuren zeigt, an die von FhjU. nodicornis Marsh.; wie bei 
dieser bleibt auch hier infolge der breitstumpfen Einzelabrundung 
das sehr breite, große, gleichmäßig fein punktierte und mit äußerst 
feiner Grundchagrinierung versehene Pygidium meist unbedeckt. 

Nach der Flügelung sind zwei Formen zu unterscheiden: 

a) forma alata^) mit ausgebildeten Unterfiügeln und kräftig 
markierter Schulterbeule ; 

If) forma aptera (vel hrachyptera) ohne oder mit nur rudi- 
mentär entwickelten Hautflügeln und kaum angedeuteter Schul- 
terbeule. 

Nach dem Bau der Unterseite gehört Phyll. iherica wegen 
des zwischen den Vorderhüften ziemlich gleichbreiten Prosternums 
und des zwischen den Mittelhüften fast quadratischen Mesosternums 
zur a^ra-Gruppe, ist also vorläufig in der Nähe von crassicornis 
All., Fotidrasi Bris., consohrina Gurt. etc. unterzubringen. — Länge 
2-2— 2-7 mm. 

d". Fühlerglied 2 — 4 (besonders 3 und 4) kurz, kaum doppelt 
so lang als breit, Glied 5 reichlich so lang als 3 + 4 zusammen, 
beträchtlich verdickt und unterseits etwas gebogen, Glied 6 etwas 
kürzer als 7. — Erstes Tarsenglied ' der Vorder- und Mittelbeine 
etw^as verbreitert. Letztes freiliegendes Abdominalsternit mit einer 
feinen Längsmittellinie, am Ende mit einem kleinen, queren Grüb- 
chen. Penis einfach, parallelseitig, am Ende gleichmäßig sanft ge- 



^) Ich vermeide es absichtlich, der geflügelten oder ungeflügelten Form 
einer Art einen Varietätsnamen zu verleihen und schlage die freie — den 
Nomenklaturregeln hinsichtlich Homonymie innerhalb der Gattung also nicht 
unterworfene — Bezeichnung „forma" (alata, bradiyptera, aptera) vor. 

1* 



(164) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



rundet in eine scharfe Spitze zusammenlaufend; seine Unterseite 
schwach querüber gewölbt und ohne nennenswerte Skulptur. 

9. Fühlerglied 2 — 4 eine Spur länger, Glied 5 eine Spur 
kürzer (als beim und nicht verdickt. 

Von dem tüchtigen Explorator Herrn Gustav Paganetti- 
Hummler in geringer Anzahl bei Palen cia im nordwestlichen 
Spanien gefangen. 

Fliyllotreta austriaca iiot. var. aligera Hktg. 

Eine der seltsamsten Halticinen hinsichtlich der Art ihres 
Vorkommens ist zweifellos Fhißl. austriaca m. Wiewohl mir im 
Verlaufe der sieben Jahre, die ich nun dem alleinigen Studium der 
paläarktischen Flohkäfer gewidmet habe, reiches Material aus den 
meisten Teilen Europas vorgelegen ist, habe ich diese charakteri- 
stische Art von nirgends gesehen als von der kleinen Stelle in der 
Nähe Wiens, wo ich sie seinerzeit entdeckte. Auch im übrigen 
Niederösterreich wurde sie bis heute nicht gefunden. Möglich, daß 
diese Seltenheit mit dem spärlichen Vorkommen ihrer Standpflanze 
in Verbindung zu bringen ist: sie wurde auf Sisymhrium strictissi- 
mum L. beobachtet, das sie mit Fhyll. atra Fabr. — ab und zu 
auch mit anderen gemeinen Phyllotreten — gemeinsam bewohnt. 
Während aber diese Arten auch auf vielen anderen Kruziferen hei- 
misch sind, scheint austriaca streng exklusiv zu sein und dieses 
Sisymhrium nicht zu verlassen. 

Umso auffälHger mußte es mir sein, diese Art in einer nur 
wenig abgeänderten Form in der Kollektion Reitter in einem ein- 
zelnen aus Tomsk im zentralen Sibirien wiederzufinden. Wenn 
diese Fundortangabe nicht auf einem Irrtum beruhen sollte, wirft 
sie ein ganz eigenartiges Licht auf den Gegensatz zwischen weiter 
Verbreitung und örtlich und ökologisch äußerst beschränktem Vor- 
kommen. Sicher steht jedenfalls, daß das vorliegende Stück nicht 
dem Sisymhrium der Wiener Gegend entstammt; denn die zahl- 
reichen Wiener Exemplare meiner Sammlung sind ohne Ausnahme 
nur mit Flügelstummeln versehen, wogegen das sibirische Tier 
völlig ausgebildete, die Deckenläoge weit übertreffende Hautflügel 
besitzt, also im Gegensatze zu der österreichischen Form sicher flug- 
fähig ist. 



Ich nehme im folgenden meine seinerzeitige Beschreibung der 
rii(/U. (w.^lriaca [et', diese „Verhandlungen", LIX, S. (9)— (KJ), H)()9] 
zur Grundhige und gebe im Wesentlichen nur eine DiHeren/.iiil- 
beschreibung der neuen Form, welche ich Phyll. austriaca var. 
aligera nenne.^) 

Größe und Habitus der normalen austriaca] llalsschild nach 
vorne sehr wenig verengt, relativ ziemlich stark gew()lbt, in der 
Nähe der Hinterecken schwach quer niedergedrückt verflacht; die 
Flügeldecken tragen als Folge der entwickelten Flugorgane eine 
deutliche^ mäßig große Schulterbeule, wodurch dieselben an der 
Basis breiter heraustreten, den Halsschild kleiner und die Decken 
seitlich weniger gerundet erscheinen lassen als bei der Normalform, 
und die Form hiedurch habituell den anderen geflügelten Arten, 
z. B. der Fhyll. diademata Foudr., wieder etwas näher rücken. Die 
Färbung ist schwarz, auf dem Kopfe mit sehr schwachem, grün- 
lichem Metallschimmer, der auch auf dem Halsschilde noch leicht 
bemerkbar ist, von da an über die Flügeldecken aber einem reinen 
Schwarz mit unmerklich bläulicher Tönung Platz macht. An den 
schwarzen Fühlern sind die Glieder 2 und 3 ganz rotgelb, ebenso 
die Spitze des Gliedes 1 ; Glied 4 ist schwach angedunkelt. An den 
Beinen sind nur die Kniegelenke rotgelb, die Tarsen pechbraun. 

Die Stirnbildung ist die gleiche charakteristische wie bei der 
typischen austriaca: derselbe ziemlich flachgewölbte Stirnkiel, der 
oben durch einen deutlichen, A -förmigen Eindruck von den undeut- 
lichen Stirnhöckern abgegrenzt ist; dieselbe etwas an Phyll. dia- 
demata erinnernde, nur auf dem vorderen Stirnteile (zwischen den 
deutlichen Augenrinnen) stärker ausgeprägte Punktierung, die den 
Scheitel völlig frei läßt. An den Fühlern ist Glied 4 ungefähr ebenso 
kurz wie 2 oder 3, Glied 5, 6 und 7 länger, untereinander an- 
nähernd gleich lang. 

Der sicherste Identitätscharakter aber liegt in der völlig über- 
einstimmenden Form des bei dieser Art ganz eigentümlich gebauten 
Penis, den ich, da das sibirische Tier ein ist, zur Untersuchung 

Die unbestimmte Bezeichnung „var." ist ein Notbehelf, der insolange 
zu führen ist, als das natürliche Verhältnis der geflügelten sibirischen zur un- 
gefliigelten europäischen Form nicht nach Materialen verschiedener Fundorte 
auf geographischer Basis klargestellt iet. 



(166) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



heranziehen konnte. Ohne diese Garantie hätte ich die Identifi- 
zierung nicht gewagt. Der Penis ist von oben (unten) gesehen 
ziemlich parallelseitig (in den mittleren Teilen sehr schwach er- 
weitert); vor dem Ende ist er leicht gerundet eingeschnürt, wo- 
durch ein rundhch-löiFelförmiger Endteil entsteht, der in eine un- 
merklich geschweifte Spitze (die ungefähr einen Winkel von 70^^ 
einschheßt) zusammenläuft; die Skulptur seiner Unterseite besteht 
im mittleren Teile in einem scharfen, hohen Mittelkiel, der sich 
gegen die Basis zu rasch senkt, teilt und als zwei basalwärts leicht 
divergierende flache Kiele eine flache Längseinsenkung einschließt; 
gegen das Penisende zu teilt sich der Mittelkiel wieder in zwei 
schwach divergierende, feine, schmale Kiele, die fast bis zum Ende 
laufen und den Endteil in drei seichte Längsmulden teilen, von 
denen die mittlere sich nach vorne, die seitlichen sich nach hinten 
sanft erweitern. Von der Seite gesehen, erscheint dieser Penis im 
Mittelteile am dicksten und ist hier mäßig gekrümmt. 

Die Fühler des cT zeigen keine Besonderheit; die ersten Tarsen- 
glieder aller Beine sind beim in der gleichen auffälligen Weise wie bei 
der typischen austriaca erweitert. — Länge des Exemplares: 11 mm. 

Patria: „Tomsk" (Zettel mit Eeitters Handschrift); Type 
von Herrn Reitter freundlichst meiner Sammlung überlassen. 

Von den in Betracht kommenden schwarzen Arten ist das 
Tier äußerlich in folgender Weise zu scheiden: 

Phyll. atra Fab. ist durchschnittlich etwas größer, besonders 
in den Flügeldecken länger und schmaler gebaut, rein schwarz mit 
eher etwas metallischem als bläulichem Schimmer; ihr Kopf ist 
kleiner, mit meist sehr scharfem Stirnkiel, der oben keinen A- för- 
migen Abschluß zeigt, sondern sich plötzlich zu der Stirnhöcker- 
fläche erweitert; diese letztere ist im hinteren Teile durch ein 
schwaches, doch meist gut kenntliches Längsmittelstrichel sym- 
metrisch geschieden; von dem oberen Ende dieses Trennungsstri- 
cheis laufen zuweilen schwache Eindrücke jederseits gegen die Augen 
zu, die eine (meist allerdings völlig verloschene) hintere (obere) Be- 
grenzung der flachen Stirnplaketten darstellen; die starke Stirn- 
punktierung bedeckt noch den Scheitel; der Halsschild ist stärker 
nach vorn verengt, aber schwächer gewölbt; die Flügeldecken sind 
etwas flacher, mehr subparallel, dreimal so lang als Kopf und Hals- 



I Vorsiimmlun^' (1er Sektion für KohiopttM-olof^ic;. (J^*'^) 

scliild zusammen (bei austriaca uii^el'älir 2^/3 mal so lang); die 
Punktierung- derselben ist auf dem Rücken in deutlichen engen 
Reihen (die allerdings nicht viUlig regelmäßig laufen) angeordnet; 
die Erweiterung der ersten Tarsenglicder beim d" ist viel geringer 
als bei austriaca] der Penis zeigt keine Einschnürung, keine scharfe 
Spitze, keinen gegabelten Unterseitenkiel etc. etc. 

Phyll. cruciferae Goeze (poeciloceras Com.) ist anders gefärbt, be- 
sitzt den gleichen Habitus wie atra (kleinen Kopf, flacheren, nach vorne 
verengten Halsschild^ lange Decken), eine bis über den Scheitel rei- 
chende Kopfpunktierung, in Reihen gestellte Deckenpunkte etc. etc. 

Phyll. diademata Foudr. kommt in der kürzeren Körpergestalt 
und dem nicht mehr punktierten Scheitel der austriaca bereits 
näher; Kopf und Halsschild sind aber kleiner, die Stirnhöcker sind 
im hinteren Teile besser voneinander und von der darüberliegenden 
Stirn abgesetzt, die quere Punktzone zwischen den Augen ist meist 
besser ausgeprägt; die Oberseite besitzt meist einen schwach erz- 
farbigen Schimmer; die Schultern treten stark heraus; die Erwei- 
terung des ersten Tarsengliedes beim cf ist schwächer, an den 
Hinterbeinen überhaupt kaum merklich; das letzte freiliegende Ab- 
dominalsternit des cT zeigt eine scharfe Mittelfurche und ein tiefes 
Grübchen am Ende; der Penis besitzt keine Einschnürung vor 
der Spitze und keinen Unterseitenkiel etc. etc. 

Phyll. aerea All. ist kleiner, viel zarter gebaut, kommt mit 
ihrer feinen Punktierung und ihrer meist schwach erzschimmernden 
Oberseite ebensowenig in Betracht wie Phyll. Foudrasi Bris., welch 
letztere überdies noch durch die etwas vorgezogene innere Endecke 
des dritten Fühlergliedes beim cT gekennzeichnet ist. Dasselbe End- 
eck chen in noch entwickelterer Form zeigt auch die kleine, ganz 
schwarzfühlerige Phyll. Weiseana Jacobson (denticornis Weise) aus 
Südrußland und den Kaukasusländern. 

Phyll. crassicornis All. ist charakterisiert durch fast stets ein- 
farbig helle Basalglieder der Fühler und die Erweiterung des fünften 
Fühlergliedes beim . Sie würde sich habituell etwas der austriaca 
nähern; desgleichen Phyll. halcanica Hktg., die aber durch gleich- 
falls ganz helle Grundglieder der Fühler und einen Penis ohne api- 
kale Einschnürung und ohne Ventralkiel ausgezeichnet ist. Phyll. 
adanensis Pic. ist zu halcanica m. zu ziehen (ex typo). 



(Iboj Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 

Von den mir unbekannten japanischen Arten bleibt die er- 
bärmlich beschriebene Phyll. funesta Baly mit Rücksicht auf die 
Größenangabe (I72 — 2 lin.) außer Betracht, während Phyll. tenehrosa 
Jacoby der gleichfalls ziemlich ansehnlichen Größe (1 — 1^2 hn.), 
der ganz gelben Fühler und Beine etc. etc. halber nicht hieher 
bezogen werden kann. 

Versammlung am 16. März 1911. 
Vorsitzender: Herr Reg.-Rat Direktor L. Gangibauer. 

I. Herr A. Wink 1er demonstriert einen neuen Ausleseapparat 
für Erdgesiebe. 

II. Der Vorsitzende bringt neue Literatur zur Vorlage. 

HI. Herr A. Kni^ legt die Beschreibungen eines neuen 
Subgenus und zweier neuer Arten paläarktischer Hydro- 
philiden vor: 

HolcopMlydrus Kniz noY. subgeii. 

Die neue Subgattung HolcopMlydrus unterscheidet sich von 
allen übrigen Philydren durch die mit Längsstreifen versehenen 
Flügeldecken und steht somit zu Philydrus s. str. im selben Ver- 
hältnisse wie Graplielochares zu Helochares s. str. 

HolcopMlydrus ussuriensis Kniz nov. spee. 

In Größe und Gestalt mit großen Exemplaren des Philydrus 
quadripimctatus Herbst tibereinstimmend, von diesem und den ver- 
wandten Arten jedoch leicht durch die auffallende Flügeldecken- 
skulptur zu unterscheiden. Die Oberseite glänzend, bei den vor- 
liegenden Stücken (9) der Kopf samt der Oberlippe schwarz, nur 
eine größere Partie jederseits vor den Augen gelb, der Halsschild 
gelb mit einem großen dunklen Mittelfleck. Die Flügeldecken gelb- 
braun, an den Seiten hellgelb, mit einem dunklen Schulterfleck. 
Die Fühler mit Ausnahme der dunklen Keule und die Kiefertaster 
hellgelb. An den letzteren das Endglied gegen die Spitze zu an- 
gedunkelt. Die Unterseite schwarz. Die Schenkel schwarz, in 
ihrer oberen Hälfte rötlich. Die Spitzen der Schenkel sowie die 
Schienen und Tarsen bräunlichgelb. Der Kopf wenig fein und 



V(M's:uninIiJnj;- der Sektion lür Kolroplci-olo;^^«. 



im 



dicht punktiert, auf der Stirn jcdcrseits mit einer (Gruppe griißcrer 
und am Clypeus mit einzelnen i;T<')ßeren Punkten. Der Ilalsseliild 
etwas gröber und weitliiuii^er als der Kopf punktiert, die Punkt- 
ellipse mit mehr und gT()ßeren, tiefen, zerstreuter als bei qiiadri- 
punciatiis liegenden Punkten. Die Flügeldecken sehr ausgezeich- 
net, jederseits des Schildchens mit einem gebogenen, furchenfcir- 
migen Skutellarstreifen von zwei- bis dreifacher SchildchcnUlnge 
und weiteren 10 Längsstreifen, von welclien die äußeren als Punkt- 
streifen ausgebildet sind und welche sämthch vor der Fiügeldecken- 
basis beginnen und vor der Spitze endigen. Von diesen 10 Längs- 
streifen ist der 1. im vorderen Fünftel gebogen, um dem Sku- 
tellarstreifen Platz zu machen und nähert sich nach hinten immer 
mehr und mehr der Naht. Der 5. und der 6. Streifen vorne diver- 
gierend, der V. vorne meist etwas verkürzt, der 8. vorne sanft ein- 
w^ärts gebogen. Sämtliche Zwischenräume dieser Streifen sind flach 
und so grob und ebensowenig dicht als der Halsschild punktiert. 
Der 3., 5. und 7. Zwischenraum außerdem noch mit je einer un- 
regelmäßigen Reihe eingestreuter sehr grober und tiefer Punkte. 
Der 10. Zwischenraum ziemlich schmal, der 9. und 11. breit und 
außer der obligaten Punktierung noch mit unregelmäßig eingestreuten 
groben und tiefen Punkten. — Länge: 5 2 mm. 

Patria: Ostsibirien: Ussurigebiet, Kasakewitsch (leg*. 
Korb 1907). 

Cercyon (s. str.) Korbiamis Kniz nov. spec. 

Durch die Apikaifärbung der Flügeldecken dem marinitsThoms. 
nahestehend, jedoch viel kleiner und auf den Flügeldecken weniger 
kräftig punktiert als dieser. Klein, ziemlich stark gewölbt. Die 
Oberseite schwarz oder dunkel braunrot. Die Seiten des Halsschildes 
ausgedehnt rötlich, häufig auch der ganze Vorderrand und der 
Hinterrand schmal rötlich. Die Flügeldecken mit scharf begrenzter 
rötlicher Apikaifärbung und meist rötlichen Epipleuren, die Naht 
aber bis zur Spitze dunkel. Die Oberseite matt glänzend. Kopf 
und Halsschild stark und dicht punktiert. Die Flügeldecken ziem- 
lich stark, aber schwächer und weitläufiger als der Halsschild punk- 
tiert. Die inneren Punktstreifen derselben wenig vertieft, vorne 
schwächer, rückwärts sehr grob, die äußeren vorne und rückwärts 



(170) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



fast gleich stark punktiert. Die Unterseite dunkel. Die Fühler 
und Palpen, letztere mit Ausnahme des [dunklen Endgliedes, und 
die Beine rötlich. Die Fläche der Mesosternallamelle ungefähr 
2^/2 mal so lang als breit, grob punktiert. Die Medianpartie des 
Metasternums grob und nicht sehr dicht punktiert. Die Schenkel- 
linien desselben nicht nach vorne verlängert. — Länge: 2 mm. 

Patria: Ostsibirien: Ussurigebiet, Kasakewitsch (leg. 
Korb 1907). 

IV. Herr Dr. M. Bernhauer (Grünburg, Ob.-Öst.) sendet die 
Beschreibung einer neuen Staphyliniden-Art ein: 

Uuphanias FliginsMi Beruh, nov. spec. 

Eine interessante neue Art, welche Merkmale beider bisher 
beschriebenen Arten vereinigt. 

Im Habitus und Farbe dem Euphanias insignis Muls. et Key 
sehr ähnhch, jedoch ein wenig kleiner. 

An den Fühlern ist das erste GUed dem des brasilianischen 
Euphanias Ganglbaueri Beruh, gleich, schmal und langgestreckt, 
wohl viermal länger als breit, in der Mitte nicht erweitert und nicht 
beschuppt. Die übrigen Glieder sind wieder von denen des insignis 
kaum verschieden. 

Die Beschuppung ist kaum weitläufiger, wohl aber deutlich 
feiner; der Halsschild besitzt hinter dem Vorderrande und vor dem 
Hinterrande je eine starke Querfurche, welche in die beiden seit- 
lichen Halsschildfurchen übergehen, die mittlere Erhabenheit er- 
scheint dadurch schärfer abgesetzt, außerdem ist dieselbe in zwei 
Längsbeulen aufgelöst, während sie bei insignis mit dem Vorder- 
und Hinterrande zusammenhängt; die Mittelfurche erscheint dem- 
entsprechend nicht wie bei insignis durchgehend, sondern ist zwei- 
mal unterbrochen. Die Flügeldecken sind bedeutend länger als 
bei insignis, doppelt so lang als der Halsschild und auch viel breiter, 
die Rippen sind stärker ausgeprägt, insbesonders ist die dritte Rippe 
viel kräftiger und länger und schief gegen die zweite Rippe gerichtet. 

Das schöne Tierchen wurde von Herrn Pliginski in der 
Umgebung von Sebastopol in der Krim in zwei gleichen Stücken 
am 7. März 1906 entdeckt und sei demselben freundlichst gewidmet. 



V(>rsaininliinj;' der Sektion lür I icpidoptcrdloj^ie. 



(171) 



Bericht der Sektion für Lepidopterologie. 

Versammlung am 6. Oktober 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

I. Der Vorsitzende bringt unter Bezugnahme auf frühere Mit- 
teikmgen ^) einen Brief des Vorstandes des n.-ö. Landesmuseums 
ddo. ü. Juli 1911 zur Verlesung, wonach für Abgabe authentischen 
niederösterreichischen Lepidopterenmateriales für die nächsten Jahre 
die Zuwendung eines Betrages von 200 — 300 K an die Sektion in 
Aussicht gestellt wird. 

Zur zweckentsprechenden Verwendung dieser Beträge im In- 
teresse einer allseitigen faunistischen Erforschung des Kronlandes 
Niederösterreich wird über Vorschlag des Vorsitzenden ein Komitee, 
bestehend aus den Herren: Dr. E. Galvagni, Fr. Frei Becker, 
Dr. Schlesinger und Dr. Zerny gewählt, welches diesbezügliche 
Vorschläge an den Sektionsabenden erstatten wird. 

Über Antrag des Herrn Ministerialrates Schima wird auch be- 
schlossen, daß die Materialabgabe an das n.-ö. Landesmuseum 
seitens der Sektionsmitglieder durch das Komitee zu erfolgen hat. 

II. Der Vorsitzende legt nachstehende Druckwerke mit kurzen 
referierenden Bemerkungen vor: 

Hellweger, Prof. Mich., Die Großschmetterlinge Nordtirols. 
1. Teil: Tagfalter. (36. Jahresber. des fürstbischöfl. Pri- 
vatgymnas. in Brixen, 1911.) 

Prohaska, Prof. Karl, Beitrag zur Fauna der Kleinschmetter- 
linge von Steiermark. (Jahresber. des k. k. 1. Staatsgymn. 
in Graz, 1911.) 

Tölg, Prof. Dr. Fr., Hydroecia micacea Esp., ein neuer Hopfen- 
schädhng. Saaz, 1911. (Herausgeg. vom Landeskulturrat 
des Königr. Böhmen.) 



1) In diesen „Verhandlungen«, Jahrg. 1910, p. (222) und 1911 p. (42). 



(172) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Nachruf an Frau Rosina Korb. (Mitt. Münch. Ent. Ges., II, 
p. 33—38.) 

Aurivillius Chr. et Wagner H. Lepidopterorum Catalogus, 
Pars I, Chrysopolomidae. (Berlin, Junk, 1911.) 

Berges Kleines Schmetterlingsbuch, in der Bearbeitung von 
Dr. H. Rebel. (Stuttgart, Verlag E. Schweizerbart, 1911. 
Mk. 5.40.) 

III. Herr Dr. E. Galvagni demonstriert Heterogynis penella 
Hb., deren er am 13. Mai heurigen Jahres in großer Zahl auf 
den Karstwiesen des Monte Spaccato bei Triest fliegend antraf und 
deren 9 er auch aus dort gefundenen Gespinsten zahlreich erzog. 

IV. Herr Leo Schwingenschuß bemerkt unter Vorlage eines 
schönen Serienmateriales, daß die von ihm stenotaenia benannte 
Form ^) von Psodos quadrifaria Sulz, in der Gamsgrube des Glockner- 
gebietes den Charakter einer lokalen Höhenform besitzt. Die Fund- 
stelle liegt zwischen 2500 — 2600 m Seehöhe. Außer durch die sehr 
schmale gelbe Querbinde, die zuweilen linear wird, unterscheidet sich 
diese Form auch durch ein dunkleres Schwarzbraun von sonstigen 
alpinen Stücken. Auch am Moserboden treten ähnliche Stücke auf, 
deren gelbe Querbinde aber doch noch breiter bleibt. 

V. Herr Dr. H. Zerny weist eine Serie you Larentia pupillata 
Thnbg. vor, welche bisher für alpin gehaltene Art von ihm in An- 
zahl in den Marchauen bei Zwerndorf (N.-O.) am 14. Mai 1911 er- 
beutet wurde. Auch in Oberweiden wurde ein Stück von ihm ge- 
fangen. 

VI. Herr Zentralinspektor J. Prinz macht die Mitteilung, daß 
er am 20. Juli 1911 ein Exemplar von Te))hfoclystia gueneata Mill. 
im Bade Tüffer (Steiermark) an Licht erbeutet habe. Das Stück 
wird vorgewiesen. Die Art ist neu für die steiermärkische Fauna. 

VII. Herr Prof. Dr. M. Kitt macht nachstehende Mitteilungen 
über das Ei und die Raupe von Psodos trepidaria Hb.: 



1) In diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1909, p. (330). 



VersniinnliiiiL;- der Sektion für I .cpidoptcrolo^'w^ 



Psodos ircpuhirla Hb. ist in unseren lloclialpcn stellenweise 
recht liäiifi^^, so z. in den Otztaler Alpen, woselbst ich den Falter 
am 17. Juli 1911 zwisclien den Finstertalcr Seen in ca. 2100 m 
ll()he antraf. Die Falter waren frisch geschllipft und flogen in 
außerordentlicher Menge vormittags zwischen 10 und 1 Uhr an den 
gegen die beiden Seen abfallenden Matten. 

Ein in der Sammelschachtel genadeltes, noch lebendes q legte 
ein kleines Kliimpchen aneinamier klebender Eier. Da die ersten 
Stände von Fsodos frepidaria Hb. bisher noch nicht beschrieben 
wurden, möge eine Beschreibung derselben hier folgen. 

Die Eier sind für den kleinen Falter verhältnismäßig groß, 
oval, glatt und hellgrün gefärbt. Gegen Ende Juli erhielt ich sieben 
kleine Räupchen, glatt, ockerbraun mit weißlichem Seitenstreif und 
schwärzlichen Schrägstrichen auf den Segmenten. Ich legte ihnen 
Salat vor, welchen sie annahmen und wobei sie langsam gediehen. 
Mitte September waren nur mehr zwei Räupchen, jetzt ungefähr 
1 cm lang, vorhanden. Zwei gingen infolge von Feuchtigkeit zu- 
grunde, die übrigen verschwanden vollständig. Durch das sehr 
engmaschige feine Metalldrahtnetz des Zuchtglases konnten die ge- 
drungenen und plumpen Räupchen jedenfalls nicht entweichen; ich 
vermute, sie wurden von den Überlebenden nach und nach verzehrt. 
Die fast erwachsene Raupe ist glatt und unbehaart, nur an den 
Beinen und am Munde zeigen sich bei starker Vergrößerung einige 
Borsten. Sie ist veilbraun, fein weißlich chagriniert^ an den Seiten 
schwärzlichgrau. Die glänzend schwarzen Stigmen liegen in einer 
helleren undeuthchen Seitenlinie. Eine schwarzgraue, sehr undeut- 
liche feine Dorsale ist nur auf den ersten Segmenten deutlicher. 
Auf den Segmenteinschnitten stehen auf gelbhchem Grunde je zwei 
schwarze nach vorne konvergierende Schrägstriche; diese sind für 
die Zeichnung der Raupe charakteristisch. 

Über die Nahrung der Raupe im Freien vermag ich nur Ver- 
mutungen auszusprechen. Auf den Matten, wo Fsodos irexndarla flog, 
wuchs neben Grasarten hauptsächlich Alpenrosengebüsch und viel 
Geum montanum und FotentUla aiirea^ möglicherweise sind die 
letzten beiden die Futterpflanzen der Raupen. Wahrscheinlich aber 
sind sie es für die Raupe der Hesperia cacaliae, die gerade hier 
sehr zahlreich flog. So sehr ich mich jedoch bemühte, konnte ich 



(174) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



mit vieleu cacaliae -Weihchew, die ich einfing, keine Eiablage er- 
zielen. 

Prof. Eebel bemerkt zu vorstehenden Ausführungen, daß ein 
genauer Vergleich der Psodos trepidaria-Rsmi^en^ die Prof. Kitt 
dem Hofmuseum freundhchst überließ und die von Herrn Spitz 
meisterhaft präpariert wurden, mit jenen von Psodos coracina^) 
keinerlei standhafte Zeichnungsunterschiede erkennen lasse. Nur 
die Grundfarbe der Psodos coracina-Raupe ist heller, im präparier- 
ten Zustande geradezu holzgelb, wogegen trepidaria-RsLUipen veil- 
braun bleiben. Noch näher dürfte der Psodos trepidaria-RsLU'pe jene 
von Psodos noricana^) kommen, die ebenfalls ein sehr dunkles 
Kolorit aufweist. 

Die Puppe von Psodos trepidaria wurde in allerjüngster Zeit 
von Hoff mann (Int. Ent. Z., V, p. 248) beschrieben. 



Versammlung am 3. November 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

I. Der Vorsitzende legt nachstehende Druckwerke mit kurzen 
Referaten vor: 

Johnas Wilh., Das Facettenauge der Lepidopteren. (Zeitschr. 
f. Wissenschaft!. Zool., 97. Bd.) 

Kusnezow N. J., On the probable viviparity in some Danaid 
(i. e. Pierid) butterflies. (Hör. Soc. Ent. Ross., 39. Bd., 1910.) 

Federley Harry, Vererbungsstudien an der Lepidopteren- 
gattung Pygaera. (Arch. f. Rassen- u. Ges.-Biol., 1911.) 

Vorbrodt Karl u. Müller-Rutz J., Die Schmetterlinge der 
Schweiz. (1. Lief. Bern, 1911.) 

Ebert, Dr., Über einige Aberrationen von Lepidopteren der 
Kasseler Fauna. (Festschr. Ver. Naturk. Kassel, 1911.) 

Peyron John, Zur Morphologie der skandinavischen Schmetter- 
lingseier. (K. Svenska Vet. Handl., Bd. 44, 1909.) 



^) May u. rieischmann, X. Jahresber. des Wien. Ent. Ver., p. 85 ff., 
Taf 1, Fig. 10. 

2) 1. c, Taf. 1, Fig. 9. 



Versaiuinlim},' der St^kfioii für licpidoptciolo^fic». 



II. Herr Dr. Karl Scliawerda macht unter Material vorläge 
iiachstelieiule Mitteilungen : 

1. Luperina (?) bischoff'i H. S. Ein cf dieser interessanten 
Art, die aus Westasien bekannt und in der letzten Zeit auch in 
Ragusa gefunden wurde, fing Herr Hans R. v. Woerz in Korfu im 
Oktober lUU) am Licht. Das Exemplar ist viel heller als ein ^ 
meiner Sannnlung* aus Syrien. (Lokalrasse?) 

2. Eine prachtvolle melanotische Ärgynnis aglaja L. {c^) er- 
beutete Dr. SchaAverda anfangs Juli 1911 in der Vucija bara 
(Herzegowina) in 1200 m Höhe. 

Oberseits mit Ausnahme brauner Randflecke und brauner 
Wurzelflecke der Vorderflügel und Hinterflügel tief samtschwarz. 
Unterseits sind die Vorderflügel braun mit schwarzen breiten Längs- 
streifen im Discus, die Hinterflügel olivgrün mit drei großen langen 
Silberflecken in der Wurzel und einem Kranze (6) silberner Flecke 
vor dem gelbbraunen Rand. Die ab. wimanni Holmg. ist dieses 
Tier daher nicht, sondern eine andere benennenswerte melano- 
tische Form. 

3. Erebia glacialis var. nicholli Obth. fing Dr. Schawerda in 
der Brenta bei der Tuckettpaßhütte (über 2000 m) in typischen 
Stücken. 

Ein einziges Exemplar (d") aberriert durch das Fehlen jeder 
weißen Pupillierung der Augen und erscheint somit oben und unten 
ganz schwarz. Doch unterscheidet es sich von der ab. pluto der 
andern Lokalrassen dieser Art dadurch, daß die Augen noch tiefer 
schwarz aus der schwarzen Flügelfarbe hervortreten, was bei pltiio 
nicht der Fall ist, und das Schwarz oben und unten ein gleich- 
mäßiges und viel intensiveres ist. Herr Dr. Kolisko hat für Erebia 
ligea, deren Augen vorhanden, aber nicht w^eiß pupilliert sind, den 
Namen ab. caeca angewendet. Es wäre gut, dies bei allen Erebien 
gleichmäßig zu tun. 

4. Larentia kollariaria H.-S. Vier Formen aus dem Lechner- 
graben bei Lunz am See. Dr. Kempny hat die Art bei Gutenstein 
(Mariahilferberg, 800 m) aufgefunden und Herr Ernst Fitz hat sie im 
Feuchtenbachgraben bei Pernitz (N.-O., 500 ni) erbeutet. Dr. Scha- 
werda fing sie im Lechnergraben (bis zu 1000 m), noch höher 
auf dem Hochkaar, in St. Ulrich in Gröden (Südtirol) in der Höhe 



(176) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



von 1200 m, auf dem Confinboden (Langkofelgruppe in Groden, 
gegen 1600 m), auf dem Trebevic (Bosnien) und in Suha an der 
bosnisch-montenegrinischen Grenze. 

Die Stammform hat eine moosgrüne Grundfarbe mit brauner 
Begrenzung des Mittel- und Wurzelfeldes der Vorderflügel, die 
ab. ohscurata Hofm. ist ganz dunkelbraun, die dritte Abart der nieder- 
österreichischen Exemplare läßt die dunkelbraune Mittelbinde stark 
gegen das helle Olivgrün der inneren und äußeren Umgebung kontra- 
stieren. Diese Abart geht in Wien unter dem Namen ab. laetaria Lah. 
Herr Fritz Wagner macht aufmerksam, daß die echte Laetaria 
Lah., die er aus der Schweiz (Walhs) besitzt, als eigene Art an- 
gesehen wird. Zum mindesten sei sie eine gute Lokalrasse und 
unterscheide sich von unseren niederösterreichischen Stücken, die 
bis nun als Laetaria angesehen wurden, durch eine ganz nicht 
olivengrüne, sondern lauchgrüne, fast blaugrüne, sehr helle Grund- 
farbe^ viel lichtere Hinterflügel und starke Verschmälerung der 
braunen Mittelbinde gegen den Innenrand. 

Das ganze Tier (Laetaria) ist viel zarter und dürfte wirklich 
eine eigene Art sein. Nach Einsicht in Herrn Wagners Laetaria 
kann ich dies vollinhaltlich bestätigen. 

Unsere Kollariaria in den österreichischen Alpen möge, wenn 
sie im Außen- und Wurzelfelde heller olivgrün wird und so zwischen 
der völlig braunen Mittelbinde und ihrer Umgebung einen stärkeren 
Farbenkontrast aufweist, ab. hilariata heißen. 

Bei unserer österreichischen Kollariaria ist übrigens die Mittel- 
binde gewöhnlich ganz braun. Ich besitze die Form hilariata aus 
Gutenstein (3 9, Mai) und vom Dürrenstein bei Lunz (Juni). 

Die dritte Abart ist ein gleichförmig hellbraunes Männchen, 
das durch quere Verbindung der äußeren und inneren Mittelfeld- 
lappen durch schwarze Adern dieses in viele übereinander liegende 
Inseln geteilt hat. Das Tier erscheint dadurch auffallend. Wir 
kennen diese Tendenz von anderen Larentien her. 

Ich nenne diese Form ab. insulata. (Type , Dürrenstein 
bei Lunz am See, N.-Ö., 1. Juli. In meiner Sammlung.) 

5. Derselbe zeigt zwei mit Ausnahme von Resten der weißen 
Randwellenlinie der Vorderflügel zeichnungslos schwarzgraue Abarten 
der Fhihalapteryx aemulata Eh., die Herr Franz Sauruck auf der 



Versimiinluiifj^ (l<ir Sektion l'iir Lepidoittcroloj-ie. 



(177) 



Kauschmauer bei Iauva und im Lechnergniben (17. Mai und Juni) 
erbeutete, und benennt diese melanotisclie Al)art nach dem 
um die Erforschung- der Lunzer Fauna verdienten Finder der 'J'iere 
und eifrige Sammlung ab. saurucki. 

6. Dr. Sc ha wer da berichtet ferner, daß er heuer in der Her- 
zegowina durch Beobachten eines ColUis myrmidone var. halcanica 
9 der weißen Form rchcU Schaw. beim Eierablegen die Futter- 
pflanze Cytisus capitakis mit Sicherheit festgestellt hat. Die spindel- 
förmigen Eier wurden dadurch, daß das Weibchen sich unterseits fest- 
hielt und den Leib sichelförmig über den lland der schmalen Blätter 
nach oben krümmte, alle auf der Oberseite der Blätter abgelegt, 
und zwar im Freien ein Ei auf einer Pflanze, in der Glasflasche 
natürhch mehrere auf einer Pflanze. Die Eier waren nicht rot, son- 
dern grünlichweiß und wurden erst später zinnoberrot. Die Räup- 
chen krochen schon in einigen Tagen aus. Im September hörten 
sie plötzlich zu fressen auf und setzten sich in der Länge von ca. 
1 cm auf der Oberseite der Blätter über der Mittelrippe zur Über- 
winterung fest. Sie sind bis dahin überall gleichmäßig grün und 
mit zarten Härchen besetzt. Im Anfang skeletieren sie die Blätter, 
dann fressen sie auch vom Rande her. Balcanica überwintert daher 
als Raupe. 

HL Herr Dr. H. Zerny berichtet unter Vorweisung von Beleg- 
stücken über eine Lepidopterenausbeute aus Bad Ratzes in 
SüdtiroL 

Herr Fr. Fr. Kohl^ Kustos am k. k. naturhistorischen Hof- 
museum in Wien, hielt sich wie alljährhch so auch im Hochsommer 
1911 längere Zeit in Bad Ratzes in Südtirol auf und sammelte 
daselbst eine sehr große Anzahl von Ledidopteren. Die Ausbeute 
wurde dem Hofmuseum übergeben und ich übernahm auf Ersuchen 
Herrn Prof. Rebeis die Bearbeitung derselben. Sie besteht zum 
weitaus größten Teile aus Heteroceren, die fast ausschließlieh am 
elektrischen Licht erbeutet wurden, und enthält entsprechend der 
Höhenlage von Bad Ratzes (1200 m) vorwiegend Arten der sub- 
alpinen Region, doch finden sich überraschenderweise darunter auch 
einige wenige Formen, deren normales Fluggebiet bereits in der 
alpinen Region liegt. 

Z. B. Ges. Gl. Bd. m 



178) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Da bereits im Jahre 1895 von Herrn Prof. Rebel in der 
Broschüre „Das Bad Eatzes in Südtirol" von K. Prossliner (Bilin) 
p. 58 — 62, ein Verzeichnis der bis dahin von dort bekannten auf- 
fallenderen und für das Gebiet charakteristischen Arten veröffent- 
licht wurde, fanden im vorliegenden Beitrage nur solche Formen 
Aufnahme, welche in dem erwähnten Verzeichnisse fehlen. Ubi- 
quisten wurden auch hier übergangen. Herrn Prof. Rebel bin ich 
für die Revision einiger Bestimmungen zu Dank verpflichtet. 

Nymphalidae. 

Melitaea plioebe Knoch. 

Lycaenidae. 

Lycaena astrarcJie Bgstr. 

Spliingidae. 

Pergesa porcellus L. Ein Stück mit graurotem Saumfeld der 
Vorderflügel, bis nahe an den Saum schwärzlichen Hinterflügeln 
und oberseits olivengrünem Abdomen. 

Notodoiitidae. 

PJieosia dictaeoides Esp. 

Lymaiitriidae. 

Lymantria monacha L. und ab. eremita 0. Von letzterer 
ein cJ" mit kaum sichtbarer Zeichnung der Vorderflügel. (Übergang 
zu atra Linstow.) 

Lasiocampidae. 

Lasiocampa trifolii (Esp.) medicaginis Bkh. Selenophora hmi- 
gera hmigera Esp. Dendrolhmis pini (L.) montanus Stgr. und Über- 
gänge zur Stammform mit aschgrauem Mittel- und Saumfeld der 
Vorderflügel. 

Noctuidae. 

Acronyda eiiphorhiae (F.) montivaga Gn. Ägrotis strigula 
Thnbg. In größerer Anzahl erbeutet. Ä. hjperhorea Zeit Ein etwas 
verkrüppeltes cf mit rotbraun gemischten Vorderflügeln. (Übergang 



Veivsaiumluiit;' (I(m- Si^ktion für Ij(ipi(l()|>t.(M-()l()t,Mo, 



(179) 



ZU caniica Hering.) Ein wegen der verhältnismäßig geringen Höhe 
tinrtallcnder Fundort. .1. colUmt H. Zwei zienilicli kleine o dieser 
seltenen Art, die in Tirol bisher nur aus dem Gloeknergebicte be- 
kannt war. Ä. haja F. A. speciosa speciosa Hb. yl. candelarum 
Stgr. A. primulae Esp. A. margarltacea Vill. Ein 9. Die Art 
scheint bisher aus Tirol noch nicht nachgewiesen. A. hirivia Hb. 
In größerer Anzahl erbeutet. A. decora (Hb.) livida Stgr. A. gri- 
sescens Tr. Ein dunkles mit am Innenrand basalwärts schwarz 
angelegten äußerem Querstreifen der Vorderflügel. A. tritici L. 
A. occulta L. Mamestra reticidata Vill. M. chrysozona Bkh. Dian- 
thoecia nana Rott (conspersa Esp.). D. compta F. B. irregularis 
Hufn. Ein Stück. Bomhycia viminalis F. In großer Anzahl er- 
beutet. Miana literosa Hw. Ein Stück dieser für Tirol neuen Art, 
die aus der Schweiz und Kärnten bereits bekannt war. Bryophlla 
ravula (Hb.) ereptricula Tr. Hadena genimea Tr. Vier Exemplare. 
BJmogramma detersa Esp. Hydroecia nictitans Bkh. und ab. ery- 
tJirostigma Hw. Garadrina exigua Hb. Ein Stück. G. selini B. 
Ein Stück. Aus Tirol war bisher nur die vielleicht spezifisch ver- 
schiedene noctivaga Bell, bekannt. Das Stück stimmt vollkommen 
mit solchen vom Simplen (vid. Rebel). G. gilva Donz. Ein 9. G. ta- 
raxaci Hb. Eusina umhratica Goeze. Amphipyra perflua F. Gii- 
cullia ahsinthii L. Pliisia hractea F. P. vaii argenteum Esp. Ein 
Stück. P. jota L. P. interrogationis L. P. ain Hochenw. In größerer 
Anzahl erbeutet. Apopestes diUtcida Hb. Ein Stück. Wohl einer 
der nördlichsten Fundorte für diese mediterrane Art. Sie ist auch 
aus dem Ortlergebiet bekannt. Laspeyria flexida Schiff. Parasco- 
tia fuliginaria L. 

Cyinatophoridae. 

Ctjmatophora duplaris L., darunter ein Stück ab. argentea Tutt. 

Greometridae. 

Geometra papilionaria L. Euchloris vernaria Hb. Acidalia 
incanata L. A. fumata Steph. Illiodosirophia vibicaria Gl. Odesia 
atrata L. Anaitis praeformata Hb. Eucosmia certata Hb. Larentia 
fidvata Forst. L. hicolorata Hufn. L. cognata Thnbg., L. imma- 
nata Hw. L. aptata Hb. L. oliv ata Bkh. L. viridaria F. L. aqueata 
Hb. L. quadrifasciata Gl. L. designata Rott. L. cyanata Hb., auch in 



(180) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



der Form flavomixta Hirschke. L. nohiliaria H.-S. Einige Exemplare 
dieser Art, die eigentlich eine Bewohnerin der alpinen Region ist. 
L. nehulata Tr. L. incultaria H.-S. L. scripturata (Hb.) dolomitana 
Habich. Die Stücke bilden zum Teil Übergänge zur Stammform. 
L.luguhrata StgY. L.Jiydrata Tv. Ein 5. L. minor ata Tr. L. adae- 
(ßiata Bkh. L. sordidata F. L. süaceata Hb. Tephroclystia^) stro- 
hilata Bkh. {abietaria Goeze). venosata F. [T. vulgata Hw. (au- 
sterata Hb.). T. lariciata Fr. T. suhfulvata Hw. T. semigraphata 
Brd. T. valerianata Hb. T. nanata Hb. T. sobrinata Hb. Ellopia 
prosapiaria (L.) prasinaria Hb. Sehr häufig. Metrocampa marga- 
ritata L. Selenia hilunaria Esp. g. a. juliaria Hw. Gonodontis 
hidentata Gl. Uropteryx samhucaria L. Epione parallelaria Schiff. 
Semiothisa liturata Gl. Boarmia secundaria Esp. In großer Anzahl 
erbeutet. ^. riheata Gl. jB. juhata Thnbg. Sehr häufig. Gnophos 
amhiguatus Dup. 6r. glaucinarius Hb. Eine große Anzahl von 
Stücken, die sehr variieren. 6r. sordarius (Thnbg.) mendicarius H.-S. 
(t. dilucidarius Hb. Sehr häufig, (r. myrtillatus (Thnbg.) ohfus- 
carius Hb. 

Arctiidae. 

Nildaria mundana L. Atolmis riihricoUis L. Oeonistis (jtiadra L. 
LUhosia lurideola Zinck. In großer Anzahl erbeutet. 

Zygaeiiidae. 

Zygaena traiisaljrina Esp. 

Psychidae. 

? Ilehelia sappho Mill. 

Hepialidae. 

Hepialus silvinus L. 

Pyralidae. 

Äphomia soclella L. Cramhus pyramidellus Tr. C. myellus Hb. 
C liictiferellus Hb. Ein Stück. Bemerkenswert wegen des niedrig 
gelegenen Fundorts. Ilypoclialcia alienella Hb. Endotriclia flam- 



^) Sämtliche Arten dieser Gattung- wurden von Herrn Prof. Rebel 
revidiert. 



VersHiniulim;;' (Um- Sektion für Lcpidopterolo^Me. (1^^) 

mralis Schill". Scoparia lactella Z. Ein Stück. Die Art ist aus 
Tirol noch nicht nach «gewiesen. Fionea nrhulalii^ IIb. P. olwalis 
Schitr. rynrnsta acrcalis (Hb.) opacalis Hb. r. alpinalis Scliiff. 
P. funebris Ström. 

Tortiicidac. 

Cacoecia aeriferana H.-S. Torirlx (Cncphasla) canescana Gn. 
Oclcchiidac. 

Bepressaria petasitis Stdf. D. Bechmamü Hein. Ein Stück (det. 
Rebel). 

IV. Herr Baurat H. Kautz demonstriert zwei frische von 
Psodos spitsi llbl., die er im heurigen Jahre im Triglavgebiete er- 
beutete, und bemerkt, daß sein Vater auch ein bereits im Jahre 1898 
am Kreuzjoch (Pustertal) in 2000 m Höhe erbeutetes Stück besitze, 
welches ganz mit den Triglavstücken übereinstimmt. 

Derselbe demonstriert ferner eine Zygaena carniolica ab. fla- 
veola Esp. von Moistrana und Hesperia andromedae Wllgr. vom 
Wiener Schneeberg (2. Juli) mit partiell vereinten weißen Flecken 
der Vorderflügel. 

V. Herr Fritz Wagner demonstriert einige Zygaenen aus seiner 
heurigen Ausbeute in Andalusien und macht unter anderem auf die 
(schon von Oberthür, Et. Lep. Comp., IV, p. 491 und 494 angenom- 
mene) Verschiedenheit von Z. trifolii australis Led. und Z. trifolü 
syraciisiae Z. aufmerksam. Nur erstere Form kommt in Andalusien 
vor und zeigt zuweilen fast ganz blauschwarz gefärbte Hinterflügel 
(= caerulescens Obth.; Rbr., Cat. And., Taf. 1, Fig. 5). 

VI. Herr Leo Schwingenschuß bringt für ein stark rauch- 
braun gefärbtes Stück der Endrosa roscida melanomos Nick, den 
Namen fumosa in Vorschlag. 

Ferner weist derselbe eine Serie gezogener Stücke von Tri- 
chiura crataegi var. ariae Hb. vom Altvatergebiet vor. 

VII. Herr Zentralinspektor J. Prinz demonstriert Äcrohasis 
falloiiella Rag. und Semasia pupillana Cl. von Bad Tüffer in Unter- 
steiermark. 



Welche Halticinenarten g'ehören Europa 
und Nordamerika gfemeinsam an?') 

Eine kritische Studie 
von 

Franz Heikertinger 

in Wien, 
Mit 8 Abbildungen im Texte. 
(Eingelaufen am 30. August 1910.) 

Zu einem Vergleiche mit der paläarktischen Faunenregion 
kann wohl nur jener Teil Nordamerikas herangezogen werden, der 
gemeinsam mit der Paläarktis das riesenhafte, den ganzen nörd- 
lichen Teil unseres Planeten umspannende Fauneng-ebiet der Hol- 
arktis darstellt. 

Die Grenzen dieses Gebietes in Nordamerika wurden seiner- 
zeit von Sclater und Wallace weit südlicher gezogen, als wir sie 
heute annehmen; die moderne Zoogeographie schließt alles Land, 
das ungefähr südlich des 45.^ nördlicher Breite liegt, als seinem 
faunistischeu Hauptcharakter nach bereits ausgesprochen zur Neo- 
gäa gehörend aus, so daß die Holarktis in Nordamerika außer 
einem Streifen im Norden der Vereinigten Staaten nur noch Bri- 
tisch-Nordamerika, Alaska und Grönland umfaßt. 

Dieses Gebiet deckt sich ungefähr mit jenem, das in den Eis- 
zeiten vergletschert war, und man bringt den auffällig altweltlichen 
Charakter dieser Fauna mit einer nach dem Zurückweichen des 
Eises erfolgten Neubesiedelung von Asien her, über die damals be- 

^) Ein Resume über die in dieser Arbeit enthaltenen synonymisch- 
systematischen Feststellungen, zwecks rascher Orientierung über dieselben, 
findet sich am Schlüsse dieses Aufsatzes. 

Z. B. Ges. 61. Bd. 1 



2 



Franz Heikertinger. 



stehende Festlandbrücke, in Zusammenhang. Doch bestand schon 
vor dieser Zeit, im Tertiär, eine große Übereinstimmung der orga- 
nischen Formen der damals zusammenhängenden Holarktis im 
Gegensatze zur Neotropis, dem Formenkreise Südamerikas, das bis 
zum Miozän herauf von Nordamerika durch das Meer getrennt war. 

Jedenfalls zeigt die heutige Fauna der Vereinigten Staaten, 
speziell des nördlichen Teiles derselben, ein Gemisch holarktischer 
und neogäischer Formen, eine Tatsache, die auch in der Chryso- 
melidengruppe der Halticinen deutlich zum Ausdrucke kommt. Den 
typisch altweltlichen Gattungen Chaetocnema, Psylliodes, Phyllo- 
treta, Longitarsus etc. stehen Gattungen gegenüber, die ihre Haupt- 
entfaltung in der neotropischen Region finden, wie beispielsweise 
Oedionycliis, Disonycha, Systena etc., also offenkundig von Süden 
her eingewandert sind. 

Die Mischung dieser beiden Elemente könnte man, soweit die 
Vereinigten Staaten als Ganzes in Betracht kommen, eine ziemlich 
gleichmäßige nennen. Regional wird sie natürlich differieren. 

Ganz anders stellt es sich aber mit der artlichen Identität 
der Elemente, die ich, soweit das mir vorliegende Halticinenmaterial 
aus Nordamerika^) es zuläßt, einer eingehenderen Besprechung 
unterziehen will. 

J. Hamilton gab mit seinem Catalogue of the Coleoptera 
common to North-America, Northern Asia and Europe (Trans. Am. Ent. 
Soc, XVI, 1889; ed. II, 1. c, XXI, 1894) eine Zusammenstellung 
der beiden Erdteilen gemeinsamen Arten. In beiden Auflagen sind 
nur vier Halticinen aufgeführt: Crepidodera rufipes L. (enjthropus 
Melsh.), Crepidodera helixines L. (nana Say etc.), Crepidodera 
modeeri L. und Phyllotreta sinuata Steph. (Zimmermanni Crotch). 

Von diesen vier Tieren liegen mir drei in nordamerikanischen 
Exemplaren vor und von diesen dreien ist kein einziges unbedingt 
mit der gleichbenannten eurasiatischen Form identisch. 

Von der vierten Art, Crepidodera (Hippuriphila) Modeeri L., 
konnte ich amerikanische Stücke nicht erhalten. Sie findet sich 
nach G. H. Horn (Synopsis of the Halticini of Boreal America, in 



^) Den größten Teil desselben verdanke ich unserem Mitgliede, Herrn 
Fritz Winter st ein er in Secancus, New- Jersey, U. S. A. 



t Welche llnlticiiKMinricn ^('liörcii Kiiropii ii. Nurd.-uncr. ^^'nuMiisnin nnV 
Trans. Am. Eut. Soc, XVI, IS8U, p. 242)') in Kanada, bei Detroit, 
und in Orep)n, und wird nach Art der Donacien auf Wasserpflanzen 
<;'efani>en. J. Hamilton (1. c., ed. II) luhrt mancida Lee. (Troe. Acad., 
1861, p. 358), die Horn als Synonym zu 3Iodeeri stellt, als Varietät 
auf, und bringt als weitere Fundorte der Art: Hudson-Bay, Crotcli; 
Detroit and Marcpiette, Mich., Schwarz; (kep. mancida: California, 
Leconte; Oregon, Crotch; Kansas, Popenoe. Pkirope, Western and 
Arctic Siberia (Heyden). In seinem Catalogue of the Coleoptera of 
Southwestern Pennsylvania (Trans. Am. Ent. Soc., XXII, 1895, p. 317) 
führt Hamilton die Art nicht an. John B. Smith (Insects of 
New-Jersey, Trenton, 1900) erwähnt sie von South-Orange, N. J. 

Da die europäische Hippuriphila 3Iodeeri ein weithin durch 
Eurasien verbreitetes Tier ist (Sibirien: Tobolsk, Bergroth; Bar- 
naul, Geb 1er etc.), ist allerdings die Möglichkeit vorhanden, daß 
wir es hier mit einer Europa und Nordamerika wirklich gemein- 
samen Halticine zu tun haben. Die aus Nordamerika zitierten Fund- 
orte liegen größtenteils in typisch holarktischem Gebiete. 

Horns detaillierte Beschreibung der amerikanischen Form 
stimmt im Wesentlichen völlig auf europäische Stücke; ob die bei- 
den wirklich identisch sind, läßt sich allerdings ohne genaue Unter- 
suchungen an Belegstücken nicht entscheiden. 

Die übrigen angeführten Arten liegen mir in amerikanischen 
Stücken vor und ich will sie einzeln besprechen. 

1. Crepidodera (Derocrepis) riifipes,^) 

JDerocrepls rufipes L. reicht in Eurasien von Schweden, Schott- 
land, Ostrußland (Malmysh, Krulikowski)^ Westsibirien (Tobolsk, 

^) Diese Arbeit, die einzige Spezialarbeit über die Halticinen des bo- 
realen Amerika, dient vorwiegend als Grundlage für die nachfolgenden Aus- 
führungen. 

^) Horn hält die Differenzen innerhalb der alten Gattung Crepidodera 
Chevr. für völlig ungenügend zur Aufstellung gesonderter Gattungen. Er er- 
kennt daher die Gattungen Derocrepis Weise, Ochrosis Foudras, Chalcoides 
Foudras und HipimripMla Foudras nicht an und stellt die bezüglichen ame- 
rikanischen Arten wieder unter die Gattungsbezeichnung Crepidodera. Ohne 
Frage sind aber Derocrepis^ Chalcoides etc. offenkundig natürliche Gruppen, 
die ebensogut in der amerikanischen wie in der paläarktischen Fauna als 
solche zu führen sind. 

1* 



4 



Franz Heikertinger. 



Sundman; Verchne Sujetuk, Hammarström, Ehnberg) bis Stid- 
frankreich, den Alpenzug, Triest, Kroatien^ Dalmatien, Bosnien, 
Herzegowina, Stidungarn, Transsylvanien. Aus der Pyrenäenhalb- 
insel ist sie mir nicht bekannt geworden und auch die Poebene 
überschreitet sie nicht, denn schon in den Stidschweizer und italie- 
nischen x41pen wird sie durch die ihr äußerst nahestehende, nur durch 
die Penisform sicher zu scheidende Berocrepis sodalis Kutsch, ersetzt, 
die südwärts durch den Apennin bis in die Abruzzen reicht. (Die 



f / / 1 / ^^^0 

— ^ Die Differenz in der 

Fig. 1. Fenisvon Derocrepis ruf ipesL. {Em-OY^SL.) Penisform der europäischen 

Arten Derocrepis rufipes 
und sodalis beschränkt sich auf die Form der Penisspitze; diese 
ist bei rufipes einfach verrundet, bei sodalis am Ende tief aus- 
gerandet und erscheint daher zweilappig. Abgesehen hievon 
stimmen die Penes der beiden Arten aber fast völlig überein; 
insbesondere zeigen beide, von oben wie von der Seite gesehen, 
eine ganz charakteristische, ziemlich auf der ganzen Länge gleich- 
breite Form und eine sehr hohe kielförmige Schneide, die sich 
über den ganzen Rücken des Penis zieht und nur ganz nahe der 
Spitze, bei der Einsenkung, in der der Ductus ejaculatorius mündet, 
absinkt (vgl. Fig. 1). 




D<?focrepis-Formen Südost- 
europas und Südwestasiens 
— serhica Kutsch, und pu- 
hipennis Reitt. — gehören 
einem differenten Typus an 
und kommen für einen Ver- 
gleich mit der amerika- 
nischen rufipes nicht in Be- 
tracht. Sie besitzen eher 
eine starke habituelle Ähn- 
lichkeit mit der amerika- 
nischen OrtJialüca copa- 
lina Fab., auf welche Ähn- 
lichkeit hier zu weiterer 
Untersuchung hingewie- 



W<'li'lio Ilalticiiionnrtcii ^cliöiHin l'^.nropa ii. Nord.uncr. <j:(5m(Mns:iiii .'mV 



f) 



Oanz verscliiedcn von diesen Irenes ist der Penis der von mir 
untersncliten amerikaniselien Stüekc, die aus Pennsylvania stammen. 
Dieser Penis ist etwas kürzer, weniger gekrümmt, von oben ge- 
sehen am Ende kurz zugerundet und in eine recht- oder stumpf- 
winkelige Spitze auslaufend, von der Seite gesehen in der Mitte 
am dicksten, nach beiden Seiten verengt, oberseits in der hinteren 
Hälfte mit einem Eindrucke, der sicli nach dem Ende zu in die 
Grube der Duktusötfnung* ver- 
breitert; die Dorsalseite zeigt 
nicht die Spur jener scharfen 
Schneide, die die ganze Ober- 
seite des Penis der oben er- 
wähnten beiden europäischen 
Berocrepis - Formen entlang 
läuft (vgl. Fig. 2). 

Ein weiterer Unter- 
schied der amerikanischen 
von der eurasiatischen ru- 
fipes liegt in der Ausbildung 
der Unterflügel. Derocrepis 
rufipes L. ist ebenso wie 
Derocrepis sodalis Kutsch, 
stets flügellos, beziehungs- 
weise nur rudimentär geflü- 
gelt, und besitzt im Zusam- 
menhange damit nur niedrige, 
schwach vortretende Schul- 
terbeulen, wogegen die amerikanische Berocrepis vollständig ausge- 
bildete Hautflügel und als Folge davon hohe, stark vortretende, 
nach innen durch einen starken Eindruck abgesetzte Schulterhöcker 
besitzt. (Allerdings würde diese Diflterenz in der Flügelung an 
sich kein Merkmal sein, das Artcharakter bedingt, da bei vielen 
Halticinen innerhalb einer Art sowohl geflügelte als auch brachy- 
ptere oder völlig aptere Formen auftreten können.) 

Die beiden europäischen Arten sind sonach hinsichtlich der 
Penisform wie hinsichtlich der Flügelbildung unter sich viel näher 
verwandt als mit der amerikanischen Form, deren ganz charakteri- 




Fig. 2. 

Penis von Derocrepis erythropus Melsh. 
(Nordamerika,) 

Die Parameren, die bei den übrigen Penes ge- 
zeichnet sind, wurden hier weggelassen. 



6 



Franz Heikertin ger. 



stische Penisbildung sie unbedingt als eine besondere Art kenn- 
zeichnet. Es ist vollkommen ausgeschlossen, daß sich diese bedin- 
gungslos Artrechte beanspruchenden Diiferenzen in jener kurzen 
Spanne Zeit, die seit einer eventuellen Einschleppung der Art aus 
Europa (durch den menschlichen Verkehr) verflossen sein kann, 
herausgebildet haben könnten und es ergibt sich hieraus als zwin- 
gende Folgerung, daß die Derocrepis mfipes Nordamerikas nicht 
eine eingeschleppte europäische mfipes, wie Horn und Bedel^) an- 
nehmen, sondern eine autochtone (beziehungsweise in erdgeschicht- 
licher Vergangenheit eingewanderte und an Ort und Stelle geson- 
dert zur Art entwickelte) Form ist, die als eigene Art den Namen 
JDerocrepis erythropus Melsh. zu führen hat. 

Hinsichtlich der Verbreitung sagt Horn: „This common Euro- 
pean Speeles has probably been introduced into our fauna, and is 
now widely scattered over the Atlantic region as far west as Jowa." 
J. Hamilton zieht die Grenzen noch weiter und gibt das Tier 
„vom atlantischen Ozean bis zum westlichen Colorado" an. 

E. A. Schwarz (Insect Life, V, p. 340) nennt sie nur aus 
den Staaten New -York, Pennsylvania, Maryland, Virginia, dem 
Distrikt Columbia und von Texas. „It seems to be absent, however, 
in the boreal region, and from this fact it may be assumed that 
the Speeles does not belong to the circumpolar fauna but has been 
introduced by the agency of man. If this be so, it was imported 
at or before the beginning of this Century, for it is enumerated in 
the old catalogue of Insects of Pennsylvania, by F. V. Melsheimer, 
published in 1806. Forty years afterward (in 1847) it was rede- 
scribed by the younger Melsheimer under the name of Haltica 
erythrop)us (Proc. Ac. Sc. Philad., Vol. HI, p. 165)." 

Beziighch der Standpflanzen zeigen sich einige Differenzen 
zwischen der europäischen rufipes und der amerikanischen erythro- 
pus. Während nämlich erstere ausschließlich von Leguminosen ge- 
meldet ist [ich selbst fing sie auf Ästragalus glycyphyllos L., Vicia 
cracca L., Lathyrus ptratensis L., Cytisus hirsuius L. und Coronilla 
emerus L.; K. Pinker fing sie auf Cytisus Lahurnum L., die Herren 



1) L. Bedel, Faune des Coleopt. du Bassin de la Seine. Tom V., 
p. 290-291. 



Welcho IlnlficiiHMiarton {^eliönMi Fiiir()i);i ii. IVordMiiicr. ^r(Mii(^ins;iiii ;m? 7 

Dr. J. Müll IM- und A. Wingelmlillcr auf (Ji/iisus radiatus Kocli; 
Kutsclicra\) ^ibt sie von Viela sepimn L. und Ijalhyrua (Orohua) 
rcrmt^i L., Kaltenbach") von Flsiun i^atlvum L. und Vicia faba L. 
an], wird die amerikanisclie Art wold auch von einer Le^»;unrii- 
nose — liohinia pseitdacacia L./) auf der sie in Europa nie be- 
obachtet wurde — angegeben, ist jedoch ebenso häutig von anderen 
Bäumen, speziell Obstbäumen (Apfelbäumen etc.^) erwähnt, deren 
Knospen sie ausfressen soll. J. Hamilton gibt sie von Rosaceen 
und C bitten den vom Weinstock an. Eine derartige Erweiterung 
der Speisekarte ist von der europäischen Berocrepis nicht bekannt 
geworden, wenngleich sie, wie ich mich durch Versuche tiberzeugte, 
durch Hunger gezwungen, beliebige Strauchknospen in genau der- 
selben Weise, wie es Lintner und Schwarz schildern, ausfrißt. 

Als diesbezügliches Kuriosum setze ich den Brief hieher, den 
ein gewisser Geo E. Murreil, Colemans Falls, Virginia, U. S. A., 
unterm 9. April 1893 an das U. S. Department of Agriculture in 
Washington richtete und der im Insect Life, V, p. 334, repro- 
duziert ist: 

„Sir: I have had over 1.000 peach, pear, and plum trees 
entirely denuded of all blossoms and buds, both active and dor- 
mant, in less than forty-eight hours by a fiea-beetle whose attack 
I have not been able to arrest up to the present writing. If you 
can send an agent to study habits and remedies in the interest of 
horticulture I will extend hospitality, force-pumps, labor, etc., ne- 
cessary to bis purpose. 

Respectfully Geo E. Murr eil." 

Das „flea-beetle" aber, das die gewiß nicht alltägliche Lei- 
stung zustande brachte, mehr als 1000 Pfirsich-, Birn- und Pflaumen- 
bäume in weniger als 48 Stunden aller Blüten und Knospen zu 

1) F. Kutschera, Wien. Ent. Monatsschr., IV, S. 73 (Sep. 76). 

2) J.Kaltenbach, Pflanzenfeinde ans der Klasse der Insekten, Stntt- 
gart 1874, S. 141. 

^) F. Schwarz, Insect Life, V, p. 334—342, 1893; Wm. Beutenmüller^ 
Eilt. Amer., VI., p. 177; F. H. Chittenden, Proc. Ent. Soc. Wash., IL, p. 206- 
J. Hamilton, Cat. Col. Southwest. Penns., Trans. Ent. Soc, XXIL, p. 317, 1895. 

^) F. Lintner, Fourth Report on the Inj Urions and other Insects of 
New- York, Albany, 1888, p. 96 ff. 



8 



Franz Heikertinger. 



berauben, war Derocrepis erythropus. Der an den Tatort entsandte 
Entomologe Schwarz gibt (Insect Life, 1. c.) einen sehr ausführ- 
lichen und interessanten Bericht über seine Beobachtungen. 

Von einer Schädlichkeit der europäischen Der. rufipes ist mir 
außer einer Notiz bei Kaltenbach (Pflanzenfeinde, S. 141: „Sitones 
lineatus Schh. und Haltica rufipes E. H. sind den jungen Erbsen- 
und Feldbohnensaaten sehr nachteilig") nichts zur Kenntnis ge- 
kommen. 

3. Crejndodera (Chalcoides) lielxines L. 

Als europäische Art kommt hier die Chalcoides helxines L. im 
Sinne Weises,^) deren Namen BedeT^) in fulvicornis F. abänderte, 
in Betracht. Sie besitzt ungefähr die gleiche Verbreitung wie Dero- 
crepis rufipes L.: Nord- und Mitteleuropa, von Spanien bis in den 
Kaukasus und durch Sibirien bis zum Amur. 

Von der amerikanischen Form sagt Horn, daß ihm Exem- 
plare aus fast allen Teilen der Vereinigten Staaten zu Gesichte 
kamen. 

Ich konnte untersuchen Stücke aus New Jersey, Pennsyl- 
vania und dem südlichen Illinois, in genügender Anzahl. 

Äußerlich sind die Formen der beiden Erdteile tatsächlich 
nicht voneinander zu scheiden. Dieselbe VariabiHtät der Größe, 
Körperform und Färbung. Wie bei Derocrepis liegen auch hier die 
einzigen scharfen Trennungscharaktere im Penis des cT. Der Penis 
der europäischen Form ist von oben gesehen ziemlich parallelseitig, 
an der Spitze ziemlich gleichmäßig abgerundet, von der Seite ge- 
sehen mäßig, ziemlich gleichmäßig (nahe der Spitze eher stärker 
als in den übrigen Teilen) gekrümmt, das äußerste Spitzchen 
schwach aufwärts gebogen; die Unterseite ist ziemlich gleichmäßig 
glatt gewölbt (vgl. Fig. 3). 

Der Penis der amerikanischen Form ist von oben gesehen in 
der basalen Hälfte etwas breiter als in der apikalen, ist an der 



1) Erichs., Naturg. Ins. Deutschi., VI, S. 719. 

2) L.Bede], Faune Col. Bassin Seine, V., p. 399. Bedel bezieht an 
gleicherstelle die amerikanische Chalcoides nach Horns Beschreibung irriger- 
weise auf aurea Geoff. {splendens Weise); sie ist aber nur mit fulvicornis Fabr. 
eng verwandt. 



Wclclio Haltii'iiuMinrtcn ^'cliörcn I''ui-op:i ii. Nordniiirr. y:<'m('iiiH;iin :mV 



9 



Spitze gerade (oder kaum merklich ausg-erandet) gerundet abge- 
stutzt; von der Seite gesehen ist er nur im basalen Viertel (oder 
Drittel) etwas gebogen, in den apikalen drei Vierteln (oder zwei 
Dritteln) ist er jedoch völlig gerade, allmählich verengt, die Spitze 
ziemlich geradeaus gerichtet; seine Unterseite zeigt eine charakteri- 
stische Längsfurchung (vgl. Fig. 4). 

Die Frage, ob dieses Merkmal an sich zur Abtrennung einer 
eigenen Art genügt, will ich nicht entscheiden. Zweifellos haben 



wir hier äußerst nahe Verwandte vor uns, die — einem gemein- 
samen Stamme entsprossen — sich isoliert weiter entwickelten, wo- 
bei die Differenzierung allerdings nur in der Penisform für uns 
sichtbar zum Ausdruck kam. Da aber gerade der Penis als Organ 
zur Ermöglichung der Fortpflanzung für die Artfrage von eminenter 
Bedeutung ist (wissen wir doch nicht, ob nicht eine uns gering 
scheinende Veränderung in der Spitzenform, in der Biegung, der 
Skulptur etc. eine Einführung oder genügend lang währende Fixie- 
rung in der Vagina des 9 unmöglich macht und dadurch eine 




Fig. 3. 
Penis von Chalcoides ful- 
vicornis Fab. (Europa.) 



Fig. 4. 

Penis von Chalcoides (ful- 
vicornis) nana Say. (Nord- 
amerika.) 



10 



Franz Heikertinger. 



Copula und mit ihr eine Vermischung der Formen mechanisch ver- 
hindert, wodurch wir gezwungen wären, die Formen als unver- 
mischbar, also als Arten, anzusprechen) und da wir es hier wohl 
mit Formen zu tun haben, die auf dem Wege zur Artentstehung 
begriffen sind, trenne ich die amerikanische Form unter den (früher 
als Synonym geführten, nunmehr aber als gültig zu verwendenden 
Namen Chalcoides nana Say von der europäischen Chalcoldes ful- 
vicornis Fab. 

Ob sie die Artgrenze schon tiberschritten hat, kann ich nicht 
feststellen; sollte jemand nachweisen, daß dies nicht der Fall ist, 
so wäre einfach Chalcoides fulvicornis nana Say (als Subspezies) 
zu setzen. Vielleicht ist diese Schreibweise schon jetzt die emp- 
fehlenswertere. 

An eine Einführung der Form aus Europa in historischer Zeit 
ist nicht zu denken. Die wenigen Jahrhunderte hätten zu einer 
solchen Differenzierung nicht genügt. 

Wie bei JDerocrepis zeigen auch bei Chalcoides die amerika- 
nischen Angaben eine auffällige Vielseitigkeit hinsichtlich der Stand- 
pflanzen. Die europäischen Chalcoides leben ausnahmslos auf Sali- 
caceen, und zwar (nach meinen Untersuchungen) ziemlich scharf 
gesondert, ein Teil auf Populus-, ein anderer Teil auf Salix- Arten. 
Über Chalcoides fulvicornis, die in der Umgebung Wiens zu fehlen 
scheint, liegen mir Eigenbeobachtungen nicht vor. Weise meldet 
sie von „Weiden- und Pappelgebüsch", Bedel von Salicaceen, spe- 
ziell von Salix aurita L. (Ältere Angaben sind der unsicheren 
Nomenklatur halber unverläßlich.) 

Auch die amerikanische Art wird als häufig auf Weiden, a,ber 
auch auf Pappeln vorkommend angegeben [„Lombardy poplar" (Po- 
ptdus dilatata) und „Balm of Gilead" (Popiätis halsamifera.]^) Da- 
neben soll sie aber auch die Blätter von Apfelbäumen siebartig 
durchlöchern,^) nach J. Hamiltons Koleopterenkatalog von Südwest- 

.^) F. Lintner, Fourth Report etc.-, Po}mlus dilatata Alt. (— nigra 
YSiT. pyramidalis Roz.) ist die bekannte, nach K. Koch (Dendrologie, IIa, 
S. 490) aus Oberitalien stammende Chausseepappel-, Populus hdlsamifera L. 
ist ein in Nordamerika heimischer Baum, der in Europa eingeführt ist und 
stellenweise verwildert auftritt (vgl. Beck, Flora von Niederösterreich, S. 304). 
2) Forbes, 14^'' Report, Insects of Illinois, 1885, p. 98. 



Wolcho llalticiiUMiarfon <;eliöi-(;n Europa u. Nonlamcr. {^M^iiiciiiMaiii aiiV 1 1 



Penusylvaiiien auf Äpfel- und Kirschbäumen und Weiden liäufig* 
sein und nach desselben Verfassers vorerwähntem vergleiclienden 
Katalog; der Europa und Nordamerika gemeinsamen Käfer auf 
Rosaceen und Weiden leben. 

Alles Missetaten, die bislang- keiner europäischen Chalcoides 
zugemutet wurden. 

3. Phi/lJotreta sinuata Stepli. 

Diese Art wurde, wie ich an anderer Stelle bei Besprechung 
der verwandten europäischen Formen, in deren Nomenklatur die 
Klarlegung dieser Spezies ein- 
greift, des Näheren auszufüh- 
ren gedenke, sowohl von den 
europäischen als auch von den 
amerikanischen Koleopterologen 
mißdeutet. 

Stephens (Illust. of Brit. 
Entom., Vol. VI, 1831, p. 297) 
sagt von ihr: „Antennae simple 
in both sexes" und weiter: „. . . 
elytra with a broad luteo-testa- 
ceous streak arising at the base 
and reaching to the apex, with 
a black semicircular lobe in the 
middle of its exterior edge ..." 

Suchen wir diese Merk- 
male einer europäischen PJiyllo- 
treta anzupassen, so kommen -^.^^ ^ myllotreta flexuosa Iiiig. (= si- 
wir nur zu Phßlotreta flexuosa nimta Steph., non Redtb. et auct.), 
lUig., wogegen die bislang als Europa, cf. 

simiata Steph. gedeutete Art 

(die richtig als sinuata Redt, bezeichnet werden müßte und von 
einigen Koleopterologen auch so bezeichnet wurde) schon deshalb 
nicht auf sinuata Steph. stimmt, weil sie im männhchen Geschlechte 
stark ausgezeichnete Fühler (fünftes Glied verdickt) und auf den Flü- 
geldecken eine ganz charakteristische Nahtzeichnung, die Stephens 
gewiß nicht unerwähnt gelassen hätte, aufweist (vgl. Fig. 5 und 6). 




12 



Franz Heikertinger. 



Aber auch die amerikanische Art, die mit sinuata Redt, nicht 
identisch ist, kann schon ihrer ebenfalls im männlichen Geschlechte 
anders als im weiblichen gestalteten Fühler nicht auf sinuata Steph. 
(= flexuosa Iiiig.) bezogen werden (vgl. Fig. 7.) 

Horns Angabe bei seiner sinuata: „This species, which seems 
widelj spread in Europe, has been introduced and become widely 
spread in our Atlantic region, as far west as Missouri" ist daher 




Fig. 6. Phyllotreta vittata Fabr. (= sinuata Fig'. 7. Phyllotreta Zimmermanni Crotch 
Redtb. et auct. europ., nec Steph.), Europa {sinuata Horn et auct. amer., nec. Steph.), 
und Nordamerika, Nordamerika, ö^. 



irrig: da die amerikanische Art mit der europäischen nicht identisch 
ist, kann sie auch nicht eingeführt sein. Phyllotreta sinuata Steph. 
(= flexuosa Iiiig.) ist aus Amerika nicht bekannt. 

Demzufolge hat die amerikanische Art einen anderen Namen 
zu führen und es tritt als solcher Phyllotreta Zimmermanni Crotch 
in Kraft. Das Staunen Horns: „It is rather remarkable that Crotch 
should have failed to recognize a common English species when 
he described Zimmermanni^^ erscheint somit gerechtfertigt. 



Welche ILalticinenarten {gehören Kiiropn u. NordamtM-. <,'(Mii(!inHaiii an? 13 



Mit diesem wäre die Angelegenheit erledigt; [)ei einem wei- 
teren Vergleiche der eur()[)iiischcn gelbstreiligen Phyllotreten mit 
den amerikanischen kommen wir jedoch zu einem äulierst inter- 
essanten Resultate: nachdem wir feststellen mußten, daß drei der 
aus beiden Erdteilen gemeinsam angegebenen Halticinen tatsächlich 
nicht gemeinsam sind, finden wir eine llalticine, die wirklich ge- 
meinsam ist, nämlich Fhyllotreta sinuata Redt, (nec Steph.!) = 
Fhyllotreta vittata Fab. (vgl. Fig. 6). 

Ich begnüge mich hier mit der einfachen Anführung dieser 
Feststellung, die ich in der erwähnten Besprechung der verwandten 
europäischen Formen näher begründe. Ich erwähne nur, daß ich 
diese Identitätsfeststellung nach mir vorliegenden amerikanischen 
und europäischen Stücken vornahm und daß ich auch die Penes 
der cf zum Vergleiche heranzog und übereinstimmend fand. 

Jene europäische Art, die bisher als Phyllotreta sinuata 
galt, hat daher hinfort auch in den europäischen Katalogen den 
Namen der aus Amerika beschriebenen Fhyllotreta vittata Fab. 
zu führen. 

Ihre Verbreitung in der paläarktischen Region ist eine außer- 
ordentlich große; als gemein oder auch nur besonders häufig kann 
sie indessen in der alten Welt nicht bezeichnet werden. Sie be- 
setzt nach Weise ganz Europa, nach ßedel jedoch nur den nörd- 
lichen Teil dieses Kontinentes und die Berggegenden Mitteleuropas 
(tatsächlich ist mir die Art aus Südeuropa bis jetzt nicht zu Ge- 
sichte gekommen), ferner Syrien, den Kaukasus, Sibirien bis Wla- 
diwostok (Koltze), die Mongolei (China, sec. Baly)^) und Japan 
(Baly). Die Angabe Weises von dem Vorkommen dieser Art in 
Nordafrika wird von Bedel als irrig bezeichnet; Bedels Angabe 
„Nordamerika" beruht auf der vorbesprochenen Verwechslung mit 
Fhyllotreta Zimmermanm, da seine Angabe den amerikanischen 
Autoren entnommen ist. 

Was die Standpflanzen dieser Fhyllotreta in der alten Welt 
anbelangt, so gibt Weise „die verschiedensten Kruziferen", Bedel 
„Kresse (Nasturtium officinale L.) und verwandte Kruziferen" an. 



1) Ich selbst sah Stücke von Tibet (Kukii-Nor, 3200 m, Coli. Hauser), 
die mit europäischen völlig übereinstimmten. 



14 



Franz Heikertinger. 



Ich fing" die Art, die in Österreich nicht häufig ist, auf Boripa sil- 
vestris Bess. und Berteroa incana DC, meist an feuchteren Orten. 
Als schädlich tritt sie infolge ihrer sehr geringen Häufigkeit wohl 
nirgends auf. 

Anders in Nordamerika. Dort ist diese Art (Phyllotreta vit- 
tata Fab.) eine der gemeinsten und unter dem Namen „striped 
flea-beetle" oder „wavy striped flea-beetle" bestgekannten, schäd- 
lichen Halticinen. 

Horn gibt sie aus der gesamten atlantischen Kegion des 
nördüchen Amerika an und erwähnt ungefähr die gleichen Zeich- 
nungsabänderungen, die Weise aus Europa anfuhrt und benennt. 
Eine ausführliche Lebensgeschichte des Tieres nebst Abbildungen 
der Larve und der Imago gibt C. V. Riley in Report of the Departm. 
of Agric, 1884, Washington, p. 301—304, PI. HI, Fig. 6.i) Nach 
ihm ist die Art den ganzen Sommer über häufig auf allen kreuz- 
blütigen Pflanzen, wie Kohl, weiße Rübe, Rettich, Senf, Ackersenf, 
Hirtentäschel, Goldlack, Nachtviole etc., gelegentlich auch auf an- 
deren ihr geeignet scheinenden Pflanzen, wie z. B. der gemeinen 
Gartenerbse (garden-pea).^) Die Larve dieses Käfers lebt, wie Dr. 
Shimer (American Naturalist, II, 1869, p. 514, und American 
Entomologist, I, p. 158) beobachtete, unterirdisch an den Wurzeln 
kreuzblütiger Pflanzen fressend. Über die ersten Stände der euro- 
päischen Phyllotreta sinuata Redt, ist nichts bekannt. 

Die Lebensgewohnheiten der Art sind daher, soweit wir sie 
kennen, völlig die gleichen in der paläarktischen Region wie in 
den holarktischen, beziehungsweise neoborealen Gebieten Amerikas. 
Die Art hat sich in beiden Erdteilen nicht merkbar differenziert, 
so daß dies wohl ein Fall wäre, bei dem gegen die Annahme 
einer Einschleppung in historischer Zeit keine morphologischen 
Gegengründe geltend gemacht werden könnten. Ja, mit Rücksicht 



Von M. Rüper tsb erger (Biolog. Lit. d. Käf. Eiir., 1894) irrig unter 
Fhyll. vittula Redtb. zitiert. 

2) Vgl. auch F. H. Chittenden (Insect Life, VIL, p. 406, 1895) der 
anführt: „Cahhage, turnip, radish, horse-radish, cresses, mustard, sliepherds 
purse, charlodi, Lepidium, Maühiola, Hesperis'' und sogar — was wohl eine 
irrige Beobachtung oder ein ganz zufälliges Vorkommen sein dürfte — „straw- 
herry^^ (Erdbeere), eine Rosacee! 



Welche llalticinennrteii {^cliöreii F-iiropn ii. Xordaiiicr. ^^nnriiiMam an? li> 

uuf den Umstand, daß sicli die übrigen Ilalticinen Amerikas ^) von 
ihren paliiarktiselien Verwandten in der Zeit seit der 'rrennun«^- der 
beiden Erdteile melir oder minder stark dii'ierenziert baben, niöebtc 
man es fast für wenig- wabrscbeinlieb halten, daß gerade diese eine 
Form sich gar nicht merküch verändert haben sollte, und würde 
daher beinahe eher an eine spätere Einscbleppung durch den 
menschlichen Verkehr denken. Eine solche wäre wohl nur denkbar 
von Europa aus nach Amerika. Denn wenn die Art in Amerika 
autoclithon wäre und in historischer Zeit — also vor höchstens 
400 Jahren, einer für die Entwicklungsgeschichte wohl völlig be- 
deutungslosen Zeitspanne — in Europa eingeschleppt worden wäre, 
hätte sie sich seither von hier aus ostwärts durch das ganze palä- 
arktische Gebiet — bis Wladiwostok, Tibet, die Mongolei, ja sogar 
bis über das zu dieser Zeit bereits insulare Japan — verbreiten 
müssen, eine Annahme, die wohl ohneweiters als absurd abgelehnt 
werden muß. 

Die Verbreitung der Art in Amerika — atlantische Region — 
würde einer Einführung aus Europa völlig entsprechen. Was die 
relativ weite Ausbreitung in Nordamerika anbelangt, so bildet sie 
wohl kein Hindernis gegen diese Annahme: die Art hätte einfach 
den gleichfalls aus Europa eingeführten kreuzblütigen Kulturpflanzen 
zu folgen gebraucht, auf denen sie ja auch heute zumeist vorkommt 
(vgl. die Standpflauzenangaben Rileys und Chittendens). 

Und es ist wohl kein Grund einzusehen, weshalb ein ge- 
flügeltes Käferchen, dem alle Verkehrsmittel Amerikas zu Gebote 
stehen, nicht ebenso rasch ebenso weit sollte gelangen können wie 
eine seiner Standpflanzen. Denn auch von wildwachsenden Kruzi- 
feren^ deren Verbreitung sich der Mensch gewiß nicht angelegen 
sein ließ, hat Nordamerika einen recht beträchthchen Anteil aus 
Europa bezogen. Th. A. Bruhin (Prodromus Florae adventiciae 
Boreah-Americanae, Vorläufer einer Flora der in Nordamerika ein- 
gewanderten freiwachsenden oder im Großen kultivierten Pflanzen; 
erschienen in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1885, S. 387 — 450) 
nennt unter einer ganzen Anzahl von Kruziferen auch eine der 
beiden Pflanzen, auf denen ich den Käfer in der Wiener Gegend 



^) Soweit sie überhaupt vergleichend untersucht wurden. 



16 



Franz Heikertinger. 



selbst nachweisen konnte: Nasturtium silvestre R. Br. (Roripa sil- 
vestris Bess.). Auch diese europäische Pflanze bewohnt heute einen 
großen Teil der atlantischen Region der Vereinigten Staaten. 

Die Möglichkeit einer Verschleppung erscheint auch durch 
den Aufenthalt der ersten Stände dieses Käfers an den als mensch- 
liches Nahrungsmittel dienenden Wurzeln diverser Kruziferen (weiße 

Rübe, Rettich) gegeben; an- 
sonsten dürfte als Mittel zu der- 
artigen Verschleppungen wohl 
vorwiegend die als Schiffsbal- 
last über den Ozean gehende 
Erde , welche Präimaginal- 
stände (hauptsächlich Puppen) 
von Käfern beherbergen kann, 
in Betracht kommen. 

Trotz alledem möchte ich 
nicht rundweg behaupten, daß 
Phyllotreta vittata Fab. nach 
Amerika eingeführt sei. Igno- 
ramus. 

Ähnlich eVerhältnisse wie 

T^. -r,y „ ^ . ■ rr bcl Pliyll. vlttttta Fabr. liegen 

Flg. 8. Phyllotreta armoraciae Koch, ^ ^ 

Europa und Nordamerika, d^. ^01' bei einer zweiten Phyllo- 

treta- Art, die weder Horn noch 
seine Vorgänger erwähnen und die erst in letzter Zeit in Amerika 
beobachtet worden ist, nämlich bei 

I^hyllotreta armoraciae Koch. 

F. H. Chittenden gibt im Bande VII der Insect Life (1895, 
p. 404 — 406) einen anschaulichen Bericht über das Auftreten dieser 
Art in Amerika. Nach den Auslührungen Chittendens, denen 
eine genaue Beschreibung und eine Abbildung des Tieres beige- 
geben sind, glaube ich — ohne daß mir amerikanische Stücke 
dieser Phyllotreta zu Gesicht gekommen sind — annehmen zu 




Welche IlaKicineiinrteii j;eliöreii Kiirop.i ii. Nonlanier. ;f(;ineiii.s:iiii anV 17 



(Ilirfcii, dal) es sich tatsäclilicli iiiii die eingeschleppte europilische 
Fhf/ll. arnwrachu' Koch handelt {y'\^. 

Chittenden berichtet als Erster über das Auftreten der Art, 
die er auf einer wüstliegenden Ikustelle auf den Gründen der 
Cohimbian Exposition (Chicago) vorfand. Sie trieb sich hier in 
etlichen Stücken auf großblättrigen Pflanzen, die er zuerst für 
llmncx liielt, die aber, wie er selbst bemerkt, zumindest teilweise 
Ämoracia gewesen sein dürften, herum. Hinsichtlich des Ortes der 
Auffindung vermerkt es Chittenden als sonderbar, daß die Aus- 
breitung dieser eingeschleppten Art nicht von irgend einem als 
Einführungsstelle anzunehmenden Seehafen aus stattfand, sondern 
daß das Tier plötzlich mitten im Lande auftauchte. Als mutmaßliche 
Ursache hievon nimmt er an, daß die Art entweder mit dem „horse- 
radish" (Meerrettig, JRoripa nisticana Gren.-Godr., Ärmoracia rusti- 
cana G. M. Sch., auf welcher Kruzifere der Käfer in Europa lebt) 
oder mit irgend einer eingetopften Zierpflanze aus dessen Verwandt- 
schaft eingeschleppt worden sei, wobei er es nicht für unmöghch 
hält, daß diese Pflanze gelegentlich der Columbian Exposition — 
vielleicht sogar speziell zum Zwecke der Schaustellung dortselbst 
— an Ort und Stelle gebracht worden sei. Für wahrscheinlicher 
hält er jedoch eine schon früher erfolgte Einschleppung. Denn 
auch an anderen Stellen der Vereinigten Staaten ist das Tier be- 
obachtet worden: Schwarz besitzt eine Anzahl Exemplare von 
Guttenberg, Jowa, das ungefähr 200 Meilen von Chicago entfernt 
am Mississippi Hegt, und die dort im Jahre 1892 auf Meerrettig 
gesammelt wurden. Diesen Nachbarschaften ist es wohl zu danken, 
daß die Art bereits auch in den angrenzenden Staaten Wisconsin 
und Indiana eingebrochen ist und daß dieses Insekt in Kürze in 
Missouri und anderen an den Ufern des Mississippi unterhalb Jowa 
gelegenen Staaten und vielleicht auch im südlichen Minnesota und 
Michigan zu erwarten ist. 

Soweit Chittenden. Bezüglich des Vorkommens der Art in 
Europa möchte ich bemerken, daß sie hier keineswegs zu den 
häufigen Flohkäfern gehört, sondern daß sie ebenso zerstreut und 
lokal auftritt wie die vorbesprochene Phyll. vittata Fabr. (sinuata 
Redt.) in Europa und daß sie hinsichtlich der Standpflanzen noch 
wählerischer zu sein scheint als diese. 



Z. B. Ges. 61. Bd. 



2 



18 



Franz Heikertinger. 



Es sei hier ausdrücklich festgestellt, daß von den in Europa 
wirklich gemeinen und infolgedessen effektiv schädlichen gelb- 
streifigen Phyllotreten, wie undulata Kutsch., nemorum L. und vittula 
Redt., aus Amerika bis jetzt keine gemeldet ist. 

* * 

Ich breche meine Ausführungen mit der Bemerkung ab, daß 
das hier Gebotene keineswegs eine erschöpfende Darstellung aller 
oder auch nur annähernd aller Europa und Nordamerika gemeinsam 
eigenen Halticinenarten sein soll. Nur eine Kritik des bis heute 
Bekannten und eine kleine Erweiterung unserer diesbezüglichen 
Kenntnis kann es sein. 

Denn es steht außer Zweifel, daß eine auf genauer Detail- 
kenntnis basierende vergleichende Untersuchung der beiden Faunen 
noch manche interessante Tatsache, die vielleicht auch in geo- 
graphisch-geologisch phylogenetischen Beziehungen nicht wertlos ist, 
zu Tage fördern wird. 

Hiezu bedarf es aber eines reichen Materiales, das mir heute 
wohl aus der Paläarktis, nicht aber aus Nordamerika zur Ver- 
fügung steht. 1) 

Fassen wir das im vorstehenden Dargelegte zusammen, so 
ergibt sich als Resume: 

I. J. Hamilton (Catalogue of the Coleoptera common to North- 
America, Northern Asia and Europe, 1894) nennt vier Halti- 
cinenarten als in Europa und Nordamerika gemeinsam vor- 
kommend : 

1. Crejndodera nifipes L., 

2. Grepidodera helxines L., 

3. Grepidodera Modeeri L. und 

4. Phyllotreta sinuata Steph. 

^) Da ich den Plan hege, eine vergleichende Bearbeitung der Halticinen- 
fauna der gesamten Holarktis zu liefern, richte ich an alle Herren Kollegen, 
denen nordamerikanisches Material an Halticinen zu Gebote steht, die herz- 
liche Bitte, mir dasselbe zur Durchsicht (Revision oder Determination) ein- 
senden zu wollen. Ich bin gerne bereit, mich durch Abgabe verläßlich deter- 
minierter Halticinen der paläarktischen Region zu revanchieren. Zuschriften 
an: Franz Heikertinger, Wien, XII/4, Hetzendorf, Thunhofgasse 8. 



Welche HMltii inen;irf(Mj },M'liöieii Fiiiropa ii. N(»r(lainer. t^enieiiiHaiii an? l'J 



lliezu gil)t F. 11. Cliittcndcn (Inscct Life, VII., p. 404) eine 
weitere an: 

5. rhyllotreia armoraciac Koch. 

II. Ilievon konnte ich feststellen: 

ad 1. Creindodcra (richtig Dcrocrepis) ruflpes L. kommt nur 
in der paläarktischen Region vor. Das amerikanische 
Tier ist eine andere Art, die den Namen Dcrocrcpis 
erythropHS Melsh. zu führen hat. (Die Gattung Dero- 
crepis Weise ist eine natürliche Gruppe und von Crepi- 
dodera zu trennen.) 

ad 2. Crepidodera (richtig Chalcoides) helxines L. Die ameri- 
kanische Form differiert hinsichtlich der Penisbildung 
stark von der europäischen und ist entweder als beson- 
dere Spezies — Chalcoides nana Say — oder als Sub- 
spezies — Chalcoides fulvicornis nana Say — zu führen. 
(Die Gattung Chalcoides Foudr. ist eine natürliche Gruppe 
und von Crepidodera zu trennen ; für den Artnamen der 
paläarktischen helxines [sensu Horn et Weise] ist nach 
Bedel ftdvicornis Fab. zu setzen.) 

ad 3. Crepidodera (richtig HippuripMla) Modeeri L. liegt mir 
in amerikanischen Stücken nicht vor. 

ad 4. Phyllotreta sinuata Steph. Die wirkliche sinuata Steph. 
(non Redtb. et auct.) ist = flexuosa Iiiig. Die amerika- 
nische Art ist nicht mit sinuata Steph. (flexuosa Iiiig.) 
und nicht mit sinuata Redtb. identisch, sondern ist eine 
besondere Art, die Phyllotreta Zimmermanni Crotch zu 
heißen hat. 

ad. 5. Phyllotreta armoraciae Koch liegt mir in amerikanischen 
Exemplaren nicht vor, dürfte aber nach Chittendens 
Beschreibung mit der europäischen Art identisch und 
tatsächlich in historischer Zeit in Amerika eingeführt 
worden sein. 

III. Neu feststellen konnte ich: 

Phyllotreta sinuata Redtb. (non Steph.) = Phyllotreta 
vittata Fab. Die europäische Art hat hinfort den Namen der 

2* 



20 Franz H e i k e r t i n g e r. Welche Halticinenarten gehören Europa usw. 

aus Amerika beschriebenen vittata Fab. zu führen. Diese 
Halticine ist neben der offenkundig erst in den letzten Zeit- 
räumen in Amerika eingeschleppten Fhyll. amoraciae Koch bis 
jetzt die einzige, die in völlig übereinstimmender Form Europa 
und Nordamerika bewohnt und bezüglich deren eine Ein- 
schleppung aus Europa zwanglos angenommen werden kann. 



Betula pubescens x nana in den Alpen. 

Von 

Dr. F. Vierhapper. 

Mit 2 Abbildungen im Texte. 
(Eingelaufen am 30. August 1910.) 

Im Sommer des Jahres 1908 entdeckte Herr Fachlehrer L. 
Blechinger (Staab, Böhmen) im Lungau, woselbst er im Auftrage 
des deutschösterreichischen Moorvereines gemeinsam mit seinem 
Kollegen P. Schreiher (Zwittau, Mähren) zum Zwecke von Moor- 
studien weilte^ eine interessante Birke. Ich besuchte gemeinsam 
mit Schreiber den Standort, das an der salzburgisch-steirischen 
Landesgrenze in 1710 m Meereshöhe gelegene Hochmoor auf der 
ÜberUngalpe bei Seetal, und wir fanden etwa ein Dutzend Indivi- 
duen der fraglichen Birke. Sie wächst gemeinsam mit Betula nana 
L., welche im Überlingmoore und in einigen benachbarten Hoch- 
mooren massenhaft und zum Teil bestandbildend auftritt, und mit 
der an diesem Standorte seltenen B. pubescens Ehrh. und erinnert 
in ihrem Habitus und ihrer Größe an B. humilis Schrk., welche 
wir denn auch zunächst vor uns zu haben glaubten. 

Eine genauere Untersuchung der Pflanze, die ich im heurigen 
Frühjahre vornahm, ergab jedoch sofort die Unrichtigkeit unserer 
ursprünghchen Meinung. Es ist vor allem die Blattform, durch welche 
sich unsere Birke von B. humilis unterscheidet. Diese hat nämlich 
elliptische, eiförmige oder verkehrt-eiförmige Blätter, welche stets 
deutlich länger als breit sind. Die Birke des Überlingmoores 



lie/td(i piihc^cens X naiut in den Alp(Mi. 



21 



(lage^'cn tritt in zwei Formen auf, von denen aber keine in den 
Blättern mit Ii. Imm'dis übereinstimmt, denn die eine liat die rund 
liehe ßlattform der Ii. nana, die Blätter der anderen sind rhombiseb- 
ruudlich und nähern sieh hiedurch denen der Ji. puhescens. 

Legt demnach sclion die Blattform den Gedanken nahe, daß 
unsere Pflanze ein Bastard zwischen Ji. puhescens und nana ist, 
so wird diese Annahme durcli die Beachtung' verschiedener anderer 
Merkmale zur Gewißheit. Die Tabelle^) auf Seite 22 illustriert die 
Unterschiede der Hybride von ihren beiden Stammeltern und zeigt, 
daß sie in mehr als einer Hinsicht eine Mittelstellung zwischen den- 
selben einnimmt. 

Die Tabelle zeigt, daß unsere Pflanze in mehreren Merk- 
malen zwischen B. puhescens und nana die Mitte hält, und über- 
dies, daß man von ihr nach der Blattgestalt und Breite der Frucht- 
flügel zwei Formen unterscheiden kann, von welchen die eine 
mehr der B. puhescens, die andere der B. nana sich nähert. Diese 
beiden Formen entsprechen vollkommen denjenigen, welche C. K. 
Schneider^) als var. ^j^ica Schneider, beziehungsweise alpestris 
Fries der B. intermedia Thom., welchen Namen er als Kollektiv- 
bezeichnuug für die Hybride vorausstellt, subsumiert. Geradeso wie 
man diese beiden schon längst als Bastarde zwischen B.jmhescens 
und nana anspricht, ist auch die Bastardnatur unserer Pflanze über 
jeden Zweifel erhaben. 

Von B. humilis unterscheidet sich B. intermedia außer durch 
das schon erwähnte Merkmal der relativ viel breiteren und auch 
anders geformten Blätter insbesondere noch durch das Fehlen von 
Drüsen an den heurigen Zweigen, die schlankeren Fruchtkätzchen 
und den kürzeren Mittellappen der Kätzchenschuppen; von dem 
nordischen Bastarde B. pendula (= verrucosa X riana), dem sie — 
insbesondere in der forma typica — sehr ähnlich sieht, gleichfalls 
durch das Fehlen des für B. pendula charakteristischen Merkmales 
der Drüsen an den heurigen Zweigen. 

^) Es wurden Belege nicht nur von der Überlingalpe, sondern auch 
von anderen Standorten verglichen. 

2) Illustriertes Handbuch der Laubholzkunde, Bd. I, S. 108 (1906). — 
Man vergleiche auch H. Winkler, Betulaceae in A. Engler, Das Pflanzen- 
reich, IV, 61, S. 93-94 (1904). 



22 



F. Vierhapper. 



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Bctnla piihesccns X ndua in den AlpcMi. 



25 



Die forma tyjyica unserer Birke k:iini hei liUcliti^^cr Betrach- 
tung auch mit kloinblnttri^^en Zvvcr^cxcmplarcn der Ii. pM}>em:m, 
welche sich nicht selten in Hochmooren (indeu, verwechselt wer- 




Abb. 2. I. Kätzchenschuppe und Frucht von vorn und hinten von B. puhe- 
scens, II. von B. intermedia var. typica, III. von B. intermedia var. alpestris, 
IV. von B. nana. 

Vergrößerung: zirka 7 5 : 1. A. Kasper del. 



den. Während aber JB. puhescens auch in solchen zwergigen Exem- 
plaren oft baumförmigen Wuchs zeigt, wächst ]3. intermedia meist 
strauchig. Durchgreifend ist aber, da B. puhescens auch strauchig, 



26 



F. Vierhapper. 



und B. intermedia — wenigstens im Norden — auch baumförmig 
auftritt, dieser Unterschied ebensowenig wie der in der Rinde. B. 
puhescens hat nämlich oft, aber nicht immer, die charakteristische 
weiße Birkenrinde, B. intermedia dagegen — wenigstens im Über- 
lingmoore — die glänzend bräunliche Kinde der B, nana, wobei es 
jedoch dahingestellt bleibt, ob dies auch an ihren nordischen Stand- 
orten immer der Fall ist. Die schmäleren Seitenlappen der Kätzchen- 
schuppen und die schmäleren Fruchtflügel des Bastardes dürfen 
aber auch in sonst zweifelhaften Fällen seine sichere Unterschei- 
dung von B. puhescens ermöglichen. 

Niederwüchsige, kleinblättrige Individuen der forma alpestris 
der B. intermedia kommen großblättrigen der B. nana nahe, doch 
sind sie an den länger gestielten Blättern, breiteren Seitenlappen 
der Kätzchenschuppen und breiteren Fruchtflügeln jederzeit mit 
Sicherheit von ihnen auseinanderzuhalten. 

Während B. puhescens X "^cina im nördlichen Europa (Skan- 
dinavien, Finland, Lappland, nördliches und mittleres Rußland bis zu 
den Ostseeprovinzen, Norddeutschland), in Schottland, Island, Grön- 
land und Nordsibirien schon wiederholt beobachtet wurde und zum 
Teil sogar ziemhch häufig ist, war sie von den Gebirgen Mittel- 
europas, soweit ich es eruieren konnte, bisher nur aus dem Erz- 
gebirge und Jura bekannt.^) 

Der von uns entdeckte Standort in den Hochmooren der Über- 
lingalpe im Lungauer Seetal an der salzburgisch-steirischen Grenze 
ist, soviel ich weiß, der erste in den Alpen. Sie wächst dort in 
1710 — 1730 m Meereshöhe in beiden Formen gemeinsam mit 
ihren Stammeltern, von denen B. nana massenhaft, B. puhescens 
dagegen nur spärHch und in kümmerlichen Exemplaren auftritt — ob- 
schon sie in einem benachbarten, nur 25 m tiefer liegenden Moore 
noch zahlreich und in ganz stattlichen Bäumen vorkommt — und mit 
Vaccinium uliginosum, myrtillus, vitis idaea, Ändromeda polifolia, 

1) Man vergleiche Missbach in Allg. bot. Zeitschr., XIV, S. 120 (1908) 
und A. Gremli, Exkursionsflora f. d. Schweiz, 6. Aufl., S. 382 (1889). Ich 
selbst sah Belege der Pflanze aus dem Jura im Wiener Hof- und Universitäts- 
herbarium. Ob sie auch noch sonst wo in der Schweiz vorkommt, konnte ich 
nicht feststellen. In Schinz' und Kellers Flora der Schweiz wird sie nicht 
angegeben. 



Ilctiilti. puftMcols X iKina in den Alpoii. 



27 



Salix Mielichhoferi, rosmarinifolia, Junij^erus intermedia, JHnus mon- 
tana, Trlcltoplwrim alplnum, atistriacum, Kriophomm vaglnatum, 
angtisfifolitim, Carex dioica, panciflora, echinata, Goodenoughii, ma- 
gellanica, limosa, rosfrata^ flava, Anihoxantimm odoratmn, JJe- 
schampsia caespitosa, Molinia coendea, Luzula sudetica, Tofwldia 
calycidaia, Folygonimi historta, Galtha alpestris, Poientilla erecia, 
palustris, Sweertia perennis, Menyanthes trifoliata^ Melampyrum vid- 
gatum, Bartschia alpina, Homogyne alpina, Willemetia stipiiata, 
mehreren Spbagnen, Folytrichum strictum und anderen Laubmoosen. 

Was nun die Verbreitung der Stammeltern des Bastardes im 
Lungau und in dessen Nacbbargebieten anlangt, so ist B. pubescens 
zweifellos die häufigste Birke des Lungau. Man findet sie in den 
meisten Flach- und Hochmooren und überdies auch — gewöhnlich 
in Gesellschaft der B. pendula Roth. — auf trockeneren Böden in 
den ötzwiesen und an den Zäunen. Ihre obere Grenze erreicht sie 
bei etwas über 1700 m. Die Standorte in den Überlingmooren ge- 
hören zu den höchst gelegenen. B. pendula steigt nicht so hoch, son- 
dern nur bis zu höchstens 1500 m an. Sauter ^) gibt die obere Grenze 
der B. pendula (= B. alba) mit 1100 m für Salzbarg viel zu nie- 
drig an und auch v. Hayeks^) Angaben, daß B. pubescens (= to- 
mentosa) und pendula in Steiermark bis 1200 m ansteigen, sind 
zweifellos sehr korrekturbedürftig. Wie gesagt, wächst B. pubescens 
auf Ötzwiesen und an Zäunen oft in Gemeinschaft mit B. pendula, 
und da findet sich denn auch gelegentlich, z. B. im Lessachtale die 
Hybride zwischen diesen beiden Birken (B. aurata Borkh.),^) ein 
Baum, welcher aus den Ostalpen nur von wenigen Standorten be- 
kannt ist, was aber sicherlich nur darauf beruht, daß man ihm bis- 
her zu wenig Beachtung geschenkt hat. 

B. nana ist nicht nur im Lungau, sondern überhaupt in den 
Alpen eine seltene Pflanze, wenn auch Solms-Laubachs Behaup- 
tung/) daß sie nur „den Fuß der Alpen" erreichte und „sich in 
diesem Gebirge nicht weiter verbreitet" hat, nicht ganz zutreffend 

^) Flora der Gefäßpflanzen des Herzogtums Salzburg, 2. Aufl., S.36 (1879). 

2) Flora von Steiermark, I, S. 105 und 106 (1908). 

3) Nach Schneider, 1. c., S. 114. 

Die leitenden Gesichtspunkte einer allgemeinen Pflanzengeographie 
in kurzer Darstellung, S. 176 (1905). 



28 



F. Vierhapper. 



ist. Im Lungau wächst sie nur in den in zirka 1650 — 1750 m 
Meeresliöhe gelegenen Hochmooren zwischen der Überlingalpe und 
dem Prebersee, ferner in den Mooren des Lasaberges (zirka 1700 
bis 1900 m), in einem Moore bei Seetal (1200 m) und in dem 
Moore, welches die Wasserscheide zwischen dem Bundschuh- und 
Kremsbach, also zwischen dem Mur- und Draugebiet, bildet (etwa 
1700 m). In Steiermark^) kommt sie nur in verschiedenen Mooren 
der an den Lungau angrenzenden Stangalpe und in den Seetaler 
Alpen, in Kärnten ebenfalls in der Stangalpe und im Glockner- 
gebiete ^) vor. Überdies hat B, nana einzelne Standorte in der 
Wochein, in Nordtirol und der Nordschweiz inne. .Da sie sicherlich 
an verschiedenen dieser Standorte gemeinsam mit B. puhescens 
auftritt, so ist anzunehmen, daß auch der Bastard B. intermedia in 
den Alpen von weiterer Verbreitung ist. 

Die Auffindung der B. intermedia im Überlingmoore legte 
die Vermutung nahe, daß die Angabe,^) daß B. humilis in der 
Stangalpe, und zwar „im Autertal ob St. Lorenzen in der Reichenau" 
vorkommt^ falsch ist und auf einer Verwechslung mit B. intermedia 
beruht, umsomehr, als, wie schon Fächer und Jabornegg- an- 
geben, tatsächlich beide Stammeltern dieser Hybride in den Mooren 
bei St. Lorenzen vorkommen. Eine Überprüfung der mir von Herrn 
Kustos H. Sabidussi freundlichst geliehenen Originalbelege der 
fraglichen Pflanze,*) welche sich im naturhistorischen Landesmuseum 
von Kärnten in Klagenfurt befinden, ergab nun, daß diese Ver- 
mutung nur teilweise richtig war. Die Belege, deren Herkunft aus 
dem Autertal übrigens auch nicht über alle Zweifel erhaben ist, 
sind zwar nicht B. humilis, aber auch nicht B. intermedia, sondern 
ganz gewöhnliche B. puhescens. 

Dieser Befund und der Umstand, daß auch verschiedene an- 
dere Botaniker wie E. Korb (Wien), K. Ronniger (Wien) und R. 
Scharfetter (Villach), welche in jüngster Zeit das Autertal be- 
suchten, daselbst B. humilis nicht gefunden haben, läßt mit Be- 
stimmtheit annehmen, daß diese Art in der Stangalpe nicht vor- 

Nach Hayek, I.e., S. 106. 

2) Nach Fächer und Jabornegg, Flora von Kärnten, II, S. 9 (1884). 
^) Bei Fächer und Jabornegg, I.e. 

Gesammelt von Traun fei In er und Vest. 



lliliila piifirscnts >/ lunia in den Alpen. 



20 



kommt. Djiriius folgt iihcr die pflanzcngcograpbisch nicht 
unintercssiintc Tatsache, daß />. hnmilis, welche am Nord- 
saiime der Alpen — in den Mooren Oberhayerns uhw. — 
noch von ziemlich weiter Verbreitung ist, dem Inneren 
dieses Gebirges vollkommen fehlt. 



Flechten aus dem italienisch-französischen 
Grenzgebiete und aus Mittelitalien. 

Von 

J. Steiner. 

(Eingelaufen am 15. Dezember 1910.) 

Den unten aufgezählten Flechten stelle ich ein Verzeichnis 
der Fundorte voran, an welchen sie von J. Brunn thaler und Dr. 
0. Forsch im April und Mai 1908 gesammelt wurden. Im weiteren 
Texte sind diese Fundorte mit den hier beigesetzten Ziffern be- 
zeichnet. Die Sammlung befindet sich im H. U.^) 

Verzeichnis der Fundorte. 

1. Italien, bei Fiesole nächst Florenz. 

2. Italien, Mte. Ceceri bei Fiesole^ ca. 400 — 440 m. 

3. Italien, Vallombroso: bei S. Ellero, ca. 250 m. 

4. Italien, Vallombroso: Filiberti. 

5. Italien, Vallombroso: Kastanienwald ober Filiberti, 650m. 

6. Italien, Vallombroso: bei Donnini. 

7. Italien, Wald bei Vallombroso, 950 m. 

8. Italien, Vallombroso: bei Saltino, ca. 750m. 

9. Italien, Eojatal bei Ventimiglia: Pinaster -Wald, zwischen 
Fanghetto und S. Michele, 250— 270 m. 



^) H. U. bezeichnet das Herbar des k. k. botanischen Institutes der Uni- 
versität zu Wien, H. E. das Herbar Eggerth in demselben Institute, H. P. das 
Herbar des k. k. natui-historischen Hofmuseums in Wien. 



30 



J. Steiner. 



10. Italien, Rojatal bei Ventimiglia: Pinaster- Wald, bei S. Mi- 
chele, 250— 300 m. 

11. Italien, Rojatal: unterhalb Airole. 

12. Frankreich, Rojatal bei Ventimiglia: Breglio, 360— 370m. 

13. Frankreich, Rojatal bei Ventimiglia: unter Saorgio, ca. 500m. 

14. Italien, Rojatal bei Ventimiglia: bei S. Dalmazzo, ca. 650 m. 
Verrucaria sphinctrina (Duf., ap. E. Fr.) Nyl., Paris (1896), p. 121. 

— Du f. ap. E. Fr., Lieh. Eur. (1831), p. 456, sub Limhoria. 

— Nyl., Pyrenoc. (1858), p. 62, sub Limhoria. — Syn.: 
Bagliettoa sphinctrina Krb., Syst. (1855), p. 379 et Jatta, 
Syll. (1900), p. 490. — Bagliettoa limhorioides Mass., Mem. 
Lieh. (1853), p. 147 et Fig. 168. 

Exsicc: Leighton 30 (H. U.). — Trevisan 16 et 
188 (H. P.). — Schär. 103 p. p. (H. P.). — Arid. 309 (H. P., 
H. U.). — Flag. Fr. C. 290 (H. U.). — Hepp 428 (H. U., 
H. P.). — Anzi, It. Sup., 373 p. p. (expl. med. in H. U.). — 
Wright, Cub. 611 (H. P.). 

f. Baldensis Mass., Mass. 9 p. p. (H. U.). — Malbr. 96 (H. U.). 

f. insculpta Anzi, Anzi, Ven. 146 (H. U., H. P.). — Mass. 9 
p.p.(H.P.). 

Speeles notis externis non distincte a Verr. parmigera sepa 
randa sed excipulo pallido diversa. 

Thallus endocalcinus, continmis, zona ohsciiriore regidariter 
nulla^ formatus et leviter pallide emergens iit in V. parmigera et 
Verr. calciseda et aequomodo cellulas macrosphaeroidales^) sattem in 
liypothallo exhihens. 



^) Als Maciosphaeroidzellen bezeichne ich die an den Hyphen 
des Thallus, immer unter der Zone der Gonangien, oft aber erst im tiefern 
Hypothallus auftretenden kugel- oder birnförmigen Zellen, wie sie zuerst im 
XXXI. Progr. des k. k. Staatsobergym. Kkgenfurt (1881) beschrieben und in 
Fig. 10 und 12 und später in Engl er-Prantl, Nat. Pflanzenfam., I. Teil, 
Abt. 1*, S. 28 und Fig. 21 A— D abgebildet wurden. Es handelt sich dabei 
nicht um den Inhalt, der ebensogut ein scheinbar homogenes, ölreiches Plasma 
als grobkörnig sein kann, sondern um die Zellform und vor allem um den 
Unterschied in den Dimensionen dieser Zellen, die gewöhnlich einen Durch- 
messer von 12—20/u erreichen (in Wright, Cub. 611 bis 28 /u), gegenüber 
der Breite der überall zwischen ihnen sichtbaren Traghyphen, die etwa 
2—5(6)^ beträgt. Sie sind zu unterscheiden von den Microsphaeroidzellen, 



Flt'clifcn .IIIS (lein it;il.-tV.iii/,ös. (frciiz^irbiclc, iiiwl :iii,s IMillclitalicii. 31 

FerUhccia immersa, involucrellum^) iantum denudatum. Exci- 
pidum^) ubiquc pallhhwi, infra saepc ad :M) ^ crasmrn, sidxjlohosum 
r. tandcm paidlo ficl/brme, ad 0"^^ — 0'S:imm dilaiaUmi, circa porum 
constrictum et Ii. l. ohiter cum involucrello conjunctum et in hoc sus- 
pcnsum. Involucrelltim^) nigrum v. nigrofuscum, parmiforme circa 
pormn cxpansum, radium ad O'lOmm exJübens v. angustius^ sacpe 
ad 'JO — 4:0 fx crassum, cum exciptdo ohiter circa porum conjunctum, 
ad ambitum h. i. distincte nane revolutum et in Stratum corticale 
tlialli ahiens, saepe tandem radiatim 4 — 5 fissum, tandem dcjectum. 
Cklamys^) cum super ficie inferiore involucrelli connata. Periphjses 
simpliceSy Semper optime evolutae in subiculo crassiore. Paraphyses 
V. omnino gelatinöse solutae v. striatim tantum visibiles. 

deren Durchmesser wenig von dem der Traghyphen verschieden ist und die 
vorherrschend in dichten Gruppen, Strängen und Knäueln angeordnet sind. 
Als Abbildung für diese Zellen kann Roumeg., Crypt. Illustr., Farn. Lieh. 
(1868), Tab. 20, Fig. CLVIII c sub Verr. murali — die abgebildeten Perithezien 
entsprechen allerdings nicht der Verr. rupestris — gelten. Von diesen beiden 
Zellformen sind endlich die einfach torulösen Hyphen zu unterscheiden. Das 
Vorhandensein von Makro- und Mikrosphaeroidzellen ist, soweit ich bisher ge- 
funden, für die Art sowohl in der Gattung Verrucaria als in anderen charak- 
teristisch. Der mineralogische Zustand des Substrates ist bei den Kalkflechten 
wohl für die Zahl und Verteilung, aber nicht für das Vorhandensein dieser 
Zellen von Bedeutung. 

^) Die Ausdrücke Thecium oder Pyrenium integrum oder dimidiatum 
wie sie seit Nylander häufig verwendet werden, entsprechen als Bezeich- 
nungen für die den Nukleus als Hüllen umgebenden Gewebebildungen nicht 
genügend. Das Excipulum (Tunica Gorov., Tent.) ist bei Verrucaria immer 
integrum, d. h. umgibt den Nukleus ganz, mag es hell oder dunkel gefärbt 
sein, Ob dieses Excipulum aus den Hyphen des Thallus entsteht oder ob es 
dem nukleolaren Neugebilde angehört, muß die Entwicklungsgeschichte erst 
entscheiden, im ausgebildeten Zustande ist es mit seinen vorherrschend tangen- 
tialen Hyphen vom Thallus deutlich genug verschieden und entspricht dem 
Excipulum der gymnokarpen Flechten. Das veränderte Thallusgewebe, wel- 
ches das Excipulum außen umgibt' besteht bei den hier in Frage stehenden 
Verrucarien aus zwei Gewebepartien. Die eine derselben, die Chlamys, ist 
eine ca. 30— 40;a dicke, aus dichten farblosen Thallushyphen geflochtene, 
körnige, daher undurchsichtige und unter dem Mikroskope mehr oder weniger 
dunkle Schichte ohne Gonidien, die oben im Porusteile bei den einzelnen 
Arten auf verschiedene Weise mit der zweiten, dem Involucrellum (Epi- 
thecium Garov., Tent.) verbunden ist. Dieses besteht aus sehr dicht, d. i. 
lückenlos geflochtenen, dunkelbraun gefärbten Thallushyphen und zeigt ver- 



32 



J. Steiner. 



Sjiorae regulariter hene evolutae, ellipticae, magnitudinevariantes, 
ceterum visae 15 — 28 lg. et 8—11 (.i lat, in exempl. autem leg. 
Mudd, England und leg. Stenhammar , Oeland 15 — 27 (.i lg. et 
9 — 13(14) (.1 lt. Gelatina hym. J ope coerulescit. Pycnides Semper 
desunt. 

Hab.: 10, 12, 13, auf Dolomitenkalk. 
Ut formae distingui possunt: 
f. Baldensis (Mass.) Stnr. comb. — Mass. sub Verr. Baldensi in 
Ric, p. 173 et exs. 9 p. p. (non Mass., exs. 251, cum sched., 
nec Verr. Baldensis in Jatta, Syll., p. 516, quae sistunt Verr. 
Hochstetteri). 

Thalli V. singuli et majores v. plures, minores et geograpliice 
congesti, plani, lineis prothallinis secundariis varie latis, fuscis ex 
hyphis infuscatis formatis, non insctdptis circumscripti et Ii. i., saepe 
centroversus fusce maculati e cellulis extremis hijpliarum strati cor- 
ticalis pl. m. infuscatis. Sporae 18—24(26) lg. et 9 — 12(13) ^ lt. 

Hab.: 10 — 11, auf Dolomitenkalk, 
f. insculpta (Anzi) Stnr. comb. — Anzi, exs. Ven., Nr. 146. 

Thalli ut in f. Baldensi congesti, h. i. perparvi ca. 2— 3 mm 
lati sed convexi et fossis insculptis regtdariter pallidis (rare infuscatis) 
separati. Sjwrae 15 — 23 (.i lg. et 8 — 11 /i lt. 

Das schwarze Involucrellum ist ebenso flach schildförmig aus- 
gebreitet und am Rande spurweise zurückgerollt wie bei der fol- 
genden Art und bei Verr. parmigera. Bei den zw^ei ersten Arten 
ist es allerdings im allgemeinen etwas breiter und dünner, so daß 
es vor dem Abfallen leichter radienförmig einreißt, wobei übrigens 
das Excipulum nie in Mitleidenschaft gezogen wird, und daß die 
Chlamys weiter vom Rand gegen den Porus hin sich anheftet. Das 
radiäre Einreißen des Involucrellums ist kein entscheidendes syste- 
matisches Merkmal. Es fehlt oder ist nur unvollständig vorhanden 
bei Verr. spliinctrina, wenn die Perithezien klein und das Involu- 
crellum weniger entwickelt ist, dagegen finden sich radiäre Risse 
auch bei Verr. parmigera. 

schiedene Formen bei den einzelnen Arten. Das Involucrellum ist es, auf 
welches sich zumeist der Ausdruck Pyrenium dimidiatum bezieht. Chlamys 
und Involucrellum zusammen entsprechen, allerdings in stark veränderter Ge- 
stalt, dem Involucrum der gymnokarpen Flechten. 



Flct'litcn aus dein ilal. fmii/ös. (Jrcn/;4C'l)i(;l(^ und iiiis MiKcIilalicii. i)'> 

Schon Ulis den oben zitierten Exsikkaten ist zu ersehen, dali 
die Art weit verbreitet und häufiger ist als es bislier den Anschein 
hatte. Außer diesen Exsikkaten wurden teils als l^crr. oder lUujl. 
sphinctrina^ teils als Yerr. calciseda bestimmte Exeni})lare unter- 
sucht von: Schweden, leg. Stenhamniar (11. E.); England, leg-. 
Mudd (H. E.); Frankreich, Paris, leg'. Nylaiuler (Ii. E.); Schweiz, 
leg. Uepp (H. E.); Bayern, leg-. Krempelhuber (H. E.); Tirol, leg-. 
Kernstock (H. P.); Krain, Veldes, leg*. Steiner |(H. P.); Korfu, 
leg'. Sydow (H. E.); Trapezunt, leg-. Handel-Mazzetti (H. P.). 
Vcrrucaria ceracea Stnr. — Syn.: Verr. vel. Bagl. spJiindrina 

Aut. p. p. 

Exsicc.: Rabh. 140. — Erb., Critt. It., I, 395. — Anzi, 
It. Sup., 380. 

Subspecies Verr. spJdnctrinae paraphysibus evolutis et colore 
thalli diversa. 

Thallus macidare effusus, endocalcinus, mediocriter emergens, 
conümiiis, laevls, ceraceo v. stihochraceo Ititescens, sona obscnra mdla, 
cell, macrosphaeroidales in liypotlicdlo saltem cxldbens. 

Perithecia ceterum ut in Verr. sphinctrina hene evoluta, invo- 
liicrello parmiformi, nigro, diam. ad ()'4—0'45mm (lUingente^ tan- 
demque regtdarifer radkitim fisso. Faraplnjses incontra distinciae 
adsunt, tenues, simplices \\ sithramosae non strictae sed pl. m. cur- 
vidae, longiores quam asci. Sporae regidar. hene evolutae, octonae 
in ascis elongate lanceolaüs, ad 90 longis et 22 — 28 il latk, ellip- 
ticae 18 — 25(28)^1 lg. et 9 — 13(14){.i lt. Gelatina hym. J ope 
coerulescit. Pycnides desunt. 

Hab.: 10, auf Dolomitenkalk. 

Die Paraphysen sind in den entkalkten Perithezicn schon 
beim Zerdrücken wahrzunehmen^ sicher aber und in Lage zu sehen 
in Schnitten durch das entkalkte Material. Wären die tibrig-en 
Merkmale nicht vollständig- mit Vetr. sphinctrina übereinstimmend, 
so müßte man die Art eben der Paraphysen wegen zu Thromhium 
stellen. Verr. ceracea ist bisher, soweit mir bekannt, nur in der 
Umgebung von Genua gesammelt worden, so daß ihr Verbreitungs- 
gebiet durch den vorliegenden Fund etwas nach Westen erweitert 
erscheint. 

Z. B. Ges. 61. Bd. 3 



34 



J. Steiner. 



Verrucaria parmigera Stnr. 

Syn.: Verr. calciseda DC. et aut. p. p. — Verr. calciseda 
f. alocisa Arid., FL, 1858, S. 537 est forma Verr. p armiger ae. 
Icon.: Garov., Tentam. (1865), Tab. III, Fig. 8A. 
Exsicc: Schär. 104 (H. P., H. U.). — Anzi, It. Sup., 
373 (H. U., H. P.). — Arid., Monac., 369 (H. U., H. P.). — 
Roumeg. 270 (H. U.). — Beck, PI. Bos. Herc, 136 (H. P.). 
f. alociza Arid.: Arid. 310 (H. P., H. U.). 
f. circumarata Stnr.: Anzi, Ven. 146, immixt. (H. U., H. P.). 
f. calcivoroides Stnr.: Schär. 103 (H. U.). 

ThalUis endocalcinus, continuus, zona cingente ohscura regu- 
lariter mdla, aeque ac in Verr. sphindrina et Verr. calciseda for- 
makis, Strato corticali ex hyphis incoloribus fere aeque contextis ac 
medullae, apicihus h. i. infuscatis, ca. 30—40 ^ alto, strato gonidiali 
e gonangiis separatis et gonidiis minorihus, 9 — 14(17) lt., strato 
medullari ex hyphis densius contextis incoloribus et strato hypo- 
thallino unduTate rectiforme laxe v. infra laxissime contextis, varie 
alte in calcem penetrcmtibus et in Stratum medulläre sensim dbien- 
tihus. Ilyphae strati hypothallini sattem, sed h. i. etiam medullaris 
tisque ad perithecia cellulas macrosphaeroidales, ca. 13 — 20 (.i latus 
exhibent. 

Perithecia immersa, regulariter singula sed etiam pauca v. 
pluria cum involucrellis comiata. Excipidum suhorhictdare v. sub- 
ficiforme, regtdariter obtuse triangidare v. inverse subcordatim colla- 
hens, ca. 0'19 — 0'3mm altum et latum, intus pallidum extus nigro- 
fuscum, ah involucrello ceterum separatum, colle angusto tantum 
circa porum connatum et in involucrello suspensum. Involucrelhm 
nigrum et parmi forme ut in Verr. sphinctrina sed saepe angustius 
et crassius et minus regulariter fissum sed tandem aequomodo dela- 
bens, annidum nigrum relinquens et porum punctiformem nigrum 
denudans. Chlamys cum involucrello saepius ambitum versus v. ad 
ambitum ipsum conjuncta. 

Periphyses et paraphyses ut in Verr. calciseda et gelat. hymen. 
J ope pl. m. coerulescens. Sporae regulariter non evolutae, id)i ad- 
sunt varie ellipticae et magnitudine variantes 12' 5 — 19(23) (.i lg. et 
7-6—9(11)11 lt. 

Pycnides nusquam adsunt. 



FlechtcMi aus dem ilal.-lVanzö.s. Gron/jj;obiet(^ und aus Mittclitalion. 



35 



Alliier den augeflibrten Exsikkiiten wurden Exemplare, welche 
teils als Bagl. i^phlnciriua, teils als I m", calcli^cda bcstinimt sind, untcr- 
suelit von: Belgien, le^. Nylander (II. E.); IJayern, Eiclistiidt, le^. 
Arnold (II. E.) et ßurglengenfcld, leg. Gümbcl (11. E.) et Mitterwaid, 
leg. Krempelluiber (II. E.); Niederiisterreicb, Mlklling bei Wien, 
leg. llolzinger (H. P.); Kärnten, Unterloibel, leg. Steiner (II. I*.). 

Ut forme distingiiendae sint: 
f. alociza^) Arid., Flora, 1858, S. 537. 

Thalli plures et minores, geograpJiice congesfi et lineis pl. m. 
nigrofuscis, non impressls, ex hyphis septatis et inftiscatls circiimdatl. 

Außer den oben zitierten Exsikkaten wurden untersucht Exem- 
plare aus Bayern, Berchtesgaden, leg. Sendtner (II. E.); Trape- 
zunt, leg. Handel-Mazzetti (H. P.); Nordamerika, ex herb. Br. 
Fink (IL P.). 

f. circumarata Stnr. 

Thalli plures ut in f. cdocisa sed fossis profundus varie cir- 
cumductis et regulariter pcdlidis separati ut in Verr. spliinctrina 
f. inscidpta (Ansi). 

Hab.: 12, auf Dolomitenkalk, 
f. calcivoroides Stnr. 

TJicdlus varie inaequaliter emergens ut in Verrucaria calciseda 
f. calcivora. 

Hab.: 13, auf Dolomitenkalk. 

Außerdem liegt in H. P. ein hierher gehöriges Exemplar aus 
Cephalonia, det. Hepp ut Verr. ahci^a Mass. 
f. subconcentrica Stnr. 

Involucrella jyeritheciorum juxta positorum regulariter omnino 
confluentia et perithecia mactdatim v. curvate seriatim v. sid)circu- 
latim ordinata. TJiallus v.palUde v. luride cinereus. 

Zu dieser Form gehören Exemplare von Korfu, Mt. St. Deca, 
leg. Eggerth (H. E.) und von Schweden, Gotland, leg. Blomberg 
(H. E.). 

Die Subspezies Verr. p armig er a steht in der Mitte zwischen 
Verr. spliinctrina (Duf.) und Verr. calciseda (DC). Mit ersterer 



^) Das Wort ist von cdo^ (Furche) abgeleitet und hat daher alociza zu 
heißen, wie es auch von Mass. in Syram., p. 42, zuerst geschrieben wurde. 

3* 



36 



J. Steiner. 



Art hat sie das Involucrellum, mit letzterer das Excipulum gemein- 
sam. Nach eingehender Untersuchung eines ziemlich reichen Mate- 
riales glaube ich annehmen zu dürfen, daß ein direkter Übergang 
zwischen den drei Arten nicht vorhanden ist, nur bleibt es not- 
wendig, für die Untersuchung gut entwickelte Perithezien zu wählen. 

In den südlicheren Gebieten Europas wenigstens scheint Verr. 
parmigera häufiger zu sein als die typische Verr. calciseda. 
Verrucaria calciseda (DC.) emend. Stnr. — DC. in Lam. et DC, 
FI. fr., III, ed. 2 (1805), p. 317 p. p. — Arid., Flora, 1885, 
S. 78 p. p. — Syn.: Verr. rupestris Nyl. et Aut. p. p. 
Icon.: Garov., Tent. (1865), Tab. III, Fig. SA^. 
Exsicc: Erb., Critt. It., I, 698 p. p. 
f. composita Stnr.: Erb., Critt. It., I, 698 p. p. • 
f. calcivora Arid.: L einer und Stitzenb., Krypt. Bad., 622 
(H. R). — Anzi, It. Sup., 375 (H. U., H. P.). — Arid. 311 
(H. U., H. P. p. p.). — Arid. 312 (H. U., H. P.). — Arid. 
1244 (H. P. perith. non evol.,- H. U.). 
var. crassa Arid.: Anzi, Yen. (H. U., Expl. in H. P. est Thelid. 
crassum Mass.). ~ Arid. 197 (H. P., H. U.). — Flag., Alg. 
184 (H. P.). 

Structura thalli eadem ac in Verr. p armiger a nec minus hahihis 
thalli, ut demonstrant allatae formae sed in var. crassa thallus magis 
emergens. 

Verithecia immersa et regulariter dispersa. Excipulum ut in 
Verr. par^nigera extus nigrofuscuWi supra cum involucrello autem, 
quantum adest, connatum. Involucrellum nigrofuscum, angustum, 
pl. m. crassum, cum excipulo arcte connatum et in amhitu in clila- 
mydem solitam transiens, nunquam dehiscens. Excipulum una cum 
involucrello regulariter pl. m. ampJiori forme, rare infra paullo dila- 
tatum et suhcordate collahens, visum ad 0'28mm alt. et 0'25mm lt., 
in f. insculpttoide ad O'Sl mm alt. et 0'27 mm lt., in f. ccdcivora et 
var. crassa ad 0'37 mm alt. et 0'33 mm lt. 

Sporas evolutas in ceteris formis nunquam vidi in f. calcivora 
et var. crassa fere Semper adsunt ellipticae, 18 — 24(26) (.i lg. et 
9 — 11 (ISJ ^ lt., tandem non rare morhose infuscafae. Gelatina liym. 
J ope coerulescit. 

Pycnldes nusquam adsunt. 



ricclitcii ;niM (lein rnm/ös. (Jr('n/,«^M'liic<c und .ms MiMcIiLilicn. 



llal).: 10, aiiC Doloinitcnkalk. 

IJt l'onnac et varict. distin^-iii poHsunt: 
f. roniposi t(i Stur. 

Thalli minores et plurcs iit in f. alocüa Vcrr. parnii(jcr<w, 
lineis i^l. m. fuseis sc2)arali. 
f. insculptoides Stnr. 

Thalli etiam phires et minores scd pl. m. convexuU et fossis 
inscnlptis, regidariter pcdlidis separati. 

Schweiz, Unterwaiden, leg\ Metz 1er (IL F.), sul) Verr. Ikd- 
densi Mass. 

f. calcivora Mass. sec. Arid., Jura, Sep. p. 252. — Non Vcrr. 
calcivora Nyl., Pyrcnoc., p. 37 = Vcrr. incavata Nyl. in Mudd., 
Brit. Lieh., p. 205, quae est Thelidiimi. 

Thallus inaequaliter sed non distindius emergens (piam in pl. 
typ. Perithecia regidariter majora et sporae evolutae. 
LIab.: 9, auf Dolomitenkalk. 

Außerdem wurden Exemplare untersucht von: Griechenland, 
Pentelikon, leg. Kerner (H. U.), sub Verr. calciseda p. p.; Cepha- 
lonia, Hepp (H. P.), sub Verr. rupestris a calciseda Fr. 

var. crassa Garov., Tent. (1865), p. 56 adnot. — Arid., Verh. 
zool.-bot. Ges. Wien, 1868, S. 707. — Non Verr. crassa Mass., 
Ric. (1852), p. 174, quae sec. Mass. ap. Arid., Flora, 1858, 
S. 554, est Thelidium crassum Mass., 1. c. — Sagedia decipiens 
Hepp, exs. 699 (1860) et Thelidium decipiens (Hepp) Krplh., 
Lieh. FI. Bay. (1861), S. 246 et Anzi, exs. Yen., 135 p. maj. p. 

Exsicc. : Anzi, Ven. 135 (H. P.) in H. U. autem. sist. 
Thelidium crassum. — Arid. 197 (H. U., H. P.). — Flag., 
Alg. 184 (H. P.). 

Thallus 7nagis pinguiuscule emergens quam in ceteris formis 
speciei, V. planus v. varie paptdose inaequalis, h. i. lineis prothalUnis 
secundariis fuscis percursus, pallidus v. in luteolum v. in caesie v. 
luride cinereum vergens, circum ostiola peritheciorum non rare pl. 
m. elatiis. FeritJiecia majora et involiicrelliim cum parte porali ex- 
ciptdi arctissime connatum. Sporae regidariter hene evolutae. 

In descriptione Mass., Ric., p. 174, aeque ac in Anzi, Ven. 
exs. 135 Speeles duae commixtae sunt, quarum alteram Massa- 
longo ipse ap. Arid., 1. sup. c. Thelidium crassum sistere decla- 



38 



J. Steiner. 



ravit, idcirco autor nominis a Garovaglio, 1. c, clati non Massa- 
long'O est. 

Ad not. 1. Verr. Schraden ß. foveolatam Flk., D. Lieh., Nr. 28 = 
Verr. mpestrem y. foveolatam Schär., Enum. (1850), p. 217, non vidi. 

2. Forma caesia Anzi ut adest in Anzi, Exs. It. Sup. 376 et 
in Arid. 311 formam propriam non sistit. 

Color tlialli hyphis ramosis fuscis, celhilosis et conidiis aeque 
fiiscis, pl. m. sphaeroideis et conglohatis lorulae lichenicolae efficitur, 
tJiallo alieno in superficie tJialli Verrucariae vigente et partim in 
Stratum corticale, mimquam in Stratum gonangiale penetrante. 

Ceterum Anzi, It. Sup. 376. in H. U.; Arid. 311 in H. U. et 
Arid. 311 in H. P. p. p. (expl. frust. duo exhib. et quidem frustr. 
sinistr.) ad f. calcivoram, sed Anzi, It. Sup. 376 in H. P. et Arid. 
311, H. P. p. p. (expl. frust. un exh.) ad Verr. interruptam (Anzi) 
et Arid. 311 in H. P. (expl. frust. duo exh. et quidem frust. destr.) 
ad Verr. sphinctrinam pertinet. 

3. F. lactea Hepp ut datur in Arid. exs. 309 (H. U., H. P.) 
est Verr. sphinctrina. 

4. F. interrupta Anzi in Anzi, Exs. It. Sup. 374 (H. U., H. P.) 
est subspecies Verr. calcisedae, a f. cahlvora praesertim cellulis 
macrosphaeroidalibus omnino deficientibus diversa et nominanda: 

Verr. interrupta (Anzi) Stnr. 

Tliallus inaequaliter emergens, Ii. i. fere ut in f. cahlvora sed 
saepe magis erose et curvate v. suhcerehrinose maculatim emergens 
et eodem modo impressus. Partes emersae et perithecia gereutes 
regulariter pallidiores Ii. i. fere cretaceae sed etiam suhluridae, partes 
impressae magis fumose cinereae. Stratum corticale ad 40 — 60(70)^ 
altum, in partihus impressis tenuius et magis sordide granose in- 
spersum, ibique Stratum gonangiale minus evolutum. Stratum medul- 
läre densius contextum quam in Verr. calciseda. In JiypotJiallo hypliae 
ramosae et curvulae, magis perpendicidariter in calcem intrantes 
(Ii. i. ad 4 — 5 mm), infra ca. 1'5 — 5^, supra ad 5 — 7 ^ crassae^ 
celUdis infra elongatis supra magis toruliformihus, rare h. i. ad 9 (.i 
crassis sed cellulas macrosphaeroidales numquam proer eantes, serius 
saepe pl. m. infuscatae. 

Perithecia immersa, dispersa, tandem plane denudata, ut in 
f. calcivora et var. crassa diutius parva, deinde regulariter amphori- 



I'^lcclifoii aus (Umii ital.-lVnii/.ös. (Jr('ii/;4cl»i('(r und aus .MiKclilalic n. iVJ 

formia ad ^^'.V )in)t alt. et O'^^Smni lt., in Flag., Al(f. 7<S;"> ad 0\')Hnwi 
et O'S'ymm lt. Kvciptdum nt in var. crassa, supra circa porum 
modice incrassatum et cum involucrcllo angnsto omnino connatiwi, 
chlaniide t andern etian} ab involucrcllo soluta. Sporae ocfonae regu- 
lär iter evolutac, seriits non rare morhose fuscescentes, ellipticae, 
li)—^S^i lg. et (7-5) 8-5— 11-5 fi lt., in Flag., Älg. 185 aidem 
Ii) — 27 (31) IX lg. et 9'5 — 12(13) lt. J ope Stratum suhhyni. et 
asci infra coeridescimt, gelatina liym. partim colorata v. in coendeum 
V. in lutea lateritium vergente. Pycnides desunt. 

Exsicc: Aiizi, It. Sup. 374 (H. R, H. U.) et 376 p. p. 
(H. P.). — Arid. 311 p. p. (H. P. expl. frust. im. exh.). — 
Arid. 1401 (H. U., H. P.). - Flag-., Alg-. 185 (H. P.). 
Flag-., Alg-. 185, colore tlialli magis luridovirente et magni- 
tiidine peritliecioriim et praesertim sporarum recedit et forsan potius 
nt var. prop. habenda sit. 

5. Verr. calciseda f. major in Sitzb. kais. Akad. d. Wiss. in 
Wien, math.-nat. Kl., 1893, S. 168 = Verr. rupestris var. Attica in 
Sitzb., 1. c, 1898, S. 176, nee ad Verr. calciseda nec rupestreni per- 
tinet sed est subspecies Verr. marmoreae et ab hac specie praesertim 
cellulis macrosphaeroidalibus in hypotballo non raris quidem sed 
inaequaliter evolutis diversa et nominanda est: 

Verr. Attica Stnr. — Stnr., 1. c, sub Verr. rupestris var. 

Tliallus endocalcimis, macularis, albide pallidus, partim et in- 
ae(pialiter emergens ut in Verr. calciseda f. calcivora. Gonidia majora, 
15 — 20^1 lt. HgpJiae hypothallinae minus strictae magis divaricate 
ramosae et curvulae quam in Verr. marmorea et cellulas macro- 
sphaeroidales ad 13 — 16 ^ lt. proer eantes. Excipulum unacum in- 
volucrello fici forme v. amplioriforme, ad 0'38 mm alt. et lt. Exci- 
pulum infra et lateraliter pallidum et supra tantum, ubi cum 
involucrello angusto arctissime connatum, denigratum, materiam pur- 
purascentem nusquam ostendens. Sp>orae octonae, ellipticae, ut in 
Verr. marmorea 19 — 25(27) ^ lg. et 8' 5 — 11-5 i-l lt. Pycnides desunt. 

Griechenland, Kap Sunion, leg. Kerner (H. U.) auf Kalktuff. 

6. In H. E. adest exempl. e Corfu, Mt. Deca, leg. Eggerth 
calcicolum, inscriptum ab Arid, ut Verr. calciseda (südliche Form 
mit größeren Sporen). Haec planta in stirpem Verr. marmoreae et 



40 



J. Steiner. 



prope Verr. Ättlcam locanda est, a qua specie praecipue differt 
sporis majoribus. Nominetur 
Verrucaria Eggerthi Stnr. 

Tliallus endoccdcinus ijcälidus, habitu magis ad var. crassam 
quam ad f. calcivoram Verr. calcisedae accedens, primum contimie 
et laevmscule emergens, deinde fossis x)erithecialihus et costis inter 
has inaequalis. In costis inter perithecia pycnides er ehre adsunt. 
Gonidia major a, ca. 15 — 20 ix lt. Hijphae hypothallinae magis strictae, 
minus reiiforme connexae quam in Verr. calciseda, celltdas macro- 
sphaer., ca. IS — 15 lt., dissipatas sed non raras in hypothcälo in- 
feriore procreantes. Ferithecia crehra, dispersa, immersa, ampJiori- 
formia, ad 0'7mm alta et 0-6 mm lata (siih microsc. 0'64mm alt. et 
0-62 mm lt.) supra plane denudata. Excipulum et involucrellum ut 
in Verr. marmorea formata. Excipulum ceterum pcdlidum (extus h. 
i. linea ohscitrior adest) supra circa porum deingratum et cum in- 
volucrello angusto, nigro arctissime connatum, materiam purpura- 
scentem nullam exhihens. Chlamys serius etiam ah involucrello 
separata. 

Feripliyses et piaraphyses ut in Verr. marmorea et calciseda, 
asci elongati, siihlanceolati, memhrana lateratim sensim et ad apicem 
altiiis incrassata. Sporae octonae, incolores, ellipticae, 29 — 39 lg. 
et 12':j—16 (17) (.1 lt. Gelatina hym. J ojye intense coerulescit. 

Pycnides mediocres, nigrae. Fidcra endohasidialia celltdis 
paucis. Gonidia recta, ca. 3 — 4 ix lg. et 0'8 lt. 

7. Obige Diagnosen und Ausführungen zeigen, daß zur Be- 
stimmung dieser wie auch aller anderen Verrucarien eine genauere 
Untersuchung des Thallus und Schnitte durch gut entwickelte Peri- 
thezien unerläßlich sind. Das Abfallen oder Nichtabfallen des In- 
volucrellums, der Zustand des eingesenkten Teiles der Perithezien 
an Bruch- oder Schabstellen mit der Lupe angesehen, kann zwar 
immerhin einen Fingerzeig geben, aber nicht zu einer sichern Be- 
stimmung führen. 

Zum Einbetten der Flechtenteile, also hier der abgesprengten 
und entkalkten Lager mit den Perithezien etc., für die auszuführen- 
den Schnitte benütze ich schon seit vielen Jahren einen großen 
Tropfen oder besser gesagt, Fleck eines mittelkonsistenten Ge- 
menges von reinem, gelösten arabischen Gummi mit wenig Glyzerin 



I'^leclitcii ;uis dem it;\I. tV;m/,ös. (Ji'('ii/,<^^('l»i<'(<i iiiid aiiM IMittcIilalicii. 



41 



auf rapici- als Untcrlag'C. Das Gcmcng-c ist so zu wälileu und 
(lurcli Versuch zu erproben, daß es hei hm^saiiieni Kintrockiieu in 
g'ewöhnUcher Zinnnerwärmc (sehuclles Eintrociviicii (hireh stärkere 
Krwärniuiig- giht iiacli meiner Erfahrung- nur seidechte Resultate) 
weder zu spröde wird noch zu weich bleibt, um mit dem Kasier- 
messer aus freier Hand eventuell unter der Lupe geschnitten zu 
werden. Als Unterlage für den Gummi ziehe ich gutes Schreib- 
papier vor, das beim Eintrocknen sich nicht verkrümmt^ und ent- 
ferne es vor dem Schneiden nicht, was allerdings möglich wäre- 
Der Zustand des eingetrockneten Gummi ist nicht allein vom Ge- 
halte an Glyzerin, sondern besonders auch von dem Feuchtigkeits- 
gehalte des Eaumes, in w^elchem getrocknet wird, abhängig. Sub- 
jektiv zu bevorzugende Modifikationen des Verfahrens werden sich 
leicht aus der Praxis ergeben, ich will hier nur hervorheben, daß 
man zartere Objekte sicherer in die richtige Lage bringt und in 
dieser festhält, wenn der Gummi zuerst dünn aufgetragen und die 
Schichte erst nach oberflächlicliem Abtrocknen durch neuen Gummi 
auf die gewünschte Dicke gebracht wird. 

Verrucaria cryptica (Arid.) Stnr. comb. — Arid., Verb, zool.-bot. 

Ges. Wien, 1886, S. 71, sub ÄmpJioridio. 

Sporae 25 — 30 {.l lg. et 11 — 13(15)^1 lt., fere ut in Verr. dolo- 
mitka, sed peritliecia ad 0'5 mm lata, omnino immer sa. Contentus 
sporanim Ii. i. infuscatttm. 

Hab.: 13, auf Dolomitenkalk. 
Verrucaria rupestris Schrad. ap. Leight., Angioc. Lieh. (1851), p. 60 

et Tab. 25, Fig. 4. — Schrad., Spie. Fl. Germ. (1794), p. 109 

p. p. — Th. Fr., Arct. ^1860), p. 271. — Leight., Lieh. Fl. 

Gr. Br., ed. 1 (1871), p. 425 et ed. 3 (1879), p. 456. — Arid., 

Flora, 1885, S. 76 et Jur., Sep. S. 249. 

Perithecia siipra nigra, regulariter ad dimidiam partem altitud. 
immersa, dispersa v. patica arcie congesta. Excipulum regulariter 
stihdeplanate orhiculare circumcirca pallidum v. in var. liypop^liaea 
A. Zahlhr. et Stnr. infra partim ohfuscattim. Involucrellum nigrum, 
circa porum et usque ad ^js — ^js altitud. excipulo adpressum, con- 
vexe emergens et in centro pl. m. umhilicate impressum v. infra suh- 
adpressum, cum cJilamide connatum, in var. confluente ad altitud. 
penetrans et in parte ca. tertia inferiore ah excipulo dbstans. Sporae 



42 



J. Steiner. 



octonae, ellipticae, regtilariter evolutae, 17 — 23^ lg. et 9 — 12(13) lt. 
Cellulas macrosphaer. nec in mediilla nec iit hypothallo umqiiam vidi, 
sed adstmt microsphaeroid. (e. c. in Arid. 175 ei Anzi, L. 449), ad 
9 — 10 IL lt., ex hypliis latiorihus arcte connatis ortae, varie saccose 
congestae. 

Hab.: 3 — 12, an Kalksteinen der Mauern. 

Der Name Verr. rupestris mit der Zurückftihrung, wie sie 
oben angegeben ist, scheint mir für die vorliegende Art bei der 
tatsächlich sehr verwickelten Sachlage noch am sichersten. 

Verr. rupestris Schrad. (1794) ist eine weitläufige Sammel- 
spezies. Aus dieser scheint mir zuerst von Leighton (1851) un- 
sere Verr. rupestris erkennbar als Art abgetrennt worden zu sein. 
Von den von ihm 1. c. zitierten Exsikkaten stimmen Hepp 224 
und Arid. 175 vollständig; Leight. 140 ist von Massalongo als 
Verr. Leightoni abgetrennt worden^ hat aber vortretende Perithezien; 
in Schär. 104 ist Verschiedenes ausgegeben worden, wie oben her- 
vorgehoben wurde, das Exemplar Leight ons konnte also auch 
Verr. rupestris sein. 

Wenn man, wie auch jetzt noch geschieht, den Namen Verr. 
rupestris für die Gruppe der Verr. calciseda verwendet, kann man 
sich, soweit ich finde, nur auf NyL, Pyrenoc. in Mem. Soc. Acad. 
Maine et Loire, IV (1858), p. 30 stützen, also auf eine spätere 
Deutung, welche zudem eine Sammelspezies umfaßt, allerdings mit 
durchaus eingesenkten Perithezien. Liehen vel Verr. ScJiraderi hat 
nach Ach., Prodr. (1798), p. 13 perithecia „subimmersa", nach 
Meth. (1803), p. 114 „globosa semiimmersa" und nach Univ. (1810), 
p. 284 „immersa", ist also ganz unsicher, vor 1850 nie sicher- 
gestellt worden und wird auch jetzt p. p. zu Verr. rupestris, p. p. zu 
Verr. calciseda zitiert. 

Verr. niuralis Ach. ist schon in Meth., p. 115 und Univ., 
p. 288 ganz unsicher, wird von Leight., Angioc. (1851) als Theli- 
dium (Fohßlastia?) gedeutet und Mass., Ric. (1852), p. 175, hat 
nicht die Priorität, ist auch nach der Diagnose nicht sicher als 
rupestris zu erkennen. 

Verrucaria glauconephela NyL, Flora, 1881, p. 536. — Hue, Add., 
p. 281. 

Cum expl. orig. leg. Lojka (H. P.) sufficienter congruens. 



FliM'liIcii aus (lein ital. tran/ÖM. (JrciiZf^clMi^fc. und aus Miltclitalioii. 



Thallfi}^ pcrtcmiis albus macularis, circa perithecia rcgulariter 
winiifc (uroladis, som ohscnriorc circumdante nulla. Sporne oclonac, 
pl. m. elotigatac, JI — jl4(li))iL lg. et .'V,> — 7 U. (in cxcmpl. orig. 
Tri — 14^1 lg. et :y5—7f.i lt. — sec. Nyl., l. c, l^—Vlfx lg. et 
6 — (S^ lt.). Gelatina Itijm. J ope sordidc lateritio ruhet. Vijcnides 
desunt. 

Planta e Stirpe Verr. limitatae Krplli. 

Hab.: 12, auf Dolomitenkalk. 
Verrucaria FloerJceana D. Torre und Sarntli., F\. Tirols, Fleclit., 

S. 524. — Syn. : Verr. papillosa Flk. in Krb., Syst., p. 350. 

Thallus fiisce olivaceo ohscuratus, perithecia et sporae quadrant. 
Sporae 18 — 25 lg., 7 — S [i lt. 

Hab.: 12, auf Dolomitenkalk. 
Verrucaria acrotella Ach., Meth. (1803), p. 123. — Verr. papillosa 

f. acrotella in Arid., Exs. Nr. 961. 

Perithecia piisilla. Sporae 18 — 23 ^ lg. et 7 — 8 ii lt. 

Hab.: 2, auf kalkhaltigem Sandstein. 
Verrucaria maculiformis Krplh., Flora, 1858, S. 303. 

Sporae 13—17ii lg., 7—9^ lt. 

Hab.: 12, auf Kalk. 
Verrucaria mauroides Schär., Spie. (1839), p. 335. 
Exsicc: Zw. 151. 

Hab.: 12 — 13, auf Dolomitenkalk. 
Dermatocarpon (Enthostelia) miniatum (L.) Th. Fr., Arct. in Act. 

Reg. Soc. sc. Ups., Ser. HI, Vol. III (1860), p. 253. — Linn6, 

Sp. pl. (1753), p. 1149, sub LicJiene. 
i. pap illosum (Anzi), Müll.-Arg. in Bull. trav. Soc. Murith. (1881), 

p. 58. — Anzi, Cat. Lieh. Sond. (1861), p. 102, sub Endoc, 

miniatum f. 

Syn.: Endoc. Moulinsii Moni, Apere, morph. Lieh. 
(1846), p. 1. 
Hab.: 14, an Felsen. 
Dermatocarpon (Catopyrenium) Waltheri (Krb.) Stnr. comb. — Krb., 
Syst., p. 325, sub Catopyrenio. 

Sporae majores, ad 16 — 18(19) ^.i lg. et 9 — 11 (x lt., quam in 
Dermal. Tremniacense (Mass.). 
Hab.: 12. 



44 



J. Steiner. 



Thelidium ahscondUmi (Hepp) Krplh. ap. Arid., Flora, 1859, S. 155 

et 244. ~ Hepp, Exs. 698, sub Sagedia. 

Sporae 18 — 26 fj, lg. et 9 — 12 (.i lt., p. p. simplices saepius 
l-sejJtatae. In hyphis hypotJiallinis aecpie ac in Hepp 698 adsunt 
celhdae microsphaeroidales , globulares v. elUpticae minores, dense 
congestae. 

Hab.: 12, auf Dolomitenkalk. 
Thelidium Äurantii Mass., Symm. (1853), p. 77. 

Perithecia et sporae majora quam in Th. olivaceo (Fr.) Krh., 
21—27 1.1 lg. et 9—14f.i lt. 

Hab.: 10, auf Dolomitenkalk. 
StaurotJiele immersa Bagl. ap. Mass., Symm., p. 102. 

Sporae 36 — 46 f.i lg. et 14 — 22 (a, lt. Sports majorihus a Statir. 
caesia Arid, diversa. 

Hab.: 12, auf Dolomitenkalk. 
StaurotJiele Guestphallca (Lalim) Th. Fr., Polybl. Scand., p. 6. — 

Lahm in Krb., Parg'., p. 339, sub Folyhlastia. 

Sporae 1, rare 2—4 in asco, perithecia pauca adsunt. 

Hab.: 12, auf Dolomitenkalk. 
Forina (Sagedia) car^nnea A. Zahlbr., Engl, und Pr., Natürl. 

Pflanzenfam., Flecht., S. 66. — Pers. in Ach., Meth., p. 120^ 

sub Verrucaria. 

Hab.: 3, auf Ostrya. 
Microglaena Wallrothiana Krb., Syst., S. 389. 

Flanta hene congruens cum exs. Krh. 209. TJiallus epi- 
pldoeodes pertenuis, ca. 60 (.l crassus, continuus. Stratum corticale 
extus pl. m. einer eoßmiosidum, ca. 14 — 19 ^ crassum ex hyphis p. p. 
sattem super ficiei parallelis. Stratum gonidiale ca. 30 — 40 (.i crassum., 
gonidia diam. ad 14 fu, attingentia, hyphis medtdlarihus paucis a 
cortice suhstrati separatum. Sporae ad 8 in ascis elongatis, 27 — 55 
lg. et 12—15 (,i lt. 

Hab.: 7, auf Ähies. 
Arthonia (Euarthonia) radiata (Pers.) Th. Fr., Lieh. Arct., p. 240. 
— Pers., Ust. Ann. St. 7, p. 29 (1794), sub Opegrapha. 

Hab.: 3, auf Kastanienrinde, 
var. anastomosans Ach., Syn., p. 6, sub Arth, astroidea y. 

Hab.: 11, auf Quercus Hex. 



Flechten aus doni ital. IVaii/üs. (Jrcn/j,'(!bi(;t(i iiiid aus Mittclitaliiiii. 



45 



Allarthonia lapidicola (Tayl.) A. Ziililbr., Kn^l. u. IM*., Natllrl. 
Pilanzcnfiini., Flocht., S. Dl. — Tayl. in Mackay, Fl. Ilib., 
II (1<S;>G), p. 1:^4, sub Lecidea. 
Hab.: 10, auf Sandstein. 
Opegrapha (Euopcgrapha) atra Pers. in Ust. Ann. St. 7 (1795), p. 30. 
Conidia recta, 4 — 5*5 lg. et 0'8 f.i lat. 
Hab.: 3, auf Ostrya. 
iploscJiistes scrupostis (Linn.) A. Zablbr. in Hedw., 1892, S. 34. — 

Linn., Mant., II (1771), p. 131, sub Lichene. 
var. arenariiis Schär., Spie. (1820), p. 75, sub Urceolar. scruposa ß. 
Thallus centroversus ohscuratus. J ope meduUa partim et 
triatmi suhcocndescit. Ca Clo O2 cidh. intus fere immuiatus, extns 
l. ni. nihens. KHO adh. partim coloratur sed solutionem luteam 
rofundit. 

Hab.: 5, auf zerreiblichem, kalkhaltigem Sandstein. 
D iploscJiistes Iryophilus (Ehrh.) A. Zahlbr. in Hedw., 1. c. — Ehrh., 
PL crypt. exs. Nr. 239, sub Lichene. 
Hab.: 13, über Moos- und Flechtenresten. 
Biploschistes actinostomus (Ach.) A. Zahlbr., Hedw., 1. c. — Ach., 
Univ., p. 288, sub ürceolaria. 
var. caesioplumheus (Nyl.), Strn. n. comb. — Nyl., Flora, 1873, 
p. 70 et Pyr. Or. (1891), p. 33, sub ürceol. actin. var. 
Thallus caesioplumheus. Medtdla J ope coerulescit, Ca Cls Oo 
adh. nOjescit sed non aequaliter nec intense. KHO adh. thallus 
non coloratur. 

Hab.: 5, auf dichtem, kalkhältig-em Sandstein. 
Lecidea (Etdecidea) parasema (Ach.) Nyl., Flora, 1881, S. 187. — 
Ach., Univ., p. 175 p. p. 
Hab.: 7, auf Ahies. 
Lecidea (Etdecidea) lattjpea Ach., Meth., Suppl. p. 10. 

Hab.: 2, auf Kieselsandstein. 
Lecidea (Eulecidea) olivacea (Hoffm.) Arid., Flora, 1884, S. 561. 
— Hoffm., Deutschi. FL, II (1795), S. 192 p. p., sub Verru- 
caria. 

Hab.: 7, auf Ahies ] 3, auf Kastanienrinde. 
Lecidea (Etdecidea) goniophila Flk. in Magaz. Gesellsch. d. naturf. 
Fr. Berlin, HI (1809), S. 311, sec. Nyl., Flora, 1878, p. 248. 



46 



J. Steiner. 



Syn.: Biat. pungens Krb., Parg., p. 161 (1860). 

Hab.: 8, auf Kieselsandsteio. 
Lecidea (Eulecidea) platycarpa Ach.^ Univ., p. 173. 

Hab.: 6, auf Kieselsandstein. 
Lecidea (Eulecidea) fumosa (Hoffm.) Ach., Meth., p. 41. — Hoffm., 

Deutschi. FL, IT (1795), p. 190, sub Lichene. 

Hab.: 2, auf Kieselsandstein. 
Lecidea (Eulecidea) Forschi Stnr. 

Planta e Stirpe Lee, contiguae^ reactione thalli et variis notis 
diversa. 

Thallus suhcinereo albus v. albus, linea cingente obscura mdla, 
ad marginem tenuis non decussatus sed verrucose cirrhose evanescens, 
centroversus mox verrucose, serius applanate areolatus, areolis tan- 
dem ad 2 mm varie expansis et planis, rimis angustis separatis, 
ad 1'5 mm crassis. Thallus Ca Ch O2 non mutatur^ medulla J ope 
lutescit, KHO cortex et medulla lutescunt, tandem cortex et pars 
adjacens medtdlae pl. m. rufescunt v. distincte sanguineo rubent. 

Stratum corticale aeque fere contextum ut medulla et quidem 
V. Simplex est et td)ique granose inspersum, subincolor, ca. 27 — 36 
erassmn v. praesertim in vicinitate pycnidium cortex adest verus, 
tenuis, ad 9 crassus, parum granosus, capittdis hypharum extremis 
sordide fumose virentibus, strato exteriore, emortuo ca. 20 ^ crasso 
tectus. 

Apoihecia nigra, ut in Lee. contigua semiimmersa et margi- 
nata, disco v. subplano et leviter pruinoso v. inaequaliter convexulo 
et in convexitate nudo et subnitente, ad 2 mm lt., disp)ersa et orbi- 
cularia v. congregata (etiam subradiatim) minor a et pressione defor- 
mata. Hymenium sub lente supra virens ca. 90 — 100 f.i et Stratum 
suhhymeniale subincolor ad 36 fi crassum. Paraphyses tenues (ad 
1'8 fj,), minus distincte cellulosae, cellulis longioribus, pl. m. solubiles 
et supra magis incrassatae, distinctius septatae et connatae epi- 
thecium obscurius fumose v. vinose chalybaeum formant. Excipidum 
suh strato subhymeniali nigrofuscum, laterale et marginale obscure 
fuscum, in medio ca. 70 jj, crassum, KHO adh. h. i. sanguineo rufe- 
scens. Sporae octonae in ascis clavatis, ad 90 {.i lg. et 24 ^ lt., sub- 
elongate ellipticae, 15 — 18(20) lg. et 7 — 9(9-5) (.1 lt., episporio 
tenui, contentu saepe spumoso. Hymenium J ope permanenter coeru- 



Flechten aus dein itnl. IVanzös. (Grenzgebiete und aus Mittelitalien. 47 



lescit, epiihecium KJIO non colorahir, lIN();t adh. jd. m. sordide 
rosco violascit. 

Vycnldes immcrsas v. simplkes vidi v. orhitcr hisacca/a^, ad 
0-1 mm nlfas et 0-()Smm latas, cavitatc suhplicafa, peri fnlcrio 
cctcrum incolorc circa ostiolum auiem crasse nigrofusco. Exohasidia 
hrcviora, conidia regidariter recta 5 — 8(9) fj. lg. ei ca. 0-8 lt. 

Aus der Gruppe der Lee. contigtia sind zu vergleichen: Lee. 
percontigua NyL, Flora, 1882, S. 457 xmdi Lee. platycarpoides 
in Nuov. Giorn. Bot. It., Vol. XI, p. 99, deren Thallus mit KHO 
ebenfalls gefärbt wird. Lee. percontigua Nyl. ist aber ein nomen 
nudum, Lee. platycarpoides steht der vorliegenden Flechte sicher 
nahe, kann aber nach den in der Diagnose, 1. c, angeführten 
Merkmalen: apotlieciis omnino emersis, sessilibus — lamina tenui 
alba — paraphysihus apice fusceseentihus — sp)oris 16^ lg. et 8 — 9(.i 
tat. — conidiis 8 — 10 lg. et 2 ii lt. — nicht mit Lee. Porschi 
vereinigt werden. 

Hab.: 2, auf Kieselsandstein. 
Lecidea (Eidecidea) ocelkdata (Schär.) Th. Fr., Scand., p. 484. — 

Schär., Enum. crit. (1850), p. 110, sub Lee. fumosa ß. 

Syn.: Äspicilia psoroides Anzi in Comm. Soc. Critt. It., 

I (1861), p. 145. — Hepp, Exs. 722, sub Biatora. — Arid., 

Verh. zool.-bot. Ges. Wien, 1870, S. 531. 

Hab.: 9^ auf Kieselsandstein. 
Lecidea (Psora) lurida (Sw.) Ach., Meth., p. 77. — Sw. in Nov. 

Act. soc. sei. Ups., IV (1784), p. 247, sub LJehene. 

Hab.: 14^ auf Erde zwischen Felsen. 
ProtoUastenia^) rupestris (Scop.) Stnr. comb, — Scop., Fl. carn., 

ed. 2, II (1772), sub LicJiene. — A. Zahlbr. in Engl. u. Prt., 

^) Für diese sowie für die ihr nahestehenden Arten, welche Chrysophan- 
siiure bilden, wurde von A. Zahlbr uckner in Engler und Prantl, 1. c., 
S. 226 die Sektion Protohlastenia der Gattung Blastenia eingeführt. Nun ge- 
hören aber nach ihrem konidialen Apparate zu Protohlastenia außer der unten 
angeführten Prot, monticola (Schär.) mit allen ihren Formen noch mehrere 
bisher zn Lecidea (Biatora) gestellte Arten, die keine Chrysophansäure bilden. 
Ich halte es daher für richtiger, Protohlastenia als eigene Gattung, die aller- 
dings eine Zwischcnstellung zwischen Lecidea und Blastenia einnimmt, aber 
ersterer Gattung näher steht, anzusehen. 



48 



J. Steiner. 



Natürl. Pflanzeufam., Fleclit., S. 227, sub Blastenia, sect. Proto- 
hlastenia. 

var. viridiflavescens (Wulf.) Deila Torre u. Sarntli., Fl. Tir., 

Flecht., S. 359. — Wulf, in Jacq., Coli., III (1789), p. 101. 
Syn.: Lee. rupestris ß. irnihata Ach., Univ., p. 206. 

Thalhis rebus peregrinis ohscuratus. 

Hab.: 12, an Mauersteinen. 
ProtoUastenia Siehenhaariana (Krb.) Stnr. comb. — Krb., Syst., 

(1855), S. 207, sub Biatora. 

Hab.: 12, auf Dolomitenkalk. 
ProtoUastenia monticola (Schär.) Stnr. comb. — Schär., Spie. 

(1833), p. 161, sub Lecidea. — Hepp, Exs. 262 (1857), sub 

Biatora. 

Syn.: Biat. fuscoruhens Nyl., Bot. Not., 1853, p. 183 et 
Lecid. fuscoruhens Nyl., Flora, 1862, p. 463. 
Fulcra endohasidialia. Conidia recta 3 — 4(.i lg. et ad 0'8(ä lt. 
Hab.: 3, 12, auf Dolomitenkalk; 9, auf Kalksandstein. 
Catillaria (Biatorina) lenticularis (Ach.) Th. Fr., Scand., p. 567. 

— Ach., Syn., p. 28, sub Lecidea. 
Hab.: 9, auf Kalksandstein. 

f. erubescens (Flot.) Th. Fr., 1. c. — Flot., Fl. Sil. (1849), p. 45 p. p. 

Hab.: 12, auf Dolomitenkalk. 
Catillaria (Eucatillaria) suhgrisea (Nyl.) Flag., Catal. Lieh. Alg. 

(1896), p. 66. — Nyl., Flora, 1883, p. 532, sub Lecidea.. 
Exsicc: Flag., A\g. 152 et Arid. 1445, sub Cat. sirtensi. 

Hymenium paullo hmnilius ca. 48 altum et paraphyses minus 
sohthiles quam in expl. citatis sed Jiymenium J ope etiam mox e 
luteo rufescens. Pycnides frustra quaesitae. 

Hab.: 12, auf Dolomitenkalk. 
Toninia (Thalloidina) Candida (Web.) Th. Fr., Spitzb. (1867), p. 33. 

— Web., Spie. (1778), p. 193, sub Lichene. 
Hab.: 13, in Gesteinsspalten. 

Toninia (Eutoninia) aromatica (Turn.) Mass., Symm. Lieh. (1855), 
p. 54. — Turn, in Engl. Bot., XXV (1807), Tab. 1777, sub 
LicJiene. 

Areolae depauperatae, albae. 
Hab.: 12, auf Kalksandstein. 



FUH'hton aus dem ital. rianzil.s. (JiHMi/^chictc und aus Mit ((ditalieii. 41) 

Rhisocarpou geographkiim (Linn.) DC. in Lani. et DC, Fl. fr., 
6(1.3, II (1805), p. 305. — Linn., Sp. pl. (1753), p. 1140, 
sab Lichcne. 

Hab.: 2, auf Kieselsandstein. 
Bhizocarpon variegatnm Stnr., Ann. (1. k. k. Naturh. Holni. Wien, 
Bd. XXIII (1909), S. III. 

Hab.: 2, auf dichtem, schieferig-em Kieselsandstein. 
Blmocarpon concentricum (Dav.) Beltram, Lieh. bass. (1858), p. 187. 

— Dav. in Trans. Linn. Soc., II (1794), p. 284, sub Lichene. 

Hab.: 10^ auf Kalksandstein. 
Blmocarpon Montagnei (Flot.) Krb., Parg\ (1861), p. 229. — Flot., 

ap. Krb., Syst. (1855), p. 258 sub Lecidea. 

Hab.: 2, auf Kieselsandstein. 
Cladonia rangiformis Hoffm., Deutschi. FL, II (1796), S. 114, sec. 

Wain., Rev. Lieh. Hoffm., p. 18. 
f. foliosa Flk., Deutsch. Lieh., VIII (1821), S. 15. 

Hab.: 6, zwischen Mauersteinen; 9, auf Erde. 
Cladonia cenotea (Ach.) Schär., Spie. (1823), p. 35 p. p, — Ach., 

Meth. (1803), p. 345, sub Baeomycete. 

Hab.: 4, auf Erde zwischen Erica. 
Cladonia pyxidata (Linn.) Fr., Nov. Sched. Grit. (1826), p. 21. — 

Linn., Sp. pl. (1753), p. 1151 p. p. 
var. pocillum (Ach.) Flot., Linnaea (1843), p. 19. — Ach., 

Meth., p. 336, sub Baeomycete. 

Hab.: 1 — 6, an Straßenmauern zwischen den Steinen. 
Cladonia foliacea (Huds.) Schär., Spie. (1833), p. 294. — Huds., 

FL Angl., ed. 1 (1762), p. 45, Nr. 62. 
var. convoluta (Lam.) Wain., Monogr. Clad., II, p. 394. Lam., 

Enc. Bot., HI (1789), p. 500 (excl. /?), sec. Wain., 1. c. . 

Hab.: 2—6, auf Erde. 
Blatorella (Sarcogyne) pruinosa (Smrf.) Mudd., Brit. Lieh. (1861), 

p. 191. — Smrf. in Engl. Bot., XXXII (1811), Tab. 2244, 

sub Lichene. 

Hab.: 12, auf Kalksandstein. 
Äcarospora glaucocarpa (Wahlb.) Krb., Parg., p. 57. — Wahlb. 
in Svenska Vet. Akad. Handl. (1806), p. 143, fiub LicJiene. 

Z. B. Ges. 61. Bd. 4 



50 



J. Steiner. 



var. conspersa (Fr.) Th. Fr. in Nov. Act. soc. sc. Ups., III (1860), 
p. 188. — Fr., Veget. Scand. (1846), p. 114, sub Biatora. 
Hab.: 13, auf Kalk. 
Psorotichia Montinii (Mass.) Forss., Nov. Act. soc. sc. Ups., Ser. XIII 
(1885), p. 73. — Mass., Symm. Lieh. (1855), p. 86 et exs. 355, 
sub Thelochroa. 

Maculas solitas orbiculares, intrusas, concavas format super 
thallum Verr. calcisedae f. calcivorae. Pars inferior thalli Verrucariae 
sub thallo Psorotichiae adest. 

Hab.: 9, auf Dolomitenkalk. 
TJiyrea pulvinata (Schär.) Mass., Flora, 1856, p. 15. — Schär., 

Spie, XI (1842), p. 544, sub Farm, stygia y. 

Hab.: 12, auf Kalk. 
Leptogium atrocoeruleum (Haller) Krplh., Denkschr. bot. Ges.Regensb., 

IV, 2 (1861), S. 97. — Haller, Hist. stirp. Helv., HI (1768), 

p. 94, sub Lichene. 

Hab.: 6, auf Moosen zwischen Steinen, 
var. lophaeum (Ach.) Krb., Syst. (1855), p. 418. — Ach., 

Meth. (1803), p. 238, sub Parm. scotina y. 

Hab.: 1, über Moosen an einer Straßenmauer, 
var. pulvinatum (Hoffm.) Krb., Syst., p. 418. — Hoffm., 

Deutsch. Fl, IV (1795), S. 104, sub Collema. 

Hab.: 3, über Moosen auf Erde. 
Leptogium (Mallotium) chloromelum (Sw.) Nyl., ^Syn. I, p. 128. — 

Sw. FI. Ind. occid., p. 1862, sub Lichene. 

Hab.: 11, auf Baumrinde. 
Placynthium nigrum (Huds.) Gray, Natur. Arrang. Brit. PI. (1821), 

p. 395. — Huds., Fl. Angl, ed. 2 (1778), p. 524, sub Lichene. 
var. cinerascens Stnr. 

Planta sporis triseptatis et structura meduUae plectenchymatice 
cellulosa cum Placynth. nigro var. trisepiata Nyl (comp. Hue in 
Bull. Soc. Linn. Normand., Ser. V, Vol. IX [1906], p. 148) congruens 
quidem sed squamulis thalli cinereo albis praesertim diversa. 

Thalkis praedominante hypothallo oculo nudo in toto niger 
apparet sed squamulae adpresse coralloideae sub lente cinereo alhae 
et madef. xü. m. virentes. Squamulae jam fere ab initiis minutis 



Flechten nua dein ital. rrnnzÖH. r!r(Miz<j('])i('t(' und ;uih Mittclitali(Mi. 



51 



coralloidco dissectac, prlmmn in hypothallo nUjro dissipalae, mox 
cougcstae et p. p. imhricatac, i^erius hypothallo Inc.rasmto et S(juamidla 
eniortuis suhjacentdnis elatae tandenique dif]racte areollfornie elatae. 
S(pimmdas vidi ad 65 (.i crassas. (Jortex ca. 9 — /-/ ^u. altufi c cellidis 
inaequaliter 2 — S serialihtis, incolorilms, ca. 4 — G lt. et Ii. i. hi- 
sertalis et seric una celltdarum emortuarum et collapsanim tectus. 
Hyphae medulläres idmpie dense plectenchymatice cellulosae et con- 
natae, cellidis inter gonangia magis perpendicidariter ordinatis, suh- 
rectangularihus, 7najorihus, ad 10 — 12 (.i lg., suh gonangiis minorlbus 
ut in cortice et suhtus in 2 — 3 seriehus corticiforme connatis, pl. m. 
fuscis et cum hyphis hypothalUnis fuscis, rarius p. p. chalyhaeis 
cohaerentihus. Gonangia pl. m. perpendiculariter stricta et gonidia 
pl. m. perpend. seriata. Apothecia adsunt rariora^ sedentia, orhicu- 
laria ad 0'4(0'5) mm lt., crassiora, nigra v. rare morhose expalle- 
scentia disco primum concavo deinde explanato, margine nigro et 
crassiore. 

Excipulum laterale et marginale intus pl. m. subvinose pallidum 
ex hyphis tangentialihus tenuiorihus, extus ex hyphis trajectorice curvatis 
formatum, crassioribus, distincte septatis et ohscure v. nigro violaceis 
V. p. p. chalyhaeo viridibus. Pars obscurior excipuli KHO adh. regu- 
lariter intense violaceo purpurascit. Excipulum basale (hypothe- 
cium) pl. m. aurantiacum et h. i. vinose macidatum. Ihimenium 
ca. 50 — 66 {,1 altum. Faraphyses fdiformes sohd)iles et septatae. 
Epithecium v. sordide fuscum v. in viride vergens. Sporae octonae, 
incolores in ascis clavaiis, ca. 48 ^ lg. et 15 — 16 (.t lt., regulariter 
3-septatae, rare una v. altera 1 — 2-septata, elongatae, ca. 12 — 15'5 ix 
lg. et 3 — 5 ^ lt. Hymenium J ope coerulescit, rarius tandem paullo 
decoloratur paraphysibus magis lutescentibus. Pycnides non vidi. 

Hab. : 10, auf Kalktuff. 
Lobaria (Bicasolia) pulmonaria (Linn.) Hoffm., Deutsch. Fl., II 

(1795), S. 146. — Linn., Sp. pl. (1753), p. 1145, sub Lichene. 
YSiY. papillaris Del., Stict., p. 144. 

Margines loborum et terga plicarum p. p. papilli v. isidiis 
hrevibus ornatae sunt ut in var. latidata sed saepius in eorum loco 
soralia v. segregata et pl. m. rotunda v. confluentia adsunt. 

Hab.: 8, auf Rinden. 

4* 



52 



J. Steiner. 



Lobaria (Löharina) scrohiculata (Scop.) DC. in Lam. et DC, Fl. 

fr., II (1805), p. 415. — Scop., Fl. carn., ed. 2 (1772), p. 384, 

sub Licliene. 

Hab.: 8, über Moosen. 
Solorina saccata (Linn.) Ach., Univ. (1810), p. 149. — Linn., Sp. 

pl. (1753), p. 1149, sub Lichene. 

Hab.: 13, auf moosiger Erde an der Straße. 
Peltigera canina (Linn.) Hoffm., Deutsch. FL, II (1795), S. 106. 

— Linn., Sp. pl. (1753), p. 1149, sub Licliene. 
Hab.: 8, auf moosiger Erde. 

Pertusaria glohifera (Turn.) Mass., Symm. (1855), p. 71. — Turn. 

in Trans. Linn. Soc, IX (1808), p. 139. 

Hab.: 3 — 7, auf Rinden, 
var. saxicola Nyl., ap. Arid., Jura, Sep. S. 141. 

Hab.: 5, auf dichtem Sandstein. 
Pertusaria Wulfeni DC. in Lam. et DC, Fl. fr., ed. 3, H (1805), 

p. 320. 

var. rupicola Schaer., Enum., p. 229. 

Thallus jam Ca Cfe O2 paullo lateritio ruhet sed aäd. KHO in- 
tensius coloratur. 

Hab.: 12, auf Kieselsandstein. 
Pertusaria leioplaca (Ach.) Schaer., Spie, II (1826), p. 66. — 

Ach., Univ., p. 309, sub Porina. 
var. laevigata Th. Fr. in Nov. Act. soc. sc. Ups., III (1860), 

p. 359 et Scand., p. 316. 

Sporis regulariter 3 — 4, rare 5 in asco. 

Hab.: 7, auf Alies] 11, auf Olea. 
Lecanora (Aspicilia) calcarea (Linn.) Hepp, Exs. Nr. 627 (1860). 

— Linn., Sp. pl. (1753), p. 1140, sub Lichene. 

YSiY. percrenata Stnr., Ann. Naturh. Hofmus. Wien, Bd. XXIII 
(1909), S. 117. 

Conidia 6' 5 — 8(9) f.i lg. et ca. 0'8 ^ lt., truncata, recta. 
Hab.: 2, auf dichtem, schieferigem Kieselsandstein, 
var. contorta (Hoffm.) Krb., Syst. (1855), p. 160. - Hoffm., 
Deutsch. Fl., II (1795), S. 186, sub Verriicaria. 
Hab.: 12 — 13, auf dunklem Dolomitenkalk. 



Flochteil aiiH diMii i(;il.-lV;iii/.("t8. (ürcn/'^cltictc und .-mim !\Iit(clil;ilirii. f)?) 

Lccanora (Aspicilia) cinerea (Linn.), Honimcrf., Suppl. (182G), p. 

— Linn., Mant., I (17G7), p. 131, sub Lichcuc. 
f. gihhosa Anzi, Cat., p. 60 et exs. Long. Nr. 72. 

Planta juvenilis, sporae non evolutae et pycnides demni ned 
Jiahitns ut in exs. cit. et tJialliis KHO nihens. 

Hab.: 9, auf Kieselsandstein. 
Lecanora (Aspicilia) internmfans Nyl., Flora, 1872, p. 354. — 

Lojka, Hung. exs. Nr. 46. 

Thallus sterilis. Pycnides desunt. 

Hab.: 7, auf Kieselsandstein. 
Lecanora (Aspicilia) Brunnthaleri Stnr. 

Planta p. p. ad Lecan. trachyticam (reactione KHO prov., ordinc 
et p. p. forma sporarum) p. p. ad Lecan. farinosam (evolvendi modo 
apotbec., altitudine bymen. et p. p. forma sporarum) et p. p. ad 
Lecan. concretarn majorem (forma et colore areolarum) accedens 
sed ab omnibus diversa speciem sistit e vicinitate Lecan. inter- 
mutantis Nyl. 

Thallus cnistaceus, latius expansus, in ioto planus et sub- 
farinose laevis, cretaceo albus in statu sicco spurie in luteolum, in 
madido distinctius in rubrum vergens, centroversiis ad T7 mm in- 
crassatus, ad ambitum, quantum adest extenuatus — pars margi- 
nalis liberia in expl. coli, deest — ubique distincte sed subtiliter 
rimose areolatus, areolis magnitudine inaequalibus, h. i. 1mm sed 
saepe 2 — Smm dilatatis nec Semper ubique circumcissis, planis ad 
fissuras sensim spurie devexis. ICIIO cortex et medulla tandem 
sanguineo rubent, Ca CI2 O2 'y^'On colorantur, J ope medulla paullo 
lutescit. Cortex ad 20 f.i tantum crassus ex liyphis ramosis et im- 
plexis, septatis (ClH adJi.) et in toto praesertim perpendiciäaribus, 
supra pl. m. capitatis contextus et lateritie v. rufule coloratus, dense 
granosus inspersus, strato emortuo tectus ad 30 — 45 f.i crasso, in- 
colore, dense granoso et extus dehiscente. Ln Lecan. trachytica (Mass. 
exs. 270) cortex ceterum aeque formatus et coloratus sed 25 — 40 
crassus et strato emortuo ca. 7 — 10 ^ tantum crasso tectus. Stratum 
gonidiale Lecan. Brunnthaleri ca. 36 — 56 crassum, gonangiis suh- 
rotundis et subseparatis, gonidiis 9 — 12 latis, intensius luteo viri- 
dibus. Medulla alba dense contexta et. dense granose inspersa, 



54 



J. Steiner. 



granulis HNO3 "o 'ix et CHI adh. ser 'ms p. p. solutis. In medulla 
inferloi'e sc. liypotliallo udsunt cellulae microsphaeroiddles saepe in 
glomerulos pl. m. ramosos dense congestae ca. 7 — 10(13) ^ latae, ut 
in Lecan. farinosa. 

Äpothecia evoluta rara et dispersa primum extus indicantur 
verrucis permimitis ca. O'l, tandem 0'2 mm latis, plurihus v. multis 
in quavis areola, nigricantihus et mad. pl. m. fuscis, serius saepe 
suhstriatim confluentihus, tandem singulis v. plurihus connatis discum 
ad 0'8 mm lt. v. suhorhicularem v. irregulariter repandum denudan- 
tihus, plane immersum, sordide fusce obscuratum sed dense alho 
pruinosum, tliallo marginante vix spurie elato. 

Hymenium jam in apotheciis juvenilihus ca. 160 — 180 (x, tandem 
ad 240 Ii altum, interruptum sirato hyphoso ex hypJiis latiorihus 
et septatis, supra HNO^ non coloratis, ubi hymenia duo connata 
sunt. Involucrum mere thallodes. Paraphyses mediocriter densae, 
fdiformes, ca. 1'8 u crassae ei subdistincte septatae, supra ramosae, 
ramis sensim ad 8 incrassatis et distincte sed non moniliforme 
cellulosis, epithecium dense luteo fusce inspersum et strato granoso 
insuper tectum formant, IlJSfO^ adh. coeruleo viride coloratum, KIIO 
adh. non distincte mutatum. In Lecan. trachytica Jiymenium ad 
120 — 140 (.1 altum, paraphyses crassiores, ad 2' 5 {.i lt., rami extremi 
moniliformiter cellulosi, cellulis ca. 4 — 5 ^ lt., epithecium ceterum 
aeque inspersum et HNO^ coloratum ac in Lecan. Brunnthaleri 
sed non granose supersparsum. Äsci elongati, ad 204 (.1 lg. et 37 fx lt., 
sporae regulär, octonae, ellipticae, ca. 20 — 30^1 lg. et 12 — 15(18) {.i 
lt., irregul. hiseriales v. tibi tantum 4 evolutae, uniseriales et magis 
subrotundae. J ope hymenium et Stratum subhymeniale v. permanenter 
coerulescunt v. hymenium h. i. in luteo viride v. etiam in lutesfuscum 
decoloratur. 

Pycnides singulae ad marginem thalli sitae, ubi cum thallo 
alio ejusdem speciei connatus, extus verrucis nigricantihus parvis 
ca. O'l mm latis et apotheciis juvenilihus similantibus indicatae, im- 
mersae, elongate pyriformes v. etiam elongate suhlineares, colle longo, 
ca. 0'19 — 0'3mm altae, cavitate simplici v. infra indistincte plicata, 
perifulcrio incolore circa porum tantum fusco nigrescente. 

In Lee. trachytica pycnides eodemmodo formatae et in Flag., 
Alg., 123 saltem saepe plures aretissime congestae sed separatae. 



Flocliton aus (Umii ital. (V;m/ös. Cirni/f^ohictc, und aus IMillclifalirn. 



55 



Coiiidia recta, 5 5 — 9(10) lg. et ca. 6—0 7 lt. ut in Lccan. 
frachyfica, dum in Lccan. farinosa longiora sunt, 

Hab.: 13, auf dunklem Dolomitenkalk. 
Lecanora (Aspicilia) microspora (Arid.) A. Zablbr. in Östcrr. botan. 

Zeit., Bd. LllI (1903), S. 241. — Arid, in diesen „Verband- 
lungen", 1870, S. 450, sub Aspic. calcarea var. 
Var. actinostomoides Stnr. 

ThaUiis stihorbiciilaris ad 3 cm dilatatus, in toto mediocriter 
temiis, ad 0'5 mm et in verrucis ad 0'8 mm crassus, ad amhitum 
ad presse radiose lohatus, lohls saepe ad 3 — 3' 5 mm hene perspi- 
ciendis, dendroideo ramosis, ramis arcte congestis, lohis pl. m. linea- 
ribus, extus partim dilatatis et mox divisis, fere planis spurie con- 
vexidis et centroverstis simpliciter transversim fissis areolas procrean- 
tihus. Thallus sub priiina cretacea in rubrum vergens et madidus 
rubens, KIIO adh. in parte superiore tandem sanguineo rubet, Ca Gl 2 
O2 non coloratur et J ope medulla paullo lutescit. ÄpotJiecia in 
areolis pl. m. convexis et orbicularibtis, ad 0'5 — 0'8 mm lt., regulariter 
singula immer sa, disco spurie depresso ad 0'3 mm aperto, orbiculari 
V. stihorbictdari, nigrescente v. fusco et mad. dilutius fusco, invo- 
lucrum tJiallodes vix spurie elatum. Hymenium ad 70 — 80 altum, 
paraphyses densiores, subramosae, infra ad 3'6 (x, supra sensim ad 
5 — 6 fx incrassatae et breviore spatio septatae, epithecium rufofiiscum 
non inspersum formant. Hymenium et hypothecium mox pl. m. 
ocJiraea colorata. Hymenium J ope subsanguineo rufescit. Sporae 
octonae in ascis clavatis, supra incrassatis, ca. 60 — 65 fj, longis et 
19 latis, latius ellipticae v. ovales, 12 — 15(16' 5) ^ lg. et 7 — 9 i^i lt. 

Fycnides perrar ae. Conidia recta, 5 — 9(10) (,1 lg. et fere ad 2 lt. 

Hab.: 10, auf dunklem Kalksandstein. 
Lecanora (Eidecanora) suhfusca (Linn.) Acb., Univ., p. 393. — 

Linn., Sp. pl. (1753), p. 1142, sub LicJiene. 
Var. lainea (Fr.) Krb., Syst. (1855), p. 141. — Fr., Lieh. Eur. 

(1831), p. 149, sub Farmelia. — Syn. : leucopis Scbär., Enum. 

(1850), p. 74. — Ach., Univ. (1810), p. 354, nom. incertum. 

Thallus junior, adhuc tenuior, minus areolatus et magis albide 
virens quam in Anzi, Exs. lt. Sup., 192 ceterum acquomodo albe 
circumscriptus et KHO adh. margo integer apotheciorum spurie tan- 
tum lutescens, habitu nonparum accedens ad Lecid. coarctatam (comp. 



56 



J. Steiner. 



Lecan. spodophaeoidem (Lelght.) Nijl. in Cromh., Monog. Lieh. 
Brit, p. 410, spec, ame non visa). 

Hab.: 2, auf Kalksandsteinen der Mauern. 
Var. campestris Schär., Spie, VIII (1839), p. 391. 

Hab.: 2, auf Sandstein. 
Var. serupulosa (Ach.) Arid., Jura, Nr. 174. — Ach., Univ., 
p. 375 ut pr. sp. 

Disci apotJieciorum p.p. ohscure, p.p. dilute fusci, epitJiecium 
non insperstm et capituli paraphysium strato gelaiinoso non tecti. 

Hab.: 11, auf Querciis Ilex. 
Lecanora (Eulecanora) allophana (Ach.) Nyl., Flora, 1872, p. 250, 

Note 2. — Ach., Univ., p. 395, sub Lecan. suhfusca rj. 

Hab.: 3, auf Kastanienrinde. 
Var. amittens Stnr. 

Areolae tJialli juvenilis minute sed distincte granuliformes albae, 
granulis congestis quidem sed hene separatis, proÜiallo ohscuro mdlo, 
areolis singulis h. i. apothecium juvenile gerentihus. Lhi apothecia adul- 
tiora super saxum latius distrihuta, granuli steriles thalli omnino evane- 
scunt, ita ut apotliecia sola exstant. Apothecia ad 1'4 mm lata, orhi- 
cularia v. paullo repanda v. pressione difformia, disco in toto piano, 
ohscure v. nigrofusco, opaco, med. fusco, margine thallino albo me- 
diocri, Semper elato, fere integro^ rare subcrenato. Ihallus et margo 
apotheciorum KHO adh. lutescunt. Hymenium ad 60 {.i altum, for- 
matum ut in Lecan. allophana i. e. paraphysibus supra pl. m. cla- 
vatis sed gelatinöse connatis et strato gelatinoso incolore superfusis, 
epithecium egranosum, in hac var. obscure rufofuscum formantihus, 
HNO 3 dilutius tantum coloratum. Sporae octonae elUpticae, 18 — 16 ^ 
lg. et 6 — 8 ^ lt. Hymenium J ope permanenter coerulescit, rare h. i. 
in luteo viride decoloratur. Pycnides desunt. 

Hab.: 9, auf Kalksandstein. 
Lecanora (Eulecanora) chlarona (Leight.) Nyl, Flora, 1883, p. 107. 

— Leight., Lieh. Fl. Gr. Br., ed. 3, p. 188, sub Lecan. sub- 

fusca f. 

Hab.: 3, auf Kastanienrinde. — 11, auf Olea. 
Lecanora (Eulecanora) atrynea (Ach.) Nyl., Flora, 1872, p. 250, 
Note 2. — Ach., Univ., p. 395, sub Lecan. subfusca ^. 
Hab.: 7, auf Tannenrinde. 



I"M('cIil( ii .•IHM (lein ital. iV.-inzÜH. (irciiz^^cbiclc nnd niis IMidcIil.iliiMi. 



Ad not. Ich will liier einstweilen bemerken und werde bei 
anderer Gelegenheit näher ausfuhren, daß der Stamm der Lccdu. 
i>Hbfnsca nut Henlitzung der schon von Ny hin der hervorgehohenen 
Merkmale in vier Formeng-ruppen getrennt werden kann: 

1. Die Gruppe der Lecan. stihfusca. 

Epithecium non inspersum. Farapliyscs supra capitatae, capi- 
tulis pl. in. connaüs et strato incolorc gelaüuoso supertegente nallo. 

2. Die Gruppe der Lecan. allopJiana. 

Epithecium non inspersum, parapliyses supra varie incrassatae, 
gelatinöse connatae et strato gelatinoso incolore supertectae. 

3. Die Gruppe der Lecan. chlarona. 

Epithecium distincle granose inspersum (ad. h. colior. pertinet 
etiam Lecan. atrynea). 

In diesen drei Gruppen sind die fadenförmigen, dünnen Para- 
physen in ihrem mittleren und unteren Teil nur undeutlich und in 
längeren Zwischenräumen geteilt. 

4. Die Gruppe der Lecan. Parisiensis. 

ParapJiyses densiores et patdlo crassiores, idjupie spatio hre- 
viore simpUciter septatae. 

Lecanora (Etäecanora) carpinea (Linn.) Wain. in Medd. Soc. faun. 
et fl. fenn., XIV (1888), p. 23. — Linn., Sp. pl. (1753), p. 1141, 
sub LicJiene. 

Syn.: Liehen angidosus Schreb., Spie. Fl. Lips. (1771), 
p. 136. 

Hab.: 3, auf Kastanienrinde. 
Lecanora (Eulecanora) dispersa (Pers.) Ach., Univ., p. 424. — 

Pers., Ust. Ann. Bot., VIT (1794), p. 27, sub LicJiene. 

Hab.: 2, auf Kalksteinen der Mauern. — 12^ auf Dolo- 
mitenkalk. 

f. coniotropa (E. Fr.) Th. Fr., Scand., p. 254. — E. Fr., Lieh. 

Eur., p. 159, sub Lecan. varia E. — Exs. Rabb. 799. 

Hab.: 10, auf Sandstein. 
Lecanora (Eulecanora) atra (Huds.) Ach., Univ., p. 344. — Huds., 

Fl. Angl. (1762), p. 445 et ed. 2 (1778), p. 530, sub Lichene. 

Hab.: 5, auf dichtem Kalksandstein. — 2, auf Sandstein mit 
Tichothecium erraticum Mass. 



58 



J. Steiner. 



Lecanora (Eulecanora) sulphurea (Hoffm.) Ach., Univ., p. 399, excl. ß. 

— Hoffm., Enuru. Lieh. (1784), p. 32, sub LicJiene. 

Hab.: 2, auf Kieselsandstein. — 5, auf dichtem Kalksandstein. 
Lecanora (Eulecanora) sordida (Pers.) Th. Fr., Nov. Act. soc. sc. 
Ups., HI (1860), p. 215, excl. /. — Pers. in Ust. Ann. Bot., 
VII (1794), p. 26, sub Lichene. 

Syn.: Verr. glaucoma Hoffm., Deutsch. Fl., II (1795), 
S. 172. 

Hab.: 5, auf dichtem Kalksandstein. 
Lecanora (Placodium) crassa (Huds.) Ach., Univ., p. 413. — Huds., 

Fl. Ang., ed. 2 (1778), p. 530, sub LicJiene. 
var. caespitosa Schär., Spie, p. 432. 

Hab.: 13 — 14, auf Erde in Gesteinsritzen, 
f. dealhata Mass., Sched. crit. (1856), p. 59 et exs. 75. 

Hab.: 9, auf Kalksandstein, 
var. cetrarioides Mass. in Sched. ad exs. 74 (1856). 

Hab.: 13, auf Erde in Gesteinsritzen. 
Lecanora (Placodium) muralis (Schreb.) Schär., Enum. (1856), p. 66. 

— Schreb., Spie. Fl. Lips. (1771), p. 130, snb LicJiene. 
var. versicolor (Pers.) Krb., Syst. (1855), p. 115. — Pers. in 

Ust. Ann. Bot., VII (1794), p. 24, sub LicJiene. 

Hab.: 13, auf dunklem, dolomitischem Kalk. 
Lecanora (Placodium) suhcircinata Nyl., „Flora", 1873, p. 18. 
f. farinosa Anzi sec. Jatta, Syll. Lieh. It., p. 184. 

IJiallus ad amhitum radiose lohatus, lohis pl. m. linearihus, 
suhdeplanatis adpressis, alhidus et alhe frimosus, lohis marginalihus 
paullo lateritie ruhentihus. Medulla KHO sanguineo auhet. 

Exemplar, orig. f. farinosae Anzi non vidi. 

Hab.: 13, auf dunklem, dolomitischem Kalk. 
OcJirolecJiia parella (Linn.) Mass., Ric. (1852), p. 32. — Linn., 

Mant., I (1767), p. 132, sub LicJiene. 

Hab.: 2, auf Sandstein. — 5, auf Sandstein. — 8, auf Kiesel- 
sandstein; überall in mehreren Exemplaren gesammelt. 
Lecania proteiformis (Mass.) Flag., Fr. C, p. 305. — Mass. in 

Sched. et exs. 144 (1856), sub Biatorina. 

Hab.: 10, auf Sandstein. 



FI(M'li(cii MUS <Umii lV;m/ös. (Jrcii/j^cliictt' uiiil ;iiim Mittrlilalini. HO 

Vlacolccania eandlcaus (Dicks.) A. Zalilbr. in En gl er ii. l'rt., 
Natiirl. IMIanzcnüim., Lieh., S. 205. — Dicks., Crypt. 3, 
p. 15, siib Lichoic. 

Hab.: 13, auf dunklem, dolomitisehem Kalk. 

Placolecania Cesatli (Mass.) A. Zalilbr., 1. e. — Mass., Mem., p. 47, 

sub Ilicasolia. 

Hab.: 9, auf Kalksandstein. 

Farmelia tiliacea (Hoffm.) Aeh., Meth. (1803), p. 215. — Hoffm., 
Enum. (1784), p. 96, sub Lichene. 
var. scortea (Aeh.) Mudd., Manip., p. 93. — Ach., Prodr. (1798), 
p. 119 ut pr. sp. 

Hab.: 2, auf Straßenmauern. — 3, auf Erde über Moosen. 
— 7, auf Tannenrinde. 

Farmelia caperata (Linn.) Ach., Meth., p. 216. — Linn., Sp. pl. 
(1753), p. 1147, sub Lichene. 

Hab.: 2, auf Straßenmauern. — 3, auf Kastanienrinden. 

Farmelia conspersa (Ehrh.) Ach., Meth., p. 205. — Ehrh. in Ach., 
Prodr. (1798), p. 118, sub LicJiene. 
Hab.: 2, auf Sandsteinen der Mauern. 

Farmelia acetahidum (Neck.) Dub., Bot. Gall., II (1830), p. 601. — 
Neck., Delic. (1768), p. 506, sub Lichene. 
Hab.: 7 — 8, auf Tannenrinde. 

Farmelia glahra (Schär.) Nyl., Flora, 1872, p. 548. — Schär., 

Spie, X (1840), p. 466, sub Farm, olivacea cc. 

Hab.: 7, auf Tannenrinde. 
Evernia pninastri (Linn.) Ach., Univ., p. 442. — Linn., Sp. pl. 

(1753), p. 1147, sub Lichene. 

Hab.: 3, auf Quercus. — 8, auf Äbies. 

Ramalina (Euramalina) fraxinea (Linn.) Ach., Univ., p. 602. — 

Linn., Sp. pl. (1753), p. 1146, sub Lichene. 
var. calicariformis Nyl., Bull. Soc. Linn. Normand., Ser. II, 

Tom. 4 (1870), p. 136 (Recog. Ram., p. 38). 

Hab.: 7 — 8, auf Äbies. 
Ramalina (Euramalina) fastigiata (Pers.) Ach., Univ., p. 603. — 

Pers. in Ust. Ann., VII (1794), p. 156, sub Lichene. 



60. 



J. ^^t ein er. 



Syn.: Ram. pojndormn (Ehrh.) Wain. in Med. soc. faun. 
fl. fenn., XIV (1888), p. 21. — Ehrh., PI. crypt. exs. Nr. 276, 
sine diagn. 

Hab.: 3—6, auf Äbies. 
Ramalina (Euramalina) calicaris (Linn.) E. Fr., Lieh. Suec. (1824 — 

1827), p. 72. — Linn., Sp. pl. (1753), p. 1146, sub LicJiene, 

Hab.: 3, auf Äbies. 
Ramalina (Euramalina) farinacea (Linn.) Ach., Univ., p. 606. — 

Linn., Sp. pl. (1753), p. 1146, sub Lichene. 

Hab.: 3, auf Äbies. 
Usnea (Mesinae) florida (Linn.) Hoffm., Deutsch. FL, II (1795), 

S. 153). — Linn., Sp. pl. (1753), Nr. 80, sub Lichene. 
var. sorediifera Arid., Fh, 1874, S. 569. 

Hab.: 3, auf Rinden. 
Blastenia (Eublastenia) ferruginea (Huds.) Krb., Syst. (1855), p. 183. 

— Huds., Fl. Angl., ed. 2 (1778), p. 526, sub Lichene. 
var. saxicola Mass., Sched. crit., p. 129. 

Hab.: 6, auf Sandstein, 
var. decussata Bagl., Prod. Lieh. Tose, p. 245. 

Hab.: 2, auf Sandstein. 
Blastenia melanocarpa (Th. Fr.) Stnr. comb. — Th. Fr., Spitzb., 

Sep., p. 26 e Kong. Svensk. Akad. Handl., Bd. VII (1867), 

sec. Th. Fr., Scand., p. 184, sub Cal. ferruginea y. 

Syn.: Cal. ferruginea var. nigricans Tuck. in Nyl., Scand. 

(1861), p. 143 (comp. Tuck., Synops. North. Am., 1882, p. 186). 

Ihallus tenuis maculam minorem formal corticolam, minute 
sed distincte et fere conferte torulose inaeqiialem, einer eolurid am et 
stat. mad. magis virentem, zona obscura secundaria tantum p. p. 
circumdatam. Gortex thalli v. medulla KHO non colorantur. Apo- 
thecia sedentia ad 0'5 mm lt., orbicidaria, disco leviter convexulo 
nigro et margine paidlo reclinato, concolore, disco madef. distincte 
in fuscum vergente, margine permanenter nigro. Excipulum egoni- 
diosum sid) strato subhymeniali extenuatum, formatur hyphis infra 
tangentialihus pallidis, in latere et ad marginem trajectorice cur- 
vatis, distinctiiis septatis et extus sensim nigrovinosis, KHO inten- 
sius purpureae violascentibus. 



Flechton aus (Umii ital. rniii/üs. (Jronz^'ebicitc iiitd auH Mit,t('Iitali(!ii. 



CA 



Hymenium ca. 55 f.L allum, pdraphy^^ci^ tcnulorc^, ftllformri^, 
snpra densius et longlia^ erecto ramosac, apicibus clavatis et conualis 
epithec'mm ohscure 'fuscovlnose, regulariier non inspersum formanl. 
Sporae octonae, latins orculiformes, septo crasso et tuho perf^pkuo, 
IS— 17(18) lg. et 7-5— 9 (.i lt. 

KHO epithec'mm purpureo violasclt, IINO3 epithecium et ex- 
cipuhim, uhi coloratum, luteorufescunt. J ope liymenium et Stratum 
snhhymeniale permanenter coeridescimt. Pycnides fnistra quaesitae. 

Hab.: 11, auf Quercus Hex. 

Ein Original sah ich weder von melanocarpa Th. Fr. nocli 
von der als nigricans Tuck. bezeichneten Flechte, doch stimmen 
die Merkmale, abgesehen von dem Standorte, soweit sie von Th. 
Fries, I. c, angeführt werden, genügend überein. Zu Blast, ferru- 
glnea oder Pollinii kann die Pflanze nicht gebracht werden, da 
das Epithecium nicht inspers ist. 

Über das oben angeführte Synonym ist folgendes zu bemerken. 
Die Flechte, um welche es sich handelt, hat Tuck., 1. sup. c, 
selbst als Plac. ferrugineum b. Follinii Mass., Blast. III, benannt 
und nur nebenbei bemerkt, daß er dieselbe früher in Herb, als 
y,nigricans" bezeichnet habe, eine Bemerkung, welche nicht ver- 
langt und nicht genügt, den Namen in die Systematik einzuführen. 
Andererseits macht eben die Bezeichnung der Flechte als Pollinii 
Mass. es fraglich, ob die als var. nigricans (Tuck.) von Th. Fries 
bezeichnete Form mit der amerikanischen übereinstimmt, jedenfalls 
könnte die mir vorhegende und als melanocarpa Th. Fr. bezeichnete 
Art nicht zu Bl. Pollinii gebracht werden. 

Blastenia oleicola Stnr. 

Planta habitum fere Lecid. cdhae praebens sed thallo albiore 
et aequaliore et a Bl. dypliie var. corticola Nyl. sec. diagn. saltem 
thallo et conidiis, a specie praecedente autem thallo et colore disci, 
in stat. sicco et madido nigrO; diversa. 

Thcdlus epiphloeodes, perteniiis, ca. 60 (,1 crassus, esorediosus 
et opacus, ubique continuus et aequaUs, Bona limitante ohscuriore 
niäla, niveoalhus et madef. h.i. maculatim siibvirens. Stratiim cor- 
ticale aeque contextum ac medulla, incolor et pl. m. grcmose insper- 
sum, KHO non coloratum. Stratum gonidiale laxius et inaequale^ 



62 



J. Steiner. 



non distincte interruptum, gonidiis Ii. i. usque ad corticem suhstrati 
penetrantihus, diam. ca. 10—14 ft exhihentihus. 

Apothecia dispersa, adpresse sedentia, orhicularia, ad 0'6 (0'7) mm 
lt., sicca et madefacta omnino et ah initio nigra, disco e concavo et 
piano tandem convexido, m argine mediocri, nigro, primum perspicuo 
deinde reclinato. Excipulum ut in omnihus Blasteniis typicis ego- 
nidiosum sub strato subJiymeniali et in parte cetera interiore hyphis 
tangentialihus formatur, in parte exteriore autem laterali et mar- 
ginali hyphis crassiorihus et septatis extus sensim nigrofumose v. 
nigroviolaceae coloratis. Infra sub excipulo gonangia pauca, pau- 
ciora quam in spec. praecedente. Stratum hymeniale suh lente pl. m. 
ochrascens v. suhrufulum. 

Hymenium ca. 65 — 70 altum. Paraphyses filiformes, infra 
hene soluhiles, 1 — 1'5 [a, lt., non distincte septatae, supra crehrius 
ramosae, ramis erectis et septatis, supra clavatis et connatis epithe- 
cium nigrofuscum v. nigrofumosum, pl. m. in violaceum v. chaly- 
haeoviride vergens, non granose inspersum formant. Epithecium et 
excipulum, uhi colorata, KHO purpureae violascunt, HNO 3 adh. in- 
tensius rufescunt. Hymenium et Stratum subhymeniale J ope per- 
manenter coerulescunt. Sporae octonae, varie orculiformes, septo 
crasso et tuho perspicuo, 10— 16(17) lg. et 6—8(9)^ lt. 

Pycnidem fulcris endohasidialibus et conidiis parvis, rectis, 
ca. 3 {.L lg. et 0'6 (j. lt., unicam vidi. Ceterum adsunt pycnides majores, 
macrogonidia includentes primum 1- deinde 3-septata, elongata et 
recta apicibus rotundatis, ca. 11 — 14 u lg. et ad 3 — 4 ^ lt. 

Hab.: 11, auf Olea europaea. 
Caloplaca (Fulgensia) fulgida Nyl., Flora, 1865, p. 212, sub Pla- 

codio. — Hue, Add., p. 65 (1886), sub Lecanora. 

Hab.: 13, auf Erde; 12, auf Erde steril und daher unsicher. 

Adnot.: Subspecies Cal. fulgida nee thallo, nec forma spo- 
rarum, nec margine apotheciorum sed magnitudine sporarum a Cal. 
fulgente di versa est. Sporae Cal. fulgidae nempe 14 — 19(20)ii lg. 
et 5'ü — 7 (.1 lt., in fulgente autem 10 — 13(14) (.1 lg. et 4 — 5' 5 (6) lt. 
sunt, in utraque specie rare immixtae, 1- septatae. Ceterum sporae 
V. elongate ellipticae apicibus angustatis v. apice uno dilatato v. api- 
cibus ambobus dilatatis et in medio sensim constrictis regulariter in 
eodem hymenio adsunt. 



Flechten :uis doiu itnl. IVanzös. Oronz}?ol)ietc und aus Mittelitalien. 03 



Cal. hracteata sjwris elongatis, apk'dms regularitcr minus an- 
(jiiafafis, oh memhraHmn crassioron dupliciter limhatis, ca. 12 — 
lf)(10){^ IfJ' et i'rC) — 7{7'C))i.i lt., Semper l-sepUitis diveraa est. 

Cal. fidgens var. decipiens Anzi, Cat. (1800), p. 40 et exs. 
Etr. 53 et Lg. 99, snb Sqnamaria et Stenli. 10 = var. alpina Tli. Fr., 
Aret. (1800), p. 81, sub Placod. fidgcnte ß. a Cal. fidgente typica 
tliallo subdistincte v. non lohato, immo disperso magis verrucoso 
(fere tit in hracteata) et apotheciis suhhiatorinis recedit. 
Caloplaca (Fidgensia) lactea (Mass.) Stnr. comb. — Mass., Scbed. 

crit. (1850), p. 133, sub Gyalolechia. 

Hab.: 12, auf Dolomitenkalk. 
Caloplaca (Eiicaloplaca) pyracea (Ach.) Th. Fr., Scand., p. 118. 

— Ach., Meth., p. 170, sub Farm, cerina ^. 
var. pyrithroma Ach., Univ., p. 200. 

Hab.: 9, auf Kalksandstein. 
Caloxüaca (Eiicaloplaca) Ägardhiana (Mass.) Flag., Lieh. Fr. Com., 

p. 241. — Mass., Monogr. Blast., p. 130, sub Pyrenodesmia. 

Forma quaedam thallo endocalcino, argillaceo, apotheciis ad- 
pressis parvis (0'4mm), margine crassiore nigro, disco impresso, 
prtiinoso. Apotheciis parvis et colore thalli a var. alhopruinosa Arid, 
diver sa sed exemplar perparvum collectum. 

Hab.: 12, auf Dolomitenkalk. 
Caloplaca (Gasparrinia) Heptpiana (Müll.) Stnr. in Sitzb. d. kais. 

Akad. d. Wiss. in Wien, math.-nat. KL, Bd. CVII (1898), S. 121. 

— Müll. -Arg., Princ. Classif. (1802), p. 39, sub Amphiloma. 
Hab.: 9, auf Kalksandstein. 

XantJwria parietina (Linn.) Th. Fr. in Nov. Act. soe. sei. Ups., HI 

(1800), p. 107. — Linn., Sp. pl. (1753), p. 1143, sub Lichene, 

Hab.: 0, auf Rinden, 
var. imhricata Mass., Sched. ad exs. 32 (1855). 
Buellia (Fubuellia) JDubyana (Hepp) Krb., Prg., p. 188. — Hepp, 

Exs. 322, sub Lecidea. 

Hab.: 12, auf Kalk, 
Buellia (Euhuellia) maritima Mass., Symm., p. 51. 

Hab.: 10, auf Kieselsandstein. 
Buellia (Biplotomma) epipolia (Ach.) Oliv., Expos. Syst., H (1901), 

p. 158. — Ach., Prodr. (1798), p. 58, sub Lichene. 



64 



J. Steiner. 



Cum Hepp, Exs. 146, bene congruens. Conidia rare visa, 
5—6(j. lg. et ad 1 f,i lt. 

Hab.: 12, auf Kalksandstein. 
Physcia atpolia (Ach.) Nyl., Flora, 1870, p. 38. — Ach., Proclr., 
p. 112, sub Farmelia. 
Hab.: 6, auf Rinden, 
var. melanoplithalma Mass. in sched. ad exs. 318 (1856). 
Hab.: 7, auf Tannenrinde. 
Physcia ]_ndverulenta (Schreb.) Nyl, Syn., 1, p. 419. — Schreb., 
Spie. (1771), p. 128, sub Lichene. 
var. argyphaea Ach,, Univ., p. 474. 
Hab.: 7, auf Tannenrinde. 
ÄnaptycJiia ciliaris (Linn.) Mass., Mem. (1853), p. 35. — Linn., 
Sp. pl. (1753), p. 1114, sub ZicÄewe. 
Hab.: 3, auf Rinden, 
f. actinota Ach., Univ., p. 497. 

Hab.: 3, auf Eichenrinde; 6, auf Rinden. 
f. p allen s Oliv., Parm., p. 33 et Expos. Syst., I, p. 175. 
Hab.: 3, auf Rinden. 



Veg'etationsskizze 
der ümg'ebung' von Czernowitz. 

Von 

Dr. Karl Rudolph. 

(Eingelaufen am 21. August 1910.) 

Die floristische Durchforschung* der Bukowina muß wohl als 
die unvollkommenste von allen Kronländern der Monarchie, die 
neuen Reichslande kaum ausgenommen, bezeichnet werden. Und 
doch ist es ein Gebiet, das ein höheres pflanzengeographisches In- 
teresse beanspruchen darf, wie ein Blick auf irgend eine Floren- 
karte Europas lehrt, welche uns zeigt, daß wir uns hier an den 
Grenze zwischen dem mitteleuropäischen AValdgebiet und den süd- 
russisch pontischen Steppenländern, zwischen baltisch-sarmatischem 



Vegetationsskizzc der trin|j;(il)iin}^ von ('/cniowit/. 



05 



Nordon uiul daziscliem Süden bcliiiden. Diese Greiizlage bedingt 
schon eine interessante Vielseiti<^kcit in der Fl<)renzusan^nensetzun^^ 
Dazu gesellt sich noch die reiche regionale (Gliederung des Landes, 
welche uns von den Vorsteppenforniationen am Dnjestr bis in die 
reiche Hochgebirgsflora auf dem Kareu führt, so dali wir bier auf 
verhältnismäliig kleinem Kaum eine große Mannigfaltigkeit vor uns 
haben, die ein Gegenstück bildet zu dem bunten etlinograj)hischen 
Charakter des Landes und seiner eigentümlichen kulturellen Zwi- 
schenstellung zwischen Okzident und Orient. Seit der im Jabre 1859 
erscbienenen kleineu „Flora der Bukowina" von Herbich liegt 
nur mebr eine kleine Reibe von Arbeiten, die meist nur auf engere 
Bezirke des Landes beschränkt sind, vor, wie aus der folgenden 
Literaturübersicht hervorgehen wird. Diese Lückenhaftigkeit in 
den bisherigen Vorarbeiten für eine gründliche pflanzengeogra- 
phische Aufnahme des Landes ermutigte mich, auch ohne speziell 
in Floristik eingearbeitet zu sein, meine gelegentlichen Beobach- 
tungen und Notizen bei Ausflügen in der Czerno witzer Umgebung 
und dem übrigen Kronlande in Form einer flüchtigen Vegetations- 
skizze niederzulegen. Eine monographisch erschöpfende Durch- 
arbeitung konnte bei den gegebenen Verhältnissen von vorneherein 
nicht beabsichtigt werden; die Arbeit soll nur ein zum Vergleichen 
geeignetes Bild vom Florencharakter des Bukowiner Hügellandes 
liefern und möge gleichzeitig als provisorischer ExkursionsfUhrer 
für die Hörer der hiesigen Universität dienen. 

Die einzige umfassende Zusammenstellung der Flora des^Her- 
zogtumes verdanken wir, wie erwähnt, dem k. k. Regimentsarzt 
Dr. Franz Herbich, welcher in der ersten Hälfte des vorigen 
Jahrhunderts durch 20 Jahre in allen Teilen des Landes Aufsamm. 
lungen vornahm und diese zu einer 1859 erschienenen „Flora der 
Bukowina" verarbeitete, ein gediegenes kleines Werk, das eine 
dauernde gute Grundlage für unsere Kenntnis der auftretenden 
Arten wie der pflanzengeographischen Gliederung des Landes ab- 
gibt. Sehr verdienstlich und bis heute unentbehrlich ist dann weiter- 
hin die Zusammenstellung der „Bisher bekannten Pflanzen Galiziens 
und der Bukowina" durch J. A. Knapp (1872), aus welchem Werke 
auch alle Literaturdaten aus früheren Perioden entnommen werden 
können. Aus der kleinen Reihe nachfolgender Arbeiten sind jene 

Z. B. Ges. Gl. Bd. 5 



66 



Karl Rudolph. 



von Aurel v. Procopianu-Procopovici besonders bemerkens- 
wert, insonderheit die Abhandlungen „Zur Flora von Suczawa" 
(15) 1) und „Die Flora der Horaiza" (16), welche interessante 
Formationsschilderungen der sogenannten „ursprünglichen Wiesen" 
oder „Steppenwiesen" in dieser Gegend enthalten und dieselben 
als besondere floristische Bezirke innerhalb der Bukowina hervor- 
tretenlassen. Die Exkursionsberichte von Bauer und Dörfler (9 — 12), 
hauptsächlich den Süden der Bukowina betreffend, machten dann 
eine größere Reihe für das Gebiet neuer, bemerkenswerter Arten 
bekannt. Gelegentliche Notizen aus den Grenzbezirken des Landes 
sind dann ferner in den verschiedenen Arbeiten der Floristen der 
Nachbarländer zerstreut. So hat Bl'ocky das Dnjestrgebiet öfter 
besucht, während aus dem Gebirge noch von Grecescu, Porcius, 
WoJoszczak, ZapaJowicz u. a. einzelne Arten bekannt gegeben 
werden. Konstantin Freiherr v. Hormuzaki schickt seiner Arbeit 
über „Die Schmetterlinge der Bukowina" (24) eine pflanzengeogra- 
phische Übersicht über das ganze Land mit Beigabe einer Karte 
voraus, die ich durch meine eigenen Studien als gut zutreffend be- 
stätigen konnte. Die Arbeit ist dadurch von besonderem Interesse, 
daß sie interessante Parallelismen im Charakter der Flora wie in 
der Zusammensetzung der Schmetterlingsfauna nachgewiesen hat, 
ähnlich wie die Arbeiten von Pawlitschek. 

Eine großzügige Darstellung fand endlich die Gebirgsflora 
der Bukowina durch Pax im Rahmen seiner „Grundzüge der 
Pflanzenverbreitung in den Karpathen" (1898 — 1908, Vegetation 
der Erde, 2. und 10. Bd.). Der Verfasser hat hiebei auch eigene 
Aufnahmen besonders im Süden der Bukowina verwertet. Es fallen 
nach der von Pax durchgeführten Einteilung der Karpathen die 
Gebirge der Bukowina teils in den „Bezirk der Rodnaer Alpen", 
teils in den der „Moldauer Klippenkalke ", zwei Bezirke von her- 
vorragender Wichtigkeit innerhalb der Gesamtkarpathen. Das Vor- 
land des Gebirges hat er in seiner Darstellung nur flüchtig berück- 
sichtigt, so daß also hier noch die größte Lücke offen ist, wenn auch 
die Gebirge selbst noch von einer gründlichen Durchforschung weit 



^) Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf das Literaturver- 
zeichnis. 



Vegetationsakizze tlor ITni^^cbmi^' von (Izcniowit/. 



07 



entfernt sind. Innerhalb des Hügellandes ist gerade aueli wieder 
die Umgebung der Landeshauptstadt in der bisherigen Literatur 
mangelhaft behandelt und es niiige daher die naeh folgende Schil- 
derung als ein Provisorium hier eintreten, bis eine eingehende 
Aufnahme, verbunden mit kritischer Durchprüfung aller Arten, die 
allerdings hier an Ort und Stelle durch Mangel an Literatur und 
Vergleichsmaterial recht erschwert ist, durchgeführt wird. Sollte die 
flüchtige, gelegentliche Aufnahme der Formationen zu irgend einem 
Abschluß führen, so war von vornherein die Beschränkung auf ein 
enges Gebiet geboten, doch kann der gewählte Bezirk ganz gut 
als Typus für eine breitere Zone des Hügellandes gelten, wie noch 
am Schlüsse dargelegt werden wird. 

Um die geographische Stellung dieses Bezirkes innerhalb des 
ganzen Kronlandes zu charakterisieren, muß eine allgemeine Über- 
sicht über das Land vorausgeschickt werden. Ungefähr die Hälfte 
des Landes, und zwar die südwestliche Hälfte, wird von ansehn- 
lichen Gebirgszügen der Karpathen eingenommen. Die überwiegend 
südöstlich streichenden Ketten erheben sich ziemlich unvermittelt 
über das Vorland, gleich bis zu Höhen von 900 bis 1000 m an- 
steigend. Gegen Südwesten zu wachsen sie dann mehr und mehr, 
überragen mit einer Anzahl Gipfel die Baumgrenze und kulminieren 
im Giumaleu^) mit 1859 m. Die breitere äußere Zone des Gebirges 
wird von Karpathensandstein aufgebaut, den eine entsprechende 
einförmige, aber üppige Flora, vorherrschend in Form von Fichten-, 
Tannen- und Buchenwäldern zum großen Teil in urwaldartigen 
Beständen bedeckt. Gegen Süden zu, im Gebiet der krystallinen 
Decke mit den durchspießenden mesozoischen Kalken, steigt dann 
mit der petrographischen Mannigfaltigkeit auch der floristische 
Reichtum und erreicht wohl in der Felsenflora des Rareu seinen 
Höhepunkt. 

Diesen Gebirgszügen ist ein tertiäres Hügelland vorgelagert, 
welches den größten Teil der nordöstlichen Hälfte des Landes ein- 
nimmt und nördlich des Pruth gegen den Dnjestr zu in ein Hoch- 
plateau übergeht. 



^) In der Schreibweise der geographisclien Namen richte ich mich nach 
der Spezialkarte des niilitär-geographischen Institutes. 

5* 



68 



Karl Rudolph. 



Die Grenze zwischen Gebirge und Hügelland ist scharf ge- 
zogen und tritt auch landschaftlich durch das plötzliche Aufsteigen 
der Bergzüge von Ort zu Ort deuthch hervor. Sie zieht ziemlich 
gerade von Nordwest nach Südost mitten durch das Land. 

Das Hügelland wird von horizontal liegenden jungtertiären 
Schichten, vorwiegend der oberen mediterranen und sarmatischen 
Stufe, gebildet. Es wechseln Tegel und Sande, und zwar ist es 
nach Paul (29) die Regel, „daß in den tieferen Lagen der Tegel, 
in den höheren Sande und Sandstein vorherrschen, daher man an 
der Basis der Auswaschungstäler gewöhnlich Tegel findet, während 
die über das Lehmplateau hervorragenden Kuppen meistens aus 
Sand und Sandsteinen bestehen". Solches gilt z. B. auch von dem 
Czernowitz überragenden Cecina, dessen Gipfel aus lockeren Sand- 
lagen mit festeren oolithischen Sandbänken besteht und auch eine 
entsprechende, durch die Immortelle, Heiichrysum arenarium, cha- 
rakterisierte „Binnendünen "-Formation trägt. Außer diesen höheren 
Kuppen ist das ganze Land oberflächlich überdeckt von dem ver- 
mutHch diluvialen sogenannten „Berglehm", den Paul, 1. c, fol- 
gendermaßen charakterisiert: „Die mit diesem Namen belegte Ab- 
lagerung besteht aus einem gelblichen, ziemhch festen, lößartigen 
Lehm, der häufig weiße, kalkige, zerreibHche Konkretionen enthält 
und an der Oberfläche gewöhnlich eine dunkle Ackerkrume bildet." 
Längs der Flußtäler sind dann weiterhin ansehnHche typische Lößter- 
rassen mit der bekannten steilen, fast lotrechten Böschung entwickelt. 

Aus dieser horizontalen tertiären und quartären Decke ist 
durch Erosion ein durchwegs stark welliges Gelände herausgear- 
beitet, in dem nur längs der vier größeren Flüsse des Landes aus- 
gedehntere ebene Flächen sich ausbreiten, vielfach aber scharf ge- 
zeichnete Rücken und Kuppen von ganz ansehnlicher Höhe sich 
erheben. Viele dieser Rücken sind durch stetige Rutschungen charak- 
teristisch modelliert durch die Neigung zur Bildung schmaler, grat- 
artiger RückenHnien mit steilen Böschungen, die wieder terrassen- 
förmig abgestuft sind und auf den Terrassen Gelegenheit zur Bildung 
von Tümpeln geben. Solche Hügel zeigen dann eine große Mannig- 
faltigkeit in der Bodenbeschaffenheit, von der trockenen, steil ex- 
ponierten Lehne über fruchtbaren, mäßig feuchten Wiesenbodeu bis 
zur Wassergallen-, Sumpf- und Tümpelbildung. 



Vcfi'etutioiiHski//c dv.v IFinf^clMiii^- von ( 'zeniowit/ 



Abgesehen von einigen sicli unmittelbar an das Gc])irgc an- 
lehnenden Höhen ist der (Vcina bei Czernowitz mit 5.39 m ii. d. M. 
und ea. 400 m über dem KSpiegel des Pruth die höchste Erhebung 
im äußeren HUgelland. Er selbst ist der Kulminationspunkt eines 
ausgedehnteren Höhenzuges, der Höhen von Spaska, welche vom 
Pruth aus, Czernowitz und seine Vororte im Westen umrahmend, 
bis fast zum Serethtal gegen Süden hinziehen. 

Am Fuße des Berges liegt die Landeshauptstadt auf einem 
den Pruth um durchschnittlich 100 m tiberhöhenden Plateau. Das 
Zentrum derselben breitet sich hier über mehrere Kuppen aus, 
während die Vororte terrassenförmig gegen den Pruth hinunter und 
hinauf bis fast zum Gipfel des Cecina steigen. Gegen Süden zu 
sieht man von der Stadt aus einen Hügel auf den anderen folgen, 
unter denen der Rücken von Stinka Posch (356 m) und der Okruh 
(324 m) namentlich hervorgehoben seien. Nach Osten hin verflacht 
sich das Land etwas, gegen den Pruth hinunter fällt es mit einer 
mehr weniger steilen Lößwand ab, die nur einen schmalen Streifen 
flachen Uferlandes frei läßt. Am anderen Ufer des Pruth steigen 
gegenüber der Stadt die Höhen der Dabrowa (286 m) und des 
^[oszkow (350 m) und weiterhin des Berdo-Horodiszcze (515 m) als 
landschaftlicher Hintergrund von Sadagöra und Zuczka auf und 
ähnliche Höhen begleiten weiterhin den Fluß abwärts bis zur 
russisch-rumänischen Grenze. Doch ist hier am linken Ufer zwischen 
den Höhen und dem Fluß ein ca. 2^2 km breiter Streifen ebenen 
Landes eingeschaltet. Gegen Nordwest zu endlich sieht man auf 
eine in ganz allmählichen Wellen ansteigende Ebene hinaus, die 
allmählich in das Dnjestrplateau übergeht, das seinerseits einen 
Teil der großen podolischen Platte bildet. Das mäßig gewellte 
Plateau ist vom Dnjestr, dem Grenzfluß gegen Galizien und Ruß- 
land, und seinen Nebenflüssen tief durchschnitten und von zahl- 
losen kleinen „Gipstrichtern" übersät, die — meist überwachsen 
— als kleine grüne Inseln von wenigen Metern Durchmesser aus 
den Kulturen hervorleuchten. Gegen den Dnjestr zu stürzt das 
Plateau mit steilen Felswänden von ca. 100 m Höhe ab. Dieses 
Canon des Dnjestr bildet einen ansehnlichen geologischen Aufschluß 
vom Jungtertiär bis zum Silur hinunter, in dem die verschiedenen 
geologischen Horizonte durch verschiedene graue, rote, weiße Farben- 



70 



Karl Rudolph. 



töne auffallend markiert sind. In den obersten Schichten dieses 
Plateaus stehen jung-tertiäre Kalke, Gips, Sandstein und Litho- 
thamniebänke an. Diese kalkreichen Gesteine, vor allem der Gips 
haben der Flora dieses Gebietes auch einen besonderen floristischen 
Charakter gegeben, wie noch weiter unten ausgeführt werden wird. 

Die geographische Charakterisierung des Bezirkes sei noch 
durch einige Daten über das Klima von Czernowitz ergänzt. Da 
die neueren Aufzeichnungen der meteorologischen Station an der 
hiesigen Universität noch nicht bearbeitet sind, bin ich noch auf 
die älteren, hauptsächlich von Wachlowsky in der „Klimatologie 
von Czernowitz" (32) niedergelegten Daten angewiesen, die aber 
für unsere Zwecke vollkommen hinreichen werden. 

Czernowitz liegt genau unter demselben Breitengrade wie 
Wien und auch fast in derselben Seehöhe. Es wird sich daher das 
Czernowitzer Klima am besten durch einen Vergleich mit den Wiener 
Verhältnissen anschaulich machen lassen. Ich gebe nachfolgend zu- 
nächst eine Übersicht über die Monats- und Jahresmittel der Tem- 
peratur der beiden Städte. Die Czernowitzer Daten sind auf Grund 
sechzehnjähriger Beobachtung von Trabert (34), S. 80, zusammen- 
gestellt und auf das fünfzigjährige Mittel reduziert. 

Die Jahresmittel beider Städte sind, wie Tabelle S. 71 zeigt, 
nicht wesentlich verschieden. Einen bedeutenden Unterschied der 
Klimate aber zeigt der Vergleich der Monatsmittel, insonderheit der 
der extremen Monate Januar und Juli. Die Wintermonate sind 
in Czernowitz bedeutend kälter, der Sommer um einiges 
wärmer als in Wien. Die Jahreskurve der Temperatur nimmt 
also hier einen viel steileren Verlauf, worin der schon mehr kon- 
tinentale Charakter des Czernowitzer Klimas zum Ausdruck kommt. 
Ein auffallend großer Temperatursprung vollzieht sich in Czerno- 
witz beim Übergang vom März zum April. In diesen beiden Monats- 
mitteln spricht sich die lange Dauer des Winters und der dann 
plötzliche Übergang zum wärmeren Frühjahre, wie er hier landes- 
üblich ist, aus. Ein ähnlicher Temperatursprung tritt dann ebenso 
vom Oktober zum November ein, das heißt, auf einen langen 
schönen Herbst folgt ein plötzlicher Einbruch des Winters. Sehr 
bedeutend ist die Differenz zwischen den Extremen der Jahres- 
temperatur: das 20jährige Mittel des Minimums im Winter 



Vo};('<atioiisski/ze der Uiii<i:<'l)iiii<^ von (J/cniowitz. 71 

Monats- mul .laliresmittcl der 'J'enipcratur in (Jzcrnowitz 

und Wien. 





Czernowit/i 


Wien 

(Hoho Walto) 


Nördliche Breite 


48" 17' 


48" 15' 


Östlich von Greenvvich 


25" 5G' 


16" 21' 




225 m 

ältere meteorol. 
Station 


202 m 


Januar 


- 5-1 


— 1-7 




- 4-0 


0-2 




1-0 


3-9 




8-6 


9-4 


Mai 


14-7 


14-0 




18-3 


17-7 


Juli 


20-1 


19-G 




19-4 


18-8 


September 


14-8 


15-2 




9-0 


9-8 


November 


1-5 


3-5 




- 3-5 


— 0-6 




7-8 


9-2 



beträgt — 2P, das des sommerlichen Maximums 32-7^. Durch 
diese erfahrung-sgemäß lang anhaltenden, extrem niedrigen Winter- 
temperaturen wird schon eine Anzahl ausdauernder Gewächse 
aus dem Gebiete ausgeschlossen. Das dürfte z. B. von dem hier 
wenigstens sehr spärlichen Weinbau gelten. Ebenso fehlen hier die 
interessanten, ausdauernden mediterranen Tertiärrelikte der nieder- 
österreichischen Flora, obwohl durch die geringere Erniedrigung 
der Schneegrenze in den Ostkarpathen die Bedingungen für deren 
Erhaltung während der Eiszeit günstiger gewesen wären. Einjährige, 
thermophile Pflanzen und Stauden mit unterirdisch ausdauernden 
Vegetationsorganen finden dagegen hier die entsprechend hohen 
Sommertemperaturen, die sie zu ihrem Gedeihen brauchen. Eine 
derartige mittlere Julitemperatur wie in Czernowitz kommt in den 
westlichen Kronländern nordseits der Alpen nach der Juliisothermen- 
karte von Trab er t, 1. c, nur auf Wärmeinseln der Znaimer Um- 
gebung und des Wiener Beckens vor. Im übrigen zieht die für 



72 



Karl Kudolph. 



Czernowitz maßgebende 2P-Juliisotlierme quer durch das südöst- 
liche Galizien, dann längs der Karpathen nach Süden und setzt 
sich dann auf den Innenrand der Karpathen und den Ostabhang 
der Alpen in Ungarn fort. Sie bildet in Gahzien eine ungefähre 
westliche und nördUche Vegetationsgrenze für eine Anzahl thermo- 
philer Arten der Moldau, Bukowina und OstgaUziens, z. B. für 
Scutellaria altissima, Phlomis tuherosa etc. 

Weniger als in den Temperaturverhältnissen ist in den 
F euch tigkeits Verhältnissen die kontinentale Lage von Czerno- 
witz in einer für die Pflanzen einflußreichen Weise ausgeprägt. Die 
jährhche Niederschlagsmenge von Czernowitz beträgt nach Wach- 
lowsky im Mittel auf Grund 22 jähriger Beobachtung 610 mm 
gegen 623 in Wien, Hohe Warte. Der Unterschied ist also nicht 
beträchthch. Noch innerhalb des Stadtgebietes von Wien, in den 
vom Gebirge entfernteren Bezirken sinkt die Jahresmenge schon 
unter 600 mm^ also unter jene von Czernowitz. Einen gewissen 
Parallelismus zur Temperaturkurve zeigt aber wieder ein Vergleich 
der Monatsmittel, aus dem hervorgeht, daß Winter, Frühjahr und 
Herbst hier viel trockener sind als in Wien, die Sommermonate 
dagegen wesentlich niederschlagsreicher, so daß also auch in der 
Verteilung der Niederschlagsmengen die Extreme größer sind. In 
der folgenden Tabelle sind die auf Wien bezüglichen' Daten der 
„Klimatographie von Niederösterreich" von Hann (36, S. 80) ent- 
nommen, jene von Czernowitz wieder der zitierten Arbeit von 
Wachlowsky. 

Czernowitz besitzt, wie aus Tabelle S. 73 ersichtlich, eine deut- 
liche Trockenperiode, welche aber in die Zeit der Vegetationsruhe 
fällt, für den Pflanzenwuchs also hier nicht in Betracht kommt, 
während die Vegetationsmonate April bis Oktober eine höhere 
Niederschlagssumme ergeben als in Wien. Allerdings ist diese 
Kegenmenge auf weniger Niederschlagstage verteilt, denn sie ent- 
stammt hauptsächlich den heftigen Gewitterregen. Auch die mittlere 
relative Feuchtigkeit der Luft ist während des ganzen Jahres in 
Czernowitz größer als in Wien, wie den genannten Quellen zu 
entnehmen ist. Nebel- und Wolkenbildung sind hier geringer als 
im Westen des Reiches. Wie wohl überall, steigt auch in der 
Bukowina die Niederschlagsmenge mit der Annäherung an das 



^'('!4•et;lti()n.s.ski/zo (\v\' l!iu«;<'lniii(,' von (izcniowifz. 



7-5 





Niedorschlagsinengo 


Zahl 

der Niederschlagstage 




Czcrnowitz 


Wicu 


Czernowitz 


Wien 







(Hollo Warto) 




(Hollo Wiirto) 




19 


o7 


8-5 


13-0 


Februar 


21 


33 


8-4 


112 


März 


37 


46 


10-2 


12-8 




41 


50 


10*5 


12-3 


Mai 


70 


70 


11-6 


13-6 


Juni 


96 


71 


13-2 


13-7 


Juli 


99 


70 


12-4 


14-0 


August 


75 


70 


10-5 


12-3 


September .... 


57 


44 


9-1 


10-5 


Oktober 


36 


49 


8-1 


12-5 


November 


33 


41 


9-1 


13-3 


Dezember 


26 


42 


8-4 


13-8 




610 


623 


120 


153 



Gebirge und sinkt mit der Entfernung. Am geringsten ist sie im 
Dnjestrgebiet, wo die Niederschlagsmenge im Mittel 550 beträgt. 
Alles in allem kann von einem trockenen Steppenklima in Czerno- 
witz noch keineswegs gesprochen werden. Es überwiegt hier an- 
scheinend in den Feuchtigkeitsverhältnissen noch der Einfluß des 
Gebirges über den der kontinentalen Lage. 

Phänologische Beobachtungen aus neuerer Zeit sind mir nicht 
bekannt. Hann führt aber im Übersichtsband zur „Österreichisch- 
ungarischen Monarchie in Wort und Bild" (33) an, daß der FrUh- 
lingseinzug in Czernowitz, bestimmt nach dem Aufblühen ver- 
schiedener verbreiteter Kulturpflanzen^ besonders der Obstbäume, 
um 13 Tage gegen Wien verzögert ist. 

Den doppelten Charakter des Czernowitzer Klimas, die kon- 
tinentalen Temperaturen und die vom Gebirge beeinflußten Feuch- 
tigkeitsverhältnisse, werden wir noch in der Zusammensetzung der 
Flora von Czernowitz wiedergespiegelt finden. 

Nach dieser allgemeinen Übersicht über das Land soll sich 
nun die weitere floristische Darstellung auf ein enge gefaßtes Gebiet, 
auf die nächste Umgebung von Czernowitz beschränken. Es deckt 
sich ungefähr in seiner Ausdehnung mit dem poUtischen Bezirke 



74 



Karl Rudolph. 



Czernowitz oder mit einem Umkreis, mit einem Kadius von etwa 
10 km um die Stadt gezogen. 

Noch ungefähr 25^0 Bodenfläche dieses Bezirkes ist von 
Waldungen bedeckt. Vor noch nicht allzulanger Zeit dürften 
sie einen weit größeren Raum eingenommen und die dominierende 
Bodenbedeckung gebildet haben. Sie überziehen heute hauptsächUch 
die höheren Kuppen und Rücken der Umgebung, so die Rücken 
und Lehnen der Cecinagruppe und jene des Berdo-Horosdiszcze 
jenseits des Pruth, in stundenweiter Ausdehnung. Kleinere Wald- 
reste stehen dann noch an den Hängen des Pruth, wie die Wäld- 
chen von Horecza und Biela. 

Unter den baumlosen Formationen fallen dem Westländer als 
eine in dieser Ausdehnung fremdartige Erscheinung wohl am meisten 
die großen Hut weiden in die Augen, die einförmig, graugrün 
schimmernd, die vom Walde entblößten Hügellehnen oft weithin 
bekleiden. Selbst in den dichtbevölkertsten Bezirken des Landes, 
z. B. im Pruthtal, entfallen noch 8% der gesamten Bodenfläche 
auf diese ökonomisch minderwertige Formation (39). Vielfach sind 
sie von tief in den Löß und Lehm eingegrabenen Wasserrissen durch- 
furcht, die schon an die Regenschluchten, die Balkis der Steppe 
erinnern. 

Wo die steil den Sonnenstrahlen exponierten Hügellehnen nicht 
als Weiden benutzt werden, bedecken sie blumenreiche Triften, 
die wohl als die schönste und interessanteste Formation im Gebiet 
angesprochen werden können. Eigentliche Wiesen (Tal-, Wald-, 
Kulturwiesen) treten im landschaftlichen Bilde des Bezirkes sehr 
zurück. Sie finden sich in größerer Ausdehnung nur in den Niede- 
rungen des Pruths, hier zum größten Teil als sumpfige Riedgras- 
wiesen entwickelt. Wald wiesen werden erst mit Annäherung an das 
Gebirge, z. B. schon bei Kiczera, häufiger. Die Kultur und Pflege 
der Wiesen, der Anbau künstlicher Wiesen befinden sich in unserem 
Bezirke, in dem die Kleinbauernwirtschaft vorherrscht, noch in den 
ersten Anfängen. Trotzdem haben sich die vorhandenen Talwiesen 
wenig Ursprünglichkeit bewahrt, hauptsächlich wohl infolge der 
hier landesüblichen Vor- und Nachweide im Frühjahr und Herbst. 



^) Bericht des Landeskulturrates der Bukowina, 1909. 



Vegetutionsskizzo (lor ITinjiohim^f von ('/(M'iiowif/. 



75 



Die verschiedenen Wiesenformationen (die Triften einf^e- 
sclilossen, über ohne ITutwciden) nehmen in der Umgehung von 
Czernowitz ebenfalls etwa 8^0 ^^ci' Gesamtarea ein. 

Unter den Fcldkulturen, die naturgemäß den größten Raum 
einnehmen, stechen physiognomisch besonders die saftig grünen, im 
Hochsommer von blühenden Sonnenrosen umrahmten Maisfclder 
hervor, aus denen im Herbste nach dem Schnitt der Maisstauden 
überall im Lande die goldgelben Kürbisse hervorleuchten. 

Obwohl der Maisbau mehr und mehr eingeengt wird, waren 
doch noch im Jahre 1909 nach dem statistischen Jahrbuche des 
Ackerbauministeriums 12.868 ha des gesamten Ackerlandes mit 
Mais bebaut, während auf die anderen Getreidearten, Weizen, 
Roggen, Gerste, Hafer, im Durchschnitt nur je 4000 ha, also weniger 
als ein Drittel des Mais, entfielen. 

Außer den genannten Getreidearten werden im Bezirke noch 
gebaut: Kartoffeln, Futter- und Zuckerrübe, Flachs, Hanf, Anis, 
Fenchel, Raps, Mohn, Paprika etc. Zwischen den Feldern, Weiden 
und Wiesen liegen die großen Ortschaften wie grüne Inseln, da 
die in den Dörfern zahlreich angepflanzten Weiden, nebst den 
spärlicheren Obstbäumen die niedrigen Hütten fast ganz verbergen. 

Neben diesen wichtigsten Pflanzen formationen des Bezirkes 
sind dann noch untergeordnete Formationen entwickelt, die im 
speziellen Teil namhaft gemacht werden sollen. 

Ich gehe nun zur Einzeldarstellung dieser Pflanzengesell- 
schaften über, indem ich Pflanzenlisten gebe, welche an Ort und 
Stelle aufgenommen und noch aus der Literatur und dem Landes- 
herbar ergänzt wurden. Die Listen machen keinerlei Anspruch auf 
Vollständigkeit. Es sollen nur die Grundmasse angeführt und die 
durch große Individuenzahl physiognomisch oder durch ihre Her- 
kunft und Verbreitung floristisch hervorstechenden Leitarten nam- 
haft gemacht werden. Besonders lückenhaft muß die Aufzählung 
der Sommervegetation ausfallen, da ich keinen Sommermonat im 
Lande zugebracht habe, wie überhaupt die floristischen Aufnahmen 
durch meinen Abgang von Czernowitz vorzeitig unterbrochen 
werden mußten. Ferner sind in diesen Listen die niederen Kryp- 
togamen bis zu den Moosen, die noch der Aufsammlung und Be- 
arbeitung harren, nicht berücksichtigt. 



76 



Karl Rudolph. 



1. Waldforinatiouen. 

Gemischte Laubwälder, Buchenwälder. 

Die Hochwälder des Bezirkes haben überwiegend den Cha- 
rakter der gemischten Laubwälder. In den höheren Lagen, 
etwa über 300 m, gewinnt die Rotbuche ein entschiedenes Über- 
gewicht und bildet mehr und mehr reine oder schon mit Nadel- 
hölzern gemischte Bestände. Die Zusammensetzung des Oberholzes 
dieser gemischten Laubwälder ist dieselbe wie bei den Wäldern 
gleicher Art in Mitteleuropa: überwiegend Fagus silvatica L.^) und 
Garpinus hetulus L., häufig eingestreut Quercus robur h., seltener 
sessiliflora Salisb., ferner Acer platanoides L. und pseudoplatanus 
L., Pirus-Arten^ Prunus avium L. und Prunus padus L., Tilia 
platypliylla Scop. und cor data Mill., TJlmus campestris L. und an 
lichteren Stellen JBetula pendula Roth, und Populus tremula L. 
Auch das Unterholz entspricht dem der mitteleuropäischen Wälder. 
Außer den Jungpflanzen der Obengenannten seien noch erwähnt: 
Acer campestre L., Coryliis avellana L., Crataegus monogyna Jacq., 
Vihurnum op>idus L., PJiamnus frangida L. und cathartica L., 
Cornus sanguinea L. und seltener C. mas L., Evonymus vtdgaris 
Mill. und nicht weniger häufig der östHche E. verrucosa Scop., 
Samhucus nigra L. und racemosa L., Salix cinerea L. und caprea 
L., Stapliylea pinnata L. Sehr vereinzelt tritt ferner in der Czerno- 
witzer Umgebung auch Acer tataricum L. an Waldrändern auf. 
Herbich führt wenigstens Czernawka und Sadagöra als Standorte 
an, wofür sich auch Belegexemplare im Landesherbar finden. 
Häufiger erscheint er in den kleinen Wäldern des Dnjestrgebietes. 

Die wichtigsten floristischen Charakterpflanzen finden sich 
erst in dem Krautwerk des Waldbodens. Als Erstling des Früh- 
lings erscheint hier gleich ein interessanter Endemismus des ganzen 
Karpathenzuges: Crocus Heuffelianus Herb. (syn. Crocus hanaticus 
Heuf.). In großer Zahl blüht er im März und Anfang April an 
lichteren Stellen des Waldes. Zur Gesellschaft hat er im Anfang 
nur die an gleicher Stelle nicht weniger zahlreiche Scilla hifolia L. 



^) Die Nomenklatur der Arten ist nach Tunlichkeit nach Fritsch, Ex- 
kursionsflora für Österreich, II. Aufl., durchgeführt. 



Vojj:ofati()Hsski/,/,(> der nni<;(!l)un^- von (V,(M'n()\vit/,. 



77 



Dieser S«ifran, der hier den Crocus vernus der Voralpenländcr ver- 
tritt, steigt von hier his in die höchsten Kegionen des Gehirges 
hinauf und wird von Fax als eine Charakterplianze der suhalpinen 
Bergwiesen angeführt, während er hier an den Schatten des Laub- 
waldes gebunden erscheint. Es wäre wohl daran zu denken, dali das 
verschiedene Verhältnis von Licht- und Wärmegenuß in den verschie- 
denen Hühenlagen diese Verschiedenheit des Standortes bedingt. 

Noch ehe diese beiden Arten, die als Frühlingsboten in großer 
Menge auf den Czernowitzer Markt gebracht werden, abblühen, 
eröffnet sich eine neue, weit reichere Blütenfülle in den noch un- 
belaubten, sonuendurchstrahlten Wäldern. Es ist die Gesellschaft 
der Anemonen, der Pulmonaria- und Corydalis-Avten^ die jetzt 
dem Waldboden ein farbenbuntes Kleid verleiht. Die Grundmasse 
nach der Individuenzahl bilden in dieser Aprilflora der Laubwälder, 
rasch nacheinander erblühend, etwa folgende Arten: Anemone 
hepatica L., Anemone nemorosa L., Corydalis cava (L.) Schw. et K.,^) 
Corydalis solida (L.) Sw., Fulmonaria officinalis L., Banunculus 
ficaria L., Euphorbia amygdaloides L., durch ihre große Häufigkeit 
in allen Wäldern sehr charakteristisch, ferner Asarum europaeum L., 
Oxalis acetosella L. und an quelHgen Orten und Bachrändern Chry- 
soplenimn alternifolium L. In diesen Grundteppich sind zahlreich 
einzeln oder truppweise eingestreut: Anemone ranunctdoides L., 
Isopyrum thalictroides L., Viola silvestris Lam.^ gelegentlich auch 
Viola mirahilis L., Daphne mezereum L., Myosotis sparsiflora Mik. 
und damit bisher verwechselt und übersehen Omphalodes scorpioi- 
des (Hnke.) Schrk., Lathraea squamaria L., Gagea lutea (L.) Ker. 
Etwas später blühend als Fulmonaria officinalis erscheint an den 
Waldrändern und hchteren Stellen sehr häufig eine zweite statt- 
lichere Art des Lungenkrautes: Fulmonaria mollissima Kern., die 
vom Waldrand weg noch weit auf die Wiesen hinausrückt und 
noch in kilometerweiter Entfernung von Wäldern auf Wiesen und 



^) Vielleicht auch Corydalis MarschalUana Pers., worauf mich Herr 
phil. Gu^uleac aufmerksam machte. Diese Art soll nach Gregescu schon 
in der angrenzenden Moldau die typische C. cava vollständig vertreten. Die 
sichere Konstatierung dieser schlecht unterschiedenen Art muß aber noch 
einer längeren Beobachtung vorbehalten bleiben. Die typische C. cava (L.) 
Schw. et K. ist zweifellos zahlreich vorhanden. 



78 



Karl Rudolph. 



Triften zu finden ist. Nur pflanzengeographiscbe Gründe, nämlich 
der Umstand, daß Pulmonaria mollissima allenthalben aus den 
Karpathen angegeben wird, wo es die westeuropäische P. montana 
Lej. vertreten soll, veranlassen mich, unsere Art (bisher als P. an- 
gustifolia L. in der Literatur geführt) als P. mollissmia Kern, zu 
bezeichnen; doch stimmt sie in mehreren Merkmalen, z. B. in der 
lichtvioletten Färbung der Antheren, in der Behaarung nach den 
Querschnittsbildern Kerners in seiner Monographie, besser mit P. 
montana Lej. überein. Schon Beck bemerkt übrigens in seiner 
Flora von Niederösterreich", daß die Trennung dieser beiden 
Formen nicht berechtigt ist, da sie in der Behaarung und der 
Färbung der Antheren variieren. — Auf dem Rücken des Cecina, 
der in der Blütenentwicklung etwa um 8 Tage gegen die Wäldchen 
im Pruthtale zurückbleibt, gesellen sich noch einige montane Arten 
zu dieser Aprilgesellschaft, wie Cardamine glandulosa (W.K.) Schmalh. 
(== Bentaria glandulosa W. K.), die schöne, rosig blühende Gruppen 
bildet, und Petasites albus (L.) Gärtn. 

Während gegen Ende April, Anfang Mai dieser Blütenflor 
allmählich verschwindet, erscheint die dürftigere Gesellschaft des 
Lathyrus vernus (L.) Beruh., Ranunctdiis auricomus L. und cassu- 
hicus L. Ungefähr gleichzeitig mit diesen Arten blüht auf dem 
Gipfel des Cecina Scopolia carniolica Jacqu., eine interessante 
Reliktpflanze der Ost- und Westkarpathen. 

Auf eine blütenarme Zwischenpause folgt dann gegen Ende 
Mai eine zweite große Mannigfaltigkeit blühender Arten unter dem 
lichten Grün der jungbelaubten Buchen, eine Genossenschaft, als 
deren charakterisierende Leitarten gelten können: Der Waldmeister, 
Äsperula odorata, einige Orchideenarten und die Äposeris foetida^ 
deren ornamentale Blattrosetten durch ihre ungemeine Häufigkeit 
einen der auffallendsten Bestandteile des Geblätts am Waldboden 
bilden. Das Bild, das diese Flora bietet, steht an leuchtender Bunt- 
heit, da die Blüten zum Teil schon weniger auffallend sind, zum 
Teil weit zerstreuter zwischen dem jetzt viel reicheren Blattwerk 
stehen, dem ersten Blütenflor des Laubwaldes nach, um so formen- 
reicher aber ist es im einzelnen. 

Es treten auf in dieser Gesellschaft a) „überall" oder „stellen- 
weise in Herden": Asperiäa odorata h., Äposeris foetida (L.) Less., 



Vegetationsskizze der Uiuf^chim«;- von ( V.cniowitz. 



70 



Mercurialis perennisL.^ Laniium luteum {\\m\h.) Krok., Acfjopodlum 
2)0(1(1 grarid L., Sduicida europcica L., Äju(ja rc]>l((ns L., Mdjcm- 
themmn bifolium (L.) Sclim., Gurex silvatica lluds. 

Häufig eingestreut sind h)\ Mehmdryiim silvestre (Sclik.) Uölil., 
Stellaria holostea L., Actaea spicata L., llanunculus lanuginosus L., 
llialktrim (fquileglfolium L., Gardamine (Dentcirui) hidhifera (L.) Cr., 
Gerauinni phaeum L., Ästrantia major L., Ghaeropliijllum cicutaria, 
Vill. (= Gh. hirsutum), Pirola rotundifolia L., Pirola secunda L., 
Melittis Melissophyllum L., Galium silvatictim L., Folygonatum 
midtiflorum (L.) All., officinale All., latifolium (Jacq.) Desf., Paris 
(judrifolia L., Geplialantliera longifolia (L.) Fritsch (syn. ensifolia), 
Piatanthera hifolia (L.) Echb., Nephrodium filix mas (L.) Ricli. 
In vereinzelten kleinen Trupps auf dem Cecina: Symphytum cor- 
d(dum W. K., an Bächen: Adoxa moschatellina L. 

Vereinzelt treten auf c): Pirola chlor antha Sw., Ghimaphila 
iimhellata (L.) Nutt. (Kiczera), Atropa belladonna L., Actaea Cimi- 
cifuga L. (Czernawka nach Her bich, im Gebirge häufiger), Neottia 
nidus avis (L.) Rieh., Lister a ovata (L.) R. Br., Gephalanthera rubra 
(L.) Rieh., alba (Cr.) Simk., Gypripedium calceolus L. (zahlreich 
auf den Markt gebracht und dadurch der Gefahr der Ausrottung 
in hohem Grade ausgesetzt). 

Am Rande des Waldes blühen zu dieser Zeit unter anderen 
häufig: Glechoma hirsuta W. K., Symphytum tuberosum L., Galium 
cruciata (L.) Scop., G. Vernum Scop., Sambucus ebulus L., und 
etwas später Melampyrum subalpinum Kern. {M. nemorosum ß. mon- 
tanum Porcius, M. Bihariense Auct. (non Kern., siehe Fax, H, 
256), d. i. die Form mit schmäleren Blättern und kahlen Kelchen, 
die hier durchwegs das typische Melampyrum nemorosum vertritt. ^) 

Gegen den Sommer zu verarmt dann, wie allenthalben in 
Laubwäldern, die Bltitenftille mehr und mehr. Als dominierende 
Leitart der Sommergesellschaft gibt sich schon im Frühjahr durch ihr 



^) Herbich gibt auch noch Seneeio umhrosus W.K. von Waldrändern 
imd Gebüschen verschiedener Standorte in der Umgebung von Czernowitz an. 
Seine Exemplare im hiesigen Landesherbar besitzen aber ganz kahle Blätter 
und Stengel und stimmen daher bester mit Seneeio Biehensteinii Lindem, 
überein. Da ich die im Sommer blühende Pflanze nicht selbst gesehen habe, 
muß ich sie vorläufig anberücksichtigt lassen. 



80 



Karl Rudolph. 



außerordentlicb häufiges, auffallendes Blattwerk Salvia glutinosa L. 
zu erkennen. Außerdem seien von der Sommerflora, zum Teil aus 
Literatur und Herbar, noch angeführt: Stachjs silvaticaL., Galeojms 
tetrahit L. und speciosa MilL, Scrofiilaria Scopolii Hoppe (nach 
Herb ich an zahlreichen Standorten des Hügellandes), Veronica 
officinalis L., F. montana L., Gentiana cruciata L., Laduca quer- 
cina L. (Herbich: Horecza, Czernawka), Hieracium silvestre Tausch, 
murorum L., Circaea lutetiana L., Äruncus Silvester Kostel, Vicia 
silvatica L., Ängelica silvestris L., Lilium martagon L. etc. Die 
letzten Nachzügler dieser Gesellschaft beschließen dann in den ge- 
wöhnlich lang andauernden, schönen Herbsten die Blütenfolge der 
Laubwälder. 

Eichenwälder, trockene lichte Wälder etc. 

Andere Typen der Wälder als die geschilderten finden sich 
höchstens als kleine Parzellen zwischen diese gemischten Laub- und 
Buchenwälder eingestreut. Mehr weniger reine Eichenbestände 
stehen z. B. stellenweise auf dem Moszkow, im allgemeinen sind 
sie im Hügelland nur spärlich und nur in geringer Ausdehnung 
entwickelt. Ebenso finden sich hie und da kleine Parzellen von 
Nadelhölzern, z. B. der Rotföhre, die als wildwachsender Baum 
eine Seltenheit in der Bukowina bildet, angebaut. Der Typus der 
lichten, trockenen Wälder ist daher nur wenig vertreten. Den für 
diese Formation charakteristischen Kräutern und Stauden, wie z. B. 
Crysanthemum corynibosum, Gampanula persicifolia, Orohus niger, 
Anemone silvestris, begegnen wir aber häufig offenbar als Wald- 
relikten auf den Triften und Wiesen. Zu diesem Waldtypus gehört 
allenfalls das Gebüsch, das den sandigen, obersten Gipfel des Cecina 
und dessen Südlehne bedeckt. Es wird gebildet von Betula x^endula 
Roth, Finus nigra Arn. (angebaut), Ficea excelsa (Lam.) Lk. und 
Bohinia pseudacacia L. Unter diesen wachsen Anemone silvestris h.^ 
Astragalus glycypliyllos L., Peucedamim oreoselinum (L.) Much., Cy- 
nanchum vincetoximm (L.) Pers., Heliclirysum arenarium (L.) DC, 
Hieracium umhellatum L., Aster amellus L., Gonvallaria majalis L. 
etc. und in einem großen Bestand Equisetum hiemale L. 

Die gegebenen Pflanzenlisten seien nun dazu benutzt, um die 
pflanzengeographische Stellung der Wälder unseres Bezirkes zu 



\'cg('laf i(»iisski/,/(; «Icr Uiii^^cldiii;^' vom ( '/cniowil/,. 



Sl 



überprüfen. Ein Überblick über dieselben zei^t, daß die ^»•eReliildertc 
Wiildforniation im ^rüHen und ganzen den (liarakter des mittel- 
europäischen Laubwaldes entsprechender Höhenlage an sich trä^t. 
Insonderheit gibt sich dies in der Zusammensetzung des Ober- und 
Unterholzes zu erkennen, vor allem in dem Überwiegen des Cha- 
rakterbaumes der baltischen Flora, der Rotbuche, die sich aller- 
dings hier schon im östlichen Grenzbezirke ihres Areals befindet. 
Die einzige fremdartige Art des Strauchwerkes, Acer tataricum, bildet 
hier nur einen seltenen Nebenbestandteil der Formation. Dagegen 
finden sich im Nieder wuchs einige wesentliche Bestandteile, die 
eine nähere Bestimmung der Gauzugehörigkeit gestatten. 

Die Grundmasse bilden auch hier jene Arten, deren Ver- 
breitungsbezirk sich über ganz Europa, oder weiter Uber das ganze 
Waldgebiet Eurasiens oder der gesamten nördlichen, gemäßigten 
Zone erstreckt. Von diesen allgemein europäischen Pflanzen sei zu- 
nächst eine Gruppe von Arten abgetrennt, die bereits in der Höhe des 
mittleren Deutschland die Nordgrenze ihrer Verbreitung erreichen, 
also nur der südlichen Hälfte Europas eigen sind. Solche „mittel- 
europäische" Arten sind z. B. Symplitjtum tuherosum, Melitfis 
melissophylliim, Samhums Ehulus, Scilla hifolia u. a. Unter dieser 
Gruppe sind wieder einige Arten, die nach Norden kaum die Vor- 
alpenländer überschreiten und so eine engere floristische Verwandt- 
schaft unseres Gebietes mit dem „subalpinen Gau" Kerners be- 
gründen. Es sind drei Arten, die durch ihre große Individuenzahl 
gerade zu den charakteristischen Leitarten gehören: Etipliorhia 
amygdaloides, Äposeris foetida und Scdvia glutinosa. Das Areal der 
Äposeris foetida, die in den Voralpenländern verbreitet ist und 
dann wieder eine spezifische Charakterpflanze der Ostkarpathen 
darstellt, ist nach Fax durch die ganzen Westkarpathen unter- 
brochen. Fax vermutet daher, daß diese Fflanze die nördlichen 
Balkangebirge als Wanderungsstraße zwischen Alpen und Ost- 
karpathen benutzt habe. Von den übrigen Charakterpflanzen der 
Voralpenwälder fehlt aber eine Anzahl in unseren Formationen, wie 
z. B. Cyclamen europaeum und Frhmda vulgaris Huds. (= Primida 
acatdis), letztere noch an vereinzelten Standorten der Bukowina, 
z. B. in einer Waldschlucht bei Mold.-Banilla von Herrn Gusuleac 
gefunden). 

Z. B. Ges. Gl. Bd. - 6 



82 



Karl Rudolph. 



Au die Stelle dieser Arten tritt eine Anzalil östlicher Ele- 
mente, zum Teil alte isolierte Typen, zum Teil wenig unterschie- 
dene vikariierende Arten, welche den Wäldern den besonderen 
Gaucharakter geben. Unter ihnen ließen sich wieder drei Gruppen 
unterscheiden. Zunächst eine Gruppe von Arten, deren Areal vom 
nördlichen Sibirien über Nord- und Mittelrußland bis zum östlichen 
Deutschland und südlich bis zu den Alpen und Karpathen reicht, 
die also hier in der Nähe ihrer Südgrenze wachsen. Solche „sibi- 
rische" und „sarmatische" Elemente wären die im Bezirk aller- 
dings seltene Actaea Cimicifuga^ der in diesen Wäldern sehr häufige 
Itanunculus cassuhicus und, gleichfalls häufig, Myosotis sparsiflora. 

Diesen nordöstlichen Arten seien die südöstlichen oder 
pontischen Elemente gegenübergestellt, deren Verbreitungs- 
zentrum also in den das schwarze Meer umgebenden Ländern zu 
suchen ist. Hierher wären zu rechnen : Evonymus verrucosus, Poly- 
gonatum latifolium, Scrofularia Scopolii, eine montane Pflanze der 
pontischen Gebirge, Glechoma hirsuta, Omphalodes scorxnoides, die 
noch kritische Fulmonaria fnoUissima und Lactuca quercina. 

Die dritte Gruppe besteht dann aus „Karpathenpflanzen" 
im engsten Sinne, das heißt aus Endemismen des ganzen Karpathen- 
zuges, welche allerdings zum Teil noch auf die nächstangrenzenden 
Gebirge ausstrahlen. Es sind: 1. Crocus Heuffelianus (Wälder, Ge- 
büsche und Bergwiesen der montanen und subalpinen Region in 
Kroatien^ Banat, ganze Karpathenkette bis zu den Sudeten); 2. Car- 
damine (Bentarm) glandulosa (montane Wälder der Ost- und West- 
karpathen, vereinzelt noch in Mähren und Schlesien, südliches Podo- 
lien); 3. Symphytum cordatum (montane und subalpine Wälder der 
Karpathen, Vollhynien); 4. Scopolia carniolica (Ost- und West- 
karpathen und deren Vorland, Bosnien^ Krain und Südsteiermark). 
Von ihnen haben die ersten beiden noch nahe Verwandte in den 
Voralpen {Crocus vernus, Cardamine (Dentaria) enneaphylla), wäh- 
rend die beiden anderen systematisch ^ganz isoliert stehen und 
daher wohl als alte Relikt-Endemismen zu deuten sind. 

Das Auftreten dieser Artengruppe und der Gesamtcharakter 
der Vegetation — die meisten der angeführten floristischen Leit- 
arten kehren auch in den montanen Wäldern des Gebirges wieder 
— zeigen uns zusammengenommen, daß wir in den Wäldern 



V('};otations.ski/-/,»^ iWv \U\\<^rhun'^ von ( '/cniowit/. 



des Czcrno wiizcr 1 1 la iidcs iiocli lypiKclic K arpaili cii- 
flora, die besonders diireli Apoi^rris foclidd näher als ostkarpa- 
t Iii seh bestimmt wird, vor uns haben. Es treten nur wenige Illigel- 
hmd pflanzen neu hinzu, wie Acer tataricum, Myosofis ,y>arsiflora, 
(rhrhonia hirsnfa, Pnlmonarla mollissima, die aber mit Ausnalime 
des tatarisehen Ahorns die Karpathen in weiter Ausdehnung- 
ständig begleiten. Es erscheint also die Zurechnung dieser Wälder 
zu einem östlichen, subkarpathischen Gau der mitteleuro- 
päischen Flora treffend. 

Die Laubwälder haben, wie schon eingangs erwähnt, offenbar 
vor nicht langer Zeit einen weit größeren Raum im Hügelland ein- 
genommen. Abgesehen von den historischen Zeugnissen hierfür 
kann man die ehemalige größere Ausdehnung noch ganz gut bei 
einem Überblick von einem höheren Gipfel, etwa vom Cecina aus, 
ermessen. Man sieht da deutlich, wie sich die Wälder allenthalben 
an ihrem Rande in schöne Parklandschaften auflösen und wie dann 
weiter vereinzelte Gruppen von Waldbäumen noch weithin über 
das Land hinaus zerstreut sind. Schließlich tritt noch überall in 
den weiter unten zu besprechenden Hügelformationen niedriges, 
verbissenes Strauchwerk von Buchen, Eichen, Linden etc. als Zeugen 
ehemaligen Waldbestandes auf, für den sich auch in der Zu- 
sammensetzung der Staudenflora dieser Formationen noch reich- 
lich Belege finden. 

Auen-Wälder und -Gebüsche. 

Unter dem Titel „Waldformationen" muß schließlich auch 
noch der Baum- und Strauchbestände an den Pruthufern gedacht 
werden. Hochstämmige Auenwälder sind im Gebiet nur wenig 
vertreten. Ein solcher, gebildet hauptsächlich von Pappeln, Erlen 
und Weiden, findet sich z. B. bei Luzan. 

Weit ausgedehnter sind die Weidengeb tische, die, vom 
Ärar angepflanzt, den Pruth in seinem ganzen Laufe begleiten. 
Sie werden hauptsächlich von Salix purpurea, fragüis, alba, triandra 
und viminea gebildet. Zwischen den Weiden und den zerstreuten 
Sträuchern von Poptdtis alba^ Evonymus vulgaris etc. rankt und 
windet Himuliis lupulus L., Solamim dtdcamara L., Calystegia 
sepium (L.) R. Br., Cucuhalus haccifer L. Der Niederwuchs ist aus 

6* 



84 



Karl Rudolph. 



Pflanzen verschiedener Formationen zusammengesetzt, solchen der 
Teichränder, der Hecken, der grasigen Plätze, Wegränder, Ruderal- 
stellen etc., wie die folgende Liste veranschaulichen wird : Ätriplex 
nitens Schk., Etiphorhia lucida W. K., und salicifolia Host., Boripa 
austriaca (Cr.) Bess., Älliaria officinalis Andrz., Lythrum salicaria 
L., Buhns caesius L., Änthriscus Silvester (L.) Hoffm., Stachys sil- 
vatica L., Lycopus europaeus L.^ exaltatus L. (nach Herbich), 
Symp)hytum officinale L., Cerinthe minor L., Änchusa officinalis L., 
Petasites hyhridus (L.), Phragmites communis Trin. etc. Die Liste zeigt 
hinreichend den wenig ursprünglichen Charakter dieser Formation. 

3. Baumlose Formationen. 

Aus den Fluren, die den vom Wald entblößten Boden be- 
decken, lassen sich, von den naturgemäß überwiegenden Feld- 
kulturen abgesehen, drei Typen herausgliedern: die Hut weiden, 
die eigentlichen Wiesen (Tal- und Waldw^esen) und die Forma- 
tion der sonnigen Hügel oder Triftformation. Diese drei Typen 
sind durch alle Übergänge verbunden und lassen sich nur bei voll- 
kommen typischer Entwicklung von einander räumlich abgrenzen, 
nach dem Auftreten oder Fehlen bestimmter Leitpflanzen in einem 
sonst sehr tibereinstimmenden Grundteppich. Die Formation der 
sonnigen Hügel, obwohl räumlich von der geringsten Ausdehnung- 
unter den drei Typen, ist durch ihre konzentrierte Fülle bemerkens- 
werter Arten, die floristisch weitaus interessanteste, wie wir es 
ja auch von den gleichen Formationen im Westen gewohnt sind. 
Sie sei daher an erster Stelle behandelt. 

Formation der sonnigen Hügel. 

Soweit die steil geböschten, unbewaldeten Abhänge der Lehm- 
hügel nicht als Weiden benutzt oder angebaut werden, entwickelt 
sich auf ihnen eine Pflanzengesellschaft von besonderer Eigenart, 
besonders typisch auf den Südlehnen der Hügel, für die ich den 
obigen Namen nach dem Beispiele Gräbners in der „Pflanzen- 
welt Deutschlands" gewählt habe. In der nächsten Umgebung von 
Czernowitz können der kleine Hügel Okruh an der Straße nach 
Michalcze-Storozynec, der Rücken oberhalb Stinka Rosch und die 
Südlehne des Cecina, alle drei noch im Stadtgebiet oder unmittelbar 



Vc«;('(alions,ski/,/(i der Uiii;;(»lMinj;' von ( 'zcriKiwil/. 



85 



an dessen Grenze gelegen, als beste Heispiele namhaft g-cniaclit 
werden. Die Flora dieser lliii;el kann eigentlicli niclil als eine ein- 
heitliche bezeichnet werden, sondern sie besteht aus einem bunten 
Mosaik verschiedenartiger Subformationen, welche bald auf kleinen 
Strecken rein entwickelt sind, bald sich gegenseitig* völlig durch- 
dringen, die aber zusammengenommen das Bild einer Wiesen- 
formation im volkstümlichen und volkswirtschaftlichen Sinne geben. 
Dieses Neben- und Durcheinanderauftreten der verschiedenen Sub- 
formationen ist durch die schon einleitend geschilderte Mannig- 
faltigkeit in der BodeiibeschafFenheit der Hügel (wechselnde Böschung, 
Exposition, Feuchtigkeit) bedingt. Sie erklärt aucb mit die auffallend 
große Artenfülle der Hügelflora. 

Das eigentliche Gepräge verleiht dieser Flora aber doch das 
Auftreten einer Gesellschaft von thermophilen Sippen an den 
steileren, sonnigeren Stellen, welche die Triftformation im engeren 
Sinne bilden. Diese „Triftstellen" gehen dann ganz allmählich bei 
geringfügiger Änderung der Bodenverhältnisse in „Wiesen "stellen 
verschiedener Fazies über (trockener Bergwiesen, feuchter Tal- 
wiesen, der Wiesenmoore etc.), die sich durch das Fehlen dieser 
thermophilen Pflanzen und das Neuhinzutreten typischer Wicsen- 
pflanzen von den Triftstellen unterscheiden. 

In den Mulden und auf den Absätzen kommt es dann weiter 
zur Tümpelbildung mit der ihr eigenen Flora und zu alledem ge- 
sellt sich noch, daß alle diese Subformationen von typischen Wald- 
pflanzen durchsetzt sind^ die wohl als Relikte des einstigen Wald- 
bestandes auf den Hügeln bezeichnet werden können. Diese Wald- 
pflanzen sammeln sich zu dichteren kleineren Beständen unter dem 
Buschwerk, das hier und da spärlich entwickelt ist. 

Das Auftreten der Gesellschaft wärmeliebender Pflanzen dürfte 
in erster Linie durch die steile Exposition der Lehnen zur Sonne, 
also durch die starke Erwärmung bedingt sein. Von einer xero- 
phytischen Vegetation trockenen Bodens kann hier wohl kaum 
gesprochen werden, da das Klima an sich regenreich und der eu- 
geogene Lehmboden wohl genügend wasserhaltend ist, wie die, 
wenigstens während der Hauptentwicklungszeit der Formation, 
allenthalben hervorquellenden Wassergallen, die häufige Tümpel- 
bildung und die auffallende Üppigkeit der ganzen Vegetation be- 



86 



Karl Kudolpli. 



zeugen. Es scheint der Gesamtcharakter dieser Formation mehr 
thermophil als xerophytisch zu sein. 

Schon im ersten Frühjahr erhalten die „Trift"- Stellen auf den 
Hügeln einen Blütenflor, der sie von allen übrigen Fluren unter- 
scheiden läßt. Er wird vor allem von den großen Blüten der Ane- 
mone patens L. und A. ptdsatilla L. gebildet, die, in ziemlich 
gleichem Mengenverhältnis gemischt, zu Tausenden die Hügel mit 
einem blauen Teppich überziehen. Als ständige Begleitpflanzen der- 
selben erscheinen gleichzeitig Carex Mklielii Host, C. digitata L. 
und montana L., häufig eingestreut Potentilla alba L., ferner Pn- 
mida veris L. und Viola Jiirta L. Unter dem kleinen Buschv^erk 
auf der West- und Nordseite des Okruh, das von Prunus spinosa 
L., Prunus fruücosa Fall. (= chaniaecerasus), Vihurnum opidus, 
Corylus avellana, Salix cinerea, Acer campestre, Quercus rohur etc. 
gebildet wird, blühen zu dieser Zeit als erste Vertreter der Wald- 
relikte eine Anzahl Arten aus der Gesellschaft der ersten Buchen- 
waldflora, wie z. B. Anemone hepatica, nemorosa und ranunculoides, 
Pulmonaria mollissima, Scilla hifolia, Gagea minima (L). Ker und 
etwas später Polygonatum mulüflorum und latifoliuni. 

Ganz ähnlich wie in der Waldflora folgt auf diese erste reiche 
Blütenentwicklung eine blütenärmere Zwischenpause, während der 
nur Anemone silvestris L. zahlreich die Lehnen bedeckt. Mit ihr 
blühen Orchis militaris L., hier und da Cypripedium ccdceolus L. als 
Vertreter des Waldes und einige andere. Ende Mai setzt dann ein 
neuer, überaus reicher, mannigfaltiger und farbenschöner Blütenflor 
ein, der etwa Mitte Juni seinen Höhepunkt erreicht und dann der 
Mahd zum Opfer fällt. Er bildet eine hochwüchsige, sehr üppige 
Pflanzendecke, in der, wie es schon Fax schildert, die insekten- 
blütigen Kräuter und Stauden mit autfallenden Blüten die Gräser 
weitaus überwiegen. 

In dieser Juniflora der sonnigen Hügel sind die „Trift"stellen 
allenthalben markiert durch die hochaufragenden Stauden der Cle- 
matis recta L., die stellenweise, z. B. auf dem Okruh, ganze Be- 
stände bildet. Über sie ragen noch hinaus die schlank aufsteigen- 
den und oben dann breit ausladenden, gelbleuchtenden Stauden der 
Ferulago silvatica Rchb., während daneben der überaus häufige 
pannonische Klee, IrifoUum pannonicum L., trotzdem er seine 



y('i;;cl;»li()ii.sHlviz/o dor Um;jf(^lnmt,' vom (l/.cniowit/. 



H7 



i;n>l)on Bl(Ucnkr)prc miichtii;' in die Länge streckt, vergcl)lieli mit 
ilinon streitet „weder ir lenger wacrc". Etwas seltener, aber triij)))- 
weise auftretend erlieht sieli die hocliwüclisige Anr/iusa Barrdkri 
Vitm. über den Käsen der übrigen Kräuter und in ilirer nächsten 
Nac]d)arscliaft leuchten überall die Blüten von (hjlisus Icucanihus 
\V. K. (= albus Hcq.) und Limtm flavtim L. heraus. Diese Arten 
seien als die Leitptlanzen der Triftformation vorangestellt. Der 
großen Fülle der übrigen Arten kann ich nur durch eine einfache 
Aufzählung Herr werden. Mehr weniger beschränkt auf die durch 
die genannten Leitarten charakterisierten Triftstellen erscheinen 
weiter, alle mehr weniger zahlreich: ÄnthylUs vulneraria L.^) (mit 
hohem, gleichmäßig beblättertem Stengel), Trifolium alpesi/re L., 
Linum austriacum L. (stellenweise häufig), Ecliium ruhrmn Jacfj. 
(selten, Zuczkahügel, leg. Tangl), Nepeta pannonica L., Stachys 
recta L., Stachys officinalis (L.) Trevis (seltener), PJdomls tuherosaL. 
(vereinzelt), Veronica Jncqiiini Baumg. (syn. mulüfida) stellenweise 
häufig-, dentata Schm., Orohanche lutea Baumg., Aspenäa cynanchica L., 
Campanida sihirica L. (vereinzelt), Hypochoeris maculata L., Chry- 
santhemum corymhosum L., Anthemis tincioria L., Centaurea varie- 
gata L., Anthericum ramosum L.; von Gräsern besonders PJdeum 
phleoides (L.) Simk. (= Boehmeri), Koeleria pyramidata (Lam.) 
Domin. (syn. cristata)^ Brisa media L., Trisetum flavescens (L.) 
R. et Sch. und auf der Südlehne des Cecina auch Stipa pen- 
nata L. 

An den flacheren Stellen und in den Mulden erfolgt dann 
der allmähliche Übergang von der Trift zur Wiese. In dieser er- 
scheinen tonangebend die bekannten Charakterpflanzen der mittel- 
europäischen Wiesen: Banunculus acerL., Lychnis flos cucuUh.^ Vis- 
Carla vulgaris Röhl (= viscosa), Chrysanthemum leucanthemum L. und 
die typischen Wiesengräser Foa-, Festuca-, Alopecurus pratensis,- 
Dactylis glomerata etc. Einen besonderen Schmuck erhalten die 
Wiesen durch die zahllosen flatterigen Rispen von Filipendula 
hexapetala Gilib und vor allem durch den schönen tiefroten Gla- 
diolus imhricatus L. Eine Anzahl der vorstehend genannten Trift- 
pflanzen verlieren sich an diesen Wiesenstellen, während z. B. Tri- 



^) In der Umgrenzung der Art nach Fritsch, 1. c, 362. 



88 



Karl Rudolph. 



folium pannonkum auf Wiesen- und Triftstellen gleich häufig hervor- 
tritt. Das Gleiche gilt von der Mehrzahl der nachfolgend genannten 
Arten, die weniger streng lokalisiert, den gemeinsamen Grund- 
teppich der ganzen Hügelformation bilden: 

Ihesium linopliyllon L., Eupliorhia vülosa W. K., Euphorbia 
lucida W. K. (vereinzelt), DiantJms deltoides L., Diantlius armer la 
L., ferner ein Dianthus der GartJmsianorum-Gvnp^e von stattlicherem 
Habitus mit hellen, breit weißhäutig berandeten Kelchschuppen, 
welcher von Borbas als Dianthus memhranaceiis aus Ostgalizien 
neu beschrieben und von Blocky^) mit Dianthus pseudoharhatus 
Bess. indentifi ziert wurde (häutig). Er vertritt hier durchwegs den 
Diantims Carthusianormn, der typisch nur im Gebirge vorkommt. 
Weiters Ihalictrum angustissimiim Gr., Th. minus L., Ärahis hirsuta 
(L.) Scop., glahra (L.) Beruh., Berteroa incana (L.) DC., Lavatera 
thuringiaca L., Geranium sanguineum L., Polygala vulgaris L., comosa 
Schk., Bosa gallica L. (häufig), Bosa canina L., Potentilla argentea L., 
clirysantha Trev. (hie und da), erecta (L.) Hampe, Filipendula hexa- 
petala Gilib., Ononis hircina Jacq. als alleiniger Vertreter der 
Gattung im Gebiete, Trifolium montanum L., Vicia cracca L., La- 
thyr US pratensis L., Peucedanum cervaria (L.) Cuss., oreoselinum (L.) 
Much., alsaticum L., Laserpitium latifolium L., Bupleurum falcatum 
L., Falcaria vulgaris Beruh., Echium vulgare L., Cerinthe minor L., 
Veronica pseudochamaedrys Jcqu. (= leucrium) , Veronica spicata L., 
Melampyrum arvense L., cristatum L., durchwegs var. pallidum 
Tausch., Älectorolojjhus crista galli (L.) M. B. (= minor), Ä. major 
(Ehr.) Kchb., Digitalis amhigua Murr, Brunella grandiflora (L.) 
Jacq. Teucrium chamaedrys L., Stachys Germanica L. (sehr häufig), 
Salvia pratensis L., nemorosah., verticillatah., Thymus ovatus MilL, 
Galium verum L., horeale L., Vernum Scop., Campanula persicifolia 
L., glomerata L., Valeriana officinalis L., Chrysanthemum leucan- 
themum L., Inula hirta L. (häufig), Centaurea variegata L., Cirsium 
pannonicum (L.) Gaud., Hieracium pilosella L., Bauhini Bess., cy- 
mosum L., Gladiolus imhricatus L., Lilium martagon L., Asparagus 
officinalis L., Veratrum alhum L., Colchicum autumnale L., Gymna- 
denia conopea (L.) R. Br. 



1) Öst. Bot. Zeit., 1884, S. 215. 



Vc^'claf ioiisski/,/0 (Uw \) ui^rA mi\}i; von ( '/crnowitz. 



89 



Im Schatten der oben erwähnten Gebüsche wachsen wieder 
einige Waldpilanzcn, wie Melitlis mclissopInjllHm L., Lkfcra otuil((, 
(L.) Iv. lir., lAÜhijrus niger (L.) l^ernh., Mclampyrum i^nbalpUmm 
Kern., daneben auch Inula lielenium L. 

An den sumpfigen Stellen in der Nähe der Tlimpel und 
Wassergallen blüht die farbenbunte Iris gramlnea L. und Orc/äs 
incarnata L. Die Flora der Tümpelränder und der Tümpel sell)st 
besteht aus folgenden Arten: Garex lepor'ma L., graciUs Curt., 
tomentosa L., hirta L., acutiformis Ehr., Goodenoughii Gay., Heleo- 
charis })alusins (L.) R. Br., Scirpus silvatims L., Phragmites com- 
munis Trin., Älopecurus geniculatiis L., aequalis Sobol, Iris pseucla- 
corus L., Älisma plantago L., Caltlia palustris L., Banunculus 
sceleratus L., circinatus Sibth., Boripa silvestris (L.) Bess., B. am- 
phihia (L.) Bess., OenantJie aqitatica (L.) Poir., Lysimacliia. mim- 
mularia L., Veronica heccahunga L., Galium palustre L., 
se^?r»i palustre L., telmateja Ehrh. etc. 

Auf denselben Hügeln, die diese bunte Pflanzengesellschaft 
tragen, befinden sich dann noch Felder und Weiden, wodurch die 
Artenfülle auf dem kleinen Räume noch weiter gesteigert wird. 

Ungefähr dieselbe Pflanzengesellschaft kehrt dann in den 
Wiesenformationen der Lößabhänge am recliten Pruthufer wieder, 
die hier, den Wäldern vorgelagert, oft eine reizvolle Parklandsehaft 
bilden. Diese Triftwiesen unterscheiden sich von den „sonnigen 
Hügeln" nur dadurch, daß eine Anzahl typischer Triftpflanzen hier 
zugunsten eigentlicher Wiesenpflanzen stärker zurücktritt oder auch 
ganz fehlt, hauptsächlich wohl infolge der nördlichen Exposition 
dieser Abhänge. 

Wiesen. 

Auch die Wiesen in den Niederungen des Pruth, wenigstens 
die trockeneren, zeigen noch deutliche Beziehungen zu den Triften. 
Neben den gewöhnlichen Charakterpflanzen der trockenen und 
feuchten Wiesen vom allgemein mitteleuropäischen Typus, wie 
Biimex acetosa, Trifolium pratense, Lychnis flos cuculi, Carum carvi 
etc. erscheinen wieder eine Anzahl Pflanzen der Hügelformation 
neben solchen der Wegränder und der „grasigen Plätze", wie aus 
der folgenden, in den Monaten Mai bis Juli gelegentlich auf Wiesen 



90 



Karl Rudolph. 



bei Lencouce und Rohozna aufgenommenen, allerdings sehr unvoll- 
ständigen Artenliste zu entnehmen ist: 

Ihimex acetosa L., Eupliorhia vlUosa W. K., lucida W. K., 
Diantlitis pseudoharhatus Bess., deltoides L., Lijchnis flos cuculi L., 
Stellaria graminea L., Rcmuncuhis acer L., xjohjantliemus L., Bar- 
bar aea vulgaris R. Br., Berterea incana (L.) DC, Arabis Jiirsuta (L.) 
Scop., Gerardi Bess., Viola pumila Chaix, Hijpericum perforatum 
L., Polygala vidgaris L., Filipendula hexapetala Gilib., Trifolkim 
pratense L., montanum L., repens L., Ästragalus cicer L., Ononis 
liircina Jacq., Coronilla varia L., Zo/ws corniculahis L., Latliyrus 
pratensis L,, Onobrychis viciaefolia Scop. (= sativa), Melilotus offi- 
cinalis 1j , Carum carvi L., Peucedammi cervaria (L.) Cuss., afea- 
L. (häufig!), Heracleum spliondylimn L., Primnla veris L., 
Symphytum officinale L., Pulmonaria moUissima Kern., Brunella 
vulgaris L., Äjuga genevensis L.^ ^. reptans L., Salvia nemorosa L., 
verticillata L.^ pratensis Stachys palustris L., germanica L., Alec- 
torolopJms crista galli (L.) M. B., ?92r(/or (Ehr.) Rchb., Veronica cha- 
maedrys L., Plantago media L , major L. und lanceolata L., Galium 
verum L., Valeriana officinalis L., Campanula patula L., bononiensis 
h., glomerata L., Oirsium pannonicum (L.) Gaud., 7:^i(Za L., 
Crepis biennis L., Picris Jiieracioides L., Taraxacum officinale Web., 
Leontodon danubialis Jacq., Chrysanthemum leucantJiemum L., (7i- 
chorium intybus h., Centaurea Scabiosa L., die typischen Wiesen- 
gräser etc. 

Die Liste bildet im großen und ganzen nur einen Auszug 
aus der der Hügelformation. Die Zahl der „Blumen" ist auch hier 
eine sehr große im Verhältnis zu den Gräsern, so daß auch hier 
der vollentwickelte Blütenflor den grünen Rasen der Gräser fast 
ganz verdeckt. 

Ein großer Teil der Niederungswiesen am Fuße des Höhen- 
zuges am Hnken Pruthufer ist versumpft, daher dominieren hier 
die Riedgräser, vor allem Carex riparia Gurt, und vulpina L. Auch auf 
diesen sumpfigen Wiesen stehen noch ganze Gruppen von Veratrum 
album. In der Literatur ist auch noch Fritillaria meleagris L. von 
diesen Wiesen angegeben, scheint aber jetzt hier schon ausgerottet 
zu sein. Eine dichte Blütengirlande begleitet die Wiesengräben. 
Von dieser Wiesengrabenflora notierte ich noch: Phragmites com- 



Vi'j;e(;i(i»)n.sskiz/c (Irr l Tiii;;(0uiiif4- von ( '/cniowil/,. 



hunns Triii., lyplundc}^ ( Ph(darls) aruHdiuavcd (L.) M., Glycerla 
flutlaus (L.) 1\. Br. und (Kmatkui (L.) Walilhi;'., /r/s paciidacoruii L., 
^J('0/7fS calamus L., Sparganhim raniosiuu lliuls., Mijoaolii^ scorploi- 
dt's L. (= pcdusfris), Scutcllaria haslt/olia L., Vcronica anagallls 
L. und erectmn Iluds. (— Berida angustifoUa). 

Hut weiden. 

Den dritten Grundtypus der Grasfluren, und zwar den aus- 
gedehntesten, bilden die Hutweiden, die offenbar auch überwiegend 
aus gerodeten AValdboden hervorgegangene grobe Strecken der 
Hiigellehnen bedecken und auch in der Niederung in der Um- 
gebung der Ortschaften einen großen Raum einnehmen als Tummel- 
platz für allerlei Haustiere. Sie sind physiognomisch scharf von den 
übrigen Grasfluren durch die niedrige Grasnarbe verschieden, aus 
der nur einzelne zerstreut stehende höhere Stauden emporragen, 
und zwar durchwegs solche, die auffallend gegen Tierfraß ge- 
schützt sind, wie z. B. die Wolfsmilch, Eupliorhia cyparissias^ die 
gemeine Donardistel, Enjngium campestre, deren vertrocknete, ober- 
irdische Teile im Herbst als eine Art Steppenhexe über die Hut- 
weiden rollen, Cirsium Icmceolatum, Urtica dioica und einige andere. 

Die Flora der Hutweiden ist zusammengesetzt aus Pflanzen 
der trockenen, sandigen Wiesen, der grasigen Plätze und der 
Ruderalstellen und ohne besonderes floristisches Interesse. Im ersten 
Frühjahr blühen hier: Draba verna L., Braba nemorosa L., Poteu- 
ülla arenaria Borkh., Viola hirta L., Tussilago farfara L. überall 
dort, wo der Lehmboden durch Rutschung oder Erosion bloßgelegt 
ist, Carex Miclielhi Host., digitata L., Lumla campestris (L.) DC, 
später dann Anthoxanthum odoratum L., Festuca ovina L., Urtica 
dioica L., Eupliorhia cyparissias L., Gypsophila muralis L., Scleran- 
tlms anmms L., Plantago lanceolata L., Ranunculus repens L., Sedum 
acre L., Potentilla anserina L., Trifolium repens L., Medicago lu- 
pidina L., Eryngitim campestre L., Ihymus ovatus Mill., Veronica 
serpyllifolia L., Bellis perennis L., Achillea millefolium L., Carduus 
acanthoides L., Cirsium lanceolatum (L.) Scop., Carlina vulgaris L., 
Hieracium pilosella L., aurictda Lm. et DC. etc., wie man sieht, 
durchwegs eine sehr vulgäre Gesellschaft. Das Zusammentreten 
derselben ist offenkundig durch den Weidebetrieb veranlaßt, sonst 



92 



Karl Ruflolpli. 



würden jedenfalls Wälder oder die üppigen Triftwiesen an ihrer 
Stelle stehen. Das zeigt sich recht gut an dem Rücken oberhalb 
Stinka Rosch. Auf diesem kleinen Hügel sind alle drei erwähnten 
Grundtypen der Fluren nebeneinander entwickelt, die Trift auf der 
Südlehne und auf der Nordseite Hutweide und eine echte Wiese. 
Letztere beide befinden sich unter denselben Bodenverhältnissen 
und in der gleichen Exposition und sind nur durch einen Zaun 
getrennt. Der eine Teil der Fluren ist nun den weidenden Tieren 
während des ganzen Jahres ausgeliefert, zur Hutweide geworden, 
während der andere, durch den Zaun geschützt, <als Wiese erhalten 
geblieben ist. 

Versuchen wir nun wieder eine pflanzengeographische Analyse 
der besprochenen Formationen. Die Formation der sonnigen 
Hügel ist schon in den westlichen Kronländern und in Deutsch- 
land durch das Auftreten einer größeren Zahl pontischer Arten aus- 
gezeichnet. Es war daher ohne weiteres zu erwarten, daß auch in 
unserem östlich gelegenen Bezirke der Prozentsatz östlicher Arten 
in dieser Formation am höchsten ist. 

Aus der großen Gruppe dieser östlichen Elemente seien zu- 
erst jene herausgegriffen, welche den westlichen Kronländern und 
Deutschland fehlen oder dort höchstens als Seltenheiten auftreten 
und daher wohl am besten unseren Bezirk pflanzengeographisch 
im Vergleich zu den genannten Gebieten charakterisieren. Es sind: 
Änchusa Barrelieri^ Gytisus leucanthus (= albus), Dianthus pseudo- 
harhatus, Fentlago silvatica, Trifolium pannonicum und Veronica 
Jacquini (= mulüfida), alles wesentliche, immer wiederkehrende 
und in größerer Individuenzahl auftretende Bestandteile der For- 
mation. Von selteneren Nebenbestandteilen sei noch Echium rubrum 
hinzugefügt. 

Die Areale dieser floristischen Charakterarten decken sich 
nicht nach allen Grenzen; sie sind selbst wieder verschiedener 
geographischer Herkunft. Das engste Areal unter ihnen besitzt 
Dianthus pseudobarbaius Bess. Seine Verbreitung umfaßt nach den 
bisherigen Angaben das südöstliche Galizien, das südliche Podolien, 
das nördhche Rumänien und die Bukowina. Es wäre also ein podo- 
lisch-moldauischer Endemismus. Größer ist schon das Areal des 
Cytisus leucanthus^ doch kann auch diese Pflanze noch als jüngerer 



\'('};('l;»(i<)ii,sski/,/,(' ^\or riiit^chiin;; von ( V.cniowil/. 



Kndcniisinus des wcstpontisclicn Gebietes bezeichnet werden (ver^H. • 
Piix [27], ir., S. 67). Er ist verbreitet im westlichen Slidrußland, 
südöstlichen Galizien, Bukowina, Siebenbürgen, Umnänien und dem 
nördlichen J^alkan und besitzt auch noch einen vorgeschobenen 
Standort in Milliren. Anclmsa Barrclicrl erscheint auf den drei 
Östlichen mediterranen Halbinseln, Italien, IJalkan und Kleinasien, 
in Kuraänien, Podolien, Ostgalizien, Bukowina. Ungarn bis Nieder- 
österreich. Auch ihr Areal beschränkt sich also auf die west- 
poutischen Länder, während die folgenden Arten auch im ostponti- 
schen Gebiet bis Vorderasien entwickelt sind. So ist Fendago sil- 
ratica in den Gebirgen der politischen Länder vom Balkan bis zum 
Kaukasus zu Hause und erreicht in den Karpathen die Westgrenze. 
Sie geht auf der Nordseite der Karpathen noch bis zur Lemberger 
Flora (Blocky [21]) vor, in Ungarn scheint sie auf den östlichen 
Teil beschränkt zu sein und fehlt in den westlichen Kronländern 
der Monarchie vollständig. Ähnlich, nur etwas weiter nach allen 
Richtungen ist das Areal des Trifolium pannonicum und der Veronica 
Jacqiiini^ die in den südlicheren Kronländern des Westens, in Krain 
und Stidsteiermark wieder erscheinen. Durch das Auftreten dieser 
Arten, die schon in den angrenzenden Bezirken Ostgaliziens ihre 
West- und Nordgrenze erreichen und nur im südlichen Europa 
weiter nach Westen ziehen, wird der Czernowitzer Bezirk noch in 
das wärmere südosteuropäische Florengebiet einbezogen. 

Andere ebenfalls wärmeliebende südöstliche Arten des Bezirkes 
kennen wir auch noch von den pontischen Inseln Österreichs und 
Süddeutschlands, wohin sie aus dem pannonischen Becken durch 
die Thebener Pforte gelangt sind, während sie sich nordseits 
der Karpathen ebenfalls schon im mittleren Galizien verlieren. 
Solche Arten sind z. B. Anthyllis vulneraria L., Linum flavum und 
austriacum, Salvia nemorosa, Centaurea variegata und FMomis 
tuherosa. 

Eine dritte Gruppe der östlichen Arten ist auch im nördlichen 
Vorlande der Karpathen über den südlichen Teil des sarmatischen 
Tieflandes in West- und Mittelrußland verbreitet und erreicht die 
Westgrenze erst im östlichen und nordöstlichen Deutschland (Schlesien, 
Posen, Ost- und Westpreußen). Solche weniger wärmebedürftige 
Arten, die als sarm atisehe Elemente den pontischen gegenüber- 



94 



Karl Rudolph. 



gestellt sein mögen, deren Entstehungsherd aber zum Teil auch 
das pannonische Becken oder auch höhere Lagen des pontischen 
Gebietes sein mögen, sind: Care.r Micheln, Gladiolus imhricatus, 
Clematis recta, Draha nemorosa, EupJiofhia lucida, Galium Vernum, 
Ononis hircina und Potentilla alba. 

Schließlich gesellen sich noch einige ausgesprochen nord- oder 
nordosteuropäische bis nordsibirische Elemente hinzu in der so 
dominierend auftretenden Anemone patens, in Galium horeale und 
der im Bezirke allerdings noch seltenen Campamda sihirica. 

Ein großer Teil dieser östlichen, vor allen der pontischen 
Arten gelten im Westen als Pflanzen, welche an dysgeogeuen 
Kalkboden gebunden sind. Der Berglehm und Löß der hiesigen 
Hügel kann wohl auch als kalkreich gelten, aber nicht als dysgeogen. 
Jedenfalls dürften diese Arten hier, näher dem Kern ihres Areals, 
weniger streng an bestimmte Bodenarten gebunden sein. 

Eine Anzahl „Kalkpflanzen" umfaßt auch die Gruppe der 
mitteleuropäischen Elemente, d.h. jener Arten, welche schon 
in der Höhe des mittleren Deutschland die Nordgrenze ihrer Ver- 
breitung erreichen, also auf Mitteleuropa und Südeuropa beschränkt 
sind, westlich aber bis zur atlantischen Küste reichen. Hierher 
gehören Ihesium linifolium, Euphorbia villosa, Potentilla chrysantha 
(einschließlich fJmringiaca) ^ Stachys germanica, * Teucrium chamae- 
drys, * Stachys recta, Digitalis ambigua, Aspenda cynancMca. Die 
als kalkhold geltenden Pflanzen sind hierbei mit * bezeichnet. 

Die größere Hälfte der Arten dieser Formationen ist von all- 
gemein europäischer Verbreitung. Von ihnen seien nur folgende 
noch als zt kalkhold herausgegriffen : Anemone silvestris, Geraniuni 
sanguineum, Brunella grandiflora und Hypochoeris maculata. 

Bei Betrachtung der geographischen Lage des Landes könnte 
man sich veranlaßt sehen in dieser an östlichen Typen reichen 
Pflanzengesellschaft der sonnigen Hügel vorgeschobene Posten der 
nahen südrussischen Steppe oder vielleicht auch eine zurückge- 
lassene Nachhut derselben zu erblicken, wie denn auch sehr häufig 
die pontischen Hügel als Steppeninseln bezeichnet werden. 

Tatsächlich sind aber gerade einige der wichtigsten ihrer 
Charakterpflanzen in ihrer Verbreitung an die pontischen Ge- 
birge gebunden und treten z. B. auf dem Balkan als wesentliche 



V('«;('(:iti()nssI<i/,/(' der Um^^clum;;- n om ( '/cniowitz. 



Bestandteile monlancr Wiescnlorniatioiien auf. Das *^i\t /. H. von 
Trifolium paHUoniciOH^ Jü'r(ila<jo silvaticd, und (Uadiolns inihric(Uus. 
Auch Anchusa Barrelicrt steigt auf dem Balkan bis in die llocli- 
gebirgsregion hinauf. Diese Arten können also nur aus den ponti- 
sehen Gebirg-sUindern, nicht aus der Steppe, durch Vermittlung 
der Karpathen in unsere Flora gekommen sein. Vergleichen wir 
etwa die Schilderung einer ]5ergwiese in die mösischen Ländern 
(Serbien, Bulgarien etc.) durch Adamovi6 (Vegetationsverhält- 
nisse der Balkanländer, S. 337), mit unserer Okruhformation, so 
zeigt sich eine auffallend große Zahl gemeinsamer Arten. Es steigt 
daher die Vorstellung auf, daß ein Teil der Flora der pontisehen 
Bergwiesen hier unter dem höheren, nördlichen Breitengrad in das 
Hügelland herabgestiegen ist, da sie jene Wärmemenge, die sie in 
den südlicheren Ländern noch in höheren Lagen genießt, hier nur 
in den tieferen Regionen empfängt. Auch unter den mitteleuropäi- 
schen Elementen befinden sich einige ausgesprochene Gebirgs- 
pflanzen, wie z. B. Veratrum albiim. Die übrigen pontisehen Arten 
treten sowohl in den Gebirgsländern als auch in den Steppen des 
südrussischen und ungarischen Tieflandes auf. Über die Herkunft 
derselben läßt sich also kein engerer Schluß ziehen. Immerhin mag 
wohl ein Teil derselben tatsächlich aus der nahen eigentlichen 
Steppe in das Gebiet gekommen sein. Einige zweifellose Steppen- 
pflanzen treffen wir aber erst in den gleich zu besprechenden 
offenen Formationen. Es bildet also die Pflanzengesellschaft der 
sonnigen Hügel eine bunt zusammengesetzte Übergangsformation 
zwischen den verschiedenen angrenzenden Florengebieten von den 
mitteleuropäischen Wiesen und kalkreichen Triften zu den Steppen 
des Tieflandes wie auch zu den Hügeln und Bergwiesen der pon- 
tisehen Gebirgsländer, außerdem noch bereichert durch zahlreiche 
Waldrelikte. 

Die Talwiesen und Hufcweiden liefern keine floristisch be- 
merkenswerten Elemente neu hinzu und sind überhaupt schon 
wegen ihrer mangelnden Ursprünglichkeit von geringerem pflanzen- 
geographischen Interesse. 

Es erübrigt nun noch, nachdem der ausgedehntesten Forma- 
tionen, der Feldkulturen, bereits eingangs in Kürze gedacht wurde, 
eine kleine^ Reihe untergeordneter, mehr weniger offener Forma- 



96 



Karl Rudolph. 



tionen zu behandeln. Aus der Pfianzengesellschaft derselben will 
ich nur die floristisch interessanteren Arten namhaft machen. 

Äcker, Brachen, Gärten. 

Unter den Ackerunkräutern fällt im Frühjahr das häufige 
Auftreten des Senecio vernalis W. K. auf allen Äckern und Brachen 
auf, nach Garke eine östHche Pflanze, die in stetem Vordringen 
nach dem Westen begriff*en ist und bereits die westliche Hälfte von 
Deutschland erreicht hat. Ich erwähne ferner: EquiseUim telmateja 
Ehrh. allenthalben auf den Brachen und Äckern, überhaupt auf feuch- 
ten, lehmigen Boden im Gebiete gemein, Lappula echinata Gilib. 
häufig, JSfonnea pulla (L.) DC, südosteuropäisch, nicht selten, Äristo- 
lochia clematitis L. hie und da, Oxalis strida L., ein Einwanderer 
aus Nordamerika, in allen Gärten verbreitet, Vicia villosa Roth sehr 
häufig im Getreide. In der Literatur wird ferner der südrussische 
Hthiscus ternatus Cav. von mehreren Standorten des Bezirkes für 
diese Formation angegeben. 

Feldraine und Wegränder. 

Eine größere Anzahl interessanter Pflanzen enthält noch die 
Formation der Feldraine und Wegränder, die als offene Formationen 
leichter als andere Raum für die Ansiedlung von Zuzüglern aus 
den benachbarten Ländergebieten gewährt. Von den immer wieder- 
kehrenden bis herdenweise auftretenden Hauptbestandteilen dieser 
Formation seien genannt: Salvia nemorosa L. und veriicillata L., 
Berteroa incana (L.) DC, Cynoglossim officinale L. und Cerinthe minor 
L. Eines der auffallendsten Elemente bildet im Frühjahr der morgen- 
ländische Senf, Bunias orientalis L., dessen fast meterhohe, weitaus- 
ladende gelbe Blütenkandelaber überall im Hügelland bis tief in die 
Gebirgstäler hinein zwischen den Kulturen hervorleuchten. Diese Art 
dürfte hier noch in ihrem eigenen Areale wachsen, das geschlossen 
von Ungarn durch Südrußland bis nach Vorderasien reicht, während 
die Pflanze im Westen nur gelegentlich eiogeschleppt auftritt. Ein 
stattlicher Vertreter aus der Schwarzerdsteppe Südrußlands ist FMomis 
tuherosa L. Zu ihm gesellt sich, ebenfalls den südosteuropäischen Tief- 
ländern entstammend, EupJiorbia salicifolia Host., besonders häufig 
in der Nähe der Pruthauen, Eryngium planum L., Echinops sphaero- 



Vegctjltions.sk !/,/,(* (Um* Uiii<j:rlniii;4 von ()/,(M'n()\vif/. 



9? 



cephalns L. (im l>czirk noch selten) und Verhascum austriacum 
Schott. Ein bemerkenswertes slidriissisches Element ist noch An- 
chusa ochrolcuca M. IJ., die llerbicli von Mamornitza und Zurin 
an«;"ibt, die allerdings bisher noch nicht wieder gefunden wurde. 
An Dorfwegen wächst Leonurus marnihiastmm L. neben seinem 
häufigeren Verwandten L. cardiaca L. Auffallend ist das massen- 
hafte Auftreten von Samhucus ehiilus L., der uns aus dem Westen 
als Wald- und Gebirgspflanze geläufig ist, an diesen Stellen. Die 
Straßengräben fiült im Frühjahr ein dichter gelber Flor von lioripa 
ausiriaca (Cr.) Bess. neben 11. sllvestris (L.) Bess. 

Ruderalstellen. 

Von den Ruderalstellen, die man ja auch als auf offenen Boden 
vorgeschobene Inseln der südrussischen Sand- und Salzsteppe auf- 
fassen kann, sei besonders das massenhafte Auftreten von XantMiim 
spinosiim L. und strumarium L. erwähnt, die hier stellenweise 
ebenso dominieren, wie etwa auf den Flugsandpußten in Ungarn 
und Südrußland. Knapp bemerkt 1. c., daß erstere in der Literatur 
des 18. Jahrhunderts nur von zwei Standorten angegeben war, 
während sie jetzt schon gemein verbreitet ist. Ebenso gehören jetzt 
Mairicaria discoidea DC. und Galinsoga jparviflora Cavan. zu den 
gemeinen Ruderalpflanzen^ während in Knapp s Zusammenstellung 
von 1871 noch kein einziger Standort aus der Bukowina angeführt 
ist. Wir können also die Einwanderung und Ausbreitung dieser 
Pflanzen erst nach dem Erscheinen von Herbichs Flora der Buko- 
wina im Jahre 1859 ansetzen. Die erste mir bekannte Notiz von 
Galinsoga bildet die Herbaretikette von Tan gl vom Jahre 1884. 
Von häufigen Ruderalpflanzen seien noch genannt Lepidium ruderale, 
Sisymhrium sop)hia, Batura stramonium, Onopordum acantlmim, 
Asperugo procumbens, Atriplex nitens usw. 

Flußufer und Schotterbänke. 

Die Sandfluren werden in der Czerno witzer Umgebung dürftig 
durch die Ufer und Schotterbänke des Pruths vertreten, die mit 
einer ärmlichen Sandflora bestanden sind: Bromtis tectorum L. und 
sterUis L., Heleocharis acictdaris (L.) R. Br., Jtmcus htifonius L., 
Cijperus fuscus L. und Pycreus flavescens (L.) Rchb., Polygonum 

Z. B. Ges. 61. Bd. 7 



98 



Karl Rudolph. 



aviculare L., Herniaria glabra L., Potentilla supina L., Myricaria 
germanica (L.) Desv,, Diplotaxis muralis (L.) DC. und als be- 
merkenswerter Abkömmling der Sandsteppe Älyssum desertorum 
Stapf, u. a. neben einer Anzahl Ruderalpflanzen. 

Gewässer. 

Die Flora der Gewässer, die als letzte Formation noch zu 
behandeln wäre, ist wie überall auch hier sehr international. 
Gröi3ere stehende Gewässer fehlen im Bezirke, kleinere Teiche 
finden sich z. B. bei Czernowitz und Czernawka, dazu kommen 
noch die Altwässer des Pruth. Aus der Flora dieser Gewässer und 
ihrer Ränder sei folgende Artenliste herausgegriffen: Fokjgonum 
amphihium L., lianunculus aquatilis L., Castalia (Nymphaea) alba 
(L.) Woodw. et Wood., Nuphar luteum (L.) Sibth. et Sm., Cerato- 
phyllum demersum L., Hippuris vulgaris L., Myriophyllum spicatum 
L., verticillatum L., Callitriche verna L., Peplis portula L., Gicuta 
virosa L., Oenanthe aquatica (L.) Poir., Älisma plantago L., Sa- 
gittaria sagittifolia L., Butomus umhellatus L., Hydrocharis morsus 
ranae L., Stratiotes aloides L., (Luzan, leg. Tan gl), Typlia latifolia 
L., Zannichelia palustris L., Potamogeton crispus L., natans L., 
p)usillus L., lucens L., Gar ex riparia Curt., vesicaria L., rostrata 
Stokes, acutiformis Ehr., Schoenopledus lacustris (L.) Palla, triqueter 
(L.) Palla (Lenkouz, Herbich), Bolboschoenus maritimus (L.) Palla, 
Scirpus silvaticus L., Glyceria aquatica (L.) Whlbg., PJiragmitis 
communis Trin. 

Damit dürfte ein einigermaßen erschöpfender Überblick über 
die natürlichen Pflanzengesellschaften der Czernowitzer Umgebung 
gegeben sein. 

Von Czernowitz ausgehend sei nun noch ein flüchtiger Ver- 
gleich mit den übrigen Bezirken des Landes ausgeführt. Wandert 
man vom Pruth aus nordwärts, so kommt man schon nach etwa 
20 km Wanderung in ein Gebiet, daß sich durch das Auftreten 
einer ganzen Anzahl neuer, in der Czernowitzer Flora fehlender 
Arten als ein neuer floristischer Bezirk zu erkennen gibt. Es ist das 
schon von Herb ich als „Steppenplateau am Dnjestr" abgegrenzte 
Gebiet, dessen Bodenverhältnisse schon eingangs geschildert wurden. 
Ich zähle nach den eigenen Aufnahmen und den Angaben in der 



Vef^etatlonsskiz/o der lim^c^lninj^ von (!/(;ni<)\vi(/. 



Literatur niiiidestciis 50 neu aid'trctciulc Arten in diesem Gebiet, 
und /war fast durcliwcg\s Arten von ost- oder siideuropäisclier Ver- 
breitung*. Sie treten, zu einer Formation zusammengeschlossen, vor 
allem an dem steilen Abfall des Hochplateaus am Dnjestr, der bald 
als steile, steinige Felswand, bald als trockene, steinige Trift ent- 
wickelt ist, auf, finden sich aber auch sonst in der Wiesen-, Weg- 
rand-, Gipstrichter-Flora etc. eingestreut. 

Diese neu auftretenden Arten ^) sind: 

Ähjssum saxatile L., Kochia scoparia (L.) Sclirad., Miniiariia 
(Älsine) setacea (Thuill.) Fritsch, Silene chlor antlia Ehr., dicJiotoma 
Ehr., densiflora DC, Arenaria graminifoUa Schrad., Diantlms capi- 
tatus DC, Gypsophüa alüssima L., fastigiata L., Adonis vernalis 
L,, aestivalish., Clematis integrifoliaL., Erysimum exaltakim Andrz., 
Dictamnus albus L., AstragaUis austriacus Jacq., Lathyrus panno- 
nicus Jacq., Oxytropis pilosa (L.) DC, Sorhus aria (L.) Gr., Seseli 
hippomarathrumh.^ Lithospermum piirpureo-coeruleum L., Verhascum 
plioeniseum L., Pedicularis campestris Griseb. et Schk., Scutellaria 
alüssima L., Teuer ium montanum L., Salvia nutans W. K., Ajuga 
chamaepitys (L.) Schreb., Asperula glauca (L.) Bess. (== galioides 
M. B.), Fhyteuma canescens W. K.^ Ariemisia pontica L., scoparia 
W. K., austriaca Jacq., Aster linosyris (L.) Bernh., Jurinea mollis 
(L.) Rchb., Centaurea orientalis L., Marschalliana Spreng., Serra- 
tida heteropliylla Desf., Scorsonera purpiirea L., Sesleria Heufle- 
riana Schur, Poa podolica BJocky (?), Stipa capillata L., Melica 
transsilvanica Schur, Allium rotundum L., spliaerocephahim L., 
scorodoprasum L., flavum L., paniculaium L., montanum Scbm., 
Hyacinthus leucophaeus Stev., Muscari tenuiflorum Tausch., Aspa- 
ragus tenuifolius Lam., Iris aphylla L. 

Häufiger als in Czernowitz treten hier auf: 

Andropogon iscJiaemum, Stipa pennata, Campamda sibirica, 
Melica altissima, Astragalus onohrychis, Echium nd>nim, Inula ensi- 
folia etc. Dagegen scheinen von Czernowitzer Arten hier zu fehlen 
z. B.: Trifolium pannonicum, Gladiolus imhricatus, Chrysanth e^mmi 



^) Nomenklatur der ans der Literatur angeführten Arten nach den Ori- 
ginalzitaten. 

7* 



100 



Karl Rudolph. 



corymhosum^ Hypochoeris maculata, also, wie man sieht, vorwie- 
gend Gebirgs- und Waldpflanzen. 

Die Waldformation ist im Dnjestrgebiet nur durch kleine^ wenig 
ausgedehnte Wäldchen vertreten. Auch diese zeigen schon einen 
abweichenden Charakter. Die Buche tritt zurück, es finden sich 
Haine von Qiiercus sessiliflora und robiir, Ahornbestände^ Gebüsche 
von Ulmus campestris var. suherosa etc. Bemerkenswert ist das 
häufigere Auftreten von Acer tataricum. Von dem Niederwuchs sei 
hervorgehoben: Ädenophora lilifolia (L.) Bess., Melica altissima L., 
Helleborus purpurascens W. K. und Actaea Cimicifuga L. 

Das plötzliche Auftreten so vieler neuer Arten mag zunächst 
schon dadurch bedingt sein, daß mit der Annäherung an das 
Steppengebiet auch die Dichtigkeit der Steppenpflanzen allmählich 
steigt. Dazu kommt noch der günstige Begleitumstand, daß die 
steilen, felsigen, oft fast unzugänglichen Standorte viele Arten hier 
vor der Ausrottung durch Kultur und Weidebetrieb bewahrt haben. 
Auch ein kleiner klimatischer Unterschied ist bereits zwischen dem 
Dnjestr- und dem Pruthgebiet vorhanden, indem die Regenmenge 
gegen den Dnjestr zu schon merklich sinkt. (Jährliche Regenmenge 
im Dnjestrgebiet 550 mm, im Pruthtal 614 mm.) Immerhin ist aber 
auch hier das Klima vom Steppencharakter mit einer ausgesprochenen 
sommerlichen Trockenperiode noch weit entfernt. 

Den wichtigsten Erklärungsgrund dürften wohl edaphische 
Faktoren, die Änderung der Bodenbeschaffenheit, abgeben, welche 
eine ganz neue Pflanzengesellschaft, die Formation der sonnigen 
Gips- und Kalkfelsen hier auftreten lassen. 

In dieser Formation erscheinen Arten, welche an die sonnigen 
Kalkfelsen oder Hügel der Gebirgsländer gebunden sind, die 
also sicher nicht als Vorläufer der Steppe bezeichnet werden 
können. Einige derselben steigen hoch in die Felsenregion des 
Hochgebirges hinauf und erscheinen z. B. auf den Kalkfelsen 
der Karpathen im Süden der Bukowina, in Siebenbürgen und 
der Moldau wieder. Solche typische Kalkfelsen- und Kalkhügel- 
pflanzen sind Sesleria Heufleriana, Muscari tenuiflorum, Aspara- 
gus tenuifolius, die Mehrzahl der Allium- Arten ^ Alyssum saxatile, 
Dictamnm albus und die besonders charakteristische Scutellaria 
altissima. 



Voy('t<'ifi()iis.ski/,/,(! (Ici- l hnj^fcbuii^i von ( V-cniowif/. 



101 



Eine zweite Gruppe findet sich sowohl in der sonnigen Kalk- 
Ibriuatioii der Gehir^sländer wie in den 'l'iet'liindcrn des Stcppcn- 
klinias, hedingt durch gemeinsame Faktoren in den Lebenshedin- 
j^ungen beider Formationen, vor allem durch Trockenheit und Wärme. 
Über die Zuwanderungsrichtung derselben läßt sich also wieder 
nichts aussagen, doch mag es auch hier bei der Nähe der Steppen- 
grenze wahrscheinlicher erscheinen, daß sie dem großen Herde der 
siidrussischen Steppe entstammen. Das gilt etwa von llyacinthm leuco- 
phaens, Stipacapillata, Gentaiirea orientalis, G.Marsclialliana, Jiirinea 
mollis, Adonis vernalis, Verhasciim pJwenicetmi etc. Endlich ist auch 
eine größere Zahl zweifelloser typischer Steppenpflanzen vorhanden, 
deren Auftreten sich durch die Nähe der Steppe allein erklärt, z. B. 
Stipa pennata, Clematts integrifolia, Ästragaltis austriacus, Ecli'mm 
rubrum, Salvia nutaus, Ärteniisia pontica, austriaca und scoparia. 

Die typische Dnjestrflora besteht also aus vorwiegend thermo- 
und xerophilen, meist auch Ca liebenden Pflanzen, von denen ein 
großer Teil in der nahen südrussischen Steppe weit verbreitet und 
vermutlich daher aus dieser zugewandert ist, während ein anderer 
Teil zweifellos den angrenzenden mitteleuropäischen und pontischen 
Gebirgsländern entstammt. Von der Entwicklung einer echten 
Steppenformation kann im Gebiete noch nicht gesprochen werden, 
weder floristisch noch formationsbiologisch, und es erscheint daher 
der Ausdruck Herbichs: „Steppenplateau" nicht recht zutreffend 
und wäre vielleicht besser durch den vorsichtigeren Ausdruck „Vor- 
steppe" zu ersetzen, der den Übergangscharakter auch dieses Ge- 
bietes besser zum Ausdruck bringt. 

Bezüglich der geographischen Verbreitung der interessantesten 
Dnjestrarten sei noch folgendes hervorgehoben. Sehr merkwürdig 
ist das Auftreten des Helleborus purpurascens, einer Charakter- 
pflanze der oberen Begionen in den Ostkarpathen, in den Wäldern 
und Hainen am Dnjestr. Er kehrt in der Bukowina nur in der 
subalpinen Region des Ouschor bei etwa 1200 m Höhe wieder und 
fehlt im ganzen dazwischen liegenden Gebiet. Offenbar ist er von 
den galizischen Waldkarpathen her, wo er nach Fax verbreiteter 
zu sein scheint, in die Dnjestrgegend gelangt. 

Noch weit größer als in der Czernowitzer Flora ist hier die 
Zahl der Pflanzen wärmeren Klimas, die schon im angrenzenden 



102 



Karl Rudolph. 



Südostgalizieii eine Nord- und Westgrenze ihrer Verbreitung er- 
reichen, wie z. B. Sesleria Heufleriana, Hyacinthus leucox)liaeus, 
*Ällium paniculakim, Äsjjaraißis tenuifolius, Dianthus capitatus, 
Scutellaria altissima, Echium rubrum, Phyteuma canescens, *Juri- 
nea mollis, Centaurea orientalis. Einige derselben (mit * bezeich- 
net) erscheinen im Westen nur am Südfuße der Alpen, in den 
Mittelmeerländern, sie befinden sich also hier im Vergleich dazu 
wieder in verhältnismäßig hoher nördlicher Lage. Daneben treten 
wieder Pflanzen des rauheren nordöstUchen Eurasiens in größerer 
Zahl auf, wie Campanula sihirica (sehr häufig). Arenaria gramini- 
folia und Silene clilorantha. Der spezifisch podolische Charakter der 
Flora ist markiert durch Gijpsophila altissima und durch die Ende- 
mismen Erysimum exaltatum Andrz. und Foa podolica Blocky, 
letztere allerdings für die Bukowina noch nicht sichergestellt. Die 
Zahl der Endemismen wird bei kritischer Überprüfung der Arten 
gewiß noch steigen Daneben finden sich wieder ausgesprochen 
dazische Elemente wie Pedicularis campestris und pannonische, wie 
Erysimum pannonicum, Serratula lieterophylla, Seseli hippomara- 
tJirum, im ganzen also auch hier wieder eine bunte Mischung von 
Arten verschiedenster Herkunft. 

Ein großer Teil der Arten dieser Dnjestrflora erscheint wieder 
auf den von Prokopianu-Prokopovici beschriebenen ursprüng- 
lichen Wiesen in der Umgebung von Suczawa und auf der Ho- 
raiza, einem kleinen Plateau an dem gleichnamigen Bach, einem 
linksseitigen Zufluß der Suczawa, zwischen Balkouc und Romaiiestie. 
Diese „ursprünglichen Wiesen" sind nach der gegebenen Schilde- 
rung auf die allersteilsten Stellen der Hügel beschränkt, die nicht 
geackert und auch nicht als AVeiden benutzt werden können. Die 
üppige Flora derselben ist wieder um eine größere Anzahl Arten 
reicher als die sonst verwandte Formation der sonnigen Hügel bei 
Czernowitz. 

Aus der Pflanzenliste des genannten Autors führe ich folgende 
der Czernowitzer Umgebung fehlende Arten an: 

Ä) Silene densiflora DC., S. chlor antha Ehr., Arenaria gra- 
minifolia Schrad., Diantlius capitatus DC, Adonis vernalis L., 
Clematis integrifolia L., LatJiyrus pannonicus (Jacq.), Verhascum 
phoenizeum L., Salvia nutans W. K., Asperula glauca (L.) Bess., 



V(;t,'t'(ati()iisHUi/-/(' drr l ! iii;;('ltuii;; von ( '/cniowitz. 10.'* 

einer aria campestris DC, Juruica tnoUis Kclib., Scorsoncra pur- 
])i(rca L., Alliirm sphacrocephalum L., A. fallax Don., Ifyacinthus 
IcHcophaeus Stcv., 3fuscari tenuiflorum Tausch., /n.s- aphylla L. 

B) Mercurialls ovata Stern b^". et Hoppe, Anemone nigricans 
(Stork) Fritscb, Aconitum vidparia Kclib., Fohjgala major Jacci., 
Votenülla pahda W. K., Cytisus nigricans L., Trinia Kilaibelii 
M. B., Ajuga Laxmanni Bentb., Senecio Bieber steinii Lindem., Carex 
humilis Leyss., Jimcus atratus Kroker, Iris sihirica L., Iris cae- 
spifosa Pall., Veratnim nigruni L., Allitim oleraceum L. 

Die Pflanzen der Gruppe A finden sieb aucb auf dem Buko- 
winaer Dnjestrplateau, wälirend die der Gruppe B noch nicht von 
dort bekannt gegeben wurden. Die mit der Dnjestrflora gemein- 
samen Arten verteilen sich auf fast alle bei deren Besprechung ge- 
bildeten Gruppen, d. h. es tritt kein bestimmter gemeinsamer Zug 
in ihrer Verbreitung und ihrem Vorkommen hervor. Unter den 
neu hinzutretenden Arten befinden sich bemerkenswerter Weise 
einige ausgesprochen Dazien oder der Balkanflora entstammende 
Elemente wie Merciirialis ovata, Potentilla patula, Senecio Bieher- 
steinii und Iris caespitosa. Solche Arten geben dieser Wiesenflora 
eine gewisse Sonderstellung gegenüber der podolischen Vorsteppe 
am Dnjestr und nähert sie der dazischen Flora an. Diese „ur- 
sprünglichen Wiesen" oder „Steppen wiesen" bilden kleine Inseln 
innerhalb einer Htigelflora, die im übrigen mit dem Czernowitzer 
Typus übereinstimmt. Es ist wohl möglich, daß diese Pflanzen- 
gesellschaft früher im Hügellande verbreiteter war, aber durch die 
Kultur dezimiert wurde. 

Auch die floristischen Leitarten des Czernowitzer Bezirkes 
sind nicht gleichmäßig über das ganze Hügelland der Bukowina 
verbreitet. Eine Anzahl, und zwar überwiegend thermophile, pon- 
tische Elemente reichen in ihrer Verbreitung nicht bis an den Fuß 
des Gebirges heran, sondern es ergibt sich eine Häufung von 
westUchen Arealsgrenzen gegen das Gebirge hin längs einer Linie, 
welche ungefähr folgenden Verlauf hat: Vom Pruth bei Czer- 
nowitz angefangen — aus dem Wiznitzer Bezirk liegen mir nicht 
genügend Standortsangaben vor — nach Süden am Ostabhang der 
Höhen von Spaska entlang, den Storozynetzer Bezirk westhch, 
den Czernowitzer östlich liegen lassend, dann östlich der Höhen 



104 



Karl Rudolph. 



bei Kiczera und Hliboka, zwischen Hliboka einerseits und Tere- 
szeny-Tereblestie andererseits, dann in der Radautzer Ebene unge 
fähr bis Fradautz nach Westen einbiegend, dann zwischen Radautz 
und der Horaiza hindurch und weiterhin ziemlich parallel dem Ge- 
birgsrande über Illischestie bis zum Austritt der Moldau aus dem 
Lande. 

Diese Linie ist natürlich nur sehr ungefähr gezogen, da die 
Standortsangaben sehr lückenhaft sind und keine völlig scharfe 
Deckung der Arealsgrenzen eintritt. Sie teilt aber das Hügelland 
deutlich in zwei Zonen, in eine innere, gebirgsnahe und eine äußere, 
gebirgsferne Zone. Solche Arten, welche längs dieser Linie ihre 
Westgrenze innerhalb des Hügellandes erreichen, sind: Dianthus 
pseudoharhatus, die beiden Pulsatillen, Linum flavmn, Änchusa Bar- 
relieri, Nonnea pulla, PJdomis tiiberosa, Veronica Jacquini, Cytisus 
leucantlms, Änthericum ramosuin und einige andere. Diese Arten 
charakterisieren die äußere Zone und geben ihr einen stärker 
„pontischen" Charakter gegenüber der inneren. Die innere Zone 
hat wieder einige montane Pflanzen voraus, die hier aus dem Ge- 
birge in das nahe Vorland herabgestiegen sind, wie Trollius euro- 
paeus, Pedicularis Haccpietii Graf (= StmimoAia), Gentiana carpa- 
thica, Telehla speciosa, Senecio alpestris, Boronicum austriacum, 
Hieracium aurantiactmi, Gonvallaria verticillata etc. Diese Zone 
zieht sich dann noch tief in die größeren Täler des Gebirges hinein 
und ihr gehören dann natürlich auch noch die unteren Regionen 
der angrenzenden Bergzüge an. 

Zu einer ganz ähnlichen Zweiteilung des Hügellandes ist auch 
K. V. Hormuzaki in der eingangs zitierten pflanzengeographischen 
Übersicht (24) gelangt. Er unterscheidet im Hügelland eine baltische 
und eine pontische Region, erstere charakterisiert durch das Vor- 
herrschen von Nadelwäldern, zusammengesetzt aus Tanne und 
Fichte, letztere durch das Überwiegen der Laubwälder, in denen 
die Eiche eine große Rolle spielt, und durch das Auftreten der 
Steppenwiesen markiert. Die Grenze zwischen beiden Gebieten be- 
stimmt er hauptsächlich nach der Verbreitung der genannten Wald- 
bäume und kommt dabei zu einer Linie, die eine ganz augen- 
fälhge Deckung zeigt mit jener oben beschriebenen Linie, welche 
durch die Scharung der westlichen Arealsgrenzen pontischer Arten 



V('<;(^(ati()iisakizzo der Wiii^^ebuii^^ vom O/ciniowitz. 



105 



i;cl)ildct wurde. Die Kesultiite, auf verscliicdcnen Wegen unab- 
liiliigig «gewonnen, bcstiitigeii sieh somit g-egenseitig. 

Damit ist nun eine ungefähre fh)ristisclic Übersieht Uber das 
ganze Kronland gewonnen. Es ergibt sich auch nach den vor- 
stehenden skizzenhaften Untersuchungen eine Gliederung des Landes, 
die sich mit den bisherigen Versuchen, eine pflanzengeographische 
()bersichtskarte der Ikikowina zu geben, ziemlich gut deckt. Vor 
allem weise ich auf die Karte von Hormuzaki, 1. c, hin, in der 
alle bisherigen Feststellungen zum Ausdruck kommen. 

Wir haben nach all dem folgende Gebiete innerhalb der 
Bukowina zu unterscheiden: 

1. Das Gebirge. 

Dieses ist wieder regional bis zu den einzelnen Inseln der 
Alpenflora auf den höheren Gipfeln (Rareu, Giumaleu, Ouschor, 
Suchard etc.) gegliedert. Es gehört zum größten Teil 

a) dem Bezirke der Eodnaer Alpen 
in der Einteilung der Karpathen nach Pax und v. Playek an. 
Innerhalb des Gebirges tritt die Flora der Kalk- und Serpentin- 
felsen in besonderen Enklaven hervor, welche 

h) dem „Bezirke der Moldauer Klippenkalke" 
nach Pax zuzurechnen sind. Hierher gehört vor allem die Flora 
des Rareu, der mit seinen zahlreichen Endemismen wohl den bota- 
nisch interessantesten Punkt im Lande bilden dürfte. Aber auch im 
Tale ist im Gebiete der Kalke und Serpentine, z. B. zwischen 
Pozoritta und Briaza eine interessante, noch nicht genügend er- 
forschte thermophile Flora entwickelt.^) 

II. Das Hügelland. 

In diesem hat die Karpathenflora, überhaupt die Gebirgsflora, 
wie gezeigt wurde, noch einen starken Anteil an der Zusanimen- 

^) Hier wächst z. B. nach Pax Evomjmus nanus. Ferner wurden zwei 
endemische Hieracien von hier beschrieben: Hieracium pojoritense Woloszczak 
und H. Ellae Pax. Ich selbst fand hier anfangs Mai Viola Jooi Janka neben 
Alyssum saxatile, Cytisus hirsutus, Seslerien etc. Bei Briaza befindet sich auf 
Serpentin nach Herbich einer der wenigen natürlichen Standorte von Pinus 
silvestris im Lande. 



106 



Karl Rudolph. 



Setzung der Hauptformationen, auch der der „sonnigen Hügel". In- 
sonderheit aber sind die Wälder noch rein „karpathisch". Es er- 
scheint daher zutreffend das Bukowiner Hügelland dem von Her- 
bich aufgestellten und auch von Hayek angenommenen „sub- 
karpathischen Gau" des mitteleuropäischen Waldgebietes, 
der den ganzen Außenrand der Karpathen umsäumt, zuzurechnen. 
Das Hügelland gliedert sich wieder: 

a) in eine innere „submontane Zone" (montane Region des 
baltischen Gebietes nach Hormuzaki), 

h) in eine äußere „praepontische" Zone (Laubwaldregion des 
pontischen Gebietes nach H.), 
die bereits vorstehend charakterisiert wurden. Der letzteren Zone 
gehört die Umgebung von Czernowitz an. 

In dieser praepontischen Zone des Hügellandes erscheinen eine 
Anzahl wärmeliebender, südöstlicher Pflanzen, welche erst im an- 
grenzenden Ostgalizien eine Nord- und Westgrenze ihrer Verbreitung 
erreichen, wie z. B. Cytisus leucanilius, Änchusa Barrelieri, Veronica 
Jacquini, Phlomis tuber osa etc. Das Auftreten solcher Arten macht 
es notwendig, vom subkarpathischen Gau einen östlichen oder 
südöstlichen Bezirk abzugrenzen, wie es auch von Herb ich 
versucht wurde. 

Die Grenzen dieses Bezirkes in den Nachbarländern näher 
zu bestimmen, kann nicht in der Absicht dieser Arbeit liegen, die 
nur das Material für derartige Vergleiche liefern soll. In Galizien 
dürfte die Grenze kaum mehr die Flora von Lemberg erreichen. 
Nach Süden hin setzt sich dieser östliche Bezirk des subkarpathi- 
schen Gaues noch tief in die Moldau hinein fort. Erst in der 
Walachei treten nach Pax an Stelle der karpathischen Buchen- 
wälder Wälder der Zerreiche. 

Innerhalb der Zone & des Bukowiner Hügellandes erscheinen 

c) Inseln des podolisch-moldauischen Vorsteppen- 
gebietes 

in Form der „Steppen wiesen" in der Horaiza und der Umgebung 
von Suczawa. Baron Hormuzaki rechnet auch die sonnigen Hügel 
bei Czernowitz zu dieser Formation und zeichnet sie mit gleicher 
Farbe in seine Karte ein. In diesem Punkte kann ich ihm nicht, 
folgen, da, wie aus Vorstehendem hervorgeht, den Czerno witzer 



Vej;(!tati()iisskiz/«' der l Imj^clttmt,' v(mi (!/,(^ni(t\vit/. 



107 



Triften ein großer Teil der wichtigsten CliarakterpHanzcn jener 
Formation fehlt. Dagegen scheinen sie um einige Karpathenpflan/en, 
wie Trl/\)lii())i pauHonlmm mu\ Gladiolus imhricatm, reicher zu sein. 
Allerdings mag manche der Arten erst nachträglich ausgerottet 
worden sein. 

III. Das Dnjestrplateau. 

Dieses bildet nach v. Hayek einen südlichen Randteil vom 
„podolischen Bezirk des pontischen Steppengebietes". Es ist charak- 
terisiert durch das Auftreten der Gipsformation mit zahlreichen 
wärmeliebenden Felsenpfianzen, und durch eine größere Zahl von 
Steppenpflanzen, welche aber noch keine eigentliche Steppenfor- 
mation zusammensetzen, weswegen ich den Ausdruck „Vorsteppe" 
auf das Gebiet anwenden möchte. Die Wälder des Plateaus reiht 
V. Hayek wohl auf Grund des Auftretens von Acer tataricum, 
Ädenojyhora lilifolia und Melica altissima bei starkem Überwiegen 
der Eichen bereits dem „stidrussischen Eichenbezirk" ein. Zu be- 
achten bleibt, daß sie aber auch noch montane Charakterpflanzen 
der Karpathen, wie TIellehorus piirptirascens^ enthalten. 

Damit sind wir vom Hochgebirge im Südwesten herabsteigend 
durch Hügelland und Ebene an die Landesgrenze im Nordosten 
angelangt. 

Alle diese verschiedenen Zonen bilden Stufen des allmählichen 
Überganges von der mitteleuropäisch-karpathischen Gebirgsflora zur 
pontischen Steppe. Leider ist es mir aus Literaturmangel nicht 
möglich, diesen Übergang noch weiter in das angrenzende Bess- 
arabien hinein zu verfolgen. 

Weiter als auf der Innenseite der Karpathen dringt hier die 
Karpathenflora in das Vorland des Gebirges hinaus, begünstigt 
durch die nordöstliche Exposition des Landes. Aber es ziehen auch 
viele wärmeliebende südosteuropäische Pflanzen hier am Rande des 
Gebirges, gefördert durch die hohen Sommertemperaturen, weiter 
nach Norden hinauf als im Westen. Diese Erscheinung, welche 
schon Pax (1. c, II, S. 190) erwähnt, wird durch die vorstehen- 
den Analysen der Czernowitzer Formationen aufs neue bestätigt. 
Die gegenseitige Durchdringung der verschiedenen angrenzenden 
Florengebiete in der Flora des Bukowiner Hügellandes bildet den 



108 



Karl Eudolph. 



interessantesten Charakterzug der Vegetation in diesem Bezirk. 
Eine ähnliche bunte Zusammensetzung hat auch Blocky vor 
kurzem für die Flora von Lemberg konstatiert. 

Zum Schluß dieser Arbeit muß ich noch der steten Mit- 
wirkung des Herrn Prof. Czapek bei der Zusammenstellung der 
Formationslisten und seiner vielseitigen Anregungen dankend ge- 
denken. Auch nach anderen Seiten bin ich mehrfach zum Danke 
verpflichtet worden. 

Ich möchte schließlich noch die Gelegenheit benützen, und 
zusammenfassend eine kleine Liste von Arten, welche meines Wissens 
bisher noch nicht für die Bukowina bekanntgegeben wurden sowie 
bemerkenswerte neue Standorte mitteilen. Einen großen Teil der- 
selben fand ich bisher unveröffentlicht im Landesherbarium des 
hiesigen botanischen Institutes vor. 

Anemone alpina L. Auf der Luczyna (leg. Tan gl, Exsicc). 
Arabis Gerardi Bess. Wiesen bei Lenkouce, Mai (leg. Rudolph). 
Braba carinthiaca Hoppe. Kalkfelsen am Ouschor, 1100 m (neuer 

Standort in der Bukowina), Anfang Mai (leg. Rudolph). 
Viola Jooi Janka. Auf Felsen (Kalk, Serpentin etc.) bei Pozoritta, 

ca. 800 m, Anfang Mai (leg. Rudolph). 
Sorhus aria (L.) Cr. Kryszczatek am Dnjestr (leg. Tan gl, Exsicc.). 
Seseli liippomaratlmim L. Kryszczatek (leg. Tan gl, Exsicc). 
Pirola chlor antha Sw. Cecina (leg. Mustazza, Exsicc). 
Chimapliila umhellata (L.) Nutt. Laubwald bei Kiczera (leg. Prof. 

Linsbauer). 

Primtila leucophylla Pax. Ouschor auf Weiden, 1100 m, neuer Stand- 
ort, Anfang Mai (leg. Rudolph). 

Primula vulgaris Huds. (P. acaulis). Waldschlucht bei Mold.-Ba- 
nilla (leg. M. Gusuleac). 

Omphalodes scorpioides (Hnke.) Schrk. Wald bei Horecza (det. Frl. 
Mackenzie). 

Campanula latifolia L. Auf der Luczyna (leg. Tangl, Exsicc). 
Erigeron annuus (L.) Pers. Wiesen am Pruthabhang bei Biala (leg. 
Rudolph). 

Centaurea orientalis L. Czarny Potok am Dnjestr, Alabasterbruch 
(leg. Petrino, det. Rudolph); — Petroutz (wahrscheinlich 
Petroutz bei Suczawa) (leg. Tangl, det. Rudolph). 



Vo<;(>fati()iisskiz/o der lTniK<''>iiii<'- von ('/(Mnowit/. 



109 



Stratiodes aloideii L. PruthtUiiipcl bei Liizaii (leg. Tun gl). 

Allium rotiunJum L. üimtli (leg. Petrin o, Exsicc); — Sadagöra 

(leg. llerbicli, Exsicc), Kryszczatek (leg. Jdidol pli). 
Allium scorodoprasum L. Ilorosclioiitz, Bojanczuk, Dobronoutz (alle 

am Dnjcstrplateau) (leg. Herbicli, Exsicc., det. Rudolph), 

Onuth (leg. Petrino, Exsicc). 
Allium tenuiflonm Ten. (= paniculatiim) Kryszczatek, Wassileu, 

Doroschoutz (leg. Herbich, Exsicc). 
Carex caryophyllea Lat. Berglehne bei Zuczka (leg. Tan gl, Exsicc). 
Garex distans L. Cecina (leg. Tan gl, Exsicc). 
Carex panicea L. Lukacz (leg. Herb ich, Exsicc). 
Carex secalina Wahlbg. Auf schlammigen Tonboden am Bache 

Derelui bei Kuczurmare (leg. Herbich, Exsicc). 
Pycreus flavescens (L.) Rchb. Horecza (leg. Tangl, Exsicc). 
Agropyron caninum (L.) R. et Sch. Czernowitz (leg. Tangl, Exsicc). 

Die weitere Durchforschung des Landes wurde vorbereitet 
durch Anlage eines Standortkataloges im Botanischen Institut der 
Czernowitzer Universität, in dem die Literatur nach „Knapp" 
möglichst vollständig berücksichtigt ist, und durch die provisorische 
Zusammenstellung von Diagnosen der im „F ritsch" nicht ent- 
haltenen Pflanzen der Bukowina für einen engeren Kreis von 
Interessenten. Auch sei die Aufmerksamkeit der Floristen und 
Monographen auf die Landesherbarien des hiesigen Institutes ge- 
lenkt, damit auch die Pflanzen der Bukowina in ausgedehnterem 
Maße als bisher einer kritischen Durchprüfung unterzogen werden. 

Literaturverzeichnis. 

Ein vollständig-es Verzeichnis der gesamten botanischen Karpathen- 
literatur bis 1908 findet sich in Fax, Grundzüge der Pflanzenverbreitung in 
den Karpathenländern. Ich führe im folgenden nur jene Arbeiten an, auf die 
im Text Bezug genommen wurde. 

1. Ilerbich, Dr. Franz, Flora der Bukowina, 1859. 

2. — Verbreitung der in Galizien und der Bukowina wildwachsenden Pflanzen 

(Verh. zool.-botan. Gesell. Wien, XI [1861], S. 33.) 

3. Knau er Bl., Flora von Suczawa und seiner Umgebung. (Programm des 

Obergymnasiums in Suczawa, 1863.) 

4. Knapp J. A., Die bisher bekannten Pflanzen Galiziens u. der Bukowina, 1872. 

5. Rehmann, Diagnosen der in Galizien und der Bukowina bisher beob* 

achteten Hieracien. (Österr. botan. Zeitschr., 1873, S. 81.) 



110 



Karl Rudolph. 



6. Pore ins, Enum. plant, phanerog. districtu quondam Naszodiensis, Klausen- 

burg, 1878. (Enthält einige neue Arten.) 

7. Zapalowicz H., R6slinna szata gor pokucko-marmaroskich, 1889. (Einige 

neue Arten.) 

8. Woloszczak, III. Beitrag zur Flora Pokutiens. Spraw. Kom. Fiz., XXV, 

p. 17 (1890). (Einige neue Arten.) 

9. Bauer K., Beitrag zur Phanerogamenflora der Bukowina und der an- 

grenzenden Teile Siebenbürgens. (Österr. botan.Zeitschr., 1890, S. 218, 268.) 

10. Breidler, Beitrag zur Moosflora der Bukowina und Siebenbürgens. 

(Österr. botan. Zeitschr., 1890, S. 148.) 

11. Dörfler J., Beiträge und Berichtigungen zur Gefäßkryptogamenflora der 

Bukowina. (Österr. botan. Zeitschr., 1890, S. 196.) 

12. Dörfler J., Über das Vorkommen von Aspidium Luerssenii (A. lohatum 

X Braunii) und einiger anderer Farne in der Bukowina. (Verh. zool.- 
botan. Gesell., XL, S. 43.) 

13. Procopianu-Procopovici, Aurel v., Floristisches aus den Gebirgen 

der Bukowina. (Verh. zool.-botan. Gesell., XL, S. 85.) 

14. — Beitrag zur Kenntnis der Orchidaceen der Bukowina. (Ebenda, XL, S. 185.) 

15. — Zur Flora von Suczawa. (Ebenda, XLII, 1892, S. 63.) 

16. — Zur Flora der Horaiza. (Ebenda, XLIII, 1893, S. 54.) 

17. — Beitrag zur Kenntnis der Gefäßkryptogamen der Bukowina. (Ebenda, 

XXXVIl, S. 783.) 

18. Blocki Br., Ein Beitrag zur Flora Galiziens und der Bukowina. (Österr. 

botan. Zeitschr., 1883, S. 37 tf.; 1884, S. 51 ff.) 

19. — Notizen. (Mitteilung einiger für die Bukowina neuer Arten.) (Ebenda, 

1886, 1887, S. 407; 1888, S. 48, 323-, 1895.) 

20. ~ Beitrag zur Flora von Galizien und der Bukowina. (Deutsche botan. 

Monatsschr., 1892, 1895.) 

21. — Versuch einer genetischen Erklärung des Charakters der Flora von 

Lemberg. (Ungar, botan. Blätter, Jg. 1908, S. 281.) 

22. Grece.^cu D., Conspectul florei Romaniei. Bukarest, 1898. 

23. Woloszczak Eu., Hieracium pojoritense. (Ungar, botan. Blätter, II, 

1903, S. 281.) 

24. Hormuzaki Konstantin, Freiherr v.. Die Schmetterlinge der Bukowina 

(mit pflanzengeographischer Einleitung und Übersichtskarte). (Verh. 
zool.-botan. Gesell., 1897, Jg. 47, S. 70.) 

25. Hayek A. v., Pflanzengeographische Gliederung Österreich-Ungarns 

(Referat). [Verh. zool.-botan. Gesell., 1907, Jg. 57, S. (223).] 

26. Pax F., Neue Pflanzenarten aus den Karpathen. (Öst. botan. Zeitschr., 1897.) 

27. — Grundzüge der Pflanzenverbreitung in den Karpathen. (Engler- 

Drude, Vegetation der Erde, 2. und 10. Bd., I. Bd. 1898, II. Bd. 1908.) 

28. Landesherbarium im Botanischen Institut der Universität Czernowitz-, 

gesammelt von Dr. Franz llcrbich, Freiherrn A. v. Mustazza, Frei- 
herrn 0. V. Petrino, E. Tangl. 



VeKetfttionsskizzc dcir nnifj:(5l)im{i: vom ( '/(^riiowit/. 



III 



2*,). Paul K. M., Gnindzüge der Geolo^^^io der IJukowiiui. (.I.ilirb. der fi;iu)\. 

Keichsanstalt Wien, 26. Bd., 187G.) 
;10. Die Hukowiiia, Eine allgemeine Heimatkunde, verfaßt anliiülicli des 

50jährigen Kegierungsjubiläiims durch die Gendarmerie des Landes- 

Gendarmeriekommando Nr. 13. (Oberlt. Fischer.) 

31. Uhlig, Bau und Bild der Karpathen, 1903. 

32. Wachlowski A., Zur Klimatologie von Czernowitz, 1886. 

33. Hann J., Die klimatischen Verhältnisse Österreich-Ungarns, im Übersichts- 

band der „Österr.-Ungar. Monarchie in Wort und Bild". 

34. Trabert W., Isothermen von Österreich. (Denkschr. der kais. Akademie 

der Wissensch, in Wien, math.-naturw. Kl, LXXIII, 1901.) 

35. Hann J., Klimatographie von Niederösterreich. 

3G. Statistisches Jahrbuch des k. k. Ackerbauministeriums, 1900. 

37. Bericht des Landeskulturrates in der Bukowina, 1907. 

38. Entwicklung der Land- und Forstwirtschaft in der Bukowina seit dem 

Jahre 1848.^) 



Artenregister. 



Acer campestre L. 76, 86. — platanoi- 

des L. 76. — pseudoplatamis L. 76. 

— tataricum L. 76, 83, 100, 107. 
AcMllea millefoUum L. 91. 
Aconitum vulparia Rchb. 103. 
Acorus calamus L. 91. 
Actaea spicata L. 79. — Cimicifuga L. 

79, 82, 100. 
Adenophora lilifolia (L.) Bess. 100, 107. 
Adonis aestivalis L. 99. — vernalis L. 

99, 101, 102. 
Adoxa moschatellina L. 79. 
Aegopodium podagraria L. 79. 
Agropyron caninum (L.) R. et Sch. 109. 
Ahorn 100. 

Ajuga chamaepitys (L.) Schreb. 99. — 



genevensis L. 90. — Laxmanni Benth. 

103. — rejHans L. 79, 90. 
Alectorolophus crista galli (L.) M. B. 

88, 90. — major (Ehr.) Rchb. 88, 

90. — minor 88. 
Alisma plantago L. 89, 98. 
Alliaria officinalis Andrz. 84. 
AUium- Artan 100. — fallax Don. 103. 

— flavum L. 99. — montanum Schm, 
99. — oleraceum L. 103. — pani- 
culatum L. 99, 102, 109. — rotundum 
L. 99, 109. — scorodoprasum L. 99, 
109. -— sphaerocephalum L. 99, 103. 

— tenuiflorum Ten. 109. 
Alopecurus pratensis 87. — genicula- 

tus L. 89. 



^) Während der letzten Korrektur hat noch ein „Nachtrag zur Flora 
der Bukowina" von K. Freih. v. Hormuzaki (Öst. Bot. Z., 1911, S. 59) zu er- 
scheinen begonnen, durch welchen auch noch manche der in vorliegender Arbeit 
offen gelassenen Lücken ausgefüllt werden. Wie ich dieser Arbeit entnehme, 
ist mir auch eine ältere Vegetationsskizze der Bukowina vom genannten Autor 
(im „Globus", Braunschweig, 1898) entgangen, ebenso die Notiz über die aqui- 
lonare Floreninsel bei Pozzorita (in diesen „Verhandlungen", 1899, Nachtrag 
S. 81). — Vergl. hierzu auch Fußnote S. 105. 



11^ 



Karl Rudolph. 



Alsine setacea 99. 

Alyssum desertomm Stapf. 98. — sa- 

xatile L. 99, 100, 105. 
Anchusa BarreUeri Vittra. 87, 92, 93, 

95, 104, 106. — officinalis L. 84. — 

ochroleuca M. B. 97. 
Andropogon ischaemum 99. 
Anemone- Arten 77. — alpina L. 108. 

— hepatica L. 77, 86. — nemorosa 
L. 77, 86. — nigricans (Stork) Fritsch 
103. — patens L. 86, 94. — pulsa- 
tilla L. 86. — ranunculoides L. 77, 
86. — silvestris L. 80, 86, 94. 

Angelica silvestris L. 80. 
Anthemis tinctoria L. 87. 
AntJiericum ramosum L. 87, 104. 
AntJioxanthum odoratum L. 91. 
Anthriocus Silvester (L.) Hoffm. 84. 
AnthylUs vulneraria L. 87, 93. 
Aposeris foetida (L.) Less. 78, 81, 83. 
Arabis Gerardi Bess. 90, 108. — glahra 

(L.) Bernh. 88. — hirsuta (L.) Scop. 

88, 90. 

Arenaria graminifolia Schrad. 99, 102. 
Aristolochia dematitis L. 96. 
Artemisia austriaca Jaeg. 99, 101. — 

pontica L. 99, 101. — scoparia W. 

K. 99, 101. 
Aruncus Silvester Kostel 80. 
Asarum europaeuni L. 77. 
Asparagus officinalis L. 88. — tenui- 

folius Lam. 99, 100, 102. 
Asperugo procumhens 97. 
Asperula cynanchica L. 87,94. — glau- 

ca (L.) Bess. 99, 102. — galioides 

M. B. 99. — odorata L. 78. 
Astragalus austriacus Jacq. 99, 101. 

— cicer L. 90. — glycypJiyllos L. 80. 

— onohrychis 99. 
Astrantia major L. 79. 

Aster amellus L. 80. — linosyris (L.) 

Bernh. 99, 100. 
Atriplex nitens Sch. 84, 97. 
Atropa belladonna L. 79. 



Barbarea vulgaris R. Br. 90. 
Bellis perennis L. 91. 
Berteroa incana (L.) DC. 88, 90, 96. 
Berula angustifolia 91. 
Betula pendula Roth. 76, 80. 
Bolboschoenus maritimus (L.) Palla 98. 
Briza media L. 87. 
Bromus tectorum L. 9.7. — sterilis L. 
97. 

Brunella grandiflora (L.) Jacq. 88, 94. 

— vulgaris L. 90. 
Buche 67, 76, 83, 100. 
Bunias orientalis L. 96. 
Bupleurum falcatum L. 88. 
Butomus umbellatus L. 98. 

Callitriche verna L. 98. 
Caltha palustris L. 89. 
Calystegia sepium (L.) R. Br. 83. 
Campanula hononiensis L. 90. — glo- 
merata L. 88, 90. — latifolia L. 108. 

— patula L. 90. — persicifolia L. 
80, 88. — sibirica L. 87, 94, 99, 102. 

Cardamine bulbifera (L.) Cr. 79. — 
glandulosa W. K., Schmalh. 78, 82. 

Carduus acanthoides L. 91. 

Carex acutiformis Elir. 89, 98. — ca- 
ryophyllea Lat. 109. — digitata L. 
86, 91. — distans L. 109. — gracilis 
Ciirt. 89. — Goodenoughii Gag. 89. 
humilis Leyss. 103. — leporina L. 89. 

— Michelii Host. 86, 91, 94. — mon- 
tana L. 86. — panicea L. 109. — 
riparia Ciirt. 90, 98. — rostrata 
Stokes 98. — secalina Wahlbg-. 109. 

— silvatica Huds. 79. — tomentosa 
L. 89. — vesicaria L. 98. — vulptine 
L. 90. 

Carlina vulgaris L. 91. 
Carpinus betulus L. 76. 
Carum carvi L. 89, 90. 
Castalia alba (L.) Woodw. et Wood 98. 
Centaurea Marschalliana Spreng. 99, 
101. — orientalis L. 99, 101, 102, 



Vcgetatioiusski /,/,(■! der Uinjicbiuij; von C/am'uowWa. 



113 



108. — scabiosa L. 90. — variegala 

L. 87, 88, 93. 
Cephnlanthcra alba (Cr.) Siiuk. 79. — 

ensifolia 79. — longif 'olia (L.) Fi itscli 

79. — rubra (L.) Ilioh. 79. 
Ceratophylliivi demersum L. 98. 
Ccrinthe minor L. 84, 88,90. 
Chaerophyllum cicutaria Vill. 79. — 

hirsutum 79. 
Chimaphila imbellata (L.) Niitt. 79, 108. 
Chrysanthemum corymbosum L. 80, 87, 

99. — leiicanthemum L. 87, 88, 90. 
Chrysoplenimn alternifolium L. 77. 
Cichorium infyhus L. 90. 
Cicuta virosa L, 98. 
Cineraria campestris DC. 103. 
Circaea lutetiana L. 80. 
Cirsium lanceolatum. (L.) Scop. 91. — 

pannonicum (L.) Gauel. 88, 90. 
Ciematis recia L. 86, 94. — integrifoUa 

L. 99, 101, 102. 
Colchicum aiitumnale L. 88. 
Convallaria majalis L. 80. — verticü- 

lata 104. 

Cornus sanguinea L. 76. — mas L. 7G. 
Coronilla varia L. 90. 
Corydalis-Arten 77. — ca?;a (L.) Scliw. 

et K. 77. — Marschalliana Pers. 77. 

— solida (L.) Sw. 77. 
Corylus avellana L. 76, 86. 
Crataegus monogyna Jacq. 76. 
Crepis biennis L. 90. 
Crocus banaticus Heiif. 76. — iTeit/"- 

felianus Herb. 76, 82. — vernus 

77, 82. 

Cucubalus baccifer L. 83. 
Cyclamen europaeum 81. 
Cynanchum rincetoxicum (L.) Pers. 80. 
Cynoglossum officinale L, 96. 
Cyperus fuscus L. 97. 
Cypripedium calceolus L. 79, 86. 
Cytisus albus Hcqu. 87,92. — leucanthus 

W. K. 87, 92, 104, 106. — hirsutus 

105. — nigricans L. 103. 

Z. B. Ges. Gl. Bd. 



Ihiclylis glomcruta 87. 

Daphnc meieren m L. 77. 

Datura stramonium 97. 

Jhntaria bulbifcra 79, 82. — glandu- 

losa W. K. 78, 82. 
Dianthus armeria L. 88. — capitatus 

DC. 99, 102. — carthusianorum 88. 

— deltoides L. 88, 90. — mcmhrana- 
ceiis Borb. 88. — pseudobarbaliis 
Bess. 88, 90, 92, 104. 

Dictamnus albus L. 99, 100. 
Digitalis ambigua Murr. 88, 94. 
Diplotaxis muralis (L.) DC. 98. 
Doronicum aiistriacum 104. 
Draba carinthiaca Hoppe 108. nemo- 
rosa L. 91, 94. — m-na L. 91. 

Echinops sphaerocephalus L. 90. 
Echium rubrum Jacq. 87, 99, 101, 102. 

— vulgare L. 88. 
Eiche 83. 

Equisetum hiemale L. 80. — palustre 
L. 89. — telmateja Ehr. 89, 96. 

Erigeron annuus (L.) Pers. 108. 

Eryngium campestre L. 91. — lüanum 
L. 96. 

Erysimum exaltatum Andrz. 99, 102. 

— pannonicum Crtz. 102. 
Euphorbia amygdaloides L. 77,81. — 

cyparissias L. 91. — lucida W. K. 
84, 88, 90, 94. — salicifolia Host. 84, 
96. — villosa W. K. 88, 90, 94. 
Evonymus nana 1 05. — verrucosa Scop. 
76, 82. — vulgaris Mill. 76, 83. 

Fagus silvatica L. 76. 
Falcaria vulgaris Beruh. 88. 
Eerulago silvatica Rchb. 86, 93, 95. 
Festuca ovina L. 91. — pratensis 87. 
Fichte 67. 

Filipendula hexapetala Gilib. 87, 88, 90. 
Fritillaria meleagris L. 90. 

I Gagea lutea (L.) Ker. 77. — minima 
I (L.) Ker. 86. 

8 



114 



Karl Rudolph. 



Galeopsis speciosa Mill. 80. — tetrahit 
L. 80. 

Galinsoga parviflora Cavan. 97. 
Galiiim boreale L. 88, 94. — cruciata 

(L.) Scop. 79. — palustre L. 89. — 

silvaticum L. 79. — Vernum Scop. 

79, 88, 94. — verum L. 88, 90. 
Gentiana corjmthica 104. — cruciata 

L. 80. 

Geranium phaeum L. 79. — sangui- 

neum L. 88, 94. 
Gladiolus imhricatus L. 87, 88, 94, 95, 

99, 106. 

Glechoma Jiirsuta W. K. 79, 82, 83. 
Glyceria fluitans (L.) E. Br. 91. — 

aquatica (L.) Walilbg. 91, 98. 
Gymnadenia conopea (L.) R. Br. 88. 
Gypsopliüa altissima L. 99, 102. — 

fastigiata L. 99. — muralis Jj. 91. 

Heleocharis palustris (L.) R. Br. 89. 

— acicularis (L.) R. Br. 97. 
Heiichrysum arenarium (L.) D C. 68, 80. 
Helleborus purpurascens W. K. 100, 

101, 107. 

Heracletwi sphoudylium L. 90. 

Herniaria glabra L. 98. 

Hibiscus ternatus Cav. 96. 

Hieracium aurantiacum 104. — auri- 
cula Lm, et DC, 91. — Bauhini 
Bess. 88. — cymosum L. 88. — Ellae 
Fax. 105. — murorum L. 80. — pilo- 
sella L. 88, 91. — pojoritense Wolo- 
szczak 105. — silvestre Tausch 80. 

— umbellatum L. 80. 
Hippuris vulgaris L. 98. 
Humulus lupulus L. 83. 
Hyacinthus leucopTiaeus St er. 99, 101, 

102, 103. 

Hydrocharis morsus ranae L. 98. 
Hypericum perforatum L. 90. 
Hypochoeris maculata L. 87, 94, 100. 

Inula ensifolia 99. — helenium L, 89. 

— hirta L, 88, 90. 



Iris aphylla L. 99, 103. — caespitosa 
Fall. 103. — graminea L. 89. — 
pseudacorus L. 89,91. — sibirica 103. 

Isopyrum, thalictroides L. 77. 

Juncus atratus Kroker, 103. — bufo- 

nius L. 97. 
Jurinea mollis (L.) Rchb. 99, 101, 102, 

103. 

Koeleria pyramidata Domin, 87. — 

cristata 87. 
Kochia scoparia (L.) Schrad. 99. 

Lactuca qiiercina L. 80, 82. 

Larnium luteum (Huds.) Krok. 79. 

Lappula echinata Gilib. 96. 

Laserpitium latifolium L. 88. 

Lathraea squamaria L. 77. 

Latliyrus niger (L.) Beruh. 89. — pan- 
nonicus Jacq. 99, 102. — pratensis 
L. 88, 90. — vernus (L.) Beruh. 78. 

Lavatera thuringiaca L. 88. 

Leontodon danubialis Jacq. 90. 

Leonurus cardiaca L. 97. — marrii- 
biastrum L. 97. 

Lepidium rüder ale 97. 

Lilium martagon L. 80, 88. 

Linde 83. 

Liniim flavum L. 87, 93, 104. — austria- 

cum L. 87, 93. 
Listera ovata (L.) R. Br. 79, 89. 
Lotus corniculatus L. 90. 
Luzula campestris (L.) DC. 91. 
Lychnis flos cuciili L. 87, 89, 90. 
Lycopus europaeus L. 84. — exaltatus 

L. 84. 

Lysimachia nummularia L. 89. 
Lythospermum piirpureo-coeruleum L. 
99. 

Lythrum salicaria L. 84. 

Majanthemum bifolium L. 79. 
Matricaria discoidea DC. 97. 
Medicago lupulina L. 91. 



Vogetatlonsski/zo dor lTin<j:«'hmi^' von ('zcniowif/. 



115 



Melnmpyrmn arvensc L. 88. — Jiiha- 
ricnse Auct. 79. — cristatum L. 88. 
— — var. paliidiim Tauscli. 88. — 
nt'morosum 79. — — ß. montanum 
l\)n'ius 79.— sit?>a/2)nmm Kern. 79, 89. 

JMelandriium sihrstre (ScliU.) KiJhl. 79. 

Melica altissima 99, 100, 107. — trans- 
silvanica Scliur. 99. 

Melüotus of/icinalis L. 90. 

3IeUttis melissophyllum L. 79, 81, 89. 

Mercurialis perennis L. 79. — ovata 
Sternbg. et. Hoppe 103. 

Minuartia setacea (Tliuill.) Fritscli 99. 

MiiscaritenuißorumTsinsch. 99, 100, 103. 

Myosotis palustris 91. — scorpioides 
L. 91. — sparsiflora Mik. 77, 82, 83. 

Myricaria germanica (L.) Desv. 98. 

Myriophyllum spicatum L. 98. — ve7'- 
ticillatum L. 98. 

Neottia nidus avis (L.) Rieh. 79. 
Nepeta pannonica L. 87. 
Neplirodium ßix mas (L.) Rieh. 79. 
Nonnea pulla (L.) DC. 96, 104. 
Nuphar hiteiwi (L.) Sibth. et Sm. 98. 
Nymphaea alba. 98. 

Oenanthe aquatica (L.) Poir. 89, 98. 
Omphalodes scorpioides (Hnke.) Schrk. 

77, 82, 108. 
OnohrycMs viciaefolia Scop. 90. — 

sativa 90. 
Ononis hircina Jacq. 88, 90, 94. 
Onopordon acanthium 97. 
Orchideen 78. 

Orcliis incarnata L. 89. — militaris L. 86. 
Orohanche lutea Baiimg. 87. 
Orohus niger. 80. 

Oxalis acetosella L. 77. — stricta L, 96. 
Oxytropis pilosa (L.) DC. 99. 

jPans quadrifolia L. 79. 

Pedicularis ca^npestris Griseb. et Schk. 

99, 102. — Hacquetii Graf. 104. ~ 

Summana. 104. 



I'eplis portula L. 98. 

Petasitcs albus (Ii.) (Jiirtn. 78. - - hi/hn- 

dus (L.) 81. 
Veucedanum alsaticum L, 88, 90. — 

cermria (L.) Ciiss. 88, 90. — oreo- 

selinum (L.) Much. 80, 88. 
Phalaris arundinacea 91. 
Phleum phleoides (L.) Simk. 87. — 

Boehmeri. 87. 
Phlomis tuherosa L. 72, 87, 93, 90, 104, 

106. 

Phragmites commimisTvm. 84, 89, 90, 98. 
Phyteuma canescens W. K. 99, 102. 
Picea excelsa (Lara.) Lk. 80. 
Picris hieracioides L. 90. 
Pinns nigra Arn. 80. — silvestris 105. 
Pirola chlorantha Sw. 79, 108. — ro- 
tundifolia L. 79. — secunda L. 79. 
Pirus-Ai'ten IQ. 

Plantago lanceolata L. 90, 91. — major 

L. 90. — media L. 90. 
Piatanthera hifolia (L.) Rchb. 79. 
Poa podolica BJocky. 99, 102. — ^jm- 

tensis 87. 

Polygala comosa Schk. 88. — major 

Jacq. 103. — vulgaris L. 88, 90. 
Polygonatum latifolium (Jacq.) Desf. 

79, 82, 86. — m.ultiflorum (L.) All. 

79, 86. — officinale All. 79. 
Polygonum ampliibium L. 98. — avi- 

culare L. 97. 
Po'pulus tremula L. 76. — alba 83. 
Potamogeton crispus L. 98. — lucens L. 

98. — natans L. 98. — pusilhis L. 98. 
Potentilla alba L. 86, 94. — anserina 

L. 91. — arenaria Borkh. 91. — 

argentea L. 88. — chrysantha Trev. 

88, 94. — er6c^a (L.) Hampe 88. — 

patula W. K. 107. — supina L. 98. 

— thuringiaca. 94 
Primula acaulis. 81. — leucophylla Pax. 

108. — 'yms L. 86, 90. — vulgaris 

Ends. 81, 108. 
Prunus avium L. 76. — chamaecerasus. 

8* 



116 



Karl Rudolph. 



86. — fruticosa Fall. 86. — padus 
L. 76. ~ spinosa L. 86. 
Pulmonaria- Arten. 11. — angiislifolia 
L. 78. — officinalis L. 77. — mol- 
lissima Kern. 77, 78, 82, 83, 86, 90. 

— montana Lej. 78. 
Pulsatilla-AYtew. 104. 

Pj/creus flavescens (L.) Rclib. 97, 109. 

Quercus rolmr L. 76, 86, 100. — sessili- 
flora Salisb. 76, 100. 

Itanunculus acer L. 87,90. — aquatilis 
L. 98. — auricomus L. 78. — circi- 
natus Sibth. 89. — cassuhicus L. 78, 

82. — ficaria L, 77. — lanuginosus 
L. 79. — polyanthemos L. 90. ~ 
repens L. 91. — sceleratus L. 89. 

Rhamnus cathartica L. 76. — frangula 
L. 76. 

Pobinia pseudacncia L. 80. 

Poripa amphihia (L.) Bess. 89. — 

austriaca (Cr.) Bess. 84, 97. — sil- 

vestris (L.) Bess. 89, 97. 
Posa canina L. 88. — gallica L. 88. 
Pubus caesius L. 84. 
Pumex acetosa L. 89. 

Sagittaria sagittifolia L. 98. 
Salix alba L. 83. — caprea L. 76. — 
cinerea L. 76, 86. — fragilis L. 83. 

— purpurea L. 83. — triandra L. 

83. — viminalis L, 83. 

Salvia glutinosa L. 80, 81. — nemorosa 
L. 88, 90, 93, 96. — nwfaw« W. K. 
99, 101, 102. — pratensis L. 88, 90. 

— verticillata L. 88, 90, 96. 
Sambucus ebulus L. 79, 81, 97. — nigra 

L. 76. — racemosa L. 76. 
Sanicula europaea L. 79. 
Schoenoplectus lacustris (L.) Palla 98. 

— triqueter (L.) Falla 98. 
Scilla bifolia L. 76, 81, 86. 
Scirpus silvaticus L. 89, 98. 
Scleranthus annuus L. 91. 
Scopolia carniolica Jacq. 78, 82. 



Scor Sonera purpurea L. 99, 103. 
Scrophularia Scopolii Hoppe. 80, 82. 
Scutellaria altissima L. 72, 99, 100,102. 

— hastifolia L. 91. 
Sedum acre L. 91. 

Senecio alpestris 104. — Biehersteinii 
Lindem. 79, 103. — umbrosus W.K. 
79. — vernalis W. K. 96. 

Serratula heterophylla Desf. 99, 102. 

Seseli hippomarathrum L. 99, 102, 108. 

Sesleria Heufleriana Schur. 99, 100, 102. 

Silene chlorantha Ehr. 99, 102. — 
densiflora DC. 99, 102. - dichotoma 
Ehr. 99. 

Sisymbrium sopliia L, 91. 

Sium erectum Huds. 91. 

Solanum dulcamara L. 83. 

Sorbus aria (L.) Cr. 99, 108. 

Sparganium ramosum Huds. 91. 

Stachys germanica L. 88, 90, 94. — 
officinalis (L.) Trevis. 87. — palu- 
stris L. 90. — recta L. 87, 94. — 
silnttica L. 80, 84. 

Staptliylea pinnata L. 76. 

Stellaria graminea L. 90. — holostea L.79. 

Stipa capillata L. 99, 101. — pennaia 
L. 87, 99, 101. 

Stratiotes aloides L. 98. 

Symphytum cordatum W. K. 79, 82. 

— officinale L. 84, 90. — tuberosum 
L. 79, 81. 

Tanne 67. 

Taraxacum officinale Web. 90. 

Telekia speciosa. 104. 

Teucrium chamaedrys L. 88, 94. — 

montanum L. 99. 
Thalictrum angustissimum Cr. 88. — 

aqiiilegifolium L. 79. — minus L. 88. 
Thesium linopliyllon L. 88, 94. 
Thymus ovatus Mill. 88, 91. 
Tilia platypliylla Scop. 76. — cordata 

Mill. 76. 

Trifolium cdpestre L, 87. — montanum 
L. 88, 90. — pannonicum L. 86, 87, 



V(';4('t!iti()iisski/,/,(' (Irr II 



m<;(;ltiiii^- von O/cniowif /. 



93, 95, 99, 107. — pratnisc L. 89, 90. 

— repens L. 90, 91. 
Trinia Kitaibelii M. 15. Wo. 
Triselum flarcsccns (L.) Ii. vi 8cli. 87. 
Trolliiis curopaeus. 104. 
Tussilago farfara L. 91. 
Tijplia latifolia L. 98. 
Typhoides arundinacca (L.) M. 91. 

Vhnus campcslris L. 76. — vnr. sn- 

herosa. 100. 
Urtica dioica L. 91. 

1'aleriana ofßcinalis L. 90. 
Veratrum alhum L. 88, 90, 95. — ni- 

(jrum L. 103. 
Verhascum austriacum Schott. 97. — 

plioeniceiim L. 99, 101, 102. 
Vcronica anagallis L. 91. — hecca- 



liiouja L, 89. — dentata Sellin. 87. 

— ducqitini JJjuinif;-. 87, 93, KM, lOü. 

— montaiKi L. 80. — mnUifida 87. 

— of/icinalis \j. 80. pscudo- 
chaniacdri/s Jüctj. 88. — l'ciicrium. 
88. — serpyllifolia L. 91. - sjncnta 
L. 88. 

VUmrnum opuliis L. 76, 86. 

Vicia cracca L. 88. — silvatica L. 80. 

— villosa Roth. 96. 

Viola hirta L. 86, 91. — Jooi Junka. 
105, 108. — mirabilis L. 77. — pu- 
mila Chaix. 90. — silvestris Lam. 77. 

Viscaria viscosa. 87.— vulgaris Rölil. 87. 

Xantliium spinosum L. 97. — stru- 
mariiim L. 97. 

Zannichelia palustris L. 98. 



Zur Fauna einig^er Gebirg'sseen in Kärnten 

und Tirol. 

Von 

Dr. Otto Pesta. 

(Eiiigelaufen am 10. Oktober 1910.) 

Während seines in die Sommermonate des Jahres 1909 fallen- 
den Aufenthaltes in Kärnten hat Herr Dr. Karl Holdhaus, Assi- 
stent am k. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien, mehrere hoch- 
gelegene Alpenseen besucht und das dort gesammelte Material dem 
genannten Museum übergeben. Von den Entomostraken sollen im 
folgenden die von mir bestimmten Kopepoden besprochen werden. 

Gesammelt wurde im Fresenhalssee (ca. 2150 m) am Königs- 
stuhl^ gelegen auf dem Grenzkamm von Steiermark, Kärnten und 
Salzburg; im Speiksee (1822 m) der Koralpe, gelegen auf dem öst- 
lichen Grenzkamme Kärntens gegen Steiermark, ferner im oberen 
und unteren Mtihldorfersee (2333 m und 2281 m), einem Seitentale, 
der M(3ll zugehörig; endlich noch in zwei Tümpeln südlich des 
unteren Mühldorfersees. Auf diese Wasserbecken verteilen sich: 



118 



Otto Petza. 



1. Diaptomus denticornis Wrzski. 

Speiksee (1822m). Frühere Fundorte in Kärnten^): Lache 
bei St. Leonhard. 

Die Art ist als nordisch und hochalpin bekannt. Zschokke gibt 
bereits im Jahre 1900 die Fundortezahl 35 für die Hochalpen an; in 
die Höhenzone unter 1000 m fallen verhältnismäßig wenig Fundstellen. 

2. Diaptomus bacillifer Koelbel. 

Tümpel südlich des unteren Mühldorfersees (ca. 2200 m). 

Die Art wird von Steuer nicht verzeichnet und dürfte für 
Kärnten neu sein. 

Als Bewohner alpiner Wasserbecken ist D. bacillifer ebenfalls 
weit verbreitet; er steigt im Oberengadin (Prünas§ee) sogar bis 
2780 m. Wenn Zschokke in seiner „Tierwelt der Hochgebirgs- 
seen", S. 127 angibt, daß D. hacillifer „die eigentlichen Hochalpen 
nur im oberösterreichischen Langbathsee (675 m)" verläßt, so darf 
dies nicht mißverstanden werden; denn das Vorkommen des Kope- 
poden in der ungarischen Ebene (Teich beim Plattensee, 114 m) 
wird vorerst (S. 126) von ihm erwähnt. Koelbel stellte die Art 
nach Exemplaren aus dieser Gegend auf. Sie wird als „hoch- 
nordisch" und „arktisch" bezeichnet. 

3. Diaptomus spec. (bacillifer juven.?) 
Oberer Mühldorfersee (2333 m). 

4. Heterocope saliens Lillj. 
Fresenhalssee (ca. 2150 m). 

Die Art ist in Steuers Liste ebenfalls nicht genannt. 

Sie gehört, was die Anzahl der Fundorte betritft, zu den 
weniger häufigen Centropagiden. Zschokke gibt für die A-lpen 
fünf an; neuerdings wurde der Krebs von R. Monti in den Seen 
des Vigezzo- und Onsernonetales (Gebiet nordwestlich vom Lago 
maggiore) gefunden. Der Alkohol des mir vorliegenden Fang- 
fiäschchens, in dem sich H. saliens in weitaus überwiegender Mehr- 
zahl befand, war tief rot gefärbt, eine Erscheinung, die sicherlich 
auf ursprüngliche Färbung dieses Copepoden zurückzuführen und 
auch schon von Imhof und Monti beobachtet worden ist. 



^) Ich entnehme dieselben A. Steuers: „Liste aller bisher in Kärnten 
gefundenen Cladoceren und Copepoden", Carinthia, II, 87. Jahrg., 1897, S. 160. 



/in- I-'nuna <'iiii;4('r ( Jchirj^ssccn in Kiinilcti iind Tirol. 



5. Cyclops serrulatus Fischer. 

1^'resenlialssoe (cn. ^^150 iii), Ohorcr Miilil(lorfers(;e 1 2.'>:>.'Wii). 
Frühere Fundorte in Kärnten: WCuthersee (Vehlen), Ma^djihMiensec, 
Laehe bei St. Leonhard. 

Die Art ist kosmopolitisch und auch in den lfochal])en weit 
verbreitet. 

6. Cyclops strenuus Fischer. 

Fresenhalssee (ca. 2150 m). Frühere Fundorte in Kärnten: 
Ossiachersee, Weissensee, Faakersee, Magdalenensee. 

C. stremms bildet nach der Auffassung Zschokkes neben 
C. hiciispidatus, C. fuscus und C. vernalis das nordische Element 
der Gattung". Er bezeichnet die Art später geradezu als „typischen 
Glazialkopepoden" (Int. Rev. Hydr., V, 1, 1908, S. 226). Vielfache 
Untersuchungen über das Optimum der Fortpflanzungszeit von 
C. strenuus in der Ebene und im Gebirge lassen diese Benennung 
als sehr gerechtfertigt erscheinen. 

7. Cyclops vernalis Fischer. 

Speiksee (1822 m), Tümpel südlich des unteren Mtihldorfer- 
sees (ca. 2200 m), (?) Oberer Mühldorfersee (2333 m). 

Die Art wird von Steuer für Kärnten nicht verzeichnet. 
Während C. vernalis im Material aus dem Speiksee zahlreich ver- 
treten war, habe ich in dem der zwei anderen Fundorte nur je 
zwei Exemplare finden können. Da mir ihre Bestimmung für den 
Oberen Mühldorfersee nicht vollkommen einwandfrei gelang, ist 
dieser Fundort mit einem (?) versehen. Ich komme auf die Be- 
sprechung des selten zitierten Kopepoden im zweiten Teil dieser 
Ausführungen zurück. 

Das Material aus dem unteren Mühldorfersee, der übrigens 
dem Inhalt des Fangfläschchens nach sehr arm zu sein scheint, 
enthielt keine Kopepoden. Dagegen in größerer Anzahl eine Chy- 
(^öfws-Spezies. 

Nachträglich gab mir Herr Dr. Karl Holdhaus über die Be- 
schaffenheit der erwähnten Lokalitäten einige mündliche Auskünfte, 
die ich hier beifüge. Der sehr seichte Speiksee, dessen Boden 
teils steinig, teils schlammig ist, wird häufig von Vieh besucht und 
gedüngt. Sein Zuflußgebiet besteht aus krystallinen Schiefern. 
Ebenfalls von sehr geringer Tiefe (2—3 m) ist der klare, zum großen 



120 



Otto Petza. 



Teil sandigen Grund besitzende Fresenlialssee; auch er wird stets 
von Vieh aufgesucht. Quarzreiche Karbonkonglomerate setzen seine 
Umrahmung zusammen. Dagegen sind sowohl der obere als auch 
der untere Mühldorfersee, welche beide von Schutthalden umgeben 
sind, die sich bis in den Seegrund fortsetzen, sehr tief und als 
Viehtränke ungeeignet. Von den zwei Tümpeln südlich des unteren 
Mühldorfersees beherbergt der eine, sehr seichte, schlammige und 
stark gedüngte zahlreiche Kopepoden, während der etwas tiefere 
zweite, dessen Boden mit Steinplatten bedeckt ist, nicht gedüngt 
wird und fast keine Kopepoden (siehe Cyclops vernalis) enthält. 

Bei einer Wanderung in den Alpen Tirols bot sich mir selbst 
die Gelegenheit, aus einem hochgelegenen Gebirgssee zu sammeln. 
Derselbe ist infolge seiner geringen Ausdehnung auf den Karten 
nicht eingezeichnet, wird aber von Bewohnern der Gegend häufig 
als „Schlickersee" genannt. Er liegt nahezu 2500 m hoch — somit 
in der subnivalen Region — in einem Kaare am Südabhang des 
Seejöchl (2525 m), das einen Übergang vom Stubaital (Starken- 
burgerhütte des D. u. Ö. Alpenvereins) zum Senderstal (A. Pichler- 
hütte des Akad. Alpenklub Innsbruck), einem Nebentalc Seilrains, 
bildet. Seine Größe beträgt 125 Schritte an Länge und 70 Schritte 
an Breite. Der Höhenzug der umgebenden Gebirge gehört der 
Kalkformation an, während ihr Grundstock aus Urgestein besteht. 
Ziemlich mächtige Schieferblöcke lagern am Seeufer und auch im 
See selbst, und im Detritus, der bei den Fängen im Netz blieb, 
konnte ich deutlich Glimmerblättchen wahrnehmen; nur gegen Nor- 
den und Nordwesten reichen steile Kalkgeröllhalden bis gegen die 
ßergspitzen hinauf. Von letztgenannter Seite erhält der See auch 
seinen kargen Zufluß, der als Schmelzwasserbach unter einem kleinen 
Schneefeld hervorkommt. (So verhielt sich die Situation dieses Jahr 
am 13. August; soweit mir jedoch aus früheren Jahren mit wär- 
meren Sommermonaten erinnerlich ist, war um dieselbe Zeit jeder 
Schnee bereits verschwunden. Nach Aussage des Hüttenwartes hat 
der See heuer in den ersten Augusttagen seine Eisdecke verloren.) 
Am Südende zieht ein Abflußbach gegen das Stubaital. 

Die Wassertemperatur betrug in der Zeit von 8 — 10 Uhr vor- 
mittags sowohl an der Oberfläche wie in einer erreichten Tiefe von 



Zur l'\'iiinn ('iiii<j:('r ( Jcilnr^SMc«'!! in Kiinilcii iin<l Tirol. 



2*20 in 5-6° C. der See gv^on die Soniioiibalm (Vci lic«;t, ho 

werden sieh hei seluhiein Wetter die (Jrade li(>her helaufeii. Doch 
dlh'l'te die von Zsehokke für einen Sehniel/vvjisscM'sec; an^e^.'(^])enc 
Temperatur von 8 — 12° C. nicht lihcrschrittcn werden. Für den 
Zufhiß wurden nur 13° C. gemessen. Die Ufer des Sees sind 
seiclit, ausgenommen einige Stellen seiner westlichen Seite. Hier 
wie in der Seemitte verrät schon die Färbung des Wassers größere 
Tiefen; außerdem konnte ein für die geringe GriHie des Sees be- 
deutender Wellenschlag beobachtet werden. 

Die Vegetation der Seenfer sowie die Wasserflora selbst erwies 
sich als sehr spärlich. Schleimige grüne Algenüberziige an Steinen waren 
die gesamte vom Ufer aus nachweisbare aquatile Vegetation. Der 
feinsandige, meist nur von größeren Steinen belegte Seegrund machte 
einen sehr reinliehen, wenig zu Pflanzenwuchs geeigneten Eindruck. 

Aus dem des ungünstigen Wetters wegen nur kurzen Besuch 
ergab sich folgendes Sammelresultat: 

1. Cyclops vernalis Fischer. 

Zahlreiche Exemplare, rosa gefärbt, darunter meistens eiersack- 
tragende Weibchen. 

Über das Vorkommen dieses Cyclopiden ist bisher nicht über- 
mäßig viel bekannt. Für Tirol zitiert ihn nur Heller 1870 (Igels 
bei Innsbruck)^ während ich ihn weder von Brehm noch von Brehm 
und Zeder baue r erwähnt finde. Zsehokke kennt ihn aus den 
Seen des Rhätikon (Partnunsee, 1874 m, Lünersee, 1943 m, See an 
den Kirchlispitzen, 2100m^Tilisunasee, 2102 m, Garschinasee, 2189 m, 
Gafiensee, 2313 m). Über das zuletzt angeführte Wasserbecken findet 
sich übrigens eine interessante Bemerkung in Zschokkes „Fauna 
hochgelegener Gebirgsseen" (Verhandl. naturf. Gesellsch. Basel, 1897, 
11. Bd., S. 58): „Der Gafiensee, ein hochalpines Gewässer von 
mäßigem Umfang, liegt in einer Höhe von 2313 Metern auf der ober- 
sten, von Felstrümmern bedeckten Stufe des Gafientales im östlichen 
Rhätikon. Er fällt in die Berührungslinie von Kalkgebirge und 
krystallinen Schiefern. Seine Ufer sind nur teilweise und ziemlich 
spärlich bewachsen; im Wasser selbst fehlt jede bemerkenswerte 
Vegetation." Diese Verhältnisse stimmen auffallend mit jenen über- 
ein, wie sie vorhin für den Schlickersee geschildert worden sind; 
vielleicht darf man ihnen für das Auftreten dieser Cyclops-kxi eine 



122 



Otto Petza. 



Bedeutung zukommen lassen. C. vernalis, außer aus Deutschland 
und Frankreich^ auch aus Schottland, Finnland und Neusibirien 
bekannt, scheint nach Beobachtungen Richards und Zschokkes 
eine stenotherme Form zu sein. Von Claus wurde er in den Höhlen 
von St. Canzian nachgewiesen. 

2. Lynceus afünis Leydig. 

Synonym mit Keilhacks Älona quadr angularis var. affinis 
(Leydig) und Älona affinis anderer Autoren. 
Zahlreiche Exemplare. 

Für Tirol erwähnt Brehm diese sonst weit verbreitete, in 
Ebene und Gebirge gleich häufige Lynceide nur aus einen kleinen 
See bei Nassereit (Nordtirol). 

3. Chydorus sphaericus 0. F. Müller. 
Zahlreiche Exemplare. 

Von anderen Fundstellen in Tirol sind bekannt: Hinterfinster- 
talersee (ca. 22.50 m), Lanser Moor (800 m), Kleiner See bei Nasse- 
reit (Nordtirol), Rittersee bei Brixlegg, Pillersee, Reintalersee (558 m), 
Bergisteinersee, Zirmsee (2500 m). 

Die Art ist unter den tierischen Siißwasserbewohnern der 
Kosmopoht kat exochen und ist als solche schon von Zschokke 
mit dem Namen „unvermeidlich" belegt worden. 

Außer den aufgeführten Entomostraken fing ich noch mehrere 
Exemplare von Pisidium spec, eine Schwimmkäferlarve, einen 
Schwimmkäfer (Ägahus solieri) und mehrere Insektenlarven (darun- 
ter Chironomus spec). 

Nachdem über die Tierwelt der in der subnivalen und nivalen 
Region gelegenen Seen Tirols im Gegensatze zur Schweiz sehr 
wenig bekannt ist, wäre eine im größeren Stile durchgeführte Er- 
forschung dieser Wasserbecken lohnend und wertvoll. 

Vielfache Anregung und Einblick in die Literatur gab mir 
Herr K. v. Dalla-Torre, üniversitätsprofessor in Innsbruck, wofür 
ich an dieser Stelle meinen besten Dank ausspreche. Besonders ver- 
pflichtet bin ich ferner meinem Bruder Dr. Theodor Pesta, k. k. 
Professor in Bozen, der sich trotz Ungunst der Witterung nicht ab- 
halten ließ, mir bei der Aufnahme der Lokalität in mehrfacher 
Weise die Arbeit zu erleichtern. So stammen alle Messungen von 
ihm. Ich danke ihm auf das herzhchste. 



Neue, nicudiiartcn von ^^M•|ll().s.•l iiiid aus Cliiiia ( Kanton ). 

Neue Bienenarten von Formosa und aus 
China (Kanton). 

Von 

Dr. H. Friese 

in Schwerin i. M. 
(Eingelaufen am 15. November 1910.) 

Nachdem mir nun auch von China die erste Sendung- Bienen 
und Hummeln 7Aigeg'angen ist, kann ich im Anschluß an meine Mit- 
teilung in diesen „Verhandlungen" ^) auch über die Verwandtschaft 
und den eventuellen Ursprung der Apiden von Formosa eingehen. Die 
Bienenfauna von Forniosa zeigt keine Beziehung zum japanischen 
Inselreich, wohl aber hat es eine Anzahl gleiche und vikariierende 
Formen mit China (Kanton), wie Nomia proxima (N. planiventris), 
Geratina imicolor, Xylocoj^a collaris, Megachile havhanae,^) Coelio- 
xijs afra und C. fulviceps gemeinsam, während die Hauptvertreter 
der orientalischen Region auch nicht fehlen, als: Nomia ellioti und 
N. thoracica, Xylocopa dissimilis und Xylocopa splendidipennis, An- 
thopJiora Donata, Crocisa ceylonica und Lithurgus atratus. 

Jedenfalls sprechen obige Daten für ein einstmaliges Zusammen- 
hängen der Insel Formosa mit dem nahen Festlande (im Tertiär), 
während die Anzeichen der faunistischen Beziehung zum Japanreich 
und wohl auch zu den Philippinen fehlen. 

Hoffentlich hören wir bald eingehender über die Bienenfauna 
von Formosa und vor allem von China. 

Nomia mirahilis nov. spec. cf. 

Durch die groteske Bewehrung der Beine III isoliert stehende 
Speeles. 

cT. Schwarz, gelblichgreis behaart, Kopf und Thorax fein und 
dicht runzelig punktiert, matt, Gesicht dicht graufilzig, innere Augen- 



^) Vgl. Bd. LX, Jahrg. 1910, S. 404-410. 

^) Auch Megachile- Arten aus der Gruppe der Megachile bicolor F. 



124 



G. Friese. 



ränder stark nach vorne konvergierend, Mandibelende rotgelb, An- 
tenne schwarz, unten in großer Ausdehnung gelb, 2. Geißelglied = 3. 
Abdomen fein und dicht runzelig punktiert, Segment 1 — 2 mehr 
grün behaart, 3 — 7 spärlich dunkelbraun, Segment 1—6 breit rot- 
gelb durchscheinend mit weißen Filzbinden, 7 dreieckig mit roten 
Rändern und mitten in breiten roten Zapfen auslaufend. Ventral- 
segment 1 — 3 fast glatt, glänzend, 3 mitten in dreieckigem Lappen 
nach hinten verlängert, der aber dem 4. Segment fest anliegt, 
4 fein runzelig punktiert und hell behaart, 5 dunkel behaart mit 
deutlichem Kiel und kurzen Seitenrippen bewehrt. Beine rotbraun 
bis rot, weißlich behaart, Tarsen gelb, Klauenglied schwarz. Beine II 
mit stark verlängerten Tarsen, Klauenglied jederseits durch schwarze 
Bewimperung tellerartig verbreitert. Beine III stark deformiert und 
bewehrt, Trochanter kantig, nach hinten mit Dorn, Femur kolossal 
verdickt, halbkugelig, Rand der unteren Fläche vorn und hinten 
mit je einem Zacken, Tibie III verdickt und verkrüppelt, fast kürzer 
als der Metatarsus, an der Basis quer, verbreitert, jederseits mit 
Zahn, dann winkelig umgebogen, dreikantig dem Ende zu fast ver- 
schmälert und innen in große weißgelbe Lamelle ausgezogen, die 
gezackte Ränder hat; Calcaria fehlen, dafür die Lamelle entstanden, 
Metatarsus fast parallel, linear, Flügel fast hyalin mit getrübtem End- 
rande, Adern und Tegulae gelbbraun. — Länge 11 mm, Breite 3 mm. 

cT von Takau im Dezember, Saut er leg. — Formosa 
(Ostasien). 

JV^omia planiventris iiOY. spec. cT. 

Der Nomia cJialyheata Sm. und Nomia simplicipes Friese aus 
China verwandt, aber größer, Flügelrand schwarzbraun, Ventral- 
segmente und Beine III anders bewehrt. 

. Schwarz^ schwach gelblich behaart, Kopf und Thorax fein 
punktiert, glänzend, Gesicht dicht braungelb befilzt, Clypeusbasis 
schwach gekielt, Antenne schwarz, erreicht das Thoraxende, 2. Geißel- 
glied so lang wie ^2 dritten; innere Augenränder stark nach 
vorne konvergierend; Mesonotum mit drei schwachen eingedrückten 
Längslinien, Scutellum zweibeulig, grober und sparsamer punktiert. 
Abdomen dicht und ziemlich grob punktiert, Segment 1 — 2 er- 
kennbar gelbbraun behaart, 3 — 6 sparsam und kurz schwarzbraun 



Nciu» nicnciKirtcn vom Foniiosn und ;iii,s ('liiiia (Kaiilon). 



125 



behaart, 2 — 5 mit ziciiilicli breiten, ^elbrot ^erilrbteii, stellenweise 
griin seliillernden Hindeii am ICndraiid, — 7 sclivvar/>, 7 br(^it, eeki^, 
mitten ausi»ebuclitet; Vcntraisei^iiiente punktiert, mit glatter liasis, 
4 sehr vergriHiert, fast quadratiaeh, kurz gelblich ^^^efranst, mitten 
rund ausgesehnittcn, in diesem Ausschnitt ragt der schwarze Basal- 
dorn des ö. Segmentes hervor, 5 — 6 tief zurückliegend, konkav und 
gelblich gefärbt. Beine schwarz, gelblich behaart, Tibic III innen 
in großen, dicken, dreieckigen Zahn verlängert, der die beiden 
Calcar trägt, Tibienbasis beim ersten Drittel mit großem dreieckigen 
Zahn. Flügel gelblich getrübt, mit breitem schwarzbraunen End- 
rand, Adern und Tegulae braun. — Länge 14 mm, Breite 4 nnn. 
von Tainan (Formosa), Sauter leg. 

Nom/ia proxima nor. spee. cT. 

cf. Fast \Y\e Nomia jüaniventris^ aber Gesicht schwach befilzt, 
so daß der Clypcuskiel glänzend schwarz hervortritt, Antenne kurz, 
erreicht nicht das Scutellum; Abdomen sparsam und mehr gelb- 
braun behaart, Segmentbinden auf 2—5 viel schmäler und grünlich. 
Beine schwarzbraun, fast unbewehrt, nur Tibie III innen in schmalen 
Zahn oder Dorn verlängert, die Basis also ohne Zahn. Flügel 
gelblich getrübt, Adern und Tegulae braungelb, Endrand hyalin, 
nur äußerste Spitze der Vorderflügel mit rundlichem schwarzbraunen 
Fleck. — Länge 13 mm, Breite 3 5 mm. 
von Cauton, China. Meli leg*. 

Da Nomia proxhna fast vollkommen in den Körperformen mit 
Nomia planiventris übereinstimmt, so haben wir sie wohl als Sub- 
spezies (geographische Art) aufzufassen, wo sie als vikariierende 
Form ihren Platz findet. 

Xylocopa cJdnensis nov. spec. cf, $. 

Isoliert stehende Spezies von hummelartig behaartem Aussehen, 
Abdomen lang abstehend gelbbraun, schwarz und rot behaart. 

cT. Schwarz, schwarz bis schwarzbraun behaart, Kopf klein, 
ca. ^/g der Thoraxbreite erreichend, Gesicht gelb weiß, und zwar: 
Clypeus, StirnschildcheD, Nebengesicht bis über die Antennenwurzel; 
die weißgelben Partien mit einzelnen langen schwarzen und ge- 
fiederten Haaren besetzt. Mandibelende und Clypeusrand rotbraun, 



126 



G. Friese 



Labrum grob gerunzelt, mit glattem, erböhtem Mittelfeld, Antenne 
sebr lang, scbwarz, unten gelbbraun, Glied 3 = 4, Endglied scbräg 
abgestutzt. Mesonotum grob punktiert, mit glattem, vorne tief ge- 
furcbtem Mittelfeld, Area fein netzartig gerunzelt, mit einzelnen 
flachen und großen Punkten, Pronotum schwach gelblich behaart, 
sonst der Thorax dicht und lang schwarz behaart. Abdomen sehr 
lang und dicht hummelartig behaart, punktiert, schw^ach glänzend, 
Segment 1 — 2 gelblich behaart, 3—4 fast schwarz behaart, 5 — 7 rot 
behaart. Ventralsegmente lang schwarzbraun behaart, 5 — 7 rot be- 
haart. Beine schwarzbraun, alle Tarsen verlängert, schwarz behaart, 
Tibie I und Tarsen lang gelblich behaart, Tarsen II rot, mehr rot- 
braun behaart, Femur III verdickt, dreikantig, an der Basis unten 
mit breitem Höcker und ausgebuchtet, Tibie dreikantig, außen rot 
behaart, in der Mitte außen und am Ende mit stumpfem Dorn, 
innen mit großem, rotem, kugeligem Höcker, davor tief ausgerandet, 
Tarsen III rot, sehr lang rot behaart; Calcar fehlen an Bein III. 
Flügel gelblich getrübt, mit dunklem Endrand, Adern schwarzbraun, 
Tegulae fast schwarz. — Länge 21 — 22 mm, Breite des Thorax 
10*5 mm, des Abdomens 12 mm. 

Ein 9 von China, Provinz Fo-kien, Siemssen leg. — Type 
im Museum Hamburg. 

Ceratina unicolor nov. spec. 9. 

Große schwarze, fast einfarbige Art. 

9. Schwarz, stellenweise schwach gelblich behaart; Kopf und 
Thorax punktiert, Gesicht sehr grob, aber sparsam; Clypeusscheibe 
mit orangegelbem, eiförmigem Fleck. Thorax ganz schwarz, Scu- 
tellum dicht und fein punktiert, Area fein längsrunzelig. Abdomen 
ziemlich dicht punktiert, Segment 1 glatt, glänzend, nur vor dem 
Hinterrande punktiert, Segment 5—6 grobkörnig gerunzelt, matt; 
Ventralsegmente punktiert, 2 — 3 mit fein skulpturierter matter 
Basis. Beine schwarz, Scopa w^eißlich, Tibienende mit Außendorn 
und Tibie III auch mitten bedornt, Calcar gelbbraun. Flügel ge- 
bräunt, besonders dunkel die Radialzelle und der Außenrand. —- 
Länge 9 — 9*5 mm. Breite 2 75 mm. 

9 von Kosempo (Formosa), Sauter leg. und von Kanton 
(China), Meli leg. 



Neue IU(MUMi;u-t(Mi von l'\)nii(>Ma iiiid .iii.s (.'Iiiii.i ( K.iiif oii). 



127 



Attthophord hmconia uov. spee. cf, 9. 

Der A)illi(>f)hor(i accrvonm L. illmlicli, aber stru|>pi^- und ah- 
stt'liend beliaart, Abdomen einfarbig* behaart, Olypeus vorragend, 
hoch gewölbt. 

9. Schwarz, graugelb lang und struppig behaart, mit vielen 
eingemengten schwarzen Haaren; Kopf und Thorax fein punktiert, 
glänzend, Clypeus stark aufgeblasen, vorragend, mehr runzelig und 
grober punktiert, vor dem Ende mitten mit kleinem, gelbem Fleck, 
Labrum höckerig gerunzelt, jederseits mit rundlichem, gelbrotem 
Fleck an der Basis, Mandibel mit gelbroter Basalhälfte; Antenne 
schwarz, unten rotbraun, 2. Geißelglied = 3 -|- 4 -f- 5. Abdomen 
mehr rotgelb bis braungelb lang behaart, Segmente ohne Binden- 
behaarung, Analplatte rotbraun; Ventralsegmente fein und sparsam 
punktiert, lang gelblich, mitten aber rotbraun gefranst mit rot- 
häutigen Rändern; Kopf und Thorax unten laug weißlich behaart. 
Beine rotbraun gefärbt, Tibie außen graugelb bis braun behaart, 
Scopa schwarzbraun, oben rotgelb, auf dem Metatarsus fast ganz 
schwarzbraun. Flügel getrübt mit dunklem Rande, Tegulae braun, 
Adern schwarzbraun. — Länge 14 — 15 mm, Breite 5 mm. 

cf wie 9, aber Clypeus mit breiter gelber Mittellinie und 
gelber Basis sowie gelbem Ende, Mandibelbasis und Antennenschaft 
vorne gelb, Wangen linear, Antenne länger, rotgelb geringelt. Ab- 
domen mit hellen Segmenträndern, daher bandiert auf 2 — 5; Tarsen 
verlängert, sonst unbewehrt. — Länge 12 mm, Breite 5 mm. 

2 cT und 5 9 von Tainan (Formosa), Saut er leg. 

AntliopJiora smiteri iiov. spec. 6". 

Durch den vorragenden Clypeus mit Antliopliora hticconis ver- 
wandt. 

cf. Schwarz, Kopf und Thorax gelb behaart, Scheitel und 
quere Thoraxbinde schwarz behaart; Mandibel rotbraun, Antenne 
erreicht das Scutellum, gekerbt erscheinend, Schaft kurz, dick und 
lang struppig behaart, 2. Geißelglied = 3. Scutellum lang büschel- 
artig behaart. Abdomen rot bis rotbraun, dicht rotgelb befilzt, 
Segment 6 — 7 stark zugespitzt und viel schmäler als sonst bei 
ÄntJiopJiora. Ventralsegmente punktiert, rotbraun, dünn behaart. 



128 



G. Friese. 



Beine rotbraun, gelblicli bebaart, Tarsen dünn, aber verlängert. 
Flügel stark getrübt, mit dunklem Rand, Adern und Tegulae braun. 
— Länge 14 mm, Breite 4 5 mm. 

cf von Tainan (Formosa), Saut er leg. 

Coelioxys fulviceps iiov. spec. $. 

9. Schwarz, gedrungen, sparsam weißlich behaart, Gesicht 
und Clypeus dicht gelbbraun bis rotgelb behaart, Kopf und Thorax 
sehr grob runzelig punktiert, fast wulstig skulpturiert, Mandibel 
stark gerieft, am Ende zweizähnig; Antenne schwarz, erreicht das 
Scutellum, Scutellum besonders stark gewulstet, auch die beiden 
dicken Seitendorne, Mitteldorn fehlt. Abdomen sparsam, aber tief 
punktiert, sonst glatt und glänzend, Segment 1 — 5 mit sehr feinen 
einreihigen Schuppenbinden am Endrande, 6 kurz gedrungen, spitz 
auslaufend, schwach gekielt, vor dem Ende jederseits mit seichtem 
Eindruck. Vcotralsegmente 1 — 5 schwach gefranst, Endsegment 
gekielt, gelbfilzig, wie das obere kurz, gedrungen, spitz, vor dem 
Ende eingeschnürt und schwach gezähnt.^) Beine schwarz, gelblich 
behaart, Tarsen unten braungelb beborstet, Calcar gelbbraun. Flügel 
fast hyalin, mit breitem, blauviolettem Rand, Adern schwarzbraun, 
Tegulae schwarz. — Länge 12 mm, Breite 4 mm. 

Q von Tainan (Formosa), Sauter leg. und 3 9 von Kanton 
(China), Meli leg., Juli 1910. Der Coelioxys fulvifrons Smith cf 
von Celebes offenbar nahestehend, die aber nur im in: Journ. 
Proc. Linn. Soc. Zool., III, 1858, p. 7 beschrieben wurde. 



1) Man vergleiche Friese, Bienen Europas, Bd. I, S. 63, Abbildung-, 
aber unteres Segment ist bei Coelioxys fulvicejjs breiter, dreieckig und über- 
ragt kaum das obere. 



Bemerkunj>en zur Sfapli} linidcnstiMlici des IIimtm Jnlznilkov.sky 



121) 



Bemerkungen zur Staphylinidenstudie 
des Herrn Jatzentkovsky. 

(Rev. Russ. d'Eiit., 1910, 80—85.) 
Von 

G. Luze (Wien). 
(Eingelaufen am 15. Oktober 1910.) 

1. Herr Jatzentkovsky erklärt die Staphylinidenart aS'^)/??/- 
Umis (Irklioderma) glasunovi ra. (Hör. Soc. Ent. Ross., 1904, 19) 
für identisch mit Staphylimis sihiricus Gebl. (Ledeb., Reis. App. 
III, 71). 

Ich sah durch die Güte des Herrn L. v. Heyden aus dessen 
Sammlung- zwei als sihiricus Gebl. bezeichnete Exemplare aus Tur- 
kestan, die zweifellos mit meinem glcmmovi identisch sind. Die 
zweifellose Identität beider könnte wohl nur nach Vergleich mit 
einem typischen sihiricus festgestellt werden. Falls die Identität 
Tatsache ist, dann steht derzeit die Art an unrichtiger Stelle im 
Systeme, denn meine Art ist ein echter Staphylinus im Sinne 
Gangibauers, nicht aber ein Oniholestes Gangib. {Leistotrophus 
Kraatz). 

2. Herr Jatzentkovsky gibt der Staphylinidenart Bryoporus 
gracilis m. (in diesen „Verhandlungen", Jahrg., 1903, 237) den 
Namen tirolensis, weil Sharp eine Art aus Japan als Brycliaris 
gracilis beschrieben hat (Ann. Mag. London, 1888, 460). 

Da meine Art ein Bryojjorus Kraatz ist, welches Genus sich 
ganz wesentlich von Bryocharis Boisd. unterscheidet, ist eine Neu- 
benennung dieser Art ganz unbegründet. 

Der Name Bryoporus gracilis m. ist solange als zurecht be- 
stehend zu betrachten, als nicht die Sharpsche Art nachweislich 
in das Genus Bryoporus Kr. zu stellen ist. 

3. In meiner Arbeit: „Neue paläarktische Arten der Staphy- 
linidengattung Anthohium Steph." (in diesen „Verhandlungen", 
Jahrg. 1910, 226—245) ändere ich den Namen Anthohium frater- 

Z. B. Ges. 61 Bd. 9 



130 



G. Luze. 



num in Änthohium improvisum^ da Casey ein Änthohium fraternum 
aus Nordamerika beschrieben hat (Ann. New -York, 1893, 432). 

4. Schließlich bemerke ich zu obgenannter Arbeit, daß die 
Arten iniprovistmi m. und puncticeps m. zuerst von Dr. L. v. Heyden 
in Spanien gesammelt wurden und die Exemplare dieser Arten in 
den älteren Sammlungen aus dem Materiale L. v. Heydens stammen. 



Über Gorytes'krtm aus Südafrika. 

Von 

Dr. H. Brauns 

in "Willowmore im Kaplande. 
(Eingelaufen am 10. November 1910.) 

Gorytes vicarius Haiidl. yar. Imrooensis m. 9. 

Von dieser im männlichen Geschlechte durch Handlirsch, 
von mir (Annalen des k. k. naturhist. Hofmuseums, 1899) in cT, 9 
beschriebenen Art fing ich bei Vi^illowmore (Kapland) in der Karoo 
ein großes 9, bei welchem die Beine außer Hüften und Trochan- 
teren ganz braunrot sind, während die an der Küste bei Port 
Elizabeth gefangenen Exemplare der Stammform ganz schwarze 
Beine haben, an denen die vier vorderen Schienen beim 9 pechbraun, 
beim cJ" etwas heller erscheinen. Ferner ist der Fleck des 5. Seg- 
ments breit bindenartig, erreicht aber die Seitenränder nicht. Außer- 
dem ist der herzförmige Raum unregelmäßig wellig gerunzelt, meist 
in der Längsrichtung, während die Stammform deutliche und gerade 
Längsrunzelstreifen aufweist. Da es nicht unmöglich ist, daß bei 
Kenntnis des cf die hier gefangene Varietät Artrechte erwirkt, so 
bezeichne ich sie mit obigem Namen. 

9, Willowmore, 5./I. 1903. 

Gorytes rufithoradc m. iiov. spec. d", 9. | 

Diese neue Art ist die zweite der Gruppe des Gorytes elegans 
Lep. aus der Fauna des südafrikanischen Gebietes. 



Uber (u)ri/fr.<i-Arivn :iuh SiidiilViU.-i. 



131 



9. Schwarz, rotl)niun sind am Kopfe eine ((ucrc Iliiitcrlianpt- 
l)in(le, wclclic obeilialb des oberen Netzaui;eiinin(le.s gerade und (|iier 
über den Kopf sieb erstreckt, den iiinterrand des Kopfes frei lassend 
und sieb an die Oberränder der Augen anlegend bis etwa zur Hälfte 
derselben reicht. Der Thorax mit dem Collare^ und zwar Scutelluni 
und Metanotum sind ganz rotbraun, die Vorderbrust und die unteren 
FA'ken der Mesopleuren sowie die Mittelbrust schwarz. Die Mcta- 
pleuren und fast die ganzen Seiten des Mittelsegments sind braun- 
rot. Zuweilen sind auch außer dem Wurzelteil der Kiefer der 
Kopfschild und ein damit zusammenhängender dreieckiger Stirn- 
fleck zwischen den Fühlern braunrot oder der Clypeus gelblich 
mit rötlicher Mitte. Gelbweiß sind die Oberlippe, der Fühlerschaft 
vorn, eine ziemlich gleichbreite, bis zu ^/g der Höhe reichende Längs- 
makel am inneren Augenrande, eine seitlich stark verbreiterte, also 
ähnlich wie bei lunatus und laesis geformte Hinterrandbinde des 
2. Tergits sowie das 5. Tergit. Auf der Bauchseite sind keine dieser 
Binden fortgesetzt, das 2. Sternit schwarz oder bräunlich. Auch 
die Färbung der Beine variiert von pechschwarz mit roten Knien 
der vier vorderen und roten Innenseiten der Schienen zu pechrot 
mit variabler schwarzer Färbung der Oberseite der Schenkel. Fühler 
pechschwarz mit Ausnahme der Vorderseite des Schaftes. 

Die Ausdehnung der roten Farbe variiert sicher, die der 
weißen scheint konstant. 

cT. Die roten Färbungen des Hinterhauptes, der Mesopleuren 
und des Mittelsegments neigen zum Verschwinden und sind in diesen 
Teilen zuweilen nur angedeutet. Der Fleck am inneren Augenrand 
ist dreieckig, nach oben verschmälert. Fühler pechbraun, oben 
dunkler. Bei den helleren Exemplaren sind auch die Beine rot 
mit schwärzlicher Oberseite der Schenkel. 

Skulptur: 9. Innere Augenränder parallel. Obergesicht mit 
sehr feiner mikroskopischer Grundpunktierung und zerstreuter gröbe- 
rer Punktierung, matt. Hinterhaupt und Schläfen zerstreut und 
seichter punktiert, mit kaum nennenswerter Grundpunktierung. Ober- 
seite des Thorax flach und unregelmäßig runzelig punktiert mit ein- 
gestreuten mikroskopisch feinen Punkten, ebenso Scutellum und 
Metanotum. Mediansegment deutlich querrunzelig, an den Seiten 
mit breiten Zwischenräumen, abschüssiger Teil mitten mit Längs- 

9* 



132 



H. Brauns. 



kiel. Herzförmiger Raum gut begrenzt^ läiigsrunzelig. Die Runzeln 
biegen sich im unteren Teile nach den Seiten zu. Tergite glänzend, 
2. Tergit mit zerstreuter Punktierung und einer sehr feinen und 
dichten Punktierung dazwischen. Auf den hinteren Tergiten fehlt 
die zerstreute stärkere Punktierung und nur die feinere ist aus- 
geprägt. Hinterränder der ersten beiden Tergite kaum punktiert. 
Auf dem ersten Tergit stehen nur nach vorne sehr zerstreute stärkere 
Punkte. Pygidium dreieckig, glatt und glänzend, mit einzelnen 
nadelrissigen Punkten, die Seiten sehr fein erhaben gerandet. 

Die die Mesopleuren von der Mittelbrust trennende erhabene 
Kante ist deutlich bis zur Wurzel der Mittelhüften. Die Mesopleuren 
sind sporadisch und groß, ziemlich flach punktiert, glänzend und 
ohne nennenswerte feinere Grundpunktierung, die Epimeralfurche 
deutlich, die Episternalfurche nach unten verschwindend. Vor- 
deres Epicnemium deutlich abgegrenzt, mehr weniger glatt und 
glänzend. 

(f. Zehntes Fühlerglied deutlich ausgebuchtet, die folgenden 
beiden schwach. Letztes Fühlerglied am Grunde gleich dick wie 
das vorletzte, dann ziemlich schnell nach der Spitze zu verengt. 

Das ganze Tier ist in beiden Geschlechtern anliegend weiß- 
lich behaart. Diese Behaarung ist am Kopf und Thorax ziemlich 
dicht und verbirgt die Skulptur sichtlich. 

Beim 9 sind die Metatarsalwimpern der Vorderbeine lang und 
weiß. Bedornung der Beine schwach, weißlich. 

Flügel hyalin mit schwarzen Adern, Stigma gelbweiß. Kubital- 
queradern parallel. 

Es wurden zur Beschreibung 2 cf und 3 9 verwendet, welche 
im Oktober und November bei Willowmore (Kapkolonie) von mir 
gefangen wurden. 

Govytes Krae^Jlini Brauns. 

Diese von mir 1. c. beschriebene, zur hilumdaUis-Grui^pe ge- 
hörige Art kommt an der Küste bei Port Elizabeth vor, in der 
Stammart mit roten Beinen. In der Diagnose steht „Fedes fnsci". 
Es muß jedoch „pedes fulvi" heissen. Hier bei Willowmore fing 
ich 1 cT, bei welchem die Hinterschenkel schwarz, die Hinterschienen 
pechbraun sind. 



riior < }(n\i/fc\ Aric.u .ms SiiduliiU.-i. 



(ii^rtitvs cjj'fff/icus III. IHM. spcc. , 

(Jeli(>rt in die Gruppe von (}or(//<'>> sj)lrn(/i<lfis Mandl, und )iaki- 
h'Hsis Sni. Die Art ist dureli tbli;ende (Jruppennierkniale aus- 
iie/eiclinct. Augen stark konvergent, Kühler einfaeli, seidank. Mittel- 
segment glatt und glänzend. Naht zwisehen Dorsulum und Seutellurn 
groß gruhig punktiert. Segment 1 sehmal und lang, vom 2. deut- 
lich abg-esetzt. Hinterleib glatt. Vordertarsen des 9 mit Cilien. 

9. Kopf groß mit stark nach dem Clypeus konvergierenden 
Allgen. Scheitel konvex. Die Naht zwischen Scutellum und Dor- 
sulum mit einer queren Reihe grubiger und dicht stehender Punkte. 
Erstes Fiihlerglicd etwas kürzer als das dritte. Flügel groß, an 
der Wurzel und am Vorderrand der Vorderflügel gelbbraun getrübt. 
Analzelle der Ilinterflügel weit hinter dem Ursprung der Kubital- 
ader geschlossen. Beine derb, an den Unterenden der Schienen 
und den Tarsen bedornt. Abdomen gestielt, erstes Segment ziem- 
lich schmal, umgekehrt trapezförmig. Pygidialfeld abgeplattet, fein 
erhaben gerandet, glatt, kaum punktiert. 

Der ganze Körper ist sehr w^enig und zart punktiert, am Thorax 
stark behaart und am Abdomen mit einem Toment bekleidet. 

Clypeus konvex, vorne gerade abgestutzt, sparsam punktiert, 
mit mikroskopisch feiner, nicht sehr dichter Grundpunktierung. 
Stirn und Schläfen glatt, glänzend, mit sehr zerstreuten und flachen 
Punkten. Eine flache, nicht sehr dichte Grundpunktierung ist bei 
starker Vergrößerung erkennbar. Kopf um die Nebenaugen herum 
flach eingedrückt, mit feiner vertiefter Stirnlinie. Kollare glatt, 
unpunktiert. Dorsulum glatt und glänzend mit mikroskopisch feiner 
zerstreuter Punktierung. Am Vorderrand des Dorsulum stehen vier 
kurze Längskielchen wie auch bei Natalensis. Scutellum und Meta- 
notum glatt, ebenso fein und zerstreut punktiert wie das Dorsulum. 
Das Mittelfeld des Mediansegments groß, ganz glatt und unpunk- 
tiert. Die Mittelfurche des herzförmigen Raumes vorne schwach, 
der Spitze zu deutUcher quer gestreift, Seitenfurchen quer gestreift. 
Im abschüssigen Teil ist die Mittelfurche tiefer. Das Mittelseg- 
ment zeigt nur in der Nähe der Seitenfurchen des herzförmigen 
Raumes einige zerstreute feine Punkte, ist aber sonst glatt und 
ohne Punkte. Tergite glatt, unpunktiert. Eine feine Grundpunk- 



134 



H. Brauns. 



tieruDg ist nur bei sehr starker Vergrößerung schwach sichtbar. 
Stielglied aufrecht behaart, die übrigen Tergite mit einem anlie- 
genden feinen bräunlichen Toment bedeckt. Mesopleuren mit feiner 
zerstreuter Grundpunktierung, stark behaart, Metapleuren glatt. 
Sternite sehr einzeln und sehr fein punktiert. 

Färbung. Schwarz, braunrot sind Clypeus und Kiefer, die Seiten 
des Dorsulum, die Mesopleuren, Kollare und Schulterbeulen, Flügel- 
schuppen, Schildchen und Metanotum, Seiten des Mittelsegments, 
die ersten zwei Tergite, Spitze des Abdomens, erstes und zweites 
Sternit und die Fühler und Beine. Gelb sind die Wurzel der Kiefer 
außen, Vorderrand des Kollare, Hintersaum des Scutellum, Hinter- 
randbinden von Tergit 2 — 4, die von 2 seitlich undeutlich erweitert. 
Tergit 2 oben auf der Scheibe vorn mit schwarzem Fleck, Tergit 1 
an der Wurzel schwarz. Die rotbraune Färbung am Thorax ist 
nicht scharf begrenzt und vermischt sich mit der schwarzen. Mittlere 
und hintere Schenkel oben, Schienen und Tarsen pechbraun. — 
Länge: 13 mm. 

1 5 lag vor, das ich bei Port Natal fing, Januar 1909. 

Ebendort fing ich auch ein 9 von Gorytes natalensis Sm., 
mit welchem die oben beschriebene Art in den Gruppenmerkmalen 
genau übereinstimmt. 



Die Nyssori'kxim Südafrikas. 

Von 

Dr. H. Brauns 

in Willowmore im Kaplande. 
(Eingelaufen am 10. November 1910.) 

In seiner Monographie der Gattung Nysson beschrieb Hand- 
lirsch S. 80 (325) das 9 von N. capensis Handl. und stellte die 
Art, deren cf er damals nicht kannte, mit Wahrscheinlichkeit in 
die Gruppe von N. Scolaris III. 1900 beschrieb derselbe Autor 
eine zweite südafrikanische Art in diesen „Verhandlungen", nämlich 
N. Braunsi Handl., nach einem von mir in Orangia gesammelten cT. 



Die \i/xstiii Aricu Sii(l;ilVik;'..s. 



Für diese Art errichtete er eine neue, der des N. scdlaris III. ver- 
wandte Grup})e. 

Seither hahe ich das zu N. capcusls llandl. und das zu 
.Y. Braitusl llandl. und noch eine neue Art ^efan^en, so daß nun- 
mehr drei südatrikanisehc Arten i;efun(len worden sind, immerhin 
sehr wenige für ein so g-roßes Gebiet. 

1. Wyssoit capensis 9 llandl., cT m. 

Zu Handlirschs Beschreibung des 9, die nach nur einem 
Exemplare angefertigt werden konnte, sind noch einige Zusätze 
zu verzeichnen. 

Der Clypeus ist in der Mitte vorne eing-edrtickt, mit einigen 
sehr groben unregelmäßigen Punkten in der Vertiefung. Der eigent- 
liche Vorderrand ist in der Mitte bogenfih-mig ausgebuchtet. An 
jeder Seite dieser Bucht steht ein aufrechter, rundlicher^ zahnartiger 
Tuberkel. 

Die Mesopleuren tragen außer dem von Handlirsch ange- 
gebenen dornartigen Höcker unterhalb der Flügelinsertion noch einen 
zweiten kleinen, kieligen Höcker, der in der Mitte der Verbindungs- 
linie von Vorder- und Mittelhüften liegt und etwas nach hinten 
gerichtet ist. 

N. ß. Dieser zabnartige Höcker ist auch bei einem meiner 9 
N. Scolaris von Siders in Wallis beiderseits sehr deutlich aus- 
gebildet, während er bei einem zweiten 9 und einem cf von dort 
fehlt. Im übrigen ist die Beschreibung von Handlirsch vortreiflich. 

cf. Clypeus in der Mitte eingedrückt wie beim 9, mit groben 
unregelmäßigen Punkten in dem vertieften Teile, der Vorderrand 
nicht gebuchtet, fast gerade. Jederseits von der Mitte steht ein 
aufrechter tuberkelartiger Kiel wie beim 9. Letztes Fühlerglied 
stark gebogen, länger als das vorletzte. Die beiden Höcker der 
Mesopleuren sind meistens ebenso scharf ausgebildet als beim 9, 
doch kann der kleinere, in der Mitte zwischen Vorder- und Mittel- 
hüften, sehr rudimentär werden. 

Tergit 6 jederseits von der Mitte mit einem scharfen Kiel, 
welcher etwa auf der Mitte des Tergites beginnt und dessen Spitze 
scharf zahnartig den Hinterrand des Segmentes überragt. Tergit 7 



136 



H. Brauns. 



seitlich scharf erhaben gekielt; die Spitzen dieser Kiele überragen 
scharf das Segment nach hinten. In der Mitte des Hinterrandes 
ist das Segment mit einem dritten, stumpf abgerundeten Zahn ver- 
sehen, der aber kürzer und breiter ist als die seitlichen scharf 
spitzigen. Das Segment erscheint daher dreispitzig. Auf der Scheibe 
ist es grobrunzelig, die Runzeln teilweise höckerig. Untere After- 
klappe abgerundet, stark anliegend behaart. 

Sternite 2 — 5 am Hinterrande in der Mitte mit langen weißen 
Haarfransen, viel dichter und länger als bei N. Scolaris III. Die- 
selben neigen sich nach vorne und nach der Mitte zusammen. Ge- 
sicht und Kopfschild, Unterseite des Thorax, Seiten des Mittel- 
segmentes und die ersten beiden Sternite mit dichtem silberfarbigen 
Toment, Avelches die Skulptur dieser Teile größtenteils verdeckt. 
Skulptur und Punktierung ist im übrigen dieselbe als beim 9, 
ebenso die Größe, welche ein wenig variiert. 

Zur Untersuchung lagen mir 10 5 und 1 1 cT vor, welche von 
November bis Februar bei Willowmore im Caplande gefangen 
wurden. Außerdem besitze ich ein cT von Transvaal, Waterberg 
Distrikt, nördlich von Pretoria. 

Die Art ist also im südafrikanischen Gebiet weit verbreitet. 
cT sowohl wie 9 setzen sich gern abends zur Nachtruhe auf trockene 
Teile von niederen Pflanzen, und zwar quer zum Stengel, nicht 
festgebissen. 

Handlirsch hat, wie aus der Beschreibung hervorgeht, der 
Art den richtigen Platz in die nächste Nachbarschaft der scalaris- 
Gruppe angewiesen. Sehr nahe steht die Art auch den dieser 
Gruppe verwandten australischen Arten. 

2. Kyssoii Brauns i d Handl., 9 m. 

Zur Beschreibung des cf von N. JBraunsi H. wäre noch hin- 
zuzufügen, daß beide Geschlechter an den Seitenecken des Meta- 
notumrückens ein kleines, aufrechtstehendes Zähnchen tragen. Die 
dritte Cubitalquerader mündet nicht immer mit dem Stiel der zweiten 
Cubitalzelle an einem Punkt in den Radius, sondern oft nach außen 
von diesem Punkt. Zuweilen ist die Einmündungssteile bei ein und 
demselben Exemplar auf beiden Flügeln verschieden. Dieses Merk- 
mal ist daher nicht als spezifisch anzusehen. 



Die .V//.v.vrM/ Arfcii SiidalVikaH. 



Die Skulptur und runkticiuii^- sind bei beiden OcHcldeehtcni 
dieselben. Die Se<::nientränder der Sternite sind zerstreut und 
deutlich punktiert, ebenso die At'terklappc. Vorn und zwiselicn der 
stiirkeren Punktierung; der Randsäunie sind die Sternite dicht und 
sehr fein punktiert. Die Pygidialzelle des cT ist g-rob lilngsrunzelig-, 
mit einzelnen i^roßen Punkten in den Zwischenräumen. Das auf- 
fallendste Kennzeichen des 9 ist die lange und schmale dreieckige 
Pygidialzelle. Dieselbe ist seitlich fein erhaben gerandet und fein 
und dicht punktiert. Die Afterklappe überragt mit scharfer Spitze 
die Spitze des Pygidiums, ist sehr lang, etwas zusammengedrückt, 
seitlich zerstreut punktiert und mitten mit glatter, nach hinten ver- 
schmälerter Längsstrieme, seitlich mit feinen Borsten. Das Toment 
des zweiten Sternits ist nicht so dicht als beim und läßt die 
zerstreute derbere Punktierung erkennen. Sonst sind die Gruppen- 
merkmale dieselben als beim cf. Die Seiten des Mittelsegmentes 
und der ersten Abdominalsegmente sind zuw^eilen in geringerer 
oder größerer Ausdehnung rotbraun. — Länge 4 5 — 5 5 mm. 

Untersucht wurden 1 1 9 und 6 cT, welche hier bei Willowmore 
von November bis April gefangen wurden. Ein cf fing ich am 
Sunday River nahe bei der Küste. 

Die im k. k. Hofmuseum in Wien befindliche Type des cf" 
wurde von mir in Orangia (Bothaville) gefangen. 

Die Art ist daher im südafrikanischen Gebiet verbreitet. 

3. ]>f^i/sson Willoivmoreiisis m. noT. spec. 9. 

Die Art ist in die Gruppe des dimidiatus Jur. zu stellen und 
hat folgende Gruppenmerkmale. 

Stirn eben, ohne Kiel. Clypeus ohne Vertiefung in der Mitte 
mid ohne Tuberkel am Vorderrande. Schläfen auch unten nicht 
erhaben gerandet. Mesonotalrücken ungeteilt, ohne Auszeichnung. 
Zweites Bauchsegment nicht winklig, gerundet auf der Fläche. 
Hinterschienen imbewehrt. Analzelle der Hinterflügel kurz hinter 
i dem Ursprung des Cubitalnervs geschlossen, 

! Clypeus konvex, Vorderrand in der Mitte sehr fein eingekerbt, 

daneben an jeder Seite eine sehr kleine, runde, aufgebogene La- 
melle. Oberfläche zerstreut punktiert und mit äußerst feiner und 
dichter Grundpunktierung. Kopf mäßig fein und zerstreut punktiert. 



138 



H. Brauns. 



Hinterhaupt etwas ruDzelig punktiert und mit dichter, feiner Grund- 
punktierung-. Schläfen deutlich zum Oberkiefergrunde verschmälert. 
Collare vorne in der Mitte etwas kantig, sonst mit abgerundetem 
Vorderrand, wenig unter das Niveau des flach gewölbten Dorsuliim 
hinabgedrückt. Collare, Dorsulum und Scutellum flach netzrunzelig 
punktiert, mit feineren einzelnen Punkten dazwischen. Herzförmiger 
Raum breit, hinten ziemlich gerade begrenzt, schrägrunzelig, in der 
Mitte auch mit unregelmäßigen Querrunzeln. Mittelsegment fein 
gerunzelt an den Seiten und dort fein tomentiert mit spitzen, an 
der Wurzel nicht dickeren Seitendornen. Die ersten beiden Tergite 
sind gleichmäßig- dicht und etwas nadelrissig punktiert, dazwischen 
mit dichter und feiner Gruudpunktierung-. Die doppelte Punktierung 
der folgenden Tergite ist feiner als auf den beiden ersten. 

Pygidium dreieckig, seitlich erhaben gerandet, fein runzelig 
punktiert. Mesopleuren gröber runzelig punktiert, vorne ohne Kante, 
ohne Tuberkel unter den Flügelwurzeln. 

Mesosternum zerstreut punktiert und mit feiner Grundpunk- 
tierung, in der Mitte mit einem kurzen und flachen Längsgrübchen. 
Zweites Sternit glänzend, mit zerstreuter nadelrissiger Punktierung 
und sehr feiner sporadischer Grundpunktierung. Toment der Ster- 
nite fehlt, auf der Unterseite des Thorax und im Gesichte ist es 
spärlich. Beine ganz ohne Dornen und Borsten. Dritte Cubital- 
querader nach oben geschwungen und nahe bei dem Stiel der 
zweiten Cubitalzelle in die Radialzelle mündend. 

Schwarz, erstes Segment und der Grund des zweiten rot. 
Fühlerschaft, Kiefer, Flügelschuppen und Beine rostrot, die Schenkel 
dunkler. 

Schulterbeulen weißgelb. Ebenso gefärbt sind kurze und quere 
Seitenflecke an den Hinterrändern des ersten und zweiten Tergits. 
Zwei kleine, undeutliche Flecke am Vorderrande des Collare in 
der Mitte scheinen eine Querbinde dort anzudeuten. — Länge 4 mm 

Ein 9 wurde im November bei Willowmore, Kapland, gefangen 



DU" >sü(l;ilViUaii. Xi/c/a. \rivn u, /.woi AV/r/a-Artcii .iii.s Zciil lalamcrikH. 



Die südafrikanischen Nitela-kvtm 
und zwei Nitela- Arten aus Zentralamerika. 

Von 

Dr. H. Brauns 

in Willüwmore im Kaplando. 
(Eingelaufen am 10. November 1910.) 

Die Nitela-Arten Südafrikas stehen im Habitus und Färbung 
den paläarktischen äußerst nahe. Sie variieren wenig in der Größe 
und sind alle etwa so groß wie Nitela Spinolae. Bezüglich der 
Lebensweise kann ich zu dem Bekannten hinzufügen, daß die Arten 
auch hier meistens in den Bohrlöchern von Käfern in alten harten 
Pfosten und Bäumen nisten. Die hier häufigste Art Nitela Merceti m. 
fand ich wiederholt Psocidenlarven als Larvenfutter eintragend. Sie 
verschließt ihre Löcher und wahrscheinlich auch die Zwischenwände 
der Zellen mit Lehm oder Erde, die sie in kleinen Klümpchen mit 
den Mandibeln herbeiträgt. 

Die Artunterschiede sind sehr subtil und bestehen, wie Kohl 
schon bei den paläarktischen Arten hervorhob^ hauptsächlich in 
der Skulptur des Kopfes und Thorax. Bei der Kleinheit und Zart- 
heit der betreffenden Tiere sind die Skulpturunterschiede nur bei 
starker Vergrößerung sichtbar. Es wurde daher eine Lupe von Zeiß 
mit 60 facher Vergrößerung gebraucht. Die Ausdrücke „derb, fein, 
sehr fein" sind daher nur relativ zu nehmen, der Kleinheit der 
Objekte entsprechend. 

1. Kollare und Dorsulum mit deutlichen derben Querrunzel- 
streifen, dazwischen dicht runzelig. Punktierung nicht 
unterscheidbar, fett glänzend. Scheitel ungemein fein 
lederrunzelig, Stirn äußerst fein, kaum erkennbar, längs 
chagriniert, mit zerstreuter feinster Punktierung, schwach 

glänzend Nitela capicola m. cf. 

Kollare und Dorsulum fein und deutlich punktiert, nur bei 
Merceti m. mit feinster Querrunzelung dazwischen, Kopf 
mit deutUcher Punktierung 2 



140 



H. Brauns. 



2. Beine mit Hüften und Trochanteren rot. Dorsulum dicht und 

sehr fein punktiert, matt, Kollare etwas deutlicher quer 
gerunzelt Nitela promontorii m. d". 

— Beine schwarz 3 

3. Kopf dicht und fein punktiert, matt. Zwischen der Punktie- 

rung ist eine dichte feine Längrunzelung sichtbar. Dor- 
sulum dicht und fein punktiert, fast matt. Punktierung 
bei Ansicht von vorne mit feinster Querrunzelung ge- 
mischt Nitela Merceti m. cf. 

— Kopf glänzend, äußerst fein und zerstreut punktiert, dazwischen 

mit kaum sichtbarer Längschagrinierung, Dorsulum dicht 
und sehr fein quer chagriniert, Punktierung nicht er- 
kennbar, schwach glänzend . Nitela transvaalensis m. 9. 

1. Nitela capicola m. cf. Schwarz, mit schwarzen Beinen, 
Untergesicht silbern behaart. Kiefer am Ende einfach, nicht zwei- 
spitzig, schwarz. Schienensporne weißlich. Kopfschild vorne drei- 
eckig abgerundet, Wangen sehr fein nadelrissig mit einzelnen feinen 
Punkten. Schläfen hinten erhaben gerandet, glatt, kaum erkennbar 
sehr zerstreut punktiert. Stirne etwas gewölbt, glänzend, äußerst 
fein in der Länge chagriniert und dazwischen ebenso fein und sehr 
zerstreut punktiert, Punkte an den Augenrändern dichter und deut- 
licher. Mitte schwach längsvertieft. Augenränder innen nur auf der 
Höhe schwach kiclig. Scheitel und Hinterhaupt dicht und sehr fein 
runzelig, Punkte nicht erkennbar. Hinterhaupt ziemlich matt. Kollare 
und Mcsonotum stark quer gerunzelt, nicht punktiert. Schildchen 
sehr fein und dicht lederrunzelig, Metanotum mit kurzen Längsrunzeln, 
der ganze obere Thorax fettglänzend. Mediansegment unregelmäßig 
längs gerunzelt, die Runzeln durch quere Anastomosen netzförmig 
wie bei Nitela spinolae Dhlb. Pleuren fettgiänzend, quer gerunzelt 
mit netzförmigen Anastomosen. Mesosternum fettglänzend, fein leder- 
artig gerunzelt, mit vertiefter Mittellinie und darin mit feiner Kiel- 
linie. Tergite glatt und glänzend, mit äußerst feinen und zerstreuten 
Pünktchen. Die Seiten des Mittelsegments sind sehr regelmäßig 
mit schrägen Runzelstreifen besetzt und dazwischen matt lederrun- 
zelig. Das Grübchen der Mesopleuren sehr schwach. An der derben 
Runzelstreifung leicht zu erkennen. — Länge 4 — 5 mm. 



D'w siid.ilVikuii. Xilcla-Arlvu ii. /.wci \i/< /n XvU'u ans Z('iiii;il:imcrik;i. 141 



Kaplaiui (Tort Elizabeth), 2 im Oktober. 

2. Nifda trcnisvaalcnsis m. 9. Schwarz, mit schwarzen li(Mnen 
und Fühlern. Unter«^esicht silbern behaart. Kopfschild vorne drei- 
ecki«;- abgerundet. Kiefer mit einfacher Spitze. Wangen runzelig- 
punktiert. Schläfen glänzend^ hinten erhaben gerandet, kaum er- 
kennbar cliagriniert. Stirne glänzend, äußerst fein zerstreut punk- 
tiert und längschagriniert. Stirnfurclie oben scharf. Innere Augen- 
ränder nur auf dem Scheitel kielig. Scheitel glänzend, fein ge- 
runzelt. Hinterhaupt äußerst fein und zerstreut punktiert. Kollare 
netzrunzelig. Mesonotum dicht und sehr fein quer chagriniert, 
namentlich vorne und an den Seiten, ohne erkennbare Punktierung. 
Um dieses zu erkennen, muß man das Tier von vorne und etwas 
seitlich betrachten. Die Thoraxoberseite ist schwach glänzend. 
Mediansegment oben wie bei voriger Art, an den Seiten ebenfalls 
wie vorige mit Runzelstreifen, die durch unregelmäßige Anasto- 
mosen verbunden sind. Mesopleuren unter der Flügelwurzel glatt, 
äußerst fein punktiert, nach hinten mit schrägen Runzelstreifen 
und dazwischen lederartig gerunzelt; Mesosternum wie bei voriger 
Art. Tergite glatt und glänzend, kaum sichtbar zerstreut punktiert. 
Das Grübchen der Mesopleuren sehr schwach. 

Stimmt in der Skulptur des Kopfes ziemlich mit Nitela capkola 
überein, ist aber durch die subtile Skulptur des Thoraxrückens 
leicht von ihr zu trennen. — Länge 4 mm. 

Lichtenberg (Transvaal), 1 9 im Dezember. 

3. Nitela promontorii m. cT. Da von der einzigen Type der 
Kopf verloren ging, so kann ich die Art nur unvollständig be- 
schreiben. Doch ist sie an den roten Beinen leicht erkennbar. 
Kollare mit deutlichen Querrunzelstreifen, fast matt. Mesonotum 
dicht und deutlich punktiert, matt. Schildchen dicht punktiert, 
matt, von dem Dorsulum durch eine deutlich vertiefte und kerb- 

treifige Querfurche geschieden. Metanotum dicht punktiert, matt. 
Mesopleuren schwach glänzend, dicht lederrunzelig punktiert, mit 
schwachen Ansätzen von Schrägrunzeln am Grunde. Mediansegment- 
«eiten runzelstreifig. Tergite mattglänzend mit äußerst feiner, aber 

eutlicher, ziemlich dichter Punktierung. Grübchen der Mesopleuren 

eutlich. — Länge 4 mm. 

1 c?. Kapland (Uitenhage, November). 



142 



H. Brauns. 



4. Nitela Merceti m. 9, d". Diese Art, welche ich zu Ehren 
des bekannten spanischen Hymenopterologen benenne, ist hier in 
Willowmore in der Karros nicht selten und liegt in beiden Ge- 
schlechtern zahlreich vor mir. 

Kopfschild vorne gerundet, in der Mitte der Vorderrand etwas 
abgeplattet. Kiefer deutlich zweispitzig. Untergesicht silberfarbig 
behaart. Stirne fein punktiert und fein und dicht längsnadelrissig 
matt. Innere Netzaugenränder durchaus sehr fein kielig. Scheitel 
etwas glänzender, sehr fein punktiert. Wangen und Schläfen matt- 
glänzend, fein und dicht nadelrissig. Schläfen hinten erhaben ge- 
randet. Kollare mit schwacher Querrunzelung, lederartig gerunzelt. 
Dorsulum äußerst dicht und fein querrunzelig und dazwischen 
fein punktiert, fast matt. Grübchen der Mesopleuren sehr deutlich. 
Mesopleuren unter den Flügeln äußerst fein und dicht punktiert, 
nach hinten schräg runzelstreifig, fast matt. Seiten des Median- 
segments runzelstreifig. Schildchen fein punktiert. Tergite glatt 
und glänzend, äußerst fein zerstreut punktiert. — Länge 4 — 6 mm. 

Die Art ist am leichtesten durch die Skulptur der Stirne zu 
erkennen. 

Kapland (Willowmore von Oktober bis in den Winter). Es 
lagen 24 § und 7 cf zur Beschreibung vor. 

An diese vier südafrikanischen Arten schließe ich die Be- 
schreibung von zwei mittelamerikanischen Arten an, da, soweit ich 
weiß, von dort noch keine Arten der Gattung Nitela beschrieben 
worden sind. Dieselben stammen aus dem hochgelegenen Teile 
von Costa Rica. Ich erhielt sie durch Herrn Schmidt, dem zu 
Ehren ich die erste Art benenne. 

Nitela Schmidti m. 9. Schwarz, Beine mit den Trochanteren, 
der Schaft und die ersten zwei Geißelglieder der Fühler sowie die 
Kiefer rot. Kiefer zweispitzig. Oberlippe zweilappig. Kopfschild 
vorne gerade abgestutzt, die abgestutzte Fläche breit, seitlich stumpf- 
eckig von dem Vorderrand abgesetzt, der Vorderrand also mitten 
breit trapezförmig vorragend. Stirn sehr flach, wie das Gesicht 
matt und äußerst fein lederrunzelig. Ebenso Scheitel, Wangen und 
die hinten nicht erhaben gerandeten Schläfen. Die hinteren Neben- 



Dill sii(l;ilVik:ni. Xifrla- Xrivn ii. zwei Xi/i/n Xvit'u ;iiim /iCiitr;il;mM'i-iU;i. 1 4.'> 



aui;eii stehen von den Nctzaugcn fast ebensoweit entCcrnt als unt(;r 
sieh. Kine feine Stirnlinie ist an<;e(leutet. Scheitel gewölbt, ohne 
Kindiiicke nni die Nebenaiigen. Kollare fein quer^^ernnzelt, ohne 
(^nerfurche, oben platt, matt. Der mittlere dreieckige Fortsatz 
fehlt daher oder ist kaum angedeutet, üorsnlum matt, dicht und 
äußerst feinrunzelig punktiert. Vor dem Schildchen stehen eine 
Anzahl kurzer Längsstreifen. Schildchen und Metanotum matt, diclit 
und fein punktiert. Mediansegment matt, oben flach, regelmäßig 
und dicht längsrunzelig. Die Runzelstr,eifen sind in der Mitte auf 
der Scheibe, jede tur sich, wellig, seitlich und hinten gerade. Grüb- 
chen der Mesopleuren deutlich, die Mesopleuren fast matt, äußerst 
fein lederrunzelig, ohne Schrägrunzeln. Seiten des Mediansegments 
runzelstreifig, schwach glänzend. Tergite glänzend, kaum sichtbar 
chagriniert und punktiert. Beine derb. — Länge 6 — 7 mm. 

4 9. San Jos6 de Costa Rica, Zentralamerika; leg. Schmidt. 

Nitela Costaricensis m. 9. Schwarz, Fühler schwarz, Beine 
schwarz. Schienen pechbraun. Fühler sehr dick. Kopfschildkiel 
bis zur unteren Stirngrenze fortgesetzt. Stirne matt, dicht und fein 
lederrunzelig, ebenso Scheitel und Schläfen. Letztere fein erhaben 
gerandet. Kollare fein querrunzelig mit kaum angedeuteter Quer- 
furche und fein vertiefter Mittellinie. Dorsulum matt, sehr fein 
lederartig gerunzelt. Schildchen und Metanotum fast matt, sehr 
fein und dicht punktiert. Runzelstreifen des Mittelsegments oben 
unregelmäßig und zum Teile netzförmig. Seiten des Mittelsegments 
runzelstreifig. Grübchen der Mesopleuren sehr deutlich und groß. 
Mesopleuren fettglänzend, fein chagriniert, ohne Runzelstreifen. 
Tergite glatt und glänzend, äußerst fein chagriniert und punktiert. 
Die Gestalt des Clypeusvorderrandes ist wegen der geschlossenen 
Kiefer nicht deutlich erkennbar. Die hinteren Nebenaugen stehen 
den Netzaugen näher als unter sich. — Länge 5 mm. 

1 9. San Jose de Costa Rica, Zentralamerika; leg. Schmidt. 



144 



0. Abel. 



Die Vorfahren der Vög^el und ihre 
Lebensweise. 

Von 

Dr. O. Abel, 

Professor der raläontologie an der Wiener Universität. 

Mit 7 Abbildungen im Texte. 
(Eingelaufen am 16. November 1910.) 

Niemand kann mehr im Zweifel darüber sein, daß die Vögel 
von Reptilien abstammen. 

Ebenso ist es sicher, daß zwischen Vögeln und Dinosauriern 
ein Verwandtschaftsverhältnis besteht. 

Zweifelbaft ist bisher nur der Grad dieses Verwandtschafts- 
verhältnisses geblieben. Während die Mehrzahl der Forscher zu 
dem Ergebnis gelangt ist, daß die Dinosaurier als die Ahnengruppe 
der Vögel zu betrachten sind,^) haben andere die Meinung ver- 
treten, daß sowohl die Vögel als die Dinosaurier von einer gemein- 
samen Ahnengruppe ihren Ursprung genommen haben. ^) 

Ebenso sind auch über die Lebensweise der Vorfahren der 
Vögel verschiedene Hypothesen aufgestellt worden. Während einige 

^) Aus der großen Zahl von Schriften über diese Frage nenne ich nur: 
T. H. Huxley: On the Animals wliich are most nearly intermediate 

between Birds and Dinosaurs. — Proc. Roy. Inst. Gr. Br., London, 1868. — 

Ann. Mag. Nat. Hist. London, (4), I, 1868, p. 220. 

Derselbe: Further Evidence of the Affinity between the Dinosaurian 

Reptiles and Birds. — Quart. Journ. Geol. Soc. London, 1870, p. 12. 

G. Baur: Zur Vögel-Dinosaurierfrage. — Zool. Anzeiger, VIII, 1885, 

S. 441. 

H. F. Osborn: Reconsideration of the Evidence for a common Dinosaur- 
Avian Stern in the Permian. — Amer. Natur., XXXIV, 1900, p. 777—799, 
12 Textfig. 

2) K. A. von Zittel: Handbuch der Paläozoologie, III. Bd., 1890, 
p. 857-863. 

F. von Huene: Die Dinosaurier der europäischen Triasformation mit 
Berücksichtigung der außereuropäischen Vorkommnisse. — Geol. u. paläont. 
Abb., herausgeg. von E. Koken, Supplementband I, Jena 1907—1908. 



Die VorCalireii der V(){;ol imd ihre LebtMiswoiHO. 



ineiiiten, daß die Vorfiilircn der VD^al eine arboricole Lebensweise 
führten, ist in letzter Zeit die Ansicht vertreten worden, daß die 
Vorfahren der Vö^*el laufende terrestrische Dinosaurier gewesen 
sind und daß also das Flugvermögen der Vr>gel als Folgeanpassung 
an schnelles Laufen und nicht auf dem Wege einer allmählichen 
Spezialisierung von Fallschirmapparaten während des arboricolen 
Lebens erworben wurde. ^) 

Diese Frage ist noch nicht erschöpfend behandelt worden; 
wenigstens scheinen die ethologischen Gesichtspunkte noch mancher 
Erörterung zu bedürfen. Ich will im folgenden den Versuch unter- 
nehmen, die Entstehungsfrage der Vögel und des Vogelfluges von 
einer neuen Seite aus anzugreifen. 



I. Übersicht der passiYcn und aktiven Fliigtiere. 

• Unter dem Ausdrucke „Flug" versteht man in der Regel die 
aktive Bewegung durch die Luft; man spricht aber auch häufig 
bei jenen Tieren von einem Flugvermögen, die nicht imstande sind, 
sich aktiv in der Luft fortzubewegen, sondern als Fallschirmtiere 
oder Drachenflieger anzusehen sind. 

So spricht man von Flugfischen, Flugfröschen, fliegenden Eid- 
echsen, Flugbeutlern, Flugeichhörnchen usf., obwohl alle diese Tiere 
nicht imstande sind, sich durch aktive Flügelschläge in die Luft 
zu erheben wie die Insekten, Fledermäuse oder Vögel. 

Da z. B. die Pterosaurier und die Fledermäuse zweifellos von 
Fallschirmtieren abstammen und eine scharfe Glrenze zwischen 
passivem Fallschirmflug und aktivem Flilgelflug nicht leicht ge- 
zogen werden kann, so ist es geboten, dem Sprachgebrauch zu 
folgen und sowohl die passive als die aktive Eigenbewegung in 
der Luft als „Flug" zu bezeichnen. 

In der umstehenden Tabelle der fliegenden Wirbeltiere habe 
ich nach mechanischen Gesichtspunkten verschiedene Formen des 

^) Franz Baron Nopcsa: Ideas on the Origin of Flight. — P. Z. S. 
London, 1907, p. 223-236, Fig. 74—82. 

J. Versluys; Streptostylie bei Dinosauriern, nebst Bemerkungen über 
die Verwandtschaft der Vögel und Dinosaurier. — Zoolog. Jahrbücher, Abt. f. 
Anat. u. Ontog., XXX, 1910, p. 175—260, Taf XII und 25 Textfig. 

Z. B. Gös. Gl. Bd. 10 



146 



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Flug-es nnterseliieden: Failscliirnifiu*;', Drachen fing', Fallballon- 
fiiig-, Fiat t er fing-, Scliwehcflug' und Gleitflug! 

Fine Abart des Flatterflugcs ist der Scli vvirrflug, wie er 
uns von den meisten Insekten bekannt ist, aber auch })ei einzelnen 
Vögeln, wie bei den Kolibris, beobaclitet werden kann. Von allen 
Vögeln sind die Trocbiliden in der Art ihres Fluges den Insekten 
am ähnlichsten geworden. Die Flügel des Kolibris führen in der 
Minute 600 bis 1000 Schläge aus,^) die Flügel der Stubenfliege 
dagegen 600 Schläge in der Sekunde.^) 



^) C. W. Beebe: The I3iid, its Form and Funktion. — The Americjin 
Naturc Series, Group II. Westminster, 1907, p. 82. „It is snid tliat, coni- 
paratively, thc muscuhir energ-y is greater and tlie wing-boncs niore powerful 
in a huniniing-bird than in any other animal" (p. 83). 

^) J. B. Pettigrew: Die Ortsbewegung- der Tiere. Leipzig, A. Brock- 
haus, 1875, S. 163. 



Aiimerkuugeii zur Tabelle auf S. 146—148. 

^) 0. Abel, Fossile Flugfische. — Jahrbucli der k. k. Geol. Reichs- Anst, 
Wien, 56. Bd., 1906, S. 1-88. 3 Taf., 13 Textfig. 

2) Meinem verehrten Freunde Kustos F. Siebenrock, dem ich diese 
Mitteilung verdanke, ist dieses Aufblasen des Körpers von Draco seit langer 
Zeit bekannt. Er hat die Liebenswürdigkeit gehabt, zwei Alkoholexemplare 
von Draco lineatiis für einen Versuch zur Verfügung zu stellen; in beiden 
Fällen gelang es, die Körperhaut ballonartig aufzublasen, wobei sich heraus- 
stellte, daß die Bauchhaut so locker ist, daß nach vollständiger Aufblasung 
die Ventralfläche fast halbkugelförmig gewölbt erscheint. Die Luft wird 
offenbar von Seitenästen der Trachea aus eingeführt. Die Rippen dienen als 
Spreizen des Ballons. 

Vor Kurzem hat K. Deninger eine Mitteilung über das Aufblasen 
von Draco veröffentlicht, wodurch Sieben rocks Beobachtung eine Be- 
stätigung erhält. (Naturwiss. Wochenschrift, Neue Folge, IX. Bd., 1910, Nr. 2.) 

^) Das rhombische, von quergestellten, dicken Hautfalten gespreizte 
Schwanzsegel stand horizontal, wie aus neueren Untersuchungen von Prof. 
Dr. E. Stromer v. Reich enb ach und Dr. Fritz König hervorgeht, und 
wirkte also in ähnlicher Weise wie das Steuer der „Eindecker"-Flugmaschinen. 
— E. V. Stromer, Bemerkungen zur Rekonstruktion eines Flugsaurier- 
skelettes. — Monatsberichte der Deutschen Geol. Ges., 62. Bd., 1910, S. 85—91 
(mit einer Tafel). Ich pflichte Stromer vollständig darin bei, daß aus flug- 
technischen Gründen das Schwanzsegel nicht vertikal stehen konnte, sondern 
nur horizontal. 



150 



0. Abel. 



II. Das Fliigvermögen von Archaeopteryx. 

Übereinstimmend wird angenommen, daß Archaeopteryx kein 
guter, sondern ein schlechter Flieger war, mit anderen Worten, 
daß das Flugvermögen bei diesem Vogel noch nicht so ausgebildet 
war wie bei den Fliegern der Jetztzeit. 

Für die mangelhafte Ausbildung des Flugvermögens von 
Archaeopteryx spricht : 

1. Die Form der Flügel. 

2. Die Größe der Flügel. 



F. A. Lucas: The Greatest Flying Cieuture, the Great Pterodactyl 
Ornithostoma. — Ann. Report Sniithson. Inst., Washington, 1902, p. 657. 
(Ornithostoma ^ Tteranodon.) — 0. Abel: Bau und Lebensweise der Flug- 
saurier. — Verh. d. k. k. zool.-botan. Ges. in Wien, 1907, S. (253)— (254). — 
Über die Lebensweise von Pteranodon als Hochseebewohner vgl. S. W. Wil- 
liston: Restoration of Ornithostoma (Pteranodon). — Kansas Univ. Quart. 
Journ., VI, Ser. A, Lawrence, Kansas, 1897, p. 37. — Über die Systematik der 
Flugsaurier vgl. F. Plieninger: Die Pterosaurier der Juraformation Schwabens. 
— Palaeontographica, LIII, Stuttgart, 1907, p. 313. — Weitere, in obenstehen- 
der Tabelle nicht aufgezahlte Ornithocheiridengattungen sind OrnitTiocheirus 
und Nyctosaurus. — Nach S. W. Williston scheinen die hinteren dünnen 
und fast geraden Rippen der letztgenannten Gattung am Spreizen des Pata- 
giums beteiligt gewesen zu sein. — (Field Columbian Museum, Publ. 78, Geol. 
Ser., II, 1903, Nr. 3, p. 125; Geological Magazine, Dec. V, Vol. I, 1904, p. 59.) 

^) Petaurus ist aus Gymnobelideus, Petauroides aus Pseudochirus, Acro- 
hates aus Distoechurus hervorgegangen, wie 0. Thomas gezeigt hat. Dieser 
Fall ist von großem Interesse, da er zeigt, daß verschiedene Gattungen dieser 
Familie eine neue Lebensweise eingeschlagen haben und daß wir hier parallele 
Evolutionswege vor uns haben. 

^) Über das Auftreten dieses knorpeligen (nicht knöchernen) Sporns 
und seine morphologischen Beziehungen zum Pisiforme vgl. C. I. Forsyth- 
Major, On Fossil and Recent Lagomorpha. Transactions Linnean Soc. London, 
Zool. Series, Vol. VII, 1899, p. 497. 

^) A. Milne-Edwards et A. Grandidier, Histoire naturelle des 
Mammiferes de Madagascar, 1875, PI. VII. — W. H. Flower and R. Lydek- 
ker. An Introduction to the Study of Mammals, London 1891, p. 685, Fig. 326. 

Auch andere Lemuren springen, wie ich in den Zoological Gardens in 
London 1911 beobachten konnte, in derselben Weise von Bäumen herab wie 
Propithecus. 

W. Haacke: Die Schöpfung der Tierwelt. — Leipzig, 1893, Fig. auf 
S. 120 und 121. 



I Vorl'alircii der Vöj^cl und ihre LcliciiHwciHc, 



3. Der lose Zusauimciilian^- (l(>r Scliwmigfcdcni mit den 
Kindern und die i;eriiii;e Zahl der Metacarpodioitales. 

4. Das Fehlen der Anpassungen in den Kindern zur ßefesti 
i^uni;- der Ilandscli winden. 

5. Die /weizeili«;e I5efiedernn<2: der IJntersehenkel. 
G. Der lan^e, zweizeilii^- bciiederte Schwanz. 

1. Die Form der Flügel. Der Umriß des Flügels von Ar- 
chaeopteryx Siemensi Dames zeigt eine unverkennbare Ähnlichkeit 
mit dem Flügelumriß eines Goldfasans. 

Der Fasan führt beim Aufsteigen rasche Flatterschläge aus, bis 
er eine gewisse Höhe erreicht hat; dann spreizt er seine Flügel aus 
und geht vom Flatterflug zum Fallschirmflug über. Diesen zweiten 
Abschnitt des Fluges nennt man in der Waidmannssprache das „Ab- 
streichen" des Fasans. Es ist diese zweite Art zu fliegen ein ausge- 
sprochener Drachenfiugi) und die langen Schwanzfedern des Fasans 
dienen ihm als Steuer. Nur Hähne (mit langen Schwanzfedern) 
vermögen diesen Flug auszuführen; Hennen (mit kurzen Schwanz- 
federn) sind schon aus größerer Entfernung daran zu erkennen, daß 
sie auch während des Abstreichens rasche Flatterschläge ausführen 
und bei weitem nicht so rasch fliegen können als der Fasanhahn. 

2. Die Größe der Flügel ist hei Ar chaeopteryx ähnlich wie 
bei flatternden Hühnervögeln und spricht nicht für einen schnellen Flug. 

3. Der lose Zusammenhang der Schwungfedern mit 
den Fingern und die geringe Zahl der Metacarpodigi- 
^ales. Auf diese Merkmale und ihre ethologische Bedeutung hat 
zuerst A. Gerstäcker hingewiesen. 2) 



^) Der Drachenflug des Fasanhahiis ist sekundär erworben; die 
Schwanzfedern des Fasanhahns funktionieren ebenso wie der lange, zweizeilig 
befiederte Schweif der Ärchaeopteryx. Alle lebenden Vögel, bei denen die 
langen Schwanzfedern diese Rolle spielen, sind sekundär zu Drachenfliegern 
geworden; die verlängerten Schwanzfedern ersetzen die kurzen Federn des 
langen Schwanzes der ältesten Vögel. Dies ist ein weiteres Beispiel für die 
Irreversibilität der Entwicklung. 

2) A. Gerstäcker: Das Skelett des Döglings etc., Leipzig, 1887, 4°. 
In dieser Arbeit, deren Inhalt nicht ganz dem Titel entspricht, da sie viele 
wertvolle morphologische Studien über verschiedene Tiergruppeu umfaßt, 
spricht der Verfasser S. 137—157 über Ärchaeopteryx. 



152 



O. Abel. 



Die Gesamtzahl der Schwungfedern war 16 bis 17; davon 
entfallen auf den Handabsehnitt des linken Flügels des Berliner 
Exemplars 6, auf den des rechten Flügels (nach A. Gerstäcker) 
aber nur 4 Schwungfedern, während die übrigen der Vorderarm- 
region angehören. Das Berliner Exemplar läßt jedoch meiner Mei- 
nung nach die Auffassung zu, daß auch am rechten Flügel 6 Hand- 
schwingen zu unterscheiden sind. Sie können nur am Metacarpale 
gestanden haben. 

Jedenfalls ist die Zahl der Handschwingen bei Ärchaeopteryx 
nicht größer als 6 gewesen und dies ist eine überraschend ge- 
ringe Zahl im Vergleiche mit den lebenden Carinaten und auch 
mit den lebenden Ratiten, wie folgende Übersicht zeigt: 



Zahl der Schwungfedern an der Hand bei: 





Remiges primaiii 


Ärchaeo- 
pteryx 


Struthio 


Hhea 


Schema bei den 
meisten lebenden 

Carinaten 
(nach R. S. Wray) 


Metacarpales. . . . 
Digitales 


1 • 


00 00 


7 
5 


6 

5-4 


Metacarpodigitales 


6 


16 


12 


11-10 



Die niedere Zahl der Metacarpodigitales bei ArcJiaeoptenjx 
sagt uns, daß sie beim Fliegen nur eine geringe Rolle gespielt 
haben können und daß die Hauptleistung den Cubitales zufiel. Diese 
geringe Bedeutung der Metacarpodigitales wird verständlich, wenn 
wir in Erwägung ziehen, daß die Finger von Ärchaeopteryx noch 
durchaus reptilienartig gestaltet waren und also keinesfalls in gleicher 
Weise als Stützpunkt für die Handschwingen gedient haben können 
wie bei den lebenden Carinaten. 

4. Das Fehlen der Anpassungen in den Fingern zur 
Befestigung der Handschwingen. Bei allen lebenden und 
fossilen Vögeln mit Ausnahme von Ärchaeopteryx legt sich das 
Distalende des Metacarpale III enge an jenes des Metacarpale II 
an und ist mit diesem verschmolzen, aber beide Metacarpalia sind 
durch ein breites Spatium interosseum getrennt. 



I >i«' Vorlnlircii der iiiul ihre I jchcu.swci.sc 



153 



Diese beiden Mctacar})alia bilden die Unterlage der sechs hin- 
teren Ilandscliwin^en der lebenden Viji^el, welche durch die Ver- 
schniel/un<;- von Metacarpale II und III eine leste Unterlage er- 
halten. 

„Eine ähnlich ausgedehnte Hefestig-un<** erhalten aber auch 
die drei ersten llandschwingen dadnrch, daß die erste Phalang-e 
des zweiten Fingers stark verbreitert und abgeplattet, nicht selten 
auch fensterartig durchbrochen ist, während die vierte sich dem 
Außenfinger in seiner ganzen Länge auflegt." (A. Gerstäcker, 
1. c, S. 155.) 

Derartige Anpassungen der Finger, welche mit der Befestigung 
der Handschwingen in direkten Beziehungen stehen, fehlen aber 
bei Arcliaeopteryx gänzlich und daher muß die Verbindung der 
Handschwingen mit den Fingern bei dieser Gattung eine weit losere 
gewesen sein als bei den lebenden Carinaten. 

Wenn aber diese Verbindung lockerer war, so kann das Flug- 
vermögen von Archaeopteryx bei weitem nicht in dem Maße ent- 
wickelt gewesen sein wie bei den späteren Carinaten. 

5. Die zweizeilige Befiederung der Unterschenkel 
spricht dafür, daß diese Federn den Flug der Archaeopterijx als 
Fallschirmapparate unterstützt haben. 

6. Der lange, zweizeilig befiederte Schwanz hat zweifel- 
los dieselbe Funktion gehabt wie die Federn des Unterschenkels, 
also eine Vergrößerung der Fallschirmfläche; außerdem muß aber 
auch der lange Schwanz als Steuerapparat funktioniert haben, in 
derselben Weise, wie die langen Schwanzfedern der Fasanhähne 
während des „Abstreichens" den Drachenflug wesentlich unterstützen. 

A. Gerstäcker^) hat auf die ethologische Bedeutung der 
Flügelstellung an beiden bisher bekannten Leichen der Arcliaeo- 
pteryx aufmerksam gemacht und hervorgehoben, daß bei den Leichen 
rezenter Carinaten die Flügel stets zusammengeschlagen bleiben. 

Obwohl es äußerst wahrscheinlich ist, daß Archaeopteryx ihre 
Flügel nicht in gleicher Weise wie die lebenden Carinaten falten 
konnte, so ist doch das zuletzt angeführte Argument Gerstäckers 
nicht beweiskräftig. 



^) A. Gerstäcker: Das Skelett des Döglings etc., 1. c, p. 155. 



154 



0. Abel. 



Ein Vergleich der Flügelstellung bei den Vogdleichen aus 
dem Gips des Montmartre in Paris zeigt, daß diese oligocänen 
Carinatenleichen ganz ähnliche Stellungen einnehmen wie die beiden 
Exemplare der Arcliaeopteryx.'^) Diese Stellung ist besonders deut- 
lich bei der von P. Gervais abgebildeten wachtelartigen Palaeortyx 
Hoffmanni Gerv. von Pautin bei Paris (oligocäner Gips) zu sehen. 2) 

Aus der Flügelstellung der beiden Archaeo2)teryx-LeiGheYi 
können wir also keinen zwingenden Schluß auf die Flügelstellung 
des lebenden Tieres ableiten. 

III. Die Funktion des Hallux bei den Vögeln. 

Bei der weitaus größten Mehrzahl der Vögel mit funktionellem 
Hallux dient derselbe in Opposition mit den drei vorderen Zehen 
als Greiforgan (zum Umklammern der Äste, Festhalten der Nah- 
rung usf.). 

In seltenen Fällen ist der Hallux mit den drei vorderen Zehen 
durch eine Schwimmhaut verbunden und dies ist zweifellos auf 
sekundärem Wege zustande gekommen. Bei Gypselus ist der Hallux 
nach vorne gerichtet und bildet mit den übrigen Zehen einen vier- 
zackigen Anhakapparat. ^) 



^) CG. Cuvier: Eecherches sur les Ossemens fossiles, 2^ edition, T. III, 
Paris, 1822, PI. LXXIII— LXXV. Die auf PI. LXXV, Fig. 5 abgebildete Vogel- 
leiche zeigt den linken Flügel mit allen seinen Elementen vom Schiiltergelenk 
bis zum Ende des zweiten Fingers in eine gerade Linie gestreckt, eine gewiß 
ganz unnatürliche Haltung. Ebenso unnatürlich ist die Flügelhaltung des auf 
PI. LXXIV, Fig. 1 abgebildeten Vogels aus dem Pariser Gips. 

2) Vgl. die Reproduktion dieses Skeletts in K. A. v. Zittel, Hand- 
buch der Paläontologie, III. Bd., Fig. 718, p. 847. Dieses Skelett hat eine 
ganz ähnliche Flügelhaltung wie das Berliner Exemplar der Ärchaeopteryx. — 
Die Abbildung bei Zittel ist eine Kopie nach Milne-Ed wards; die Original- 
lithographie hat P. Gervais in der „Zoologie et Paleontologie frangaises", 
PI. 49, Fig. 4 veröffentlicht. 

2) Ebenso besitzt auch bei den Chiropteren der Hallux dieselbe Rich- 
tung wie die übrigen Zehen und das Gleiche ist bei den Pterosauriern der 
Fall-, nur ist bei diesen die fünfte Zehe nach hinten gewendet und dient dem 
Uropatngium als Spannknocheri, während bei den Fledermäusen einem vom 
Calcaneus entspringenden knöchernen Sporn (Calcar) die Rolle eines Spann- 
knochens zufällt. 



I VorlMlircii der \'ö^^<'l und ihre I ichcnswirise. 



155 



Die etliolo^isclie Bedeutung- der cnornuMi KriillenvcrIäiif,^eniM^^ 
des llalliix von MacroHi/.r (des stidalVikaiiisclieii „Kalkociitje"), so- 
wie anderer Verwandter aus der Familie der Motaeillidae ist noch 
nielit aufgeklärt. 

Bei den Parridae ist der Hallux ebenso wie die übrigen Zehen 
sehr stark verlängert und gerade gestreckt. Die Parridae (z. B. 
Parra) lauten mit großer Behendigkeit Uber schwimmende Wasser- 
pflanzen, da die große Fußtiäche das Einsinken verhindert. 

Abgesehen von diesen Ausnahmen ist der Hallux der Vögel 
ein ausgesprochenes Greiforgan und seine Oppositions- 
stelhing eine Anpassung an die arboricole Lebensweise. 

Eine spezielle Anpassung hat der Hallux bei einer Gruppe der 
l\ax)tores, und zw^ar bei Tagraubvögeln der Grupi)e Accipitres erfahren. 

Der Hallux ist hier die stärkste, wenn auch nicht die längste 
Zehe und trägt eine stark gekrümmte Kralle. 

,,Die auffallende Verktirzung der basalen und mitt- 
leren Zehenglieder und die starke Ausbildung der Krallen- 
glieder der ersten und zweiten Zehe sind unstreitig aus 
mechanischen Gründen behufs Ergreifung, Umklamme- 
rung und Tötung der Beute entwickelt." (H. Gadow.)^) 

IV. Die Reduktion des HaHiix bei den Vögeln. 

Archaeopteryx besaß denselben Fußbau wie die Mehrzahl der 
lebenden arboricolen Vögel: Drei Zehen (H., III., IV.) standen nach 
vorne, die vierte (I.) nach hinten. 

Der Hallux ist bei jenen Vögeln, die zu Läufern und 
Springern geworden sind, entweder ganz verloren gegangen oder, 
wenn vorhanden, in hohem Grade rudimentär und funktionslos. 

Der Hallux fehlt gänzlich bei:^) Bhea, Striithio, Castiarius, 
Bromaeus, Dinornis (meistens), Genyornis, Fachyornis, Aepyornls, 



1) H. Gadow: Vögel. — Bronns Klassen und Ordnungen des Tier- 
reiches, VI. Bd., 4. Abt., I. Teil, Leipzig, 1891, S. 516. — Eine Verkürzung 
der Phalangen findet aber auch z. B. in der vierten Zehe der Spechte statt, 
welche eine ganz andere Lebensweise führen. 

^) Ich danke meinem Freunde Dr. C. Toldt herzlichst für seine Unter- 
stützung bei meinen Vergleichen in der ornithologischen Abteilung des k. k. 
Hofmuseums in Wien. 



156 



O. Abel. 



Mesopteryx, Otis, Blomedea, Charadrius, Ibldorliynchus, Calidris, 
Cursorius, Oedicnemiis, Alca, Eudromia, Himantopus (die meisten 
Arten dieser Gattung), Tringa arenaria. 

Mit Ausnahme von Alca und Dmnedea sind alle genannten 
Gattungen Laufvögel, und zwar gehören lihea, StridMo, Casuarms, 
JDromaeus, Otis, Cursorius, Himantopus usf. zu den schnellsten 
Lauftieren, die wir kennen. 

Daraus geht hervor, daß der Hallux bei der Anpas- 
sung an das Schnelläufen ganz überflüssig war und in- 
folge Nichtgebrauchs verloren ging. 

Y. Die Opponierbarkeit des Hallux bei einer Oruppe der 
ältesten Dinosaurier. 

Aus dem rhätischen Sandstein des Connecticuttales in Massa- 
chusetts sind zahlreiche Fährten bekannt geworden, welche nach 
den letzten Untersuchungen von R. S. LulP) größtenteils von bi- 
peden Dinosauriern, und zwar vorwiegend von Theropoden her- 
rühreU; während die Fährten orthopoder Dinosaurier weit seltener sind. 

Die weitaus häufigste Fährtentype ist von R. S. Lull mit 
dem aus dem gleichen Sandstein stammenden Theropoden Änchi- 
saurus in Verbindung gebracht und Änchisauripus genannt worden. 

Lull ist zweifellos im Rechte, wenn er diese Fährten mit 
theropoden, karnivoren Dinosauriern in nähere Beziehungen bringt. 

Die Äncliisauripnis-Fährten sind nur Abdrücke des Hinter- 
fußes; Handfährten fehlen, dafür ist aber zuweilen der Abdruck 
des Schwanzes erhalten. Es rührt also diese Fährte von einem 
bipeden Dinosaurier her. 

Das wichtigste Merkmal dieser Fährten ist der stets vorhandene 
Abdruck der Halluxklaue. 

AYälirend aber die vorderen drei Zehen (H., HL und IV.) eine 
unverkennbare Ähnlichkeit hinsichtlich ihrer Spreizung und der 
Längenverhältnisse mit den Fußskeletten theropoder Dinosaurier 
zeigen, ist die Stellung des Halhix nach hinten bei den durch Skelett- 
reste vertretenen Dinosauriern nur höchst selten anzutreffen. 

^) Richard Swaiin Lull: Fossil Footprints of the Jura- Trias of North- 
Anicrica. — Memoirs Boston Soc. Nat. Eist., V, 1895—1904, Boston, 1904, 
p. 461—557. (Ausführliche Bibliographie der Fährtenliteratur.) 



Die \%)rl':ihriMi der VJ»;;*'! und ilirc LclKMiswcMst;. 



lf)7 



Der llalliix von Anchismiripus war iiiiiiilicli i;juiz obeiiHO wie 
bei den Vci^cln nach liintoii ^criclitot und zweifellos ()p[)()nierl)ar, 
da nur die Krallenplialani;e einen Abdruck im Ufersand hinter- 
lassen hat. Der llalhix muß also gekrUmmt gewesen sein und hat 
nur mit der Krallenspitze den Boden berührt. 

Daß derartige Fußfornien bei Theroi)oden auftreten, beweisen 
die Fußskelette von Anchisaurus, AUosaiirus und Tyrannosatirus, 
die zum Teile jüngeren Formationen angehören {Ällosauriis ist in 
den oberjurassischen AÜantosatmis-Beds, Tyrannosaurus in der 
obersten Kreide gefunden worden).^) 

Das von Osborn montierte Fußskelett von AUosaiirus^) zeigt 
genau dieselben Proportionen wie Ancltisaurlpus, so daß wir wohl 
vermuten dürfen, daß diese Fährte von einem Allosaums-2i\m\\d\Qi\\^ 
aber weit kleineren Theropoden eingedrückt wurde und da kann 
von bekannten Theropoden der Trias nur Anchisaurus colurus in 
Betracht kommen. 

Die von E. Hitchcock und E. S. Lull unterschiedenen 
Fährten der „Gattung" Anchisauripus zeigen im Wesentlichen den 
gleichen Charakter; sie differieren jedoch neben anderen Merk- 
malen auch in der Stellung und im Längen Verhältnisse des Hallux 
zu den übrigen Zehen. So z. B. ist bei Ancliisaunpus Dananus E. 
Hitchcock der Hallux relativ lang und stark nach hinten gerichtet, 
bei Anchisaimpus exsertus E. H. kürzer und mehr nach vorne ge- 
wendet. 

Vergleichen wir die Fährte von Gigandipiis caudatus E. H. 
mit Ancliisauripus, so sehen wir, daß der Hallux hier geradezu 
verkümmert genannt werden kann; es ist auch die Grundphalange 
in den Schlamm eingedrückt worden und somit kann der ohnedies 

^) H. F. Osborn: Fore and Hind Lirabs of Carnivorous Dinosaurs frora 
the Jurassic of Wyoming. — üinosaiir Contributions, Nr. 3. — Bulletin Amer. 
Mus. Nat. History, XII, 1899, p. 161—172. Vollständiger Fuß und voll- 
ständige Hand von Megalosaurus. 

^) H. F. Osborn: Reconsideration of the Evidence for a Common Dino- 
saur-Avian Stern in the Permian. — Dinosaur Contributions, Nr. 4. — American 
Naturalist, XXXIV, 1900, p. 785, Fig. 4. 

W. L. Beasley: A Carnivorous Dinosaur: a Reconstructed Skeleton 
of a Hugh Saurian. — Scientific American, December 4, 1907, p. 446—447. 
Mit 6 Textfig. 



158 



0. Abel. 



verkürzte Hallnx nicht mehr so stark gekrümmt gewesen sein als 
bei Änchisauripiis. 

Daraus geht wohl schon hervor, daß bei einem Teile dieser 
Trias-Theropoden der Hallux verkümmerte. Eine große Zahl anderer 
Fährtentypen zeigt keine Spur eines Eindruckes des Hallux; er ist 
also bei diesen Formen (z. B. bei Grallator) entweder ganz verloren 
gegangen oder nur als unbedeutendes Rudiment vorhanden gewesen, 
das den Boden nicht mehr berührte. 

Bei anderen Fährten, welche nach Lull von orthopodeii Dino- 
sauriern herrühren, ist der Hallux nach vorne gerichtet, aber nur 
mit der Kralle in den Schlamm eingedrückt, während die übrigen 
Zehen volle Abdrücke hinterlassen haben (z. B. Änomoepus inter- 
medius E. H. während des Schreitens; das sitzende Tier hat 
keinen Halluxabdruck hinterlassen). Bei Apatichmis minus E. H. ist 
der Hallux nach innen gerichtet; auch hier ist nur der Abdruck 
der Halluxkralle sichtbar. 

Die wichtigste Fährtengruppe ist die am häufigsten vertretene 
Fährte von Änchisauripus, da sie zeigt, daß in der Trias Nord- 
amerikas Dinosaurier^) mit opponierbarem Hallux gelebt 
haben. 

Im Februar 1911 konnte ich mit freundlicher Erlaubnis meines 
hochverehrten Freundes A. Smith-Wood ward das Skelett des 
orthopoden, bipeden Hijpsüopliodon Foxi Huxley aus dem Weal- 
den der Insel Wight näher untersuchen. Das Original H ulk es 
(Phil. Transact. 1883, Vol. 173, p. 1055, PI. 72, Fig. 2, PL 75, Fig. 3) 
zeigt in klarster Weise, daß der Hallux opponier bar war und 
daß auch die übrigen drei Zehen zurückgeschlagen werden 
konnten. Die Rekonstruktion des Fusses, die auf der Kombination 
mehrerer Skelette basiert, veröffentliche ich an anderer Stelle. Bei 
einem orthopoden Dinosaurier ist bisher die Opponierbarkeit des 
Hallux noch niemals beobachtet worden. 



^) Daß diese Fährten von Dinosauriern und nicht von Vögeln her- 
rühren, beweist die Anordnung der Sohlenballen, wie R. S. Lull nachge- 
wiesen hat (1. c, p. 470). Die Zehenballen liegen unter den Phalangen und 
ihre Grenzen fallen mit den Phalangengelenken zusammen; bei den Vögeln 
hingegen liegen die Zehenballen unter den Phalangengelenken (mit wenigen 
Ausnahmen, z. B. Flialaropus hyperhoreiis). 



Vorlall rcii der Viij^cl und ihre, liCihciiswcisii, 



159 



\1. Die KediiktitMi des llalliix bei den liiuiendeii und 
sprhij» enden Dinosauriern. 

Bei den Saiiropoden mit plumpen, elefanteiullinliclien Sclireit- 
füßen ist der Ihillnx immer vorhanden und sehr kräftig'. F. v. Iluene'j 
hetrachtet die Sauropoda nur als eine Familie der Saurischia; ist 
dies richtig', dann ist der llallux der Sauropoden aus der oppo- 
nierten Stellung- wieder in die ursprüngliche Lage zurückgekehrt. 

Diese Frage bedarf noch weiterer Untersuchungen; für das 
vorliegende Problem ist es hingegen von Wichtigkeit, festzustellen, 
welche Entwicklung der Hallux bei den laufenden und springenden, 
also den leichtfüßigen Dinosauriern genommen hat. 

Eine kleine, den Dinosauriern nahestehende Reptilform ist 
ScleromoMus Taylori S.-Woodw. aus der Trias von Lossiemouth 
hei Elgin in Schottland. Bei diesem ßeptil, das ungefähr die Größe 
eines Grasfrosches besaß, sind vier Metatarsalia sehr stark ver- 
längert und miteinander zu einem Sprungbein verschmolzen; die 
fünfte Zehe ist bis auf ein kleines knotenförmiges Rudiment des 
Metatarsale verkümmert. Das Sprungbein besteht also aus den stark 
verlängerten Metatarsalia I — IV. 

Es ist kaum möglich, diesen Fuß von einer Fußform wie 
Änchlsaiiripus abzuleiten; Scleromochlus repräsentiert einen ganz 
eigenartigen Typus, der sich nicht in den Rahmen der bisher be- 
kannten Dinosaurier einfügt. 

Der Triastheropode Änchisaunts colurus Marsh besaß, wie 
0. C. Marsh und F. v. Huene gezeigt haben, einen Hallux, der 
aber auf der im Yale-Museum in New Häven aufbewahrten Ori- 
ginalplatte nicht nach hinten, sondern nach vorne gerichtet ist. Dies 



^) F. V. Huene: Zur Beurteilung der Sauropoden. — Monatsberichte 
der Deutsch. Geol. Ges., 1908, Nr. 11, S. 294—297. — Derselbe: Skizze zu 
einer Systematik und Stammesgeschichte der Dinosaurier. — Centraiblatt f. 
Mineralogie, Geologie und Paläont., 1909, Nr. 1, S. 12—22. 

2) A. S.-Woodward: On a New Dinosaurian Reptile (Scleromochlus 
Taylori gen. et sp. nov.) from the Trias of Lossiemouth, Elgin. — Quart. 
Journ. Geol. Soc., LXIII, 1907, p. 140—144, PI. IX. 

F. V. Huene: Die Dinosaurier der europäischen Triasformation, I.e., 
. 388-392. 



160 



0. Abel. 



würde die Annahme rechtfertigen, daß auch beim lebenden Tiere 
der Hallux nach vorne gerichtet war. 

R. S. Lull hat jedoch gezeigt, daß die Skelettreste des 
Fußes von Änchisaurus colurus so genau in die Fährte 
von AncJiisäuripus Dananus passen, daß kein Zweifel 
darüber möglich ist, daß diese Fährtentype von Änchi- 
saurus colurus herrührt. 

Wie H. F. Osborn gezeigt hat, war auch bei Allosaurus 
der Hallux nach hinten gestellt und opponierbar und das Gleiche 
gilt auch für Tyrannosaurus rex, den größten aller Theropoden, 
aus den obersten Schichten der Kreideformation. 

Bei Allosaurus ist jedoch das Metatarsale I rudimentär und 
zerfällt in ein proximales und distales Rudiment, die beide bekannt 
sind. Von Tyrannosaurus rex ist nur das distale Fragment des 
Halluxmetatarsale erhalten, aber Osborn nimmt auch die Existenz 
des proximalen für diesen Riesentheropoden an.^) 

Auch bei einem Trias-Orthopoden, Ämmosaurus maior aus 
dem rhätischen Connecticutsandstein von Manchester, Conn., ist 
deutlich zu sehen, daß die Bewegungsebene des Hallux nicht mit 
jener der übrigen Zehen zusammenfiel, sondern daß sie stark nach 
innen gedreht war. Aus der ganzen Anordnung der Gelenke des 
Hallux geht klar hervor, daß diese Z-ehe Spuren einer ursprüng- 
lichen Opponierbarkeit bewahrt hat, daß sie aber kaum mehr jene 
Stelle einnehmen konnte, wie sie der Hallux der Fährte Anchi- 
sauripus aus denselben Schichten zeigt. 

Die umfassenden und gründlichen Untersuchungen v. Huenes 
über die Triasdinosaurier Europas haben ergeben, daß alle Gattungen 
der triassischen Plateosauriden einen fünfzehigen Fuß besitzen; es 
sind aber nur die mittleren drei Zehen als funktionell zu betrachten, 
da die erste und fünfte Zehe bereits so verkürzt sind, 
daß sie die Erde kaum mehr berühren konnten. 

Die erste Zehe trägt aber trotz ihrer Reduktion die 
stärkste Kralle und es ist für die Beurteilung der Abstammungs- 



^) H. F. Osborn: Tyrannosaurus, Upper Cretaceoiis Carnivorous Dino- 
saur (Second Commiinication). — Bull. Araer. Mus. Nat. Hist., XXII, New 
York, July 30, 190G, p. 294, Fig. 11, PI. XXXIX. 



Die VorlaliiiMi der V(t},M;l und iliro Lcl»enHVVci«o. 



löl 



fra^e solir wichtig, daß die Grund ph alange des Ilallux ge- 
dreht ist. 

In den Uekonstruktioncn der Platcosauriden hat v. Huene 
Uberall den Ilallux derart dargestellt, daß er auf der Innenseite 
des Fußes, ein wenig nach innen und mehr nach vorne gewendet 
liegt. Nach v. Huene sind die Platcosauriden Schreit- und Lauf- 
tiere gewesen; ihr gesamter Körperbau und in erster Linie ihre 
Größe läßt den Gedanken nicht aufkommen, daß wir in diesen 
Dinosauriern arboricole Formen zu erblicken hätten. 

Dagegen spricht der Fußbau der Platcosauriden 
ganz entschieden dafür, daß sie von älteren Formen mit 
opponierbarem Hallux abzuleiten sind. 

Bei dem typischen Springer Compsognathus sind in ähnlicher 
Weise wie bei der Triasform Scleromochhis die Metatarsalia zu 
einem Sprungbein verschmolzen. Bei Compsognatlms sind aber nur 
die IL, III. und IV. Zehe funktionell und funktionieren als drei- 
zehiger Springfuß, während die fünfte verloren gegangen und vom 
Hallux nur ein hochangesetztes kleines Rudiment an der 
Hinterseite des Metatarsus übrig geblieben ist. 

Bei allen jüngeren Dinosauriern mit funktionell dreizehigen 
Hinterfüßen ist mit Ausnahme von Hypsüophodon Foxi der Hallux 
entweder hochgradig verkümmert oder gänzlich verloren gegangen. 
So z. B. ist bei Iguanodon nur ein kleines, griffeiförmiges Rudi- 
ment des ersten Metatarsale als letzter Rest des Hallux erhalten 
geblieben; bei dem sekundär quadruped gewordenen Triceratops 
ist keine Spur des Hallux erhalten; bei dem gleichfalls sekundär 
quadruped gewordenen Stegosaunis ist der Hallux verkümmert, aber 
außer dem Metatarsale I sind noch beide Phalangen erhalten. ^) Bei 
den jüngeren Orthopoden und Theropoden der Kreideformation, wie 
z. B. bei dem Theropoden Ceratosaurus und dem Orthopoden Clao- 
saurus ist der Hallux vollständig verloren gegangen. 2) Bei dem 

0. C. Marsh: Restoration of Stegosaurus. — American Journal of 
Science, XLII, August 1891, p. 180, PI. IX. 

^) 0. C. Marsh: Restorations of Claosaurus and Ceratosaurus. — 
Ibidem, XLIV, October 1892, p. 346 (Claosaurus): „The first and fifth digits 
were entirely wanting." „The terminal phalanges were covered with broad 
hoofs." p. 349 (Ceratosaurus): „The most interesting feature in the extremities 

Z. B. Ges. 61. Bd. 11 



162 



O. Abel. 



hochgradig spezialisierten Theropoden Ornithomimus aus der Familie 
der Compsognathiden, der in der obersten Kreide Nordamerikas 
gefunden worden ist, ist der dreizehige Fuß außerordentlich vogel- 
ähnlich geworden; vom Hallux ist nur ein sehr kleines, griffel- 
förmiges Rudiment übrig geblieben. 

Bei allen bipeden Dinosauriern, deren Fuß funktionell drei- 
zehig geworden ist, hat der Hallux seine Funktion verloren und ist 
verkümmert oder ganz verschwunden. Daraus geht klar hervor, daß 
ebenso wie bei den Laufvögeln auch bei den bipeden 
Dinosauriern der Hallux als Stützorgan der Hinterextre- 
mitäten vollständig überflüssig war und daß seine Oppo- 
sitionsstellung bei bipeden Dinosauriern ein Erbteil aus 
früherer Zeit sein muß. 

VII. Die Homologie der Finger der Vögel und der thero- 
poden Dinosaurier. 

Die Vogelhand umfaßt nur drei Finger, welche von der weit- 
aus größten Mehrzahl der Morphologen als die Finger 1 — III be- 
trachtet werden. 

Humphry und Owen deuteten zuerst die drei Finger der 
Vogelhand als den IL — IV. und diese Auffassung ist in neuerer 
Zeit von E. Norsa^), V. L. Leighton^), E. Mehnert^) sowie von 
F. Plieninger*) wieder zu vertheidigen gesucht worden. 

Sehen wir zunächst von den rezenten Vögeln ab und be- 
schränken wir uns auf die Untersuchung des Handbaues der ÄrcJiaeo- 
pteryx^ so finden wir, vom vordersten Finger an nach hinten ge- 



of this Dinosaur is in the raetatarsal bones, which are completely ankylosed . . . 
There are on]y three metatarsal elements in each foot, the first and fifth 
having apparently disappeared entirely." 

^) E. Norsa: Recherches sur la Morpliologie des membres anterieurs 
des Oiseaux. — Arch. ital. de Biologie, XXII, 1894. 

2) V. L. Leighton: The Development of the Wing in Sterna Wilsonii. 
— Amer. Natur. XXVIII, 1894. - Tufts College Studies, III, 1894. 

^) E. Mehnert: Kainogenesis als Ausdruck ditferenter phjdogenetischer 
Energien, 1897. 

*)F. Plieninger: Die Pterosaurier der Juraformation Schwabens 
Paläontographica, LIII, 1907. 



Dil' Vorralircii der Vö^^cl und ihre Ti(ilM'n.svv(',i.se. 



1G3 



rechnet, folgende Phaliiiigeuzahlen : vorderster Finger 2^ mittlerer 3, 
hinterer 4 Phalangen. 

Die Phalangenzahlcn der Diapsidenhand sind 2, 3, 4, 5, 3. 

Wenn wir also nicht annehmen wollen, daß jeder der drei 
Finger der Ärchacopteryx-llsiud eine Phalange verloren hat, so müssen 
wir sie mit dem 1. — III. Finger der Diapsidenhand homologisieren. 

Die Pterosaurierhand umfaßt außer dem langen Flugfinger 
mit vier Phalangen, der meistens als der fünfte betrachtet wird/) 
noch drei enge aneinanderliegende Finger, deren Phalangenzahlen 
vom vorderen angefangen sind: 2, 3, 4. Wenn diese Finger, wie 
nach der bisher vorherrschenden Annahme, dem IL, III. und 
IV. Finger entsprechen, dann müßte auch hier eine Phalange in 
jedem Finger verloren gegangen sein. 

Für die Homologisierung der drei bekrallten Finger in der 
Pterosaurierhand und des hinten sich anlegenden Flugfingers mit 
dem IL — V. Finger der Diapsidenhand scheint der Umstand zu 
sprechen, daß bei einzelnen Pterosauriern wie bei Pterodachjlus 
stievicm Quenst. dem Radius ein langes Griffelbein anliegt, das von 
einem kurzen, senkrecht vom Radialrande des Carpus in die Höhe 
steigenden Knochen gestützt wird. Dieses Griffelbein wird von 
einigen Autoren als Sehnenverknöcherung und seine Stütze als 
Carpale angesehen, während es von anderer Seite mit dem Pollex 
identifiziert wird. Diese letztere Auffassung hätte zur Folge, daß 
wir den Flugfinger als den fünften, die drei bekrallten Finger aber 
als den zweiten, dritten und vierten auffassen müßten. 

Die Aufgabe des dem Radius von Pierodactylus anliegenden 
Griffelbeines, das sich übrigens schon bei dem unterliassischen Di- 
morphodon macronyx findet, ist zweifellos die eines Spannknochens 
des Propatagiums. 

Die oben erörterte Deutung des Flugfingers als den fünften 
hätte zur Folge, daß wir für ihn die Vermehrung um eine Phalange 
annehmen müßten, da die normale Phalangenzahl des fünften Dia- 
psidenfingers drei und nicht vier beträgt. 

^) S. W. Willis ton vertritt die alte H. v. Mey ersehe Auffassung, 
daß der Flugfinger der Pterosaurierhand dem vierten Finger entspreche. — 
S. W. Williston: The Fingers of Pterodactyls. — Geolog. Magazine, Dec. V, 
Vol. I, 1904, p. 59. 

11* 



164 



0. Abel. 



Diese Schwierigkeiten der Deutung sind sofort beseitigt, wenn 
wir die H. v. Mey ersehe Auffassung akzeptieren und uns S. W. 
Williston anschließen, welcher den Flugfinger als den vierten 
betrachtet, bei welchem die Krallenphalange verloren gegangen ist. ^) 
Bei dieser Deutung stimmen die Finger der Pterosaurierhand mit 
der normalen Diapsidenhand in folgender Weise überein: 



Phalangenzahlen: 



Finger . . . . 


I. 


II. 


III. 


IV. 


V. 


Diapsida . . . 


2 


3 


4 


5 


3 


Pterosauria . 


2 


3 


4 


4 





Diese Auffassung erhält aber noch eine Stütze, wenn wir die 
Funktion und relative Länge des vierten Fingers bei den normalen 
Diapsiden betrachten. 

Ebenso wie im primitiven Stegocephalen- und Reptilienfuß die 
vierte Zehe als Hauptzehe funktioniert, da sie den Körper vorwärts 
schiebt — dies ist heute noch bei den Lacertiliern der Fall — so 
war auch der vierte Finger der stärkste und längste, wie 
z. B. das Handskelett von Protorosaurus^) und Palaeohatteria^) be- 

^) Hiezu möchte ich bemerken, daß auch bei Chiropteren eine Reduktion 
der Nagelplialangen zu beobachten ist. So ist z. B. bei Pteropus außer der 
bei allen Fledermäusen vorhandenen Daumenkralle nur noch am zweiten 
Finger eine Kralle vorhanden, während sie an allen übrigen fehlt. Unter den 
Microchiropteren zeigt nur BJiinopoma dieselben Verhältnisse. 

Ich möchte sehr bezweifeln, daß sich, wie H. Leboucq (Recherches siir 
la morphologie de l'aile du murin, — Livre jubil., dedie ä Charles v. Bambeke, 
1899) meint, aus dem embryologischen Befunde der Chiropterenhand eine 
Vermehrung der Phalangen erschließen läßt. Kükenthal hat seinerzeit nach- 
zuweisen, daß die vermeintliche Hyperphalangie der Cetaceen durch einen 
Zerfall der Phalangen in Diaphysen und Epiphysen zu erklären ist. Das 
ist nun wahrscheinlich nicht bei den Cetaceen, wohl aber bei den Chiropteren 
der Fall, nur mit dem Unterschiede, daß die im Embryonalleben getrennt an- 
gelegten Diaphysen und Epiphysen der Phalangen später miteinander ver- 
schmelzen. Bei dieser Betrachtung erscheint die Phalangenformel des reifen 
Embryos von Vespertilio murinus mit 2.1.3.4.3 „Phalangen" und des er- 
wachsenen Tiers mit 2.1.3.2.2 Phalangen in ganz anderem Lichte. 

2) H. F. Osborn: The Reptilian Subclasses Diapsida and Synapsida 
and the Early History of the Diaptosauria. — Memoirs Amer. Mus. Nat. Hist., 
Vol. I, Part VIII, New York, November 1903, p. 471. „In both manus and pes 
the fourth digit is the longest.« (Fig. 9.) ^) Ibidem, p. 471, Fig. 10. 



Die VorCaliiTii der V();4-('l mid iliic liChciiswelHe. Hif) 

weist. Diiß der längste und stärkste Fin^^er zu einem P1ngfinf,^er 
ausg^estaltct wurde, ist leicht vcrständlicli. Das (irillelhein am 
Vorderrande des Radius muli dann natürlich als Sehnen verknöche- 
rung hetrachtet werden. 

Diese Auffassung stimmt sehr gut mit der schon von Gegen- 
baur^) beobachteten Tatsache überein, daß die Fingerreduktion 
stets auf der ulnaren Seite der Reptilienhand beginnt. 

Diese Deutung erhält eine wesentliche Stütze durch die Tat- 
sache, daß unter den Fallschirmnagetieren bei den Sciuroidea das 
Plagiopatagium durch einen vom Pisi forme entspringenden, bei 
den Anomaluroidea dagegen durch einen vom Olecranon aus ent- 
springenden knorpeligen Sporn gestützt und gespreizt wird, der 
in beiden Fällen als eine Neubildung anzusehen ist. Als eine der- 
artige Neubildung ist auch der knöcherne Sporn am Radialrande 
der Pterosaurierhand anzusehen. Somit hätten wir folgende morpho- 
logisch ungleichwertige, aber physiologisch ungefähr gleichwertige 
Spornbildungen zu unterscheiden, die als Stützen des Patagiums 
dienen : 

1. Pterosauria: Sporn (knöchern), entspringend vom Radialrand 

des Carpus. (Stütze des Propatagiums.) 

2. Sciuroidea: Sporn (knorpelig), entspringend vom Ulnarrande 

des Carpus, und zwar vom Pisiforme. (Stütze des 
Plagiopatagiums.) 

3. Anomaluroidea: Sporn (knorpelig), vom Olecranon Ulnae ent- 

springend. (Stütze des Plagiopatagiums.) 

4. Chiroptera: Sporn (knöchern), vom Calcaneus aus entsprin- 

gend. (Stütze des Uropatagiums.) 
Kehren wir zu Archaeopteryx zurück. 

Die Länge der noch vorhandenen drei Finger be- 
weist, daß wir hier nicht an Reduktion zu denken haben. 

Es ist sehr auffallend, daß in der Ärchaeopteryx-UsLiid im 
dritten Finger Phalangenverkürzungen ^) eintreten; diese Erscheinung 



^) Gegenbaur, Carpus und Tarsus, 1864, S. 41. 

2) Die Längen der Metacarpalia und Phalangen sind bei Archaeopteryx 
Siemensi in Millimetern : 



166 



O. Abel. 




ist auch bei einigen Triasdinosauriern zu beobachten. Da aber 
Phalangenverkürzungen sowohl bei Schreittieren (z. B. Eleplias)^ 

Lauftieren (z. B. Equus) und 
Klettertieren (z. B. Choloe- 
pus) eintreten, so können wir 
aus dieser Tatsache keinen 
sicheren Schluß ableiten. 

Daß es sich aber in 
den drei Fingern der Är- 
chaeopteryx-B.3ind wirklich 
um die drei vorderen Fin- 
ger handelt, ergibt ein Ver- 
gleich mit der Hand der 
theropoden Dinosaurier in 
entscheidender Weise. 

Bei den triassischen 
Plateosauriden hat F. v. 
Huene^) festgestellt, daß 
die Hand fünffingerig und 
der fünfte Finger bereits 
in Reduktion begriffen war 
(Fig. 1 und 2). 

Die Fhalangenformel der Plateosauridenhand ist nach v. Huene: 
I. II. m. IV. V. Finger: 
2 3 4 5 2 Phalangen. 

Aber nicht nur der fünfte, sondern auch der vierte Finger 
zeigt unverkennbare Spuren einer Reduktion; stets sind die 



Fig. 1. 
Rechte Hand von 
Plateosaurus Beini- 
geri Huene. — Re- 
konstruktion. 

(Stark verkleinert.) 
Degerloch bei Stuttgart. 
Oberer Keuper. 
(Nach V. Huene.) 



Fig. 2. 

Rechte Hand von 
Gresslyosaurus Plie- 
ningeri Huene. 

(Stark verkleinert.) 
Degerloch bei Stuttgart. 
Oberer Keuper. 
(Nach V. Huene.) 



Bezeichnungen bei den Figuren 1—6 : /, //, III = erste 
bis dritter Finger, H — Humerus, R = Radius, U — 
Ulna, u = ulnare, r = radiale, de = distale Garpalia, 
c = Garpalia coossifiziert. 



Metacarpale I: 7, Phal. I: 20, Phal. II: 11, 

II: 27, „ I: 15, „ II: 18, Phal. III: 13, 
III: 25, „ I: 6, „ II: 4, „ III: 12, Phal. IV: 9, 
und die Gesamtlängen der Finger in Millimetern: 

Pollex 38 

Index 73 

Medius 56 

Der Index ist um 14 mm länger als die längste der vier Zehen (dritte 
Zehe, Metatarsus -f Phalangen): 59 mm. (Maße nach W. Dam es, 1884.) 

^) F. V. Huene, 1. c, Geol. u. Pal. Abh., Jena, Suppl.-Bd. I, 1907 bis 
1908, S. 250. 



Die Vorl'ahrtMi diT Vöf^rl iiihI ilirt; LcilxüiHwei.se. 



1G7 



vorderen drei Finf:;er der Plateosauriden die stärksten 
und der vierte bleibt an Stärke und Län^^e weit hinter 
dem dritten zurück.^) 

Es kann kaum ein ernster Zweifel gegen die Homologisierung 
der vorderen drei Plateosauridenfinger mit den drei Fingern der 
Ärchaeopteryx erhoben werden. 

Die drei Finger der Ärchaeopteryx-Ueind sind also 
trotz der scheinbar abweichenden embryologischen Re- 
sultate bei den lebenden Vö- 
geln als der 1. — III. Finger zu 
betrachten. 

Von besonderer Wichtigkeit 
bei der Entscheidung dieser Frage 
ist die Feststellung des Län- 
genverhältnisses der drei Fin- 
ger, wovon im nächsten Abschnitte 
die Rede sein wird. 

Die schon bei den Plateo- 
sauriden zu beobachtende Re- 
duktion des fünften und vier- 
ten Fingers hat bei speziali- 
sierteren Theropoden zu einem 
völligen Verlust der beiden 
Finger geführt. 

Bei Ällosaurus (Fig. 3) ist nur mehr ein Rudiment 
des vierten Fingers vorhanden, bei Comp sog nathiis ist 
weder vom fünften noch vom vierten Finger auch nur eine 
Spur anzutreffen. Die Hand dieses Theropoden ist drei- 
fingerig wie die der Vögel. 

VIII. Das Längenverhältnis der Finger bei den Vögeln und 
theropoden Dinosauriern. 

Das Handskelett der rezenten Vögel umfaßt dieselben Finger 
wie die Ärchaeopteryx-Rsind, nur sind Reduktionen der Phalangen 
eingetreten. 




Fig. 3. 

Rechte Hand von Ällosaurus. 

(Stark verkleinert.) 
Montiert im Amer. Mus. Nat. Hist. New 
York. 

Atlantosanrus-Be&s, Wyoming. 
(Nach Photographie.) 



^) Die Klauenphalange des vierten Fingers und die zweite Phalange des 
fünften Fingers sind noch bei keinem Triasdinosaurier gefunden worden. 



168 



0. Abel. 



Die drei Finger der ÄrcJiaeopteryx haben die Phalangen- 
formel 2, 3, 4. 

Kein rezenter Vogel besitzt am dritten Finger mehr als zwei 
Phalangen und diese Zahl findet sich auch nur bei Struthio und 
im Embryonalstadium von Numenius. 



4—R 




Fig. 4. 
Rechte Hand von Stru- 
thio camelus. 
(Halberwachsen.) 

(Verkleinert.) 
(Nach K. Parker.) 




Fig. 5. 

Rechte Hand von Ärchaeopteryx 
Siemensi Dames. 

(Verkleinert.) 
Eichstätt. — Tithonischer Plattenkalk. 
(Nach dem Abgüsse des Originals.) 



Struthio hat hinsichtlich der Phalangenzahlen und der Er- 
haltung der Krallen die primitivste Hand unter allen lebenden 
Vögeln; seine Phalangenzahlen sind 2, 3, 2 und alle drei Finger 

(F. V. Huene: Die Dinosaurier der europäischen Triasformation mit Berück- 
sichtigung der außereuropäischen Vorkommnisse. — Geol. u. Pal. Abh. von 
E. Koken, Supplementband I, Jena, 1907 — 1908, S. 275.) 



Die N'orrahiTii (h-r Vö;;«^l iiiid ilirc LchciisvveiHC!. 



sind bekrallt (Pollex und Index immer, die Kralle des Medius fehlt 
zuweilen). (Fi^-. 4.) 

Die gleichen Verhältnisse in der Bckrallun^^ zeigt llhea^ aber 
die Phalanf::enzahlen sind auf 1, 2, 1 reduziert. 

Bei Dromaeus sind am Index noch drei Plialan^ien erhalten; 
die letzte ist bekrallt. Erster und dritter Finger sind verkümmert. 

Gasuariiis und Apteryx besitzen eine hochgradig verkümmerte 
Hand; der Index trägt zwei Phalangen mit einer Kralle. 

Phalangenkrallen finden sich auch bei Falamedea cormita (am 
Index), bei Opisthocomus cristatus (am Pollex und Index im Jugend- 
stadium) sowie am Pollex bei einer größeren Zahl verschiedener Vögel. 
Bei allen Embryonen der Hühnervögel ist der Index bekrallt. Eine 
Übersicht der Vögel mit Indexkrallen hat W. K. Parker^) mitgeteilt. 

Sehen wir von den höher spezialisierten Handformen ab und 
betrachten wir zunächst nur die Handskelette von Arcliaeoptenjx, 
Struthio und Bliea,'^) so sehen wir, daß der zweite Finger die 
übrigen stets bedeutend an Länge übertrifft. Diese Erscheinung muß 
die Frage nahelegen, ob dieses Längenverhältnis eine Erwerbung 
der Vögel darstellt oder ob sich auch bei Dinosauriern ähnliche 
Verhältnisse beobachten lassen. 

Ein Vergleich der Ärchaeopteryx-UsLud (Fig. 5) mit den Theco- 
dontosauriden (z. B. ÄncMsaurus), Plateosauriden (z. B. Plateosmi- 
rus), Megalosauriden (z. B. Ällosaurus) und Compsognathiden (z. B. 
Ornitholestes) zeigt sofort, daß bei diesen Dinosauriern nicht 
nur der vierte und fünfte Finger reduziert werden und 
endlich ganz verloren gehen (z. B. Compsognathus, Ällo- 
saurus), sondern daß von den drei übriggebliebenen 
vorderen Fingern der zweite ausnahmslos der längste ist 
wie bei den Vögeln, während der Daumen der stärkste 
ist und die stärkste Kralle trägt. 



^) W. K. Parker: On the Morphology of Birds. — Proc. Roy. Soc, 
London, 13. Jan. 1887, Vol. 42, p. 52—58. — Derselbe: On the Structure 
and Development of the Wing in the Common Fowl. — Transact. Roy. Soc., 
(B), Vol. 179 (für das Jahr 1888), London, 1889, p. 385-398, PI. 62-65. 

^) R. 0. Cunningham: Notes in some Points in the Osteology of 
Hhea americana and Rhea Darwinii. — P. Z. S. London, 1871, p. 105—110, 
PI. VI und Via. — W. K. Parker, 1. c., 1889, p. 389. 



170 



O. Abel. 



IX. Die Funktion der Fingerkrallen von Opisthocomus 

cristatus. 

„He Stands solitaiy, a liviüg fossil, the only survivor of a 
number of families that have either disappeared, too primitive to 
hold their own, or have advanced to a higher Organisation." 

In der Tat kann man diesen Äußerungen F. W. Headleys 
über den Hoatzin oder OpistJiocomus cristatus aus Britisch-Guiana 
beipflichten, wenn man die Anpassungen und 
Lebensgewohnheiten dieses merkwürdigen Vo- 
gels berücksichtigt. 

Seine primitive Organisation geht zunächst 
aus dem Vorhandensein eines getrennt ange- 
legten Rudimentes des vierten Fingers beim 
Embryo hervor. Sie erhellt weiters aus der 
ungewöhnlichen Länge des zweiten Fingers, 
welcher ebenso wie der Daumen im Jugend- 
zustand eine starke Kralle trägt, die im Laufe 
des Wachstums verschwindet. (Fig. 6.) 

Mit Hilfe dieser Krallen vermag der 
junge Hoatzin, wie J. J. Queich^) ge- 
zeigt hat, sehr geschickt zu klettern und 
entfernt sich häufig ziemlich weit von 
seinem Nest.^) 

Er ist ein schlechter Flieger, und zwar 
ist die längste Strecke, die er zu durchfliegen 
vermag, etwa 40 Meter dabei macht sein Flug durch das stete 
Niedersinken gegen das Ende der Flugbahn eher den Eindruck 
eines Fallschirmfluges; kurze Flattersprtinge sind seine gewöhnliche 
Bewegung, in die er z. B. verfällt, wenn ein Schuß ihn aufschreckt. 

Während beim jungen Hoatzin die Hand, beziehungsweise der 
zweite Finger bedeutend länger ist als der Unterarm, bleibt später 




Fig. 6. 

Rechte Hand von O^n- 
sthocomus cristatus, 
Nestjunges. 

(Vergrößert.) 
(Nach W. P. Pycraft.) 



1) F. W. Headley: The Structure and Life of Birds 
1895, p. 287. 



^) J. J. Queich: On the Habits of the Hoatzin. 
2) F. W. Headley: 1. c, p. 288. 
Ibidem, p, 287. 



London, 
Ibis, 1890, p. 327-335. 



Oio Vorlalircii der Vü^,u'l iiixl ilirc^ I jcItoiiMWcisü. 



171 



die Hand in ihrer Entwicklung^: stehen, so daß sich das Längen- 
verhältnis zugunsten des Unterarmes vcrschieht. ^) 

Zweifellos gibt uns das Jugendleben des Iloatzin eine Vor- 
stellung von der Lebensweise der Ärchaeopteryx. Kein anderer 
Vogel weist in seinem Handbau so große Ähnlichkeiten mit Ärchaeo- 
pteryx auf; wir müssen Pycraft^) beipflichten^ wenn er die Meinung 
vertritt, daß Ärchaeopteryx mit seinen Fingerkrallen ebenso ge- 
schickt zu klettern vermochte als der Iloatzin und diese Ähnlich- 
keit wird noch verstärkt durch die Tatsache, daß der Hoatzin 
nur ein sehr unbeholfener Flatterer und beinahe noch 
ein Fallschirmtier ist. 

X. Körperhaltung und Lokomotion bei den bipeden 
Dinosauriern. 

Die Mehrzahl der Dinosaurier der Triasformation hat eine bi- 
pede Lokomotionsart besessen. Ebenso finden wir in der Jura- und 
Kreideformation eine große Zahl von Gattungen mit bipedem Ha- 
bitus, welche sich auf die beiden von Huene 1909 diagnostizierten 
Unterordnungen Saurischia und Ornithischia verteilen^) und der 
früheren Fassung der beiden Abteilungen Theropoda und Orthopoda 
zum Teile entsprechen. Die erste Gruppe — die Theropoda — 
umfaßt die karnivoren, die zweite — die Orthopoda — die herbi- 
voren Dinosaurier. 



^) W. P. Pycraft: The Wing of Ärchaeopteryx. — Natural Science, 
London, Vol. V, 1894, p. 355, PI. III, Fig. 1-3. 

2) Pycraft ist später (ibidem, Vol. VIII, 1896, p. 263) von seiner ur- 
sprünglichen Meinung abgekommen: „. . . then it will, I think, be no longer 
possible to entertain the hypothesis that these three digits were used for 
climbing." 

H. Gadow hat mir während meines Aufenthaltes in Cambrigde, Februar 
1911, mitgeteilt, daß auch die Nestjungen der Zwergrohrdommel (Ärdetta minuta) 
in ähnlicher Weise wie der junge Hoatzin klettern, dabei aber außerdem ihren 
Schnabel zur Unterstützung verwenden. Über die Stellung der Fingerkrallen 
beim Hoatzin vgl. noch II, Gadow: Crop and Sternum of Opisthocomus cri- 
status. — Proceed. ß. Irish Acad., Dublin, (3), Vol. II, No. 2, 1892, p. 147. 

^) F. V. Huene: Skizze zu einer Systematik und Stammesgeschichte der 
Dinosaurier. — Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, 1901. 
Nr. 1, S. 12—22. 



172 



O. Abel. 



Zwischen diesen beiden Gruppen bestehen neben anderen 
Differenzen namentlich im Baue des Beckens wesentliche Ver- 
schiedenheiten. 

Diese Verschiedenheiten kommen vor allem in der Morpho- 
logie der Pubisregion zum Ausdruck. 

Bei den Theropoden (z. B. bei Ällosaurus) ist das Pubis wie 
bei den Krokodilen nach vorne gerichtet und entsendet keinen 
Fortsatz unter das Ischium; das Unterende des Pubis besitzt jedoch 
einen in sagittaler und kaudaler Richtung abstehenden Fortsatz. 

Bei den Orthopoden entsendet dagegen das Pubis einen langen, 
dünnen Fortsatz — das Postpubis — unter das Ischium, an dessen 
Ventralseite es sich anlegt. 

Bei den Vögeln ist das Pubis im Embryonalstadium nach 
vorne gerichtet, wendet sich aber im Verlaufe der ontogene- 
tischen Entwicklung nach hinten unter das Ischium und 
nimmt schließlich dieselbe Lage ein wie das Postpubis 
der ornithopoden Dinosaurier. 

Die meisten Morphologen stehen auf dem Standpunkte, daß 
das Postpubis der Orthopoda und das Pubis der Vögel zwar in 
funktioneller Hinsicht, also physiologisch, ident sind, aber in morpho- 
logischer Hinsicht verschiedenartige Bildungen repräsentieren.^) 



^) L. Dollo: Troisieme note sur les Dinosauriens de Bernissart. — 
Bull. Mus. R. Hist. nat. Belg., II, 1883, p. 88—98. 

G. Baur: Note on the Pelvis in Birds and Dinosaurs. — Amer. Natur., 
XVIII, 1884, p. 1273. 

G. Baur: Bemerkung-en über das Becken der Vögel und Dinosaurier. 
— Morphol. Jahrb., X, 1885, S. 613. 

E. Mehnert: Untersuchungen über die Entwicklung des Os pubis der 
Vögel. — Morphol. Jahrb., XIII, 1888, S. 259—295. 

H. F. Osborn: Reconsideration of the Evidence for a common Dinosaur- 
Avian Stern in the Permian. — Amer. Natur., XXXIV, 1900, Nr. 406, p. 777- 

Eine abweichende Auffassung vertritt F. v. Huene (Beiträge zur Lösung 
der Praepubisfrage bei Dinosauriern und anderen Reptilien. — Anat. Anzeiger, 
XXXIII. Bd., 1908, S. 401— 405). Nach v. Huene ist das „Pubis" der Kroko- 
dile zwar ident mit dem „Pubis" der Pterosaurier und Orthopoden, aber nicht 
ident mit dem „Pubis" der Vögel. Dieses „Pubis" der Orthopoden, Krokodile 
und Pterosaurier ist ein Praepubis, während es bei den Vögeln rudimentär 
wurde. Sonach wäre das „Postpubis" der Orthopoden homolog dem Pubis 
der Vögel. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle das Für und Wider 



Die Voilhhron der V()<^ol und ihm LehcnsweiHC. 



173 



Es ist weiters allgemein anerkannt, daß diese Konvergenz im 
Beckenbauc zwischen ()rtliü{)()dcn und V()gcln als eine Folge der 
gleichartigen bipeden Lokoniotion anzusehen ist. 

Da aber die Theropoden gleichfalls sicher biped gewesen sind, 
so muß die Frage aufgeworfen werden, warum im Becken der 
Theropoden keine gleichsinnige Umformung wie bei den Orthoi)oden 
und Vögeln eingetreten ist. 

Diese Frage ist nur dann zu lösen, wenn wir untersuchen, 
ob die bipede Lokomotiousart der Theropoden einerseits und der 
Orthopoden und Vögel anderseits wirklich in jeder Hinsicht gleich- 
artig war oder nicht. 

Die Vögel haben ausnahmslos einen hochgradig verkümmerten 
Schwanz und das Körpergewicht ruht ausschließlich auf den Hinter- 
beinen. 

Die Orthopoden hatten einen langen, kräftigen Schwanz, der 
mitunter (z. B. bei Iguanodon) eine wesentliche Versteifung durch 
Sehnenverknöcherungen erfahren hat, aber sie benützten, wie 
namentlich H. F. Osborn,i) C. E. Beecher^) und L. Dollo^) ge- 
zeigt haben, den Schwanz bei der bipeden Lokomotion nicht als 
Stützorgan, sondern trugen ihn beim Schreiten und Laufen erhoben 
als Balanzierorgan, wie auch die Fährten ornithopoder Dinosaurier*) 
in überzeugender Art beweisen. 

der Hueneschen Theorie eing-ehend zu erörtern. Die Ontogenie des Vogel- 
beckens scheint mit der Auffassung Huenes nicht gut übereinzustimmen. 

1) H. F. Osborn: Amer. Natur., XXXIV, 1900, p. 795—796. 

^) C. E. Beecher: The Reconstruction of a Cretaceous Dinosaur, Clao- 
saurus annectens Marsh. — Transact. Connecticut Acad. Science, XI, 1902, 
PI. XLI, p. 311. 

^) L. Dollo: Les allures des Iguanodons, d'apres les empreintes des 
pieds et de la queue. — Bull. Scient. de la France et de la Belgique, XL, 
1905, p. 1-12, 1 pl. 

*) E. Hitchcock: Iclmology of New England. A Report on the 
Sandstone of the Connecticut Valley, especially its fossil Footmarks, made to 
the gouvernment of the Commonwealth of Massachusetts. Boston, 1858. 

R. S. Lull: Fossil Footprints of the Jura-Trias of North America. — 
Memoirs of the Boston Soc. Nat. Hist., V, Boston, 1895—1904, Boston, 1904, 
p. 461-557, PI. 72. 

Die Schwanzfährten, welche in Verbindung mit Fußfährten von Dino- 
sauriern aus der Gruppe der Theropoden stehen, sind entweder schlangenartig 



174 



O. Abel. 



Die Theropoden besaßen wie die Ornitliopoden einen langen, 
kräftigen Schwanz, aber sie trugen ihn beim Schreiten und Laufen 
nicht erhoben wie die Ornithopoden, sondern er diente ihnen noch 
als Stützorgan und Lokomotionsorgan, wie die Fährten aus dem 
rhätischen Connecticutsandstein Nordamerikas und die Fährten aus 
den oberjurassischen Plattenkalken von Eichstätt und Solnhofen 
beweisen. 1) 

In dieser grundverschiedenen Lokomotionsart liegt offenbar 
die Ursache für den verschiedenen Beckenbau jener bipeden Formen 
einerseits, die sich ohne Hilfe des Schwanzes fortbewegen, und 
jenen, die sich bei der Lokomotion des Schwanzes als Stützorgan 
bedienen. 

Auf diese Weise erklärt sich, warum die Theropoden 
im Beckenbaue keine Vogelähnlichkeit besaßen, während 



g-ekrümmt oder sie bestehen aus geradlinig angeordneten, voneinander ge- 
trennten länglichen Eindrücken. Gerade diese letzteren beweisen ein wieder- 
holtes Aufschlagen des Schweifes in ähnlicher Weise, wie dies bei langsam 
hüpfenden Känguruhs zu beobachten ist. Die mit den Fußfährten orthopoder 
Dinosaurier in Verbindung stehenden Schwanztährten sind entweder während 
des Sitzens oder knapp vor dem Übergang von der Schreitbewegung zur 
Ruhestellung (Sitzstellung) eingedrückt worden, wie die Fährten von Anomoe- 
pus intermedius und Fulicopus Lyellianus beweisen. 

Die Schwanzfährte von Iguanodon ist nur während des Sitzens ein- 
gedrückt worden (L. Dollo, 1. c, 1905, p. 5—10). 

^) A. Oppel: Über Fährten im lithographischen Schiefer. — Paläont. 
Mitteil. a. d. Museum des kgl. bayer. Staates, Bd. II, Stuttgart, 1862, S. 121 — 
125, Taf. 39. 

J. Walther: Die Fauna der Solnhofener Plattenkalke, bionomisch be- 
trachtet. — Festschrift für Ernst Haeckel, Jena, 1904, S. 147 und 203. 

Diese Fährte ist gewiß nicht von Archaeopteryx eingedrückt worden, 
wie Oppel und Walther meinten, deren Autfassung ich früher (Verh. d. k. k. 
zool.-bot. Ges. in Wien, 1907, S. [72]) geteilt hatte. Die Fährte rührt höchst- 
wahrscheinlich von Compsognathus longipes oder einem nahen Verwandten 
desselben her-, die Eindrücke von den Abdrücken des dreizehigen (und nicht 
vierzehigen Fußes) sind vermutlich von den starken Daumenkrallen dieses 
kleinen Theropoden hervorgebracht worden. In der Größe würden diese 
Fährten durchaus zu Compsognathus passen. Mit Pterosauriern können 
sie aber ebensowenig in Verbindung gebracht werden wie mit 
der vierzehigen Archaeopteryx, deren Halluxkral le unbedingt 
ihre Spur hätte hinterlassen müssen. 



Die Vorlaliirn der Vöt;el und ilirc LclK'iifHWoiHO. 



175 



die Orthopodon ein in physiologischer, aher nicht in nior- 
[)hologischer Ilinsiciit vogelartig gebautes liecken auf- 
weisen. 

XI. Die Fuuktloii von Ifaiid und Fuß der ältesten thero- 
podeii Dinosaurier. 

Die dreifingerige Hand von Compsognathus mit starker Dau- 
nienkralle, langer Indexkralle und schwächerer Mediuskralle ist 
nach Ubereinstimmender Auffassung der Paläontologen, welche diese 
Frage eingehender studiert haben, zu einer Lokomotion auf festem 
Boden ganz ungeeignet. Ihre Funktion kann nur die einer Greif- 
hand gewesen sein; der kleine Raubdinosaurier hat sich wahr- 
scheinlich mit seinen Fingern in seiner Beute festgekrallt. 

Dieselbe Funktion muß die Hand des Raubdinosauriers Orni- 
tlwlestes besessen haben und ganz dasselbe gilt für Anchisaunis, 
Ammosaums, Allosaiims, Tyrannosanrus usf., kurz für alle übrigen 
Theropoden mit mehr oder weniger reduziertem vierten Finger. 
Mit Ausnahme der Plateosauriden und einiger anderer älterer Thero- 
poden hat der fünfte Finger wohl allen jüngeren Theropoden gänz- 
lich gefehlt und der vierte war nur bei wenigen (z. B. Omitholestes, 
Ällosaunis) in stark verkümmertem Zustande vorhanden. 

Von derartigen Formen die Sauropoden mit fünf- 
fingeriger Hand (z. B. Biplodociis) abzuleiten, ist ganz un- 
möglich. Schon die Plateosauriden sind viel zu einseitig im Bau 
ihrer Hand spezialisiert, als daß sie als Ahnengruppe der Sauro- 
poden betrachtet werden könnten.^) 

Während die Hand der Theropoden von den ältesten Plateo- 
sauriden angefangen bis zu den höchstspezialisierten Kreidethero- 
poden wie Tyrannosaurus sich immer mehr zu einem Enterhaken 
entwickelt, nimmt ihr Fuß immer mehr den Charakter eines typi- 
schen Lauffußes, ja sogar Springfußes an (Compsognathus). (Fig. 7.) 

^) 0. P. Hay: On the Manner of Locomotion of the Dinosaurs, espe- 
cially Diplodocus with Remarks on the Origin of the Birds. — Pioc. Wash. 
Acad. Sei., XII, Nv. 1, 15. Febr. 1910, p. 22: „ . . . it appears raost reasonable 
to suppose that the Sauropoda were a more primitive stock than the Thero- 
poda and that the latter were derived from the early Triassic representatives 
of the former." 



176 



0. Abel, 



1^ 



Eine der jüDgsten Formen (Ornithomimus) gleicht, wie schon früher 
besprochen, in ihrem Fußbaue in hohem Maße den schweren Schreit- 
vögeln (z. B. Aepyornis, Dinornis). Und in dem 
Maße, als sich der Fuß zu einem Schreit-, Lauf- 
und Springfuß ausbildet, verliert der Hallux seine 
Bedeutung; entweder rückt er nach vorne (Plateo- 
saurus) oder er bleibt in seiner ursprünglichen 
Stellung am Hinterrande des Metatarsus (ÄncJii- 
saurus, Ällosaurus, Tyrannosaurus) noch 
eine Zeitlang erhalten, um später höher 
hinaufzurücken und zu verkümmern (Com- 
psognathus, OrnitJiolestes) oder endlich 
bei einer der jüngsten Gattungen (Orni- 
thomimus) ganz zu verschwin- 
den. 1) 

Die Plateosauriden sind nach 
Huene nicht ausschließUch biped, 



O. Abel 1910 . 

Fig. 7. Rekonstruktion von CompsognatMis longipes nach dem Original im 

Münchener Museum. 

Jachenhausen, O. Pfalz. Oberjurassische Plattenkalke. 
Körpergröße ungefähr die einer Hauskatze. 



aber doch vorwiegend biped gewesen; die jüngeren Theropoden 
waren ausnahmslos biped. 

Dies würde, vorausgesetzt, daß die Theropoden einen ge- 
schlossenen Stamm repräsentieren, zu dem Schlüsse führen, daß die 
Theropoden von tetrapoden Reptilien mit der Neigung zum Aufrichten 
auf den Hinterbeinen abstammen und daß der Übergang zur bipeden 



^) Wiederholt ist die Ansicht ausgesprochen worden, daß der Fuß von 
Änchisaurus, Allosaurus, lyrannosaurus usw. ein Greiffuß war wie jener der 
Tagraubvögel. Huene meint: „Dieser stark bewehrte Fuß diente wohl als 
Angriffswaffe beim Springen wie den Hähnen der Sporn" (Vortrag 
über die „Triasdinosaurier Europas". Protokoll der Monatsberichte d. Deutsch. 
Geol. Ges., 1905, Nr. 9, S. 347). 



Die VorlahrtMi der Vü^ol und ilirc^ liclx'iiHWcuse. 



177 



Lebensweise sich im Laufe der Stammesentwicklung' der Theropoden 
vollzogen hat. 

Diese neuerdings von Iluene begründete Theorie, die auf 
älteren Anschauungen fußt, vermag jedoch zwei wichtige Punkte 
nicht aufzuklären: die Entstehung des merkwürdigen Handbaues 
der Theropoden mit stark verlängertem Index und reduziertem 
fünften und vierten Finger einerseits und die Erklärung der zweifel- 
los für die Theropoden primitiven Opponierbarkeit des nach hinten 
o-erückten Hallux anderseits. 

Diese Anpassungen können unmöglich weder bei 
tetrapoder noch bei bipeder terrestrischer Lokomotion 
erworben worden sein. 

XII. Die arboricole Lebensweise der Vorfahren der 
Theropoden. 

Die Reduktion der ulnaren Finger (fünfter und vierter) in der 
Theropodenhand und die nach hinten gerichtete, opponierte Stel- 
lung des Hallux im primitiven Theropodenfuß (Fährte von Anchi- 
saiiripus^ Skelett von Ällosaurus) lassen nur den Schluß zu, daß 
die Vorfahren der Theropoden arboricole Reptilien gewesen sind. 

Nur bei arboricoler Lebensweise kann die Hand die Aus- 
bildung erlangen, die sie schon bei den älteren Theropoden zeigt; 
die Reduktion der beiden Außenfinger und die Verlängerung des 
zweiten Fingers in Verbindung mit starker Entwicklung der Krallen 
am Pollex und Index kann nur eine Folge verstärkter Inanspruch- 
nahme der beiden ersten Finger, also wahrscheinlich eine An- 
passung an das Ankrallen und Klettern im Gezweige sein. 

Nur bei arboricoler Lebensweise kann ferner der Fuß eine 
Ausbildung erlangen, wie er sie bei einzelnen Theropoden noch 
bewahrt hat, die aber später bei fortschreitender Anpassung an die 
bipede terrestrische Lebensweise verschwindet; die opponierte 
Stellung des nach hinten gerichteten Hallux kann nur eine An- 
passung an das Umklammern und Ergreifen der Zweige sein und 
darum muß auch der orthopode Dinosaurier HypsilopJiodon Foxi 
aus dem Wealden der Insel Wight eine arboricole Lebensweise ge- 
führt haben. 

Z. B.Ges. Gl. Bd. 12 



178 



O. Abel. 



A. Adaptationsform der Hand. 

Bei folgenden Bewegungsarten tritt eine Verlän- 
gerung, Verstärkung oder Verschmälerung einzelner Finger 
neben Reduktion von anderen ein: 
1. Schwimmen. 

Beispiel : Glohiocephalus. 

(Verlängerung von II und III, Verkürzung von IV 
und V, Reduktion von L) 
II. Graben. 

Beispiel : Myrmecophaga. 

(Verlängerung und Verstärkung des III., Reduktion 
des I. und Verdünnung des II.) 

III. Hängen. 
Beispiel: Gholoepus. 

(Verlängerung und Verstärkung von II und III, Re- 
duktion von I und IV, Verlust von V.) 

IV. Schwingen. 
Beispiel: Hylohates. 

(Verlängerung aller Finger mit Ausnahme des stark 
reduzierten Daumens.) 

V. Tasten. 
Beispiel: Cheiromys. 

(Starke Verschmälerung des III. Fingers, der als Tast- 
apparat und Fangapparat funktioniert, und zwar in ähn- 
licher Weise wie der Schnabel des Weibcheus der neusee- 
ländischen Heteralocha.) 

VI. Laufen. 
Beispiel: Hipparion. 

(Verstärkung und Verlängerung von III, Reduktion 
von II und IV, Verlust von I und V.) 

VII. Zangenklettern. 
Beispiel : Perodicticus. 

(Verstärkung und Verlängerung von I, der dem IV. 
und V. Finger opponiert wird, während der III. und noch 
mehr der IL Finger verkümmern.) 



Die V()rl:ihr(iii der Viijjfel und ihre lifdxMiHweiHO. 



171) 



VIII. Fliegen. 

Beispiel a: Rlmmphorhynehrts. 

(IV. enorm verlängert, III., II., I. verkürzt , V. ver- 
loren.) 

Beispiel b: Goleopithecus. 

(V. verlängert und verstärkt, dann folgt der Länge 
nach der IV. Finger; der III. ist kürzer als der IV. — 
II und I normal.) 
Beispiel c: Pteropus. 

(II., III., IV., V. stark verlängert und versehmälert; 
I. verlängert, aber bei weitem nicht so stark als einer der 
vier übrigen, dafür jedoch bedeutend verstärkt und mit 
starker, gekrümmter Kralle versehen. Auch der Index 
trägt noch eine Kralle.) 

Von allen angeführten Beispielen kann bei einem Vergleiche 
mit der primitiven Theropodenhand überhaupt nur das letzte 
(Pteropus) in Betracht kommen. 

In beiden Fällen ist der Daumen der stärkste Finger; er trägt 
von allen Fingern die stärkste Klaue; die Klaue ist kurz, stark 
gekrümmt und mit scharfer Spitze versehen. 

Die Daumenkralle von Pteropus dient zum Ankrallen und 
Klettern im Geäst. 

Die Verstärkung des Daumens und der Daumenkralle von 
Pteropus ist wahrscheinHch noch ein Überrest aus der Zeit, in wel- 
cher die Vorfahren von Pteropus noch arboricole Fallschirmtiere ge- 
wesen sind. 

Einer Erörterung bedarf aber die Frage, weshalb bei den 
Theropoden und schon bei den Vorfahren der Theropoden eine Re- 
duktion der beiden ulnaren Finger eingetreten ist. 

Eine V erkümmerung des IV. und V. Fingers bei gleichzeitiger 
bedeutender Längenzunahme des II. Fingers wäre bei Glohiocephalus 
vorhanden; es ist aber ausgeschlossen, daß die Fingerreduktion der 
Theropoden in derselben Weise entstanden ist. 

Eine Reduktion der ulnaren Finger tritt ferner bei der An- 
nahme einer grabenden Lebensweise ein, und zwar könnte man nur 
an ein Auswärtsgraben denken, aber nicht an ein Einwärtsgraben, 

12* 



180 



0. Abel. 



da bei den Einwärtsgräbern (z. B. Myrmecophaga) die radialen Finger 
reduziert werden. 

Dieser Gedankengang- ist nicht ohne weiteres von der Hand 
zu weisen; er würde eine Stütze durch die Bemerkung v. Huenes 
erhalten, der die schief gestellten Krallen der Zehen von Plateo- 
saurus Beinigeri aus der schwäbischen Trias als Scharrkrallen deutet. 

Dies wäre in der Geschichte der Theropoden jedenfalls als 
ein primitives, ererbtes Adaptationsstadium anzusehen, da diese 
Zehenstellung im weiteren Laufe der Stammesentwicklung bei der 
fortschreitenden Adaptation an das bipede Schreiten, Laufen und 
Springen verschwindet. 

Dagegen zeigen uns die Krallenstellungen einiger Sauropoden, 
daß bei dieser Gruppe noch ähnliche schiefe Krallenstellungen auf- 
treten, die sogar zu der Deutung geführt haben, daß Diplodocus 
seine Füße zum Graben und Scharren benützte, obwohl von einer 
solchen Tätigkeit bei den sonstigen Lebensgewohnheiten dieses 
Sauropoden keine Rede sein kann. 

Vielleicht sind in der Tat die Vorfahren der Theropoden Tiere 
gewesen, welche ihre Hände und Füße in beschränktem Maße 
zum Graben und Scharren benützten, und zwar muß diese Tätigkeit 
noch in eine Zeit gefallen sein, in der die Vorfahren der Thero- 
poden tetrapode Kriechtiere gewesen sind. 

Wenn wir also auch die Möglichkeit nicht ausschließen können, 
daß der erste Anstoß zu einer Reduktion der Außenfinger durch eine 
grabende Tätigkeit der Hand hervorgerufen wurde, so ist doch kein 
Zweifel, daß die weitere Entwicklung in der Richtung, daß die 
Innenfinger verstärkt wurden und die äußeren verloren gingen, 
nicht durch eine Anpassung an das Graben zu erklären ist. Die 
Hand der Chiropteren mit verstärktem Daumen und starker Dau- 
menkralle zeigt uns den Weg, auf welchem sich die Handform der 
jüngeren Theropoden und Vögel herausgebildet hat. 

B. Adaptationsform des Fußes. 

Die Opponierbarkeit und die Drehung des Hallux nach hinten 
sowie die starke Krümmung desselben, von der früher mehrfach 
die Rede war, kann unbedingt nur als Folgeerscheinung des arbori- 
colen Lebens betrachtet werden. 



Die VorfahnMi der Vöi<;v\ iiiui ihre LehenswoiHe. 



1H1 



Nur bei arboricoler Lebensweise erhält der Hallux die charakteri- 
stisclic Drelunii;- nacli Ii inten, und zwar sclicn wir das nicht nur am 
Fußskelett der arboricolcn Säugetiere mit GreiHußcn, sondern auch am 
Fuße der Vögel und der Kletterfrösche (z. B. FhyUomediisa Lhirmeisteri). 

Die starke Kriimmung- des Hallux ist ein Beweis dafür, daß 
er zum Umfassen der Zweige und Äste diente; bei Annahme einer 
terrestrischen, schreitenden oder laufenden Lebensweise erleidet der 
Hallux, falls er funktionell bleibt, insoferne eine Modifikation, als 
er sich gerade streckt. Dies sehen wir bei den Parriden, welche 
von arboricolen Vögeln abstammen und zur sumpfbewohnenden 
Lebensweise übergegangen sind. Ebenso wird der Hallux auch 
bei den Baumläufern gerade gestreckt. Die Geradestreckung betrifft 
namentlich die Endkralle. 

Bei den Plateosauriden tritt bereits eine Reduktion des 
Hallux ein, während bei anderen Gruppen der Theropoden der 
Hallux noch in Oppositionsstellung und mit starker Krümmung 
bestehen bleibt (z. B. Ällosatmis). Schon dieser Umstand allein 
schließt den Gedanken völlig aus, daß die Plateosauriden als die 
Ahnen der Megalosauriden zu betrachten sind. 

Ebenso können die Plateosauriden auch nicht die Ahnen der 
Compsognathiden sein, da bei diesen das Halluxrudiment noch auf 
der Hinterseite des Metatarsus liegt, während der Hallux bei den 
Thecodontosauriden und Plateosauriden aus der opponierten Stellung 
bereits wieder nach vorne gedreht erscheint. 

Von diesen Gesichtspunkten aus muß die Frage aufgeworfen 
werden, ob denn die Theropoden einen unter sich geschlossenen 
Stamm vorstellen oder ob nicht zu verschiedenen Zeiten von 
einem arboricolen Stamm der Dinosaurier wiederholt Ab- 
zweigungen in die Richtung der Theropoden und auch in 
die Richtung der Orthopoden (Hypsüopliodon) geführt haben. 
Obw^ohl diese Frage heute noch weit von ihrer Lösung entfernt 
ist, so wird es vielleicht doch geraten sein, die Möglichkeit dieser 
Entwicklung der Theropoden nicht aus den Augen zu verlieren. 

XIIL Die arboricole Lebensweise der Vorfahren der VögeL 

Die arboricole Lebensweise der Vorfahren der Vögel ist schon 
vor längerer Zeit diskutiert und fast allgemein angenommen worden. 



182 



0. Abel. 



Vor wenigen Jahren hat sich Dr. Franz Baron Nopcsa^) mit 
dieser Frage beschäftigt und ist zu dem abweichenden Ergebnisse 
gelangt, daß die Vorfahren der Vögel laufende Dinosaurier gewesen 
sind. J. Versluys^) hat sich dieser Hypothese in den wesent- 
lichen Punkten angeschlossen. 

Betrachten wir jedoch die Hand des „running Pro-Avis", wie 
ihn Nopcsa nennt, so sehen wir eine dreifingerige Hand mit län- 
gerem Mittelfinger und zwei etwa gleich langen Seitenfingern, welche 
viel kürzer sind als die Zehen. Weiter zeigt die Rekonstruktion 
Nopcsas den Pro-Avis mit einem funktionell dreizehigen Lauffuß, 
an dessen Hinterseite das hoch eingelenkte Rudiment eines stark 
verkürzten und funktionslosen Hallux sitzt. 

0. P. Hay^) hat mit vollem Rechte auf den Widerspruch 
dieser Rekonstruktion mit der Tatsache aufmerksam gemacht, daß 
die Finger von Ärchaeopteryx keineswegs so klein sind als beim 
Pro-Avis und daß der Hinterfuß der Vögel „rejuvenated" sein 
müßte, um von diesem Pro-Avis abgeleitet werden zu können. 

Da ich den Nachweis erbracht zu haben glaube, daß die 
Oppositionsstellung des Hallux und seine Krümmung bei den Thero- 
poden auf ein arboricoles Leben der Vorfahren zurückzuführen ist, 
so müßten wir annehmen, daß der bei dem hypothetischen Pro- Avis 
rudimentär gewordene Hallux bei den Vögeln sekundär wieder zu 
voller Stärke aufgelebt ist, was unseren bisherigen Erfahrungen 
von der allgemeinen Geltung des Do Höschen Gesetzes (der Nicht- 
umkehrbarkeit der Entwicklung) widerspricht. 

Nach allem, was ich in der vorHegenden Studie auseinander- 
zusetzen versucht habe, müssen wir annehmen, daß Hand und 
Fuß der Vögel ihre wesentlichen Merkmale schon von 
arboricolen Vorfahren überliefert erhielten. 



^) Franz Baron Nopcsa: Ideas on the Orig-in of Flight. — P. Z. S., 
London, 1907, p. 223. 

2) J. Versluys: Streptostylie bei Dinosauriern. — Zool. Ja-hrb., Abt. 
f. Anat. u. Ontog., XXX, Jena, 1910, S. 244—253. 

0. P. Hay: On the Manner of Locomotion of the Dinosaurs, especially 
Diplodocus, with Remarks on the Origin of the Birds. — Proc. Washington 
Acad. Sei., XII, 1910, p. 22—23. 



Die VorlJihren der Vöfxv] mid ihre FieheriHweise. 



183 



Die bedeutende Längend! ffereiiz zwisclien Fingern und Zehen 
bei Archaeopferjf.r, die sieb auf die späteren Vögel vererbt bat, ist 
eine Erwerbung wäbrcnd des arboricolen Lebens der Vortabren; 
ebenso ist der HaUux und seine Oppositionsstelbing eine solche Ver- 
erbung; und endlich ist die Reduktion der Fingerzabi in Verbin- 
dung mit der überwiegenden Länge des zweiten Fingers nicht ein 
spezieller Erwerb der Vögel, sondern ein gemeinsames Merkmal 
aller Theropoden und Vögel und, wie icb hier hinzusetzen will, 
auch der Gattungen OrnithosucJms und Scleromochlm, welche Huene 
als Ornitbosucbia den Parasuchiern als Unterabteilung einreibt. 

Die Annahme eines „running Pro-A vis" ist nicht auf- 
recbtzuhalteu. Die Vögel haben arboricole Ahnen, wie 
Fuß und Hand beweisen, und sind der Hauptsache nach 
arboricol geblieben; die Anpassungen an die terrestrische 
Lebensweise sind bei Vögeln, Theropoden und Orthopoden 
sekundär. 

Ich möchte hier einige Worte über die sehr interessante Frage 
einfügen, in welchem Milieu sich denn eigentlich die typischen 
Läufer und Springer unter den Dinosauriern entwickelt haben. 

Wenn wir unter den lebenden typischen Lauf- und Spring- 
tieren Umschau halten, so finden wir, daß es fast ausnahmslos Be- 
wohner trockener Grassteppen oder Wüsten sind (z. B. Struthio, 
Rhea, Macropus, Macroscelides, Bipus, Äladaga, Pedetes, Bipo- 
domys). Vereinzelt treten aber auch unter den arboricolen Formen 
Springer auf (Tarsius, Dendrolagus, Sciurus). Tarsius ist eine 
bipede arboricole Type, ebenso Dendrolagus; ebenso Sciurus. 

Unser Eichhörnchen ist heute ein typisches Baumtier, aber 
die bipede Haltung des Tieres ist keine arboreale Anpassung. 

Ursprünglich sind die Eichhörnchen terrestrische Nager ge- 
wesen und sehr viele Sciurinen leben noch heute in Steppen 
(Xerus, Tamias, Spermophylus, Cynomys, Ardomys). Bei dieser 
Lebensweise sind offenbar die Adaptationen erworben worden, die 
das Eichhörnchen dem Kapspringhasen (Pedetes) so ähnlich machen; 
Sciurus ist (wie ich andernorts näher auszuführen gedenke) früher 
ein Steppenspringer gewesen. 

Daß Dendrolagtis von springenden Steppenkänguruhs abstammt 
und sekundär arboricol geworden ist, hat L. Dollo nachgewiesen. 



184 



O. Abel. 



Es drängt sich daher der Analogieschluß auf, daß die An- 
passungen der bipeden Dinosaurier an das Laufen und 
Springen auf ein Leben in Wüsten und Steppen hin- 
weisen, aber nicht auf ein Leben in Sümpfen und Sumpf- 
wäldern. Die Zunahme der Körpergröße und damit die zu- 
nehmende Schwerfälligkeit hat die Tiere in ein anderes Milieu ge- 
drängt. Es ist aber sehr wahrscheinhch, daß große Dinosaurier, 
wie z. B. Iguanodon, in ihrer Jugend eine andere Lebensweise ge- 
führt haben als im Alter und vielleicht erklärt sich das gänz- 
liche Fehlen jugendlicher Individuen in den Wealdenbil- 
dungen von Bernissart in Belgien daraus, daß die jungen 
Iguanodonten im trockenen Hochland lebten. 

XIY. Die Erwerbung des Flugvermögens der VögeL 

Die Frage der Erwerbung des Flugvermögens — im weitesten 
Sinne — bei den Fallschirmtieren und Flugtieren kann nur beant- 
wortet werden, wenn wir in jedem einzelnen Falle festgestellt 
haben: 

1. Von welchen Vorfahren die betreffende Flugtiergruppe ab- 
stammt und 

2. welche Lebensweise diese Vorfahren geführt haben. 

1. Die Erwerbung des Flugvermögens der Insekten. 
Die ältesten Insekten besitzen nach A. Handlirsch^) ausnahmslos 
horizontal ausgebreitete Flugorgane. Bei keinem einzigen Paläo- 
dictyopteren sind die Flügel über das Abdomen zurückgeschlagen. 

Auch bei einigen Paläodictyopterenlarven stehen die Flügel- 
scheiden horizontal ab.^) 

Diese Tiere mußten entweder an einem freistehenden Objekte 
ruhig sitzen oder in der Luft fliegen und schweben. Die Lebens- 
weise der Odonaten (Libellen) und Ephemeriden (Eintagsfliegen) ist 
noch heute offenbar dieselbe wie bei den Paläodictyopteren.^) 



^) A. Handlirsch: Einige interessante Kapitel der Paläo-Entomologie. 
— Bericht der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre vom 20. April 
und 18. Mai 1910 in diesen „Verhandlungen", S. (160)— (185)-, S. (164) ff. 

2) Ibidem, S. (164). 

3) Ibidem, S. (165). 



Die Vorralircii der Vö^m^I und ihni Lclx'iiMvvoiBe. IHf) 

„Außer (Um- LuTt i;il)t es nur iiocli ein Milieu, vvelelies einem 
Tiere mit liori/ontal ;iusi;es|)reizten KorlsiU/cn des Tlionix einiger- 
maßen die Fortbewe^uni;- gestatten würde, und zwar das Wasser."*) 

Die Urinsekteii waren naeli A. Uandlirsch primär amplii- 
biotiseli.^) 

„Vielleicht führten die Paläodictyopteren aucli ein äliniiches 
Eiutagsleben, vielleicht nahmen sie wehrlose, träge oder tote tieri- 
sche Substanz zu sich . . ."^) 

Der Flug der Insekten ist also aller Wahrscheinlichkeit nach 
zuerst ein Fallschirmtiug" gewesen. 

Der Erwerb des Flugvermögens überhaupt ist auf drei ctho- 
logische Ursachen zurückzuführen: 1. Auf die Flucht vor Feinden, 
2. auf die Jagd nach Nahrung, 3. auf die zwangsweise Auswan- 
derung durch Veränderung des Milieus.^) 

Wahrscheinlich war die Flucht vor Feinden die Hauptursache 
der Entstehung des Fallschirmfluges der ältesten Insekten, welche 
vielleicht von den Stengeln und Blättern von Wasserpflanzen oder 
Uferpflanzen aus die Flucht ins Wasser ergriffen. 

Keinesfalls können wir annehmen, daß das Flugvermögen bei 
den Insekten durch eine Lokomotion von unten nach oben veranlaßt 
und erworben wurde; wir werden zu der Annahme gedrängt, daß 
durch eine Lokomotion von oben nach unten im Laufe zahlloser 
Generationen die ererbten Pleuralanhänge langsam zuerst zu passiven 
Fallschirmapparaten und später zu aktiven Flugorganen, den In- 
sektenflügeln, ausgestaltet wurden. 

Von allen bisher über die Herkunft der Insekten aufgestellten 
Theorien hat die weitaus größte Wahrscheinlichkeit die von A.Hand- 
lirsch-^) begründete, der zufolge die Ahnen der Insekten unter 

^) A. Handlirsch: Einige interessante Kapitel der Paläo-Entomologie. 
— Bericht der Sektion für Paläontologie und Abstammiingslelire vom 20. Aprü 
und 18. Mai 1910 in diesen „Verhandlungen", S. (165). 

2) Ibidem, S. (166). 

3) Ibidem, S. (171). 

*) Auf diese Möglichkeit der Entstehung des Flugvermögens hat mich 
mein verehrter Freund A. Handlirsch in einer persönlichen Mitteilung auf- 
merksam gemacht. 

^) A. Handlirsch: Die fossilen Insekten und die Phylogenie der re- 
zenten Formen. Leipzig, Engelmann, 1906—1908. 



186 



0. Abel. 



den Trilobiten zu suchen sind. Dabei wäre aber ausdrücklich zu 
betonen, daß keine der bisher bekannten Trilobitenformen der An- 
forderung einer Stammform gentigt und daß wir nur sagen können, 
daß die Ahnen des Insektenstammes dieselbe Grundorganisation 
wie die bisher bekannten Trilobiten besessen haben müssen. 

II. Die Erwerbung des Flugvermögens bei den Fischen. 
Unter den Flugfischen sind, wie ich 1906 gezeigt habe, ^) zwei 
Typen zu unterscheiden: 1. Der Bactylopterus-Tji^ns und 2. der 
Exocoetus-TyY>us. Pantodon repräsentiert keinen selbständigen 
Anpassungstypus. 

Die Vorfahren von Bactylopterus haben benthonisch gelebt 
wie Trigla und schon bei dieser Lebensweise die Flossenvergrößerung 
erworben; alle Fische des Exocoetus-Ty^Vi^ (lebend: Exocoetus; 
fossil: Thoracopterus, Gigantopierus, Dollopterus) haben pelagische 
Ahnen. 

Das Flugvermögen ist durch häufig geübtes Emporschnellen 
aus dem Meere erworben worden. 

III. Die Erwerbung des Flugvermögens bei den ar- 
boricolen Fallschirmtieren, Pterosauriern und Fleder- 
mäusen. Die arboricole Lebensweise jener Flugtiere, bei denen 
Fallschirmapparate und in einem einzigen Falle die Fähigkeit, sich 
luftballonartig aufzublasen, die ersten Anfänge einer aktiven Eigen- 
bewegung in der Luft darstellen, zeigt zur Genüge, daß die Er- 
werbung des Flugvermögens in diesen Fällen eine Folgeerscheinung 
des arboricolen Lebens bildet. 

Daß auch die Fledermäuse in der gleichen Weise ihr Flug- 
vermögen erworben haben, dürfte von niemandem bestritten werden. 

Die Herkunft der Pterosaurier von arboricolen Vorfahren ist 
dagegen in den letzten Jahren bestritten worden, zuerst von 
M. Fürbringer^) und vor kurzem von E. v. Stromer.^) Sie sollen 



^) 0. Abel: Fossüe Flugfische. — Jahrbuch der k. k. Geol. Reichs- Anst., 
56. Bd., Wien, 1906, S. 1—88, 3 Taf., 13 Textfig. 

2) M. Fürbringer: Zur vergleichenden Anatomie des Brustschulter- 
apparates und der Schultermuskeln. — Jenaische Zeitschr. f. Naturwiss., 
XXXIV, Jena, 1900, S. 664. 

^) E. V. Stromer: Bemerkungen zur Rekonstruktion eines Flugsaurier- 
skelettes. — Monatsberichte d. Deutsch. Geol. Ges., 62. Bd., 1910, S. 90. 



Ww Vorralircn (\vr Vö^^cl und ihre IjCihciiHWoiHtr. 



1S7 



von Laiiftiorcn abstaiuinen, die wie Vö^cl und bipede Dinosaurier 
lialbaiif^oriclitot waren; die Scbwäciie der Krallen an den Zehen 
sowie der Gesanitbau der Hinterbeine wird als (Jrund für diene 
Annahme angeführt. 

Es scheint jedoch, als ob gerade der Bau des Fußes der Ptero- 
saurier jede Annahme einer cursorialen Lebensweise ihrer Vorfahren 
in schlagender Weise widerlegen würde. Die schwache Ausbildung 
der Zehenkrallen allein kann eine solche Annahme nicht rechtfer- 
tigen, die doch zum mindesten das Vorhandensein typischer curso- 
rialer Anpassungen voraussetzen würde, die aber dem Pterosaurier- 
fuß gänzlich fehlen. 

Die Entwicklung der Krallen am I. — III. Finger, die auf- 
fallende Zartheit der Hinterbeine und vor allem die Analogie mit 
den Fledermäusen spricht wohl dafür, daß auch die Vorfahren der 
Pterosaurier arboricole oder rupicole Reptilien waren. 

IV. Die Erwerbung des Flugvermögens der Vögel. Da 
die Vögel von arborieolen Hüpfreptilien abzuleiten sind, so ist wohl 
das Flugvermögen zweifelsohne während des arborieolen Lebens 
erworben worden. 

Er erübrigt jedoch noch die Erörterung der Frage, ob die 
Vögel vor der Ausbildung ihres Federkleides das Stadium eines 
Hautfallschirmtiers durchlaufen haben könnten. 

Diese Möglichkeit erhält eine sehr wesentliche Stütze durch 
den Vergleich der Fingerlängen mit den Zehen bei Arcliaeopteryx 
einerseits und den Theropoden mit reduzierten ulnaren Fingern 
anderseits. 

Wenn wir auch bei Opisfliocomus lioatsin sehen, welchen Ge- 
brauch das Nestjunge von den Fingerkrallen macht, ohne daß 
zwischen den Fingern Spuren einer Hautduplikation zu sehen sind, 
welche als Flughautreste zu deuten wären, so ist doch die Mög- 
lichkeit nicht von vorneherein auszuschließen, daß zwischen den 
noch erhaltenen und ursprünglich wie noch bei Arcliaeopteryx 
freien Fingern eine Flughaut ausgespannt war. 

Ein Apparat, der allein schon einen Fallschirmflug ermöglicht 
hätte, könnte eine derartige Flughaut niemals gewesen sein, da die 
Fläche viel zu klein wäre; es ist aber denkbar, daß es sich um 



188 



O. Abel. 



eine Unterstützung des durch die Armschwingen ermöglichten Fall- 
schirmfluges in den Anfangsstadien gehandelt hat. 

Für eine solche Annahme würde folgendes sprechen: 
Der dritte Finger der Ärchaeopteryx-Rsinä ist an 
beiden Händen des Berliner Exemplars nach vorne unter 
den zweiten Finger derart vorgestreckt, daß die Kralle 
nach vorne sieht.^) Dies beweist, daß die Hand nach vorne 
und ein wenig nach innen gedreht war. 

Die Schwungfedern sind sicher nur mit dem Metacarpale des 
zweiten Fingers, aber mit keiner Phalauge in Verbindung ge- 
standen. 

Da die Schwungfedern an der dorsalen Seite des Meta- 
carpale II angeheftet gewesen sind^) — die Verbindung war sicher 
eine sehr lockere — so ist es wohl möghch, daß die drei freien 
Finger durch eine Zwischenfingerhaut verbunden waren. ^) 

Obwohl wiederholt, namentlich in letzter Zeit, darauf hin- 
gewiesen wurde, daß Archaeopteryx ein „echter" Vogel sei, so muß 
doch betont werden, daß er, gerade im Handbau und in der fehlen- 
den Beziehung zwischen Fingerphalangen und Schwungfedern, als 
ein äußerst primitiver Vogeltypus, richtiger als ein „Zwischen- 
glied" anzusehen ist, ganz abgesehen von den zahlreichen anderen 
Merkmalen, die ihn in nähere Beziehung zu den Reptilien bringen. 

^) Es ist sehr wichtig, daß diese Drehung noch bei den Straußen er- 
halten ist, wo die ganze Hand bei den von mir untersuchten Exemplaren im 
k. k. Hofrauseum in Wien nach vorne gedreht erscheint. 

Auch im Embryonalzustande anderer Vögel ist die Hand ursprünglich 
nach vorne und innen gedreht. 

„The wings at the end of the 7*^ day are tweetoed webbed paws, 
with all the digits turned inwards." (W. K, Parker, P. Z. S. London, 
1887, 1. c, p. 56.) 

2) „Originally on the dorsal surface of the arm and manus there 
took place a special modification of the scales or feather foretypes by which 
rows of these were directed backwards in the ,primitive embryonic' position 
of the limb." (Richard S. Wray, On some Points in the Morphology of the 
Wings of Birds. — P. Z. S. London, 1887, p. 353.) 

^) „The ancestral form of the avian manus was probably a webbed 
form . . . from this ,webbed paw' was developed the starting point of the wing, 
by special modification of the scales or feather foretypes on the dorsal sur- 
face." (R. S. Wray, ibidem, p. 353.) 



Die V^orlMlircii der Vö^cl imd üirc LdlxiiiHweise. 



XV. Die Herkunft der Vögel und Theropoden von arbori- 
coleu Avidinosiiuriern. 

Die ctliologische Analyse von Hand und Fuß der Theropoden 
und Vögel hat uns zu einem unerwarteten Ergebnis geführt. 

Daß die Vögel von arboricolen Vorfahren abzuleiten sind, ist 
schon vor langer Zeit angenommen w^orden;i) erst kürzlich sind 
andere Auffassungen in den Vordergrund getreten, nach Vielehen 
sow^ohl die Vögel als auch die Pterosaurier von laufenden, terrestri- 
schen Ahnen abzuleiten wären. 

Wir sind dagegen zu dem Schlüsse geführt worden, daß die 
Pterosaurier ebenso von arboricolen Vorfahren abstammen als die 
aus einer ganz anderen Wurzel entsprungenen Vögel und daß die 
Erwerbung des Flugvermögens in beiden Gruppen eine Folgean- 
passung des arboricolen Lebens darstellt. 

Ich habe hier den Nachweis zu führen versucht, daß auch 
die theropoden Dinosaurier, welche morphologisch mit den Vögeln 
die größte Ähnlichkeit unter allen Dinosauriern besitzen, von arbo- 
ricolen Vorfahren abstammen. 

Dadurch ist die Frage nach der Herkunft der Vögel in ein 
anderes Licht gerückt worden. Wenn sowohl die den Vögeln nahe 
verwandten Theropoden als auch die Vögel selbst von arboricolen 
Vorfahren abzuleiten sind, so liegt der zwingende Schluß nahe, 
daß beide Gruppen einem und demselben Stamme entsprossen sind. 

Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß diese arboricole 
Ahnengruppe der Theropoden und Vögel vor der Annahme der 
arboricolen Lebensweise während der terrestrischen Vorstufe eine 
grabende oder scharrende Lebensweise führte, aber diese Ansicht 
kann mit Rücksicht auf die einstweilen noch geringen etholo- 



^) 0. C. Marsh: Jiirassic Birds and their Allies. — Araer. Joiirn. Sei. (3), 
XXII, Nov. 1881, No. 131, p. 337-340. 

„The nearest approach to birds now known would seem to be in the 
very small Dinosaurs from the American Jurassic .... Some of these dimi- 
nutive Dinosaurs were perhaps arboreal in habit" (p. 340). 

Einen morphologischen Beweis dieser Hypothese hat Mars Ii aber nicht 
durchgeführt. 



190 



O. Abel. 



gischen Anhaltspunkte nur den Charakter einer Vermutung be- 
anspruchen. 

Daß die Vögel und Dinosaurier aus einer gemeinsamen Gruppe 
entsprungen sein müssen, ist schon vor langer Zeit von Huxley, 
später von vielen anderen Forschern, zuletzt von Nopcsa, Huene, 
Hay und Versluys erörtert worden. Fraglich blieb immer noch 
der Grad der Verwandtschaft und der Zeitpunkt der Spaltung beider 
Stämme. 

Die Theropoden selbst können in der heute allgemein an- 
genommenen systematischen Umgrenzung nicht als die Vogelahnen 
bezeichnet werden. Alle bisher bekannten Theropoden sind von 
der arboricolen Lebensweise bereits zur terrestrischen übergegangen 
und schon in der Trias sehen wir die arboricolen Adaptationen 
wieder langsam verschwinden. 

Wir haben vorläufig keine sicheren Anhaltspunkte dafür, daß 
die Stammgruppe der Vögel und Dinosaurier Merkmale besessen 
hat, die ihre Zugehörigkeit zu den Theropoden beweisen würden. 
Ich meine jedoch, daß diese arboricole Stammgruppe eher zu den 
Dinosauriern zu stellen wäre als zu den primitiveren Diaptosauriern; 
statt sie mit den Parasuchiern zu verbinden, wird es geratener sein, 
sie als „Avidinosauria" den Dinosauriern anzuschließen. Dies sind 
aber schheßlich nur Fragen der Konvention, so lange wir noch 
nichts Näheres über diese Tiere kennen, die bisher nur durch 
wenige, bereits wieder einseitig für die terrestische Lebensweise 
spezialisierte Vertreter bekannt sind, als welche ich Scleromochlus, 
Hallopus und Stagonolepis betrachten möchte. Ich pflichte voll- 
kommen Versluys bei, wenn er sagt, daß die Grenzeii zwischen 
Diaptosauriern und Dinosauriern vielleicht immer von persönlichen 
Ansichten abhängig bleiben werden, ebenso wie die Grenze zwi- 
schen Cetaceen und Raubtieren, um ein Gegenstück aus der 
Phylogenie und Systematik der Säugetiere zum Vergleiche anzu- 
führen. 

Wenn aber auch diese Fragen noch in Dunkel gehüllt sind, 
so darf wohl als ein, wenn auch sehr geringes Ergebnis der durch- 
geführten ethologischen Analyse bezeichnet werden, daß die Vögel 
und Theropoden von einer gemeinsamen arboricolen 
Stammgruppe mit Kletterfüssen abstammen, aus der einer- 



Die Vorlalireti der Vö^fel und ihre fieljeiiHweise. 



11)1 



seits die Tlicropoden zur terrestrischen LebeiiBweisc friiii 
zeitig- zuriiekiiekebrt sind, wilhrend bei den arboricol ge- 
bliebenen V()j;eln erst hinge Zeit nach Erwerbung des 
Flugvermögens die Ktickkehr zum terrestrischen Leben 
eintrat. Und ein weiteres Ergebnis, das aus dem ersten 
hervorgellt, ist der Schluß, daß die Spaltung zwischen 
den Vögeln und Theropoden sehr weit zurückliegt und 
wahrscheinlich in den Anfang der Triasformation fällt. 



Inhaltsübersicht. 

Seite 



1. Übersicht der passiven und aktiven Flugtiere 145 

II. Das Flugvermögen von Ärchaeopteryx 150 

III. Die Funktion des Hallux bei den Vögeln 154 

IV. Die Reduktion des Hallux bei den Vögeln 155 

V. Die Opponierbarkeit des Hallux bei einer Gruppe der ältesten Dino- 

saurier 156 

VI. Die Reduktion des Hallux bei den laufenden und springenden 

Dinosauriern 159 

VII. Die Homologie der Finger der Vögel und der theropoden Dino- 
saurier 162 

VIII. Das Längenverhältnis der Finger bei den Vögeln und theropoden 

Dinosauriern 167 

IX. Die Funktion der Fingerkrallen von Opisthocomus cristatus . . . 170 
X. Körperhaltung und Lokomotion bei den bipeden Dinosauriern . . 171 
XI. Die Funktion von Hand und Fuß der ältesten theropoden Dino- 
saurier 175 

XII. Die arboricole Lebensweise der Vorfahren der Theropoden ... 177 

XIII. Die arboricole Lebensweise der Vorfahren der Vögel 181 

XIV. Die Erwerbung des Flug Vermögens der Vögel 184 

XV. Die Herkunft der Vögel und Theropoden von arboricol en Avi- 

dinosauriern 189 



192 



Franz Weitlaner. 



Weiteres vom Johanniskäferchenlicht 
und vom Organismenleuchten überhaupt, 

mit einzelnen allgemeinen Reflexionen. 

Von 

Dr. med. Franz Weitlaner 

in Purkersdorf, Niederösterr. 
(Eingelaufen am 5. Januar 1911.) 

Anschließend an meine Ausfübrung-en vom Jahre 1908 — 1909 
unter der Überschrift „Etwas vom Jobanniskäferchen" haben nun eine 
Reihe von weiteren Untersuchungen und Versuchen darauf hinge- 
arbeitet, mehr Licht in und über das Leuchten des Johanniskäferchens 
zu bringen. Eines der in dieser Arbeit betonten Ergebnisse war, daß 
es sich beim Leuchten des Johanniskäferchens um einen chemischen 
Vorgang handle, bei dem so wie in einer mathematischen Glei- 
chung neben einer oder mehreren Unbekannten eine Anzahl von 
Größen gegeben erscheint, nämlich vor allem die harnsauren Am- 
moniakschöllchen Köllikers und der Sauerstoff der Luft. Die Rich- 
tung war nun in dem Sinne gegeben, in rein chemischer Weise an 
die Lösung der Frage heranzutreten. Erst dann, wenn in der 
Eprouvette die gleiche Leuchtreaktion gelingt, ist das Pro- 
blem in seinen chemischen, freilich noch nicht in seinen physiolo- 
gischen und biologischen Belangen gelöst. 

Harnsaures Ammoniak + x + y + Sauerstoff = Leuchten. 

So lautet die schon oben berührte mathematische Gleichung, 
in der die Unbekannten empirisch und chemisch zu eruieren sind. 
Nach den Grundsätzen der chemischen Analyse wurde nun zuerst 
die chemische Reaktion des Körpersaftes und der Leuchtsubstanz 
des Johanniskäferchens geprüft. Dabei «rgab sich das interessante 
Resultat, daß der Körperinhalt deutlich sauer reagiert. Blaues 
Lackmuspapier wird sowohl durch die Leuchtsubstanz als auch 
durch den übrigen Körperinhalt deutlich rot gefärbt. Übrigens 
haben diese Reaktion auch andere Käfer, z. B. der Schneekäfer. 
Sie war freilich schon durch das harnsaure Ammoniak zu vermuten. 



Woltorfs vom JohaiiniskiilVM'clKMilichf ii. vom ()r;j:.*iniMm(!iil('ii('lit«Mi usw. 19)i 



llavnaaures Anmionium (bezogen von der Kirnia Merk in Darmstadt) 
aber rötet blaues lja('kinnspaj)ier nieht so ])r()nij)t wie der Kr>rper- 
inbalt des LeuchtkiU'ercbens, so daß man geniUi^t wird, einen ge- 
wissen Gehalt von freier Säure in letzterem anzunehmen, während 
z. B. der Mensch in seinem alkalischen Blute das Gegenteil besitzt. 
Dies ist übrigens eine biologisch interessante Tatsache, die sich 
jedoch, wie die späteren Ausführungen zeigen werden, in keiner 
Weise in teleologischem Sinne deuten läßt. Säuren sind nämlich 
speziell nach neueren Untersuchungen vorzügliche Desinfektions- 
mittel, wobei ich nur an die Karbol-, Gerb-, Benzoc- und Ameisen- 
säure etc. zu erinnern brauche. In einer Reihe von medizinischen 
Ausführungen habe ich dargetan, daß die Salizylsäure eines unserer 
besten inneren Desinfektionsmittel ist. Das Johanniskäferchen dürfte 
durch seine sauere Körperreaktion, durch seine Säure, gegen die 
Infektion durch die es im feuchten Erdboden umgebenden massen- 
haften Bakterien und Pilze geschützt werden. 

Wenn man ferner den Geschmack dadurch, daß man Leucht- 
substanz oder den leuchtenden Hinterteil eines Leuchtkäferchens auf 
seine Zunge nimmt und sie zwischen den Zähnen zerkaut, prüft, um 
auf diesem Wege weiter in die chemische Konstitution einzudringen, 
so erzeugt die Leuchtsubstanz ein eigentümliches Brennen auf der 
Zunge, ähnlich dem Brennen von Formaldehyd und der Geschmack, 
der süßUcli-bitter ist, ähnelt dem von Solanum Dulcamara. Weder 
Harnsäure noch harnsaures Ammonium haben auf der Zunge in- 
dessen irgend einen Geschmack. Leider gelingt es durch den Ge- 
schmack nicht, viel weiter zu kommen als zur Ansicht, daß außer dem 
harnsauren Ammoniak noch andere Stoffe vorhanden sein müssen. 

Der eigentümliche Geruch der ganzen oder zerriebenen Jo 
hanniskäfer und der Leuchtsubstanz führt aber doch wieder in 
einer bestimmten Richtung weiter. Man hat nämlich einen nahezu 
gleichen, nur noch viel intensiveren Geruch als wie ihn 
nasser (saurer) Humus von sich gibt. Auch in alkalischer 
Zersetzung befindlicher Harn riecht annähernd ähnlich. 

Nun hat eine kleine Anzahl von Autoren,^) darunter vor allem 
rautz und Schorigin, schon vor 4 — 6 Jahren Untersuchungen 

^) Hier ist in hervorragender Weise auch Kadziszewski anzuführen, 
essen Untersuchungen in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesell- 

Z. B. Ges. 61. Bd. 13 



194 



Franz Weitlaner. 



veröffentlicht über „Lumineszenzerscheinungen", über „Chemilumi- 
nescenz" und Wedekind vor zwei Jahren über eine mit grüner 
Chemilumineszenz verbundene Reaktion. Diese Arbeiten, die für 
das Johanniskäferchenlicht noch nie in Betracht gezogen worden 
sind, sind nun nach meiner Ansicht für unsere Frage geradezu 
von richtunggebender Bedeutung. Trautz und Schorigin haben 
die schöne Leuchtreaktion aufgestellt, die jedermann in der Eprou- 
vette nachmachen kann, die entsteht, wenn man 14 cm"^ ^^^lo Pott- 
aschelösung, 14 cm^ Pyrogallussäure, 14 cm^ ^^^o Formaldehyd 
kalt mischt und 20 cm ^ 30 ^/^ Wasserstoffsuperoxyd dazu setzt. Wir 
hätten also hier folgende Gleichung, wo nebenbei bemerkt, kein 
Phosphor vorkommt. 

HgO + CO, + Cfifi, + C HgO + HgOg = Leuchten. 

Man sieht, daß diese Gleichung schon eine gewisse ÄhnHch- 
keit hat mit der am Anfang aufgestellten. Ich halte es aber zu- 
nächst für notwendig, aus den Arbeiten der beiden erstgenannten 
Forscher wörtlich zu zitieren. So schreibt Trautz in seiner Arbeit: 
„Über neue Lumineszenzerscheinungen" (Zeitschr. für wissenschaftl. 
Photographie, Bd. II, 1904, S. 221—223): „Organische leuchtende 
Reaktionen finden sich besonders bei Oxydation oder bei Halo- 
gen ierung. Daß der Lichteffekt bei Polymerisationen auftreten 
kann, ist schon bei den Aldehyden bekannt geworden". . . . „Von 
aliphatischen Verbindungen leuchten bei der Oxydation vor allem: 
Fettsaure Salze, Fettsäureester, Aldehyde und Amylalkohol and von 
ungesättigten Verbindungen besonders stark Allylalkohol. Aroma- 
tische Verbindungen zeigen vor allem dann Reaktionslumineszenz, 
wenn sie N im Ring enthalten oder als Ammoniak derivate auf- 
gefaßt werden können, ferner dreiwertige Phenole und Verbindun- 
gen mit kondensierten Benzolkernen. Als Beispiel seien unter anderen 
angeführt: Acetanilid, Diphenylamin, Tannin, Gallussäure, Pyro- 
gallol, Azenaphten, Anthrazen, Phenanthren, Chinolin, Karbazol und 
Papaverin. Das Leuchten tritt hier vor allem bei Oxydation mit 
farblosen oder beim Vorgang sich entfärbenden Oxydationsmitteln, 



Schaft, Bd. 10 und in den Annalen der Chemie, Bd. 203, enthalten sind und 
den auch Dofiein in seinem ausg-ezeichneten Lehrbuche der Protozoenkunde, 
2. Aufl., 1910, S. 104, betreffs des iV^ocÄca-Leuchtens zitiert. 



Weiteres vom Joli.iimi.skiil'erclM'iiliclit ii. vom Or^MiiisiiiciiIciicliteii usw. lOi) 



ferner l)ei llalo^cnierini^- oder aueli beim l)l()ßcii Erhitzen bis zur 
Zersetzung- in indifVerenten (jasen aul'^ . . . „Von anorganischen 
Ueaktioneu leuchten vor allem solche, bei denen Halogene oder 
Ammoniak beteiligt sind. Bekannt ist ja schon lange die Einwir- 
kung von Chlor auf warmes Ammoniak/' . . . „Nach den bisherigen 
Untersuchungen . . . gibt es vor allem, was Oxydationen organischer 
Substanzen betrilft, nur wenige, die bis jetzt noch nicht zur Lumi- 
neszenz gebracht werden konnten." 

Und Trautz und Schorigin stellen in ihrer Arbeit: „Über 
Chemilumineszenz" (Zeitschr. für wissenschaftl. Photographie, Bd. III, 
S. 123, ex 1905) folgende Gleichung auf: 

CHgO (Formaldehyd) + HgOg Leuchten + Alkali = noch 
stärkeres Leuchten. 

Geissow erklärt die Oxydation und den Zerfall dabei fol- 
gendermaßen: 

CH2O + H2O2 = CO2 + H2O + H2 
oder bei Zusatz von Natronlauge 

2 CH2O + 2 NaOH + Rfi^ == 2 HCOONa + 2 H^O + E^. 

Dann schreiben Trautz und Schorigin weiter: „In derselben 
Weise mit HgOg in alkalischer Lösung oxydiert leuchten Azetal- 
dehyd, Propionaldehyd, Valeraldehyd, Benzaldehyd, Salicylaldehyd, 
Traubenzucker." . . . „Als noch stärkeres Oxydationsmittel (als HgOg) 
dient eine Lösung von Natriumsuperoxyd in Eiswasser (= sehr 
konzentriertes alkalisches Hydroperoxyd). Setzt man Formaldehyd 
dazu, so leuchtet sie stark, auch Benzaldehyd leuchtet sehr hell und 
dauernd." . . . „Pyrogallol, Tannin und Gallussäure leuchten schon, 
wenn man sie mit Hydroperoxyd erwärmt, allerdings schwach." . . . 
„AlkaHsche Lösungen derselben leuchten schon bei gewöhnhcher 
Temperatur an der Luft. Ebenso leuchten in alkalischer Lösung 
mit Hydroperoxyd, Brenzkatechin, Eikonogen, Metok In alkalischen 
Lösungen mit Formaldehyd und Hydroperoxyd behandelt, leuchten 
auch Brenzkatechin, Hydrochinon, Resorcin, Eikonogen, Trauben- 
zucker und Adurol." . . . „Die Produkte der Reaktion sind vor allem 
Ameisensäure, Kohlendioxyd und Sauerstoff, sehr wenig Kohlenoxyd 
und Spuren von Wasserstoff. Welche Reaktionen vor allem das 
Licht produzieren, läßt sich auch nicht annähernd sagen; doch kann 

13* 



196 



Franz Weitlaner. 



man die Zahl der Möglichkeiten einschränken." ... „Intermediäre 
Bildung und Zerfall von Aldehydsuperoxyden und damit 
verbundene Oxydationsbeschleunigungen werden wohl 
bei der Erklärung dieser Phänomene neben der Möglich- 
keit von Fluoreszenz Beachtung verdienen". ... „Es leuchten 
bei Oxydation mit Hydroperoxyd in alkahscher Lösung: Äthylalko- 
hol, Benzil, oKresol, a Naphtylamin, Nitrodioxychinolin, Chrysen, 
Anthrazen, Karbazol, Aniarin, Lophin. Es leuchten mit H2O2 ohne 
Alkali Anthrazen, Karbazol, Chrysen, Lophin. Mit Natriumsuper- 
oxyd in fester Form leuchten auch solche Stoffe, die mit HgOg allein 
oder in alkalischer Lösung nicht leuchten: Amylalkohol, Glyzerin, 
Mannit, Azeton, Azetessigester, Vanillin, Kaliumxanthogenat, Chi- 
nolin." Unter den „allgemeinen Ergebnissen" führen sie den Satz 
an: „Wahrscheinlich kann man die Mehrzahl, wenn nicht alle or- 
ganischen Stoffe, die unter ca. 400 oxydierbar sind, unterhalb 
dieser Temperatur sich unter Leuchten oxydieren lassen." Alle 
diese Ausführungen sind nun für unsere Frage samt und sonders 
von großem Interesse. 

Da nun die Körperreaktion des Leuchtkäferchens sauer ist 
und in der Gleichung der schönen Tr au tz-Schorigin sehen Leucht- 
reaktion in der Pottasche ein starkes Alkali vertreten erscheint, 
so ist es interessant zu sehen, daß das Alkali (Pottasche, Soda 
oder doppeltkohlensaures Natron), wie die Ausführungen Trautz und 
Schorigins ergeben, nicht absolut notwendig ist. Übrigens kann 
ich die Trautzsche Leuchtreaktion durch ein interessantes Phä- 
nomen ergänzen, das darin besteht, daß, wenn man die Trautzsche 
Leuchtlösung, die übrigens ziemUch ätzend ist, am Handteller oder 
überhaupt auf der Körperhaut verstreicht, nach kurzer Zeit ein so 
intensives Leuchten, welches das Leuchten in der Eprouvette be- 
deutend übertrifft und nicht viel dem Leuchten des Johanniskäfer- 
chens nachsteht, an der Hand zum Vorschein kommt. Übrigens 
braucht die Trautzsche Leuchtreaktion nicht so genau nach Vor- 
schrift hergestellt zu sein; man gibt einfach in eine Eprouvette 
etwas Wasser, dann etwas Pyrogallussäure, dann etwas doppelt- 
kohlensaures Natron, dann etwas Wasserstoffsuperoxyd und schließ- 
lich etwas Formaldehyd, schüttelt um und hat im Dunkeln eine 
gute Leuchtreaktion. Gerbsäure, Benzoesäure, Salizylsäure leuchten 



Weiteres vom .lolianiiiHkiilerclicnliclit ii. vom Or^^uiii.smciileiiclilcüi uhw. 



107 



sehr deutlich iin Stelle der Pyrogallussäiire, wenn die Mischung 
auf die Haut verriehen wird. Was auf der Haut dieses Phänomen 
so hesonders hervorruft, möge später untersucht werden. Man sieht 
hiehei, daß diese Säuren einer hestininiten Gruppe in der organi- 
schen Chemie entsprechen, nämlich jener, welche sich aus dem 
Benzolkern CßH^, ableitet. In der Überlegung, daß heim Leuchten 
des Johanniskäferchens die harnsauren Ammoniakschöllchen KiHli- 
kers da sind, versuchte ich, menschlichen Harn durch Zusatz von 
Alkali und HgOg zum Leuchten zu bringen. Dies gelang mir aber 
bisher nur in Fällen, wo der Betreffende vorher Hexamethylen- 
tetramin, Salizylsäure, Benzoesäure oder Diaethylmalonylharnstolf zu 
sich genommen hatte. Ein Schluß vom menschUchen Harn aus 
gelang sohin bisher nicht. 

Aber eine ganz einfache andere Überlegung wies mir einen 
Pfad, der aussichtsvoller erscheint. Wenn das Johanniskäferchen 
leuchtet, so muß es diese Leuchtstoffe, bis zu einem gewissen Grade 
schon vorbereitet, aus seiner Nahrung beziehen. Eine genaue 
Beobachtung der Standorte der W^eibchen von Lampyris splendidula 
und noctiluca zeigt nun, daß das ganz weiße splendidula -Weibchen 
sich nur in feuchtem, relativ stark saurem, in oder bei feuchten 
Gräben befindlichem Humus aufhält, wogegen das noctiluca -Weih- 
chen, das nur an der Bauchseite des tlinterleibes wenige Leucht- 
ringe hat, im sogenannten „milden", trockenen Humus (trockene 
Feldraine etc.) lebt. Die Nahrung dieser Tiere, zumal des splen- 
didtda -Weihchens ist nun der Humus selbst, d. h. die organischen 
Humussubstanzen, die im Zerfalle sind. Dann war die Folgerung 
naheliegend, daß der Humus vielleicht auch eine Leuchtreaktion 
geben müsse. Und in der Tat ergaben meine dahin gerichteten 
Versuche folgendes: 

Eine wässerige Aufschwemmung von Humus in einer 
Eprouvette leuchtet bei Zusatz von Wasserstoffsuper- 
oxyd und doppeltkohlensaurem Natron sehr deutlich im 
Dunkeln. 

Wir haben also hier die einfache Gleichung: Humus + Na HCO3 + 
+ HgOg = Leuchten, wobei besonders auffällig ist, daß wir keinen 
Aldehyd dazuzugeben brauchen, d. h., wir ihn also schon im Humus 
vielleicht vorhanden vermuten dürfen. 



198 



Franz Weitlaner. 



Diese Humusleuchtreaktion dürfte nun in vieler Hinsicht von 
namhafter Bedeutung sein und ich werde es versuchen, in mancher 
sie darzulegen. In dieser Leuchtreaktion des Humus können vor 
allem nur die Humussäuren die Pyrogallussäure der T r au tz sehen 
Formel ersetzen. Daß der Säuregehalt ein ganz beträchtlicher ist, 
zeigt der Umstand, daß der Eprouvetteninhalt beim Zusätze des 
doppeltkohlensauren Natrons stark aufschäumt. Weil nun das 
Johanniskäferchen (speziell berücksichtigt ist hier immer wieder 
hauptsächlich das splendidula -Weibchen) sich von Humussubstanzen 
und also auch von Humussäuren nährt und diese Humussubstanzen 
Leuchtfähigkeit besitzen, so leuchtet auch das Johanniskäferchen. 
Dies ist der naheliegende Wahrscheinlichkeitsschluß. Das ganze 
Leuchten wäre also eine Folge seiner Nahrung und seines Humus- 
aufenthaltes, freilich kommen wohl noch Akzidentien dazu. Aus 
dem gleichen Gerüche der gleichen chemischen Reaktion und der 
beiderseitigen Leuchtfähigkeit ist dieser Schluß zwischen Humus 
und Johanniskäferchen erlaubt. Jetzt versteht man leichter auch, 
warum das splendidula -Weibchen, das sich nur im feuchten Humus 
aufhält und ausschließlich von Humussubstanzen sich nährt, am 
ganzen Körper lichtgelb ist und auch fast überall leuchtet, gegen- 
über dem noctiluca -Weibchen, das auch grüne Pflanzensäfte aufnimmt 
und schon viel beweglicher ist und warum die freien Männchen 
fast überhaupt nur mehr schwarz sind. 

Ein großes Feld der organischen Chemie rollt sich vor unseren 
Augen auf, das Feld des Zerfalles der hochgestellten organischen 
Stoffe und Verbindungen. In groben Umrissen unterscheidet man 
hier die hohen Kohlenstoffverbindungen, die sogenannten Kohle- 
hydrate, zu denen hauptsächlich Cellulose, Zucker und Stärke ge- 
hören, dann die N-haltigen hohen Kohlenstofifverbindungen, wohin 
das große Reich der Eiweißkörper gehört, und zuletzt die Fette. 
Beim Zerfalle, der Verwesung dieser Verbindungen, die in der 
Natur durch Pilze (man hieß sie früher organische Fermente) her- 
vorgerufen wird, gibt es aber gewisse Stufen, die gewissermaßen 
Ruhepunkte in diesem Zerfalle bedeuten. So zerfällt der Trauben- 
zucker unter Einwirkung des Hefepilzes in Alkohol und Kohlen- 
säure. Ein solcher erster Ruhepunkt ist nun hier der Alkohol, der 
seinen Erzeuger, den Hefepilz, tötet und für längere Zeit stabil ist. 



Weitere:^ vom .loliaimiskiilcrclicnliclil ii. vom (>rt;:miHiiit',iil«Micliü'n uhw 



199 



Die niichste stabile Stufe ist die Essif^siiiire, die sieb wie der 
Alkobol autosteriHsiert usw. Äbiilicb verhiuft der Eiweißzcrfall, bis 
derselbe bei Wasser, Ammoniak und Kolilensäure angelangt ist, 
iibnlicb der Zerfall der Fettsubstanzen. 

Leider ist der genaue Vorgang in diesem Verwesungsprozeß 
der organiscben Substanzen vielfacli nocb nicbt bekannt. Im Humus 
sind nun sowobl zerfallende Eiweißkörper (z. B. von toten Organismen 
des Tierreiclies) als bauptsäcblicb verwesende Stoffe des Pflanzen- 
reicbes, darunter die verwesende Zellulose. Eines können wir nun 
von den Zerfallvorgängen im Humus sagen, daß nämlicb in ibm 
ebenso Desinfektionsstufen vorkommen wie bei anderen organiscben 
Zerfallsvorgängen, sogenannten Gärungen, und ferner, daß im Laufe 
des Zerfalles der Zellulose, aber wohl auch des Eiweißes, und zwar 
an der Stelle ganz bestimmter Zerfallsstufen, Oxydationen auftreten, 
die bei genügendem Sauerstoffzutritt (HgOg) leuchten und natur- 
gemäß Wärme produzieren. Durch die Trautz-Schoriginsche 
Reaktion haben wir gesehen, daß es hauptsächlich beim organischen 
Leuchten die Stelle ist, die dasselbe aufweist, wo Aldehyde bei 
Gegenwart bestimmter Säuren mit Sauerstoff zusammenkommen. 
Im Humus sind nun wohl Humaldehyde (in der Zellulose ist nach 
Czapek Hadromal, ein aromatischer Aldehydzelluloseäther) neben 
den Huminsäuren, die den genannten Säuren aus der Gruppe der 
aromatischen Verbindungen wohl sehr nahe verwandt sind, vor- 
handen. So erklärt sich vielleicht das Humusleuchten in der Eprou- 
vette. Interessant ist der bedeutende Stickstoffgehalt der Humin- 
säuren (2-8%; Humus enthält 3-6 — 10%), der sie den Säuren des 
Eiweißzerfalles, z. B. der Harnsäure, Hippursäure etc., näher bringt. 
Das Johanniskäferchen ist nun wahrscheinlich nichts anderes, das 
können wir schon jetzt vorweg nehmen, als die Maschine zur 
Konzentration des Humusleuchtvorganges. Allein wir können 
infolge der chemischen Erfahrungen, des Geruches, der Reaktion 
etc. vielleicht schon jetzt sagen, daß das ganze organische Leuchten 
wohl mit einigen Abänderungen eventuell auf denselben Prozeß 
zurückzuführen ist, wobei das Leuchten der Festlandsorganismen 
sich vornehmlich, aber keineswegs ausschließlich auf die Nahrung 
von Zellulosezerfall, das der Meeresorganismen auf Nahrung von 
Eiweißzerfall gründet. 



200 



Franz Weitlaner. 



Wenn man aber sieht, daß das Leuchten des Johanniskäfer- 
chens wahrscheinlich nichts als eine Folge seiner Nahrung und 
Umgebung ist, so erkennt man, wie wenig berechtigt es ist, in 
seinem Leuchten ein teleologisches Geschehen oder einen voraus- 
bestimmten Schutzapparat zu suchen. Kein Beispiel in der Natur- 
geschichte illustriert besser als das so erklärte Johanniskäferchen 
den Satz: Es gibt kein teleologisches Geschehen in der Natur und 
deshalb auch keine Mimikry; denn Mimikry ist, so wie sie jetzt 
aufgefaßt wird, Teleologie. 

Alles ist Chemismus der Nahrung, Chemismus des Aufenthaltes 
und das, was Richard Semon in seiner berühmten Abhandlung: 
„Die Mneme als erhaltendes Prinzip im Wechsel des organischen 
Geschehens, Leipzig^ 1904" engraphischen Reiz, Engramm, Ekphorie 
und deren Summe nennt. Zwanglos läßt sich dies anwenden auf die 
Blattheuschrecke z. B. und ebenso auf die Leuchtfische und Tiere der 
Meerestiefe, wo sich die Zerfallsprodukte des Eiweißes aus den Tier- 
leichen etc. massenhaft absetzen und als Nahrung dienen. Das 
Plankton ist eben gewissermaßen der Humus des Meeres. 
Hält man sich ferner vor Augen, daß das splendidula- und noctiluca- 
Weibchen, und zwar sogar ziemlich streng getrennte Aufenthalts- 
orte, nämlich das eine einen feuchten und das andere einen mehr 
trockenen, besitzen, so fällt so wie beim Betrachten der übrigen 
Natur auf, daß es ein höheres Gesetz zu geben scheint als wie das 
Gesetz des Kampfes um das Dasein, man möchte es das Gesetz 
der möglichsten Terrainausnützung nennen. Die Kugelschale der 
Erde, die für das organische Leben überhaupt in Betracht kommt, 
wird in allen ihren Teilen, Luft, Erde und Wasser, in und an den 
organisch belebten oder schon toten Individuen und Stoffen und 
in und an den rein mineralischen Substanzen von lebenden Orga- 
nismen möglichst ausgefüllt und ausgenützt. Der Kampf ums Dasein, 
der wohl oft daraus resultiert, scheint weder Absicht noch Zweck 
in der Natur zu sein. Gerade der Umstand, daß von der organischen 
Welt nicht allein die weitmöglichste räumhche Ausdehnung, sondern 
speziell von den Saprophyten, zu denen im weiteren Sinne auch 
das Johanniskäferchen als typischer Humusbewohner und -Fresser 
gehört, die ganze chemische Breite vom soeben toten Individuum 
mit seinen hochgestellten Kohlenstoffverbindungen bis zu deren 



Weiteres vom .lohaimiskärerclienlieht ii. vom Or^^aniHiiurnleueliteii uhw. 201 



let/teii 1111(1 einfachen Zerfallsprodukten, dein Nil.,, C, COg, CH.,, 
IloO etc. herab ausg-eniit/t wird, wobei für beatiniiute Zerfallsstufen 
vielfach auch nur ^aiiz bestimmte Ori^anismenarten in Hetraeht 
kommen, spricht für ein Gesetz der möglichsten geographischen 
und chemischen Terrainausnützung. 

Kehren wir nun zum llumusleuchten zurück, so lag die Frage 
nahe, ob auch alle Komponenten desselben durch Zusatz der gleichen 
zwei chemischen Agentien zum Leuchten zu bringen sind, das sind 
vor allem die faulende Zellulose und die faulenden Eiweißkörper. 
Auch in dieser Hinsicht sind meine Versuche positiv ausgefallen. 
xA.uf ganz gleiche Weise wie Humus wurde ein in einem be- 
stimmten Stadium der Zersetzung befindHches Föhrenholz (es 
wurden faulende, morsche Äste vom Baume gebrochen), ferner das 
im Herbste von den Bäumen (Buchen) gefallene und am Boden 
befindüche, dunkelbraune, verwesende Laub und schheßlich in 
Fäulnis befindliche und von der Erde gewaschene Regenwürmer, 
alles jeweils fein zerschnitten, in der Eprouvette zum wenn auch 
schwachen Leuchten gebracht. Als Beweis dafür jedoch, daß nicht 
etwa alle organischen Stoffe in der Natur zum Leuchten zu bringen 
sind, sondern nur ganz bestimmte^ in einem bestimmten Stadium 
der Fäulnis befindliche, dient der Umstand, daß weder frisches 
Hühnereiweiß, noch frisches Fischfleisch, noch frisches Holz, noch 
grünes Laub, noch Gras durch irgend welche chemische Zusätze 
leuchtend gemacht werden konnten. Indem man aber faules Föhren- 
holz durch einen so einfachen Zusatz von offizinellem HgOg und 
etwas Natriumbicarbonat zum Leuchten bringt, vollzieht man 
eigentlich schon eine Reaktion in der Eprouvette — die 
uns gestellte Aufgabe — , die in dunklen gewitterschwülen 
Nächten die Bakterien an alten, morschen Lärchenstrünken 
in der Natur vollziehen. Es wäre interessant, ob auch die Meeres- 
faulstoffe so wie der Humus durch Zusatz unserer beiden bekannten 
Stoffe zum Leuchten zu bringen wären. 

Reiner-Mtiller hat nun in der Sitzung des physiologischen 
Vereins in Kiel vom 8. Februar 1909 die Vermutung aufgestellt, 
Idaß es sich beim Bakterienleuchten in Meerwasser vielleicht um 
eine Oxydation von Aldehydgruppen auf Grund der Trautz-Scho- 
riginschen Arbeiten handeln dürfte. Eine neuere Arbeit dieses 



202 



Franz Weitlaner. 



verdienten Forschers liegt nun nicht vor; jedoch ist seine Ver- 
mutung für den Weg der Forschung über das chemische Wesen 
des Organismenleuchtens sehr schätzenswert. 

Meine bisherigen weiteren chemischen Untersuchungen über 
das Leuchten des Johanniskäferchens und die ferneren mögen ein 
nächstes Mal zur Besprechung gelangen. In den Trautz-Scho- 
riginschen Arbeiten, in der Vermutung Reiner-MüUers, im Humus- 
leuchten und im Leuchten der einzelnen Humusstolfe aber scheint 
endlich eine sichere Basis zur chemischen Lösung des Johannis- 
käferchenleuchtens gefunden zu sein. Hier sind dann auch noch die 
verdienstvollen Arbeiten von Prof. Molisch speziell hervorzuheben. 

Mit großer Dankbarkeit gedenke ich schließlich des liebens- 
würdigen Entgegenkommens des Herrn Prof. Dr. Willibald Winkler 
von der Wiener k. k. Hochschule für Bodenkultur. 



Das zoolog^ische System. 

Eine Erwiderung 
von 

Prof. K. Grobben und Prof. K. Heider 

(Wien) (Innsbruck). 
(Eingelaufen am 10. Mai 1911.) 

In einer Schrift „Das neue zoologische System" (Leipzig, 1911) 
erhebt der Verfasser, Kollege Prof. B. Hat sehe k, in seinen „Schluß- 
bemerkungen" Beschwerde gegen mich wegen nicht genügender | 
Berücksichtigung seines Anteiles an dem Ausbau des zoologischen 
Systems. Es beziehen sich diese Beschwerden zunächst auf die 
von mir neu besorgte Ausgabe des Lehrbuches der Zoologie Claus- 
Grobben, und zwar die zweite Auflage, sowie nebenbei auf meinen 
in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1908, abgedruckten Vortrag 
„Die systematische Einteilung des Tierreiches". 

Kollege Prof. Hatschek anerkennt, daß in der ersten Auflage 
der Neuausgabe des zitierten Lehrbuches seine Ansichten durch m 
mich vollständige Anerkennung gefunden haben, erblickt aber eine ■ 



DjiH /oolo},Msclu! System. 



2m 



Hceinträchtig'un^' dieser Anerkennung und eine Verschleierung- der 
liistorisclien EntwickUnii;' des Systems durch meine Darstelhin^- in 
der zweiten Aulhi^i^e (hirin, daß der in der ersten Auila^c enthaltene 
Satz: „In nahem Anschlüsse an das von llatsehek aufgestellte 
System, in welchem auch die neueren Gruppirun^en enthalten 
sind, g^estaltet sich das System des ThierrelcJies folg-end ermaßen" 
in der zweiten Aullage nicht mehr erscheint. 

Eine Durchsicht meiner betreffenden Darlegung in der zweiten 
Auflag;e zeigt wohl zur Geniige, daß ich Kollegen Hatschek in 
allen von ihm herrührenden wichtigeren Änderungen des Systems 
volle Gerechtigkeit widerfahren lasse. Bei der, wie in einem Lehr- 
buche kaum anders möglich, kurzen Besprechung- der historischen 
Entwicklung des Systems heißt es auf S. 21: „und in neuerer 
Zeit wurde von Hatschek durch die Zusammenfassung der un- 
gegliederten Würmer (Scolecides), der wiederhergestellten Articulata 
Cuviers, ferner der Mollusca und Molluscoidea in einen großen 
Typus der Zygoneiira den schon von Gegen bau r angedeuteten 
näheren verwandtschaftlichen Beziehungen der in dieser Gruppe 
vereinigten Formen Ausdruck gegeben. Innerhalb der Protozoa sind 
mit Hatschek die Ciliata als Gytoidea von allen übrigen Einzelligen, 
die als Cytomorplia vereinigt werden, schärfer zu sondern." 

Überdies ist die einschlägige Literatur (p. 90) angeführt und 
auch in den Spezialkapiteln Hatschek in gebührenderweise berück- 
sichtigt. Dabei muß ich mit Rücksicht auf die Anmerkung 1 in 
der neuen Schrift von Kollegen Hatschek (S. 21) hinzufügen, daß 
die Zusammenfassung der Enteropneusta und EcMnoderma in einen 
Typus ,^Ä7nhidacraria" bereits von Metschnikoff (Zoologischer 
Anzeiger, IV. Bd., 1881, S. 156) herrührt; Hatschek nennt die 
Gruppe ,,Äml)tdacrcdia'\ Die Bezeichnung „CJwrdonia'^ geht auf 
Ha e ekel zurück, wie noch ergänzend angeschlossen werden mag.^) 

Der oben von mir zitierte, in der ersten Auflage enthaltene, 
in der zweiten Auflage fehlende Satz schien mir entbehrlich und es 

^) Es ist auch nicht richtig, wie Hatschek (S. 28) angibt, daß bei mir 
Chordonia und Ambulacralia als Kategorien in gleicher Ordnung mit den 
Arthropoden, Anneliden und Tentaculaten erscheinen; Chordonia, Ambula- 
cralia und Homalopterygia sind vielmehr als Subtypen unterschieden, während 
Arthropoden, Anneliden, Tentaculaten als Kladus erscheinen. 



204 



K. Grobben und K. Heider. 



ist durch seinen Wegfall Hatscheks Verdienst um die Systematik 
kein Abbruch geschehen. Auch hätte er jedenfalls eine Änderung- 
erfahren müssen mit Rücksicht auf die gegenüber der ersten Auf- 
lage von mir durchgeführte Änderung im System — abgesehen 
von Namensänderungen. Erstere besteht in der Bildung eines be- 
sonderen Subtypus „Homalopterygia" für die Chaetognathen und 
in der Zusammenfassung der Ambulacralia, Homalopterygia und 
Chordonia in einem großen Tierkreis „Deuterostomia", wobei zur 
Namengebung für denselben die sekundäre Entstehung des defini- 
tiven Mundes verwendet wurde. Diesem Tierkreise gegenüber be- 
zeichnete ich die Zygoneura Hatscheks, gleichfalls nach dem Ver- 
halten des definitiven Mundes, der sich in dieser Gruppe auf den 
Urmund zurückführen läßt, als „Protostomia'^. 

Kollege Hatschek beanstandet es, daß ich für die Gruppe 
„Zygoneura" die Bezeichnung „Protostomia" verwende. 

Doch wird mir wohl, wie jedem anderen Autor, diese von 
einem bestimmten Gesichtspunkte aus vorgenommene Namengebung 
zustehen. Glücklicherweise kann ich mich dabei auf die neue 
Schrift von Kollegen Hatschek selbst berufen, wo es auf S. 30 
heißt: „Gewiß wird billiger Weise bei der Aufstellung der großen 
Hauptgruppen jedem Autor die größte Freiheit der Namengebung 
gestattet bleiben müssen, um die Idee seines Systems zum Ausdruck 
bringen zu können, und hier werden selbst die strengen Regeln 
der Nomenklaturkommission ihre Grenzen finden. Aber neue Namen 
dürfen nicht bloß ein neues Kleid für eine schon richtig umgrenzte 
Gruppe bedeuten." 

Und nun sei an Hatscheks Bezeichnung der Coelenterata — 
ein alt eingebürgerter Name — als „Protaxonia" und der Bilateria 
als „Heteraxonia" in seinem Lehrbuche der Zoologie (1. Lief., 1888, 
S. 40) sowie die Einführung der Bezeichnung „Ecterocoelia" (Das 
neue zoolog. System, S. 30, Anm.) von seinem Standpunkte aus für 
die von K. C. Schneider „Plerocoelia^^ benannte Gruppe erinnert. 
Es liegt mir dabei selbstverständHch vollständig ferne, deshalb einen 
Vorwurf oder eine Beschwerde gegenüber Kollegen Hatschek zu 
erheben. 

Mit der Bezeichnung der „Zygoneura" Hatscheks als „Proto- 
stomia" habe ich nicht für mich in Anspruch genommen, eine neue 



Dus zoolof^ischo System. 



205 



Gruppe gebildet zu IkiIxmi, wie aus der Fassung* der betreffenden 
Stellen im Lehrbuch, zweite Auflage, S. 21, sowie dem Vortrage, 
S. 497 und weiter daraus hervorgeht, daß ieh sowohl in meinem 
publizierten Vortrage als aueh im Lehrbuche (zweite Auflage) die 
Bezeichnung ^^Zygoneura^^ neben meiner Benennung „Protostomia" 
stets in Klammer mitftihre. Ich habe dabei auch niemals nicht 
von mir herrührende Beobachtungen als eigene dargestellt. 

Gegenüber den mir fast jedes Verdienst auf dem Gebiete der 
bei der Bildung der großen Tierkreise in Frage kommenden Ge- 
sichtspunkte absprechenden Äußerungen Kollegen Hatscheks (S. 27 
der neuen Schrift) verweise ich auf meinen die primären Achsen- 
verhältnisse der Ambulacralia behandelnden Passus im allgemeinen 
Teile der ersten Auflage des von mir neu ausgegebenen Lehrbuches 
der Zoologie, der 1903 (in einer kleinen Separatausgabe bereits 
1902) erschien und aus dem sich als Konsequenz ergibt, daß die 
von Hatschek für die Bilateria neu eingeführte Bezeichnung „He- 
teraxonia" durchaus nicht für alle hierhergehörigen Tierformen zu- 
trifft. Es hätte dies zu einer Kritik der Hatschekschen Bezeich- 
nung „Heteraxonia" führen können, die ich aber als tiberflüssig 
vermieden habe. 

Der betreffende Passus in meinem Lehrbuche lautet (S. 92 bis 
93): „Im zweiten Falle (Ambulacralia) bleibt die Primäraxe als 
Hauptaxe des Thieres erhalten (Fig. 34). Das definitive Vorder- 
ende entspricht dem Apicalpole der Gastrula. Der am Hinterende 
des Körpers verbleibende Gastrulamund wird zum After, während 
die Mundöffnung an der späteren Ventralseite neu entsteht. Diese 
Verbältnisse treten bei Balanoglossus und den jungen Larven 
der Echinodermen hervor; bei den ausgebildeten Echinodermen 
erscheinen dieselben durch die späteren Organverschiebungen ver- 
wischt." 

Und in der zweiten Auflage des Lehrbuches (1. Teil erschienen 
1909) wurde die Erhaltung der Primärachse als Hauptachse des Tieres 
für alle Beuterostomia hervorgehoben. Die bezügliche Stelle (S. 95) 
lautet: „Im zweiten Falle (Beuterostomia) bleibt die Primärachse als 
Hauptachse des Tieres erhalten. Das definitive Vorderende entspricht 
dem Apikalpole der Gastrula. Der am Hinterende des Körpers 
verbleibende Gastrulamund wird zum After, während die Mund- 



206 



K. Grobben und K. Heider. 



Öffnung an der späteren Ventralseite nahe dem Vorderende neu ent- 
steht. Diese Verhältnisse treten bei JBalanoglossus (Fig. 35) und 
den jungen Larven der Echinodermen hervor; bei den ausgebildeten 
Echinodermen erscheinen dieselben durch die späteren Organver- 
schiebungen verwischt. Bei den Chordoniern wird das Prostoma zu- 
nächst nach der Dorsalseite verlagert und schließt sich hier bis 
auf einen kleinen hinteren Rest, der sekundär an die Ventralseite 
verschoben zum After wird (Fig. 36), Verhältnisse, die als sekundär 
zu beurteilen sind. Letzteres gilt auch von den Homalopterygiern 
(Ghaetognathen). Hier schließt sich das Prostoma vollständig; der 
After entsteht sekundär an der Ventralseite, ist aber wahrscheinlich 
auf das Prostoma zurückzuführen (Fig. 37)." 

Ich habe diesen ganzen Passus auch angeführt mit Rücksicht 
auf die folgende Stelle (S. 27) in Hatscheks neuer Schrift: „Richtig 
und neu wäre vielleicht (?) die schärfere Betonung der Ansicht, 
daß bei den Chordoniern die dorsale Lage des UrmundschUtzes — 
die eine zweifellose Tatsache ist — als coenogenetisch zu betrachten 
sei; doch ist dies bei Grobben kaum bestimmt ausgesprochen." 
Ich glaube, es geht wohl aus obiger Stelle der zweiten Auflage des 
Lehrbuches bestimmt und klar hervor, daß ich die diesbezüghchen 
Verhältnisse der Chordonier als sekundär beurteile. 

Was nun die von mir gebildete Gruppe „ Deuter ostomia" be- 
trifft, so war sie in meiner Fassung meiner damaligen Ansicht 
nach neu. Erst nach Druck des betreffenden Rogens^) des Lehr- 
buches verfaßte ich den in diesen „Verhandlungen" abgedruckten 
Vortrag, den ich am 13. November 1908 hielt. Während der Ab- 
fassung dieses Vortrages wurde ich durch Herrn Prof. E. v. Mar en- 
zeil er darauf aufmerksam gemacht, daß bereits Go ette zwei gleiche 
Gruppen der ßilaterien unterschieden hat. Ich führte daher in 
meinem Vortrage die betreffende Stelle aus Goettes Lehrbuche der 
Zoologie (1902) . im Wortlaute an und hätte gewiß auch Goettes 
Namen in den von mir neu ausgegebenen Lehrbuche der Zoologie 



^) Dieser Bogen 2 wurde bereits nach dem mir noch zur Hand befind- 
lichen Korrekturabzug im August 1908 imprimiert. Gewiß hätte ich auch 
meinen Vortrag, der verschiedene Punkte des verwendeten Systems betrifft, 
im Lehrbuche zitiert, wenn er fertig vorgelegen wäre. 



Das zoolopfiac.he SyHt(Mn. 



207 



(zweite Auflage) zitiert, fiills mir vor Druck des betretTenden Lehr- 
buch ho <;"eiis Goettes Einteihnii;' bekannt gewesen wäre. Gocttes 
Bilatcralia hypogastrica entsprechen wie meine Protoslomia den 
Ztjgo)icura llatsclieks, wie Ja Hatschek^ ohne Besch werde zu 
erheben, selbst zitiert. Goettes Recht bleibt natürlich vollständig 
aufrecht, von seinem bestimmten Gesichtspunkte aus einer Gruppe 
einen Namen zu geben. 

Daß es mir keineswegs darauf ankommt, daß etwa die histo- 
rische Entwicklung „verschleiert" wird, zeigt zur Genüge mein 
Bestreben, den Autoren soweit gerecht zu werden, als dies im 
Rahmen einer Lehrbuchdarstellung möglicli ist. Übrigens läge in 
einem Lehrbuche keine Verpflichtung dafür vor, umsoweniger, 
als von mir überdies die einschlägige wichtigere Literatur ange- 
geben wird. 

Jenen Vortrag habe ich publiziert, um die gegenüber der ersten 
Auflage des von mir neu ausgegebenen Lehrbuches der Zoologie in 
der zweiten Auflage vorgenommenen Änderungen in systematischer 
und nomenklatorischer Hinsicht darzulegen, was im Lehrbuche selbst 
keinen Platz finden kann. Auch wurde in der Einleitung jenes 
Vortrages ausdrücklich von mir bemerkt, daß „nicht auf die ver- 
schiedenen bestehenden Klassifikationsversuche eingegangen werden" 
soll, sondern ich „mich vornehmlich auf die Darlegung meiner per- 
sönlichen Ansichten beschränken" will. Ich habe damals K. C. 
Schneiders Einteilung der Metazoa (Lehrbuch der vergleichenden 
Histologie der Tiere, Jena, 1902) nur aus dem Grunde nicht erwähnt, 
weil in Schneiders beiden Metazoenabteilungen Pleromata und 
Coelenteria auch die Coelenterata mit aufgeteilt erscheinen; inner- 
halb ersterer entsprechen seine Plerocoelia, jedoch nicht vollkommen, 
da die Tentamlata in derselben fehlen, meinen Protostomia, seine 
Enterocoelia innerhalb der Coelenteria^ aber gleichfalls nicht voll- 
kommen, indem hier die Tentaculata enthalten sind, meinen Beu- 
terosioniia. Es möchte daher als eine entschuldbare Unterlassung 
erscheinen, wenn ich mit Rücksicht auf die Nichtübereinstimmungen 
Schneiders System in dem Vortrage nicht angeführt habe. Die 
Berücksichtigung, die Kollegen Hatscheks Ansichten in diesem 
Vortrage gefunden haben, ist gewiß eine nicht bloß korrekte, sondern 
freundlich anerkennende gewesen. 



208 



K. Grobben und K. Heider. 



Kollege Hatschek bebt bervor, daß „die Gegenüberstellung 
aller übrigen Coelomaten den Zygoneuren gegenüber — oder viel- 
mebr die völlige Trennung der zwei Gruppen — eine Konsequenz 
der Grobben wohlbekannten Resultate" seiner Ctenophorenarbeit 
ist. Dazu muß ich bemerken, daß ich die Tafeln zu dieser Arbeit 
vor 14 Jahren flüchtig gesehen habe, den Text derselben aber nicht 
kenne, mir auch nur ontogenetische Resultate dieser Arbeit, vor 
allem aus dem Vortrage Hatscheks in der k. k. zoologisch-bota- 
nischen Gesellschaft im Jahre 1897, bekannt sind, nicht aber die 
von Hatschek aus dieser Untersuchung gezogene Konsequenz. 
Heißt es ja in der letzten Schrift von Hatschek selbst: „Die theore- 
tischen Folgerungen blieben dort von mir unerörtert." Wieweit 
Schneiders Ansichten (Lehrbuch der vergleichenden Histologie 
der Tiere), die nach Hatscheks Angabe durch seine Ctenophoren- 
arbeit angeregt wurden, mit jenen von Kollegen Hatschek über- 
einstimmen, beziehungsweise auf seinen Einfluß zurückzuführen 
sind, vermochte ich nicht zu wissen. Jedenfalls ist mir Hatscheks 
neues System erst durch seine letzte diesbezügliche Schrift bekannt 
geworden, wie ja auch ein Vergleich des von mir in jenem Vor- 
trage vertretenen Systems mit dem von Hatschek in seiner letzten 
Schrift publizierten neuen zoologischen Systeme die differierenden 
Auffassungen und verschiedenen verwerteten Gesichtspunkte zur 
Genüge zeigt. Keinesfalls aber finde ich in meiner Darstellung 
einen Gesichtspunkt verwertet, der sich nach Hatscheks neuer 
Schrift als Konsequenz seiner Ctenophorenarbeit ergab. 

Überraschen mußte mich aber der Tenor von Kollegen Hat- 
scheks „Schlußbemerkungen'' deshalb, weil Kollege Hatschek bei 
meinem erwähnten Vortrage im Jahre 1908 anwesend war und 
weder damals noch seit Erscheinen des ersten Teiles der zweiten 
Auflage des von mir neu ausgegebenen Lehrbuches der Zoologie 
im Jahre 1909 durch eine Bemerkung erkennen ließ, daß er sich in 
bezug auf sein System vom Jahre 1888 durch mich nicht genügend 
berücksichtigt fühle, weil endhch gerade durch mich in dem Lehr- 
buche der Zoologie Hatscheks Auffassungen Anerkennung gefunden 
haben, wie auch von Kollegen Hatschek selbst anerkannt wird. 

Ob nun aber das von mir vertretene System überholt" ist oder 
nicht, es muß wie jedem Anderen so auch mir das Recht bleiben. 



DuH zoolo{j:i8che System. 



209 



meine Ansichten darzulegen. Es ist dies von mir sowohl im Lehr- 
biiche als auch in meinem Vortrag in einer Weise geschehen, die nie- 
manden verlet/en kann und gewiß nicht will. K. Grobben. 

Nicht aus Flüchtigkeit in Irrtum verfallend, sondern bewußt 
habe ich bei der Behandlung der Keimblätterbildung der Tiere 
auf Grobbens Aufstellungen Bezug genommen, weil ich nämlich 
der Ansicht bin, daß die neueren Versuche einer systematischen 
Gruppierung der größeren Stämme des Tierreichs durch die von 
Goette und Grobben angebahnte Auseinanderhaltung zweier großer 
Gruppen der Metazoen (welche Grobben als Protostomia und Deu- 
terostomia bezeichnet) eine wesentliche Förderung erfahren haben. 
Daß sich der Grob ben sehe Tierkreis der Protostomia seinem Inhalte 
nach im großen Ganzen mit dem Ha tschek sehen Typus der 
Zygoneura deckt, war mir bekannt und ich durfte dies auch bei 
meinen Lesern als bekannt voraussetzen, umsomehr, als ja Grobben 
auf S. 315 der zweiten Auflage seines Lehrbuches der Überschrift 
„Protostomia" in Klammern „Zygoneura" beifügt und daselbst auf 
die Erörterungen von Gegenbau r und Hatschek Bezug nimmt. 
Meiner Ansicht nach muß man bei der Aufstellung der beiden 
genannten Begriffe die Art ihrer Begründung auseinanderhalten. 
Während Hatschek zur Charakterisierung der Zygoneura haupt- 
sächHch den Begriff der Trochophora herbeizieht, betont Grob ben 
schärfer als dies meines Wissens bisher geschehen, ein Merkmal, 
das uns vielleicht sicherer leitet, nämlich das spätere Schicksal des 
Blastoporus. Da ich bei der Bearbeitung des Kapitels Keimblätter- 
bildung nur von letzterem Thema zu sprechen hatte, so entfiel für 
mich der Anlaß, auf Hatscheks systematische Aufstellung besonders 
hinzuweisen. K. Hei der. 



I 

Z. l^. Ges. 61. Bd. 



14 



210 



Arthur Schatzmayr. 



Die Koleopterenfauna der Villacheralpe 
(Dobratsch). 

Von 

Arthur Schatzmayr 

in Triest. 
(Eingelaufen am 11. Januar 1911.) 

Staphylinoidea/) 

Scydmaenidae. 

Euihia jüicata Gyll. Bei Dreulach von Herrn Carlo Brusini in 
einem Exemplare gesammelt (24. Juni 1906 im Fluge). 

E. linearis Muls.^) Bei St. Johann (Rittergarten) aus abgefallenem 
Laub ein Exemplar gesiebt (9. April 1905). 

Cephennium carnicum Reitt. Bis 1700 m emporsteigend, unter 
abgefallenem Laub und unter Moos, nicht selten. 

Die Cephennien scheinen sich hauptsächlich von Milben 
zu ernähren. In einer Höhe von ca. 1600 m fand ich unter 
einem Steine, am Rande eines Schneefeldes, ein Exemplar 
des G. carnicum, welches eine sehr kleine Milbe zwischen 
den Mandibeln trug. 

G. atistriacum Reitt und 

C. latum Mötsch {fiilvum Schaum) konnte ich zwar am Dobratsch 
nicht konstatieren, doch dürften sie hier auch vorkommen^ 
da ich diese zwei Arten auf den Karawanken oft gesammelt 
habe. 

Neuraphes elongatulus Müll. In der tieferen Region unter Laub 
und Moos nicht selten. Ich traf diese Art oft auch bei For- 
mica rufa. 

N, laminatus Faur. Ein einziges Exemplar bei Nötsch aus ab 
gefallenem Laube gesiebt. Im Wiener Hofmuseum befindet 



1) Siehe S. 116, Jahrg. 1907 und S.432, Jahrg. 1908 dieser „Verhandlungen". 
Die mit einem Sternchen bezeichneten Arten sind für Kärnten neu. 



lYw KohMtptcreiilium.i der Vill.u'hciralitc ( I )()lM:if.s('Ii). 



sich ein zweites Excmphir uus Kilniteu (Ober-Seeland, Steiner 
Alpen\ welches mit meinem vollkommen übereinstimmt. In 
der Kopl bildun^- sind die Kärntner Stücke von dem typischen 
laminatus aus den Seealpen ziemlich verschieden und können 
vielleicht als eigene liasse gelten. 

N. (hpdlae lleitt. In einer Höhe von ca. 1400 m siebte ich aus 
moderndem Laub ein Exemplar davon (13. November 1906). 

'N. paralleles Chaud. Im Teufelsgraben, sehr selten. An heißen 
Maitagen schwärmen die Käferchen umher. 

' Steniclmus scutellaris Müll. In der tieferen Ilegion unter Laub und 
Moos, vereinzelt (Juni bis Juli). 

8. collaris Müll. Wie der vorige, aber viel häufiger. 

'•S. exilis Er. Ich sannnelte diese Art subalpin in einem Neste der 
Formica rufa in fünf Exemplaren (IG. Oktober 1904). 

Euconmis Wetterhalli Gyll. In der tieferen Region unter Laub 
und Moos besonders im Frühjahr häufig. 

E. Motschulshß Sturm. Bis 1500 m emporsteigend, unter abge- 
fallenem Laube, Moos etc. häufig. Die var. riifescens Gangib. 
ist hingegen etwas seltener. 

E. Kiesemvetteri Kiesw. (nec Reitter). Ein Stück bei Arnoldstein 
unter einem Steine am 21. März 1904 gefangen. Ein zweites 
Exemplar sammelte ich bei Uggowitz in Kärnten (24. April 
1904). 

E. similis Weise. In der tieferen Region unter abgefallenem 
Laube und modernden Fichtenrinden, selten. Auf derHochobir 
steigt diese Art bis 2000 m empor. 

E. carinthiactis Gangib. Am Dobratsch bis 1600 m, auf der Hoch- 
obir bis 2000 m emporsteigend. Unter Laub und Fichten- 
rinden, sehr vereinzelt. 

E. oUongus Sturm. In der tieferen Region bis 1600 m, häufig. 
Stücke, die sich der var. Gredleri Reitt. sehr nähern, kommen 
am Dobratsch ebenfalls vor. 

E. puhicollis Müll. In der tieferen Region unter abgefallenem 
Laube und Fichtenrinden, selten. 

E. styriacus Grim. Besonders unter Fichtenrinden nicht selten 
(bis 1600 m beobachtet). 



212 



Arthur Schatzmayr. 



Scydmaenus tarsatus Müll. In der tieferen Region nicht selten. 
Besonders bei der „Kaserin" (1300 m) kann man diese Art 
oft in Anzahl im Fluge fangen. 

Silphidae. 

*GJioleva ohlonga Latr. Ich sammelte ein Exemplar hochalpin 

(2100 m) unter einem Steine (4. Oktober 1903). 
Sturmi Bris. Ein Exemplar bei Fellach (24. Mai 1903 im Fluge), 

ein zweites am Oswaldiberg gesammelt. 
Gh. cisteloides Fröl. Besonders am Eingang des Eggerloches unter 

Steinen nicht sehr selten. 
Gatops (Sciodrepa) fumatus Spence. Bei St. Johann ein Exemplar 

auf Aas gesammelt (26. Juni 1903). 
G. (Sciodrepa) Watsoni Spence. An Aas und Pilzen oft in Anzahl. 

Von mir bis 1400 m beobachtet. 
G. (Lasiocatops) alpinus Gyll. An Aas nicht selten. Von mir 

ebenfalls bis 1400 m beobachtet. 
G. (s. Str.) fuscus Panz. An Aas, selten. 
*G. (s. Str.) nigricans Spence. An Aas und unter faulen Vegetabilien 

bis 1700 m emporsteigend, nicht selten. 
G. (s. str.) fuliginosus Er. An Aas, selten. 
G. (s. str.) nigrita Er. Wie der vorige. 

G. (s. Str.) tristis Panz. Subalpin (bis 1400 m) an Aas und faulen 

Pilzen, ziemlich selten. 
Ftomaphagus variicornis Rosh. Bei St. Johann 'aus abgefallenem 

Laube drei Exemplare gesiebt. 
Golon (Eury Colon) latum Kr. Bei der Ottohütte einige Exemplare 

unter Steinen gesammelt. 
*G. (Myloechus) clavigenm Herbst. In der höheren Region (1500 

bis 2100 m) unter Steinen, sehr selten. 
G. (Myloechus) affine Sturm. Ein einziges Exemplar im Fluge 

gefangen (30. Juli 1905, 1400 m). 
G. (Myloechus) murinum Kr. Wie das vorige (22. Juli 1906, 1000 m). 
G. (Myloechus) dentipes Sahlb. Wie das vorige (15. August 1903, 

1400 m). 

*C. (Myloechus) appendiculatum Sahlb. Bei Labientschach ein Stück 
aus moderndem Farnkraut gesiebt (23. April 1905), ein zweites 



Dio KoUioptcri'iifauiKi der VillachcrHlpc. fDohralHcli i. 



213 



Exemphir in einer Höhe von eji. lOOOni im Flu^c gefangen 
(22. Juli 1906). 
(s. Str.) vienncnse Herbst. Subalpin (ea. 1000 ni), selten. 

Necrophoriis hwnator Goeze. An Aas, zienilicli liänlig. 

N. investigator Zett. Bis 1400 ni emporsteigend, ziemlich selten. 

N. vespüloldcs Herbst. Wie der vorige, aber häufiger als dieser. 

N. vespillo L. In der tieferen Kegion an "Aas besonders im Früh- 
jahr ziemlich häufig. 

Thanatopliüus sinuatus F. An Aas bis 1700 m, häufig. 

Th. riigosus L. Wie der vorige. 

Oeceoptoma thoracicum L. In der tieferen Region an Aas, häufig. 
Blitopliaga (Äclipea) undata Müll. Besonders an Feldwegen sehr 
häufig. 

SilpJia ohscura L. Wie die vorige. 

S. gramdata Thunb. (nec. Ol.) Im Hochsommer an Feldwegen etc. 
ziemlich selten. 

S. tyrolensis var. nigrita Creutz. Die Stammform fehlt am Dobratsch 
ganz. Ihre Varietät dürfte in diesem Gebiete schon vor- 
kommen, ist aber von mir noch nicht konstatiert worden. 

Phosphuga atrata L. In der tieferen Region überall häufig. 

Necrophilus suhterraneus Dahl. Subalpin (1400 — 1700 m) an 
kleinen Kadavern, unter Steinen etc., sehr selten. 

Liodidae. 

Triarthron Maerkeli Schmidt. Von Kärnten ist mir bisher nur 
ein einziges Exemplar bekannt, das ich bei St. Johann am 
21. Juni 1902 abends im Fluge fing. (Siehe meine Koleopt. 
Notizen in der Wr. Ent. Zeit., 1902, S. 172, Nr. 3.) 
fHtjdnohius mulüstriatus Gyll. Ein Exemplar bei Judendorf von 
einem Strauche geklopft (20. Mai 1902), ein zweites Exemplar 
am Dobratsch selbst gefangen (20. Juli 1902, subalpin). 

H. ptindatus Sturm. ^) Sub- und hochalpin, nicht sehr selten (Juli 
bis Oktober). 

1) Am 24. Juli 1904 fing ich bei der Ottohütte (1500 m) unter einem 
teine die folgenden Liodiden: Hydnohius punctatus, Liodes hyhrida, L.vsir.obesa, 
L. hadia, L. calcarata und L. Skalitzkyi. Die Tiere lebten in der Erde in 
selbst gegrabenen Gängen. 



214 



Arthur Schatzmayr. 



*Liodes rhaetica ah. fr acta Seidl. Auf Holzschlägen (August bis 

Oktober), sehr selten. 
*X. cinnamomea var. öhlonga Er. Subalpin ein Exemplar gefangen 

(15. August 1904). 
silesiaca Kraatz. Sub- und hochalpin, selten. 
"^•L. picea Iiiig. Hochalpin unter Steinen, sehr selten. 

dubia var. ohesa Schmidt. Subalpin, nicht sehr selten. 
*X. dubia var. minor Fleisch. Wie die vorige, vereinzelt. 
*L. flavescens Schmidt. Subalpin, sehr selten. 
L. calcarata Er. Von mir bis 1400 m beobachtet, etwas weniger 

selten als ihre ab. nigrescens Fleisch. 
L. ovalis Schmidt. Ein Exemplar von Herrn Carlo Brusini bei 

Völkendorf, zwei weitere Stücke von mir subalpin auf einem 

Holzschlag gesammelt. 
*L. rugosa Steph. Ein einziges Exemplar in der subalpinen Region 

gefangen (4. September 1904). 
*L. hybrida Er. In einer Höhe von ca. 1500 m ein Exemplar unter 

einem Steine gefangen (24. Juli 1904). 
*Z. Brandisi Holdh. Subalpin, ein Exemplar im Fluge gefangen 

(23. Oktober 1904). 
*iy. Shalitzhyi Gangib. Subalpin (bis 1500 m), sehr selten (Juli bis 

August). 

L. pallens Sturm. An der Gail bei Maria Gail und Federaun nicht 
selten (Juni bis August). 

L. rotundata Er. Ein Exemplar bei Federaun gefangen (26. Juni 
1902 abends im Fluge). 

L. badia Sturm. Subalpin unter Steinen, sehr selten. 
*Ägaricophagus cepliahtes Schmidt. Von mir bis 140üm beobachtet, 
nicht sehr selten. Die von Herrn Carlo Brusini gesammelte 
var. praecellens Hampe ist sehr vereinzelt (Juli bis September). 

Colenis immunda Sturm. Über die tiefere Region verbreitet, nir- 
gends häufig. 

Cyrtusa minuta Ahr. Wie die vorige. 

Änisotoma Jiumeralis F. Ein Exemplar bei St. Johann gesammelt. 
Änisotoma castanea Herbst. Besonders unter Fichtenrinden, nicht 
häufig. 



Die Kolooptcrrnraim.i iUm- Villaclicr.iliir ( I )()lMalH( li). 



215 



A. (jlabra Kui^el. Subalpin (bis 1400 ni) unter Haurnriuden, Hchr 
selten. 

Ävjphicyllis glohus F. Hei St. Johann (Kittergarten) zwei Stlieke 

aus abgefallenem Laub gesiebt. 
A. (jlobiformis Schlb. Im üobratschgebiete sehr vereinzelt. 
Agathidkm atrum Payk. Im Teufelsgraben, vereinzelt. 
A. semmulum L. Unter Fichtenrinden, vereinzelt. 
?A. laevigatum Er. Von mir am Dobratsch noch nicht konstatiert 
worden. 

*A. dentatum Muls. Subalpin unter abgefallenem Laub, selten. 
A. hohemicuni Reitt. Wie das vorige, aber auch in Pilzen, nicht 
selten. 

A. hadium Er. Wie dentatum. 

A. mandibulare Sturm. Bis 1700 m emporsteigend unter Fichten- 
rinden und oft auch an Pilzen, nicht häufig. 
A. sphaendum ßeitt. Subalpin unter Fichtenrinden, selten. 

Clambidae. 

Calyptomerus alpestris Redtb. Subalpin^ an abgezogenen, zur Lohe- 
bereitung dienenden Fichtenrinden oft in Anzahl. 

Glambus minutus Sturm. Unter Fichtenrinden, tiberall selten. 

C. punctidum Beck. Bei St. Johann und im Teufelsgraben unter 
abgefallenem Laube, nicht selten. 

Leptiiiidae. 

*Leptinus testaceus Müll. Im Eggerloch ein Exemplar auf ausge- 
stellten Köder (19. Mai 1904). 

Corylophidae. 

*Sericoderus lateralis Gyll. Ein Stück bei Fürnitz aus Laub gesiebt 
(8. Juni 1904). 

OrtJioperus atomus Gyll. Besonders an abgezogenen, zur Lohebe- 
reitung dienenden Fichtenrinden sehr häufig. 

Trichopterygidae. 

Ptenidium fuscicorne Er. Bei Maria Gail und Federaun, selten. 
*P. myrmecophilum Mötsch. Bei Formica rufa, sehr häufig. 



216 



Arthur Schatzmayr. 



P.pusillum Gyll. Bei St. Johann unter abgefallenem Laube, selten. 

P. nitidum Heer. Bei Maria Gail und St. Johann besonders im 
Frühjahr nicht selten. Stücke^ die der var. insularis Flach 
sich nähern, kommen im Dobratschgebiete auch vor. 
*Ptiliolum Sahlhergi Flach. An abgezogenen Fichten rinden in einer 
Höhe von ca. 1400m ein Exemplar gefangen (21. August 1904), 
ein zweites Exemplar fing ich an einem nassen Holze bei 
einer Quelle am Heiligengeisterweg (26. Juli 1903, 1400 m). 
*P. Schwam Flach. Am Graschelitzen aus abgefallenem Buchen- 
laube ein Exemplar gesiebt (17. Juni 1904). 

Ptilium myrmecophilum Allib. Bei Formica rufa, ziemlich selten. 

P. caesum Er. Nach Prossen und Hold haus (Gar., V. K.,^), II, 

S. 200) soll diese Art bei Villach vorkommen. 
"^Ftinella tenella Er. Am Korpitschbache bei Federaun ein Exem- 
plar unter einem Steine gefangen (22. Juni 1904). 

Fteryx sukiralis Heer. Subalpin unter abgefallenem Buchenlaub, 
häufig. 

Blaßgelbe Stücke mit jederseits auf den Flügeldecken 
scharf markierter, nach hinten konvergierender schwarzer 
Linie (ab. hilineata) kommen nicht selten vor. 

Trichopteryx grandicollis Mannh. Besonders unter Fichtenrinden 
nicht selten. Einige Exemplare fing ich auch an Aas (nur 
über die tiefere Region verbreitet). 

T. Montandoni Allib. Subalpin bei Formica rufa nicht selten, 
sonst vereinzelt. 

T. thoracica Waltl. Bei St. Johann, sehr selten. 

T. atomaria Deg. Im Dobratschgebiet sehr vereinzelt. 

T. intermedia Gillm. Von mir bis zu einer Höhe von 1900 m be- 
obachtet, gemein. 

T. fascicularis Herbst. Unter abgefallenem Laube etc. selten. In 
einer Höhe von ca. 1700 m fing ich unter einem Steine, am 
Rande eines Schneefeldes, drei sehr typische Exemplare. 

T. hrevipennis Er. Bei St. Johann, sehr selten. 



^) Car., V. K. = Verzeichnis der bisher in Kärnten beobachteten Käfer, 
Carinthia. 



Die Kol('oi>t(M<Mil;iiiu;i der Vill:i( li('r;ilp<^ r l)(>l)r;itH<'li ). 



217 



1. sericans Heer. Unter abgefallenem Laiilx; und oft auch l)ei 
Formica rufa nicht selten. 

*T. dispar Matth. Bei St. Johann ein Stück aus ahgei'alleneni Laub 
gesiebt (2. April 1904). 

Scapliidildae. 

Scaphidium 4-macidakim Oliv. Besonders unter abgefallenen Fich- 
tenrinden, nicht sehr häufig. 
* ScapJiosoma agaricirmm L. Überall in Baunischwämmen sehr 
gemein. Die var. punctipenne Petz, ist hingegen selten. 

S. holeti Fanz. Bei St. Johann an Pilzen, sehr vereinzelt. 

Histeridac. 

Platysoma compressum Herbst. Unter Baumrinden, bis 1500 m 

emporsteigend, ziemlich selten. 
? Cylistoso7na ohlongum F. Oswaldiberg, Karawanken und vielleicht 

auch am Dobratsch. 
*Hister helUio Truqui. Ein Stück im Dobratschgebiet gefangen. 
H. unicolor L. In Rindermist (bis 1400 m beobachtet), nicht selten. 
H. cadaverimis Hotfm. An Aas etc. viel seltener als der vorige. 
^H. striola Sahlb. Am Graschelitzen ein Exemplar in einem faulen 

Pilz gefangen (23. September 1903). 
R. terricola Germ. Im Dobratschgebiet sehr selten. 
//. stercorarius Hoffm. Bei St. Johann auf Feldwegen etc., sehr häufig. 
H. ventralis Mars. Bis in die alpine Region emporsteigend, an 

Aas und Rindermist, nicht sehr selten. 
H. carhonarius Hoffm. Im Dobratschgebiet selten. 
H. 4-notatus Scriba. Wie der vorige. 

H. hisexstriatus F. Über das ganze Gebiet verbreitet und häufig. 

Ich besitze ein Exemplar davon, bei welchem der 
Humeralstreifen durch Punkte angedeutet ist. 
H. 12-striatus Schrank. Bei Arnoldstein, selten. 
H. himaculatus L. Wie der vorige. 

H. corvinus Germ. Von Frau Maria Peternelli in einem Haus- 
garten bei St. Johann in drei Exemplaren gesammelt. 
Dendrophilus pygmaeus L. Bei Formica rufa oft in Anzahl. 
Faromalus parallelopipedus Herbst. Unter Fichtenrinden nicht selten. 



218 



Arthur Schatzmayr. 



Gnathoncus rotundaUis Kugel. Von Herrn Renato Milch ersieh 

bei St. Johann in einzelnen Exemplaren gesammelt. 
Saprintis semistriatus Scriba. An Aas häufig. 
S. aeneus F. Bei St. Johann an Aas nicht selten. 
S. quadristriatus Hoffm. Von Frau Maria Peternelli ein einziges 

Exemplar bei Arnoldstein gefangen (1. Juni 1902). 
Teretrius picipes F. Ein Exemplar bei Federaun gesammelt 

(20. Juli 1904, abends im Fluge). 
Plegaderus discisus Er. St. Johann, unter Fichtenrinden vier 

Stück gesammelt. 
Onthophilus striatus Forster. Bei St. Johann, in Rindermist, nicht selten. 
*Äbraeus globosus Hoffm. Bei St. Johann besonders im Frühjahr 

unter abgefallenem Laube, selten. 

Palpicornia. 

Hydrophilidae.i) 

Heloplionis aquaticusL. Auf der Napoleon wiese in Pfützen, vereinzelt. 
H. glacialis Villa. Hochalpin, in Wasserreservoirs, selten. 

hrevipalpis Bed. Im Eggerteich, sehr vereinzelt. 
H. granularis L. Bis in die alpine Region emporsteigend, die 

häufigste Art. 
*H. crenatus Rey. Bei Federaun^ sehr selten. 
Hydrochus elongatus Schall. Bei Federaun ein Stück gefangen. 
H. carinatus Germ. Im Eggerteich, selten. 

OcJithehius gihhosus Germ. Im Teufelsgraben und im Korpitsch- 

bache, sehr vereinzelt. 
Hydraena riparia Kugel. Überall in Pfützen häufig, besonders 

aber bei Maria Gail. 
lapidicula Kiesw. Ein einziges Exemplar in einer Höhe von 

ca. 1400 m gefangen (31. Juli 1904 im Fluge). 
Berosus signaticollis Charp., L, Auf der Napoleonwiese und bei 

Maria Gail, häufig. Stücke, die sich der Form dispar Reiche 

nähern, kommen im Dobratschgebiete auch vor. 



') Siehe auch meine Nota (^) auf S. 133, Jahrg. 1907 dieser „Verhand- 
lungen". 



Die Koleoptciciilhiiii;! der Villaclicr.'ilix^ ( I )()l»r;itH(;li ). 



21!) 



Niicli dem von mir imtersiiclitcii reichen Miitcrial l)in 
ich zum Schhisse ^ehiii^t, djiß die typische (/i.s7;a/-Form in 
Kärnten oder wenigstens im Dobratschgehietc ^anz fehlt. 
Die Deckenspitze der von mir studierten Kxemi)lare ist 
übrigens so variabel, daß sicli darin zwei Stücke kaum 
ähneln. Russische Exemplare lagen mir nicht vor, ich glaube 
aber, daß die Linnesche Form in Kußland ebenso variiert 
wie in Kärnten, daher der Keichesche Name früher oder 
später in die Rumpelkammer der Synonymien gelangen wird. 
B. luridus L. Auf der Napoleonwiese und bei Maria Gail, sehr 
vereinzelt. 

Hydrous aterrimus Esch. Ein Exemplar auf der Napoleonwiese 
am 20. April 1902 gefangen. Von Prossen und Hold haus 
(Car., V. K., II, S. 127) mit Zweifel aus Kärnten angeführt. 

Hydrophiliis carahoides L. In Tümpeln, vereinzelt. 

Hydrobius fuscipes L. Bei Maria Gail und Federaun in Pfützen, 
nicht selten. 

Änacaena limhata F. Bei Maria Gail und Federaun und im Egger- 
teich gemein. Ebenda die ab. ochracea Steph. und nitida 
Heer. Diese Art steigt bis in die alpine Region. 

Philydnis melanocephalus Ol. Im Eggerteich, sehr vereinzelt. 

Ph. mimitus F. Bei Warmbad Villach, Harth und im Eggerteich, 
nicht selten. 

Ph. frontalis Er. Bei Federaun und Maria Gail und im Egger- 
teich, ziemlich häufig. 
*PJl fuscipennis Thoms. Bei Maria Gail und Federaun, nicht häufig. 
Ph. testaceus F. Bei Federaun, selten. 

Helochares lividus Forst. Auf der Napoleonwiese in Pfützen sehr 
häufig. 

*H. griseus F. Wie der vorige, aber viel seltener. 

"^Laccohius nigriceps Thoms. Die Stammform ist sehr selten, hin- 
gegen ist die var. mactdiceps Rottbg. bei Federaun und 
Maria Gail und auf der Napoleonwiese häufig. 
L. sciitellaris Mötsch. Subalpin in kleinen Bächen unter Steinen, 
selten. 

L. alutaceus Thoms. Bei Federaun und Maria Gail und auf der 
Napoleonwiese häufig. 



220 Arthur Schatzmayr. Die Koleopterenfaima der Villacheralpe usw. 



*Iy. gracilis Mötsch. Bei Maria Gail und auf der Napoleonwiese 
nicht selten. 

Chaetartliria seminulum Herbst. Bei Federaun an Flußufern, sehr 
selten. 

Limnehitis truncatellus Thunbg. Subalpin in kleinen Bächen unter 

Steinen sehr selten. 
*Z. papposiis Muls. Bei Maria Gail, im Teufelsgraben und im 
Eggerteich. 

L. picinus Marsh. Bei Maria Gail und Federaun, sehr selten. 

Coelostonia orhiculare F. In Pfützen und in kleinen Bächen (bis 
1500 m), ziemlich selten. 

Sphaeridium scarabaeoides L. Bis in die höhere Region empor- 
steigend, gemein. Die ab. striolatum Heer und lunulatum F. 
kommen am Dobratsch ebenfalls häufig vor. 

SpJi. hipustulatum F. und seine ab. humerale Westh., marginatum F 
und suhstriatum Faid, sind am Dobratsch, wie die obigen 
Formen in Kuhmist und faulen Vegetabilien, sehr häufig. 
^Gercyon ohsoletus Gyll. Im Teufelsgraben ein Exemplar im Fluge 
gefangen (3. Mai 1903). 

C. impressiis Sturm. Besonders hochalpin im Kuhmist häufig. 

C. haemorrJioidalis F. Überall im Kuhmist häufig. Die ab. erijthro- 
ptenis ist hingegen selten. 
*C. lateralis Marsh. Im Kuhmist bis 1500 m emporsteigend, häufig. 

G. unipunctaUis L. Besonders im Frühjahr überall häufig. 

G. quisquilius L. Wie der vorige. 

G. terminatus Marsh. Bei St. Johann ein Exemplar gefangen 

(3. Mai 1903). 
G. pygmaeiis III. Uberall sehr häufig. 
G. nigriceps Marsh. Im Dobratschgebiet ziemlich selten. 
G. analis Payk. Bei St. Johann und im Teufelsgraben, nicht häufig. 
llegastermim holetophagim Marsh. Besonders an Pilzen gemein 

(bis 1700 m). 
Gryptopleiirum minutum F. Wie das vorige. 
*(7. crenatum Panz. Überall selten. 



Die Paniinenüi mid das Sy.sttMii der A(l<*|»ha<r:i Cdaraltoidcaj. 



221 



Die Parameren 
und das System der Adephaga (Caraboidea). 

Von 

Dr. Fritz Netolitzky 

in Czernowitz (Bukowina). 
Mit 11 Abbildungen im Texte. 
(Eingelaufen am 23. Januar 1911.) 

Während der weitaus überwiegende Teil der Dytiscidae sym- 
metrische Parameren besitzt, zeichnen sich die Carabidae mit wenigen 
Ausnahmen durch das Vorhandensein von asymmetrischen Para- 
meren aus. Auch herrscht nicht im entferntesten jener Formen- 
reichtum, wie man ihn bei den Dytiscidae und Haliplidae findet. 
Trotzdem gelingt es mit Hilfe der Form und Bewimperung der 
Parameren einzelne Hauptgruppen, aber auch Gattungen und Unter- 
gattungen herauszuschälen, deren Zusammengehörigkeit zwar meist 
schon richtig erkannt wurde, deren sichere Umgrenzung aber durch 
die Parameren in klarer Weise bestätigt wird. Leider ist eine 
ungeheure Zahl von Einzeluntersuchungen nötig, da bisweilen eine 
einzige kleine Untergattung (z. B. Pseudomaseus) durch die Para- 
merenbildung glänzend charakterisiert ist oder weil die Artgruppie- 
rung derzeit noch nicht richtig ist. Dadurch eröffnet sich ein 
schönes Arbeitsfeld für den Spezialisten, das früher oder später 
bearbeitet werden muß. Ich habe nur die Bembidiini — mein 
Spezialgebiet — genauer durchforscht; diese Gruppe war es ge- 
rade, die mich zum Studium der Parameren zwang, da ich den 
systematischen Wert dieser Gebilde erst bei einer Verfolgung durch 
die ganze Reihe der Adephagae erkennen konnte. 

Was die Präparation anbelangt, so habe ich den im Wasser 
aufgekochten Arten ^) den Penis in bekannter Weise ausgehebelt, 



^) Die Erkennung der Männchen unterstützen in vielen Fällen die 
zwei Fiihlborsten am Rande des letzten Ventralsegmentes, während die 
Weibchen stets vier aufweisen. Interessant ist es übrigens, daß bei vielen 



222 



Fritz Netolitzky. 



die Parameren unter dem Präpariermikroskope isoliert und nach 
der Einbettung in Glyzeringelatine mikroskopiert. 

Die Parameren sind miteinander gelenkig am proximalen 
Penisende angeheftet und besitzen Vorsprünge, an denen Muskel- 
bündel sich anheften und wirken. Selten stehen auf der Spitze 
und dem freien Rande Wimperhaare; meist sind die Parameren 
ganz kahl, dünnwandig oder äußerst stark verdickt und dann von 
Porenkanälen 1) oft in zierlicher Weise durchsetzt (z. B. Cymindis, 
Dromius). Außerdem verbinden zarte Häute die beiden, so daß 
wirklich „ganz freie" Parameren nicht vorkommen; aber Ver- 
wachsungen zu starren Röhren um den Penis fehlen gänzlich; auch 
scheint der Penis ohne jede häutige Verbindung mit den Para- 
meren — abgesehen von der Anhaftung am Grunde — zu sein. 

Symmetrische Parameren werden ohne Widerspruch als die 
ursprünglicheren („älteren") zu gelten haben; da ich solche bisher 
stets behaart fand, wird man auch dies Merkmal als primär an- 
zusehen haben. Es ist auffallend, daß die Dytiscidae, was die 
Parameren betrifft, in viel höherem Grade primitivere Merkmale 
bewahrt haben als die meisten Carabidae. Es ist nicht zu sehr 
gewagt, wenn ich behaupte, daß kein Schwimmkäfer so reduzierte 
Parameren besitzt wie der überwiegende Teil der Carabidae. Ich 
will aus diesem Befunde gar keine phylogenetischen Hypothesen ab- 
leiten, da es denn doch wohl wichtiger ist, erst das Verhalten der 
Parameren auch bei den Familien der Polydephaga zu kennen. Es 
ist ja sehr bestechend, Carabus, Calosoma und Cychrus wegen 
der symmetrischen Parameren in Gegensatz zu den übrigen Cara- 
bidae zu stellen; man bedarf dann aber eines lückenlosen Beweis- 
materiales, das ich mit der vorliegenden Arbeit eben nicht bringe. 
Auch mahnen die asymmetrischen Parameren von Laccophilus und 
Noterm zur Vorsicht! (Vergl. Deutsche Entomolog. Zeitschr. 1911, 
S. 276.) 

Von den Gattungen mit asymmetrischen Parameren hat Elaphrus 
besonders auffallende, als altertümhch zu betrachtende Merkmale 

Arten die bauchständigen Fühlhaare (roindestens auf dem dritten Ventral- 
segmente) in Rinnen eingelegt werden können, die bisher anscheinend als 
„Schatten" des Haares angesehen wurden. 

^) Manche Parameren gleichen dann den „Steinzellen" der Pflanzen! 



rnr;iiiu'i-(Mi iiiid (l;i,s Systciin {\rv \{h'\Av.\>^:i (( !;ir;»lt()i(lr;i). 



bewahrt, die nicht iihersclicn werden können; sie betrelil'(;n nicht 
etwa die Paranieren allein. 

Wenn ich also in der Bewertung- des Baues der raraineren 
für die liaupteinteilung- der Adephaga noch nicht klar sehe, so 
bin ich von den wertvollen Diensten solcher vergleichender Unter- 
suchungen für eine natürliche Unigren/Aing kleinerer und gnißercr 
Gru[)pen überzeugt. Naheverwandte Arten besitzen dieselbe Para- 
nierenform; scheinbar ähnliche Arten mit verschieden gestalteten 
Paranieren sind unbedingt auseinander zu halten und weisen solche 
Unterschiede auf fehlende Zwischenglieder hin; ob dies auch für 
die oft so verschiedenen Penisformen gilt, lasse ich dahingestellt. 

Wenn mir der Nachweis gelungen ist, daß die Bembidiini, 
Pogonini, Trechini und Patrobini eine auf Grund der Parameren 
erkannte höhere Einheit bilden; daß die Apotominae näher zu den 
Broscinae zu stellen sind; daß Amara, Zabrus, Calatlms, DolicJms 
und noch einige Gattungen sich enger aneinander schließen als 
bisher vermutet wurde, so bin ich von dem Ergebnisse dieser 
Studien voll befriedigt, obwohl sie gewiß nicht die wichtigsten sind. 
Ich kenne und empfinde die Lücken meiner Arbeit; ich möchte 
daher insbesondere auf Amara, Pterostichus und Trechiis die Auf- 
merksamkeit lenken. Bei letzterer Gattung bin ich überzeugt, daß 
aus der Beborstung der Parameren und der Mikroskopie der 
Penes schöne Erkenntnisse geschöpft werden können^ ähnlich wie 
bei Bembidion. 

Erwähnt seien ferner die großen Mannigfaltigkeiten in der 
Bewehrung des Penisinneren (Kopulationsschlauch, z. B. von Molops, 
Bromiiis etc.). Auch kann ich es nicht unterlassen, auf die den 
Carabidae ähnlich gestalteten Parameren der Silphidae hinzuweisen, 
die meinen gelegentlichen Untersuchungen und nach Abbildungen 
von Fleischer (Colon) und Jeannel (BatJiyscia etc.) zufolge 
vor die Staphylinidae im Systeme zu stellen wären, die viel stärker 
modifizierte Parameren besitzen. 

Es will mir scheinen, als ob die Parameren der meisten 
Polydepliagae viel höher differenziert sind als jene der Adephagae, 
jedoch betone ich nochmals, daß es absolut ungenügend ist, ein- 
zelne Arten oder Gattungen herauszureißen und weitgehende Schlüsse 
ziehen zu wollen. Je mehr man sich in dieses Gebiet vertieft, 



224 



Fritz Netolitzky. 



um SO öfter erlebt man Überraschungen. Dadurch wächst aber für 
den Einzelnen die Arbeit ins Ungemessene ! Auch darf man be- 
kanntlich niemals alles Heil von einem Merkmale erwarten: was 
in dem einen Falle, für eine Familie ein Hauptmerkmal darstellt, 
kann vielleicht auf einem anderen Gebiete kaum „Gattungswert" 
haben. Es bleibt also nichts übrig, als von der Art über die Gat- 
tung zur Familie das Studium zu lenken; ich werde nur die Bem- 
bidiini in dieser Hinsicht eingehend weiter bearbeiten. 

Farn. Cicindelidae. 

Über diese Familie will ich mich nur über die Gattung 
Gicindela kurz äußern^ da ich anderes Material nicht besitze; auch 
liegen die Verhältnisse viel komplizierter, so daß eigens für die 
Untersuchungen konservierte Tiere mir nötig erscheinen, weil an 
trocken aufbewahrten Exemplaren die häutigen Verbindungen der 
Parameren untereinander nicht in gewünschter Weise sich entfalten 
lassen. Die „verhornten" Teile der Parameren sind symmetrisch 
und besitzen bei sehr schlanker Form etwa in ihrer knieartig ab- 
gesetzten Mitte ein anscheinend gelenkartig angegliedertes An- 
hängsel, das sich allmählich in den häutigen und farblosen Anteil 
verliert. Die Spitze der Parameren allein trägt höchstens einzelne, 
seitlich eingefügte Haare, die übrigens nicht alle untersuchten Arten 
aufweisen. Ihre Lage und Einfügung läßt kaum eine andere 
Deutung zu, als daß es sich um Sinneshaare handelt. Die Bil- 
dung der Parameren bestätigt die Ansicht jener, die in Cincidela 
eine höher spezialisierte Gruppe erblicken. 

Verhoef bildet in der Deutschen Entomolog. Zeitschr. 1893 
nur das freie Ende der Parameren ab, während der Hauptanteil 
ausgelassen ist. 

Farn. Carabidae. 

Galosoma und Carahtis. Hier bereitet die Größe und 
Starrheit der Parameren eine Behinderung bei der mikroskopischen 
Prüfung, so daß es nicht einmal leicht ist mit Sicherheit zu be- 
haupten, ob es sich um völlige Symmetrie der betreifenden 
Organe handelt. Es ist kaum möglich, beide Parameren im Präpa- 



Die Puruniereii und das SystiMii der Adephaga (Caraboidea). 



225 



rate völlig gleich zu lagern. Ich glaube aber nicht zu irren, wenn 
ich sie als symmetrisch bezeichne, obwohl der Penis das Gegen- 
teil erwarten ließe. 

Zwischen beiden Gattungen herrscht kein großer Unterschied 
in der Form: selbst die kurzen, eigenartig inserierten Ilaare am 
durchscheinenden Grunde des freien Endfortsatzes, den ich stets 
kahl fand, sind beiden Gattungen gemeinsam und ihre Form und 
Keichlichkeit scheint nur bei einzelnen Arten zu variieren. 

Cychrus. Diese höher spezialisierte Gattung besitzt auch 
stark von Carabus abweichende Parameren, weil beide miteinander 
völlig durch zarte Häute verwachsen sind. Eine freie Spitze, wie 
sie den vorigen Gattungen zukommt, fehlt, d. h. die Häute über- 
ragen das Paramerenende. Eine Asymmetrie konnte ich nicht ent- 
decken. Meiner Ansicht nach ist Cychrus im Systeme hinter Carabus 
zu stellen. 

Leistus. Parameren sehr stark unsymmetrisch, ohne 
Wimperung an der Spitze. 

Eurynehria. Parameren stark asymmetrisch; die schwächere 
und längere trägt an der Spitze winzige, starre Haare; die breitere 
und kürzere besitzt an der medianen Kante und auf der Fläche 
ähnliche Haare (die am Grunde behöft sind). Diese Ringwälle 
fallen besonders bei der Flächenansicht auf, während die aus ihrer 
Mitte sich erhebenden Haare weniger deutlich sind. 

Nebria. Von den untersuchten 25 Arten stimmen die Para- 
meren im wesentlichen mit jenen der vorigen Gattung überein. 
Die Härchen sind bald deutlicher, bald mit Mühe zu finden. Häufig 
bilden sich im Glyzeringelatine-Präparate am Rande Büschel von 
Kristallen, die oft Sphärokristalle von großer Schönheit bilden. 
Wahrscheinlich handelt es sich um Kohlehydrate („tierisches Gummi"). 
Längere Wimperhaare beobachtete ich bei JSf. Apfelbechi an der 
Paramerenspitze. 

Pelophila borealis besitzt ähnliche winzige Haare auf 
einem Paramerenende. 

Notiophilus. Parameren sehr stark asymmetrisch, in der 
Form von Nebria grundverschieden, aber ähnlich beborstet wie diese. 

OmopJiron. Parameren stark asymmetrisch (Fig. 1); erst bei 
starken Vergrößerungen erkennt man winzige Körperchen, die aus 

Z. B. Ges. 61. Bd. 15 



226 



Fritz Netolitzky. 



dem Ende der deutlichen Porenkanäle der Wände punkt- oder strich- 
förmig vorragen (vgl. Mormolyce). Es ist schwer zu entscheiden, 

ob es sich um Haare oder um vor- 
gestülpten Kanalinhalt handelt. Die 
Form der Parameren spricht also nicht 
für eine Stellung der Gattung an der 
Spitze der Carabidae. Das Ende der 
breiten Paramere schrumpft leicht und 
verändert dadurch seine Gestalt beim 
Herstellen von Dauerpräparaten. 

Elaphrini. Sowohl hei Blethisa 
wie bei Elaphrus (mit zwei verschie- 
denen Typen) und Biachila (ursprüng- 
Fig. 1. Parameren von Omo- Hchste Form) begegnen wir stark asym- 
jpliron limhatus. metrischen Parameren, die mindestens 

an ihrer medianen Kante mit langen 
und schlanken Wimperhaaren besetzt sind (Fig. 2). Sie sind 
in ihrer Form jenen der Haliplidae ähnlich und ich zweifle nicht, 

daß wir hier einen recht ur- 
sprünglichen Typus asym- 
metrischer Parameren vor 
uns haben, insbesondere 
bei DiacMla. Die habi- 
tuelle Ähnlichkeit der Ar- 
ten mit Äsaphidion und 
Cicindela ist wahrschein- 
lich auch kein Zufall : will 
man nicht an Konvergenz 
denken, so könnte man 
annehmen, daß diese drei 
den Habitus des Urkara- 
biden am treuesten be- 
^^8"' ^' wahrt haben. In der Unter- 

Parameren von Blethisa muUipunctata. familie der Harpalinae 

fand ich nur bei den Bro- 
scini eine ähnliche reichliche Bewimperung bei auffallend gleichem 
Umrisse. Nach meiner Ansicht können die Paramerenformen, ins- 





Die PnrainoroM und das System (hn- Ad^'pliai^-'a C('aral)oi(lca). 



227 



besondere die Bewimperung die jetzt geltende Einteilung in Cara- 
binae und llarpalinae weder bestätigen nocb wesentlich ersehlittern. 
Zwar der Unterschied in den Paranieren zwischen Elaphnis und 
Asaphidion ist nicht größer als jener zwischen ScarUes und Clivlna, 
aber die Scheidung in Gruppen mit kahlen und mit behaarten 
Parameren ist nicht glatt durchführbar. 

Gerade die Parameren von Trachypachys wären sehr wich- 
tig, doch mißlaug leider das Präparat des einzigen erreichbaren 
Männchens, da die Spitzen abbrachen; zweifellos besteht eine Be- 
haarung, wenigstens der einen Paramere. Habituell gleichen die 
Arten denen von Pogonus, wie Elaphnis an Asaphidion gemahnt. 

Lorocera. Parameren asymmetrisch, ohne Behaarung. 

Scarites, Clivina und Dyschirius besitzen auf den stark 
asymmetrischen Parameren lange Wimperhaare. Bei Scarites sind 
diese zahlreich und erinnern in Form und Anordnung sehr an jene 
von Elaphrus. Die beiden letzten Gattungen zeichnen sich dadurch 
besonders aus, daß die sehr wenigen Wimperhaare die Spitze der 
Parameren einnehmen, sich also wie bei Bemhidion etc. verhalten. 
Bei Dyschirius sind sie auf eine leicht abbrechende Borste reduziert, 
so daß ich bei einigen Arten, wo es mir an Untersuchungsmaterial 
gebrach, nicht ganz sicher bin, ob nicht vielleicht doch ganz kahle 
Parameren vorkommen. In diesem Verdachte steht z. B. D. nitidus, 
den ich stets ohne Borsten traf. Trotzdem könnten frische 
Männchen solche besitzen. 

Siagona. W. Horn hat (Deutsche ent. Zeitschr., 1907, S. 428) 
den Nachweis geführt, daß der Bau der Siagonini jenem der Cara- 
binae und nicht dem der Harpalinae entspricht. Der Bau der Pa- 
rameren kann für diese Frage nicht von Entscheidung sein, weil 
bei beiden Unterfamilien einzelne Gattungen mit fast gleicher Aus- 
bildung dieser Organe vorkommen. Nehmen wir die Richtigkeit 
obiger Zuweisung an, dann werden wir Siagona mit den wenig 
asymmetrischen, bewimperten Parameren wohl nur in die Nähe 
der Scaritini stellen können, wenn wir auch gleichzeitig den übrigen 
Bau berücksichtigen. 

Ich gebe zu, daß ich bei der Ähnlichkeit der Parameren von 
Elaphrus, Scarites, Broscus etc. selbst den Gedanken hatte, daß 
der Bau der Mittelbrust (ähnlich wie jener der Hinterbrust der 

15* 



228 



Fritz Netolitzky. 



Dytiscidae) nicht jene Bedeutung habe, den ihm Schiödte und 
Horn beimaßen. Bei den großen Differenzen, die ich beim Studium 
der Parameren bei den Dytisciden fand, halte ich aber einen An- 
griff gegen die allgemein angenommene Einteilung in Carabinae 
und Harpalinae für verfrüht. 

Monnolyce. Durch das große Entgegenkommen des Herrn 
Direktors Gangibauer konnte ich das männliche Genitale von 
Mormolyce phyllodes Hgb. untersuchen. Es handelt sich um 

sehr stark asymmetrische Parameren mit 
dicker, von Porenkanälen durchbrochener 
Wand. Nicht alle Kanäle münden frei 
nach außen, sondern ein stumpf kegeliges 
Haar steht kurz und starr über dem Ein- 
gange wie ein Fingerhut und schließt ihn 
nach außen ab (vgl. Omophron). Solche 
Kanäle fehlen scheinbar nie bei stärkeren 
Wandverdickungen der Parameren über- 
haupt und dienen offenbar zu irgend einem 
Austausche von Stoffen, die sich unserer 
Fig. 3. Parameren von Bros- Kenntnis einstweilen entziehen. Der Ab- 
cus cephalotes. Schluß der Kanäle nach außen bei Mor- 

molyce durch Kegelhaare deutet darauf 
liin, daß die Kanäle die Wände der Parameren mit Nahrungsstoffen 
versorgen, die in ihnen zirkuHeren oder gebildet werden. 

Wir erfahren aus der Form der Parameren nur etwas über 
den Adephagencharakter, jedoch nichts über die genauere Einord- 
nung der hochinteressanten Gruppe. 

Brosens, Miscodera und Broscosoma erweisen ihre nahe 
Verwandtschaft durch gleichgeformte und ähnlich bewimperte, sehr 
unsymmetrische Parameren (Fig. 3). Von allen Harpalinae haben wir 
hier die stärkste, aus indifferenten Haaren gebildete Bewimperung^ 
die an jene von Blethisa sehr stark erinnert, ja ihr nahezu gleicht. 

Apotomus. Wenngleich die Bewimperung der für die Gat- 
tung charakteristisch gestalteten Parameren etwas spärlicher ist, 
kann kaum ein Zweifel ^) bestehen, daß bei Berücksichtigung aller 

^) Es käme, was die Form und Behaarung der Parameren betrifft, 
höchstens noch der Anschluß an Deltomerus in Betracht. 




Dio Vnr.iinoiTii und das Systoin dor Ado|)lia<,M fCaraboidc.a). 



220 



Merkmale wir diese Gattiiiig' (respektive Tribns) nur an die Rroscini 
anziisclilirÜen haben. Da die Rroscini in niebrfaclier llinsicbt 
weniger reduziert sind, nir)cbte icb der Ansiebt jener beipflicliten, 
welche die ersteren im Systeme voranstellen. Die Zugehöri^^keit 
zu den Harpalinae müssen wir aber aus anderen Merkmalen ab- 
leiten, weil die Parameren uns, wie gesagt, in dieser J>e/iehung 
keine Anhaltspunkte gewähren; denn bewimperte Parameren kom- 
men bei beiden Unterfamilien vor. 

Bipalmati. 

Erichson hat (Käf. Mark Brand., S. 119) als Trechini: 
Fatrohus, Trechus, Pogonus und Bemhidion zusammengefaßt; Bat es 
nennt dieselbe Gruppe: Bipalmati. Die Parameren rechtfertigen 
diese Zusammenfassung in der glänzendsten Weise, da im Gegen- 
satze zu allen anderen Harpalinae den Genannten ein gemeinsamer 
Typus der Parameren zukommt. 

Die Bembidiini zeigen einige Merkmale, die nur als Reduk- 
tionen aufzufassen sind. Wenn sie auch nicht direkt von den Po- 
gonini abgeleitet werden können, so besteht kaum ein Zweifel 
über die nähere Verwandtschaft zwischen diesen. Ich würde die 
Bipalmati mit den Pogonini beginnen und — bei linearer Anord- 
nung — die Bembidiini anschließen. Mit Fatrohus beginnt eine 
neue, zwischen Fogonus und Trechus vermittelnde Gruppe; endlich 
kämen die Trechi. In Wirklichkeit aber sind alle vier Tribus 
nicht hintereinander, sondern als gleichwertig und nicht direkt von- 
einander ableitbar nebeneinander zu ordnen. 

Immer treffen wir auf eine Gattung in einer der Tribus, die 
sich durch Bewahrung eines ursprünglichen Merkmales auszeichnet. 
Bei den Bembidiini, die sich mit der Untergattung Pogoniclium 
scheinbar direkt durch Reduktionen an Fogonus angliedern ließen, 
ist Asaxihidion durch die indifferente Behaarung der Flügeldecken 
und durch den Habitus als „alter Typus" gekennzeichnet, wodurch 
die direkte Ableitung von den Pogonini unmöglich wird. Die 
reicher beborstete Zunge der Trechini wiederum läßt sich kaum 
als Neuerwerbung aus der Bembidiini-Zunge deuten, sondern ist 
wohl ursprünglicher; umgekehrt sind die Parameren von Beltomerus 
und von Fatrohus als „älter" zu deuten, weil indifferente Haare 



230 



Fritz Netolitzky. 



vorkommen und die Asymmetrie gering ist. Bei allen diesen Er- 
wägungen gehe ich von der Ansicht aus, daß wir in den Elaphrini 
eine der ursprünglichsten Carabidentypen zu sehen haben, sowohl 
was den Habitus als auch die Parameren betrifft. Dabei soll gar 
nicht geleugnet werden, daß ein gleichwertiger Dytisciden-Amphizoon- 
Typus parallel hiezu möglich ist. 

Bembidiini. 

Da ich dieser Tribus meine Spezialstudien seit Jahren ge- 
widmet habe, war ich in der Lage, fast alle paläarktischen Unter- 
gattungen und Arten rticksichtlich der Parameren zu untersuchen. 




Fig. 4. Fig. 5. 

Parameren von B. giganteum. Parameren von B. longipes. 



Es hat sich dabei gezeigt, daß die Borstenzahl und Anordnung 
wichtige Anhaltspunkte sowohl für die Art wie für die Umgrenzung 
kleinerer und größerer Gruppen bietet. Es ist allerdings wichtig, 
zahlreiche Exemplare zu prüfen, da bei der Präparation leicht eine 
Borste verdeckt wird oder abbrechen kann, wenn sie nicht schon 
früher verloren ging; sehr selten kommt auch wohl eine aberrante^) 
Vermehrung um eine Borste auf einer der beiden Parameren vor, jedoch 
sah ich noch nie gleichzeitig beiderseits solche überzähligen Haare. 

^) Rückschläge von indifferenten Haaren, wie sie bei Patrohus nor- 
mal sind? 



Die rnraincren iiiid das Sy.sfoiii der Adcpliajja ('(Jaraboidra;. 2151 

r. Je drei Borsten auf dem Paraincrencndc hcHitzeii: 

CJdorodium. (2);^) Bractcon (6); Nolaphnsi ((>); Daniela. Es 
gehören hierher alle von Daniel in der Münch. Kol. Zeit., I, 1Ü02, 
S. 36 — 37 von Feryplius unigrenzten Arten, die mit B. iihiale und 
fasciolatnm verwandt sind, mit Ausnahme des B. giganteum Sah Ib. 
(Fig. 4 und 5), das sowohl wegen der llalsschildform wie des 
Penis und der Parameren wegen nur zu B. fulvipes gestellt werden 
kann (vgl. Wiener Ent. Zeit., 1910, S. 210). 

Talanes. Hierlier gehört ohne Zweifel auch B. normannum, 
das mit B. suhfasciatum nächstverwandt ist (vgl. 1. c, S. 227). Man 
beachte das Fehlen des freien Fortsatzes an der Spitze der breiten 
Paramere. Die eine Borste auf der schmalen Paramere ist von der 
Spitze herabgerückt. 

EmpJianes (2); Benibidion s. str. (2); Loplia (4); Trepanes (4). 
B. Doris unterscheidet sich von B. articulatum und octomaculatum 
sowohl durch die Stellung- der Paramerenborsten wie durch die 
Bildung des Penis. 

Diplocampa; Phila; Philochthus ; Testediolum scheint aus zwei 
Komponenten zu bestehen, da die Zahl der Borsten zwischen drei 
und vier schwankt, ja vielleicht für die Arten nicht konstant ist. 
Ich gestehe offen, daß ich Testediolum von Feryplius mit Sicher- 
heit gegenwärtig nicht abgrenzen kann, insbesondere machen 
B. liypocrita und Steinbühleri gegen die Arten Apfelbecks aus 
den österreichischen Reichslanden die Unterscheidung anscheinend 
kaum möglich. Die Beborstung der Parameren der beiden erst- 
genannten entspricht ganz jener der Testediolum- kxim. 

Auch das isoliert stehende B. monticola macht einer natür- 
lichen Einreihung größere Schwierigkeiten. Es sind jederseits 
drei Borsten auf dem Paramerenende vorhanden und, wenn ich 
alle Momente berücksichtige, herrscht bis auf die Flügeldecken- 
streifung größte Übereinstimmung mit den Daniela- kxiQxi^ z. B. mit 
B. atrocoeruleum. Es ist möglich, daß zwischen diesen beiden ähn- 
liche Beziehungen herrschen wie zwischen B. giganteum Sahlb. und 
B. fulvipes Sturm. 



^) Zahl der untersuchten Arten. 



232 



Fritz Netolitzky. 



II. Paramerenspitze mit Je zwei Borsten besetzt: 
SynecJiostidus (6). Hier unterscheiden sich die Parameren in- 

soferne von allen untersuchten Bemhidion- Arten ^ als die schmale 
Paramere sich von der breiten nicht so stark unterscheidet, d. h., 
es herrscht nicht ein so hoher Grad der Asymmetrie. Ausnahms- 
weise sah ich noch eine dritte kurze Borste von der Spitze ent- 
fernt; mit der Deutung will ich Herrn K. Daniel nicht vorgreifen, 
der mit einer Revision dieser Gruppe beschäftigt ist. 

Fseudolimnaeum (2) mit zwei Borsten. Ocys (2) mit zwei 
Borsten. Bei 0. harpaloides anscheinend öfter (?) deren drei auf 
einer Paramere. 

Serrula (2). Ich habe diese Untergattung auf Grund der 
winzigen sägezahnartigen Beborstung des Flügeldeckenrandes von 
Pogonidium abgegrenzt. Auch in der Paramerenbehaarung herr- 
schen Unterschiede wesentlicher Natur, indem bei B. aegyptiacum 
und inserticeps ohne Ausnahme nur je zwei Borsten vorkommen. 
(Pogonidium hat je vier, Chlorodium je drei Borsten auf jeder 
Paramere.) 

III. Parameren mit je vier Borsten, von denen meist 
zwei von der Spitze herabgerückt sind: 

Pogonidium (1); Neja (2); Metallina (2); Princidium (2); 
Actedium (2). Die Borsten sind meist unregelmäßig ausgebildet 
und gestellt. 

Testedium (1); PlatapJiodes (1); Plataphus (2). Peryphus 
(exklusive B. monticola und B. hypocrita) (27). Wichtig ist es, 
daß insbesondere B. Stepliensi, saxatile^ hisignatum und giganteum, 
die wegen der Flügeldeckenstreifung bemerkenswert sind, stets 
vier Borsten auf den Parameren besitzen. Dieser Unterschied ist 
gegenüber der Dreizahl bei Daniela absolut verläßlich und kann 
in zweifelhaften Fällen die Stellung klären, die die betreffende Art 
im Systeme einzunehmen hat. 

Da ich mit diesen Ausführungen einerseits dargetan zu haben 
glaube, daß die Beborstungen der Parameren für die Kenntnis der 
Untergattungen von Wert sein können, andererseits ich ähnliche 
Artstudien an Tachys etc. noch nicht gemacht habe, wende ich 
mich zu dem Reste der Bipalmati. 



Die. I'.'irnnuMt'ii und das Sy.stein dor Ad(>plia;jr:i ( ( Jaraboidc.u. 



233 



In der J^ildinif»- und Art der Bcl)orstunj>- der Paramercn 
horrsclit bei Treclufs, AnophtJudmus, Fogonns, (-(irdMrrm und 
SyrdcHHS kein griHierer Unterschied mit den Bemhidiini ; ;dle 
weisen direkt auf gemeinsamen Ursprung hin. 

Fatrohus (Fig. 0) besitzt eine Paramercnbiidung, die es meines 
Erachtens weder zuläßt die Gattung mit den Pogonini noch mit den 




Fig. 6. Parameren von Fig. 7. Parameren von 

Patrohus. Beltomerus. 



Trechini direkt zu verknüpfen. Alle drei scheinen, ebenso wie Delto- 
merus (Fig. 7), gleichwertige Glieder der Bipalmati zu sein, die neben- 
geordnet und nicht untergeordnet werden können. Infolge der 
geringeren Asymmetrie und dem Vorhandensein von „indifferenten" 
Haaren stellt Patrohus (was die Parameren betrifft) sogar einen 
ursprünglicheren Typus dar als alle übrigen Bipalmati. Aber schon 
bei Beltomerus ist davon manches verloren gegangen und fast nur 
die geringere Asymmetrie 'bleibt kenntlich. 

* * 

Der weitaus größere Rest der Harpalinae (sensu Horn) ist 
durch unbewimperte Parameren ausgezeichnet; ich konnte kaum der 
Versuchung widerstehen, auf Grund dieser Beobachtung eine neue 
Einteilung der Subfamilie vorzuschlagen. Ich halte dies nach den 
übrigbleibenden Lücken aber für derzeit verfrüht. Auch handelt 
es sich bei den Borsten gewiß um ähnlich zu bewertende Sinnes- 
organe wie es die Supraorbitalsetae sind, die Thomson zur Auf- 
stellung der unhaltbaren Harpalinae bisetosae und unisetosae ver- 



234 



Fritz Netolitzky. 



führten. Aber zweifellos würden natürlichere Gruppen durch Be- 
tonung der Paramerenbildung geschaffen, woran selbst der Umstand 
kaum etwas ändern würde, falls z. B. eine Gruppe der Bembidiini 
alle Wimperhaare durch Reduktion eingebüßt hätte. Denn dadurch 
würde ein Bemhidion nicht zum Harpalus, ebensowenig wie ein 
solcher durch „ahlenförmiges" Endglied der Taster zum Bemhidion 
würde. Ich erinnere an den Verlust der Supraorbitalsetae bei 
Ämara pyrenaea. 

Pterostichini (sensu Schaum exkl. Pogonini). 

Ich will zunächst eine auffallende Paramerenform heraus- 
heben, durch die die Amarini^ Zabrini und ein Teil der Sphodrini 
(Bedel) zu den übrigen Pterostichini in einen höchst auffallenden 

Gegensatz treten. Ich bemerke, 
daß es meinen Kenntnissen der 
Systematik dieser Gruppen, mit 
denen ich mich nur wenig ein- 
gehend beschäftigt habe, nicht ge- 
lang, die dadurch aufgerollte Frage 
der Zusammengehörigkeit glatt zu 

o 13 7 erledigen (vgl. Gangibauer, Käf. 

8. rarameren von Pteroshchus ovo o j 

anthracinus. Mitteleur., I, S. 29). Leicht gelingt 

es, die beiden erstgenannten von 
einem gemeinsamen Ursprünge als ganz gleichwertige Gruppen 
niederer Ordnung (nicht verschiedene Tribus!) abzuleiten; wie aber 
die Befunde von Galatlius, Dolichus, Laemosthenes, Pristodactyla 
und Thermoscelis in befriedigender Weise zuzuordnen sind, muß 
ich besseren Kennern zur Kritik unterbreiten. Einfach mit „Kon- 
vergenz" die Sache abtun zu wollen, wäre ebenso billig wie un- 
befriedigend. Es ist sehr wahrscheinhch, daß wir in den Pterostichini 
(exkl. Pogonini) zwei Reihen zu unterscheiden haben, charakterisiert 
durch die Paramerenform. Vielleicht werden später noch andere 
Merkmale gefunden, die einen Zweifel an der selbständigen Stel- 
lung beider beheben, so daß eine dritte, event. vierte, den Amarinae 
und Zabrinae gleichwertige Gruppe entsteht. Andere Merkmale 
als die Paramerenform sind aber unbedingt zu verlangen, da sonst 
eine zu hohe Bewertung eines Kennzeichens gefährlich wird. In 




Die r.-inmieren und flas System der Adepli.i^f.i ((/anihoklea). 



235 



dieser Hczieliiinfi; ist das Sub^cn. Pscudomaseus recht lehrreich: 
Wäiircnd J\ authrac'ntns (Fi^'. 8), ßracllis und vihior eine limiieraii^:,-- 
iihnlichc, last knicf(')rmi^c, schmale Paramere besitzen, die bis auf die 
Krllmnumg und die Endverbreiterung' an jene von manchen Ämara- 
Arten erinnert, ist das gleiche Organ bei P. nigrlta und confusiis 
ganz anders, fast wie eine Mandibel mit einem Zahne, gebildet. 

Hier charakterisiert die Paramerenform also gerade nur einen 
ganz kleinen Kreis, allerdings mit großer Sicherheit. 

Amara. Parameren sehr stark asymmetrisch; die „schmale" ist 
weit vorgezogen und erinnert ungemein an eine Häkelnadel (Fig. a). 
Das Häkchen an der Spitze ist bei ver- 
schiedenen Arten etwas verschieden ge- 
staltet, bei einigen Arten {A. spedahilis, 
fulva etc.) fehlt aber die Häkchenbildung 
vollständig. Dadurch können die Arten 
in zwei Reihen gegliedert werden, jedoch 
kommen (A. alpicola) anscheinend Ver- 
bindungsglieder vor, die einen eben an- Fig. 9. Parameren von Ca- 
gedeuteten Zahn besitzen. Die „breite" lathus melanoceiMus. 
Paramere ist fast oval; bei manchen Arten 

(alle?) sieht man eine konische Vorragung, die leicht abbricht und 
mit dem eigentümlichen Gebilde bei Calathus identisch gelegen und 
gestaltet ist. Dadurch wird eine nahe Verwandtschaft zwischen 
beiden fast zur Gewißheit. 

Zahrus. Bei den wenigen untersuchten Arten waren die 
schmalen Parameren stets „häkelnadelförmig" ; nur bei Z. tene- 
hrioides ist die Spitze einfach und gleichmäßig hakenförmig ge- 
bogen, also nicht stufenförmig. 

Ich halte die Unterbringung von Zahrus und A^nara 
in verschiedene Tribus für unhaltbar. 

Calatus. Die (6) untersuchten Arten besitzen die gleichen 
Parameren wie Amara, jedoch ist die Häkelnadelform stets deut- 
lich. Die breite Paramere ist oval und trägt einen häutigen 
(C. melanoceplialus Fig. 9) oder derberen, konischen, spitzen Aus- 
wuchs, der hier noch deutlicher erscheint als bei Amara; er ist 
ungemein fein behaart. (Vgl. Schilsky, Deutsche ent. Zeitschr., 
1888, 126—127.) 




236 



Fritz Netolitzky. 



Dolichus entspricht in der Paramerenbildung der zweiten 
Reihe der J.mafa- Arten, bei denen die schmale Paramere walzen- 
förmig endet und kein Häkchen besitzt. 

Laemosthenes (3) wie Amara, ohne Häkchen an der 
schmalen Paramere und mit einem Zahne auf der ovalen. Dasselbe 
gilt von SpJiodrus leucoplitlialmiis, dessen Kopulationsapparat im 
Verhältnisse zur Größe des Tieres recht klein ist. Die breite Para- 
mere ist vollkommen abgerundet. 

Fristodactyla caucasica stimmt in jeder Beziehung mit 
Calathus überein; der Zahn der breiten Paramere ist feinst behaart. 

Thermoscelis insignis besitzt eine häkelnadelähnliche schmale 
Paramere, schließt sich also gleichfalls in diesem Punkte an Ca- 
lathus an. 

SynucJius nivalis und Platyderus rufus schließen sich 
nicht an Calathus oder Laemosthenes, sondern an Agonum, respek- 
tive an Pterostichus an. 

Es zerfällt also die Tribus Sphodrini sensu ßedel (Col. du 
bassin de la Seine, I, p. 102) glatt in zwei Teile je nach der 
Bildung der Parameren. Es scheint daher dieses Merkmal wich- 
tiger als die Form des Prosternalfortsatzes , die übrigens bei 
Synuchus von Gangibauer und Bedel verschieden bewertet wird. 

Ich werde nach allem zu der Ansicht gedrängt, daß die 
Amarinae, Zabrinae und die mit Sphodrus verwandten 
Gattungen einen geschlossenen Teil der Pterostichini 
bilden, denen ein zw^eiter Komplex mit Pterostichus als 
Zentrum gegenübersteht. Die Abspaltung von Zahrus 
und Amara als eigene Tribus ist fast allein auf Sinnes- 
organe gestützt (Fühlborsten), mithin zweifelhafter Natur. 
Der bindende Beweis für obige Ansicht ist erst zu er- 
bringen. 

Pterostichus. Von der ganz eigenartigen Bildung der schmalen 
Paramere des Subgen. Pseudomaseus (Fig. 8) war schon die Rede. 
Aber es gibt noch eine ganze Anzahl von Untergattungen (z. B. 
Poecilus, Omaseus, Pterostichus s. str. partim etc.), die eine be- 
stimmte Paramerenform besitzen, ja aus den ca. 35 untersuchten 
Arten könnte ich den Schluß ziehen, daß mehrere sehr natürliche 
Gruppen auf Grund dieser Formverhältnisse gegründet werden 



Die ruramortMi iiiul das Syat(Mn der Adcsphnj^a (Caral>oidea). 



können, die zu erkennen aber dem SpeziaÜHten vorl)elialten 
sein nuili. 

Dasselbe gilt aucli für die übrigen Gattungen, von denen ieli 
Äbacetus, S(o)nls, Myas, Ähax, Molops, Alraims,^) OnipJnxnSy 
Oliatliopus und Agomm uutersuelit habe; aucb hier gibt es bc- 
stinimt geformte, aber erst bei genauem Vergleiehe eines großen 
Materials richtig zu bewertende Paramerenformcn. 

Über den großen Rest der Harpalinae^) muß ich mich kurz 
fassen. Auch liier gibt es deutliche Gattungs-, respektive Unter- 
gattungsmerkniale, die jedoch nur 
die Form der Parameren betreifen 
und erst durch sehr zahlreiche Ab- 
bildungen erläutert werden könnten. 
Eine Behaarung fand ich nicht wieder, 
jedoch ist dies kein Grund, eine solche 
vollständig* abzusprechen^ da es ganz 
gut denkbar wäre, daß eine größere 
oder kleinere Gruppe von Gattungen 
behaarte Parameren besitzt. 

Pseudomorphinae: Herr Di- 
rektor Gangibauer machte mir ein 
Männchen von Pseudomorpha colym- 
hetoides zur Untersuchung zugängHch, 
wofür ich ihm auch an dieser Stelle meinen besten Dank aus- 
spreche. Es handelt sich um stark asymmetrische Parameren 
(Fig. 10), die vollkommen den Charakter jener der Adepliaga be- 
sitzen. Die Spitze beider Anteile ist mit kurzen Härchen schütter 
besetzt. Es herrscht im äußeren Umrisse eine derartige Ähnlich- 




Fig. 10. Parameren von Pseudo- 
morpha colymhetoides. 



^) Penis höchst charakteristsich gebildet, mit häkelnadelartiger Spitze. 

2) Untersucht wurden: Perigona nigriceps (Parameren wenig asym- 
metrisch), Panagaeus (2), Chlaenius (8), CalUstus (1), Oodes (1), Badister (3), 
Licinus (2), Ämblijstomiis (2), Ditomus (1), Carterus (1), Dajptus (1), Äcinopus 
(1), Ophonus (6), Harpalus (6), Trichotichnus (1), Stenolophus (3), Äcupalpus 
(3), Bradycellus (1), Trichocellus (1), Dichirotrichus (2), Diachro7mis (1), 
Gynandromorphus (1), Anisodactylus (2), Lebia (3), Lionychus (2), MetahleUis 
(3), Microlestes (1), Dromius (4), Demetrias (2), Cymindis (4), Polysticlms (1), 
Odacantha (1), Drypta (1), Brachynus (3), Aptinus (1). 



238 



Fritz Netolitzky. 



keit mit den Parameren von Noterus, daß der Gedanke einer 
näheren Zusammengehörigkeit sich aufdrängt. Ich muß daher aus- 
drückhch betonen, daß nach den großen Verschiedenheiten der 
Paramerenform in einer Gattung (z. B. Hydroporus) weitgehende 
Schlüsse aus der Ähnlichkeit dieser Gebilde ohne Berücksichti- 
gung anderer Merkmale nicht gezogen werden dürfen. Aber es 
ist zweifellos sehr wichtig, die Beziehungen zwischen Pseudo- 
morphinae und Laccophilinae im Auge zu behalten und klar 
zu stellen. 

Fam. ßhysodidae. 

Von dieser Familie habe ich nur Clinidium canaliculatum Costa 
untersucht. Die Parameren sind sehr stark asymmetrisch und 
genau wie bei den übrigen Adephagae am Penisgrunde ^) 
a angegliedert; sie sind kahl und könnten, was die Form 
\\ betrifft, mit jenen mancher Gattungen der Harpalinae ohne 
W Weiteres verglichen werden. Wenn auch dieser Befund 
\\ kein unumstößlicher Beweis für die Adephagen- 

^ \ natur der Rhysodidae ist, so reiht er sich doch 

I \ in willkommener Weise in die Beweiskette ein. 

1 \v Bei den Cucujidae dagegen ist der männliche Ko- 

pulation sapparat derart anders gestal- 
tet, daß — soweit die zur Orientie- 
\ ^) rung gemachten wenigen Präparate 

X^^,,^^^,,,^^-*-— von fünf Gattungen einen Schluß ge- 

Fig. 11. Paramere von Am- Statten — eine Verwandtschaft beider 
phizoa insolens. Familien ausgeschlossen werden kann. 

Fam. Amphizoidae. 

Durch die große Liberalität des Herrn Direktors Gangl- 
bauer konnte ich Ämphi^oa insolens Lee. (Dohm, California), 
auf die Gestaltung der Parameren hin untersuchen. 

Ohne Zweifel handelt es sich um symmetrische Para- 
meren, die von allen untersuchten Adephagen mit jenen von 
Hygröhia (Pelohius) tarda am meisten Ähnlichkeit besitzen (Fig. 11). 



1) Der Penis ist lialbkreisförmig gebogen und überall fast gleichbreit; 
eine ähnliche Form sah ich bei den Adephagae nicht. 



Die ranuiKM-cii und das Systom der Adcphaj^a ((Jaraboidraj. 



230 



Huben wir es hier mit einer Konvergenzersclicinung zu tun oder stelieu 
beide Familien tatsäcblich in der Adepliageiircibe einander so nalie, 
daß nur die Ausbiidun«;- der Beine als Unterschied übrig- bleibt? 

Man darf nicht übersehen, daß die Form der Parameren von 
Amphizoa auch bei den Dytiscidae wiederkehrt, z. 13. bei Cymalo- 
pterus ( Colijnibetes), wie überhaupt die Dytisciden in diesem Punkte 
viel Ursprüngliches bewahrt haben, im Gegensatze zu den Carabidae. 

Jedenfalls sind die Parameren von Amplmoa viel ursprüng- 
licher als die irgend eines Carabiden, so daß durch die Zuweisung 
des Tieres in eine eigene Familie die schwierige Frage, ob Carabid 
oder Dytiscid, am besten (wenigstens einstweilen) gelöst ist. 

Fani. Paussidae. 

Diese von allen Adephagae wohl am meisten modifizierte 
Familie besitzt asymmetrische Parameren, die wie bei allen bisher 
Besprochenen am Penisgrunde eingefügt sind. Hält man diesen 
Befund mit den übrigen Merkmalen zusammen, so haben wir einen 
neuen Beweis für die Adephagennatur der Paussidae. Freilich, 
ganz bindend ist auch er so lange nicht, bis nicht die etwa in 
Betracht kommenden Clavicornia untersucht sind. Denn die Fami- 
lienreihe der Staphylinoidea müßte zuerst in bezug auf den Bau 
des Paramerenpaares klargelegt sein, bevor derartige Schlüsse be- 
rechtigt sind. 

Beschreibung* neuer Cassididen 
nebst synonymischen Bemerkungfen. 

Von 

Dr. Franz Spaeth. 
VIII.i) 

(Eingelaufen am 28. Januar 1911.) 
1. Androya nov. gen. 

Fairmaire (Annal. Soc. Ent. Belg., 1882, C. R., LVII) hat 
die Gattung Metriopepla auf die von ihm gleichzeitig beschriebene 



^) Vergl. diese „Verhandlungen", Jahrg. 1909, S. 364. 



240 



Franz Spaeth. 



M. lividula aufgestellt und Baly's Calopepla Livingstoni (Trans. 
Ent. Sog., 1864, p. 239) als frag-lich in die neue Gattung eingereiht. 
Später hat er noch mehrere Arten aus Madagaskar zu Metriopepla 
gestellt, welche jedoch, da sie in wesentlichen generischen Merk- 
malen von M. lividula abweichen, in eine eigene Gattung vereint 
werden müssen. Ich nenne diese Gattung Ändroya und charak- 
terisiere sie in folgender Weise: 

Flügeldecken mit tiefen Punktstreifen oder Eippen, ihre 
Scheibe vom Seitendache durch eine regelmäßige Punktreihe ge- 
trennt. Halsschild vorne abgestutzt oder nur seicht ausgerandet, 
ohne vorspringende Vorderecken, die Seiten abgesetzt gerandet; der 
Kopf mäßig dick, hinter den Augen an den Schläfen verengt, so 
daß die Augen seitlich über den Kopf hinaustreten oder stilförmig 
aufsitzen; die Stirne mäßig breit, die I'ühler neben den Augen ein- 
gesetzt. 

Hierher die von Fairmaire als Metriopepla beschriebenen 
Arten: nibrocostata (Ann. Soc. Ent. Belg., 1898, p. 258), tenue- 
costata (1. c, 1899, p. 556), longula (Notes Leyd. Mus., 1901, 
XXIII, p. 84) und zweifellos auch die mir unbekannte impressicollis 
(Revue Ent. Fran§., 1901, p. 246); ferner Ändroya ohscuricollis 
m. nov. spec, die schon von Fairmaire so i. 1. benannt wurde 
und unter diesem Artnamen in Sammlungen verbreitet ist.^) Sämt- 
liche Arten kommen nur in Madagaskar vor. 

Bei Metriopepla verbleiben nur M. Uvidida und die mir unbe- 
kannte M. Livingstoni Baly, beide aus Ostafrika. Für lividula 



^) Weise führt in seinem sorgfältig-en Verzeichnis der Chrysomeliden von 
Madagaskar (Voeltzkow, Reise in Ostafrika, Stuttgart, 1910) auf S.504 außer 
M. ohscuricollis Fairm. noch eii^e M. pallidula Fairm. auf, beide ohne Zitat, 
also offenbar nur i. 1. benannt. Ich wenigstens kann über M. pallidula in 
Fair mai res Arbeiten nur eine kurze Notiz finden, indem er am Schlüsse 
der Beschreibung seiner 31. ruhrocostata beifügt: „Cette jolie espece dififere 
beaucoup de la pallidula Fairm. par sa sculpture et par sa coloration." Da 
Fairmaire zur Zeit, als er dies schrieb, nur M. lividula beschrieben hatte 
und daher nur diese Art damals gekannt haben dürfte, so ist anzunehmen, 
daß er die neue Art mit seiner lividula vergleichen wollte, hiebei aber palli- 
dula statt lividula schrieb. Es muß daher der Name pallidula aus dem Ver- 
zeichnis der Chrysomeliden Madagaskars gestrichen werden, um so mehr, als 
Fairmaire damit eine ostafrikauische Art gemeint haben dürfte. 



Beschroibunt; nouer Cassididcii iiclKst syiioniiniHchcii H(!m('.rkim(i:(!n. 241 



Fairm. bat übrigens der ältere Name Inornata Waterb. (Weise, D. 
E. Z., 1905, S. 334) einzutreten. 

Metriopepla wird in folgender Weise präzisiert: 

Flügeldecken ganz unregelmäßig ])unktiert, fein bebaart, die 
Sebeibe vom Seitendacbe nicbt durcb eine Punktreibe getrennt. 
Die Vorderecken des Halsscbildes weit über den übrigen Vorder- 
raud vorgezogen, dieser letztere neben ibnen winkelig ausgescbnitten, 
die Seiten nicbt abgesetzt gerandet; der Kopf dick, an den Scbläfen 
erweitert; die Augen in den Umriß des Kopfes eingefügt, nicbt 
vortretend, die Stirne breit, die Fübler von den Augen abgerückt. 

Androya obscuricollis nov. spec. (Fairm. i. 1.) 

Nigra, abdomine picescente, elytris castaneis; ovata, nitida, 
modice convexa; caput xmstice angustatiim, protJiorax suhtrapezoidalis, 
laterihus ad hasin dilatatis, marginihtis reflexis, disco laevi; elytra 
profunde regulariter punctatostriata, subcostata, interstitiis laevihus, 
protecto laevi, angusto, margine reflexo. — 10-5 X 6 mm. 

Madagascar. Diego Suarez. 

Ganz schwarz, nur der Hinterleib etwas heller bräunlich und 
die Flügeldecken mit den Epipleuren kastanienbraun; oblong, 
schwach gewölbt, glänzend; der Kopf zwischen den Augen seicht 
ausgehöhlt, hinter ihnen eingeschnürt, wodurch die Augen stark 
heraustreten; der Scheitel glatt; die Fühler von doppelter Hals- 
schildlänge, schwarz, das 1. bis 3. Glied mit einzelnen Punkten 
und Grübchen, das 4. mit zahlreicheren Längsfurchen, die an den 
folgenden Gliedern immer dichter werden und schHeßhch nur durch 
schmale Kiellinien getrennt, die ganzen Glieder bedecken; das 
2. Glied sehr kurz, halb so lang als das 3., die folgenden unter- 
einander an Länge nicht wesentlich verschieden, walzenförmig. 
Halsschild trapezförmig, von den scharfen, spitzwinkeligen Hinter- 
ecken in schwachem Bogen zum Vorderrande gerundet, dieser seicht 
ausgerandet, ohne vortretende Vorderecken; neben dem äußeren 
Teil des Vorderrandes und dem Seitenrande, welch' letzterer in 
der Mitte schwach niedergedrückt ist, läuft eine tiefe Furche, die 
ihn vorne schmäler, hinten breiter absetzt, den Hinterrand aber 
nicht ganz erreicht; die Scheibe ist glatt, nur bei starker Ver- 
größerung sieht man in der feinen Chagrinierung einzelne fein ein- 
gestochene Punkte; der Hinterrand ist beiderseits zweimal gebuchtet 

Z. B. Ges. Gl. Bd. 16 



242 



Franz Spaeth. 



mit breit vortretendem Mittellappen. Schildchen halbkreisförmig. 
Flügeldecken flach, 2Y2nial so lang als breit, sehr regelmäßig, bis 
zur Spitze gleichmäßig, tief und grob punktiert -gestreift, die 
Zwischenräume glatt, gewölbt, der 2., 4. und 6. breiter und etwas 
höher als die anderen. Das Seitendach flach, glatt, schmal, zur 
Spitze wenig verschmälert, sein Rand aufgebogen. Das Prosternum 
ist breit, flach, rückwärts mit einem seichten Eindruck, der Proster- 
nalfortsatz breit lanzettförmig erweitert, nicht eingedrückt. Das 
ist kürzer und breiter als das 9. 

Viel größer als die anderen bisher bekannten Arten und von 
ihnen außer der anderen Färbung und Punktierung der Flügel- 
decken durch hinten stärker eingeschnürten Kopf verschieden. 

2. Himatidium fallax nov. spec. 

Subrotundaium, leviter convexum, nitidum, nignim; palpis ah- 
domineque rufotestaceis, elytris cyaneis, protliorace flavo, lateribus 
angustissime nigromarginatis, vitta media ad hasin ampliata nigra, 
antennis ferrugineis, pedihus piceis; prothorax antice late, sat pro- 
funde emarginatus, lateribus basin versus valde ampliatis; elytra 
minus subtiliter punctatosi/riata, interstitüs planis, subiilissime remote 
punctulatis. — Long. 5' 5 mm, lat 5 mm. 

Coli. Spaeth: Columbia^ Canon de Tolima (Faßl, III. 1910). 

Etwas länger als breit, daher nicht ganz kreisrund^ mit der 
größten Breite vor der Mitte, knapp hinter den Schulterecken; 
ziemlich flach, stark glänzend, Brust, Prosternum, Kopf und Schild- 
chen schwarz, der Hinterleib und die Taster rötlichgelb, die Beine 
hell pechbraun, die Flügeldecken und die Epipleuren stahlblau, 
der Halsschild weißgelb, an den Seiten äußerst schmal dunkel ge- 
säumt, in der Mitte schwarz, die Fühler rostrot. 

Dem bekannten Himatidium collare Herbst sehr ähnlich, in 
Zeichnung und Färbung fast ganz übereinstimmend, durch folgende 
Merkmale sicher verschieden: Wesentlich größer, an den Seiten 
stärker erweitert, nach Kopf und Spitze schneller verengt; der 
Halsschild viel kürzer, dreimal so breit als laug (bei collare nur 
zweimal), die Seiten sind nach vorne viel mehr verengt als bei 
H. collare. Die schwarze Mittelbinde ist dreieckig, vorne schmal, 
an der Basis doppelt so breit, ihre Seiten sind schräg, divergierend, 



■Reschreibimgr noiior Cassididon nobst Hynonymischcn nniii(M-knn<,foii 243 



bei IL collarc ist die Binde gicichbreit rechteckig-, ibre Seiten sind 
fast parallel. 

Die Fitigeldecken sind heller, rein stahlblau, bei Jl. collare 
schwarzviolett; auch fehlt bei IL fallax der schmale dunkelrote 
Saum, der die Flügeldecken bei LL collare in der rückwärtigen 
Hälfte umzieht. Die Wölbung der Flügeldecken ist etwas höher, 
die Punktierung der Streifen gröber, die Punkte stehen weniger 
dicht, die Zwischenräume sind glänzender, unter scharfer Lupe er- 
kennbar feiner chagriniert, mit zerstreuten, weniger feinen Pünkt- 
chen als bei //. collare. Das Seitendach ist glänzender, glatt, die 
Beine sind dunkler. 

3. Oxynodera Skalitzkyi nov. spec. 

cT. liotundato-stihtriangidaris, convexa, suhojyaca, nigra, antcn- 
nis hasi siibtiis rufotestaceis, elytris sanguineis hasi lata, sukira 
margineque angustis nigris; prothorax parvus, suhtriangularis, hrevis- 
sime obsolete pilosus, ptmctulis minimis capillatis, elytra hasi retusa 
et in gihhum ohtusum elevata, sat dense piibescentia, disco jj'^^yiotis 
magnis nee profimdis ad suturam seriatis, fundo ohscuriorihus, pro- 
tecto haud punctato. — 17 X 16 mm. 

Coli. SpaetJi: Columbia (1 exempl. ex coli. Schill). 

Verkehrt dreieckig, mit der größten Breite unmittelbar hinter 
den Schultern, von hier zur Spitze schwach keilförmig verengt; 
schwarz, die Unterseite der glatten Fühlerglieder rostrot, die Flügel- 
decken blutrot mit Ausnahme der Naht und einer sehr breiten 
Basalbinde, die bis hinter den Höcker und die Querkante, welche 
von diesem zur Schulterbeule führt, reicht; das Seitendach ist an 
der Basis breit schwarz, an den Seiten sehr schmal, hinten etwas 
breiter schwarz gesäumt, sonst blutrot. Der Halsschild ist klein, 
nur halb so breit als die Flügeldecken und nicht halb so lang als 
breit, vorne seicht ausgerandet, die Seiten sind schräg, kaum ge- 
rundet, die Hinterecken spitz, die Basis beiderseits zweimal tief 
gebuchtet, die Scheibe mit Ausnahme der schwach glänzenden 
Mittellinie matt, dicht und fein chagriniert, dazwischen mit mikro- 
skopischen feinen, vorne und gegen die Seiten dichteren Pünktchen 
besetzt, welche kurze weiße Härchen tragen. Die Flügeldecken 
sind an der Basis tief eingedrückt, dahinter in einen stumpfen 
Höcker erhoben, der nach vorne steiler als nach rückwärts, nach 

16* 



244 



Franz Spaeth. 



vorne deutlicli konkav, nach rückwärts fast gerade abfällt; die 
Naht ist im Basaldreieck wulstig verdickt; vom Höcker zur Schulter- 
beule verläuft ein stumpfer Kiel; die Scheibe mit Ausnahme der 
Naht abstehend kurz weißgelb behaart und mit groben, aber sehr 
seichten, mit einem eingestochenen Pünktchen versehenen, innen 
dunkleren Pünktchen besetzt, die innen mehr, außen weniger regel- 
mäßige Keihen bilden; ihre Zwischenräume sind sehr schmal. Das 
Seitendach ist wie die Scheibe behaart, ohne schwarze Punkte, 
doch sind Spuren von gleichfärbigen Grübchenpunkten erkennbar. 

Oxynodera Shalitzhyi ist in der Zeichnung nur mit 0. nigro- 
pundata Bob. zu vergleichen, doch erstreckt sich bei ihr die 
schwarze Färbung der Basis der Flügeldecken noch über den 
Höcker und die von diesem zur Schulterbeule führende Leiste, so 
daß auch ein Raum hinter dem Basaldreieck und die Basis des 
Seitendaches schwarz sind, während bei 0. nigropundata B. die 
rote Färbung der Decke bis zur Basaldreiecksleiste oder sogar noch 
vor diese reicht. Ferner ist das Seitendach seitlich und vor der 
Spitze breiter schwarz gesäumt, innen ohne schwarze Grubenpunkte, 
die Grübchen auf der Scheibe sind viel kleiner, regelmäßiger, ihr 
Kern wenig dunkler. 0. nigropundata ist überdies an den Seiten 
weniger erweitert, nach der Spitze mehr zugerundet, kaum keil- 
förmig. 

In der Körperbildung steht 0. Shalits'kyi der 0. nigrosparsa 
Wag. (Mitt. Münch. Ent. Ver., 1877, S. 52) am nächsten, ist jedoch 
durch niedrigeren Höcker, längere Behaarung, andere Zeichnung 
und Färbung, insbesondere das ungefleckte Seitendach leicht zu 
unterscheiden. 

4. Den Namen der von mir in diesen „Verhandlungen", 1907^ 
S. 153 aufgestellten Gattung Bnidiia ändere ich wegen BnwJiia 
Weise (Rev. Mus. La Plata, 1906, p. 227) in CarlohmcJiia. 

5. Pseudomesomphalia chalyhaea Germ, tritt in Paraguay 
in einer lokalen Farbenvarietät auf, bei der Halsschild und Flügel- 
decken stets bronzefärbig sind. Mir ist nicht bekannt, daß diese 
Form, die ich verschiedenen Personen unter dem mir von Herrn 
Dr. Staudinger vor Jahren i. 1. mitgeteilten Namen var. cupreata 
bestimmt habe, irgendwo beschrieben ist; doch hat Herr Karl 
Fiebrig in seiner Arbeit „Cassiden und Cryptocephaliden Paraguays" 



IVscliroibiin«; lUMior Cnssididon nobst HynonyniiRchcn Bcniorkiin^'on. 245 



(Zool. Jalnbllchcr, 1910, Siippl. 12, lieft 2, S. 168) ihre Entwick- 
luiiiisstadien hescliriebcn; hiebci ist ilini allerdings der Irrtum unter- 
laufen, die Gattun«;* Can'isira zu nennen. 

(). Pseudomesomphalia pullata nov. spec. 

cT. Sahtri angularis, opaca, nigra, elytris 2)a,rce silaccopuhes- 
ccuiUms; profJiorax transversus, longitudine plus duplo latior, apice 
emarginains, laterilms haud angustatis, anguUs posticis siihrecüs, 
disco suhlaevi, pilis nonnullis fulvis ohsoletis ornato; elytra hasi oblique 
trimcafa, tum sidmcuminata, hasi retusa et gihhosa, reticuh sat lato, 
partim elevaio, perspicne punctato, areolas minores iinjnmctaias 
includente ; protectum retictdo dbsoletiore versus marginem evanescente. 
— Long. 14 mm, lat. 12 mm. 

Coli. Spaeth: Brasilia, Espirito santo (ex coli. v. d. Poll). 

Schwarz, oberseits ganz matt, unterseits glänzender, die ersten 
4 Fülllerglieder glänzend, die folgenden matt; Halsschild mit äußerst 
zerstreuten, Flügeldecken mit längeren und dichteren gelben, nieder- 
liegenden Härchen besetzt. Zur Gruppe der Ps. cpiadriplagiata Boh. 
gehörig, aber in dieser Gruppe durch Skulptur und Färbung isoliert, 
in letzterer Hinsicht an Mesomplialia retipennis Boh. erinnernd. 

cT. Verkehrt-dreieckig, die Flügeldecken schräg und stark 
erweitert^ mit winkeligen, nicht abgerundeten Schulterecken. Der 
Halsschild mehr als doppelt so breit als lang, vorne mäßig tief 
ausgerandet, dann sehr schräg zu den Vorderecken erweitert, diese 
abgestumpft, aber wenig verrundet, die Seiten kurz, kaum konver- 
gierend, die Hinterecken fast rechtwinkehg, scharf, die Scheibe kaum 
punktuliert. Die Flügeldecken an der Basis eingedrückt, dahinter 
in einen stumpfen Höcker erhoben, dessen Profillinie nach vorne 
konkav, nach hinten gerade abfällt; die Scheibe ist mit einem 
mäßig breiten, wenig erhabenen, grob und dicht punktierten gleich- 
farbigen Maschennetz überzogen, dessen Netzfelder ganz matt und 
unpunktiert sind; auf dem Seitendache ist die Netzung niedriger 
und am Rande verloschen. 

Ps. ptdlafa ist zunächst verwandt mit Ps. luctuosa m. (in 
diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1898, S. 274), doch ist diese ober- 
seits metallisch bronzegrün, auf den Flügeldecken länger und dichter 
behaart, die Schulterecken des sind verrundet, die Randhnie 
zwischen ihnen und der Schulterbeule verläuft weniger schräg und 



246 



Franz Spaeth. 



gellt im Bogen in den Seitenrand über. Von allen übrigen in diese 
Gruppe gehörenden Arten unterscheidet sich Ps. pullata außer der 
Färbung durch viel höheren Höcker. 

7. Daß Ps eudomesomphalia suhrugosa Boh. nur eine 
einfarbig metallisch-grün oder blaugrüne Farbenvarietät der auf den 
ziegelroten Flügeldecken metallgrün gefleckten Pseudomesomphalia 
Lacordairei Boh. ist^ haben schon Burmeister und Weise nach- 
gewiesen. Im Gegensatze findet sich nun in Tucuman (Tapia, 600m, 
G. A. Baer, 1903) neben den beiden anderen Formen eine lokale 
Farbenvarietät mit roten Flügeldecken, bei denen nur die Naht 
schmal grün gesäumt ist (var. üicumana m.). Übergänge zwischen 
Lacordairei und tuciimana sind selten, kommen aber ebenfalls in 
Tucuman (Girard, 1898) vereinzelt vor. 

8. Pseudomesomphalia alcyonea nov. spec. 
Botundata, convexa, viridicyanea; protliorax longitudine plus 

duplo latior, laterihus hrevihus suhrectis, disco laevi opaco; elytra 
magis nitida, laterihus ampliata, suhgihhosa, vix retusa, utrinque 
vitta scutellari suheffusa, fulvo-puhescente, disco crehre mediocriter, 
protecto subtilius, minus crehre punctato. — Long. 18mm, lat. 
15' 5 mm. 

Coli. Spaeth: Brasilia (ex coli. DoncJcier). 

Ziemlich hoch gewölbt, gerundet, metallisch grün mit blauem 
Schimmer auf der Scheibe und an den Kändern des Halsschildes, 
um den Höcker und auf den Schulterbeulen sowie am Rande des 
Seitendaches; die Fühler an der Basis metalHsch glänzend, vom 
5. Gliede an schw^arz, matt. Halsschild fast 2Y2nial so breit als 
lang, quer viereckig, vorne seicht ausgerandet, dann sehr schräg 
an den Vorderecken, diese verrundet, stumpfeckig, die Seitenränder 
sehr kurz, fast gerade, gegen die Basis kaum genähert, die Scheibe 
glatt mit feiner Mittelfurche, matt; die Flügeldecken an der Basis 
wenig breiter als der Halsschild, zur Mitte schnell gerundet-erweitert, 
an der Spitze breit verengt; die Scheibe hoch gewölbt mit stumpfer 
Beule, aber das Basaldreieck schwach eingedrückt, beiderseits der 
Naht mit einem undeutlichen Längswisch aus goldgelben Härchen; 
die Profillinie ist nach vorne bis zum Kopfe gerade, oben im 
Winkel gebogen, nach hinten gerade, auf dem Abfall schwach 
konvex; die Scheibe ist sehr dicht, stellenweise schwach runzelig. 



Bcschrcihimn- neuer (/ussidideii iielmt syiionyiuiHc.luüi R(!merkimf^(!ii. 247 



mäßig- stark ])uiiktiert, ohne Spur von Uciiion; rings um die Ilrxiker- 
stelle sind die Tunkte zerstreuter und feiner; das Scitendaeli ist 
weniger dicht punktiert als die Sclieibe. 

Fs. alcyonea erinnert in Größe, Färbung und Aussehen an 
Ps. imperialis m., aber es fehlt ihr die Ketikulierung, sie ist höher 
gewölbt, dichter punktiert, die Profillinie ist bei P.s. imperialis in 
gleichmäßigem Bogen gerundet. Von Ps. Sommeri ist Ps. alcyonea 
durch breitere, flachere Gestalt, niedrigeren Höcker, den Mangel 
der Haarmakelu, dichtere Punktierung, andere Färbung zu unter- 
scheiden. 

9. Pseudomesomphalia murina nov. spec. 

Botundata, niodice convexa, opaca, nigroaenea, protJiorace niti- 
diore et liicldiore, apice anguste rufomarginato, antennarum articulis 
primis siibtus piceis; protliorax longitudine duplo latior, transversus, 
apice leviter emarginatus disco suhlaevis, pube depressa pallida ad- 
S2)ersiis; elytra hasi protliorace dimidio latior a^ subtruncata, Immeris 
fere rectangulis, laterihus partim ampliata, disco leviter gihbosa, pube 
suberecta minus dense adspersa, suhtiliter reticulata. — Long. 16 mm, 
lat. 15mm. 

Coli. Spaeth: Ecuador, Canelos (Bolle). 

Gerundet, mäßig gewölbt, einfärbig metallisch, grauscliwarz, 
nur der Halsscliild lebhafter bronzegrtin mit beiderseits des Kopfes 
schmal rot gesäumtem Rand, die ersten 4 Flihlerglieder glänzend, 
teilweise pechbraun. Die Flügeldecken sehr kurz, wie geschoren, 
fein weißgrau, dicht behaart, die Behaarung des Halsschildes ist 
mehr goldgelb, länger und beiderseits zu eineai Wirbel zusammen- 
gedreht, der die breite, glänzende Mittellinie und einen Fleck in 
der Mitte jeder Scheibenhälfte frei läßt. 

Ps. murina ist der Ps. puherula Boh. (Mon., IV, 148), mit der 
sie anscheinend gemeinschaftlich vorkommt, äußerst ähnlich^ aber 
in folgender Weise zu trennen: Der Halsschild ist viel breiter und 
im Verhältnis kürzer, er ist reichlich zweimal so breit als lang, bei 
puberula kaum um die Hälfte; seine Hinterecken liegen daher bei 
murina gegenüber dem ersten Drittel des freien Basalrandes, bei 
pubenda gegenüber den glatten Schwielen, die das Basaldreieck 
begrenzen; der Vorderrand des Halsschildes ist bei murina seichter 
ausgerandet, beiderseits rötlich, deutlich gerandet, bei puberula 



248 



Franz Spaeth. 



tiefer aiisgerandet, ganz dunkel metallisch, ungerandet, die Seiten- 
ränder konvergieren bei murina, bei xmherula sind sie ziemlich 
parallel, die Scheibe ist bei murina lebhafter bronzegrtin, länger, 
aber spärlicher behaart. Die Flügeldecken sind stärker gehöckert, 
ihr Basaldreieck ist tiefer eingedrückt, der Basalrand deutlicher 
gezähnelt; die Schulterecken sind weniger breit verrundet, stumpf- 
eckig, die Seiten bis zur Mitte deutlicher gerundet-erweitert. Die 
Fühler sind an der Basis dunkler, ihr 5. — 10. Glied einzeln doppelt 
so lang als breit und nur wenig kürzer als das 3. und 4., die 
ganzen Fühler sind länger als bei puhenda, bei der das 5. — 10. 
Glied nur um die Hälfte länger als breit und viel kürzer als das 
3. und 4. Glied sind. 

Sehr interessant ist das gemeinsame Vorkommen dieser Art 
mit Ts. pubemla und Oxynodera sericea Baly, welch' letztere den 
beiden in Zeichnung und Färbung ebenfalls außerordentlich gleicht, 

10. Pseudomesomphalia corruptiva nov. spec. 

cT. Botundata, subopaca, obscure cyanea, antennarum articulis 
primis subUis rufescentihus, protedo elytrorum plaga magna rotunda 
flava; protliorax subquadr angularis, apice emarginatus, laterihus ultra 
medium ohlique ampliatus, tum suhangustatus, disco puhe hrevi ad- 
spersa vestito, suhtilissime obsolete punctulato; elytra sat longe et 
crehre erecte crinita, disco suhgibhoso anguste reticidato, areolis 
maioribus haud pundatis, protedo pundato. — Long. 19 mm, lat. 
18'5 mm. 

Coli. Spaeth: Peruvia, prov. Huallaga (ex coli. v. d. Poll.). 
. Gerundet, mäßig gewölbt, fast matt, dunkel metallblau mit 
unterseits rötlicher Fühlerbasis, einem schmalen, kurzen, röthchen 
Saum neben der Mitte des Vorderrandes des Halsschildes und einer 
großen, runden, gelben Makel auf dem Seitendache. Halsschild 
kurz niederliegend, Flügeldecken samt dem Seitendache lang ab- 
stehend, ziemlich dicht weißgelb behaart. Der Halsschild quer, fast 
272nial so breit als lang, an der Spitze seicht ausgerandet, die 
Seiten zuerst bis über ihre Mitte schräg erweitert, dann im Winkel 
gebogen und mäßig zur Basis verengt, der letztere Teil um die 
Hälfte kürzer als der schräge; die Scheibe zerstreut und verloschen, 
sehr fein punktuliert, mit glatter, glänzender Mittellinie. Die Flügel- 
decken um mehr als die Hälfte breiter als der Halsschild, an der 



Basis last abgestutzt; die Schultercckeii treten nicht vor und sind 
breit verrundet; die Seiten bis zur Mitte erweitert, dann zur Spitze 
in weitem Bogen verrundet, die Sclieibe stumpf und niedrig' ge- 
höckcrt, mit vorne schwach konkaver, ziemlich steiler, hinten wenig 
geneigter, gerader Profillinie, dfinn genetzt, mit grolien, kaum punk- 
tierten Netzfeldern. Das Seitendach ist nicht genetzt, nur zicndich 
dicht und fein punktiert; die gelbe Dachmakel reicht innen bis an 
die Scheibe, läßt außen einen zirka 1 mm breiten, vorne und be- 
sonders rückwärts einen viel breiteren Raum frei. 

In der Zeichnung an P. inaequalis L. erinnernd, aber doppelt 
so groß, durch viel breiteren, anders gestalteten Halsschild, nicht 
vorgezogene, ganz verrundete Schulterecken und die Behaarung 
verschieden. 

11. Pseudomesomphalia placida nov. spec. 

d. Botundato-triangularis, modice convexa, opaca, nigra, ^^ro- 
tecto vitta lata ftdvoflava; pfotliorax tramversus, longitudine fere 
triplo latior, lateribus hrevihus rectis; elytra pube hrevi suherecta 
sericea vestita, ohtuse leviter gibhosa, siihelevato-reUculata, retictdo 
angusto stihnitido, carinas nonnuUas partim reguläres formante. — 
Long, et lat. 16' 5 mm. 

Coli. Spaeth: Peruvia, CancJiomajo. 

d". Von breit gerundetem, schwach dreieckigem Umriß, mit der 
größten Breite knapp vor der Mitte der Flügeldecken, von hier 
zur Spitze breit zugespitzt. Schwarz, nur das Seitendach mit einer 
breiten, bräunlichgelben, vorne immer mehr rötlichen, hinten ver- 
schmälerten Längsbinde, die nur einen überall gleich breiten (zirka 
1mm starken) Saum außen freiläßt. Der Fs. consociata Baly (Trans. 
Ent. Soc, 1872, p. 68) sehr ähnlich, mit ihr in der Zeichnung voll- 
kommen tibereinstimmend; aber die Form des Halsschildes ist 
anders; er ist quer-rechteckig, fast dreimal so breit als lang, sein 
Vorderrand seicht ausgerandet, hier kaum merkbar rötlich gefärbt, 
dann schräg zu den Vorderecken gezogen, die zwar verrundet und 
abgestumpft, in der Anlage aber deutlich sichtbar sind; die senk- 
rechten Seitenteile sind um die Hälfte kürzer als die Entfernung 
der Mittelausbuchtung von den Vorderecken; bei Ps. consociata ist 
die Ausbuchtung noch seichter, ihre Entfernung zu den Vorder- 
ecken viel länger, doppelt so lang als die Seitenteile, diese konver- 



250 



Franz Spaeth. 



gieren zur Basis, die Vorderecken sind viel stumpfwinkeliger, die 
Gesamtform des Halsschildes ist annähernd dreieckig. Die Scheibe 
ist bei Fs. placida matt, nur die Umgebung der vertieften Mittel- 
linie glänzend. Die Flügeldecken sind an der Basis abgestutzt, ihre 
Schultern nicht vorgezogen, breit verrundet und treten seitlich breit 
über die Halsschildbasis hinaus; die Scheibe ist niedrig und stumpf 
gehöckert mit vorne schwach konkaver, hinten gerader Profillinie; 
das Basaldreieck ist seicht eingedrückt; die feine und schmale 
Retikulierung läßt 3 — 4 hinten verloschene, schmale, glänzende 
Längsrunzeln erkennen, deren erste sich bis aufs Basaldreieck 
fortsetzt und die durch ebensolche verästete Querrunzeln verbunden 
sind, welche im Außenteile der Scheibe erlöschen; sie sind glänzend, 
unregelmäßig punktiert. Scheibe und Seitendach sind ziemlich dicht 
mit kurzen, abstehenden goldgelben Härchen besetzt; das Seiten- 
dach ist nicht retikuliert. 

Ps. consociata Baly ist nicht gehöckert, höher und deutlicher 
retikuliert, die Netzfelder sind regelmäßiger, größer und bis vor die 
Spitze deuthch ; die Flügeldecken sind hinten mehr verrundet, nicht 
zugespitzt. 

12. Preudomesomphalia cassandra nov spec. 

rotundato-triangularis, 9 ovato-triangularis, modice con- 
vexa, opaca, nigra, elyirorum protedo vitta lata sanguinea postke 
in discuni transgrediente; prothorax transversus, longitudine fere 
triplo latior, apice leviter emarginatus, laterihus hrevihus, angulis 
anticis ohtusis, posticis redis, disco suUaevi^ puhe sericea depressa 
sparsim vestito; elytra puhe ereda, vix gihhosa, obsolete reticulata, 
reticulo parum nitidiore, angusto, Jiaud pundato, areolas minores 
obsolete pundatas indudente. — cT: 18'5X19mm, ^: 2iy.l9'5mm. 

Coli. Spaeth: Peruvia, Yurimagua (ex coli. DoncJcier). 

cf sehr breit gerundet, breiter als lang, ^ viel länger und 
verhältnismäßig schmäler; ganz schwarz, nur eine breite Binde auf 
dem Seitendach e, die vom Außenrande einen zirka 1 mm breiten 
Streifen freiläßt und hinter der Mitte auf die Scheibe übergreift, 
blutrot. Von Ps. consociata Baly durch dieselbe Halsschildform wie 
Ps. placida m., ferner durch breiteren, kürzeren Umriß, weniger 
abgerundete, seitlich mehr vortretende Schulterecken, hinten schneller 
zugerundete Flügeldecken, höhere, mehr buckelige Wölbung, feinere, 



noselireilMmjj: neuer CuNsidideii ncl).st HynonyiiiiHclicii n('nicrkmi{;(Mi. 251 

mehr verloschene Kctikulicriing' sowie durch die blutrote Färbung der 
Hinde verschieden. Von Ps. placida ni. ist sie durch viel niedrigeren, 
nicht deutlich eckigen ll(')cker, breiteres Scitcndach, splirlichcre und 
kürzere Behaarung sowie die Färbung der Binde verschieden. 

An den Fühlern 4 Basalglieder glänzend; der Halsschild quer 
rechteckig, der Vorderrand ausgebuchtet, dann schräg zu den 
stumpfen, etwas verrundeten Vorderecken, die Seiten um die Hälfte 
kürzer als die Entfernung der Vorderecken von der Ausbuchtung, 
die Scheibe spärlich, kurz niederliegend behaart. Die Flügeldecken 
an der Basis wesentlich breiter als der Halsschild, mit kaum vor- 
gezogenen Schulterecken, die Seiten bis zur Mitte erweitert, dann 
schnell zugespitzt, die Scheibe sehr stumpf und verloschen gehöckert, 
die Profillinie vorne schräger als rückwärts, in beiden Richtungen 
gerade, die Decken verloschen genetzt, die Netzung vorne schmal, 
unpunktiert, die Netzfelder verloschen punktiert; nach außen und 
rückwärts wird die Eetikulierung undeutlicher. Das Seitendach 
dicht verloschen punktiert, im vorderen Teile mit undeutlichen 
Spuren von Runzeln. 

13. Pseudomesomphalia Hermanni nov. spec. 

late rotundata, q rotundata, postice magis aUenuata; modice 
convexa, suhopaca, nigra, elyironim protecto vittis 6 transversis flavis; 
profliorax stibtriangidans, longittidine plus dupJo latior, laterihus ad 
longe pone medium oblique ampliatis, tum hreviter suhrectis; disco 
puhe adpressa cinerea vestito; elytra prothorace duplo latior a, humeris 
late rotundatis nec prominuUs, laterihus valde ampliatis, pone medium 
angustatis, disco sparsim erecte crinito, elevatoreticulato, reticulo 
angusto, subnitido, areolas magnas opacas liaud punctatas includente; 
protecto latissimo, angmte nigro-marginato. — cf: long. 20 — 21mm, 
lat. 20 — 21 mm; ^ : long. 23mm, lat. 21' 5 mm. 

Coli. Spaetli: Ecuador (ex coli. BoncJcier, o, 9^. 

3Itts. Vienn.: Peru (a dorn. Dr. Dohm sub nomine periucundae 
Baly data; <^). 

Sie verbindet die Körperform der Fs. pectinata Baly mit der 
Zeichnung der Fs. periucunda Balj. Breit gerundet, das cT breiter, 
kürzer, hinten schneller zugerundet als das etwas zugespitzte $ ; 
schwach gewölbt, auf dem Rücken ohne Höcker, nur mit einem 
sehr niedrigen, stumpfen Buckel, der nach vorne schräger, nach 



252 



Franz Spaeth. 



rückwärts fast horizontal, in beiden Richtungen geradlinig verläuft. 
Schwarz mit gelblicher Behaarung, welche auf dem Halsschilde 
niederliegend, dichter, auf den Flügeldecken und dem Seitendache 
abstehend, länger und spärlicher ist. Fühler schwarz mit 4 glän- 
zenden Basalgliedern. Halsschild quer dreieckig, an der Spitze seicht 
ausgebuchtet, die Seiten fast bis zu den Hinterecken schräg, dann 
gerundet und etwas verengt, nahezu rechteckig zur Basis; der 
schräge Teil der Seiten ist mindestens dreimal so lang als der 
Basalteil; die Scheibe fast glatt. Die Flügeldecken sind doppelt so 
breit als der Halsschild; ihre Schulterecken sind nicht vorgezogen, 
breit verrundet, beim 9 schwach abgeschrägt; die Scheibe hat 
eine dünne, kaum punktierte, sehr großmaschige Netzung mit 
flachen, nicht punktierten Netzfeldern. Das Seitendach ist vorne 
breiter als eine Flügeldecke, nach hinten stark verschmälert und 
hat sechs breite gelbe Querbinden, die vom Rande bis zur Scheibe 
reichen, hinten auf die letztere sogar übergreifen; ihre Zwischen- 
räume sind schmäler als die Streifen; die vorderste Binde steht 
an der Basis, die letzte fast quadratische knapp neben der Spitze; 
der Rand des Seitendaches ist sehr schmal schwarz gesäumt. 

Ps. periucunda Baly, von welcher ich eine Cotype besitze, ist 
durch die Form des Halsschildes leicht zu unterscheiden. Er ist 
hier wie bei Ps. Marthae m. und Ps. Pascoei Baly gebildet, fast 
halbkreisförmig, kaum um die Hälfte breiter als lang; die Seiten 
sind zuerst schwach gerundet, dann senkrecht zur Basis gerichtet; 
ihr schräger Teil ist nicht länger als der Basalteil; sie ist überdies 
auf den Flügeldecken feiner retikuliert mit kleineren Netzfeldern; 
die Wölbung der Flügeldecken ist höher, die Behaarung ist kürzer, 
weniger deutlich, die Schulterecken treten mehr vor und sind 
weniger verrundet; die Querbinden auf dem Seitendach sind 
schmäler, ihre Zwischenräume so breit als die Binden. 
14. Poecilaspis luteicollis nov. spec. 

Ovata, convexa, nigra, antennis hasi rufescentihtis, prothorace 
luteo, obsolete nigro-hipunctato, opaco, elytris cupreis; protliorax 
transverso-suhellipticus longitudine duplo laüor, angulis late rotun- 
datis; elytra subelevato-reticulata, reticulo laevi nitido minus lato, 
areolis minorihus obsolete punctatis. — Long. 13 mm., lat. 9 mm. 

Coli. Spaeth: Parana (ex coli. Baly). 



BesclireilMiM;^ iwiw.r Cassididen iiobst synonymischen Bdnu^rkunjjen. 253 



Eiförmig-, mehr als doppelt so lan<^- als breit, hochgewölbt, 
ohne Aiuleutiiiig- eines llik'kcrs. Schwarz, die Basis der Fühler 
rötlich, der llalsschild gelb mit je einem verloschenen pechschwar/en 
Punkte in der Hälfte der Querniittellinie; das Schildchen und die 
Flügeldecken dunkel kupferfarbig. An den Fühlern die ersten 

4 Glieder unbehaart, das 5. undeutlich behaart. Der llalsschild 
quer, mehr als doppelt so breit als lang, scheibenförmig mit ganz 
verrundeten Ecken, die knapp vor dem Hinterrande liegen, der 
Vorderrand voll, nicht ausgerandet, viel stärker gerundet als der 
fast gerade Hinterrand; die Scheibe glatt, matt. Die Flügeldecken 
von der Breite des Halsschildes, an den Seiten kaum erweitert, 
hinten breit verrundet, die Basis abgestutzt, die nicht vorgezogenen 
Schulterecken verrundet, die Scheibe glänzend, gleichfarbig, er- 
haben retikuliert, die Netzung schmal und glatt, die Netzfelder 
matt, verloschen punktiert; auf dem fast senkrecht abfallenden 
Seitendacli wird die Netzung matter, niedriger und undeutlicher. 

P. luteicollis erinnert an P. corücina ß. ; sie ist aber schlanker, 
mehr bronzefärbig, der Halsschiid ist kürzer und breiter, ganz 
glatt und sehr auffällig gefärbt. 

15. Cistudinella convexior nov. spec. 

cf subrotundata, 9 ovata, convexa, nitida, testacea, prosterno, 
pectore dbdomineque nigris, Jioc testaceomarginato, antennis artlctdis 

5 tdtimis nigris; prothorax siihlunatus, longitudine plus duplo latior, 
laevis; elytra laterihus ampliatis, disco magis convexo^ stihgibboso, 
nigroseriata; protedo laevi. — cT: long. 7 — 7' 5 mm, lat. 6 mm.; 
9 : long. 9 mm, lat. 6' 5 mm,. 

Coli. Spaeth: Columbia (a W. E. Pratt coli.). 

d fast gerundet, hinten kurz zugerundet, 5 breit eiförmig, 
wesentlich länger, hinten viel mehr zugespitzt. Glänzend, gelb- 
braun; Prosternum, Brust und Hinterleib schwarz, die Bänder des 
letzteren gelbbraun; an den Fühlern sind die letzten 5 Glieder 
schwarz. Der bekannten, besonders in Paraguay und dem süd- 
lichen Brasilien verbreiteten C. obducta Boh. nahe verwandt. 
C. convexior ist aber breiter, in der Mitte stärker erweitert, vorne 
und hinten schneller zugerundet; der Halsschild ist kürzer und 
breiter, seine Bänder verlaufen zu den Hinterecken viel schräger, 
die letzteren sind mehr spitzwinkelig, die Seiten kürzer; die Scheibe 



254 



Franz Spaeth. 



ist bei 0. ohducfa deutlich fein punktiert, bei C. convexior glatt 
und nur bei starker Vergrößerung ist hier eine sehr feine und 
zerstreute Punktulierung wahrnehmbar. Das Seitendach der Flügel- 
decken ist bei C, convexior breiter, weniger geneigt, übrigens wie 
bei C. ohducta glatt. Die Profillinie ist stärker gewölbt, vorne 
gebrochen, indem sie von der höchsten Stelle bis zum Schildchen 
stärker abfällt als über dem Halsschild, rückwärts ist sie konvex; 
bei C. oMucta ist sie flacher, vorne von der höchsten Stelle bis 
zum Vorderrande des Halsschildes geradlinig. Die Punktreihen 
sind bei C. convexior wenig regelmäßig, die Punkte in denselben 
genabelt, rund und groß, tief schwarz, vorne stark vertieft, an der 
Spitze feiner; sie stehen oft in ungleichen Abständen, die Zwischen- 
räume der Reihen sind glatt wie bei C. ohducta; bei letzterer sind 
die Reihen regelmäßiger, die Punkte seichter, oft in die Länge 
gezogen, nur undeutlich gebräunt, die Zwischenräume sind meist 
stärker gewölbt. Die Unterseite ist bei C. ohducta dunkel pech- 
braun, also heller als bei der neuen Art, die Beine sind bräunlich, 
dunkler; die Verschiedenheit der Färbung daher weniger auf- 
fallend. 

Von C. peruana m. (in diesen „Verhandlungen", 1905, S. 100), 
der einzigen näher verwandten Art, ist G. convexior durch weniger 
breiten Körper, den an den Seiten viel schräger zu den Hinter- 
ecken zulaufenden Halsschild, schmäleres Seitendach der Flügel- 
decken, tiefere Punktierung derselben, den Mangel der Nahtmakel, 
nicht gewulsteten Scutellarlappen verschieden. 

16. Orexita nov. gen. 

Körper flach, eiförmig oder gerundet, Kopf unter dem Hals- 
schild ganz verborgen, Fühler 11 gliederig, mäßig lang, außen wenig 
verdickt, die ersten 4 Glieder glatt, glänzend, Kopfschild dreieckig, 
erhaben, an den Rändern abfallend; Halsschild quer-scheibenförmig, 
mehr als doppelt so breit als lang, vorne breit gerundet ohne Aus- 
randung; Flügeldecken an den Schulterecken nicht oder nur wenig 
vorgezogen, mit mehr oder minder regelmäßigen Punktreihen auf 
der Scheibe; das Seitendach durch eine tiefe Puuktreihe getrennt. 
Prosternum ganz flach und breit, hinten breit erweitert. Klauen 
schlank, die Borstenkränze des letzten Tarsengliedes weit über- 
ragend, glatt. 



BcschnMbmip: iwMior Casaididon nolist synonymisclicn Bcmcrkiiii^'on. 255 



Die Gattiiiii;- Ore.rita wird für jene Arten erriclitct, welche 
Bolienian intblg-e ihrer Größe und flaclicn Körpcrform als eigene 
Gruppe an den Anfang seiner Coptocyclen stellte. Sie sind jedoch 
mit den übrigen Coptocyclen nur wenig- verwandt, von ihnen vor 
allem durch das flache Prosternum und das lange Klaucnglied so- 
wie die relativ kurzen Fühler verschieden, stehen dagegen gewissen 
Arten der Gattung Physonofa Boh. nahe, von der sie sich jedoch 
durch die mit Punktreihen versehene Scheibe der Flügeldecken 
und zartere Fühler unterscheidet. 

Alle Arten zeichnen sich durch eine große Varial)ilität in der 
Färbung der Oberseite aus; die Gattung ist auf das südliche und 
zentrale Amerika beschränkt; die hiehergehörigen mir bekannten 
Arten können in folgender Art gruppiert werden: 

1. Profillinie winkelig gebrochen. 

BlancJiardi Boh. (M., III, p. 101) und suhgihhosam. nov. spec. 

1 a. Profillinie gleichmäßig gewölbt 2 

2. Seitendach der Flügeldecken glatt oder sehr fein punktuliert 3 

2 a. Seitendach der Flügeldecken mit groben Punkten ... 5 

3. Halsschild doppelt so breit als lang. Schildchen gelb, Seiten- 

dach sehr fein punktuliert. complanata Boh. (M., III, p. 92) 

3 a. Halsschild mehr als doppelt so breit als lang. Schildchen 

schwarz, Seitendach ganz glatt 4 

4. Scheibe der Flügeldecken größtenteils gelb, nur mit schwarzen 

Makeln posüca Boh. (M., III, p. 95) 

Mit dieser Art ist 0. picta Boh. (M., III, p. 94) durch 
Färbungsübergänge verbunden; sie kann als selbständige 
Art nicht gehalten werden. 

4 a. Scheibe der Flügeldecken schwarz. 

hifenestra Boh. (M., III, p. 97)^ mmira Boh. (M.., III, p.98) 

5. Seitendach sehr dicht punktiert, die Punkte gedrängt. 

varicolor Boh. (M., III, p. 99), hlattoides m. nov. spec. 

5 a. Seitendacli einzeln punktiert mit größeren Zwischenräumen. 

Wagneri Boh. (M., IV, p. 391), plagipennis m. nov. spec. 
Außer diesen Arten dürften noch die folgenden mir unbe- 
kannten in die neue Gattung gehören: Jtistini Boh. (M., III, p. 93), 
Lucasi Boh. (M., III, p. 102), speculata Boh. (M., IV, 390), tripar- 
tita Champ. (Biol. C. Am., VI, 2, p. 184, T. IX, Fig. 3). 



256 



Franz Spaeth. 



Goptocycla nigropunctata Wagener (Mitt. des Münch. 
Ent. Ver., 1881, S. 51) ist nur als eine Varietät der sehr ver- 
änderliclien 0. Wagneri Boh, zu betrachten. 

Orexita blattoides nov. spec. 

stihrotundata, ^ suhovata, deplanata, nitida, nigra, hasi 
antennanim flava, prothorace flavo signaturis nigris ornato, protecto 
elytrormn flavo, late nigromarginato, elytris nigris disco apiceqiie 
flavovariegatis; prothorax transverso-ellipticus^ angulis suhacutis, 
disco laevi; elytra leviter convexa, disco profunde striatopunctato, 
interstitiis laüs, laevihus, protecto grosse, sat crehre punctato. — 
: Long. 14 mm, lat. 12 mm; q : long. 13' 5 mm, lat. 10' 5 mm. 

Coli. Spaeth: Peru, Ecuador, Columbia (ex coli. DoncJcier). 

^ ziemlich kreisrund, 9 etwas länger und gestreckter; sehr 
flach, gleichmäßig gewölbt, glänzend, schwarz mit heller Fühler- 
basis und gelben Zeichnungen auf Halsschild und Flügeldecken. 
Halsschild quer, scheibenförmig; da der Vorderrand stärker gerundet 
ist als der Hinterrand, liegen die Ecken hinter der Längsmitte, sie 
sind spitzwinkelig, aber nicht scharf; die Basis ist im Mittellappen 
schwach erweitert^ an den Seiten etwas vorgezogen; die Scheibe 
ist bräunlichgelb bis auf eine von der Basis bis zum Vorderrande 
reichende Mittelzeichnung; diese beginnt breit an der Basis, ist außen 
beiderseits zweimal gebuchtet, dann schnell pfeilförmig zum Vorder- 
rande verengt und trägt innen eine langgestreckte, zweimal ge- 
buchtete Makel, die wieder eine dunkle Mittellinie hat; außerdem 
sind ein Punkt neben der Mittelmakel hinter der Mitte und eine 
strichförmige Quermakel, die seitHch auf den Kand geht und sich 
hier verbreitert, schwarz; die Oberfläche ist glatt, glänzend. Die 
Flügeldecken schließen an den Halsschild fast ohne Einbuchtung 
an und erweitern sich bis zur Mitte; sie sind sehr flach, gleich- 
mäßig gewölbt; ihre Scheibe hat 10 tiefe, aus groben Punkten be- 
stehende Streifen, deren Zwischenräume innen ganz flach und 
glänzend, außen schmäler und durch eingestreute Punkte stellen- 
weise verworren sind; der 2. oder 3. sind breiter als die übrigen. 
Das Seitendach ist ebenso grob als die Scheibe, aber viel dichter 
grubig punktiert, wobei die einzelnen Punkte annähernd von 
gleicher Stärke sind. Die Scheibe ist schwarz mit unregelmäßigem, 
schmalem gelben Basalsaum und mehr minder gelber Spitze, auf 



l^('s('lir('il)im}j: lUMin- ('Mssididcii nclj.st .synoiiyinisclicn n»'in('rkim<^(!n. 



257 



welch letzterer sodann die Grubenpunktc schwarz sind. Das 
Seitendach ist ganz gelb mit einem mäOig schmalen schwarzen 
Außensaume; die Punkte auf dem Seitendache sind nicht dunkler 
gefärbt; zuweilen zeigt sich der Ansatz einer schwarzen Quer- 
binde vor der Mitte des Seitendaches. 

Von Orexita varicolor Bob. durch breitere, an den Seiten 
stärker erweiterte Gestalt, spitzer gewinkelte lialsschildecken, ver- 
hältnismäßig kürzeren lialsschild, gleichmäßige, am Rande nicht 
feiner werdende Punktierung des Seitendaches, auf der Scheibe 
der Flügeldecken gröbere Punktierung verschieden. 

Orexita plagipennis nov. spec. 

rotimdata, 9 ovaia, deplanata, nitida, nigra, antennis 
hasi flavis, prothorace iitrinque basi apiceqtie flava, elytris iitrinque 
plaga maxima fulvoflava nigropimctata, disco protectoqtie punctis 
remotis seriatis. — cf: Lo7ig. 11 — 13 mm, lat. 10 — 11mm; 9: long. 
14 — 15 mm, lat. 12 — 12' C) mm. 

Coli. Spaeth: Columbia (a dom. W. Prait coli). 

cT breit gerundet, 9 schlanker und länger; flach, glänzend, 
schwarz, die ersten fünf Fühlerglieder gelb, der Halsschild vorne 
mit fast zusammenstossenden Makeln, die den größten Teil des 
Vorderrandes einnehmen und zwischen denen nur eine schmale 
schwarze Spitze an den Vorderrand tritt, ferner ist eine Quermakel 
außen au der Basis gelb; auf jeder Flügeldecke liegt eine in der 
Ausdehnung sehr variable gelbe Makel, die sich meist auch auf 
das Seitendach ausdehnt, aber stets die Naht, den Vorder- und 
Außenrand des Seitendaches, das Basaldreieck, oft auch die ganze 
rückwärtige Hälfte der Scheibe freiläßt. Halsschild quer, doppelt 
so breit als lang, der Vorderrand ist viel stärker gerundet als der 
Hinterrand, der nur einen sehr flachen Bogen bildet, die Ecken 
liegen daher weit hinter der Längsmitte, sind scharf^ fast recht- 
winkelig; die Scheibe ist glatt. Die Flügeldecken sind an der 
Basis kaum breiter als der Halsschild, schließen an ihn in der 
Rundung an, ihre Basis ist schwach ausgerandet, die Schulter- 
ecken treten ein wenig vor und sind ziemlich scharfwiukelig; die 
Seiten sind bis zur Mitte erweitert; auf der Scheibe stehen Reihen 
weit voneinander abstehender Punkte, welche, soweit sie auf hellen 
Grund zu stehen kommen, tief und grob, schwarz gehöft, dagegen 

Z. B. Ges. 61. Bd. 17 



258 



Franz Spaeth. 



auf dem schwarzen Grunde nur fein eingestochen sind; das eben 
Gesagte gilt auch von den Punkten auf dem Seitendache, welche 
nicht dicht gedrängt, zerstreut stehen und deren Zwischenräume 
größer als die Punkte sind. 

Orexita plagipennis ist der 0. Wagneri Boh., die sehr ver- 
schieden gezeichnet auftritt, zunächst verwandt, in beiden Ge- 
schlechtern aber durch viel bedeutendere Größe, weniger gerun- 
deten Vorderrand des Halsschildes, kleinere, nicht ganz rechtwin- 
kelige Ecken desselben und breiteren, im Verhältnisse zur Breite 
kürzeren Halsschild verschieden. Die nach einem weiblichen Stücke 
beschriebene 0. tripartita Champ. von Chontales in Nicaragua ist 
mir nicht bekannt, scheint aber durch andere Zeichnung, gleich- 
färbige Punktierung, dichtere letzte Punktreihe leicht kenntlich 
zu sein. 

Orexita subgibbosa nov. spec. 

9. Ovalis, subacuminata, parum convexa, minus nitida, nigra, 
hasi antennarum, maculis 4 prothoracis et 8 elytrorum sordide flavis; 
prothorax longitudine duplo latior, angulis acutis, disco stihlaevi; 
elytra suhgihhosa, disco minus regidariter sat profunde punctatostriato, 
protecto lato, suhtilius creherrime punctato. — Long. 15 mm, 
lat. 12 mm. 

Coli. Spaeth: Columlia (exemplare unicum a domino Clava- 
reau Uheralissime communicatum). 

9. Eiförmig, hinten ziemlich zugespitzt, flach gewölbt, schwarz 
mit gelber Fühlerbasis; der Halsschild mehr als doppelt so breit 
als lang, querelliptisch^ jedoch mit spitzwinkeligen, scharfen Ecken, 
die in der Längsmitte liegen, da der Vorder- und Hinterrand fast 
gleich gerundet sind; der Vorderrand nicht ausgerandet, der Hinter- 
rand nur im Mittellappen schwach vorgezogen; die Scheibe sehr 
fein und verloschen punktuliert. Je eine größere dreieckige Makel 
am Vorderrande, mit der gegenüber fast zusammenstossend, und 
eine kleine quere Basalmakel vor der Schulterbeule gelb. Schild- 
chen klein, dreieckig, schwarz. Flügeldecken an der Basis wenig 
breiter als der Halsschild, fast ohne Unterbrechung der Rundlinie^ 
bis zur Mitte sanft erweitert; die Scheibe sehr stumpf gehöckert, 
das Basaldreieck nicht eingedrückt, die Profillinie mit winkeligem 
Bruche, nach vorne und rückwärts gerade; die Scheibe mit groben, 



Büschreibung nouor Cussididcii nebst .syiionyiniachcn n(;m(M-kimf,'(Mi . 2i)*J 

iinregelmäßigeD, außen und hinten verworrenen Punktreilicn, deren 
Zwischenräume breit und Ihich sind; nur die 3 ersten und 2 let/ien 
Streiten sind ziendich regchxiäßig-. Das schwach geneigte breite 
Seitendach ist äußerst dicht und besonders dem Rande zu viel 
feiner als die Scheibe runzelig punktiert; auf jeder Decke sind vier 
braungelbe Makeln, 1 schräg oval im Basaldreieck, 2 hinter der 
Mitte in der Quermitte, unregelmäßig viereckig, 3 vor der Spitze 
an der Naht, dreieckig, 4 auf dem Seitendache in der Mitte, 
1 kleiner, 2—4 groß. 

Von Orexita Blanchardi Boh. durch viel schmälere Gestalt, 
scharfwinkelige Halsschildecken, unregelmäßige Punktreilien, rtick- 
w^ärts und auf dem Seitendache viel dichtere Punktierung, andere 
Zeichnung und P^ärbung verschieden. 

17. Eremionycha nov. gen. 

Körper subtriangulär. Kopf von dem Halsschilde ganz ver- 
deckt. Kopfschild schmal, doppelt so lang als breit, mit tiefen, an 
der Fühlerwurzel im Spitzbogen zusammenlaufenden Stirnlinien. 
Fühler um ein Viertel über die Halsschildecken hinausreichend, 
mit 5 Basal- und 6 Endgliedern, die ersteren glatt, glänzend, 
schlank, gegen ihr Ende nur wenig verdickt, das 2. Glied wenig 
länger als breit, das 3. mehr als doppelt so lang, das längste und 
schlankste von allen, das 4. um ein Drittel kürzer als das 3., das 
5. um ein Drittel kürzer als das 4., die Endglieder behaart und 
matt, mäßig verdickt, das 6. km-z, nächst dem 2. das kürzeste 
Glied, das 7. fast doppelt so lang, nur wenig kürzer als das 3., 
das 8. — 10. GUed gleich lang, etwas kürzer, das 11. wieder etwas 
länger, am Ende zugespitzt. Prosternum mäßig schmal, zwischen 
den Vorderhüften nicht verengt, mit einem breiten, seichten Längs- 
eindruck. Halsschild quer, an der Basis beiderseits zweimal ge- 
buchtet, der Mittellappen wenig vorgezogen, in der Mitte seicht 
ausgerandet, vorne voll gerundet. Schildchen dreieckig, mäßig 
groß. Flügeldecken um ein Viertel breiter als der Halsschild, mit 
schwach vorgezogenen Schultern, hier am breitesten, dahinter keil- 
förmig bis vor die Spitze verengt, diese kurz zugerundet; die 
Epipleuren noch an der Spitze ziemlich breit mit scharfer Innen- 
randleiste. Beine mäßig kurz, das zweite und dritte Fußghed bis 
zur Basis geteilt, Klauenglied nur mit einer, hakig gebogenen, 

17* 



260 



Franz Spaeth. 



kräftigen Klaue, die über die Spitze der Lappen des dritten Fuß- 
gliedes nicht hinausragt. 

Die neue Gattung erinnert im Aussehen an manche dornlose 
Arten der Gattung JBatonota, ist jedoch durch den Besitz nur 
einer Klaue an den Füßen und die Bildung der Fühler sehr aus- 
gezeichnet. 

Eremionycha miraculosa nov. spec. 

Subiriangulans, convexa, nitida, glahra; capite, prosterno 
pectoreque nigris, abdomine pedibusque albido-flavis, antennarum arti- 
culis hasalihus flavescentihus, ceteris nigris, prothorace testaceo, disco 
castaneo obsolete ohscurius signato; elytris rufynceis, propye sutiiram 
mactdis duahus communibus nigropnceis obsoletis, protecto flavo basi 
rmno sat lato, ante apicem ramtdo punctiformi piceis; protJiorax 
transverso-ellipticus, angulis acutis, disco mbtiliter, minus crebre 
puncttdato ; elytra subgibbosa, iitrinque bicarinata, punctis sat magnis, 
sidjregulariter dispositis, protecto in basi tantum punctato, ceterum 
laevi. — Long. 6 — 8 mm, lat. 5 — 6'5 mm. 

Coli. Spaeth: Brasilia, St. CatJiarina: colonia Hansa; Espirito 
Santo: Santa Leopoldina. 

Verkehrt dreieckig, schwach keilförmig, mit der größten Breite 
in den Schultern. Kopf, Prosternum, Brust schwarz, Hinterleib und 
Beine, die Vorder- und Mittelhüften sowie die Trochanter der 
Hinterschenkel gelb, die Klauen rostrot; an den. Fühlern die fünf 
Basalglieder bräunlichgelb, die übrigen pechschwarz; der Hals- 
schild weißlichgelb, mit hell kastanienbrauner Scheibe, die eine 
verloschene, noch etwas dunklere Zeichnung zeigt; die Flügeldecken 
mit rotbrauner Scheibe, welche Färbung auch in einem breiten 
Basalast und einer sehr schmalen Verlängerung hinter der Mitte 
auf das Seitendach übergreift; hinter dem Höcker und in ^/g der 
Länge hat die Scheibe je eine größere verloschene, wenig deutliche 
pechschwarze Makel. 

Der Halsschild vorne voll gerundet, hinten beiderseits zwei- 
mal gebuchtet mit sehr wenig vorgezogenem, schwach ausgeran- 
detem Mittellappen und scharfen, spitzwinkeligen, wenig hinter der 
Längsmitte gelegenen Ecken; die Scheibe gewölbt, vor dem Schild- 
chen mit einem großen seichten Eindruck, fein, ziemlich zerstreut 
punktuliert. Flügeldecl^en stumpf gehöckert mit nach vorne steil, 



n('sclMTilMin{4 iKMicr CissididcMi ii(d).st .synoiiyiiiisclKMi I?riMcrkiiiit;('ii. 2(51 

j;era(llinii;- oder selir 8cliwacli konkav, nacli rückwärts fast eben, 
ii'eraillinij;' ahfallendcm Profil, das liasaldrcicek sciclit cinj^cdrliokt 
und von dem rippcnf(')rniig- heraustretenden zweiten Zwischenräume 
begrenzt, der sich im Höcker bogenförmig mit der Naht verbindet 
und bis zur Spitze als niedrige Rippe fortläuft; außerdem ist noch 
der vierte Zwischenraum, aber viel schwächer, rippenf()rmig aus- 
gestaltet. Die Punktstreifen sind wenig regelmäßig, die zwei ersten 
tiefer und dichter als die übrigen. Das Seitendach ist nur in der 
Hasis punktiert, sonst glatt, ziemlich flach ausgebreitet und fein 
gerandet. 

18. Sphenocassis nov. gen. 

Kopf vom Halsschilde verdeckt, Kopfschild dreieckig, mit 
feinen, an der Fühlerwurzel von den Augen abgerückten Stirn- 
linien; Fühler llgliedrig, mäßig lang, die ersten 6 Glieder als l^asal- 
glieder gebildet, glatt, glänzend, die 5 letzten erweitert, behaart, 
matt, das 2. kurz^ das 3. und 4. fast doppelt so lang, um die 
Hälfte länger als dick, länger als alle folgenden außer dem End- 
gliede, das 5. und 6. um die Hälfte kürzer als das 3. und 4., das 
7. um die Hälfte dicker als das 6., die folgenden ebenso dick, 
etwas länger als dick. Die Taster dünn und lang, das letzte Glied 
spindelförmig. Der Vorderrand des Prosternalfortsatzes an den Seiten 
in eine Ecke ausgezogen^ hier plötzlich zurückspringend und ab- 
fallend. Fühlerrinnen fehlen. Klauen einfach, glatt, ohne Zähnchen 
oder Kämme, über das letzte Tarsenglied hinausreichend. Schienen 
außen ohne Rinnen. Halsschild trapezförmig, nach vorne erweitert, 
von den weit vorgezogenen Schulterecken fast ganz eingeschlossen, 
hinten tief zweimal gebuchtet. Flügeldecken hoch gewölbt, stumpf 
gehöckert, unregelmäßig punktiert, mit sehr steilem, durch eine 
tiefe, aber undeutliche, stellenweise verworrene Punktreihe abge- 
setzten Seitendache. Epipleuren vorne sehr breit, hinten stark ver- 
schmälert, ihr Innen- und Außenrand bis zur Spitze getrennt und 
scharf. 

Ich stelle diese neue Gattung für Laccoptera hiimerosa Fairm. 
(Ann. Soc. Eni Belg., 1898, p. 258) auf, von welcher mir Typen 
Fairmaires vorliegen; der Autor hat unglaublicher Weise die Art, 
obwohl sie glatte Klauen hat, zur Gattung Laccoptera gestellt und 
sie hiedurch nach der Beschreibung nicht erkennbar gemacht. 



262 



Franz Spaeth. 



Die neue Gattung ist neben Basipta Boh. zu stellen, von der 
sie sich durch die Bildung der Fühler, des Prosternums und der 
Epipleuren unterscheidet. 

19. Torhinia nov. gen. 

Eiförmig, hochgewölbt, Kopf unter dem Halsschilde ganz ver- 
deckt, Kopfschild dreieckig, sehr breit, nach der Ftihlerwurzel stark 
verengt^ mit feinen Stirnlinien neben dem Augenrand. Fühler dünn, 
ziemlich lang, um ein Viertel ihrer Länge die Hinterecken des 
Halsschildes tiberragend, das 2. Glied verdickt, kurz, das 3. und 4. 
reichlich doppelt so lang als breit, das 5. wenig, das 6. viel kürzer, 
alle schlank, glatt, glänzend, die folgenden wenig verdickt, behaart 
und matt, das 7. länger als die folgenden, so lang als das 5., das 
8. und 9. gleich lang, um die Hälfte länger als breit. 

Der Unterrand des Halsschildes neben dem Kopfe mit einer 
Kante, die die äußere Begrenzung der tiefen Fühlerrinne bildet, 
während der Vorderrand des Prosternums, welcher an der Seite 
zuerst in eine spitze Ecke ausgezogen ist, dann zurückspringt und 
schnell abfällt^ den Innenrand darstellt; das Prosternum ist mäßig 
breit^ zwischen den Vorderhüften schwach verengt, dahinter mäßig 
verbreitert, der Fortsatz breit und seicht, längseingedrückt, an den 
Seiten tief niedergedrückt. Klauen einfach, glatt, über das letzte 
Tarsenglied wenig hinausreichend. Schienen außen ohne Rinnen. 
Halsschild trapezförmig, nach vorne erweitert, an den Seiten von 
den weit vorspringenden Schulterecken eingeschlossen, an der Basis 
jederseits zuerst seicht, dann sehr tief in spitzem Winkel gebuchtet. 
Flügeldecken hochgewölbt, mit sehr steilem, durch eine Punktreihe 
undeutlich abgesetztem Seitendach. Epipleuren vorne sehr breit, 
hinten stark verschmälert, ihre Ränder bis zur Spitze getrennt. 

Mit SpJienocassis m. verwandt, durch viel schlankere, anders 
gebildete Fühler, den Besitz von Fühlerrinnen, hinten jederseits 
tief eingeschnittenen Basalrand des Halsschildes ausgezeichnet. 

Torhinia incisicollis nov. spec. 

Ovata, valde convexa, suhnitida, mfohrunnea, antennanmi 
articulis 5 ultimis nigropiceis; protliorax hasi utrinque leviter sinuahis 
et profunde incisus, laterihus ampliatus, antice late rotundatus, disco 
convexOy crehre mediocriter ruguloso-punctato ; elytra hasi utrinque 
hisinuata, humeris prominulis, suhacutis, hasi retiisa, disco convexo, 



ncscIircilMin^' lUMicr ( ^assididcn iicli.sl synon yinisclicii I^cMiU'rk iin^foii. 



profhorace mulio profunduis vage jmncfa/a; protcdum iiidcm jmnc- 
tatum, a disco scrle pimciorum majorum mimifi rcgulari separaium. 
— Ijong. 8'5nmi, lat. 6 mm. 

Coli. Spaetli: Madagascar, lieg. d'Ämhovomhe, Plateau d'Androy 
(ex coli. Jhnchier). 

Eiförmig-, mit der größten Breite in den Schultern, l)ocl)gew(*)ll)t, 
rötliclibraun, die Unterseite etwas lieller, die letzten 5 Fiihlerglieder 
schwarz, Kopfschild sehr breit, flach, glänzend, mit zerstreuten 
eingestochenen Punkten, aus denen lang abstehende Härchen ent- 
springen. Halsschild mehr als doppelt so breit als lang, verkehrt- 
trapezförmig, am Hinterrande neben dem breiten, schwach vorge- 
zogenen Mittellappen seicht gebuchtet, dann tief in spitzem Winkel 
eingeschnitten, schließlich breit lappenförmig nach hinten erweitert, 
mit nach rückwärts vortretenden verrundeten Hinterecken, die 
Seiten schräg im Bogen nach vorne erweitert bis zu den stumpf- 
winkeligen, aber deutlichen Vorderecken, zwischen denen der Vor- 
derrand einen weiten, flachen Bogen ohne Einbuchtung bildet; 
die Scheibe ist schwach gewölbt, vom Vordache durcheine schwach 
vertiefte Bogenlinie, die in der Einkerbung entspringt, abgesetzt, 
in der Mitte mit einer kurzen, aber scharf eingegrabenen schwärz- 
lichen Längslinie, ziemlich dicht, mäßig grob, nicht tiefrunzelig 
punktiert; ebenso das Vordach. Das Schildchen ist glatt, gleich- 
seitig dreieckig. Die Flügeldecken sind hochgewölbt und fallen 
an den Seiten senkrecht ab; im Basaldreieck steigen sie stark an, 
die dasselbe begrenzende Kante ist von der Naht zuerst gerade nach 
außen, dann (etwa von der Stelle, wo normal der 2. Streif ist) 
schräg nach vorne gegen die Schulterbeule gerichtet; hinter der 
Kante fällt die Profillinie zuerst geradlinig, dann konvex ab, nach 
vorne ist sie gerade und viel steiler; an der Basis sind mehrere 
glatte Beulen; mit Ausnahme der fast glatten Umgebung der Kante 
ist die Scheibe im Basaldreieck ziemlich zerstreut, im übrigen Teile 
viel dichter, aber nicht gedrängt punktiert; die Punkte stehen ohne 
jede Reihung und sind größer und dichter wie jene des Hals- 
schildes; nach der Spitze zu werden sie feiner und tragen äußerst 
feine, nur bei starker Vergrößerung erkennbare weiße Härchen; 
ihre Zwischenräume sind gegen die Spitze sehr grob chagriniert. 
Das Seitendach ist durch eine unregelmäßige Reihe größerer Punkte, 



264 



Franz 8paeth. 



über der ein breiterer, glatter Zwischenraum ist, von der Scheibe 
getrennt, wie diese punktiert. 

20. Aspidomorpha polyspila nov. spec. 

Elliptka, parum convexa, suhnitida, testacea, antennis apice 
ftiscis, elytrorum disco seriato-punctato, punctis nigro-ocellatis, maculis 
plus minusve confluentihus. — 7X6 mm. 

Coli. SpaeÜi: Madagascar, Plateau de VAndroy (Reg. d'Ämho- 
vomhe). 

Elliptisch, schwach eiförmig, mit der größten Breite knapp 
vor der Mitte der Flügeldecken, sehr flach gewölbt, ohne Spur 
eines Hr)ckers, schwach glänzend, rötlichgelb, nur die drei letzten 
Fühlerglieder mit Ausnahme der Spitze des letzten pechbraun bis 
schwarz und die Flügeldeckenscheibe dunkel gefleckt. Kopfschild 
glatt, eben; stark glänzend; das 3. Fühlerglied kaum länger als 
das 4.; Halsschild quer elliptisch mit spitzen, scharfen Ecken, die 
hinter der Längsmitte liegen und an welche die Schulterecken 
ohne jede Einbuchtung oder Ecke anschließen, so daß die Außen- 
linie von Halsschild und Flügeldecken ohne jede Unterbrechung 
verläuft. Scheibe des Halsschildes glatt, vom Vordache kaum ab- 
gesetzt; dieses nicht aufgebogen. Die Flügeldecken haben 10 feine 
Punktreihen, die außen und hinten etwas tiefer werden und deren 
Zwischenräume breit und flach sind; die Punkte sind zumeist mit 
braunen oder pechschwarzen, ineinander fließenden Höfen umgeben, 
so daß bei manchen Stücken fast die ganze Scheibe pechbraun ist; 
das Seitendach fällt in gleicher Neigung wie der Außenteil der 
Scheibe ab, ist glatt, ohne Zeichnung. Die Kammzähne der Klauen 
sind kurz. 

Aspidomorpha polyspila, welche vor einigen Jahren vielfach 
unter dem Namen Coptocycla polyspila Fairm. i. 1. verbreitet wurde, 
erinnert in Umriß und Zeichnung an A. ohovata Klug; letztere ist 
viel größer, dabei verhältnismäßig schmäler^ hinten mehr zugespitzt, 
die Makeln auf den Flügeldecken sind kleiner und fließen nicht 
zusammen. 

21. Aspidomorpha undulatipennis nov. spec. 

Botundato-suhtriangularis, sat convexa, parum nitida, testacea, 
disco elytrorum ramisque duohus protecti castaneis, pectore medio, 
prosterno, capite, antennarumque articulis 2 ultimis nigris; elytra 



ncsclirciltim;^ iiriirr ( 'assididcii lU'Wst HyiioiiymisclMMi li(Mn('rkiiii^r,.|| l^fjf) 

jrrothoravc multo latiora, h unter Is prominentihus, htierihus au/r me- 
diimi Idfisslniis, inde convcrgrntUms, disco siriatopnnclaio inaeqiiali, 
sdi alte (jihhoso. — Long. 12'i>X1.2 — 14'5X Jo'hnm. 

Var. capitc, prosterno pectorequc tesfaceis. — Long. 12X1 1mm. 
Coli. Spaeth: Madagascar, Diego Suarez. 
Weise liat in seiner Arbeit über die Cassiden von Mada- 
gascar (Voeltzkow, Reise Ostafrika, S. 479) die Identität von 
Aspidom.rotimda Fairm. mit A. pontifex Bob. (M., II, S. 28(5) fest- 
gestellt; sie war wobl 7A\ vermuten, da Fairmaire selbst sclion 
früber (Ann. Soc. Ent. Belg., 1904, S. 270) erwäbnt batte, daß seine 
Art sieb von A. pontifex nur durcb glattes Scbildcben unterscbeide, 
ein wertloses Merkmal, da die von Bob e man für seine A. pontifex 
erwäbnte Querstreifung des Scbildcbens, die sieb ja bäufig findet, 
stets nur auf Störungen im Entwicklungsstadiuni berubt. 

A. undidatipemiis m. ist der A. pontifex Bob. sebr äbnlicb, 
aber durcb folgende Merkmale sieber zu trennen : Sie ist im allge- 
meinen kleiner und von anderem Umriß; die größte Breite liegt 
bei ibr binter den Scbultern nocb vor der Mitte der Flügeldecken, 
von bier ist der Umriß nacb binten verengt; bei A. pontifex liegt 
die größte Breite in oder sogar binter der Mitte der Flügeldecken, 
die Seiten sind daber stärker gerundet, die Verengung beginnt viel 
weiter rückwärts; das Seitendacb von A. pontifex ist breiter, die 
Seitenäste auf demselben sind innen scbmäler, außen stark ver- 
breitert, bei A. undulatipennis außen kaum erweitert, innen breiter. 
Die Höckerbildung ist bei beiden Arten die gleiche, die ProfiUinie 
ist vorne und rückwärts konkav; die Runzelung der Deckenscbeibe 
ist bei A. pontifex wesentlicb stärker, bei A. undiäatipennis mebr 
verscbwindend ; die Scbulterecken sind bei letzterer etwas mebr 
vorgezogen. Sebr auffällig ist der Unterschied in der Halsscbild- 
bildung. Bei A. imdtdatipennis treffen die Seiten die Basis ziemlich 
senkrecht, die Halsscbildecken liegen gegenüber dem zweiten Drittel 
, der Basallänge des Seitendaches der Flügeldecken ; da die Schulter- 
ecken sonach seitlich über den Halsschild hinausragen, ist die 
UmrißUnie bier gebrochen und es entsteht ein einspringender Winkel. 
Bei A. pontifex trifft der Halsscbildrand die Schulterecke, die Um- 
rißbnie setzt sich ohne Unterbrechung vom Halsscbild auf die 
Flügeldecke fort, die Hinterecken des Halsschildes sind spitzwin- 



266 



Franz Spaeth. 



keliger, die Seiten davor mehr schräg. Endlich ist bei Ä. imdulati- 
pennis die Unterseite zum Teile schwarz, bei A. pontifex gelb. Nur 
bei einem einzigen von den 8 Stücken meiner Sammlung ist auch 
bei A. undulatipennis die Unterseite einfarbig hell, doch weicht 
dieses Exemplar auch in der Größe nicht unwesentlich ab und 
dürfte schlecht entwickelt sein. 

22. Aspidomorpha nupta nov. spec. 

Ovata, Jiaud convexa, nitida, flava, antennis articulis 2 ul- 
timis nigris, prothorace hasi utrinque fusco-marginato, elyfris disco 
piceo ramos utrinque duos in protectum emittente, macula scutellari 
flava; prothorax laevis, late rotundatus; elytra prothorace vix latiora, 
laterihus perpanim ampliatis, disco suhtiliter remote seriatopunctato. 
protecto deplanato margine vix reflexe. — 6'5 X 5-2 mm. 

Transvaal, Zoutpansherg, 800 m (ReinecJcj. 

Var. elytris disco dilutiorihus, rufo- vel piceovariegatis, ramis 
protecti concolorihus. — 7 X 5' 5 mm. 

Afr. or. m., Kigonsera prope lacum Nyassa (Ertl). 

Eine sehr kleine Aspidomorpha, die sehr an die japanische 
A. transparipennis Mötsch, erinnert, jedoch weniger schlank ist und 
auch durch andere Form der Seitendachäste abv^^eicht. 

Sehr flach, oberseits kaum gewölbt, eiförmig, glänzend, gelb, 
die zwei letzten Fühlerglieder schwarz, die Basis des Halsschildes 
beiderseits leicht angedunkelt, die Flügeldecken mit pechschwarzer 
Scheibe und je zwei ebensolchen Randästen, hievon der vordere 
ganz an der Basis, ziemlich breit, hinten mit einem kurzen 
Zipfel, der rückwärtige an der gewöhnlichen Stelle hinter der 
Mitte, nach vorne mit einem kurzen Zipfel, beide innen heller 
braun; auf der Scheibe eine gemeinsame Scutellarmakel, das Außen- 
teil der Schulterbeule und die Seitendachbrücke gelb. Die Stücke 
von Kigonsera haben die Scheibe gelb mit rötlicher bis pechbrauner 
Zeichnung; diese ist undeutlich, verwischt und besteht im wesent- 
lichen aus einem Fleck an der Höckerstelle, einer dunkleren Längs- 
binde am Außenrande der Scheibe und zwei Querbinden hinter der 
Mitte, die gleiche Färbung zeigen die Randäste. Die Spitze des 
Seitendaches bleibt stets hell. Halsschild mehr als doppelt so breit als 
lang, mit abgerundeten, in der Anlage spitzwinkeligen Hinterecken, 
die Scheibe glatt, das Vordach schwach aufgebogen. Flügeldecken 



Besclirciliim«;- ikmkm" ( 'aHsididfMi ii(»l»st synoiiymisclicn Mcnin-k iin;^f(!ii. 207 



an der Hasis kaum breiter als der Halsscliild, an den Seiten nelir 
weni^ erweitert, mit der gT()ßten lireitc weit vor der Mitte, mn 
die Hälfte länger als breit; die Seheibe mit regelmäßigen Reihen 
zerstreuter, fein eingestochener Punkte, die häufig bei der Varietät 
einen dunkleren Kern zeigen; das Seitendach flach, am Hände 
kaum aufgebogen, glatt. An den Klauen die inneren Kammzähn- 
chen kurz. 

Ich glaube, daß diese Art der mir nicht bekannten A. Walil- 
hergi Roh. (Mon., II, p. 253) nahe stehen dürfte; ich kann sie aber 
mit ihr nicht identifizieren, da der Autor angibt, daß letztere Art 
drei dunkle Endglieder an den Fühlern habe und weder die 
Größenangaben noch jene über die Zeichnung der Flügeldecken 
und ihrer Randäste stimmen; endlich nennt Boheman seine Art 
,^rotundata''' , was auf Ä. mipta ebenfalls nicht zutrifft. 

23. Aspidomorpha sessarum nov. spec. 

cT rotiindata, 9 suhovata, leviter convexa, nitida, flavotestacea, 
pectore, prosterno medio et antennis apice nigris; protJiorax late 
rotundatus suhlaevis, elytra hasi leviter emarginata, leviter gihhosa, 
obsolete seriato-piinctata, nigra, dorso utrinque plaga maxima a 
hasi fere ad apicem continuata, medio extus haud emarginata, 
mamlaque minore elliptica protecti flavis. — cT: Long. 11' 5 — 12' 5, 
lai. 10— 11mm; 9: long. 14—M'5, lat. 11 — 12 mm. 

Coli. Spaeth: Uganda, Sesse- Inseln im Uhereive-See (Dr. 
Staudinger und A. Banghaas); Uganda, swisclien Nimuli und 
Murchison-Falls. 

Der A. higuttata F., besonders der var. Bertolonii m. (vgl. 
diese „Verhandlungen", 1905, S. 115) in der Zeichnung sehr ähn- 
Hch, aber in beiden Geschlechtern viel schlanker und weniger hoch 
gehöckert. 

Die Unterseite gelb, die Mitte der Mittelbrust und des Proster- 
nums schwarz, die Sternite beiderseits dunkel gefleckt, die Epi- 
pleuren mit Ausnahme des durchscheinenden Fensterflecks schwarz, 
die 2 — 3 letzten Fühlerglieder schwarzbraun, Halsschild und Schild- 
chen gelb, die Flügeldecken schwarz mit je einer großen, hellen 
Decken- und Dachmakel. 

Die Deckenmakel ist länger als jene von A. higuttata, nimmt 
die ganze Scheibe ein und erstreckt sich oft noch bis auf die 



268 



Franz Spaeth. 



Spitze des Daches; sie ist außen durch einen am Außenrande der 
Scheibe laufenden schmalen, überall gleichbreiten schwarzen 
Saum fast geradlinig begrenzt, während bei higuttata dieser 
Saum breiter, in der Mitte verbreitert und die Makel außen 
dementsprechend ausgerandet ist; an der ganzen Basis und Naht 
ist sie bei Ä. sessarum durch einen schmalen schwarzen Saum 
eingefaßt, der bei A. higuttata an der Naht und nächst dem Schild- 
chen auch an der Basis fehlt; die Fenstermakel des Seitendaches 
ist bei Ä. sessarum schlanker und länger als bei A. higuttata; die 
Scheibe ist schwach und sehr stumpf gehöckert, die Profillinie ist 
vorne und rückwärts fast geradlinig, nach vorne sehr schwach ge- 
neigt, nach rückwärts fast ohne Neigung; der Höcker ist wesent- 
lich niedriger und tritt nicht knopfförmig heraus wie bei A. higuttata, 
bei der er nach vorne ziemlich steil, nach rückwärts mäßig geneigt 
abfällt. Die Punktreihen der Flügeldecken sind viel feiner, oft 
fast verloschen, häufig unregelmäßig und stellenweise verdoppelt, 
ihre Zwischenräume sind lederartig gerunzelt. Die Schulterecken 
der Flügeldecken sind mehr vorgezogen, die Basis unmittelbar vor 
ihnen in etwas stärkerem Bogen ausgeschweift. Das ist etwas 
länger als breit, daher nicht ganz gerundet, das 9 ist länger und 
schlanker als das cf, gegen die Spitze mehr zugespitzt und hat die 
Spitze der Epipleuren unterseits fein schwarz behaart und auf dem 
fünften Sternit in der Mitte der Basis ein flaches Grübchen, da- 
hinter einen niedrigen, schwach gewölbten Querwulst, der von einem 
seichten Eindruck begrenzt wird. 

Von der westafrikanischen A. himaculata F., mit der A. sessa- 
rum in Hinsicht der Höckerbildung nahezu übereinstimmt, ist sie 
durch weniger breit gerundeten Umriß, viel schwächer ausge- 
schweifte Basis der Flügeldecken, vollständig schwarze Naht, den 
Mangel einer Ausbuchtung außen an den Deckenmakeln und längere, 
mehr elliptische Dachmakeln verschieden. 

24. Cassida romula nov. spec. 

Laie rotundata, convexiuscula, nitida, rufotestacea, capite, 
prosierno, pectore ahdomineque medio nigris, antennis ah articulo 8. 
nigris, elytris vitta transversa ante apicem, vitta longitudinali in 
disco exteriore maculisque nonnullis confusis in disco nigris, protecto 
ramis duohus nigris ; prothorax transverso-suhellipticus, angulis rotiin- 



BeschrcilMmj»- neuer C:i.s.si(li(l(Mi wohnt Hynonymisclicn ncmcrkim^jon. 



(latis, disco sMacvi; elytra hasl sinuata, hiwicris prominulis, snb- 
(Dic/ulatis, disco punctatostriata, intcrstUüs Icultcr convexis, lacvlhu^^, 
protecto latisüimo, perparum de/lcxo, mgoso-ptmclnlato. — Loufj. C> mm, 
Jat. 4 tum. 

Mus. Brit.: Natal, Mähern (J. F. Cregve, 1!)04). Speclmen 
unicum. 

Von breit kreisförmiger Gestalt, welche um so auffälliger ist, 
als die nach vorne weit vortretenden Schultern ziemlich knapp an 
die vorgezogenen Halsschildecken anschließen, so daß nur ein sehr 
kleiner, die Kreisbildung wenig störender Einschnitt zwischen llals- 
schild und Flügeldecken entsteht. 

Gelbrötlich, Kopf, Prosternum, Brust und Abdomen schwarz, 
letzteres breit hell gesäumt. Kopfschild schmal, gegen die Fiihler- 
wurzel sehr schwach verengt, mit scharfen, geraden, zur Fiihler- 
wurzel konvergierenden Stirnlinien, das eingeschlossene Dreieck 
flach, sehr schwach vertieft. Fühler ziemlich gestreckt, über die 
Halsschildecken mit zwei Gliedern hinausreichend, die inneren 
Glieder glänzend, vom 7. an matt, behaart, das 2. Glied klein, aber 
nicht kugelförmig, das 3. — 5. langgestreckt, das 6. wesentlich 
kürzer, die folgenden allmählich verdickt, das 7. so lang als das 
5., das 8. etwas kürzer, das 9. und 10. so lang als das 7., das 
11. noch länger, zugespitzt; vom 8. an schwarz, weiß behaart. 
Halsschild in der Anlage quer-elliptisch, die Basis von den Schulter- 
beulen an sehr schräg vorgezogen, so daß die an der Spitze ver- 
rundeten Hinterecken fast in der Längsmitte liegen; der Vorder- 
rand stark gerundet, die Scheibe gewölbt, äußerst zerstreut, mikro- 
skopisch fein punktuliert, vor den Schulterbeulen mit je zwei 
seichten Eindrücken; Vordach kaum abgesetzt. Schildchen kurz 
dreieckig. Flügeldecken sehr breit und kurz, gleichmäßig, ziem- 
lich stark gewölbt; die Basis bis zu den Schulterbeulen sehr leicht 
geschweift, von hier stark vorgezogen, so daß die Schulterecken 
bis auf ^3 der Halsschildlänge vortreten. 

25. Trichaspis nov. gen. (prope Oxylepus). 

Corpus convexiim, ohlongo-ovatum, tihique longe alhido-ptihescens ; 
Caput ohtectum, clypeiis planus, lineis frontalibus curvatis; antennae 
minus longae, angulos protJioracis vix super antes, articiäis 3 — 6 
parvis, brevihus, 7 — 11 valde incrassatis, clavam formantihus ; ungui- 



270 



Franz Spaeth. 



culi dente acuto liyalino; elytra punciatostriata protecto declivi, versus 
apiceni valde angiistato. 

Oblong-eiförmig-, hoch gewölbt, der Kopf unter dem Hals- 
schild verborgen, die Augen schmal, der Kopfschild eben, nach der 
Fühlerwurzel nur wenig verengt, um ^4 länger als breit^ die Stirn- 
linien verlaufen neben den Augen und verbinden sich bogenförmig 
vor der Fühlerwurzel, sie sind seicht und heben den Mittelteil des 
Kopfschildes nicht heraus. Die mäßig langen Fühler überragen 
kaum die Hinterwinkel; das 1. Glied ist lang und dick, das 2. kaum 
halb so lang, aber wenig schlanker, das 3. — 6. sehr klein, ein- 
zeln kaum länger als dick, kugelförmig, halb so groß und dick 
wie das 2., untereinander kaum verschieden; die folgenden bilden 
eine dicke Keule; schon das 7. ist doppelt so dick als das 6., die 
folgenden sind noch breiter, bis zum 10. an Breite zunehmend, 
das 8. halb so lang als dick, das 9. und 10. mehr als doppelt so 
breit als lang, das 11. um die Hälfte länger als das 10., kurz zu- 
gespitzt, ein wenig schmäler als die vorhergehenden. 

Schienen außen nicht gefurcht, Tarsen schmal, die Lappen 
des 3. Gliedes sehr lang und dünn, das Klauenglied nur wenig 
länger als dessen Borstenkränze, die Klauen an der Basis mit 
einem spitzwinkeligen, sehr kräftigen hyalinen Zahn, der wenig 
kürzer als die Klaue selbst ist, aber infolge seiner wasserhellen 
Durchsichtigkeit neben den gebräunten Klauen selbst mit einer 
scharfen Lupe schlecht zu sehen ist. 

Halsschild quer-rechteckig, nur ein Drittel breiter als lang, 
mit ganz verrundeten, an den Winkeln aber erkennbaren Yorder- 
und Hinterecken. Flügeldecken doppelt so lang als breit, nach 
den Seiten stark gewölbt, mit Punktstreifen. Seitendach sehr steil, 
fast senkrecht geneigt, von der Scheibe durch eine seichte Furche 
abgegrenzt, in der die letzte Punktreihe steht. Die Epipleuren sind 
zur Spitze stark verschmälert, aber ihr Innenrand ist auch am 
Ende vom Außenrande noch deutlich getrennt und scharfkantig. 

Der ganze Körper ist mit langen zottigen, weißen Börstcheu, 
die auf den Flügeldecken in Reihen stehen, besetzt. Die Gattung, 
welche durch die auffällige Bildung der Fühler, des Klauenzahnes 
sowie durch die lange Behaarung sehr interessant ist, ist errichtet 
für Cassida pilosula Boh., Mon., IV, p. 332, deren Type aus dem 



HoscIiroilMiii«»' iKMior C'Hs.sidulcüi iitibst s} noiiyiiiiHclKMi nciiMü-kimf^en. 271 



Museuni zu Stockholm Herr Intendant Dr. Sjöstedt mir freund- 
lichst mitteilte. 

26. Macromonycha nov. gen. 

Die von Weise beg'rllndete Gattung* Chiridula ist in dem ihr 
vom Autor gegebenen Umfange nicht aufrecht zu erhalten. Abge- 
sehen von der Verschiedenheit in der Länge des Klauenglicdcs 
sind die von Weise hieher gestellten Arten aucli in wesentlichen 
anderen Merkmalen voneinander abweichend. CJiiridula anatolica 
Weise kenne ich nicht, Semenoivi Weise, mit der Cassida fovan- 
(jula Reitter, Wiener Ent. Zeitung, 1901, S. 64, synonym ist, liegt 
mir gegenwärtig nicht vor; ich will daher nur über Gh. apicalis 
Gebler und 11-notata Gebler sprechen. 

Ch. apicalis Gebler, auf die ich die obige Gattung Macro- 
monycha aufstelle, ist durch den gestreckten, fast walzenförmigen 
Körper, der an den Rändern und oberseits mit kurzen Börstchen 
besetzt ist, ausgezeichnet; die Fühler sind mäßig lang*, ihre End- 
glieder wenig verdickt, das 7. nicht auffällig dicker oder breiter 
als das 6., nur die 4 letzten Glieder sind behaart; das 3. Glied ist 
doppelt so lang als das 2., das 4. und 5. sind etwas, das 6. viel 
kürzer. Die Unterseite des Halsschildes bildet neben dem Kopfe 
eine Falte, wodurch eine Rinne entsteht, in die sich die Fühler in 
der Ruhelage einlegen. Der Kopfschild ist breit, breiter als lang, 
flach, grob punktiert; die Tarsen sind schmal, walzenförmig, wenig 
erweitert, unterseits ohne Filzbtirstchen ; das Klauenglied ist dreimal 
so lang als die Lappen des 3. Tarsengliedes. Das Prosternum ist 
zwischen den Vorderhüften schmal. Bei Chiridida 11-notata Gebl. sind 
die Fühler gestreckter, vom 7. Gliede an stärker erweitert, so daß 
dieses viel breiter ist als das 6.; die Behaarung beginnt ebenfalls 
erst vom 8. Gliede; die Fühlerrinne neben dem Kopfe fehlt, das 
Prosternum ist zwischen den Vorderhüften breit, der Kopfschild ist 
länger als breit, viel länger als bei apicalis. Das Klauenglied über- 
ragt nur um die Hälfte die Lappen des 3. Tarsengliedes, die Tarsen 
sind breiter, unterseits mit einer schmalen Filzsohle versehen. 

Nach einer Determination Bohemans im Stockholmer Museum 
ist Cassida orientalis Boh., Mon., II, p. 332, die allerdings vom 
Autor mit gekämmten Klauen und der unklaren Vaterlandsangabe 
„Orlens" beschrieben wurde, ident mit Cassida apicalis Gebler. 



272 



Franz Spaeth. 



27. Nabathaea nov. gen. 

Fühler 11-gliedrig, die Halsschildecken erreichend, die ersten 
6 Glieder glatt, glänzend, die folgenden behaart, matt; das 2. Glied 
dick, nicht ganz halb so lang als das 1., um die Hälfte länger als 
dick, das 3. und 6. Glied kurz, fast kugelig, das 4. und 5. ein 
wenig länger, um die Hälfte länger als breit, das 7. und die fol- 
genden zu einer kräftigen Keule verdickt, viel dicker als der 
Schaft, einzeln aber länger als dick, das 1 1 . um die Hälfte länger 
als das 10. 

Körper eiförmig, der Kopf unter dem Halsschild verborgen, 
Kopfschild ohne Stirnlinien. Ftihlerrinnen fehlen. Halsschild breit, 
subtriangulär. Flügeldecken gewölbt, mit vorgezogenen Schulter- 
ecken; eine das Seitendach von der Scheibe trennende Punktreihe 
ist vorhanden, aber undeutlich. Tarsen schmal, nicht erweitert, 
unterseits lang bewimpert, das Klauenglied walzenförmig, dick, mehr 
als doppelt so lang als das vorhergehende Glied, dieses daher weit 
überragend. Klauen auseinanderstehend, dünn, sichelförmig, un- 
gezähnt. 

Der Gattung IscJiyronota Weise im Umriß und Aussehen ähn- 
lich und nahe verwandt, durch viel dickere Fühlerkeule, winkelig 
vorgezogene Schulterecken, besonders aber durch das lange Klauen- 
glied verschieden. 

Von Macromonyclia, mit der sie das lange Klauenglied gemein 
hat^ ist Nabathaea durch den Mangel der Fühlerrinnen, die Form 
des Halsschildes und der Flügeldecken sowie die Bildung der 
Fühler verschieden. 

Nabathaea pygmaea nov. spec. 

Kurz eiförmig, gewölbt, mäßig glänzend, bräunlichgelb, nur 
die vier letzten Fühlerglieder pechbraun, das letzte mit hellem 
Spitzenfleck auf der Unterseite. Kopfschild wenig länger als breit, 
zur Fühlerwurzel sehr wenig verengt, ohne Stirnlinien, glänzend, 
mit wenigen eingestochenen Punkten und äußerst feiner Chagri- 
nierung. Das 4. und 5. P'ühlerglied wenig länger als das 3. und G. ; 
Halsschild subtriangulär, um die Hälfte breiter als lang, an der 
Spitze nicht ausgerandet, die Seiten bis knapp vor die Hinterecken 
schräg, schwach gerundet erweitert, dann zu den ganz verrundeten 
Hinterecken sehr wenig verengt, die Basis mit Ausnahme des 



I^oschicihiiii^ lUMior Cassididon iicItHt HynoiiyiniMclH'n Ii(',iin!rkim<(<Mi. 



27:5 



breiten, aber kurzen Hasalla|)j)ens ab<;esliit/,l, Scbeibe zieinlicb 
(lielit und tief, etwas runzclii^- punktiert, dazwiseben lein und dicbt 
punktuHert; am Vordaebe sind die l'unktc zu Querrissen zusanmien- 
i;ellossen, die dem Kande parallel laufen. Scbildcben ziemlicb ^roß, 
dreiecki«;-, an der Spitze abgerundet. Flügeldeeken wesentlicb breiter 
als der Halsscbild, doppelt so lang;, ibre Basis bis zu den Sebulter- 
beulen gerade, dann im Winkel ziemlicb stark vorgezogen, die 
Schulterecken vorne im Bogen gerundet, scbarfwinkelig, die Seiten 
dahinter sebr schwach eingebuchtet, in der Mitte wenig erweitert, 
hier am breitesten, am Ende breit verrundet; die Ränder sehr fein 
und kurz bewimpert, die Scheibe mit großen, tiefen, stellenweise 
gereihten Nabelpunkten, aus denen kurze Haarbörstchen entspringen, 
dicht besetzt, die Zwischenräume sehr schmal, zumeist kleiner als 
die Punkte, glänzend, sehr fein punktuliert; am Rande stehen zwei 
tiefe Punktstreifen, die die Scheibe vom Seitendache trennen, der 
innere erlischt bald hinter der Schulterbeule, die durch ihn besonders 
hervorgehoben wird, der äußere Streifen erreicht in ^/g seiner Länge 
den Rand des Seitendaches, das von da an sehr schmal ist; vorne 
ist es seicht, aber grob, ziemlich zerstreut und teilweise gereiht 
punktiert. Die Epipleuren sind an der Spitze schmal, ihr Innenrand 
aber bis dahin deutlich, scharfkantig. — 3-3X2 mm. 

Ein Stück mit der Fundortetikette Aden in meiner Samm- 
lung aus der Coli. Donckier. 

Nabathaea arabica nov. spec. 

Eiförmig, mit der größten Breite vor der Mitte, gewölbt, kaum 
glänzend, einfärbig gelb, die Spitze der Fühler kaum dunkler, 
Kopfschild zur Fühlerwurzel sehr wenig verengt, ^/^ länger als 
breit, mit einigen groben, tiefen Punkten und sehr feiner Punktu- 
lierung, glänzend, ohne Stirnlinien; das 4. und 5. Fühlerglied um 
die Hälfte länger als das 3. und 6.; Halsschild subtriangulär, um 
die Hälfte breiter als lang, vor der Spitze nicht ausgerandet, die 
Seiten bis knapp vor die Hinterecken schräg, in schwachem Bogen 
erweitert, dann verengt, die Hinterecken ganz verrundet, die Basis 
beiderseits des breiten Basallappens seicht geschweift, die Scheibe 
grob, aber sehr seicht und zerstreut punktiert und deutlich cha- 
griniert, die Seiten des Vordaches wenig deutlicher und dichter 
punktiert. Schildchen dreieckig, an der Spitze abgerundet, groß. 

Z. B. Ges. 61. Bd. 18 



274 



Franz Spaeth. 



Flügeldecken 2i/2mal so lang und etwas breiter als der Halsscbild, 
über dessen Hinterecken die vorgezogenen, ziemlicb scharfwinke- 
ligen Scbulterecken seitlich hinaustreten, die Seiten unmittelbar 
hinter diesen am breitesten, von hier bis zur Spitze schwach keil- 
förmig verengt, die Ränder sehr undeutlich und kurz bewimpert. 
Scheibe gewölbt, mit grober, ziemlich dichter Punktierung, zwischen 
welcher je 4 Rippen breiter, aber kaum höher als die anderen 
Zwischenräume sind. Zwischen der 1. Rippe und der Naht stehen 
die Punkte in 3 ziemlich regelmäßigen Reihen; in den Punkt- 
grübchen sind sehr feiue und kurze Härchen schwer sichtbar. Die 
doppelte Randpunktreihe ist durch eingestreute Punkte verworren, 
das Seitendach steil geneigt, vorne gewölbt, mit grober, zerstreuter 
Punktierung, außen fein gerandet. Epipleuren bis zur Spitze mit 
deutHch vom Außenrand getrennten Inneurand. — Länge 5X3*3 mm. 

Von der vorigen Art durch die Größe, die viel gestrecktere, 
verhältnismäßig längere Gestalt, insbesonders längere, hinten mehr 
zugespitzte Flügeldecken^ anderen Umriß (die größte Breite liegt 
viel weiter vorne), längeres 4. und 5. Fühlerglied, viel seichtere 
und zerstreutere Punktierung des Halsschildes, weniger dichte 
Punktierung der Flügeldecken, die Rippen auf den letzteren, kürzere 
Behaarung, andere Bildung der Randstreifen verschieden. — Arabien. 
Ich besitze 1 Stück, das ich unter den Doubletten der Coli. Baly fand. 

28. Crossocassis nov. spec. 

Körper eiförmig, mit langen weißen Börstchen besetzt. Fühler 
11 gliederig, das 1. bis 6. als Basalglieder zu betrachten, die fol- 
genden bilden eine lose, nach dem Ende stark verdickte Keule; 
das 2. Glied dick, etwas länger als breit, das 3. bis 6. schlank, das 
3. nur so lang als das 2., das 4. und 5. um die Hälfte länger als 
das 3., das 6. wie das 3., das 7. nach seinem Ende mäßig verdickt, 
das 8., 9. und 10. sukzessive mehr verdickt, kürzer als breit, das 11. 
groß und dick. Kopf unter dem Halsschild vollständig verborgen, 
der Kopfschild kaum länger als breit, durch tiefe Stirnlinien, die 
sich vor der Fühlerwurzel treffen, von dieser getrennt; Fühler- 
rinnen fehlen. Halsschild halbkreisförmig, ober dem Kopfe nicht 
ausgerandet, die Seiten bis zu den Hinterecken schräg erweitert, -j 
Flügeldecken gestreckt, gewölbt, mit 10 tiefen Punktstreifen; das 
Seitendach fällt senkrecht ab; die Epipleuren bis zur Spitze mit 



Hos('liroibiin}>' neuer ("assidideii uvhnt .synoiiymiselien n(Mneikmi;^a!ii. 275 



scliartein Jnnenrande. Tarsen schmal, walzeiiföruiig-, KlaueniL;;lic(l 
über das 3. Tarsen^licd kaum liinausra^eiid, Klauen mit einem 
sehr feinen, spitzen, durchsichtigen Jkisalzahn. 

In die Verwandtscliaft der vorigen Gattung gehörig, in dieser 
Gruppe durch gezähnte Klauen^ kürzeres Klauenglied, regelmäßige 
Streifen der Flügeldecken ausgezeichnet. 

Crossocassis pilosa nov. spec. 

Eiförmig, mit der größten Breite in den Schultern. Braun mit 
langer weißer Borstenbehaarung. Halsschild subtriangulär, an der 
Spitze vollgerundet, die Seiten bis zu den Hinterecken schräg er- 
weitert, hier kaum verengt, die Hinterecken ganz verrundet; 
Scheibe gewölbt mit seichter Punktierung, aus deren Grübchen 
lange weiße Haare entspringen, die den Untergrund ganz ver- 
decken; der Vorder- und Seitensaum glashell gesäumt. Schildchen 
dreickig, ziemlich groß. Flügeldecken mehr als zweimal so lang 
als der Halsschild, aber kaum breiter, die Basis abgestutzt mit 
nicht vorgezogenen, abgerundeten Schulterecken, die Seiten fast 
parallel, wenig, erst vor der Spitze stärker verengt, die Scheibe 
gewölbt mit 10 sehr tiefen und groben Punktstreifen, welche nur 
durch zwei Beulen unterbrochen werden: die erste in der Mitte 
des 3. und 4. Punktstreifens, die zweite vor der Spitze auf dem 
5. — 7., beide dicht und lang weiß behaart; das Seitendach durch 
einen tiefen Randpunktstreifen von der Scheibe getrennt, vor der 
Mitte mit einer tiefen Grube, tief punktiert, lang weiß bewimpert, mit 
einem schmäleren glashellen Saum als der Halsschild. — 3 7 X 2-5 mm. 

Ein Stück dieser sehr interessanten, besonders durch die 
lange Behaarung, die Beulen auf den Flügeldecken und die tiefen 
Punktstreifen auffälligen Art besitze ich aus der Sammlung 
Donckier; es stammt aus Dunbrody (?) im südöstlichen Afrika. 

29. Syngamhria nov. gen. 

Körper trapezförmig, vorne breit abgestutzt, in den Schultern 
am breitesten, zur Spitze keilig verengt, an der Spitze selbst breit 
gerundet abgestutzt; Kopf vollständig unter dem Halsschilde ver- 
borgen; der Kopfschild flach, zur Fühlerwurzel verengt, mit kaum 
angedeuteten feinen Stirnlinien, die am Augenrande verlaufen, die 
Augen wenig gewölbt; das letzte Tasterglied fast kugelig, stark 
verdickt, die Fühler 11 gliederig, lang, die ersten 7 Glieder glatt, 

18* 



276 



Franz Spaeth, 



unbehaart, glänzend, die letzten 4 behaart; das 1. Glied sehr gestreckt, 
das 2. wesentlich länger als breit, das 3. bis 5. sehr lang, dreimal 
so lang als dick und doppelt so lang als das 2., das 6. ein wenig 
kürzer, das 7. ebenso lang, schon etwas verdickt, das 8. bis 11. 
anwachsend stärker verdickt, alle doppelt so lang als breit. Das 
Prosternum hinten breit abgestutzt und ausgehöhlt, mit dem eben- 
falls vertieften Mesosternum eine große rautenförmige Grube bildend. 
Halsschild quer, annähernd dreieckig, vorne breit gerundet, nicht 
ausgerandet, an der Basis jederseits vorgezogen und vor den nur 
angedeuteten Hinterecken schwach ausgerandet. Flügeldecken in 
den Schulterecken vorgezogen, gemeinsam hoch gehöckert, mit 
Punktstreifen und einer tiefen Randreihe, Seitendach flach aus- 
gebreitet, sehr breit, zur Spitze nur sehr wenig verengt, die 
Epipleuren an der Spitze noch sehr breit, abstehend behaart. 
Schenkel sehr dünn, Klauen glatt, die Spitze des Klauengliedes in 
einen stumpfen Zahn endigend. 

Die durch die Körperform^ welche an Äspidomorpha erinnert, dann 
durch die Bildung der Fühler und des Prosternums sowie die schlanken 
Schenkel sehr ausgezeichnete Gattung wird auf Coptocycla Ändreae 
Bob. (M., III, p. 381) und C. hisinuata Bob. (M., III, p. 382) aufgestellt. 

30. Chirida Nickerli nov. spec. 

Botundata, convexa, nitida, flavotestacea, prothorace plaga 
magna hasali nigra, antice 6-emarginata maculis 5 flavis notata, 
elytris punctatostriatis , dorso toto usque ad protedum nigris^ 
maculis numerosis (24 — 26) irregularihus, flavis, leviter elevatis 
notatis. — ö X 5'5 — 6'D X 6 mm. 

Coli. Spaeth: Madagascar (a dorn. Dr. Nicherl data). 

Hochgewölbt, ziemlich kreisrund, bräunlichgelb, nur die Schei- 
ben des Halsschildes und der Flügeldecken schwarz mit glatten, 
glänzenden gelben Makeln. Der bekannten Chirida leopardina Bob., 
mit der sie anscheinend gemeinsam vorkommt, täuschend ähnlich, 
aber durch folgende Merkmale verschieden: 

Wesentlich größer (leopardina 5 mm) und höher gewölbt, die 
P'ühler einfarbig gelb (bei leopardina die letzten zwei Gheder 
dunkel), der Halsschild vorne weniger gerundet, außer den zwei 
birnförmigen Basal- und der vor ihnen stehenden Apikaimakel 
noch mit je einer kleinen Makel vorne außen, die aber zuweilen 



Besch reib Uli jJT neuer (^assididcu liebst synouvinisc Immi fl(Mn(Mkiiii;^(!ii. 277 

sclioii teilweise iiußerlialb des schwarzen Fleckes steht und daher 
ihn nur tief ausrandet. Sehildchen schwarz mit gelber Mitte, hei 
C/t. Icopard'üui f^elb. Flügeldecken ganz wie l)ei C7<. Icopardina 
gezeichnet, aber auch der letzte Zwischenraum, der bei dieser gelb 
ist, vor und hinter der Seitendachbriicke schwarz; die Makeln sind 
entsprechend größer, rund; eine steht an der Basis, groli, rund, 
4 hintereinander neben der Naht, 4 hintereinander in der Mitte 
der Scheibe, hievon die 2. näher der Naht, der 2. Makel der 
1. Reihe sehr nahe oder mit ihr teilweise zusammenfließend, 4 Makeln 
endlich am Außenrande der Scheibe, mit der hellen Färbung des 
Seitendaches zusammenhängend und die schwarze Scheibe aus- 
randend; die Punktstreifen sind fein und regelmäßig, der 2. zwi- 
schen der 1. und 2. Nahtmakel stark gebogen; das Seitendach ist 
breiter als bei Ch. leopardina, ganz glatt, bei letzterer dagegen 
mit verloschener Punktierung. 

Chlrlda j)unctata Weber vom malaiischen Archipel stimmt mit 
Ch. Nickerli m. in Größe, Umriß und Zeichnung außerordentlich 
tiberein und sieht ihr daher sehr ähnlich; sie ist durch die helle Makel 
vor dem Mittellappen des Halsschildes, den bis zur Seitendach- 
brücke hellen letzten Zwischenraum auf den Flügeldecken, zahl- 
reichere, weniger regelmäßige, im allgemeinen höher erhabene Re- 
liefmakeln, schwarzes Schildchen, gelbe Umrahmung desselben, 
vorne stärker gerundeten Halsschild, schmäleres Seitendach, längeren 
und schmäleren Umriß verschieden. 

Nachtrag. Zu Cassida romula nov. spec.^) S. 269: Schulter- 
ecken spitzwinklig, schwach verrundet; die Seiten bis zur Mitte er- 
weitert, hinten breit verrundet; die Scheibe mit 10 bis zur Spitze gleich 
kräftigen groben Punktstreifen mit leicht gewölbten Zwischenräumen. 
Seitendach breit, vorne breiter als die Hälfte einer Decke, flach aus- 
gebreitet, dicht runzelig punktiert. Die schwarzen Flecke der 
Scheibe verdichten sich außen und fließen am Außenrande der 
Scheibe zu einer die beiden Äste des Seitendaches verbindenden 
Längsbinde zusammen; im Innenteil der Scheibe eine größere Makel 
und hinter ihr eine Querbinde. Klauen einfach. 



^) Der hier angefügte Teil der Beschreibung ist durch ein Versehen 
ausgefallen. 



278 



Paula Demelius. 



Beitrag* zur Kenntnis der Cystiden. 

Von 

Frau Paula Demelius. 
I. 

(Mit Tafel L) 
(Eingelaufen am 4. November 1910.) 

Hiermit übergebe ich einen Teil der Ergebnisse mehrjähriger 
Beschäftigung mit den Agaricineen der Öffentlichkeit. Weitere Bei- 
träge sollen folgen. Die ältere Literatur über diesen Gegenstand findet 
sich erschöpfend zusammengestellt in: Wettstein, Zur Morphologie 
und Biologie der Cystiden bei Cojmnus- Arten. 1887. — Weiters 
wären noch zu nennen: Istvanffy, Untersuchungen über die phy- 
siologische Anatomie der Pilze mit besonderer Berücksichtigung 
des Leitungssystems bei den Hydnei, Thelephorei und Tormentellei. 
Pringsheim, Jahrb., 1896. — Steinhaus, Analytische Agaricineen- 
Studien. Erste Serie. Hedwigia, 1888. — Voglino, Nuovo Giornale 
Botanico Italiano, Vol. XIX, Nr. 3, 1887. — Voglino, Atti del R. 
Instituto Veneto, Vol. IV, Ser. VI, 1886. — W. Ruhland, Zur 
Kenntnis der intracellularen Karyogamie bei den Basidiomyceten. 
Botau. Zeitung, 1901, S. 187. — George Massee, F. L. S., A Mouo- 
graph of the genus Inocyhe Karsten, 1904. — Biffen, On the 
Biology of Collyhia velutipes. Journ. of the Linn. Soc.^ Vol. XXXIV, 
1899, p. 147. — Herm. Heese, Die Anatomie der Lamelle und 
ihre Bedeutung für die Systematik der Agaricineen. Inaug.-Diss., 
Berhn, 1883, Referat im Bot. Centralbl., Bd. XVII, 1884, S. 69. — 
J. M. de Seynes, Apercus sur quelques points de Forganisation des 
Champignons sup6rieurs. Ann. sc. nat., 5. Ser., Vol. I, p. 231 f. — 
Patouillard, Tabulae analyticae fungorum. 1. Serie und 2. Serie, 
1886. — Bresadola, Fungi Tridentini, II, Fase. VH!— XIH. — 
S. Stockmayer, Beiträge zur Pilzflora Niederösterreichs. Verhandl. 
der zool.-bot. Gesellsch., 1889, S. 387. — In Voglino, Atti del R. etc., 
1886, findet sich ein Verzeichnis der bis zu diesem Zeitpunkte in 



B(Mtr;ij;- /.iir K(Mintnis der Cysti<l('ii. 



279 



beziig auf liasidieii, Cystiden und Sporen abgebildeten Arten nebst 
Angabe der betreflendcn Werke. 

leb babe niieb, was die Namen betrilVt, durcbwegs an Fries 
gebalten und Herr llofrat Franz llitter v. lloebnel batte die 
auOerordentHcbe Liebenswürdigkeit, meine Bestimmungen durcli- 
zuseben und zu bericbtigen, wofür icb ilmi an dieser Stelle meinen 
aufricbtigsten Dank abstatte. Ebenso warm danke icb aucb dem 
Leiter der botanischen Abteilung des k. k. Hofmuseums Herrn 
Kustos Dr. Zablbruekner für die Erlaubnis zur Benützung der 
Bibliothek und des Materials des Museums, den Herren Adjunkten 
Dr. Rechinger und Dr. Keissler für ihre freundliche Unter- 
stützung, sowie Herrn Dr. Stock mayer in Unter waltersdorf, dem 
ich für die Anregung und Anleitung zu dieser Arbeit ganz besonders 
verpflichtet bin. Die von mir untersuchten Pilze stammen aus dem 
Wiener Wald, der Umgegend von Aussee (Steiermark), dem Leitha- 
gebirge und der sich davor erstreckenden Ebene; die mit Unter- 
waltersdorf bezeichneten ausnahmslos dem dort befindlichen Parke 
des Freihofes Schöngrabern. 

Sämtliche hier besprochenen Pilze haben vier Sterigmen, die 
Breite der Sterigmen ist nicht angegeben, da sie sehr geringe 
Unterschiede aufweist. Den Ausdruck Paraphysen glaube ich auf 
jene Zellen beschränken zu sollen, deren Form, wie bei den Coprinis, 
wesentlich von der der fertilen Basidien abweicht. In den übrigen 
Fällen erscheint mir der von Heese vertretene Ausdruck „sterile 
Basidien" oder noch besser: derzeit nicht fertile Basidien (bei 
länger lebenden Pilzen, z. B. Lepiota-, Amanita- und Tricholoma- 
Arten findet man oft alle Stadien der Entwicklung von der sterilen 
Basidie bis zur Basidie mit reifen Sporen an einer Lamelle) passender. 
Gemessen wurden sie nur, wenn der Größenunterschied ein bedeu- 
tenderer war. Den Ausdruck Cystiden gebrauche ich in der ge- 
wöhnlichen Bedeutung, nicht wie Massee, der ihn nur jenen 
Formen beilegt, welche eine Absonderung zeigen. Über die bio- 
logische Bedeutung der Cystiden möchte ich mir kein abschließendes 
Urteil erlauben, aber es scheint mir, unbeschadet der Funktionen, 
welche ihnen von den verschiedenen Forschern zugeschrieben 
werden, daß sie in manchen Fällen ein Abwehrmittel sind gegen 
winzige Schädlinge aus dem Tierreich. Die Cystiden von Panus 



280 



Paula Demelius. 



stipticus oder Mycena cohaerens müßten jedenfalls ein Eindringen 
sehr erschweren. 

Nach Phoebus (vgl De Bary, Morphologie der Pilze etc., 
S. 170, Leipzig, 1866) sind die Cystiden bei manchen Arten inkon- 
stant, so bei Galera lateritia, Inocyhe geophylla, Contharelliis auran- 
tiacus. Dasselbe könnte der Fall sein bei Collyhia confltiens, Mycena 
lineata, Lactarius torminosus^ Lentinus adhaerens, bei welchen mein 
Befund von dem Bresadolas, Patouillards und Voglinos ab- 
weicht, 

Die gefärbten Cystiden und Sporen sind auf der Tafel 
leicht getont. 

TricJioloma chrysenteron Bull. (Vgl. Taf. I, Fig. 1.) 

Sporen oval, manchmal an einer Seite leicht zugespitzt, 7*2 bis 
9-6 fj. : 4-8 schwach rosa, ßasidien keulenförmig, 28 ^ : 4-8 — 7 f.i. 
Sterigmen 7*2 ^ti lang. Cystiden flaschenförmig, 36 — 48 ^u: 7-2 — 12 j«, 
gleichmäßig über das Hymenium verteilt, nur an der Schneide 
etwas häufiger. Trama aus parallelen Hyphen bestehend. Hut 
4 cm Durchmesser, Stiel 7 mm Durchmesser, Länge des Stieles 5 cm. 

Buchenwald. Brodersdorf, auf Erde. 

TricJioloma cognatum Fr. (= arcuatum Bull.). (Fig. 2.) 

Sporen oval, rosa, mit 1 — 2 Öltropfen, 9 — 9*6 /i : 6 ^w. Basidien 
keulenförmig, 24 ^ : 4 8 — 7*2 (.i. Sterigmen 6 ^ laug. Cystiden 
spindelförmig, 52— 60 |W : 14 ^it, sehr häufig. Trama aus parallelen 
Hyphen bestehend. Hut 8 cm Durchmesser, Stiel 1 cm Durchmesser, 
Länge des Stieles 8 cm. 

Nadelwald. Aussee, auf Erde. 

TricJioloma atrocinereum Pers. (Fig. 3.) 

Sporen oval, an einem Ende zugespitzt, hyalin, 7'2 — 9*6 ^ : 4*8 
Basidien keulenförmig, 28*8 (.i : 7-2 ^. Sterigmen 7*2- 8-4 ^. Cy- 
stiden spindelförmig, 43 ^ : 6 (.i, nicht zahlreich. Trama aus parallelen 



1) Das Gleiche gilt offenbar für Polyporus hispidiis, für welchen Stock- 
mayer a. a. 0., S. 396 „raubvogelschnabelförmige" Cystiden angibt. Wie ich 
aus dem von Herrn Dr. Stockmayer mir vorgelegten Präparate ersah, sind 
die Cystiden sehr auffallend, spitz, kegelförmig, mitunter gerade, meist ist 
die Spitze hakenförmig gekrümmt. An den von mir untersuchten Exemplaren 
dieser Art aber fand ich die Cystiden sehr spärlich, oft gar nicht vorhanden, 
spitz kegelförmig mit stets gerader, niemals hakig gekrümmter Spitze. 



Beitraf? zur Kenntnis (l(;r Cystidcn. 



281 



Ily])lien bestellend. Hut b^j^cm Durchmesser, Stiel lein Durch- 
messer, Länge des Stieles () cm. Geruch alkalisch. 

Ober-St. Veit, Tiergartenwiese. 

Collyhia confluens Fr. (Fig. 4.) 

Sporen unregelmäßig, herzförmig (in der Seitenansicht oval und 
in eine gekrümmte Spitze ausgezogen), mit einem Oltropfen, rosa, 
9*6 f.i:l'2 f.1. Basidien schmal, sich nach unten nur wenig verjüngend, 
36—7-2^. Sterigmen 7 2 — 8 4 Cystiden spindelförmig, 72^: 
7'2 — 12 jf/, an der Schneide häufig, sonst vereinzelt. Trama zeigt 
bogig verflochtene IJypben.^) Hut 2—3 cm Durchmesser, Stiel 3 mm 
Durchmesser, Länge des Stieles 4 — 7 cm. 

Hietzing, Roter Berg, Wiese. 

Collyhia esculenta Fr. (Fig. 5.) 

Sporen oval, manchmal an einer Seite zugespitzt, hyalin, 1-2 u: 
4'S (X. Basidien schmal, sich wenig verjüngend, 24^i:4-8|t<. Sterig- 
men 4:'S f.1. Cystiden verkehrt flaschenförmig, 57'6 : 14'4 fast 
immer von einer Kugel bekrönt, welche bei Daraufsicht gelb er- 
scheint. Sie ist weder in Wasser, noch in Glyzerin, noch in der 
Fixierungsflüssigkeit (einem Gemenge von Alkohol 10 ^/q, Formal- 
dehyd 10% und Wasser 80 7o) löslich. Die Cystiden sind zahl- 
reich und gleichmäßig über das Hymenium verteilt. Die Trama 
zeigt bogig verflochtene Hyphen. Die Epidermis des Hutes ist mit 
einzelnen Haaren besetzt, 24 — 48 : 4*8 f.i^ auch finden sich ein- 
zelne in kugelige Zellen eingeschlossene Kriställchen von dunkel- 
brauner Farbe. Hut 1 — 2 cm Durchmesser, Stiel 1 — 2 mm Durch- 
messer, Länge des Stieles 7 — 15 cm, mit der behaarten Wurzel ge- 
messen. 

Mauer, unter Laub, im Wald. 
Mycena lineata Bull. (Fig. 6.) 

Sporen oval, hyalin, 7*2 ^ : 4-8 ^. Basidien keulenförmig, 19 bis 
24 : 7-2 ^, mit 4 Sterigmen. Sterigmen 6^. Cystiden teils 
oval, blasig wie bei Coprinus micaceus, teils flaschenförmig, 33 bis 
38 (tt : 8-4 — ll'4^a, ziemlich häufig, gleichmäßig über das Hyme- 

^) Patouilhird, 'J'abulae aiialytic<ae fungornm, Neue Folge, 2. Serie, 
1886, Fascicule VII, gibt für Collyhia confluens keine Cystiden an. 

2) Voglino, Atti del R. Institute Veneto, Vol. IV, Ser.VI, 1886, gibt 
für Mycena lineata 2 Sterio^men und keine Cystiden an, 



282 



Paula Deraelius. 



nium verteilt. Trama besteht aus parallelen, bogig geschwungenen 
Hyphen. Die Epidermis des Hutes zeigt Körnchen und Kry stalle 
von gelber Farbe den Hyphen ein- und aufgelagert. Hut 1^/2 cm 
Durchmesser, Stiel 1 — 2 mm Durchmesser, 6 — 6^/2 cm lang. 

Alt-Aussee. Stummern-Alpe. Zwischen Moos auf Erde. 

3Iycena umhellifera Schaeff. (Fig. 7.) 

Sporen oval, hyalin, 1'2 ^ : 4'8 ft. Basidien 28 (.1 : 7*2^, keulen- 
förmig. Sterigmen 4*8 ^t. Cystiden spindelförmig, 50 — 57 ^i: 7-2^ 
bis 14 |tt, häufig, regelmäßig verteilt. Tramahyphen parallel, gegen 
die Mitte der Lamelle sehr breit. Hut Vj^ cm Durchmesser, Stiel 
3 mm Durchmesser, S^/g — 4 cm lang. 

Ischlerkogel. Tannen- und Buchenwald, auf Holz. 

Omphalia campanella Batsch. (Fig. 8.) 

Sporen oval, manchmal an einem Ende zugespitzt, hyalin, 
7*2 IL : 2*4 I.L. Basidien keulenförmig, 19 ^ti : 7*2 ^t, sterile Basidien 
kleiner. Sterigmen 5*4 ^x. Cystiden walzenförmig, 43 : 7 2 bis 
8'4 fi, ziemlich häufig, fehlen manchmal an der Schneide. Hyphen 
der Trama bandförmig verflochten. Die Epidermis des Hutes zeigt 
vereinzelte kurze Haare, die Hyphen enthalten Bläschen oder 
Körnchen, ähnlich wie sie De Seynes^) für Tricholoma terreum 
beschreibt. In den äußeren Hyphen sind gelbbraune Körner ab- 
gelagert. Hut 1 cm Durchmesser, Stiel 1 — P/2 mm Durchmesser, 
Länge des Stieles 1 cm. 

Lerchenreith, Sarsteinweg, auf morschem Nadelholz. 

Hygrophorus pratensis Pers. (Fig. 9.) 

Sporen oval, hyalin, 5*4 — 6*6 : 3 6 — 4-8 ^.i. Basidien schmal 
und langgestreckt, 36 (.1 : 4'8 fi. Sterigmen 3-6 ^. Cystiden stachel- 
bis haarförmig, bO(.i:3 — 7*2^, ziemlich zahlreich, an der Schneide 
gehäuft. Trama aus kurzen, länglichen Hyphen bestehend. Epi- 
dermis des Hutes mit Haarbüscheln besetzt, die einzelnen Haare 
ähneln den Cystiden in der Form, sind aber viel länger. Hut 
2^/2 — 4 cm Durchmesser, Stiel ^/g — 1 cm Durchmesser, Länge des 
Stieles 2^2 — ^Vb 

Mauer — Roter Stadel, Wald, auf Erde. 



1) J. M. de Seynes, Apercus sur quelques points de rorganisation des 
Charapignous sup^rieurs. Ann. sc. nat, 5. Ser., Vol. I, p. 231 f. 



Büitrji},' zur Kcmitiiis der (^ystidcn. 



283 



Lact ar ins torminosus SchaclV. (Fig*. lO.'j 

Sporen kui^*elig*, staclielig-, liyaliii, 4*8 — 7*2 f.t. Basidicii kculcn- 
förniig-, "24 : 1-2 (,1. Stcrigmen 4 8 ^t. Cystiden spindclOH-mif^*, 40 (.i 
bis üO : 7*2 — 9'6 //, nicht zahlreich. Trania aus rundhlasi^^en 
Zellen bestehend. Hut G cm Durchmesser, Stiel 13 mm Durch- 
messer, Länge des Stieles 4 — 5 cm. 

Brodersdorf, Waldweg, im Grase. 

Lactarlus serifluns Fr. (Fig\ 11.) 

Sporen kugelig, stachelig, schwach rosa, 6'6^ : 12f.i. Basidien 
keulenförmig, 28 : 7*2 ^. Sterigmen 4 8 ,a. Cystiden spindel- bis 
flaschenförmig 74^*: 7*2 — 14^, an der Lamellenschneide gehäuft. 
Trama zeigt lange, manchmal parallele, manchmal verschlungene 
Hyphen (s. De Bary, Vergl. Morphologie und Biologie der Pilze, 
1884). Hut 3^/2 cm Durchmesser, Stiel 8 mm Durchmesser, Länge 
des Stieles 5 — 572 cm. 

St. Veiter Waldparzelle. Gemischter Laubwald, auf Erde. 

Lactarius tlieiogaliis Bull. (Fig. 12.) 

Sporen kugelig, stachelig, hyalin, 7-2 — 9*6^. Basidien schmal 
und langgestreckt, 28 : 7*2 — 9*6 ^i. Sterigmen 4 8 11 — 7*2 (.i. Cy- 
stiden haar- bis spindelförmig, 36 — 45 6 ^ : 7*2 — 9 6 ^.i^ an der 
Schneide gehäuft. Trama aus rundblasigen Zellen bestehend. Hut 
4^2 — 8 cm Durchmesser, Stiel 9 — 12 mm Durchmesser. Länge des 
Stieles 3 — 6 cm. 

St. Veiter Waldparzelle. Gemischter Laubwald, auf Erde. 

Lactarius chrysorrhetis Fr. (Fig. 13.) 

Sporen kugelig, stachelig, hyahn, 7*2 — 8 4 ^a, Basidien keulen- 
förmig, 24 — 28 : 7 2 — 9-6 sterile Basidien bedeutend kleiner, 
19 — 24(.i:ß — 12jÄ. Sterigmen 7 2 ^u. Cj'-stiden spindelförmig zu- 
gespitzt, 50 (,1 : 8-4— 9 6 (,1. Trama zeigt bandförmig verflochtene 
Hyphen, an den Seiten meist rundblasige (s. De Bary, Verglei- 
chende Morphologie und Biologie der Pilze etc., 1884). Hut 572 cm 
Durchmesser, Stiel 17 mm Durchmesser, Länge des Stieles 3 cm. 

Aussee, Nadelwald, auf Erde. 



^) Voglino, Nuovo Giornale Boümico Italiano, Vol. XIX, Nr. 3, 1887, 
gibt für Lactarius torminosus keine Cystiden an. 



284 



Paula Demelius. 



Lactarius sonarms Bull. (Fig. 14.) 

Sporen kugelig, stachelig, mit einem Oltropfen, gelblich, 7*2 ^f, 
Basidien keulenförmig bis länglich, schmal, 36 : 4-8 ix. Sterigmen 
7*2^. Cystiden flaschenförmig, die Spitze bisweilen hakig oder 
mit einem Knopf versehen, sehr häutig, ziemlich regelmäßig ver- 
teilt, 60/^: 7*2 — 10 ,a, reichen manchmal weit in die aus rund- 
blasigen Zellen bestehende Trama. Hut 8 cm Durchmesser, Stiel 
1^2 cm Durchmesser, Länge des Stieles 3— 4 cm. 

Brodersdorf, gemischter Wald, auf Erde. 

Lentinus adhaerens Albertini und Schweinitz. (Fig. 15.) 

Basidien keulenförmig, 28 (a, : 6-6 — 7*2 ^t. Sterigmen 4-8 ^ 
lang. Cystiden walzen- bis spindelförmig, 12(.i:9'ß — 12 ^t, ziem- 
lich gleichmäßig über das Hymenium verteilt, nur am zentralen 
Ende der Lamellen etwas häufiger, Trama aus parallelen Hypheu 
bestehend.*) Hut 2 cm Durchmesser, Stiel 6 — 10 mm Durchmesser. 
Länge des Stieles 3 cm. 

Heiligenkreuz, Buchenwald mit einzelnen Tannen, gruppen- 
weise an Baumstrünken. 

Mycena cohuerens Pers. {Marasmins ceratopus Pers.). (Fig. 16.^) 

Basidien keulenförmig, 28*8 ^ti : 6 ^. Sterigmen 7-2 ^ lang. Cy- 
stiden gelbbraun, stachelförmig bis spindelförmig, bisweilen in zwei 
Spitzen gegabelt, 48 — 12f.i:l-2 — 12 ^i^, reichen manchmal bis in 
die Trama der Lamelle. Das ganze Hymenium ist dicht damit 
besät. Trama besteht aus parallelen Hyphen. Hut 1 cm Durch- 
messer, Stiel 1 — 2 mm Durchmesser, Länge des Stieles 5 cm. 

In der Wüste, Laubwald, auf Erde. 

Cortinarius firmus Fr. (Fig. 17.) 

Sporen oval, in eine Spitze ausgezogen, 9 6 : 4*8 ^t, mit einem 
Öltropfen^ gelbbraun. Basidien keulenförmig, 19 — 24 ^ : 4*8 — 6 (j. 
Sterigmen 7-2 ^ lang. In regelmäßigen Abständen finden sich dunkel- 



^) ßresadola, Fung-i Tridentini, U, Fase. VUI— X, gibt für Lentinus 
adhaerens keine Cystiden an. 

2) Wie mir Hofrat v. Höhnel mitteilt, dessen Liebenswürdigkeit ich die 
Berichtigung meiner Bestimmungen und damit die Möglichkeit dieser Zu- 
sammenstelhmg verdanke, sind die Cystiden von M. ceratopus bereits bekannt. 
Da ich in der Literatur aber weder eine Erwähnung noch eine Abbildung 
derselben fand, führe ich dieselben hier an. 



ncitrn^^- /IM" K«'nnliiis der ( 'y.sti(I<'ii. 



hrmmc sterile l^asidicn (('yatiden), 20 : 4 8 u, kculcnriuniin- wie 
die tVrtileu. Traiiia zei^t \n)^\^ verflocliteiie llyplieii. Hut ö em 
Durcliniesser, Stiel ein Diircliinesser, Liln<;e des Stichi.s üeiii. 

Kodaun, Laubwald, auf Erde. 

PcLilUns involutus Batscli. (Fig. 18.) 

Sporen oval, manclinial an einer Seite leielit zngespit/i, 7'2ft: 
4'8 ^t, gelbbraun. Basidien keulenförmig, 28 : (3 — 7*2 a. Sterignien 
7-2 ^ lang-. Cystiden gelbbraun, linear, spitz, die Spitze manehnial 
hakig gebogen, manchmal in einen Knopf endend, 52 ^t: 7*2/^, 
besonders häufig an der Schneide, namentlich an dem zentralen 
Ende der Lamelle. Trama besteht aus parallelen Ilyphen. Durch- 
messer des Hutes 7 — 8 cm, des Stieles 1 — P/2 cn», Länge des Stieles 
3 — 3 ^/g cm. 

Weigelsdorf, Auwald, auf AViese. 

Faxillus leptopus Fr. (Fig. 19.) 

Sporen oval, mit einem Oltropfen, gelblich, 7 2^: 4 8 ^. Basi- 
dien keulenförmig, nach unten sehr verschmälert in die Trama über- 
gehend, 24 1.1 : 1-2 j.L. Sterigmen 7*2 lang. Cystiden spindelförmig, 
bisweilen linear oder kegelförmig, mit spitzen oder abgerundeten 
Enden, farblos, aber auch gelb- bis dunkelbraun, 48 f.i : 7*2 — 9 6 ^, 
gleichmäßig über das Hymenium verteilt. Trama aus parallelen 
Hyphen bestehend. Hut 2^/2 — 3^/2 cm Durchmesser^ Stiel 7 mm 
Durchmesser, Länge des Stieles P/g — 2 cm. 

Unter waltersdorf, Park, auf Erde. 

Paxillus atrotomentosus Batsch.^) (Fig. 22.) 

Sporen oval bis elliptisch, mit 1 — 2 Öltropfen, 4*8 — 5-4 : 

3- 6 /i^, gelblich. Basidien sehr kurz, keulenförmig, 18 : 6 Sterigmen 

4- 2 Cystiden flaschenförmig, 30 — 36^:8-4^, in ziemlich regel- 
mäßigen Abständen über das Hymenium verteilt. Trama besteht 
aus parallelen Hyphen. Hut 5 cm Durchmesser, Stiel 1^2 — ^ cm 
Durchmesser, Länge des Stieles 2^/2 em. 

Brodersdorf, Eichen- und Föhrenwald, an Baumstrünken und 
auf der Erde. 



^) Bei allen drei Paxillus-Avien finden sich im Hymenium zahlreiche 
gelb- bis dunkelbraune Körnchen. 



286 



Paula Demelius. 



Paxillus lamellirugus DC. var. ionipus Qu61. 

Sporen oval, bisweilen an einem Ende zugespitzt, hellgelb. 
Basidien keulenförmig, 28 jw: 1-2 f.L Sterigmen 7*8 ^it lang. Cystiden^) 
schmal, spindelförmig, 38*4^: 7-2^, an der Schneide etwas häufiger, 
aber über das ganze Hymenium verteilt. Trama besteht aus pa- 
rallelen Hyphen, Durchmesser des Hutes 2^2 — '^Va Stieles 
5 — 12 mm, Länge des Stieles 18 mm. 

Unter waltersdorf, Park, an alten Brettern. 

Panus süpticus Bull. (Fig. 20.) 

Basidien langgestreckt, schmal, 19 — 24 ^ : 4 8 Sterigmen 
4'8 ^L. Cystiden schmal spindelförmig bis linear, mit spitzen bis 
zugespitzten Enden, 40— 50 : 2 4 — 7*2^, in Büscheln von 5 — 8, 
an der Schneide bis 14, über das Hymenium verteilt, dazwischen 
manchmal einzelne. Die netzartigen {„lamellae reticulato-connexae" 
Fries) Leisten der Lamellen sind dicht mit gelbbraunen Körnchen 
oder Kriställchen besetzt. Trama besteht aus bogig verflochtenen 
Hyphen. Durchmesser des Hutes l^j^—^ cm, des Stieles 5 — 8 mm, 
Länge des Stieles 7— 10 mm. 

Mauer, Eichenwald, an morschen Eichenstrünken. 

Flammula spumosa Fr. (Fig. 21.) 

Sporen elliptisch, ockergelb, 7 : 4 6 (.i. Basidien schmal, kurz, 
21 ^ : 4*8 ^. Sterigmen 4*8 ^ lang. Cystiden flaschenförmig, 64 fi : 
14 — 19 ^, sehr zahlreich, über das Hymenium verteilt. Meist ist 
der obere, seltener der untere Teil der Cystide mit einer ocker- 
gelben Masse erfüllt, die sehr scharfe Konturen zeigt. Auch findet 
man entleerte Cystiden, bei welchen die Spitze fehlt. Bei Darauf- 
sicht auf die Lamelle sieht man viele Sporen an den Cystiden 
haften. Die Schneide zeigt meist farblose, linearej schmale Cystiden. 
Im Hymenium finden sich ockergelbe und graue Kristalle. Trama 
besteht aus parallelen Hyphen. Durchmesser des Hutes 3^/3—4^/2 cm, 
des Stieles 4 — 6 mm, Länge des Stieles 3 — 5 cm. 

Alt-Aussee, Fuchsbauernwald, Tannen und Buchen, auf Erde. 

Form der Cystiden gleich denen des L. torminosus Seh. (Fig. 10). 
2) Auch die von Patouillard, Tab. anal., Fase. VII, abgebildeten 
walzenförmigen Cystiden des Panus rudis sind manchmal von Büscheln ste- 
riler Basidien umgeben, welche weit über die übrigen vorragen. 



Verhandl. der Ick. zool.-bot. Ges., rp^^ j Paula Demelius: 

Band LXI, 1911. ' ' Beitrag zur Kenntnis der Cystiden- 




Autor delin. 



Hciti-n«; zur KoimtniH <l('i' Cystidcii. 



287 



Erliläriiii^ der Abbil<luiii::eii. 
Tafel I. 

¥\ff. 1. Iricholoma chryscntheron B. 

„ 2. Trichuloma cognatum Fr. — arcuatum W. 

„ 3. Tricholoma atro einer eiim Pcrs. 

„ 4. Collybia confluens Fr. 

„ 5. Collybia eseulenta Fr. 

„ 6. Mycena lineata B. 

„ 7. Mycena umhellifera Scli. 

„ 8. Omphalia campanella Batsch. 

„ 9. Hygrophorus pratensis Pers. 

„ 10. Lactarius torminosus Sch. 

„ 11. Lactarius serifluus Fr. 

„ 12. Lactarius theiogalus B. 

„ 13. Lactarius chrysorrheus Fr. 

„ 14. Lactarius zonarius B. 

„ 15. Lentinus adhaerens A. et S. 

„ 16. Marasmius ceratopus Pers. = Mycena cohaerens Fr. 

„ 17. Cortinarius firmus Fr. 

„ 18. Paxillus involutus Batsch. 

„ 19. Paxillus leptopus Fr. 

„ 20. Panus stipticus B. 

„ 21. Flammula spumosa Fr. 

„ 22. Paxillus atrotomentosus Batsch. 



Beitrag* zur Kenntnis des Genus Chilosia 
Meißen (Dipt.). 

Von 

Eduard Michl. 

Mit 2 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 11. Februar 1911.) 

In seiner „Revision der Gattung- Chilosia Meigen"^) konnte 
Tb. Becker den größten Teil des umfangreichen Materiales an 



Nova acta der Kaiserl. Leop.-Carol. Deutschen Akademie der Natur- 
forscher, Vol. LXII, Nr. 3, Halle, 1894. 



288 



Eduard Michl. 



paläarktisclien Cbilosien im kaiserlichen Museum zu Wien nicht 
beriicksichtig-en. Eine freundliche Anregung von selten des Herrn 
Kustos A. Handlirsch gestattete mir, die Determination dieser 
zumeist unbestimmt gebliebenen Dipteren an der Hand der zitierten 
Arbeit durchzuführen, wobei mir die darin enthaltenen Bestimmungs- 
tabellen ganz vortreffliche Dienste leisteten. 

Bei denjenigen Formen der erwähnten Dipterengattung, bei 
denen nur die Beinfärbung als diagnostisches Merkmal verwendet 
ist, bereitet die Bestimmung insoferne manchmal einige Schwierig- 
keiten, als die Färbungsverhältnisse, insbesonders beziighch der 
Beine, unter Umständen gewissen Schwankungen unterworfen sind 
und bei denselben Spezies verschieden sein können. Frisch aus- 
geschlüpfte Cbilosien erhalten, wie viele andere Dipteren, ihre de- 
finitive Färbung oft erst durch späteres Nachdunkeln; auch scheinen 
nicht zu selten Standortsverschiedenheiten eine Rolle zu spielen. 
Häufig kann man die Beobachtung machen, daß Exemplare aus 
der Ebene lichter gefärbt sind als Angehörige derselben Spezies, 
die aus dem Gebirge stammen. 

Und so blieben mir auch einige Cbilosien übrig, deren Be- 
stimmung namentlich der aberranten Beinfärbung wegen nicht 
möglich war. Herr Stadtbaurat Th. Becker, dem diese Stücke 
eingesandt wurden, bestimmte dieselbeu in dankenswerter Weise, 
mit Ausnahme von zwei Cbilosien, die er mit nov. spec. bezeichnete 
und deren Beschreibung nachstehend gegeben sei. 

1. Chilosia similis nov. spec. cT. 

Verbreitungsbezirk: Schlesien (Altvater, leg. Dr. Penther). 

Nigro nitida; oculis pilis bnmneis; epistomate nigro nudo 
minime poUinoso; antennis rufis; tertio articulo fere rotundato; seta 
nigra puhescente; thorace pilis hrunneis longiorihusque nigris; scutello 
pilis nigris; squamis alhis; halterihus fuscis; ahdomine pilis fuscis; 
femorihus nigris; geniculis tibiisque hasi tertia ex parte et apice 
late rufis; tarsis rufis, anticis ahhreviatis; extremo articulo infuscato; 
alis infuscatis. — Long. corp. 12, alar. 10' 5 mm. 

d". Schwarz glänzend, ohne Bestäubung des Thoraxnotums, 
mit bläulichem Schimmer. Die Augenhaare sind mittellang und 
durchwegs von schwarzbrauner Farbe. Das Gesicht glänzend 
schwarz mit kaum merklicher Bestäubung. Der Gesichtshöcker tritt 



ncitra«;" zur Kenntnis (l(\s (J(>nns Chilosia M(M;^('n fDipt.)- 



289 



(loiitlich hervor und ist von (UMn cbenCiills dcutlicli hervortretenden 
Miindhöcker durch eine QuerCurche gescliicden. Die Antennen sind 
rothraun, das dritte fast kreisrunde Glied ist hehorstet, (his erste 
verdunkelt. Die Borste ist von mittlerer Länge, schwarz und zeigt 
schon bei mäßiger Vergrößerung (10 mal) die deutliche Puhcszenz. 
Der hintere Augenrand ist von gelbbraunen Haaren besetzt. Stirn 



Fig. 1. Chilosia simüis m. 
In der Profilansicht. — Vergr. 20 : 1. 

und Scheitel sind unbestäubt und schwarz beborstet. Die Behaarung 
des Thorax ist von kürzeren und längeren Haaren gebildet. Pro- 
thorax und der vordere Teil des Mesothorax sind gleich Schultern 
und Brustseiten mit braunen Haaren besetzt. Der restliche Teil 
des Thorax sowie Scutellum tragen bedeutend längere schwarze 
Haare. Einen Kranz lichtbrauner Haare weist das Scutellum an 
seinem unteren Rande auf. Die Schüppchen sind gelblichweiß mit 
ebenso gefärbten Wimpern. Halteren bräunlich mit dunklerem 
Kopf. Die Gestalt des Abdomens ist elliptisch; seine Farbe schwarz 

Z. B. Ges. 61. Bd. - 19 



290 



Eduard Michl. 



mit schwarzgrünem Glänze, matt bestäubt. Die Behaarung auf 
Ober- und Unterseite ist durchwegs von braungelben Haaren ge- 
bildet, ohne einer Spur von Einmengung schwarzer Haare an den 
Rändern der einzelnen Abdominalsegmente. Die Schenkel sind, die 
äußerste braune Spitze ausgenommen, schwarz. Die Knie, das 
erste und letzte Drittel aller Schienen gelbbraun oder die Schienen 
gelbbraun mit einem breiten dunklen Ring auf ihrer Mitte. Alle 
Tarsenglieder sind gleichfalls von gelbbrauner Farbe; das letzte 
Tarsengiied ist etwas verdunkelt und die Vordertarsen verkürzt. 
Die Flügel sind deutlich braun tingiert. Die Quer- und Längsadern 
dunkelbraun. Die vena spuria allein wird erst auf der Flügelmitte 
deutlich und läßt sich erst von da in ihrem Verlaufe zum Hinter- 
rand verfolgen. Die Spitzenquerader mündet in einem spitzen 
Winkel in die dritte Längsader ein. 

Chilosia similis m., die Herr Th. Becker mit der Bezeichnung 
,^tarsis anticis ablreviatis^^ zurücksandte, gehört zu jenen Chilosien, 
die durch die gemeinsamen Merkmale „Augen behaart, Gesicht 
nackt, Schildchen beborstet" in der eingangs genannten Monographie 
zu einer Gruppe vereint sind, und steht innerhalb dieses Formen- 
kreises der Chilosia melanura Beck. (Egg. in litt.) am nächsten. 
Die nachstehende Gegenüberstellung gibt die wichtigsten Unter- 
schiede an. 



Gesichts- und Mund- 
hücker im Profil . . 

Augenhaare 

Abdomen 



Scliienen 



Tarsen 



Chilosia melanura Beck. 

wenig vortretend, 
oben braun. 

neben der braungelben Be- 
haarung schwarze Haare 
an den Vorderwinkeln 
des II. und den Hinter- 
rändern der übrigen Seg- 
mente. 

schwarz; das erste Drittel 
und die Spitze sind gelb- 
braun. 

alle Glieder schwarz. 



Vordertarsen nicht ver- 
kürzt. 



Chilosia similis Michl. 

stark vortretend. 

durchwegs braun. 

durchwegs braungelb be- ^ 
haart, ohne eine Einmen- i|| 
gung schwarzer Haare 
an den Segmenten. 



schwarz; das erste und 
dritte Drittel sind gelb- 
braun. 

alle Glieder braun, das 

letzte verdunkelt. 
Vordertarsen verkürzt. 



Beitrag»' zur IvcnufiiiH (I<'h (Jcniis (ViUoshi Mcij^cii (Dipt.). 



Beide Arten finden sicli im selben Faunengebiet (Schlesien); 
CJiilosia mclanura Beck, ist außerdem aus Galizien und den Alpen- 
ländern bekannt geworden. 

2. Chilosia longicornis nov. spec. 9. 

Verbreitungsbezirk? (Das Exemplar trägt nur die Bezeichnung 
„alte Sammlung".) 

9. Nigro-acnca; epistomate ociiUsque malis; antennis rufis; 
terfio articido rectangulo longo; seta nigra longe xiilosa; thorace pilis 
hrevibus flavis depressis; scutelli margine 
longiorihus setis validis octo; abdomine 
pilis flavis depressis, in segmentonm I et 
II marginihus erectis; squamis alhis; hal- 
terihus paUide hrunneis; pedibus nigris; ge- 
nicidis nigro-brunneis ; alis levissime brun- 
neo-tinctis. — Long. corp. 8, alar. 7 mm. 

9. Schwarz, wenig glänzend; Tho- 
raxnotum bestäubt. Die Augen sind nackt. 
Das Gesicht ohne Behaarung, matt glän- 
zend, fein bestäubt. Der Gesichtshöcker 
und besonders der Mundhöcker tritt ver- 
hältnismäßig wenig vor; beide sind durch 
eine flache Querfurche deutlich getrennt. 
Die Antennen sind von brauner Farbe, 
das letzte Glied stark verlängert, von fast 
rechteckiger Form, mehr als zweimal so 
lang als breit. Die Borste ist von mittlerer 
Länge, schwarz und zeigt schon mit freiem 
Auge betrachtet die deutUche Behaarung, 
Falle gut als Fiederung anzusprechen ist. 
ist von feinen weißen Härchen besetzt. Die Stirne und der schwarz 
beborstete Scheitel sind von schwarzer Farbe, kaum bestäubt; die 
Stirne trägt gelbe kurze Haare, die nach vorne niedergekämmt 
scheinen und weist auf ihrer Mitte eine runde flache Vertiefung auf 
(deform?). Die Behaarung auf Thorax, Schultern, Brustseiten und 
Schildchen ist gelb, niedergedrückt. Der Rand des Schildchens 
trägt acht längere Borsten von schwarzer Farbe. Schüppchen weiß 
it gelbem Rand und hellen Wimpern. Halteren gelbbraun. Die 

19* 




Fig. 2. 

Chilosia longicornis ra. 

In der Profilansicht. 
Vergr. 20 : 1. 

welche im vorliegenden 
Der hintere Augenrand 



292 



Eduard Michl. 



Gestalt des Abdomens ist oval, an der Basis etwas verengt; seine 
Farbe ist schwarz mit schwacli metallischem Glänze. Die Behaarung 
auf Ober- und Unterseite ist von kurzen gelben Haaren gebildet, 
die überall niedergedrückt sind^ ausgenommen an den Seitenrändern 
der zwei vorderen Segmente, wo die hellen Haare länger sind und 
von der Insertionsfläche deutlich abstehen. Auch der Hinterrand 
des letzten (fünften) Segmentes trägt einige längere Haare von 
heller Farbe. Die Beine sind schwarz, die Knie braun. Die Flügel 
sind nur wenig dunkel tingiert. Die Spitzenquerader mündet in 
einem spitzen Winkel in die dritte Längsader ein. 

Chilosia longicornis m. gehört zu der Chilosiengruppe mit 
nackten Augen. Der Versuch, die eben beschriebene Spezies zu 
determinieren, führt auf Chilosia faucis Beck., der sie jedoch nicht 
gleichgestellt werden kann. 



Gesichtsliöcker im Pro- 
fil 



JH. Antennenglied 



Chilosia faucis Beck. 

spitz-, fast unter einem 
rechten Winkel vortre- 
tend. 

länglich oval mit pubes- 
zenter Borste. 



Chilosia longicornis Michl. 



stumpf; wenig vortretend. 



lang gestreckt von fast 
rechteckiger Form, mit 
stark behaarter Borste. 



Läßt man die Form des HL Antennengliedes oder das Trofil 
allein als vorzügliches Merkmal für die systematische Verwandt- 
schaft gelten, so steht Chilosia longicornis m. der Chilosia Schineri 
Egg. und Chilosia twiformis Beck, recht nahe. Die Form des 
UL Antennengliedes ist bei den drei Arten eine ähnliche, die Ge- 
sichts-, respektive Mundhöckerbildung fast dieselbe. Chilosia Schineri 
Egg. und Chilosia uviformis Beck, gehören aber ganz verschie- 
denen Verwandtschaftskreisen an. Die erstere hat ihren Platz in 
der Gruppe von Chilosien, deren gemeinsame Merkmale in den be- 
haarten Augen^ dem nackten Gesichte und dem beborsteten Schild- 
chen bestehen; Chilosia uviformis Beck, gehört hingegen jener 
Gruppe an, die von der erwähnten durch das nicht beborstete 
Schildchen systematisch gut geschieden ist. 

Die Variabilität in der Färbung ist bei den Chilosien eine 
weitgehende. Sie erstreckt sich auf die der Beine, der Antennen 



Hoitraj,' /ur KcnntiiiN dos (Jciiiis ClnlnsHi McMf^cii H^ipt.). 



(namentlich des dritten Gliedes) und hei stärker hehaartcn Formen 
auch auf die Behaarung. So stecken in der Samndung des kaiser- 
liehen Museums zwei der weit verhreiteten ('Jnlosld caukiilarls 
Panz. vom Schneeher^', deren Thoraces der sonst normalen, teil- 
weise lichteren Behaarung ganz enthehren. Ein der hunten 
Cliilosla vcstracea L. aus dem Kaukasus, die auffallendste Art der 
Gattung-, trägt auf der Stirne statt der schwarzen Haare fuchsrote. 
Von den Antenuengliedern sind nur das erste und zweite ganz 
schwarz, das dritte ist hraunrot. Außerdem sind die sonst schwarzen 
Schienen hraun. Von Chilosia grossa Fall, besitzt das Museum ein 
fast durchwegs fahlgelb behaartes Exemplar, dessen Artzugehörig- 
keit aber wie in den obigen Fällen außer allem Zweifel steht. 



I Zwei neue Arten der Staphyiiniden-Gattung* 
Lathrimaeum Er. 

Von 

IG. Luze (Wien). 
(Eingelaufen am 13. Februar 1911.) 
1. Latlirimaemn Hoiibali noT. si)ec. 
Kopf dicht und ziemlich fein punktiert. Halsschild relativ 
groß, flach gewölbt, so dicht wie der Kopf und merklieh stärker 
als dieser punktiert, am Vorderrande hinter den Augen jederseits 
deutlich ausgebuchtet, nach vorne etwas stärker als nach rückwärts 
verengt, die Hinterwinkel ziemlich scharf, vor denselben jederseits 
ohne Ausbuchtung, am Hinterrande mit einem V-förmigen Eindrucke, 
vor demselben längs der Mitte rinnig vertieft, so daß beide Ver- 
tiefungen einen mehr oder weniger vollständigen, nach rückwärts 

I gerichteten Pfeil bilden. Flügeldecken etwas mehr als doppelt so 
lang wie der Halsschild, ziemlich flach, stärker als der Halsschild 
punktiert, die Punkte mit deutlicher Neigung zur Reihenbildung, 
die Punktreihen halb versenkt erscheinend. 
Fühler schlank, die vorletzten Glieder nicht quer. 



294 



G. Luze. 



cf. Unterseite der Schienen des ersten Beinpaares mit kräf- 
tiger, stumpfzahniger Erweiterung. 

Länge 3 — 3 5 mm. — Fundort: Kaukasus occid. (Krasnaja 
Poljana). 

Drei Exemplare. Typen in der Kollektion Roubal und in 
meiner Sammlung. 

In der Färbung mit atrocephalum Gyll. Ubereinstimmend. Von 
diesem durch den relativ großen Halsschild, die beträchtlich kürzeren 
Fitigeldecken und deren Punktierung, durch viel flachere Gestalt 
sowie durch stärkere Bezahnung der Vorderschienen im männlichen 
Geschlechte verschieden. Diese Form wurde mir von Prof. J. Roubal 
aus seiner Sammelausbeute vom Kaukasus (VII. 1910) 'als liama- 
tum m. zugeschickt. Letzteres hat aber — abgesehen von Habitus 
und Größe — wie melansoceplialum Iiiig. eine deutliche Ausbuch- 
tung jederseits vor den Hinterwinkeln des Halsschildes sowie be- 
trächtlich kürzere Fühler. 

3. Lathrimaeiim laterale nov. spcc. 

Kopf fein und ziemlich dicht, vorne fast erloschen punktiert. 

Halsschild kräftig gewölbt, der Vorderrand geradlinig ver- 
laufend, nach vorne etwas mehr als nach rückwärts verengt, die 
Hinterecken rechtwinkelig, vor denselben kaum ausgebuchtet, längs 
der Mitte schwach geradlinig, vor dem Hinterrande leicht V-förmig 
niedergedrückt, beträchtlich stärker und weitläufiger als der Kopf 
punktiert; die Punktierung an den Seiten kräftiger und weit- 
äufiger, so daß hier ein stärkerer Glanz wie auf der Scheibe er- 
scheint. 

Flügeldecken mehr als doppelt so lang wie der Halsschild, 
beträchtlich stärker als dieser punktiert, die Punkte ohne Neigung 
zur Reihenbildung. 

Fühler schlank, die vorletzten Glieder kaum quer. 

cT. Schienenbildung am ersten Beinpaare wie bei atroceplia- 
lum Gyll. 

Länge 3 mm. — Fundort: Kaukasus occid. (Krasnaja Poljana). 
Ein Exemplar. In der Färbung mit atrocephalum Gyll. über- 
einstimmend. 



Zwei neue Arten <lor Stapli} liiiidni (J:it(iiii^^ Lnlhri nuiniui V.v. ^I>i> 

Von demselben durch relativ grolien llalsschild, (lurcli die be- 
trächtlich stärkere und weitläuligere Punktierung sowie durch den 
Glanz hinlänglich verschieden. 

Dieses Exemplar, das ich meiner Samndung einverleibe, fand 
ich in dem mir von Prof. Koubal zugesendeten Untersuchungs- 
materiale in Gesellschaft des lioiibali ni., von dem es aber wesent- 
lich verschieden ist. 



Artemisia nitida Bert. nov. var. Timauensis 
in der Carnia') im italienischen Friaul.') 

Von 

Anton Wolfert. 

(Eingelaufen am 23. Februar 1911.) 

Unter den für die Zentralkette der Karnischen Alpen öster- 
reichischen und italienischen Anteiles sowie für das benachbarte 

^) Von Nachkommen der alten keltischen Karner, die sich hier ansie- 
delten, bekanntlich so benannt, ist die Karnia das nördliche, von dem Ge- 
birgszuge der Karnischen, die Verbindung der Sextener Dolomiten mit den 
Julischen Alpen herstellenden sowie die Wasserscheide gegen das Taglia- 
mentogebiet und mit Ausnahme einer kurzen Strecke bei Pontebba-Pontafel 
zugleich die Keichsgrenze gegen Italien bildenden Zentralkette und dem Taglia- 
mento einerseits, ferner der Fella und oberen Piave andererseits begrenzte 
Territorium von Italien im Friaul, beziehungsweise in der Provinz Udine. Sie 
umfaßt 1228 km^ der italienischen Spezialkarte Fol. 13 (Ampezzo-Carnico) und 
Fol. 14 (Pontebba) mit etwas über 57.000 Bewohnern in 28 Gemeinden, darunter 
die Sprachinseln Zahre (Sauris, bestehend aus den Ortsgruppen: Maina, 900 m; 
Latteis, 1225 m; Sauris di sotto, 1212m; Feld, 1271m und Sauris di sopra, 
1363 m), Orfer, Tischlwang (Timau), 830 m und Klalach (Cleulis), 906 m, in 
welchen die deutsche Sprache, beziehungsweise ein ganz eigentümlicher, stark 
mit friaulischen Ausdrücken untermischter, schwer verständlicher tirolisch- 
kärntnerischer Dialekt Umgangssprache ist. 

^) Die an Kärnten grenzenden Gebiete des Königreichs Italien, mit Aus- 
nahme des Tales von Sappada, zur Provinz Udine gehörig, werden unter dem 
Namen Friaul, italienisch Friuli, vom lateinischen Forum Julii, zusammen- 
gefaßt, womit jedoch mehr ein ethnographischer als politischer Begritf ver- 
bunden erscheint. 



296 



Anton Wolfert. 



Gebiet derselben bisher nicht publizierten Pflanzen ^) befindet 



^) Diese werden aus der vom Verfasser demnächst zur Veröffentlichung 
gelangenden, mit einigen interessanten Vegetationsbildern ausgestatteten „Flora 
der Karnischen Alpen österreichischen und italienischen Anteiles" nebst Bei- 
trägen zur Flora benachbarter Gebiete, insbesondere der Venetianer Alpen 
sowie des denselben vorgelagerten Hügellandes bei Gernona, Tarcento, Osoppo 
und San Daniele del Friuli, ersichtlich sein. Aus der Liste derselben seien 
hier einstweilen angeführt: Woodsia glabella R. Br. (Plöckenpaß, M. Pal piccolo 
im Val Grande, Zellonkofel in der unteren und oberen Collinetta, Kollinkofel- 
abstürze gegenüber der Gas. Val di Gollina, Aufstieg von der obern Valentin 
zum Wodner-Törl etc.), Äspleniiim fissum Kit. (Felsenspalten am Fuße des 
Zellonkofelturmes über der unteren Collinetta bei ca. 1800 m, d. i. im obersten 
Teile des vom Zellon zum Plöckenpaß herabziehenden Rückens), Opliioglossum 
vulgatiim L. (auf der sogenannten Katzenleiter-Tratten am rechten Ufer des 
Plöckenbaches gegenüber dem Bildstöckl unter dem Leitersteige; überdies am 
Fuße des M. Pal piccolo im Val Grande), Unica von Äbies alba Mill., Picea 
excelsa (Lam.) Lk., Larix decidua Mill. und Fagus silvatica L. (Valentintal, 
besonders Hinterraut, dann Kreuzberg nächst Eder und Tillacher sowie Lam- 
precht-Albl am Fuße der Hinterjochwiesen), Tiilipa silvestris L. (Arnoldstein; 
auch im Friaul zwischen Magnano in Riviera und Tarcento), Lloydia sero- 
tina (L.) Rchb. (schattenseitige Felsrasen sowie Felsenspalten und Rillen am 
Fuße des Kollinkofels in der oberen Collinetta etc.), Ornitliogdlum pyrenaicum L.« 
(Zellonkofel über der unteren Collinetta mit Paradisia liliastrum (L.) Bert., 
Eryngimn alpinum L., Gentiana lutea L., Pediciilaris Hacquetii Graf, Serratula 
Vulpii Fisch.-Oost. etc. (Arnoldstein— Gailitz, Maglern), Ophrys muscifera Huds. 
(Edei- am Kreuzberg über Mauthen), 0. fucißora (Cr.) Rchb. (linkes Gailitz- 
ufer unterhalb Stoßau), Orchis Spitzeiii Saut. (Mooskofel in der Valentin), 
Änacamptis pyramidalis (L.) Rieh. (Arnoldstein, Valentintal), Nigritella sua- 
veolens Koch und N. Heufleri Kern. (Mooskofel in der Valentin, Pizzo Collina 
über der Scaletta) Gephalanthera alba (Cr.) Simk. und C. longifolia (L.) Fi-itsch 
(Eder am Kreuzberg über Mauthen), Epipogium apTiyllum (Schm.) Sw. (Laub- 
wälder im Valentintale, Plöcken, Plöckenpaß), Pseudorcliis Loeselii (L.) Gray 
(Arnoldstein), Callianthenium anemonoides (Zahlbr.) Schott. (Übeltalklamm am 
Plöckenwege), Isopyrum thalictroides L. (Arnoldstein; auch im Friaul mit 
Tulipa silvestris L., Scilla bifolia L., Polygonatum multißorum (L.) All., Galan- 
thus nivalis L., Leucoium Vernum L. und aestivum L., Crocus neapolitanus 
(Kern.) Asch., Äristolochia p)cillida WüM. etc.), Epimedium alpinum L. (Stoßau 
an der Gailitz, Mauthen— Wetzmann, Eder am Kreuzberg. In den rechts- 
uferigen Gailitz-Auen, beziehungsweise an Waldrändern und auf waldigen, 
felsig-buschigen Hügeln daselbst mit Polygonatum multiflorum (L.) All., Con- 
vallaria majalis L., Iris graminea L., Helleborus niger L., Vinca minor L., 
Aposeris foetida (L.) Less. etc., stellenweise in größter Menge; sehr häufig 
auch mit Erythronium dens canis L., Iris graminea L. und Aposeris foetida 



Arft misid iiiffi/ti Bert. nov. var. TiiiinuciiNis in der Caniia im ilal. l'^riaiil. 207 



sich iiiu'li eine der Arlcnil^la nitida Bert. = Arlemisia „lanata^^ 

(L.) Less. in J.aubwiilderu an dor Ledra unterhalb Sii.saiiH näclist S. Daniele 
(Icl Friiili etc.), Saxifraga aphylla Stcrnb^. (Nach L. Kellers Beiträge zur 
Flora von Kärnten in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1902, S. 79, augeblich 
auf Felsen am Valentinsattel hinter Mauthen bei 2100 ui. Diese bereits er- 
folgte Publikation sei hier deshalb wiederholt, um die Aufmerksamkeit der 
Botaniker auf die genannte Lokalität zu lenken, an der die Spezies weder 
von mir noch von Dr. v. March esetti und anderen, vor und nach dem Ge- 
währsmanne hier anwesenden Floristen beobachtet worden ist. Höchstwahr- 
scheinlich dürfte eine Verwechslung mit der am Valentintürl und sonst im 
Gebiete vorkommenden S. sedoides L. vorliegen. Fächer führt als Standort 
für S. aphylla nur das Münzfeldeck an. Ich fand diese Art nebst Rammculus 
Traunfcllneri Hoppe am 31. August 1895 in Menge auf den Knappenböden 
über Schnann im Stanzertale). Bosa pomifera Herrm. (Valentintal), Vicia du- 
metorum L. (Kreuzberg hinter Mauthen), Viola pinnata (Von L. und M. Gor- 
tani für die Flora Friulana eliminiert, aber an felsig-schotterigen Stellen am 
Fuße des Pizzo di Timau zwischen der gleichnamigen Ortschaft und dem Fon- 
tanon, beziehungsweise der Ausmündung des von der Casera Pal grande über 
den Plöckcnpaßweg zum Kio Colliua herabziehenden Baches nicht selten. Ende 
April, anfangs Mai-, der zackigen, vielteilig-zipfeligcn Blätter wegen aber auch 
später nicht leicht zu übersehen). Hacquetia epipuctis (Scop.) DO. (Arnold- 
stein — Gailitz), Astrantia carniolica Wulff. (Wasserfall hinter Arnoldstein), 
Pirola chlorantha Sw. (Wälder zwischen Mauthen und Wetzmann-, in Massen- 
vegetationen sondergleichen in den Auen der Gailitz unterhalb Stoßau), P. media 
Sw. (Gailitz- und Gailauen bei Arnoldstein mit voriger und P. rotimdifolia (L.), 
ferner nebst Lycopodium clavatum L., Nigritella nigra (L.) Rchb., Arnica mon- 
tana L. etc. in großer Menge in Teppichen von Callana vulgaris (L.) Hull. an 
buschigen Plätzen in südwestlicher Kichtung über der Gas. Collinetta di sotto 
bei ca. 1500 m), Primula elatior (L.) Schreb. (Arnoldstein), Primula ciliata 
Mor. (nebst P. auricula L., Sesleria varia (Jacq.) Wettst., JDraha affinis Host, 
Saxifraga Burseriana L., Bliodothamnus chamaecistus (L.) Rchb., Erica car- 
nea L., Glohularia cordifolia L. etc. auf später mit Saxifraga caesia L., Poten- 
tilla nitida L., P. caulescens L., Bupleurum petraeiim L., Gentiana Chisii Perr 
et Song., Veronica honarota L., Campanida linifolia Scop., C. thyrsoidea L., 
Leontopodium alpinum Gass. etc. geschmückten Abstürzen des Kollinkofels 
zum Geröllkessel der Cianevate sowie gegen die Malga Val di Collina, über- 
dies häufig an Felsen oberhalb eines Schneegrabens am Aufstiege von der 
unteren Valentinalpe zum Gamsalbl), Douglasia Vitaliana (L.) Hook. (Von Dr. 
phil. Herrn. R. v. Guttenberg angeblich auf der Forca di Plumbs auf Schiefer 
am 16. Juli 1904 aufgefunden, bisher aber weder vom Verfasser noch von 
sonst jemanden daselbst beobachtet. Die mir vom Gewährsmanne mitgeteilten 
Belegexemplare sind trotz der großen Verschiedenheit in der Bodenunterlage 
von der nämlichen, am Schiern in Südtirol vorkommenden Art der Gattung 



298 



Anton Wolfert. 



Willd.i) nahestehende, vom Verfasser am 21. Juli 1899 aufge- 
fundene Form, deren Zugehörigkeit zu der genannten Spezies auf 
den ersten Blick befremdet und zu deren Charakteristik folgendes 
bemerkt sei: 

Wurzel ein- bis mehrköpfig, primäre Achse ungefähr 25 — 45 cm 
hoch, aus bogigem Grunde aufstrebend, unten schwach behaart, 
gelblichgrüu, oben seidenhaarig weißgrau, zumeist traubig-ästig, 
oft fast rutenförmig, seltener einfach traubig, mit einer einfachen 
Traube endigend. 

Blütenköpfchen fast kugelig, gestielt und überhängend, 3 bis 
6 mm im Durchmesser, beiläufig um die Hälfte kleiner wie bei 
der typischen Form, zahlreich, bis zu 75, aber auch bis 150 und 
darüber. Blüten gelb, nach an 25 Köpfchen verschiedener Exemplare 
vorgenommenen Untersuchungen zwischen 20 und 33 variierend, 
im Mittel mithin 26blütig; Blättchen des Hauptkelches filzig, ei- 
förmig-länglich, am Rande trockenhäutig, niemals ins Rötliche 
spielend; Blütenlager zottig. 

Blätter beiderseits dicht seidenhaarig weißgrau, die unteren 
gestielt, dreiteilig-vielspaltig, mit s§hr feinen, linealisch-lanzettlichen, 
bis 15 mm langen, selten über 1 mm breiten Zipfelchen, die oberen 
und blütenständigen sitzend, fiederspaltig, oberste Floralblätter 
stets ungeteilt. 

Blätter der unfruchtbaren Stengel dicht rasig-rosettig, an der 
Basis des Blattstieles der spärlichen Behaarung wegen oft auffallend 

kaum zu unterscheiden). Ändrosace helvetica (L.) Gaud. (in den Wänden des 
Kollinkofels über dem geröllerfüllten Felskessel der Cianevate oder Keller- 
schlucht), Omphalodes verna Much. (Arnoldstein, Valentintal beim Eder und 
Tillacher), Cymhalaria muralis G. M. Sch. (Mauern, Felsblöcke und Gerolle 
am Fuße des Pizzo di Timau bei der gleichnamigen Ortschaft, sehr häufig und 
daselbst bis ca. 1200 m emporsteigend), Artemisia nitida Bert. (Zellon- und 
Kollinkofel jenseits des Plöckenpasses, Dobratsch über Arnoldstein) und JEchi- 
nops sphaerocephalus L. nov. var. muUicephalus Wolfert. (Auf Schieferschutt 
am Eisenbahndamme unterhalb Thörl— Maglern — leg. K. Benischke — in 
sehenswerten, in bezug auf Stengelhöhe — 2*5 m und darüber — , Verzweigung 
des Blütenstandes — ramosissimus — und Köpfchenzahl desselben — 50 bis 
70 — bisher wohl kaum beobachteten Exemplaren.) 

^) Ehedem und wohl auch noch heute gebräuchlicher, aber falscher und 
als solcher in der zweiten Auflage der Fritsch sehen Exkursionsflora für 
Österreich zwischen Anführungszeichen gesetzter Artname. 



Arfniiisia iiitlihi Hcrt. nov. vnr. 'rinuinrusis in dci" Caniia im ital. I''riaiil. 

«;elblicligrliii, im iibri<;en wie die der hiiitcntnigciiden Stcnj^cl 
silheri^Ttiii seiden haarig-. 

Die oft zaldreiclicii, bis 7AI K) sekundären Achsen auiVeeht 
abstehend, mitunter zurliekgckrUmmt, bis 2 m und darüber lan^, 
ein- bis vielköpfig. — Die ganze Pflanze von starkem^ eigenartig- 
aromatischem Gerüche.^) 

In Gesellschaft von Sesleria varia (Jac((.) Wettst., Dianlhus' 
sUvestris Wulf. var. Inmillor, Draba affinis Host, Saxifnuja Hostli 
Tausch, S. Burseriana L. und S. caesia L., Potentilla arenaria 
Borkh., Coronilla vaginalis Lam., llhammis pumila L., Viola pin- 
nata L., Bupleurum petraeum L., Äthamanta cretensis L., Laser- 
pitimn lafifolium L. und siler L., Frimida auricula C, Teiicriiim 
cliamaedrys L. und montana L., Satureia montana L., aS'. thymifolia 
L. und nepetoides (Jord.) Fritsch, Cymhalaria mtiralis G. M. Sch., 
Veronica fruticidosa Jacq., Glohidaria cardifolia L., Plantago mon- 
tana L., Galimn purpureum L., Campamda linifoliq Scop., Saus- 
sitrea discolor (Willd.) DC, Centaurea Triumfetii All. und scahiosa 
L. var. Badensis Tratt. etc., in großer Menge und in zumeist sehr 
üppigen, oft bis zu 30 stengeligen Rasen in und unter den schroffen 
Wänden am Fuße des Pizzo di Timan (Devonkalk) zwischen der 
gleichnamigen, 832 m Seehöhe aufweisenden Ortschaft und dem 
ca. 150 m höher gelegenen Fontanon, 1000 — 1500 m, in vereinzelten 
Exemplaren auch schon an w^eit tiefer gelegenen Punkten. 

Von Ärtemisia nitida Bert, mithin durch meistens sehr ästige 
und daher reichköpfigere Infloreszenzen mit beinahe um die Hälfte 
kleineren, eine etwas größere Blütenzahl aufweisenden, niemals ins 
Rötliche ziehenden Köpfchen, etwas feinere Laubteikmg, höheren, 
zumeist buschenweisen Wuchs und einer durch diese Merkmale 
bedingte andere Tracht sowie durch einen weit niedrigeren Stand- 
ort und einen spezifisch aromatischen Geruch verschieden.-) 



^) L. und M. Gortani führen diese Pflanze in ihrer Flora Friulana con 
speciale Riguardo alla Carnia, Parte seconda (Udine, 1906), p. 483, fälschlich 
als Ärtemisia glacialis L. ß. MutelUna (Vill.) an und bemerken dabei: Carnia, 
Eupi calcaree daU'alta reg. mont. aU'alp., rara: Pizzo di Timau, 1200—1500 m. 
LugL, Sett. — Oberraut (dial. ted. di Timau). 

^) Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein, Direktor des Botanischen Gartens 
und Institutes der k. k. Universität Wien, hatte die Güte, die Pflanze eingehend 



300 Anton Wolfert. Ärtemisia nitida Bert. nov. var. Timaiiensis etc. 



Ich benenne die Pflanze, deren Vorkommen in den Karnischen 
Alpen wie in den österreichisch-italienischen Alpen überhaupt wohl 
nur auf die namhaft gemachte Lokahtät beschränkt sein dürfte, 
nach der in unmittelbarer Nähe ihres Standortes befindlichen Ort- 
schaft Timau als Ärtemisia nitida Bert. var. Timauensis Wolfert 
und bemerke zugleich, daß Exemplare derselben sowohl dem Bota- 
•nischen Institut der k. k. Universität Wien wie auch der botanischen 
Abteilung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums, ^) als in den 
Herbarien dieser Institute bisher nicht vertreten, einverleibt wurden. 



zu untersiiclien und mit allen in Betracht kommenden Arten zu vergleichen. 
Das bezügliche, dem Verfasser schriftlich mitgeteilte Resultat lautet: „Die 
Pflanze steht einzig und allein der Ärtemisia nitida Bert, nahe, von der sie 
sich hauptsächlich durch die nahezu konstante stärkere Verzweigung des Blüten- 
standes, die etwas größere Anzahl der Blüten eines Köpfchens und die be- 
deutendere Stengelhöhe unterscheidet. Ich möchte befürworten, die Pflanze 
nicht als eigene Art neu zu beschreiben, dazu ist sie von A. nitida doch zu 
wenig scharf getrennt, doch wäre es sehr zweckmäßig, ihr einen Namen zu 
geben und sie als Form der A. nitida zu beschreiben. Ich schicke unter einem 
das ganze mir überbrachte Materiale zurück mit Ausnahme von zwei Spann- 
bögen, die ich mit Ihrer Erlaubnis dem Herbarium unseres Institutes ein- 
gefügt habe." 

^) Die im Herbar des k. k. naturhistorischen Hofmuseums erliegenden, 
von Rupert Huter in den Pustertaler Dolomiten gesammelten sowie die am 
Fuße der Mendel und auch noch anderwärts in Südtirol vom Verfasser beob- 
achteten Exemplare der A. nitida Bert, mit etwas ästigem, mehr oder weniger 
kleinköpfigem Stengel stehen der oben beschriebenen Form zwar nahe, sind 
mit ihr aber doch nicht identisch. 



ri)or iiiululatoriscil«' ncwc^^uiif,' Itci FiscluMi. 



Uber undulatorische Bewegung- bei Fischen. 

Von 

Dr. Günther Sclilosinger. 

Mit G Figuren im Texte. 
(Fingelaiifen am 20. März 1911.)') 

Einleitung. 

Ein flticlitiger Blick auf die Fülle von Wirbeltieren, welche 
Meere und Süßwasser zu ihrem ausschließlichen Aufenthalt erwählt 
haben, belehrt uns hinlänglich über die Mannigfaltigkeit von Körper- 
formen dieses Lebensgebietes. 

Eingehenderes Beobachten zeigt uns einerseits die stete Wieder- 
kehr ähnlicher, oft sogar gleicher Grundzüge im Gesamtbau, 
andererseits einen unverkennbaren Zusammenhang zwischen diesem 
und den Lebensgewohnheiten des Tieres. 

Von den drei Hauptpunkten, welche in der Lebensweise einer 
Form vornehmlich in Betracht kommen und sich am schärfsten in 
der Morphologie des Organismus spiegeln, sind es vor allem Auf- 
enthalt und Lokomotion, die, meist in enger Beziehung zu- 
einander, auf den Gesamthabitus rückwirken, während die Er- 
nährungsweise in der Regel nur die bezüglichen Organe um- 
bildend beeinflußt. 

Der Grund, daß die Bewegungsart bei Wassertieren am Bau 
des ganzen Körpers in die Erscheinung tritt, wo sie bei Land- 
bewohnern doch in der Mehrzahl der Fälle vorwiegend die Loko- 
motionsorgane verändert, ist wohl in der größeren Widerstandskraft 
des umgebenden Mediums, wie auch in der Tatsache zu suchen, 
daß bei aquatischen Tieren meist der Gesamtkörper an der Fort- 
bewegung mitbeteiligt ist. 



^) Das Thema wurde als Vortrag in der Sitzimg der Sektion für 
Paläontologie und Abstammungslehre am 15. März 1911 gehalten. 



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Günther Schlesinger. 



Die Erkenntnis dieser Wechselwirkung zwischen Form und 
Leben hat zur AufsteUung mehrerer ethologischer Grund- 
schemen oder Typen unter den Wasserwirbeltieren geführt und 
mit dieser zur Trennung dreier gemeinsamer Lebensbezirke: Ben- 
thos, Plankton und Nekton. 

Die Tatsache, daß ein aus gleichen Daseinsbedingungen re- 
sultierender gleicher Reiz von den verschiedensten Organismen 
mit einer parallelen oder konvergenten Umformung beantwortet 
wird, berechtigt uns zu Rückschlüssen aus der Form auf die Lebens- 
weise. Allerdings ist dabei einerseits eine gründliche Untersuchung 
der verschiedensten Vergleichspunkte, womöglich auch die Bestäti- 
gung durch einzelne direkte Beobachtungen des Tiers in seiner na- 
türlichen Umgebung geboten, andererseits kann oftmals eine weit- 
gehende Übereinstimmung deshalb nicht erwartet werden, weil ja 
die Adaptionsfähigkeit eines Organismus durch Grenzen eingeengt 
ist, welche mit seiner Organisationshöhe gegeben sind. Niemals 
dürfen wir von einem in einer bestimmten Richtung bereits hoch- 
speziaHsierten Organ die gleiche Plastizität erwarten, welche ein 
primitives zeigt. 

Trotz all dem haben wir damit eine Methode gewonnen, welche 
für die Biologie rezenter Formen ebenso unerläßlich ist wie für 
die paläotyper. 

Besonders klar treten die vorerwähnten Wechselbeziehungen 
hervor, wo ein direkter Reiz unmittelbar den Körper trifft, wie dies 
bei der Ernährung und Bewegung der Fall ist. 



Die Bewegung durch Undulation. 

In der weitaus überwiegenden Mehrheit der Fälle geschieht 
die Bewegung des Fisches durch den Schwanz, und zwar ist bei 
sehr guten Schwimmern die Schwanzflosse in fortgesetzter pro- 
pellerartiger Tätigkeit. Durch einen Muskelzug wird das meist ge- 
gabelte, endgestellte Lokomotionsorgan wie bei Walen in eine rasche, 
drehende Bewegung versetzt, welche dem Fisch einen plötzUchen, 
mächtigen Antrieb versetzt; ist die Flosse w^ährenddessen wieder in 
die Ruhelage zurückgekehrt, so erfolgt eine Wiederholung dieses 
Vorganges. Die stete Erneuerung derartiger Propellerbewegungen 



Uber undulatoriHclic T^rwcf^iiiij,' bei Fisc^bcii. 



erm()g:liclit dem Tier ein aiulaucrii(lcs, flinkes Seliwiiiimen, das ^?cf,^cn 
alle Wccliself'illlc, welche das Meer bietet, wie Wirbel, Wellensclila^^ 
u. dgl. zufolge des Korperbaues geschützt ist. Die guten Ober- 
flächenschwinimer sind nändich entweder fusiforni (torpedoartig) 
oder sagittiform (pfeilartig). ^) Während der erstere Typus eine 
sehr vorteilhafte Anpassung an ein schnelles Wenden darstellt, da- 
her immer bei Wanderformen auftritt, ermöglicht letzterer ein 
reißendes, zielsicheres Hinschielien durch die Wellen und ist für 




Schema zur Darstellung- der Wideistandswirkung des Wassers: 
Fig-. 1. Fusiformer Typus. Fig. 2. Sagittiforraer Typus. 



Stoßräuber bezeichnend. Eine einfache physikalische Erwägung 
läßt uns dies ohne weiteres begreiflich erscheinen: 

Tritt beim fusiformen Typus (Fig. 1) durch ein Auslegen 
der rechten Brustflosse infolge des auf ihre Fläche wirkenden Wasser- 
druckes eine geringfügige Ablenkung nach rechts ein, so dreht sich 
der Körper sofort in der gleichen Richtung um, da auf den vorderen, 
dicken Teil der Spindel (a) ein weit größerer Widerstand wirkt als 
auf den rückwärtigen dünnen (b). 



^) G. Schlesinger, Der sagittiforme Anpassungstypus nektonischer 
Fische. Vgl. diese „Verhandlungen", 1909, S. (140). 



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Günther Schlesinger. 



Wird dagegen ein sagittiformer Fisch (Fig. 2) in derselben 
Weise abgelenkt, so erfolgt Rückdrehung in die Scbwimmrichtung, 
da die durch Dorsalis, Analis und Caudalis gebildete Fläche (b) 
der größere Wasserwiderstand beeinflußt. 

Neben diesen Hauptbewegungsformen, welche bei den meisten 
flinken Meeresfischen wiederkehren, finden wir aber etliche Lo- 
komotionsarten, welche von diesen wesentlich abweichen und in 
der Regel durch besondere Verhältnisse entweder des Gesamtbaues 
oder der Umgebung bedingt sind. 

So benützt der Seestichling ( Gaster ostetis spinachia) seine 
Brustflossen/) um gleichsam durch das Wasser zu fliegen; eine 
große Zahl von schlechteren Schwimmern, insbesondere unserer Fluß- 
fische, braucht nach Art der Kaulquappen den ganzen Schwanz, 
um durch seitliches Schlagen mit demselben vorwärts zu kommen. 

Wie wir es hier im ersten Fall mit einer im Zusammenhang 
mit dem starren Körper, im zweiten infolge der bodennahen, mehr 
sessilen Lebensweise entstandenen Eigenart zu tun haben, so sehen 
wir auch die Ausbildung undulatorischer Lokomotionen im 
wesentUchen an ähnliche Ursachen geknüpft, 

A. Die Lokoiiiotion der Koclien und Plattfische. 

Zunächst sind es zwei benthonische Typen, die Rochen 
und Plattfische, welche infolge ihrer Lebensweise am Grunde 
des Meeres und des plattgedrückten Körpers eine eigenartige Orts- 
bewegung entwickelt haben. 

„Einmal rege geworden," teilt Brehm^) von gefangenen Ra- 
jiden mit, „schwimmen sie dicht über den Boden dahin, so daß 
sie mit den Flossen den Grund berühren und erwerben sich in 
dieser Weise ihre Nahrung. . . . Nachdem sie sich gesättigt haben, 
erheben sie sich in höhere Wasserschichten und treiben hier Schwimm- 
künste absonderlicher Art. So ungefüge sie aussehen, so leicht und 
zierlich durchschwimmen sie das Wasser. 



^) J. B. Pettigrew, Die Ortsbewegung- der Tiere, S. 60, übersetzt von 
J. Rosental, Leipzig 1875. 

2) A. E. Brehm, Tierleben, Bd. 8, Fische, S. 469. III. Aufl. Leipzig und 
Wien, 1892. 



UcIkt imdiilatorinclK^ nt'\v('<;imti: \)V,\ l'^iscluMi, 



„Die Fortbewegung geschieht dureli wellcnrörniigc ScIiHi^^^e 
beider l>rustllossen, derart, daß die Welle am Vorderteile beginnt und 
nach hinten fortUiut't. Der lange Schwanz dient liiebei, obgleich er 
wenig benutzt wird, als Steuer. Erklärlicherweise ist es den Koclien 
vollkommen gleichgültig, ob sie in wagrechter oder senkreclitcr 
Kichtung schwimmen; in ersterem Falle schweben sie durch die 
Wellen wie Raubvögel durch die Luft, in letzterem erscheinen ihre 
Bewegungen als tanzende, um so mehr, als sie sich häufig darin 
gefallen, bis zur Oberfläche aufzusteigen, sicli dort zu erhalten und 
im Wechselspiele auf und nieder zu tauchen." (Fig. 3.) 

Der Großteil derer, welche Gelegenheit hatten, Rochen, sei 
es in ihrem natürlichen Milieu oder im Aquarium, zu beobachten, 
schildert dieses einem Adlerflug vergleichbare Schweben, das sich 



Fi^. 3. Roche in Schwimmstellung-. 

(Nach Brehm.) 

bei den großen Äetohatis- und Dicer oh atis -Arten besonders schrui 
ausnimmt. 

Ein Blick auf den Bau des Körpers und des Skelets dieser 
Rochentypen macht uns ihre Art der Fortbewegung begreiflich: 

Der plattgedrückte Leib hat die Form eines Fünfeckes oder 
Rhombus, dessen seitliche Winkel durch die langen Brustflossen 
oft sehr spitz sind. Die Flossenstralilen schließen in etwa doppelter 
Anzahl an die biegsamen, fast parallelen Träger an. Diese Umstände 
vereint mit der spitzen Schnauze und der allmählichen Längen- 
zunahme der Pektoralstrahlen bis zur Körpermitte befähigen den 
Fisch, die Welle leicht anzusetzen; sie teilt sich den elastischen 
Trägern und so einem Teil des Körpers mit, so daß das Tier beim 



Eingehendere Darlegungen über die Beziehungen zwischen Lokomo- 
tion und Körperform und -bau der Eoehen behalte ich meiner in Bearbeitung 
stehenden „Ethologie der Elasraobranchier" vor. 

Z. B. Ges. 61. Bd. 20 



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Günther Schlesinger. 



raschen Schwimmen infolge der vielen, hintereinander über Leib 
und Flosse laufenden Wellen zu fliegen scheint. 

Die Fähigkeit lebhafter Eigenbewegung nimmt in dem Maße 
zu, als die einzelnen Arten von der benthonischen zu einer mehr 
pelagischen Lebensweise übergehen; dies prägt sich in der seitlichen 
Ausweitung des Körpers und seiner Längenabnahme aus. Während 
Torpedo fast vollkommen sessil ist, Baja gelegenthch im ruhigen 
Wasser sehr gut schwimmt, sind die Bewegungen von Äetohatis und 
Dicerohatis äußerst lebhaft und gewandt. 

Eine ganz ähnUche Lokomotion finden wir bei einer Gruppe 
von Teleostiern wieder, welche infolge ihres Lebens am oder im 
Sande des Meeresbodens eine konvergente Ausbildung erreicht 
haben, den Plattfischen oder Pleuronectidae (Fig. 4). 




Fig. 4. 

Goldbutt (Pleuronectes platessa) in Schvvimmstellung. 

(Nach Brehm.) 



Auch sie sind, wie schon ihr Name andeutet, gleich den 
Rochen abgeplattet, doch nicht dorsoventral, sondern lateral 
und ruhen mit der einen Seite, welche meist weiß ist und niemals 
die Färbung der anderen zeigt, am Grunde auf. 

Die als undulatorische Organe funktionierenden Brustflossen 
der Batoidei werden hier durch Analis und Dorsalis ersetzt; sie 
sind lang, umsäumen den ganzen Körper und reichen entweder nahe 
an die noch entwickelte Schwanzflosse heran oder bilden mit dieser 
einen am Körperende spitz auslaufenden, kontinuierUchen Flossen- 
saum. Die Pektoralen sind zwar vorhanden, doch funktionslos. 

Ihrem ganzen Körperbau nach stellen die Plattfische eine 
vom hochgradig pelagischen Leben (kompressiform symmetri- 
scher Typus) zum benthonischen (depressiform asymmetri- 
scher Typus) übergegangene Gruppe dar. 



lieber imdiilntorisclic nc\ve<,Miii;^- hei I'^iHclien. 



Kntwcrfon wir uns mimnclir, l)ev()r wir auf die Scbwimin- 
woisc der Pleuroneetiden lüllier eiugehcn, ein lÜld vom Skelet 
dieser Tiere :\) 

An die Wirbelsäule schließen sich links und rechts (morpho- 
loi;isch gesprochen ventral und dorsal) die parallelen Dornen an; 
Jeder derselben ist durch Ligament mit zwei Strahlenträgern ver- 
bunden, welche ebensovielen Strahlen entsprechen. Erstere sind 
vor ihrem distalen Ende nach Art einer Lanzette plattig verbreitert. 
Diese lanzettartig-e Ausweitung- ist vorne am stärksten, nimmt gegen 
die Mitte hin (den breitesten Teil des Fisches) ab und verschwindet 
hier gänzlich. Der Strahl selbst sitzt an einer kräftigen dreieckigen 
Verdickung des distalen Interspinale. 

Die Deutung dieser morphologischen Verhältnisse im Knochen- 
bau, wie der weitgehenden Reduktion des Eingeweideraumes ergibt 
sich ohne weiteres aus der Lokomotion der Plattfische. 

Wieder folgen wir Brehm ^) als Gewährsmann: 

„In den Sitten und Gewohnheiten, insbesondere in der Art 
und Weise sich zu bewegen, ähneln sich die Flachfische durch- 
aus; ... sie liegen auf dem Grunde ihres Aufenthaltsortes, bis auf 
die Augen mehr oder weniger im Sande versteckt und, mit Aus- 
nahme der Augen, bewegungslos, bis eine Beute sie hervorlockt 
oder ein Raubfisch sie vertreibt. Das Eingraben geschieht mit einer 
merkwürdigen Schnelligkeit durch wellenförmige Bewegungen ihrer 
Rücken- und Afterflossen, wodurch sehr bald ein flaches Loch aus- 
gegraben und gleichzeitig die Rücken- und Bauchseite leicht mit 
Sand bedeckt wird. Eine einzige kräftige Bewegung genügt dann, 
die Sanddecke abzuschütteln und den Leib in die Höhe zu heben, 
worauf der Flachfisch unter fortgesetzten wellenförmigen Bewegungen 
seiner beiden Hauptflossen und der kräftigen Schwanzflosse weiter 
schwimmt, so daß die Blindseite nach unten, die Rückenseite nach 
oben gerichtet ist. Wenn er eine jähe Bewegung ausführen will, 
tritt die Schwanzflosse ebenfalls in Wirksamkeit und er schießt dann, 
getrieben von den kräftigen Schlägen dieses hauptsächlichsten Be- 

^) Meiner Schilderung liegt ein Skelet von Solea vulgaris zugrunde, 
welches ich Dank der Liebenswürdigkeit des Herrn Kustos F. Sieben rock 
vom Wiener Hofmuseum studieren konnte. 

-) A. E. Brehm, Tierleben, VIII. Bd., Fische, S. 229. 

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